Ausgabe 
16.2.1911 Drittes Blatt
 
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161. Jahrgang

Dritter Blatt

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zutragen.

STßcr. Dr. Struve (Vv.):

bahn rettete.

5lrcis Alsfeld.

Das kann mir wohl niemand bortoerfcn. Wenn cs aber der Fall wäre, dann wäre ich in guter Gesellschaft, nämlich in der des Großadmiral? v. Tirpitz, der cs trotz aller Warnunacn zugegeben hat, daß die H e i z c r z u l a g e n gestrichen worden sind.

Staatssekretär v. Tirpitz:

Ich soll also wieder der Sündenbock sein! Vergißt Herr Struve, daß er der Rufer im Streite gewesen ist, und daß ich dann vor einem Beschlüsse des Sauses stand. Keiner meiner Vorgänger hat für die Zahlmeister und Ingenieure soviel getan wie ich. Ich habe erst die hoben Stellen geschaffen. Mit großer Mühe habe idi für sie die SeefabrtSzulagcn durcbgeseht, so daß die Inge­nieure im ganzen bester stehen als die Seeoffiziere, so daß die Zahlmeister die bestbezahlten mittleren Beamten des Reiches sind.

Abg. Dr. Struve (Vp.):

Damit keine Legendenbildung entsteht, stelle ich fest, daß ich die Streichung der Seizerzulagen schon in der Budgetkommission als unerhört hingcstellt habe. Wir sind sa solche Liebenswürdigkeiten vom Staatssekretär gewohnt. Auch im vorigen Jahre stellte er die Dinge so hin, als ob wir das alte Eisen in Kiei gestohlen hätten.

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags,

DieGießener FamkNenblStter" werden dem Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das '«reisdlatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtjchastlichen Sett- fragen" erscheinen monatlich iroctmoL

Abg. Gilberts (Zenlr.)t

Der Antrag der Sozialdemokraten geht und LU weit, wir können ihn daher nicht unterstützen. Auch hat sa der Staatssekretär bereits darauf bingcwicsen, daß wesentliche Punkte des Untrage» bereits Ersülluna gefunden haben. (Wahrend der Rede dcS Abg. GiesbertS erleidet einer der amtierenden Rcichötagesteno- g r a p h e n einen Ohnmachtsanf all und muß au« dem Saale getragen werden. Die Abgg. Dr Muadan und Dr Struve lasten ihm ihre ärztliche Silfe zuteil werden. Die Verhandlung wird auf kurze Zeit unterbrochen.)

Abg. Hue (Soz.): Die Einwendungen gegen unseren Antrag sind hinfällig. Wir werden unseren Weg weitergehen, auch wenn wir keine Unterstützung hier finden.

Ueber die sozialdemokratische Resolution wird am Dienstag namentlich abgestimmt werden.

Abg. Severing (Soz.) bemängelt die Arbeits- und Lohnverbält- niste auf der Torpedowerkstatt in Fricdrichsort bei Kiel.

Geheimer Admiralitätsrat Harms: Beschwerdestellen sind in Friedrichsort eingerichtet worden. Sie haben sich auch bewährt.

Abg GieSbertS sZentr.): Es genügt, wenn die Arbeiteraus- schüste gutachtlich gehört werden. Eine entscheidende Mitwirkung ist nicht notwendig.

Aba. Werner Olt).):

Leider herrscht ein starker Kastengeist in der Marine. Der Redner bringt Wünsche der Jntendantursekretäre hinsichtlich der Uniformierung vor.

Vize-Admiral Capelle: Sinsichtlich der Bekleidungsfragen sind zahlreiche Wünsche laut geworden. Die Bestimmungen sollen revi­diert werden. Es ist uns aber noch nicht gelungen, einen allseitig befriedigenden Entwurf aufzustcllen.

Abg. Struve (Vp.)'

Ein Kastengeist besteht in der Marine in der Regel nicht. Allerdings ist einmal von höherer Stelle versucht worden, zu klassi- fixieren. Ich erinnere an den Theatererlaß, wonach Zalsimeister- aspirantcn und Ingenieure bestimmte bestcre Plätze im Theater nicht benutzen sollten.

Staatssekretär v. Tirpitz:

Das war kein Kastengeist. Der Erlaß ersolatc aus finanzieller Rücksicht, weil sich ein gewisser Rekord geltend machte, sich an Ausgaben zu überbieten. Ein gleicher Erlaß bezog sich auf die Fähn­riche. Ich bitte doch, nicht in die Marine Unzufriedenheit hinein-

Donnerstag, 16. Februar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Druhl'schen UnwersirätS-Buch- und Stcindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition unb Druckerei: 6cf)ul- fträfet 7. Expedition und Verlag: e^ol.

Redaklion:e-sSlI2. Tel.-Adr.:AnzeigerGtefeeu.

Hue erwähnt hat. Wir können doch unmogltch alle die Werke und die einzelnen Werkstätten ständig kontrollieren, selbst wenn wir eS wollten. Auch würden wir da auf einen

ungeheueren Widerstand der Industrie^ stoßen, wenn wir in all- Details uns einmischen wollten. Wenn der Vorredner sich speziell mit der Firma Krupp cmgehender be­faßt hat, so möchte ich demgegenüber meinen persönlichen Ein­druck dabin äußern, daß wohl kaum eine Firma soviel für die Verbesserung der Wolmungsvcrhältniste und der sozialen Lage ihrer Arbeiter getan hat wie die Firma Krupp. (Zustimmung rechts.) Auch ist zu berücksichtigen, daß wir die Preise wesent­lich steigern würden, wenn wir unseren Lieferanten so weit, gehende Verpflichtungen auferlegen wollten, wie cs der Abg. Hue wünscht. Die Ricsengewinnc mancher Firmen mögen ,a zu­treffend sein, man muß doch aber auch ihre großen KavitalS- anlagcn ins Auge fassen. C6 cs für daS Vaterland cm schade ist, wenn einzelne Personen so große Vermögen besitzen, mochte ich dahingestellt sein lassen. Die Firma,Krupp speziell bezieht ihre großen Einnahmen zum allerwenigsten aus den Marine- lieferungen. Was nun die Forderungen der Resolution im einzelnen anbetrisst, so gehen wir zum Teil letzt schon darüber hinaus. Wir verlangen nicht bloß dl- Einhaltung der gcsetzllchen Vorschriften in bezug auf die Arbeitsbedingungen, sondern w- gar eine gewisse Sicherheit für die Erfüllung der Verpflichtungen. Tic Uebcrwachung kann natürlich nicht unsere Ausgabe scui, sondern ist Sache der Einzelstaaten. Auch die. Mitwirkung dec Arbeitsausschüsse beachten wir, so daß wir diesem Wnnsch schon setzt nachkommen. Zu dem Abschluß von Tarifverträgen kann ein einzelnes Ressort keine Stellung nehmen. Darüber konnte nur der Reichskanzler ,m Einvernehmen mit allen Ressort» die Entscheidung treffen. (Beifall.)

und Organisationen, die den Ausbau der Invalidenversicherung anftrcbcii, von den Lebensversicherungen, die sich auf den ^twnd vunkt stellen, die Kapitalversicherung sei der.Rente vorznäiehe». Alle die vorgebrachtcn Gründe sind nicht stichhaltig, auch die Bciürchlung, der Arbeitgeber wälze die Beiträge aus seine An­gestellten ab, wird sich als grundlos erweisen. Man lasse sich nicht irre machen und strebe durch einiges, geschlossenrs Bvigchru dahin, den Brivatangeslellten die Segnungen zu sichern, die ihnen durch gedachtes Gesetz in Aussicht gestellt sind. ©ic haben es redlich verdient. Dem Redner wurde lebhafter Beifall 8utcil. Tro,; der Ausstellungen, die ein Redner zu mactwn batte, »wurde qegcu zwei Stimmen eine Entschließung angenommen, worin der .Hauptcrusschuß und die Siebenerkommrsslon b^uftragt iverdm, das Zustandekommen des Gesetzes im Linn der Ausschußbeschln, i anzustreben. *

** Eine mutige Tat beging gestern morgen um 71/ Uhr der Briefträger Aßmann von hier m der Frank­furter Straße an der Wiescclbrücke, indem er, einen jungen Mann, der anscheinend nach schiver durchtämpfter Nacht seine Geistesgegenwart verloren hatte, mit eigener Lebensgefahr zweimal vor dem Uebersahren durch die Elektrische Straßen-

s Ruppertenrod, 15. Febr. Die von unseren Einwohnern gcnmird)tc Wiederherstellung des seitherigen abendlm).ii Bei! . langes »rach dem Eintreffen der

die Exportpolitik

der Firma Krupp mehr kümmern. Wenn sie bann ihre Schlüsse zieht, so kann das für den'Etat nur von Vorteil fern, ^ic tzoch- qestimmten Reden hier im Reichstage über unsere herrliche Flottenpolitik stehen in aufallcndcm Gegensatz zu der trübseligen Stimmung draußen im Volke. Im Ruhrrevier ist eine Lohner­höhung glatt abgelehnt worden mit dem Hinweise auf die neuen Zolle und Steuern. Trotzdem sind die Dividenden dieser Betriebe fortwährend gestiegen. Tie Firma Krupp hatte in den letzten dr-i Jahren einen jährlichen Reingewinn von 30, 31 und 3o M-'?ionen Mark. Sie gab für soziale Lasten in einem Jahre z. kx 13V. Millionen Mark aus, aber steckte im selben Jahre einen glatten Gewinn von 18 Millionen Mark in die Tasche. Die einzige Familie Krupp hat in den letzten drei Fahren einen Ge­winn von 46,8 Millionen Mark eingesteckt. Der angeblich gut entlohnte Kruppsche Arbeiter muß den sechsten Teil seines Lohnes aofwenden, wenn er täglich ein Pfund Fleisch mit feiner Familie genießen will. Nach dem Bericht der Essener Wohnungsinspcktion bestehen dort 40 Proz. aller Wohnungen nur aus zwei Räumen. Für drei bis vier Personen ist nur ein Bett vorhanden. So sieht es im

Königreich Krupp

au81 Die Industrie hat die ganze Gegend auSgepreßt wie eine Zitrone. Die Armenlasten sind ungeheuer gestiegen. Der Volks- Wohlstand ist durch die Industrie nicht gehoben worden; nur Die Großunternehmer haben davon profitiert. Unsere Arbeiter sollen wenigstens einen kleinen Nutzen von den ungeheueren Summen haben, die für unsere Wehrmacht aufgewendet werden. Nehmen Sie deshalb unseren Antrag an.

Staatssekretär v. Tirpitz:

Es ist der Marineverwaltung weder quantitativ noch quali- kativ möglich, in alle die Details hincinzusteigen, die der Abg.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

mb. Deutscher Reichstag.

128. Sitzung, Mittwoch, den 15. F c b r u a r.

Am Tische des DundeSratS: v. Tirpitz, Capelle, Dähnhardt, Holl weg.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.

Der ITlarineefaf.

(Dritter Tag.)

Die allgemeine Aussprache ist gestern geschlossen tvörden.

Das Gehalt deS Staatssekretärs wird gegen die Sozialdemokraten und Polen bewilligt. ;

In namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Volkspartei und der Sozialdemokraten auf unver­kürzte Wiederherstellung der Heizerzulagen mit 162 gegen 15o Stimmen der Antragsteller und eines Teils der Nationalliberalen bei vier Enthaltungen ab gelernt. . , <

Es verbleibt bei dem Kommissionsbeschluß, wonach die Heizer die Zulage an den Tagen erhalten, an denen sie al» Heizer Dienst tun.

Die Abgg. Frhr. v. Thiinefeld (Ztr.) und Dr. Paaiche (Natl.) beantragen beim TitelMittleren«!) Kanzlerbeamte Wiederherstellung der Regierungsvorlage, mit 41 Registratoren, 8 Negistraturassistenten und 54 Kanzlegekretaren. Nur sollen davon je drei und im besten Falle vier Stellen als künftig weg- fallend bezeichnet werden. Die Kommis,,on hatte vier Kanzle,- sekrctäre gestrichen und an Stelle von drei Negislraioren drei Registraturassistenten bewilligt.

Abg. Noskc (Soz.):'

Die alte 'Geschichte! Die Abstriche der Kommission sollen im Plenum wieder gut gemacht werden. WaS nützt da die ganze Kommissionsarbeit! ES Hot sich noch kein Bureaubeamter zu Tode gearbeitet. Dos Arbeitspensum ist sehr gering.. Der Staatssekretär hat selbst Versuche angegellt und herarwgefunden. daß junge Damen doppelt soviel leisten tote die Kanzlisten. Soviel Rücksicht können wir doch nicht auf die w^ilitäranwarter nehmen, die eine bequeme 3 c r 1 0 r > ung haben wollen. Fünf Mark Kosten für den einzelnen Vogen ist wirklich ein bißchen reichlich.

Staatssekretär d. Tirpitz:

Der Schatzsekretär hat eine neue Kanzleiordnung eingefuhrt, die das bisherige Arbeitspensum in den Reichsamtern crh-blich erhöht. Dieses erhöhte Pensum erreichen wir aber 'm Marineamt schon seit 30 Jahren. W'r stehen sogar im Begrif,, es noch weiter zu erhöhen, namentlich durch Einführung deS TvvendruckS. Der Bogen kostet bei uns nur 2 bezw. 1 Mart.

Die Kommissionsbeschlüsse werden aufrecht er- halten. Angenommen wird eine Resolution Der Kommission, die bei den Reichsbehörden eine genügende, einheitliche Arbeitszeit der Beamten und durch anderweitige Organisation eine Verbtlltgung der Kanzleiarbeiten fordert.

Abg. Hue (Soz.)''' empfiehlt ernen Antrag, wonach Arbeiten und Lieferungen nur cn solche Firmen vergeben werden sollen,, dr: in b?zug auf d,e Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und sich verpflichten, auf den Abschluß von Tarifver­trägen hinzuwirken. Ferner soll die Marineverwaltung die Arbeitsbedingungen unter Mitwirkung der Ar b et t c r a 11 5 - schösse regeln. Der Redner verweist auf die Zustande^ bei der Firma Krupp, die ja in erster Linie von Staatsauftragen lebe. Die Marineverwaltung muß sich um

da die ^eiftunaen sich dann um ein bedeutendes günstiger ge- ftalteien Auch der Höchstsatz von 5000 Mark jährlichem Ein- kommen sollte als solcher in Wegfall kommen nnd die B-Nimmung getroffen werden, daß auch cm Beamter nut hol>er-m (Malt H* mit diesem Satz versicherii kann uitb nicht genötigt ut au?jii> scheiden, was in vielen Fällen als eure große Harte des Gcwyes empfunden würde. Von andern wichtigen Bestimmungen leiJi A LnE Versicherungspflichtig sind^ alle die Nicht .unter IG und nicht über 60 Jahre alt sind, -ter Veriiäferte tritt 11 den Besitz der Pension, entweder nach zuruckgelegtein 6v. t.ben^ iahr oder bei körperlicher ober geistiger Arbeitsunfähigkeit, xu Wartezeit ist bei iiiännlichen Personeti auf 120 Arbeitenwna e bei weiblichen auf 60 Arbettsnwnate berechnet, xod) joiL alte llebergangszeit geschaffen werden, derart, dag in den ersten zehn Fahren nach Inkrafttreten des Gesetzes 60 ^bettsmonale all- acmein genügen. Beim Ausscheiden aus der Versicherung wird che^ Hälfte der eingezahlten Beiträge vergütet, doch besteht die Absicht den Vorschlag des Hauvtausschusses hier einznfugen, eine Rückvergütung nicht unter allen Uninäiibcn zu gewahren, da es im Fnleresse der Versicherten liegt, den Austritt nicht so überaus leicht zu machen. Tic besteh.noen Ersatzkassen können bestehen bleiben Tie Prämien der Lebcnsver,ia;erungeii mcrbcit al-, Beitragsleistungen verrechnet, ohne den Arbeitgeber dadurch von leinen VerviliMtungen zu entbinden, ^er WiNve linb u» RuhegehaUcs als Rente auszuzahlen, daS der Ernährer der ,yami[ie zur Zett des Todes bezogen hätte, .ober Wan- der

Gesetzesvorlage wird von den verschiedensten Seiten be­kämpft: von den Handelskammern, von Neineir Kaufleuten deren Ruin es angeblich herbeiführen soll, von verschiedenen Parteien

Ans StaM und tland.

Gieizen, 16. Februar 1911.

Privatücamtctl-Bcisicheiung.

3m Auftrag der Ortsgruppe Gießen deS deutschnationalen Üandlungsgehilsen-Berbands sprach im Saal des .Hotel Einhorn Herr Schröder-Köln überPensionsversicherung der Privat- angeftellten" uittcr bcioubcrcr Berücksichtigung des nenen Ge­setz e n t w u r f s. Ten Ausführungen des Redners entnehmen wir das Folgende: Am J6. Januar d. Js. hat die Regierung durch die Vorlage des Gesetzentwurfs einer Pens ionsver, icherun g der Privatangeftellten gezeigt, daß es ihr ernst ist mit dem Be­streben, die Zukunft derer sicher gestellt zu wissen, die in privater Stellung tätig, weder Pension beziehen noch auch an den <0eg- itung cn des M r ankcnv er sicher nngs- und Jnvalidengcsetzes Anteil haben. Tic Regierungsvorlage steht auf dem <-tandpunli des Sondergesetzo' Tee Ausbau der vorhandenen Fürsorgegesetze unb deren Anwendung und Ausdehnung auf die Privatangestellten wurde von der Regierung abgglehnt hauptsächlich aus dem Grunde, da sich durch die damit verbundene allgemeine Verab,etzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre eine nach Millionen sich bemessende Mehrbelastung ergeben hätte. A-enn nun der Cn.- tourt auch noch nicht ganz befriedige, wenn besonders vieie An­regungen und Vorschläge des Hauplausschusies und d-r -Lieven 1- kommission der Privatangestellten kerne Auniahine gefunden tzattrn, so sei dies an und für sich bedauerlich, ändere aber 1 in allgemcuten nichts an der Tatsache, das; eine Grundlage geschaffen iei, am i.r weiter aufgcbaut werden könne und müsse, ^-o ' ,in-

wünschenswert, daß die Beiträge, die zur »alnc t / ' '

geber zu tragen sind, von 7o/o auf 8% erhöht tot-.--.* ;.iuotcn.

Staatssekretär v. Tirpitz:

Ich rufe daS ganze Hauö zum Zeugen: Wer bat denn der Staatssekretär .lezwungen, daS Zulagcwcscn zu revidieren? Tr. Struve wollte in die vitalsten Interessen unserer Marine eingreifen

Abg. Mommsen (Vp.):

Wir wollen doch die Debatte nicht auf ein falsches Gebiet führen. Auf Kosten der Heizer wollen wir keine Ersparnisse machen.

Abg. Dr. Struve (Vv.) bemängelt die Erhödung der R e i s c z u l a g c n für Offiziere. In diesen bedrängten Zeiten, in denen man, dcn Ve'zcrn ,pre 20 Pfg. nimmt, bringt man cs fertig, den Offizieren 11? uvu a»cr. mehr zu geben. . , w

Vizeadmiral siapcuc:

Dr. Struve irrt sich: Die von ihm beanstandeten Erböbungmi der Reisczulagen einzelner zurückberufencr Offiziere sind gar nicht aus dem TitelReisezulagen" bestritten worden, sondern au« einem Svezialt'tel. (Abg. Dr. Struve: Daö ist ja noch schöner!) Bit 5söhc der Zulagen selbst ist durch besonderes ReichSgcsctz festgelegt.

Abg. Tr. Lconhart (Vv.):

Nach dem Kieler Werft Prozeß hat der Staatösekrelar eine Bestrafung der schuldigen Beamten zugesagt. _ Nun ist in der Hauptsache nur gegen die jungen Applikanten cingeschrittcn wordei', die im Prozeß ungünstig aiiögesagt haben. Die pingen Herren waren eben erst von der Schulbank in dcn Werftdienst uberfletreten. Sic konnten nicht ahnen, daß ihre Vorgesetzten keine reine Weste hatten. Ihre Beschwerden sind summarisch ohne Nachprüfung ver­worfen wordcn. An ihre Stelle sind alte Beamte des inneren Dienstes kommandiert worden, die dieser schweren Beschäftigung nicht gewachsen sind. Wenn die Intendantursekretäre eine Uni­form bekämen, würde nur der Kastengeist gefördert werden.

Die geheimen Personalakten bestehen immer noch auf den Werften und werden von jungen Beamten bearbeitet! Wenn man diese Geheimakten nicht ganz beseitigen will, dann möge man sie wenigstens durch einen alten Militäranwärter bearbeiten lassen. Der Redner tragt wettere Wünsche auö Bcamtcnkreiseii vor, die durch die Besoldungöreform sich bintangesetzt fühlen. Tie Kaufleute sollten bei den Liefe­rungen mehr berücksichtigt werden. DaS Schmiergelderunweien ist immer noch nicht auSgerottet. Die Offiziere und Zahlmeister sollten sich mehr darum kümmern. T

Geh. Admiralitätsrat Harms erwidert auf die Emzel. anregungen der Vorredner. Bei der Berücksichtigung Kiels dürfen wir nicht zu weit gehen. Andere Städte und ganze Bundes­staaten verlangen auch Lieferungen.

Abg. Scvcring (Soz.) erörtert die in der Budgetkoinmission bereits verhandelte Beschwerde gegen den Torpedodirektor I s e n - ba bl in Wilhelmshaven. Als sich eine Arbeiterversammlung mit dcn Vorkommnissen beschäftigte und eine Resolution an das Ma- incamt beschloß, wurden 325 Teilnehmer strafversetzt unb fünf ent- lassen. Es wurde dann eine neue Versammlung auf Wunsch der Verwaltung einberufen, um dem Torpcdodirektor em «Sertrauenj* Votum auszusprechen. Die Versammlung, die von 4000 Arbeitern besucht war, lehnte dieses Ansinnen mit allen gegen 7 Stimmen ab. In Wilhelmshaven herrscht große Unzufriedenheit über das Verhalten Jsendabls. Wie stellt sich der Staatssekretär zu dem Verhalten feines Beamten?

Staatssekretär b. Tirpitz:

Ich habe immer den Mut, wirkliche Fehler cinzugestehSn und mich bemüht, sie zu verbessern. Auch tn diesem ,volle hatte ich es getan, wenn ick nicht der entgegengesetzten Ueberzeuguna wäre wie der Ak^. Scvering. Isendahl ist von großem Wohlwollen für seine Untergebenen beseelt, ich kann fei» Verhalten itt feder Beziehung vertreten. ~ ., . .

Der Redner tritt den einzelnen Beschwerden bev Abgeord­neten Severing entgegen. In der besprochenen Resolution war eine direkte Beleidigung deö TorpedodircktorS enthalten, es wurde ihm darin, unb zwar auf Vorschlag beS Sekretärs bes Metall, arbeiterverbanbes, bie Mißachtung ausgesprochen. Die 300 Mann, welche an ber Versammlung teilgenommen haben, sinb nach unserer Ansicht nur verführt worben. Wir haben sie nicht be straft, fonberii, ba sie nun nicht gut mehr in den Ressort des Torpedodirektors bleiben konnten, in ein andere? versetzt. In der Gegenversammlung, in der der Arbeiterausschuß in ber Mni- berbeit blieb, konnten die Mitglieder des Arbeiterausschusseö nicht zu Worte kommen, da sie sonst Gefahr gelaufen wären, mit Bier- scideln bearbeitet zu werden.

Abg. Dr. Weber (Natl.):'

Die Schllderung des Abg. Severing war zweifellos außer­ordentlich übertrieben. Der Torpebodirektor ist als em wohl­wollender Vorgesetzter bekannt. Ter Redner vertritt die Wunsche einzelner Beamtenkategorien. Älach Mitteilung desleipziger Tageblattes" ist bei dem Unfall desU. 3" die von zwei Privat- Werften angebotene erste Hisse abgelehnt worden. Ich bitte um Aufklärung darüber, ob das den Tatsachen entspricht.

Staatssekretär b. Tirpitz:

Tie Hilfe der Privatwerften würde wohl nichts genützt haben, dennU 3" war ja noch in der Lage, mit eigener Kraft nach dem Lande zu fahren. Ich kann mir nicht vorsiellen, daß eine Chanee, die sich geboten hätte, nicht ausgenuht wordcn Ware. Es wird sich nur um ein vages Gerückt handeln. Es ist sofort der Kran bestellt worden, das war 'ba? Einzige, waS zur Einleitung der Rettungs­aktion geschehen konnte. Ich werde aber die Sache untersuchen.

Wciterberatung Donnerstag, 1 Uhr.

Schluß 6% Uhr.