AbenLpost von Mücke um acht Uhr wurde von der Oberpostbchördc nicht erfüllt. Ein Postinspektor war wohl hier zur Prüfung der Angelegenheit, die aber nach der neuerlichen Anordnung, wonach jeder Bestelldienst überall bis abends 8 Uhr beendigt sein muß, verbleibt. Dafür hat die Postbehörde einen Bestellgang um nachmittags 4 Uhr eingelegt, der somit an den von Gießen kommenden Dreiuhrzug anfchließt. Durch diese Umänderung gelangt z. B. der „Gieß. Anz." schon um 4 Uhr hier an.
x Ober-Ohmen, 15. Febr. Wenn von Groß-Felda imd Groß-Eichen über die dort so stark zurückgegangencn Hausindustrien der Nagelschmiederei und des Lcinenwcbens berichtet wird, so darf auch der hier in unserem Ort im Verschwinden begriffenen Hausarbeit des M e s s e r s ch m i c- dens nicht vergessen werden. Früher halten die Straßen wieder von dem Hämmern des Kleingewerbes in diesem Zweig. Man kann sagen, daß fast in allen kleinen Haushaltungen der Mann die Messerschmiederei betrieb. Gegenwärtig ist diese Heimarbeit bis auf wenige Betriebe cin- geschrumpft. Die Jugend lernt dieses Gewerbe nicht mehr, da es nicht mehr lohnend erscheint. Die Eisenindustrien zu Wetzlar und Lollar bieten bessere Verdienste. Eigenartig bleibt es beim Zurückgang der Messerschmiederei, daß Messer von hier nach Solingen geliefert werden.
△ Elpenrod, 15. Febr. Unsere Holzmacher sind in diesem Jahre ungewöhnlich früh fertig geworden mit dem Holzmachen in den umliegenden Waldungen. Das kommt daher, daß das Angebot von Arbeitsleuten zur Holzmacherei größer als sonst war. Der Tagesverdienst kann wohl mit drei Mark Durchschnittslohn bezeichnet werden. Die Holzversteigerungen haben bereits begonnen. Obwohl der Winter keine kleinen Ansprüche an das Brennholz gestellt, sind die Preise bei diesen ersten Versteigerungen gegenüber den vorjährigen nicht höher.
Lustschiffahrt.
— Der erste deutsche „S ie bc n d c ck er". Ein Flugapparat, der von der allgemeinen Form der „Ein-" und „Zweidecker" völlig abweicht, wird von dem Ingenieur Fiedler gebaut. Es handelt sich um einen „Siebendecker", der die große Anzahl seiner Tragflächen zur Sicherung des Fluges verwendet. Ter Flugapparat hat eine kreisartige Form; die Tragflächen sind zueinander paralellel und sächerförurig m-geordnet. 'Die oberste Tragfläche ist an dem kreisförmigen Gerüst, das aus Stahlröhren besteht, tangential angebracht. Dia Breite einer Tragfläche beträgt 1,6 Meter. Die Gesamtfläche sämtlicher Tragflächen betragt 28 Quadratmeter, ist also bedeutend geringer als die Tragfläche der meisten Zweidecker'. Trotzdem soll die übereinander angeordirete Lage der Tragflächen dem Flugapparat eine große Sick>erheit beim Fliegen gewähren. Die kreisrunde Form des Gestelles schließt eine plötzliche Neigung des Apparates nach der einen oder anderen Seite völlig aus, so daß Abstürze auf diese Art vermieden werden. Ein weiterer Vorteil dieses Flugapparates scheint darin zu bestehen, daß eine Vertvindung der Tragflächen in der bisherigen Form -richt stattfindet, so daß eine Brüchigkeit der von den Leinewand sacken umspannten Traghölzer nicht eintritt. Außerdem ermöglicht die Bauart der Tragflächen eine Herstellung aus hohlen Stahlröhren oder Aluminiumröhren, so daß das Holz bei diesem Apparat garnicht zur Verweisung gelangt. Da irnm annehmen darf, daß die ätzten Katastrophen auf Brüche der Holzrippcn zurückzuführen sind, so wird man diesem neuartigen Flugapparate mit Interesse entgegen - feiten. Der Radius seines Kreisgestekles betragt 3V2 Meter. Der Sitz des Führers ist an der uMersten Stelle des Flugapparates angebracht. Das Kreisgcstell setzt sich aus zwar gleich großen und konzentrischen Stahlgestellen in Kreisform zusammen d-e voneinander vier Meter entfernt sind und in Abständen von
1-,' Meter durch Stahlröhren miteinander verbunden sind. Der Flugapparat hat also ungefähr die Gestalt einer Trom-nel. Es wird eine zweiflügelige Schraube non 1,5 Meter Durchmesser und ein 30 ?L-Motor zur Verwendung gelangen.
Vermißtes.
* Zu 54 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Es kommt nicht alle Tage vor, daß ein Angeklagter zu 54 000 Mark Geldstrafe verurteilt wird. Dieses Mißgeschick traf einen Kaufmann Gogolik, der vor der Straflammer in Gnesen stand. Der Angcllagte hatte sein Kolonial- und Delikatessengeschäft bei zwei Versickwrungsgesellsck-aften mit je 32 000 Mark versichern lassen und hatte beide Polizen ei-rgelöst. Ein Jahr später entstand bei ihm nachts Feuer. Der Angeklagte wurde unter dem Verdacht der Brmrdsttftung verhaftet, später "aber auf freien Fuß gesetzt. Jetzt hatte er sich wegen Doppel- iutb> UÜberversicherung zu verantworte-- und wurde zu der genannten Geldsttafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte eine mehr als doppelt so hohe Summe, 114 000 Mark Geldstrafe, beantragt.
ßattöck tmö verkehr, IMfswtriicbait.
X. Hanau, 15. Febr. lieber die Lage der im Hanauer Bezirk sehr stark vertretenen Zigarrenfabrikation äußert s-ch die Hanauer Handelsk-mmcr in ihrem demnächst zur Ausgabe gelangenden Jahresbericht: Die Absatzverhältnisse gestalteten s-ch im Berichtsjahre außerordentlich schwierig. Die Erfahrung hat gezeigt, daß nach dem neuen Tabalsteuergesetz die Raucher nur ganz vereinzelt die erforderlichen höheren Preise für die seitherigen Fabrikate angelegt haben, während namentlich die minderbemittelten Kreise für das Rauchen mehr zu zahlen verweigerten ■ und plngesichts der übrigen Teuerung mehr zu zahlen auch nicht in der Lage waren. Deshalb wurde cs notwendig, für alle Preis-, lagen den neuen Verhältnissen angepaßte Sorten in den Verkehr I zu bringen. Weil aber das Hauptaugenmerk darauf gerichitet! sein muß, einmal eipgeführte Sorten dauernd in gleichmäßiger j Qualität und zu denselben Preisen zu liefern, bedeutete die durch die neuen Zollverhältnisse hervorgerufene Umwälzung und die Einführung neuer Sorten in allen Preislagen einen vollständig neuen Aufbau des Absatzes, verbunden mit allen den Kosten und i Schwierigkeiten, welche für einen solchen erforderlich sind. Wie alljährlich trat wohl in den letzten Monatei- eine Belebung des Geschäfts ein, indessen ist das Weihnachtsgeschäft doch nicht so lebhaft gewesen, wie in früheren Jahren, und jedenfalls wird man gut daran tum sich vor übereilten unb zu optimistischer Beurteilung der Situation zu hüten. Nach der Umsatzziffer allein bemessen, mag wohl bei zahlreichen Firmen der buchmäßige Geldwert des Absatzes heute wieder annähernd die gleiche Höhe erreicht haben, wie früher. Der Umfang der Fabrikation ist aber zweifellos gegen früher zurückgeblieben und es liegen keine Momente vor,^ welche nach dieser Richtt-ng eine baldige Besserung erhoffen lassen, wobei auch wieder der immer stärker werdende Konsum von Zigaretten ins Gewicht fällt, zu welchem mancher Raucher übergegangen ist, der sich mit ben jetzigen Qualitäten ferner gewohnten Preislage in Zigarren nicht befreunden kann. Ueberd-es zeigt infolge der schwierigen Absatzverhältnisse unb den bannt verknüpften außerordentlichen Aufwendungen auch die Rentabilität ein durchaus ungenügendes Bild.
— D i c deutsche B i e r a u s i u h r hat im vergangenen Jahre einen Wert von 24,5 Millionen Mark erreicht gegen 22,1 Millionen Mark im Vorjahre. Arn größten war, wohl iniolgs der Brüsseler Weltausstellung, die Ausfuhr nach Belgien, wohin 124 704 Hektoliter Faßbier gegangen sind. An zweiter Stelle unter den Absatzläudern steht die Schweiz, die 115 673 Hektoliter erhallen hal, au dritter Frankreich mit 73 192 und an vierter die nordamerikanische Union mit rund 70 000 Hektolitern. Früher war Frankreich jahrzehntelang das wichtigste auslä'ldische Absatzgebiet '"r deutsches Bier; der Versand dorthin hat aber schon seit den neunz- wr Jahren, hauptsächlich infolge der mehrfachen ßotl- erhöhungen in Frankreich, nachgelassen. Ter neue, am 1. April :uiü emgeführte französisch e Zolltarif hat wiederum eine Erhöhung des B - e r z o l l e s gebracht, und der deutsche Bier--
export nach Frankreich ist seitdem wiederum erheblich zurück- gegangen. Wie verlautet, wird jetzt eine weitere Erhöhung des Zolles geplant, und zwar als Gegenmaßregel gegen die von Deutschland tm vergangenen Jahre uorgenommenen Zollerhöhungen auf Schaumwein, Kognak, Likör und Parfümerien. Tie Einfuhr von a u s l ä n d i s eh e m Bier nach D e u l s ch l a ,i d hatte im Jahre 1910 einen Wert von 7,3 Millionen Mark gegen 6,8 Millionen Mark im Jahre 1909. Trotz der Zollerhöhung, die im Sommer 1909 in Kraft trat, hat sie etwas zugeuoinw.eu. Aus Oesterreich- Ungarn kamen 355 000 Hektoliter gegen 333 000 im Vorjahre, aus England 23 500 gegen 21000 Hektoliter. Unter allen Ländern dec Welt hat Deuischlaud die stärkste Ausfuhr, aber auch die stärkste Einfuhr von Bier. Der Deutsche ist doch noch immer der tapferste Biertrinker auf der Erde.
Märkte.
ke. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 15. Febr. Aufgetrieben waren 1236 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg- Lebendgewicht 50.00 — 52.00 Alk., Schlachtgewicht 64.00 - 66.00 Alk., vollfleischige Schweine unter 80 k§ Lebendgewicht 50.00-52.00 Alk., Schlachtgewicht 63.< 0- 65 Alk.; vollfleischige Schweine von 100—10 kg Lebendgewicht 50.0 —52.00. Alk., Schlachtgewicht 61.00—64 Alk.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 5^.0"—52.00 Alk., Schlachlgeivicht 63-65 Alk.; Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht 00.00 bis 00.00 Mk., Schlachtgewicht 00.00—00 Alk. Sauen 00—00 Alk. Geschäft gut, ausverkauft.
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