Ausgabe 
15.3.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafet 14 Seiten.

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Neue englische Entschließungen in der Hlüttenrüjlungsjrage.

London, 14. Rtärz. 1911.

Nach der weiteren Erörterung un unreryause wie­derholte Grey Asquiths Definition von dem Zwttrnäcgte- Stand in bezug auf die europäischen Mächte und betonte, besser als der Zweirnächte-Scand sei der von Mc. Kenna gebrauchte Satzeine Flotte, die stark genug sei, ihre lieber macht zur See gegen jede denkbar wahrscheinliche Kombination zu beha-upten".

Die Entschließung Macdonalds könne er nicht annch-

Der elsaß-lothringische Oersassungrentwurf im Vudgetaurschutz.

: Berlin, 14. März.

Ter Reichstagsausschuß für die elsaß-lothringische Verfassung trat heute zum ersten Male nach der Entgegennahme der Er rlärung bts Staatssekretärs Delbrück zusammen. Zentrum (Tclsor,', Volkspartei ^Tr. Müller-Meiningen. u.:D bic N a t ion alliberalen (Baisermann haben Anträge gestellt, die übereinstimmeird die von den verbündeten Regierungen zugestan denen drei Bundesralsftimmcn in der dargebotenen Fassung an nehmen. Die Anträge der Volkspartei gehen im übrigen in der Hauptsache aus die Regierungsoor!cyläge zurück, die Anträge der Nationalliberalen wollen darüber hinaus eine gefekliche Sicherheu schassen gegen eine weitere Ausdehnung der Besugnissc des Stat Halters. Ter Zcntrumsantrag will dem Statthalter die Befug­nis geben, die Minister zu ernennen und zu entlassen.

Ter Wortführer der Reichsvartei stellt sich aus u... neuen Standpunkt der Vorschläge der Regierung. Ter Redner verlangt insbesondere die Pllcze der deutschen Sprache uni schärfere Ueberwachung der sremdiprachigen Zeitungen, sowie Au tausch von Beamten und Lehrern.

Der Wortführer des Zentrums betont, daß Elsaß-Lothrin gen jetzt mit in das Reichsregiment eintrete; das fei ein Fort ichritl, den seine Partei annehme. Die praktische Bedeunin der drei Bundesrats stimmen bezüglich einer Uebereinslimmung

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(Eine neue russische Kote.

Der russische Gesandte in Peking hat der chinesischen Regierung offenbar wiederum eine Art Verweis erteilt, wie aus folgender Meldung hervorgeht:

Peking, 14. März. (Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Der russischeGe sandte erhielt den Auftrag, dem Waiwupn eine Note zu überreichen, in der erklärt wird, die russische Regierung erblicke in der Antwort der chinesischen Regierung über die Beschränkung des russischen Handels durch Monopole und über die Errichtung von russischen Konsulaten im Bezirk Kobde Beweise unfreundlicher Beziehungen seitens Chinas. Dieses entstelle den genauen Sinn der Vertragbenimmungen durch daä Bestreben, den russischen Untertanen und dem russischen .Handel gewährten Vertrags rechten jede Bedeutung zu nehmen. Die russische Regierung fordert die chinesische auf, die Folgen einer derartigen Handlungsweise zu erwägen, die unvermeidlich zu einer Störung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ruß­land unb China führen würden.

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bittet uns um Ausuayme der naa-fvigenden Seiten:

In gegnerischen Kreisen führt man neben anöeren Grurrden auck den an, daß ein Sozialdemokrat das nächstemal wieder ver­drängt werden könne, während man Tr. Werner, wenn et erst einmal gewählt sei, wahrscheinlich nie wieder los würde. Man hoift, daß wir bann zu einer Verständigung, unter Verzicht auf einen eigenen Kandidaten, geneigt seien. Wir möchten dazu erklären, daß von einem solchen Rückzug unseres Kandidaten und seiner Partei niemals die Rede sein lann. Wohl roaren und sind wir auch noch heute zu einer Verständigung mit den Natwnal- libcralen, die entschieden gegen die Sozialdemokratie Stellung nehmen, bereit, die Verhandlungen in Friedberg und Büdingen unter Verzicht auf Aufstellung eines eigenen Kandidaten in Darm- ftabt und untere Mitarbeit für Herrn Dr. Ofann beweisen das zur Genüge. Wenn die Nationalliberalen durch Stimmenfreigabe den Sieg der Sozialdemokratie herbciführeu, so ist natürlich jede Verständigung für die allgemeinen Wahlen ausgeschlossen. Wir würden dann sofort nach Beendigung des Wahlkampfes in Gießen, in ganz Hessen mit unserer Arbeit einsetzen. Bei dem Kampfe würde dann die Sozialdemokratie wohl der lachende Tritte fein. Wir haben den Kampf aber nicht geivollt, nehmen ion aber selost- verstäudlich an, wenn er uns angetragen wird unb senden zwei unserer tüchtigsten Parteiselretäre nach Hessen hinein. Wer dann den Vorteil hat, werden wir ja bei den allgemeinen Wahlen sehen können, liniere Wühler sind so fest, daß lic sich nicht abwendig machen lassen, sondern uns die Stimmen halten.

Tie sotlshrittliche Volkspartei hält am Donnerstag übend eine »r auensmannerver- sammluug ab, in der Stellung zur <:ttchwahl genommen werden soll.

Tie Stellungnahme in der Bürgerschaft.

Man schreibt uns: Ge,r.crn, Dienstag, aoeub tagte im Hotel Einhorn dahier eine Versammtung von Angehörigen der verschiedenen bürgerlichen Parteien, um zur Reichs­tag s st i ch w a h l Steilung zu nehmen. Nach längerer Aus­sprache wurde beschlossen, einen Wahlaufruf an alle bürger­lichen Wähler zu erlassen, in dem aufgefordert roeroen soll, mit aller Entschiedenheit für die Wahl Dr. Werners einzutreten. Zn einer weiteren Versammlung wird alles weitere festgelegt werden. ES herrschte eine sehr zuversicht­liche Stimmung und wurde allerseits der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Erfolg nicht ausbleiben könnte, wenn zeder vaterländisch gciimite Wähler seine Schuldigkeit tue.

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'miten und des Bundes'der Landwirte der national- tibe raten ParteidenR am enSchurkenpartei" entgegenschleuderte unb das bis zum heutigen Tage .licht zurückgenommen hat. Für jeden der noch ein klein irenig Ehrgefühl besitzt, tft cs klar, daß eine so verletzte Partei unmöglich für die Wahl dieses Mannes den Finger zu rühren imstande ist. 2. Hat sich auch die offene Be- tämpjung der Nationalliberalen im jetzigen Wahlkampf, infolge geheimer Verabredung, in besseren Formen wie früher vollzogen, so hat man doch im stillen um so hinter­listiger intriguicrt, indem man die Fortschrittspartei mit Material gegen die Nationalliberalen versorgte, um den Zwist zwischen den Liberalen zu schüren. Die Gegenagita-

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Zur Stichwahl in Gietzen-Srünberg-Kidda.

Zwei Zuschriften von uationalliberalen Vorstandsmit­gliedern an uns lassen erkennen, welche Gegensätze gegen­wärtig in der nationalliberalen Partei herrschen, lieber bad angebliche Wort Dr. Werners von derSchurkenpartei" wird Klarbeit geschaffen werden müssen, heute tagen noch­mals die Nationalliberalen, morgen will die fortschrittliche Volkspartei ihre Stichwahlparole ausgeben. Der Wahl- ousschuß für die Kandidatur Werner sendet uns Ausfüh­rungen darüber, welche Stellung die wirtschaftliche Ver­einigung in der Zukunft einnehmen werde, wenn diese oder jene Entscheidung eintreten sollte.

Tas amtlich festgestellte Ergebnis der ReichStagsersahwahl weicht von dem vorläufig ermittelten nicht ab. Außer den euf die vier aufgestellten Kandidaten abgegebenen Stimmen wurden noch 12 zersplitterte und 4 3 ungültige Stimmen gezählt. Die Stichrvahl findet, wie wir schon mit- 1 eilten, am Dienstag, 21. März statt.

Nationalliberale Auseinandersetzungen.

Eine Zuschrift von nationalliberaler Seite lautet:

men, weil sie eine Einschränkung der Ausgaben fordere, ohne die Tatsache anzuerkennen, daß Englands Ausgaben von >eu Ausgaben der anderen Machte abhängen.

Im Verlauf der Aussprache, die mit der Ablehnung der Entschließung Mac Donalds mit 276 gegen 56 Stimmen und der Annahme des von der Regierung gebilligten Amen dements Kings endete, erllärte Sir Edward Grey u. a

Lassen Sie wich lagen, daß gerade, als Frankreich in den letzten Jahren die Differenzen mit Deutschland in der Mirokk.- frage beilegte, dies dem herzlichen Verhältnis zunscheu uns und Frankreich leinen Abbruch tat. Ebensowenig beeinträchtigte cs das herzliche Verhältnis zwischen uns und der russischen Regierung, alS diese kürzlich die sreundl'chaftliche Znnesprrche in Potsdam hatte. Wir nnimd.cn nickst mehr, als daß unsere Freunde mii den anderen Mächten auf gutem Fuße stehen. (Beifall.) Was Oesterreich-Ungarn anbelangt, so erllärte dessen Minister des Aeuhern vor kurzem, daß beide Regierungen willens seien, zu den alten vertrauensvollen Bczirimngcn zurückzukehren. Ick kann diese Erklärung nur warm begrüßen und genau cbenio erwidern. (Beifall.) Er, der Redner, nehme auch dieselbe Stellung ein wie der deutsche Rcick^kanzler, und er fügte hinzu: Wir haben nicht den Wunsch, abseits zu stehen und wir batten nickst den Wunsch, daß unsere Beziehungen zu irgend einer Macht io be­schaffen sein sollten, daß dadurch herzliche Bezichnngcn zu Deutsch land unmöglich würden. ,

Es sei gesagt worden, daß vieles durch ein Abkommen erreicht werden könnte: es sei besonders ein Abkommen mit Deutschland angeregt worden. Dazu sei ein sehr vor sichtiges Vorgehen notwendig. Er habe stets den AusdruckBe­schränkung der Rüstung" vermieden: das werde im Auslande so gedeutet, als ob England anderen Ländern Beschränkung auf erlegen wollte. Kein Land würde sich das gefallen lassen, Deutschland am wenigsten von allen. Er habe stets den Ausdruckwechselseitige Beschränkung der Ausgaben" ge­braucht. Nur innerhalb der Grenzen jenes Flottengesetzes könne vielleicht etwas zwilchen beiden Regierungen geschehen. Er fei stets der Meinung gewesen, daß ein v s fe n er A us ta u s ck von Informationen zwisa.-m beiden Regierungen durch die Morine Attaches gegen llebcrrafj'ungeii sichern und jede von beiden Nationen überzeugen würde, daß keine von beiden versnckw, der anderen einen Vorsprung abzugewinnen. Ein Abkommen könnte vielleicht zu einer Verlangsamung der Ausgaben führen ober dazu, doß das gegenwärtige Programm Deutschlands keine Steigerung erfahren würde. Alles dies könne Gegenstand von Erörterungen zwirnen den beiden Regierungen sein und c_- wäre in jeder Beziehung vorteilhaft, wenn ein Abkommen erzielt werden könnte. Deutsch'anb 1 übe seinerseits Englands Budget nie als herausforbernd angesehen.Was wir anftreben müssen, ist eine heilsame Bewegung, die das Hebel an der Wurzel faßt, und die öffentliche Meinung c Iler Länder so beeinflußt, daß ji< die Flut der Ausgaben der Wett zum Stillstand bringt. Zweimal im letzten Jahr, im März unb September, regte Präsident Tast Maßnahmen zur Förberung des Schiedsgerichtswesens an, bic üon größerer Bedeutung seien, als irgend etwas, was ein praktisch, r Staatsmann in ।einer Stellung je zuvor zu unternehmen gewagt. Der Gedanke Tafts solle nicht ohne Echo bleiben. Die Regierung würbe einen Vorschlag bieser Art mit Freude begrüßen, aber es würbe sich dabei um einen gewaltigen in seinen möglichen Folgen so rccüreidjeiiben Schritt handeln, baß er der entschetbenben Sank tion des Parlaments bedürfen würde. Er glaube allerdings, daß man dies erhalten könnte."

Die letzten Sätze Gregs riefen, dem Parlamentsberichterstatter des Daily Ehronicle zufolge, große Beweguna, enthusiastische Beifallskundgebungen hervor. In den Kreisen der libc ralen Partei wird angenommen, daß ein permanenter Schieds- gerichtsvertrag mit den VcreiitigtenStaaten in vcrhältnis ntäßig naher Aussicht stehe.

tion besorgte man also auf solche Weise um so gründlicher. Gegenüber der Freisinnigen Polkspartei hat sie Gestalt angenommen, die jeder Beschreibung spottet, und uns den .üulturgrah zeigt, auf dem man auf jener Seite zum Teil noch steht.

3. Ist es für einen wirklich liberalen Mann leicht oder auch nur möglich, für einen die prinzipielle Bekämpfung einer Religionsgesellschaft propagierenden Mann einzu­treten?

4. Wäre es nicht geradezu Verrat andern Führer der liberalen Fraktton Ern st Bass ermann, einerlei, ob man sich zu dessen Ideen in jeder Beziehung hingezogen fühlt oder nicht, hätte man nach der Kriegs­erklärung der konservativen Richtung des Herrn v. Heyoe- branb bet dem sicher in Aussicht sieheirden Kampf die Reihen des Letzteren gestärkt, um alle liberalen Wünsche mit ver­nichten zu helfen?

5. Welche Rolle hat der Bund der Landwirte in Fried­berg gespielt, als er den Nationalliberalen verdrängte und damit dem Sozialdemokraten zum Siege verhalf? Wie hat er s i ch hierverhalten; als er den ausrein- st e n Motiven s i ch für die Sache o p f e r n d e n P ro­se s s o r der Landwirtschaft Gis ev iu s zu Fall brachte? Hat er nicht in Alsfeld-Lauterbach den national- liberalen Kandidaten beiseite geschoben, nm den Antisemiten äur Proklamation zu bringen?

In Lübeck hat der B u n o d e r L a n d w i r t e beschlossen, den gegen die Sozialdemo traten aufgestellten gemeinsamen liberalen Kandidaten nicht zu unterstützest, sondern eine eigene Kandidatur aufzustellen, weil die liberale Rehrheit des Reichstags den Landwirten weit gefährlicher fei als die Sozialdemo­kraten!

Und diesem selbstsüchtigen Treiben gegenüber sollte die nationalliberale Partei unliberal genug sein, ihre An­klang er zur Wahl eines Antisemtten und Bünolers zu zwin- Bc ? Nein, mit erfreulicher £f|Ciu)eit und ft ar er Erkenntnis ter heutigen politischen Situation hat sie diesen Zwang aus­zuüben avgelehnt unb es jedem überlassen, zu wählen ober jid) der Aostimmung zu enthalten, je nachbem er es mit lein em liberalen Gewesen vereinbaren tarnt ober nicht.

Eine nationalliberale Partei vergibt bic Landwirtschaft md ihre Bedeutung nicht. Sie freut sie nicht geringer «in wie in früheren fahren, aber sie hält sich fern von ban Treiben einer demagogischen Jntevessentengruppe, die den DeckmantelLandnnrljcha.t" benutzt, um die eigensten Jn- aerejfen sicherzustellen, vielmehr noch wie die Soziardemo-

Eine gestrige Notiz, die Mitteilung über die veröffent­lichte Wahlparole der Nationalliberalen Partei sei verfrüht, beruht auf einem Irrtum. Die Parole ist nach Einbe- -ufung des zum Beschluß bevollmächtigten erweiterten Wahl- kreisvorstandes, in dem fein Vorsitzender, sein Sck;ristführer unb der Vorsitzende des Wahlausschusses anwesend waren, den Grund des Zusammentretens belanntgegeben und die Abstimmung vorgenommen haben, beschlviien worden, und sie ist nach jeder Richtung hin verbindlich. Die ergiebige Aussprache in der Versammlung selbst hat die einstimmige Annahme durch die Mitglieder gezeitigt, und wenn der Vorstand aus dieser Abstimmung bic einzig richtigen Kon­sequenzen zog, so geschah es deshalb, weil er draußen bei der Agitation Versprechungen gemacht hatte, die über den fetzigen Beschluß hinausgingen.

Die Parole selb/t hat ja bei manchem, nicht mit der Politik Vertrauten, Kopssckütteln erregt; bei jedem aber die jetzige politische Lage richtig Beurteilenden kann sie nur Zustimmung unb Befriedigung finden.

Wer sich b/r Vorgangs bei ber letzten Reichstagswahl

fratie, die vor kaum acht Tagen bei der Wahl in Jmmenstadt dem nationalübcralcn Kandidaten gegenüber dem Zentrum zum Siege verhalfen hat.

So bedauerlich auch der wahrscheinlich nicht zu ver­meidende Sieg der Sozialdemokraten ist, so erfreulich wird es auch sein, wenn aus der Niederlage der bürgerlichen Par­teien die Erkenntnis hervorwächst, daß eine Uebcrjpannung der Verhältnisse feiner Seite zum Vorteil gereicht. Möge daraus für die im Spätjahr stattsindende Hauptwahl bic richtige Folgerung gezogen werden.

Ein anderes Vorstandsmitglied der natio- n alliberalen Partei, das an der Samstag-Sitzung nickt tcilgenommen hat, vertritt den entgegengesetzten Stand­punkt:

Der am Samstag unter dem frischen Eindruck des Wahlkampfes gefaßte Beschluß des Vorstandes des Gießener Nationalliberalen Vereins, für die Stichwahl die national- liberalen Stimmen freizugeben, hat weit über die Grenzen unseres Wahlkreises hinaus berechtigtes Aufsehen erregt. Daß dieser Beschluß der Auslieferung des Mandats an die Sozialdemokratie gleichkommt, bedarf keines 'Beweises, unb eine solche Parole widerspricht dem Wesen und den Traditionen einer Partei, die den WahlspruchDem Vater- lande, nicht der Partei" stets hochgehalten hat. Daß es den Nationalliberalen nicht leickt wird, für einen Mann zu stimmen, der im vorigen Wahlkampf die nationalliberale Partei für eine Schurkenpartei erklärt haben soll, ist be­greiflich, und man muß verlangen, daß Herr Werner diese Beleidigung, falls er sie wirklich ausgesprochen hat, jetzt öffentlich zurückuimmt. Aber was uns auch von dem Vertreter des rabiialen Antisemitismus trennen mag, ihn im Kamps gegen den Sozialbemokraten zu unterstützen, ist die Pflicht jedes na.tonalgJinnten Mannes. Der Beschluß des Vorstandes am Samstag ist umso unbegreiflicher, als die Vertrauensmännervcrsammlung am 29. Januar bereits beschlossen hat, in der Stichwahl unter allen Umständen für den bürgerlichen Kandidaten gegen den Sozialdemokraten cin-mtrctcn, ja ausdrücklich wurde hinzugefügt, daß eine Vertrauensmännerversammlung über diese Frage nicht mehr einzuberufen sei. Wie ist es möglich, daß sich der Vorstand des 'National.iberalen Vereins Gießen über diesen Beschluß der Vertrauensmäimer des ganzen Wahlkreises einfach hin­weggesetzt hat? Es ist dringend zu wünschen, daß die auf morgen einberufene Versammlung des Aahitreisvorstandes und des engeren Vorstandes des Nationalliberalen Vereins u öieß.n den Beschluß üom Samstag, der zweifellos un­gültig i|i, beseitigt. Da die Vertrauensmänneroer,ammlung vom-9. Januar ausdrücklich eine neue Vertrauensmänner- Versammlung für überflüssig erklärt hat, ist eine solche nicht unbedingt notig, aber vielleicht wäre ihre Einberufung doch zur Klärung der so überraschend verwirrten Lage wünschenswert. A. K.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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