Freund der humanistischen Bildung bekannte, hie nach seiner Ansicht nicht genügend gewürdigt werde. Er ermahnte deshalb die Schüler, mit Eifer und Interesse das Griechische zu pflegen, um das gewaltige .Kulturvolk der Hellenen, deren Geist sich auch heute noch — vielleicht wehr denn je — in unserer Kunst und im Leben spiegelt, verstehen zu lernen. Insbesondere sollten die Schüler ihren Geist auf die Harmonie richten, welche die griechische Kunst zu so hoher Geltung gebracht hat. Er hoffe, daß griechische Literatur und Kultur auf den humanistischen Bildungsstätten sich für den einzelnen wie für die Allgemeinheit förderlich erweise. Der Kaiser erinnerte hierbei an bas Wort: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", und spornte die Gymnasiasten an, dahin zu streben, tüchtige Staatsbürger zu werden, damit Deutschland in der Geschichte den Platz behaupte, der ihm in neuester Zeit zugewiesen sei. Als Studenten sollten sie Sport treiben, auch denjenigen des Rappiers,'aber den Alkoholmißbrauch Meiden. Der Kaiser erwähnte lsterbei das Beispiel der amerikanischen Studenten. Er übergab daraus die Fahne dem Primus. Der Direktor erwiderte mit einer Ansprache, und die Schüler brachten ein dreifaches Hurra auf den Kaiser aus. Der Kaiser ließ sich danach die Lehrer und Primaner vorstellcn. Die Kaiserin und die Prinzessin wohnten dem Vorgang von einem Fenster des Schlosses aus bei. Nach Schluß der Feier wurden den Lehrern und Schülern Erfrischungen gereicht.
Lin Kampf der persischen Negierungstruppen mit den Ausftändischen.
Ast er ab ad, 19. Aug. Gestern fand zwischen der Borhut der Regierungstruppen und den Aufständischen ein Gefecht statt. Beiderseits hält man sich für den Sieger. Weder hier noch in den nächsten Ortschaften, wo sich Truppenabteilungen des Exschahs auf- tzalten, ist eine Nachricht über seine Ermordung eingetroffen.
Deutsches Nerch.
Die Betriebseinnahmen der Preußisch- Hessischen Staatseisenbahnen betrugen im Juni 1911 gegenüber dem Monat Juni des Vorjahres im Personenverkehr 2,5 Millionen Mark, gleich 3,75 Prozent, im Güterverkehr 7,4 Millionen Mark, gleich 6,72 Prozent, insgesamt 9,9 Millionen Mark, gleich 5,29 Prozent mehr. Die Zahl der Sonn- und Werktage war in beiden Jahren gleich.
„Danin" zufolge, verweilt der türkische Thronfolger, der auf eine Einladung des deutschen Kaisers in der nächsten Woche nach B>erlin reist, drei Tage als Gast des Kaisers in Berlin. Den Thronfolger begleiten der Chef der Kavalleriesektion des K'riegsministeriums, General Salih, sein Zeremonienmeister Nessib und zwei Flü- geladjutanten.
Kompetente rheinische Landwirtschaftskreise versichern, innerhalb weniger Monate würden die Z-leis ch preise eine Höhe erreichen, wie nie zuvor. In großen Distrikten werden die Landwirte gezwungen, wegen völligen Futtermangels ihren Viehbestand gänzlich aufeugeben. Gegenwärtig werde viel Jungvieh abgeschlachtet, dazu sei das Ende der Maul- und Klauenseuche nicht vorausMsetzen. Auch die Milch-, Butter- und Brotpreise werden demnächst eine bedeutende Steigerung erfahren. Ein Gleiches wird auch aus den holländischen Grenzbezirken gemeldet.
Ausland.
Aüs Toulon wird gemeldet: Der französische Märine- Minister hat angeordnet, daß die für den 4. September anberaumte große Flottenschau. auf der Rhede Des Vianettes statt- frndet, da die Rhede von Toulon ^zureichend erscheine. Der Präsident der Republik wird die Flottenschau an Bord des Panzerschiffes „Ponthuau" abhalten. Den Mitgliedern des Parlamentes und der Presse werden die Kreuzer „Foudre" und „Casablanca" zur Verfügung gestellt werden. Minister Del- c a s s 6 hofft, daß diese Flottenschau, welche die Seemacht Frankreichs in imposanter Weise zum Ausdruck bringen soll, wesentlich dazu beitragen werde, die öffentliche Meinung zu Gunsten der Kriegsmarine zu beeinflussen.
Der Touloner Platzoffizier MajorMourre übersandte dem Chefredakteur der „AutoritS", Jean Paul de Cassagnae,
iin Frankreich haben in dieser Zeit die Männer 10 Jahre, die Frauen 11 gewonnen; in Preußen hat die mittlere Lebenslange um 25 oder 29 Jahre zugenommen, in Dänemark innerhalb 57 Jahren um 13 bezw. 15; in Schweden, wo von je die allgemeine Lebensdauer eine lange war, im Verlaufe von 67 Jahren um 17 bezw. 15 Jahre.
Wo liegen die Ursachen für diese so erfreuliche Erscheinung? Vor allen Dingen natürlich in den Fortschritten der Wissenschaft und ihrer Einwirkung auf das allgemeine Wohl. Zumal die Kinderkrankheiten, wie Masern, Diphtherie, Krämpfe und Keuchhusten, die früher der mütterlichen Sorge und den Bemühungen des Arztes zum Trotz so unzählig viele Opfer forderten, sind an Zahl außerordentlich weit zurückgegangen. Hinzu kommt aber auch als wesentlicher 'Grund die Abnahme der übrigen Krankheiten. Gefährliche Epidemien werden heutzutage oft im Keime erstickt; die Schwindsucht, dieser heimtückische Feind der menschlichen Gesellschaft, wird nicht bloß mit Erfolg bekämpft, sondern bereits an. der Ausbreitung gehindert. Typhus, Blattern, Krebs, Hirnhautentzündung und ähnliche Leiden lassen sich heute in zahlreichen Fällen heilen. Ebenso steht es mit Krankheiten wie Scharlach und Lungenentzündung. Tas 19. Jahrhundert, das man als das Jahrhundert der Hygiene bezeichnen könnte, hat ferner eine so viel größere Reinlichkeit in den Wohnungen, den Schulen, den Geschäftshäusern und den Arbeitsräumen aller Art herbeigeführt. Die Arbeitszeit, durch deren Ausdehnung ehedem zahllose Menschenleben in kurzem aufgcricben wurden, ist heute für Bergwerke, Fabriken und Geschäfte in fast allen Kulturländern genau geregelt. In fast allen Schichten der menschlichen Gesellschaft ist auch die Ernährung eine vernünftigere und vorsichtigere geworben; zumal das Maßhalten im Mohol- und Tabakgenuß hat viel Nutzen gestiftet. Schließlich ist als lebenverlängernoer Faktor die Verringerung der llnglücksfälle bei der Arbeit anzuführen. Natürlich ist die Abnahme der Sterblichkeit in den einzelnen Ständen, Klassen und Berufen je nach der Art der Tätigkeit, je nach dem Ver- mögenszustande und der ganzen Lebenslage ihrer Angehörigen höchst verschieden. Dennoch ergibt sich aus den Statistiken, daß auch die ilntersten Schichten der Bevölkerung an der längeren Lebensdauer teil haben. Und diese kann 11 . JP1™ .bün der Zukunft noch erhöht werden, vor allem, wie rr. Fcsher darlegt, durch das Verbot von ehelichen Verbindungen zwischen Personen, von denen nicht eine gesunde Nachkommenschaft zu erwarten ist Schon heute verbietet der Staat Indiana den Geistestranteu, Alkoholikern und Belasteten aller Art, sich zu verheiraten, und die Gesetze werden in diesem Punkte streng und ausiwbmslos durch- üefuhrt. K. F.
eine Du ell so röerun g, well ihn dieser in einem Artikel über die jüngst erfolgte Hinrichtung zweier Matrosen heftig angegriffen hatte.
Die portugiesischeNationalversammlung nahm nrit lebhaften Zurufen die Vorlage über Sie Ve rfassung endgültig an. Tie konstituierende Versammlung wird die Versas s u n g am Montag proklamieren. Die Wahl des Präsidenten der Republik wird am Domrerstag, des Senats am Freitag stattfinden.
Der frühere amerikanische Staatssekretär Root brachte rm Senat ein Amendement zu den Schiedsgerichtsverträgen ein, nach dem diese nicht anwendbar sind auf Fragen, die aus der Monroe-Doktrin entstehen. ,Es ist^nicht wahrscheinlich, daß die Verträge noch in der laufenden Session ratt- ftziett werden.
yeer tittfc Flotte.
Das Linienschiff „Helgoland", desseü Indienststellung für den 1. Oktober vorgesehen war, wird am 23. Au- gust in Dienst gestellt._____________________
Arbeiterbewegung.
Mannheim, 19. Aug. In einer heute vormittag stattgesundenen Versammlung der ausständigen Arbeiter der Badischen Anilin - und Sodafabrik wurde beschlossen, die Arbeit am Montag bedingungslos wieder aufzunehmen.
Breslau, 19. Aug. Nach fünfwöchiger Dauer ist der Aus st andderorganisierten Herrenkonfektionsschneider durch einen dreijährigen Tarif beigelegt. Die Arbeit wurde in allen Betrieben sofort ausgenommen.
Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen vom 12. bis 18 August 1911.
Kreis:
Am 12. August waren verseucht:
Vom l-z. bis 18. Aug. sind neu verseucht :
Vom 12. bis 18. Aug. ist die Seuche erloschen in:
Darmstadt .
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Bensheim .
Schwanheim, Fehlheim, Bensheim
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Bensheim
Dieburg . .
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Erbach . . .
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Groß-Gerau
Erfelden, Leeheim, Trebur, Nauheim
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Erfelden, Trebur
Heppenheim
Wimpfen, Viernheim
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Offenbach. .
Dietesheim, Sprendlingen , Rumpenheim, Dudenhofen, Mühlheim
Hausen Hainstadt
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Gießen. . .
Ettingshausen, Holzheim, Ober-Hörgern, Bettenhausen
Gröningen, Gießen
Alsfeld . . .
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Büdingen. .
Hitzkirchen, Bös-Gesäß
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Friedberg .
Dortelweil, Klein-Karben, Gambach, Heldenbergen, Münzen berg, Wohn bach
Nieder- Wöllstadt Büdesheim Melbach
Lauterbach.
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Schotten . .
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Mainz . . .
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Alzey....
Bingen . . .
Weinheim
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Oppenheim
Bechtolsheim, Nackenheim, Köngernheim
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Worms. . .
Mörstadt, Eich
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Aus Stadt und Land.
Gießen, 21. August 1911.
** Säuglings sterblichkeit. Die Gr. Zentrale f. M. u. S. in Hessen schreibt uns: „Die Opfer, die die Hitze gefordert hat, sind erschreckend hoch. Zahllose Fälle von Hitzschlägen und Ertrinken wurden bekannt. Mehr unbemerkt vollzieht sich die Säuglingssterblichkeit der heißen Monate. In der letzten Juliwoche starben in Köln 133, in Dortmund 55, in Leipzig sogar 134 Säuglinge. In den Städten des Großherzogtums ist die Säuglingssterblichkeit bis jetzt nur in Offenbach stark gestiegen. Es starben in den letzter: zwei Wochen vor dem 5. August in Mainz (111150 Einw.) 28, in Darmstadt (87 550 Einw.) 18, in Offenbach (76 800 Einw.) 47, in Worms (47100 Einw.) 18, in Gießen (31300 Einw.) 6 Säuglinge. Im August des kühlen Sommers 1909 starben in Mainz 56, in Darmstadt 43, in Offenbach 80 und in Worms 31 Säuglinge. Man sicht daraus, daß die Säuglingssterblichkeit in den hessischen Städten (außer Offenoach) bis jetzt nicht erheblich höher ist, als in einem vorausgegangenen kühlen Sommer. Von den Kindern, die in Darmstadt in die Beratungsstelle der Zentrale gebracht werden, starben in dem betreffenden Zeitraum nur vier Säuglinge. Allerdings kommen die Schäden der heißen Zeit oft erst später zur Wirkung, so daß ein abschließendes Urteil noch nicht gewonnen werden kann.
** Gebührentarif des chemischen Untersuchungs- amtes für -Oberhessen. Mit dem 1. September l. Js. wird für das chemische Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen ein neuer Gebührentarif zur Einführung kommen. Von seinem Vorgänger, der den heutigen Verhältnissen nicht mehr entsprach, unterscheidet er sich vor allem dadurch vorteilhaft, daß ein großer Teil der Gebührensätze wesentlich herabgesetzt worden ist. Von sonstigen Verbesserungen sei noch heroorgehoben: Die tarifmäßigen Sätze werden für Untersuchungen von Nahrungs-Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, falls mehrere Einzelbestimmungen in ein und derselben Probe erforderlich sind, wie folgt ermäßigt: Bei 2 Emzelbestiinmungen um 10 Proz., bei 3 Einzelbestimmungen um 20 Proz., bei 4 Einzelbestimmungen um 30 Proz., bei 5 Einzelbestimmungen um 40 Proz., bei 6 oder mehr Emzel- bestimmungen um 50 Prozent. Bel fortgesetzter Inanspruchnahme des Untersuchungsamtes kann solchen Behörden und Privaten, mit denen keine besonderen Vereinbarungen getroffen sind, noch ein besonderer Rabatt bis zu 20 Prozent auf die allgemeinen Tarifsätze bewilligt werden. Da die Gebühren bei einem und demselben Gegenstand je nach der Art und Ailsdehnllng der Untersuchung verschieden sind, ist e§ erforderlich, mit der Uebergabe des Gegenstandes die Mitteilung über Veranlassung lind Zweck der Untersuchung zu verbinden. Im Interesse jedes Geschäftsmannes, der sich vor Strafe und Unannehmlichkeiten schützen ivill, dürfte es gelegen sein, möglichst ausgiebigen Gebrauch von der Einrichtung zu machen. Das Unterfuchungsamt gibt auf alle einschlägigen Anfragen AuSkilnft.
** Mäusejahr ein Hasenjahr. Dieses alte Jägerworl fomiiejnan im vergangenen Jahre wieder als wahr erkennen. Sehr viele Jäger'erwarteten von diesem Jahre ebenfalls ein gutes Niederwildjahr, weil es so sehr trocken war und Hühner wie Hasen unter der Witterung
nicht zu leiden hatten. Aber eine gründliche Täuschung ist eingetreten und liegt die Ursache sehr nahe. In BLäuse- jahren begnügt sich der Fuchs, die Raben, Habichte und sonstiges Raubzeug mit Vorliebe mit Mäusen und begehrt einem Hasen nicht nachzugehen. Dieses Jahr sieht man keine Mans im Felde und dieses Raubzeug ist nur auf den Hasen, hauptsächlich Junghasen, angewiesen. Dazu kommt noch die schlechte Deckung, die frühe Ernte, dre lichten Rüben, Kartoffel- und Kleeäcker und Wiesen, kurzum der Junghase weiß sich fast nicht zu bergen. Jeder Jäger, der die paar Tage die Hühnerjagd ausübt, vermißt die Hasen und Hühner. Einer der allerfchlimmsten Räuber ist der Rabe.'
Landkreis Gießen.
△ Klein-Linden, 20. Aug. Nach dem gestrigen Ge- meindcratsbeschluß findet in diesem Sommer'kern Kirchweihfest statt, denn es sind schon zwei Feste, ein Feuerwehrtest, und« ein Gesangswettstreit abgchaltcn worden. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden teueren Zeiten wird dieser Beschluß von den Einwohnern gewiß freudig begrüßt. — Gestern fand eine Besichtigung der Pftichtfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr statt imrch Regierungsrat Langermann und Krcisfeuerwehrmspektor Loos- Gießen. Die Hebung unter Leitung des Hauptmanns K. Jung klappte gut. Die Anschaffung weiterer Geräte wurde angeregt.
= Lollar, 20. Aug. Einen erhebenden Verlauf nahm die Grav elvttefeier, die die Kriegervereine des Kirchspiels Kirchberg gemeinsam veranstaltet hatten. Unter zahlreicher Beteiligung von den Kriegervereinen und den übrigen Gemeindegliedern fand um 10 Uhr in Kirchberg ein Festgottesdienst statt. Mächtig brauste der Lob- und Dankgesang unter Begleitung der Marburger Stadtkapelle durch die weite Kirche, die bis zum letzten Plätzchen — manche standen noch vor der Tür — gefüllt war. Pfarrassistent Gerich sprach in seiner Predigt über das Psalmwort, das an der Erinnerungstafel, die an der „Friedenslinde" angebracht wurde, geschrieben steht: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich." Nach dem Gottesdienste fand eine Feier an dem durch Kriegervereine und Kirche neu hergestellten Denkmal statt. Bei dieser Feier, die durch einen schönen Gesang der Lollarer Schulkinder eröffnet wurde, gedachte Bezirksvorsteher Lehrer Ta ab der Opfer, besonders derer aus den Gemeinden des Kirchspiels, die die heißen Augusttage des Jahres 1870 gefordert hatten, und legte zum ehrenden Andenken der Gefallenen im Auftrage der vereinigten Kriegervereine einen Kranz nieder. Mit einem gemeinsamen „Nun danket alle Gott" schloß die Feier.
Kreis Alsfeld.
△ Burg-Gemünden, 20. Ang. Einen plötzlichen Tod erlitt am Gravelottetag der 69jährige Kriegsvetcran Rühl Er war beim Ausladen eines Eisenbahnwagens beschäftigt. Der Wagen wurde abgestoßen und bei dem Stoß fiel der noch rüstige Mann herunter. Mit zerbrochenem Schädel blieb er auf den Schienen liegen. Er starb nach wenigen Minuten. Abends wollte er mit seinen Kameraden den Gedenktag von Gravelotte feiern.
△ Mücke, 20. Aug. Zwischen Mücke und Lehnheim verbrannte eine 15 Meter lange Hecke am Bahndamm und mehrere Haufen Weizen auf dem angrenzenden Acker. Bauersleute löschten das Feuer.
Kreis Schotten.
△ Laubach, 20. Aug. Der Hassiabezirk Laubach hielt unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Ritter von Laubach in Klein-Eichen seinen Bezirkstag ab. Es wurde beschlossen, das Bezirksfest 1912 in Röthges abzuhalteu. 'Der dortige Verein feiert dabei sein 25jähttges Jubiläum. Der Bezirk bewilligt dem verunglückten Hamann in Biebesheim 25 Mark Unterstützung. Den Bericht über den Hassiatag in Friedberg erstattete Bezirksvorsteher Ritter.
Kreis Friedberg.
△ Groß-Karben, 20. Ang. Ein großzügiges W a s s e r w e r k ist in unserer Gegend im Entstehen begriffen. Es handelt sich um die Wasserversorgung der Orte Büdesheim, Dorteliweil, Nieder-Erlenbach, Kloppenheim, Groß- Karben, K'lein-Karben und Okarben. Im Beisein des Kreisrats Schliephake fand eine Sitzung der Vertreter der sieben Gemeinden statt. Die Pläne des Kulturinspektors Heil fanden einstimmige Genehmigung und es imirbe ein „Verein zur Wasserversorgung des unteren Niddatals" begründet. Die Quellen zwischen Rodheim und Rosbach sind beretts käuflich erworben worden, sie liefern trotz der trockenen Zeit täglich 1400 Kubikmeter Wasser. Die Kosten des Wasserwerks sind zu 400000 Mk. berechnet. Der Kubikmeter Waffer soll zu 6 Pfg. abgegeben werden. Der gegründete Verein will Quellfaffung, Zuleitungen, Hochbehälter, .Hydranten und Hausanschlüsse auf eigene Kosten Herstellen. Die sieben Orte mit ihren 6320 Einwohnern werden noch nicht die Hälfte des Wassers verbrauchen, so daß weitere Anschlüffe erfolgen können. Im Sommer 1912 hofft man das Wasserwerk fertig zu haben. Mit der Quellfassung wird schon jetzt begonnen.
Landwirtschaft.
*' Saatgutbezug. Um höchste Erträge beim Ge« treloebau zu erzielen, ist es notwendig, leistungsfähige und gut kultivierte Sorten anzubauen und falls inan diese nicht selbst er- zeugen fann oder einen Saatgutwechsel vornehn'en will, aus bewährter Quelle im beziehen. Der Landwirt wird daher gerne Gelegenheit nehmen, sich bestes Saatgut aus solchen Quellen zu be- schaffen, die zur Gewinnung imb Herstellung von Saatgut unserer ertragsrelchsten Getreidesorten berufen und auch eingerichtet sind. Die mehrjährige Tätigkeit der S a a t b a u st e l l e n der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtunr Hessen hat diese durch die vielfachen Erfahrungen unter den verschiedensten Boden- und Witterungsverhältmssen in beit Stand gesetzt, den Aiibau der dorten zu betreiben, die heute für die gegebenen Verhältnisse die erlraqsreichuen sind. Es trifft dies sowohl zu für den R o g g e w wie für den W, nlerweizen und die W i n t e r g e r st e. Wer -Saatgut sich iit bester Qualität beschaffen ivill, wende sich daher an die Landwirtschaftskammer Darmstadt.
Sport.
, .77 Radsport. Der Gießener Radfahrer-Verein 1885 beteiUgte sich gestern mit Erfolg an dem vom Gau 9a des D- R.-B. rnWetzlar abgehattenenGau-Mannschafts- fahren Wetzlar—Herborn—Tillenburg—Mandeln und mm rucf, rund 95 Km. Die 1. Mannschaft des Vereins, gestehend aus den Fahrern Kampf, Unverzagt und Keßler, durchfuhr die Rennstrecke trotz verschiedener Radschäden in bec Zeit von 3 Stunden 7 Minuten und errang hiermit den 2. Preis, einen silbernen Pokal. Wenig vom Glück begünstigt war die 2. Mannschaft der 85er, Fahrer Schäfer/ Hofmeister und Balser. Durch den Sturz zweier Fahrer, sowie eine Anzahl von Schlauchdefekten, wurde die Mannschaft sehr in ihren Leistungen beeinträchtigt. Trotzdem benötigte sie nur 3 Stunden 321,4 Minuten zur Zurücklegung der Fahrstrecke und erhielt hierfür ein Ehrendiplom. Weitere Erfolge erzielte der Gießener Radfahrer-Verein 1885 bei der am 30. Juli d. I. vom Gau 9a veranstalteten Fährt ..Rund im Gau" über 150 Km. Das Mitglied E. Unverzagt ging in der Zeit von 5 Stunden lli/2 Minuten als l Drittbester durchs Ziel und erhielt hierfür eine silberne


