Preußens im Bundesrat sei nicht erheblich. Der Redner vertritt den Zentrumsantrag.
Die freisinnigen und natronalliberalen Antragsteller erläutern ihre Anträge. Der Vertreter der Konservativen nimmt Bezug auf seine Erklärungen bei der ersten Lesung im Plenum; er »volle sie nicht wiederholen. Seine Parte» stehe nach wie vor auf dem ablehnenden Standpunkt. Der Vertreter der »virtschaftlichen Vereinigung bekennt sich-gleichfalls als entschiedenen Gegner der Vorlage.
Das elsässische Mitglied der Reichspartei bedauert die Auffassung des Redners der wirtschaftlichen Bereinigung, der dre Verhältnisse Elfaß-Lothringens augenscheinlich nur aus beit Zeitungen kenne.
Ein Vertreter der Sozialdemokraten wendet nch gleichfalls gegen die Ausführungen des Redners der Wirtschaftlichen Bereinigung. Die Elsaß-Lothringer hätten den „Sozialismus der Dummheit", den Antisemitismus entschieden abgelehnt, das sei das beste Zeugnis für die politische Reise der Bevölkerung.
Die Ab st i in in un g ergibt in der Hauptsache die Annahme der Anträge der Linken. In dem Zentrums-, antrag hieß es: Die Staatsgewalt wird in ihm (dem Reichslande) vom Kaiser in» Rainen des Reiches ausgeübt. Die Worte: „im Namen des Reiches" werden mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. D ie Best ini mun g^en über 0 i c drei Bundesrats- Üimmen in der von den verbündeten Regierungen Dior geschlagenen Fassung werden mit 18 gegen 0 Stimmen angenommen. Dagegen stimmen die Konservativen, wirtschaftliche Vereinigung und Sozialdemokraten. Ein Mitglied der Reichspariei Ivar bei der Wstimmung nicht anwesend.
Auch die Wiederherstellung der Paragr. 1 und 2 der Regierungsvorlage, wonach die Staatsgewalt in Elsaß-Lothringen vom Kaiser ausgeübt wird und an der Spitze der Landesregierung .nn Statthalter steht, der front Kaiser unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers ernannt und abberufen wird, wird mit der gleichen Stimmenmehrheit 18 gegen 9 Stimmen beschlossen.
Weiterberatung: Mittwoch.
Kreis Friedberg.
Deutsche Kolonien.
Berlin, 14. März. Wie das kaiserliche Gouvernement aus T i e n 1 s i e n meldet, ist das S ch u tz g e b i e t b i s jetzt seuchenfrei geblieben.
UeberlandMtrale Wölfersheim.
Gießen, 15. März.
Der zweiten Kammer der Stände ist nunmehr eine dringliche Regierungsvorlage zugegangen, in der für den Bau einer Brikettfabrik nebst elettrischer Zentrale zur Abgabe elektrischer Energie an die Provinz Oberhessen auf dem staatlichen Braunkohlenbergwerk Ludwigshoffnung in Wölfersheim die Bewilligung eines Betrags von 1 905 000 Mark gefordert wird.
Geplant ist: a) eine Brikettfabrik mitt 4 Pressen, erweiterungsfähig auf 6 Pressen zu errichten-; b) eine elektrische Zentrale zu erbauen, ausreichend für den Bedarf des eigenen Betriebs und denjenigen, welchen die Provinz Oberhessen im Höchstfälle zu decken gedenkt (1600 000 K. W. St.); c) die Grube für den größeren Bedarf dec Brikettfabrik aus- und frorzuriästen einschl. erstmaliger Vorrichtung eines Tagebaues an dazu geeigneter Stelle, so daß die Grube alsbald zum gemischten Betrieb — d. h. Gewinnung der Kohle teilweise im Tief- und teilweise im Tagebau — übergehen kann. 1. Gesamte innere Einrichtung der Brikett- fabrik einschließlich Montage erfordert 740 000 Mark, 2. Bauarbeiter» an der Fabrik 320 000 Mark, 3. Brikettsckmppen und sonstige Nebengebäude 30000 Mark, 4. Fuhrwerkswage, Fuhrwerk und sonstiges Inventar 40 000 Mark, 5. Erweiterung des vorhandenen Bahnanschlusses 25 000 Mark, 6. Kosten für elektrische Zentrale a) soweit für den eigenen Bedarf nötig 240 000 Mark, b) soweit für den eigenen Bedarf der Provinz nötig 430 000 Mark, 7. Aus- und Vorrichtung des Grubenbetrrebs 280000 Mark. Summa- 2105 000 Mark. Hiervon können durch den Bestand des Erneuerungsfonds gedeckt werden 200 OOO Mark, verbleiben neu anzufordern 1905 000 Mark.
Man hofft, außer einer 4proz. Verzinsung und einer l,9proz. Tilgung des Anlagekapitals noch so viel für die Erneuerungs- und Erweiterungssonds zu erzielen, daß ein später etwa notroenbiger Ausbau des Betriebs möglichst ohne Erhöhung brö Anlagekapitals erfolgen kann. Bei fortschreitender Entwickelung des Werkes ist für später eine andere Verrechnungsweise des Ueberschusses vorgesehen. '
Der Besuch des Kaisers und des Kronprinzen in Wien.
Wien, 14. März. Den bisherigen Dispositionen nach trifft Kaiser Wilhelm um 10 Uhr 30 Min. vormittags am 24. März aus dem Penziger Bahnhof ein, wo er von dem Kaiser und den Erzherzogen empfangen wird. Es wird eine Ehrenkompagnic mit Fahnen und Musik gestellt. Nach der Begrüßung wird die Fahrt nach Schönbrunn erfolgen, woselbst der Kaiser während seines lOstündigen Aufenthaltes wohnt. Um 1 Uhr nachmittags findet Familiendejeuner statt, um 6 Uhr abends Tafel im Schönbrunner Schloß. Voraussichtlich erfolgt die Abreise nach Venedig zwischen 9 und 721O Uhr abends.
Die „Neue Freie Presse* meldet: Das deutsche Kronprinzenpaar trifft a»n Sonntag dem 9. April morgens hier ein. Die Kronprinzessin kommt zum erstenmale nach Wien. DaS Kronprinzenpaar wird in der Hofburg wohnen.
Dcntfrctyes Reich.
Die Beratungen über den Enttvurf eines Gesetzes betreffs Dersicherung der Privatbeamten, werden demnächst im Bundesrat beginnen.
Nack» einer Meldung des „New Port Herald" aus Mexiko ist am Dienstag vormittag in V e r a Cruz >ein A u f st a n d ans- yebrodien, ein Amerikaner wurde getötet, 6 Polizeibeamten ver- warndet. Die Tore der Gefängnisse wurden geöffnet, so daß 7 0 Gefangene entfliegen konnten. Marinesoldaten unterstützten die Zivil- und Milüärbehörden. Die französischen Jn- , rerchseu werden durch ein französisches Kriegsschiff wahrgenommen.
Die Nali-propaganda int vudgeiausschuh.
:: Berlin, 14. März.
Der Budgetausschuß des Reichstages setzte Vute bie zweimal unterbrochene Kali-Besprechung wieder fort. Ein Vertreter der Volkspartei spricht dem' Zentrum seinen Dank aus, daß es durch seine Anträge die Angelegenheit schon in der Kommission zur Erörterung gebracht habe und den Polen für die Abtretung ihres Sitzes an Dr. Heim. Der Redner ist der Meinung, daß die Kaliindustrie auch setzt nach dem Kaligesetz vor einer Katastrophe stehe. Es herrschten in ihr Uebergründung und ungesustde Kurssteigerung und es würde nur zwei bis drei Jache dauern, dann sei sie in der alten Notlage. Deshalb solle man diese Industrie nicht mit Steuern belasten.. Die Absicht des Gesetzgebers sei gewesen, daß der Bundesrat die Rabatte festsetzte. Dieser Pflicht habe sich der Bundesrat zum größten Teil, nämlich für das Rohsalz, entzogen. Die Rabattstufen von 12 000 bis 500 000 Doppelzentner Kali seien zu groß, der Bundesrat habe diese Stufen kleiner zu gestalten, dazu müsse er Zett finden. Diese großen Stufen hätten es bewirkt, daß für Rohsalz nur drei große Abnahmeverbände existieren, an die sich die kleinen Verbände anzuschliefeen gezwungen seien. Auch die Spesen seien dadurcy nicht verringert, sondern vermehrt. Nach den Abnahmeerträgen des Kalishndikats mit den .Mmahrneverbänden sei es verboten, die Rabatte weiterzugeben. Gegen die Propagandabeihilfen habe sich die Volkspartei schon bei der Beratung des Kaligesetzes gewandt, weil es nicht möglich sei. sie ein für allemal festzusetzen' das Bedürfnis wechsele und sie seien viel zu hoch. Selbst Mitglieder des Kali-Syndikats hätten ihm fror Erlaß des Gesetzes gesagt, daß mit den Propagandageldern geaast und geschmiert würde. Man wsise jetzt nicht, was mann mit den Propagändageldern tun solle, und da habe das Zentrum noch den Mut, die Erhöhung der Abgabe von 60 Pfg. auf 1 Mk. zu beantragen: Die verbündeten Regierungen müßten sofort durch Gesetz eine Minderung der Llbgabe und Herabsetzung der Preise herbeizuführen. .
Der Wortführer der Retchspartet erkennt bte mtßltche Laae der Kaliindustrie an und möchte sie daher auch nicht mit einer Steuer belasten. Der Redner vertritt sein Amendement zu dem konservativen Antrag, wonach der für die Förderung der Moorkultur ausgeworfene Betrag von 100 000 Mk. auch für die Heidekultur verwendet werden soll. Der Redner beantragt weiter, einen Teil der Gelder zu sonstiger Förderung der Landwirtschaft zu verwettden und insbesondere auch des Baumwollenbaues in den deutschen Kolonien. Ein Reservefonds sei zulässig. Die einzelnen Positionen sollten gegenseitig deckungsfähig sein.
Der Hauptwortführer des Zentrums erklärt, in einzelnen Punkten fei er zwar 'anderer Meinung als der Abgeordnete Heim, laber in den Hauptfragen seien .feine politischen Freunde mit Heim einig.
Handelsmini st er Shdow hat gegen den Antrag der Volkspartei unb der Sozialdemokraten, auch die kaufmännischen und intmftriellen Verbäirde an den Propagandageldern zu beteiligen, nichts einzuwenden. Den Anträgen auf Berücksickstigung der Kolonien hinsichtlich der Baumwolle stimmt ^er im Prinzip zu, 100 000 Mark seien aber ausreichend. Der Re,ervefonds sei nicht bedenklich, da er sich bei den großen und neuen Gebieten der Propaganda Nicht zu einem Geldlvpf entwickeln werde.
Das in den 9lusschuß mit dem Mandat der Polen eingetretene bayerische Zentrumsmitglied beantragt 50000 Mark zur Förderung des Weinbaues und den gleichen Betrag zur Förderung des Hopfenbaues zu verwenden.
Unterstaatsrekrelär Richter hat Bedenken gegen die fort- schrittliche Ent schließ ung auf Verlegung desKali- syndi kat s, da das ohne Genehmigung des Kalisyndikats nicht gut ausführbar sei. Hiergegen macht der Wortführer der Volkspartei darauf aufmerksam, daß bei Beratung des Kaligesetzes einige Verträge Vorgelegen haben.
Es wird über diese Entschließung der Volkspartei abgeftimmt, sie wirb angenommen. Im übrigen wird die Besprechung Mittwoch fortgesetzt.
2. Friedbery, 14. März. Unsere städtische werb e-Akad em re feiert in diesem Herbst ihr zehnjähriges Bestehen in unserer Stadt. Die Stadtverordneten werden den Dozenten und Studierendeir bei dieser Gelegenheit einen Kommers geben. Zurzeit ist die Leyr« anstatt stärker denn im Vorjahre besucht. Etwa 150 Studierende besuchen die Akademie, 14 Dozenten halten an ihr Vorträge ab.
L. Ober-Mörlen, 14. Marz. Da die projektierte Bahn Nauheim—Usingen in den nächsten Jahren wohl nicht ausgeführt wird, eine Anzahl reicher Dörfer unserer Umgebung, an den Vorhöhen des nörolichen Taunus gelegen, eine Bahn wohl nie bekommen werden, so ist die Gemeinde Obermörlen mit einem Vorschlag hervorgetreten; sie hat die Oberpostdirektion Darmstadt ersucht, eine Auto« mobilpost einzurichten. Sie soll von Nauheim über Ober« Mörlen nach Zregenberg gehen. Von dort aus soll fit über die Taunusdörfer Fauerbach und Hochweisel nach Niederweisel und wieder zurück führen. Hierdurch würdeL alle Dörfer in unserm Umkreise Verbindung nach einer Eisenbahnstation der Main-Weser-Bahn erhalten. Selbst« redend müssen die Gemeinden Opfer bringen und werden das auch tun.
zirk die Vereine Grüningen, Holzheim, Langgöns. Die M» Haltung eines Bergfestes alle 2 Jahre wurde genehmigt, desgleichen das volkstümliche Turnen Montags am Gau- tum fest in dem Jahre, an welchem kein Bergfest stattfindet. Als Bergfest wurde der Dünsbcrg bestimmt. Ein Antrag Bad-Nauheim: das Einzelwettfechten auf Gauturufesten bis auf Widerruf zuzulassen, wurde genehmigt. Die Haftpflicht. Versicherung der Gauvereine, die in diesem Jahre abläuft, wurde auf io Jahre erneuert zum Sähe von 6 Pfg. für aktive Turner unb 3 Pfg. für Zöglinge. Zur Abhaltung des Gau- festes in Schlitz wurde der 9. und 10. Juli fest gelegt.
** In Amerika verstorbene Hessen. Johanna Fleck geb. Heerz, 65 Jahre alt, aus Grünberg, in New- York. Mich. Schilling, 64 Jahre alt, aus Wald-Uelvers- heim, in Dumont. Kath. Sch efsei, 73 Jahre alt, aus Pferdsbach, in Allegheny. Leonhard Mohr, 65 Jahre alt, aus Mümling-Grumbach, in Dayton. Jost Ho chstein, 79 Jahre alt, aus Inheiden, in Johntown. Elise 58 ob elf geb. Bolt, 68 Jahre alt, aid Heppenheim, in Mex. Pulaski.
** Maul- unb Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind festgestellt aus: Kalb ach, Kreis Obertaunus, Regierungsbezirk Wiesbaden.
Landkreis Gießen.
x Klein-Lind en , 14. März. Das zweijährige Kind des Schaffners K. M. erlitt soschwereBrandwunden. daß es der Gießener Klinik zugeführt werden mußte. Die Mutter wollte das Kind baden und hatte kochendes Wasser zurecht gestellt. Das Kind riß das Gefäß herunter und schüttete den Inhalt über Brust und Leib.
:/: Heuchelheim, 14. März. Der Gesangverein .Teutonia" veranstaltet nächsten Sonntag im Saale der Wirtschaft von August Rinn ein Konzert im Sinne der Wohlfahrts- und Heimatpflege. Die Darbietungen bestehen aus Vokal- und Instrumentalmusik.
8. Lollar, 14. März. Infolge Blutvergiftung wurde heute der auf den hiesigen Eisenwerken beschäftigte Schreiner Langenhagen nach Gießen in die Klinik verbracht. Er hatte sich eine kleine Verletzung an der Hand zu- gezogen, die er nicht beachtete. — Einen traurigen Anblick bot heute hier ein Epileptiker, der sich nach Entledigung und Zerreißung seiner fast sämtlichen Kleider im Ort herum- trieb. Er wurde, nachdem man ihm wieder etwas Kleider beschafft hatte, von der Polizei zur Bahn gebracht und weiter befördert.
--L i ch, 14. März. Die Abgangsprüfung an der hiesigen Präparandenanstalt findet am 30. und 31. März statt. Die Aufnahmeprüfung für die neueintreten- ben Schüler ist auf den 2. Mai festgesetzt. Da die Anmeldungen zu dieser Prüfung bereits zahlreich einlaufen, seien die Interessenten darauf aufmerksam gemacht, daß die Prüfung nicht mehr besonders ausgeschrreben wird, und daß die Anmeldefrist mit Ostern abläuft.
r. Hungen, 13. Mär^. Unter Vorsitz des Präsidenten Korell-Angenrod wurde heute anstelle des verstorbenen Landwirtschaftskammermitgliedes Kühler-Langsdorf Herr Otto Schneid er-Utphe als Mitglied der Landwirtschaft^«' kammer für den 3. Wahlbezirk Lich-Hungen gewählt. Herr Schneider war seither Mitglied des Landwirtschastskammer- Ausschusses; an seine Stelle wurde Herr Ph. Seibert Tilgungen gewählt. Im 9. Wahlbezirk Schotten-Laubach wurde ebenfalls heute anstelle des verstorbenen Landwirtschafts- kammer-Ausschußmitgliedes Bürgermeistier Jochim Laubach Bürgermeister Lehr-Ruppertsburg gewählt.
Aus Staöi und Land.
Gießen, 15. Marz 1911.
•* Tageskalender für Mittwoch, 15. März. Stadttheater: „Ter Raub der Sabinerinnen". Anfang 7 Uhr.
Wählerversammlung der wzialdenwkratischen Partei. Redner Reichstagsabg. Göhre. Abends 8'/, Uhr im East Leib.
♦* TiLelv erleihung. Der Großherzig hat dem Mitglied der Beleihungskommission der Landes-Hypothekenbank Baurat Friedr. Raupp zu Darmstadt den Charakter als „Geheimer Baurat" und bem Konzertsänger Paul Schmedes aus Wien den Titel „Kammersänger" verliehen.
"Konkursstatistik. Im Jahre 1909 wurden insgesamt 283 Anträge auf Konkurseröffnung gestellt und 147 Konkurse eröffnet, hierunter 86 auf Antrag des Gemeinschuldners. Wegen Mangel an Masse wurden abgewiesen 66. Beendet wurden in demselben Jahre 166 Konkurse, davon 99 durch Schlußverteilung, 27 durch Zwangsvergleich, 6 wegen allgemeiner Einwilligung, 34 wegen Maffemangels. Die Schuldenmaffc betrug Mark 8 286 695, bevorrechtigte Forderungen Mk. 209 614, nicht bevorrechtigte Forderungen Mk. 8077 081, die Teilungsmasse Mk. 1439492, die Zahl der Konkursgläubiger 7783, die Summe der ausgefallenen Betrüge bevorrechtigt Mk. 93127, nicht bevorrechtigt Mk. 7 130 358. Aus einen Konkursgläubiger entfiel durchschnittlich ein ausgefallener Konkursforderungsbetrag von Mk. 928, die Kosten des Konkursverfahrens betrugen 13,18 % der TeiliingSmaffe.
**DerTurntag des Turngaues Hessen sand am Sonntag hier statt. Erschienen waren fast der gesamte Gau- und Tumausschuß, sowie 93 Vereine mit zusammen 127 Vertreter. Aus dem Bericht des Gauvertreters H e l m - Gießen entnehmen wir folgende Zahlen: Gesamtmitgliederzahl 11134 (1910: 10 589), aktive Turner über 17 Jahre 8921 (8564), Zöglinge unter 17 Jahre 2213 (2035). Zahl der Frauen unb Mädchen 541 (445), zum Militär eingezogen 405 (387). Zahl der Vereine 104 (95). Der Bericht des Gauturnwarts Will-Gießen gab ein umfassendes Bild über das turnerische Leben des vergangenen Jahres. Gaurechner Post-Alsfeld erstattete den Kassenbericht des Gaues wie folgt: Einnahmen 2698,40 Mk., Ausgaben 2630,60 Mark, Kassenvorrat 67,80 Mk., Gesamtvermögen des Gaues 749,91 Mk. Die Festsetzung der Gausteuer für 1911 ergab den seitherigen Satz von 27 Pfg. Die nun folgende Wahl der Gauausschußmitglieder, des 1. Gauvertreters, 2. Gauschriftführers, 1. Gauturnwarts unb Gaurechners brachte die Wiederwahl der seitherigen Ausschußmitglieder unb zwar: Fr. Helm-Gießen 116, Hrch. Grün-Kirchhain 113, W. Will-Gießen 109 unb Hermann Post-Alsfeld 114 Stimmen. Die Jubelfeier des 59jährigen Bestehens des Gaues, verbunden mit dem Gauturnfest in 1912, wurde, wie schon mitgeteilt wurde, den beiden Gießener Vereinen übertragen Das Fest soll in größerem Rahmen gefeiert werden. Der Antrag des Gauausschusses, anstelle der Gauturnfahrt Einführung von Bezirkswetturnen in volkstümlichen Hebungen mit vorausgehendem Turngang wurde probeweise auf zwei Jahre genehmigt. Als Tag wurde der 28. Mai bestimmt unb zwar für den 1. Bezirk sWetter, 2. Bezirk Wetzlar- hiebet ginnet 3. Bezirk Schotten, 4 LZezirt Alsfeld, 5. Be-.
3um Nahrungsberg-Vebauungsplan.
Gießen, 14. März.
Zum Nahrungsberg-Bebauungsplan erhielten wir fok genbe Einsendungen aus dem Leserkreis:
Auf das Eingesandt in 92r. 60 Ihres Blattes kann eilt Mitunterzeichner der betr. Eingabe an die Stadt nicht um« hin, dem Einsender seinen und der Petenten Dank dafür zum Ausdruck zu bringen, daß er in so entschiedener Weise das „allgemeine Interesse für die Sache angeregt Hal. Es ist und bleibt doch der Nahrungsberg das schönste unb gesundeste Baugelände, das Gießen noch aufzuweisen Hai, trotz Nähe der Siechen- und Irrenanstalt. Ob diese 6eibei Anstalten Empfehlung oder Warnung für Baulustige feil werden, wird die Zukunft lehren. Beide Anstalten sind im Bau und der Sage der Gebäude so gehalten, daß sie für das Auge in feiner Weise störend wirken tonnen, ebensowenig wird bte Nähe der Anstalt, die am Walde liegt, eine« Vernünftigen stören. Welche Gründe den Einsender leiten so sehr gegen die Eingabe Stellung zu nehmen, ist uiw verständlich. Es können dieses nur ganz persönliche Jnte^ essen und keine „allgemeinen" sein.*) Dieses beweisen feine Auslassungen gegen den Bebauungsplan des vorderen Nahrungsoerges, den er „getretenen Wurm" nennt. Der seinerzeit vorgelegene Plan, der aus seiner Versenkung wieder hervorgezerrt werden soll, ist in der Ausführung gut und ideal schön, nur Leiber schwer ausführbar, da einige bebaute sehr wertvolle Grundstücke hindernd int Wege stehen; sonst ist nichts an dem Plan auszusetzen. Der östliche Nahrungsberg hat eine solche Straßensührung nicht nötig, da hier schon sanft abfallendes, nach Süden und in unmittelbarer Nähe des Waldes gelegenes Gelände vorhanden und dabei preiswert zu haben ist. Rechnet man hinzn, daß durch die beiden Anstalten die Entwässerungsanlage (Kanalisation) teilweise schon ausgeführt ist, so dürste
♦) Darin irrt der Schreiber, der Schreiber per fraglichnl Einsendung ist völlig jintÄttretfiert Red,
Wic einige Zeitungen mitteilen, ordnete das Amtsgericht Berlin-Schöneberg die B e s cb l a g n a Ijm e des Manuskripts des vorn Regierungsrat n. D. Martin verfaßten Zahrbuchs „Die Millionäre" an. In dem eingcleitctcn Ermittelungsverfahren wurde der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge, festgestellt, daß die van Martin in dem Manuskript angegebenen Zahlen über das Vermögen und das Einkommen der aufgeführten Personen mit den in den Steuererklärungen unb den Vermögens- anzeigeit der Staatssteuerlisten enthaltenen auch nicht an - nähernd üb er einstimmen, so daß der nach dem Zirkular der Verlagsbuchhandlung begründete Verdacht, daß dem Verfasser amtliches Veranlagurrgsmaterial zur Verfügung gestanden hat, sich nickst aufrecht erhalten liefe.
Die Straßen-Eifenbahngesell schäft in Hamburg hat 15 Führer und Schaffner wegen Zugehörigkeit zum Transportarbeiter-Verband entlassen und erklärte, daß auch ferner keinem Angestellten die Zugehörigkeit zum Verbände erlaubt werde. Infolgedessen wird ein Aus st and der Straßenbahn- angeftellten als in Aussicht stehend bezeichnet.
Aus Paris wird gemeldet: Ein Dekret der Fremdenlegion hebt das Dekret vom 15. Januar 1910 auf und setzt den Artikel 6 und 7 des Gesetzes vom 10. März 1831 wieder in Kraft.


