langen zu willfahren. Er weise es weit von sich, daß im Wahl-- kämpf gefegt worden sei, seine Partei hätte den Darmstadter sorttchrittttchen Kandidaten nicht angenommen, w.'il er kein Akademiker sei. Der hiesige Kandidat habe sich im öffentlichen Leben bewährt, er sei würdig, -um Abgeordneten gewählt zu werden. (Lebhafter Beifall.)
Eine fortschrittliche Gegenrede.
Nachdem der Vorsitzende dem Redner, wie auch früher dem Kandidaten, nochmals Dank ausgesprochen hatte, ergriff nach kurzer Pause zunächst Justizrat Metz das Wort. Er bestritt, daß die Fortschrittspartei an dem Scheitern der Einigung schuld sei. Die Frage, wer an dem Scheitern schuld gewesen sei, sei von dem Herrn Kandidaten erörtert worden. Wenn Prof. Luley gesagt habe, die Schuldfrage sei dadurch erwiesen, daß m der fortschrittlichen Versammlung Stadtv. Krumm und Justizrat Grünewald einen Stichwahlpakt geschlossen hätten, so habe er zu ^erwidern, sei denn Justizrat Grünewald die freisinnige gartet ? Grünewald habe nur für seine Person und ohne jeden Auftrag gesprochen. Die freisinnige Partei habe die Stichwahltrage überhaupt nicht erörtert und habe so viel Vertrauen zu ihrer Sache, daß sie es nicht nötig habe, da sie selbst in die Stichwahl komme. Ein Stichwahlpakt irgeirdwelcher Art sei nicht geschlossen worden. Er (Redner) sei immer für die Einigung gewesen. Die national* liberale Partei stehe der Fortschrittspartei immer noch naher als die Sozialdemokratie. Wenn, was er nicht glaube, seine Partei aus der Stichwahl ausschoide, werde sachlich geprüft werden, wer von den anderen Parteien für die Fortschrittspartei das kleinere Uebel sei. Offizielle Verhandlungen zwischen der Fortschrittspartei und den Sozialdemokraten hätten nicht stattgesunden und hätten bei der bekannten Haltung der Sozialdemokraten auch nicht stattsinden können. Es hätten nur fortschrittliche Landtagsabgeordnete mit sozialdemokratischen dari'iber gesprochen, ob nicht durch ein gemeinsames Vorgehen bei den Landtagswahlen die Linke gestärkt werden könne. Nachdem die Nationalliberalen in Darmstadt der Fortschrittspartei so wenig entgegengekommen seien, sei der Anlaß, hier den Nationalliberalen entgegenzukommen, für seine Partei weggefallen. Von den Herren Luley und Kraus- nrüller sei bei den Verhandlungen gesagt worden, die Wahl des Herrn Klingspor könne dazu beitragen, die Verhältnisse der ucäionalliberalen Landbagsfraktion im liberalen Sinne zu fördern. Wenn Herr Klingspor gesagt habe, nur die Liberalen toüßten nicht, was sie wollten, so müsse er für die Fortschrittspartei dies ablehnen, diese wisse ganz genau, was sie wolle. Es sei besser, jemand zu wählen, der ja oder nein sage, als den Abgeordneten einer Partei, von denen der eine nein und der andere ja fagd. Herr Klingspor habe vieles besprochen, was nicht zur Zuständigkeit des Landtags gehöre. Er (Kl.) habe zwar gesagt, die Landwirtschaft leide not, habe aber nicht gesagt, wie er ihr helfen wolle. Herr Kl. habe auch von der Gleichberechtigung der Konfessionen gesprochen, aber in der Praxis habe die nationalliberale Partei in solchen Fragen versagt. Ter heute für reformbedürftig erklärte Eisenbahnvertrag sei gerade von der nationalliberalen Partei gemacht worden. Dasselbe sei auch mit dem Stempelsteuergesetz der Fall gewesen. Die Notlage des Handwerks sei auch von dem fortschrittlichen Kandidaten anerkannt worden. Bei der Schulfrage, deren Wichtigkeit Herr Klingspor anerkannt habe, habe Urstadt bestimmte Vorschläge gemacht, während Klingspor sich alles Vorbehalten habe. Wenn er üm allgemeinen sich für die Vorschläge des Abg. Bach ausgesprochen habe, so sei daran zu erinnern, daß die Anschauungen Bachs, der nach der Ansicht einzelner der einzige wirkliche Liberale der national- liberalen Fraktion sei, von der nationallib. Partei keineswegs allgemein geteilt würden. Die Frankfurter Universitätssrage werde nichl im hessischen Landtag entschieden. Der Redner schloß mit einer Empfehlung der Kandidatur Urstadt, was von einem Teil der Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde.
Fabrikant Klingspor führt aus, daß seine Ausführungen berechtigt gewesen seien. Die fortschrittliche Volkspartci habe wäh- rend den Verhandlungen mit den Nationalliberalen gleichzeitig hinten herum mit den Sozialdemokraten verhandelt. Wenn das von 'anderer Seite geschehen fei, so hätte die Fortschrittspartei dies als Verrat erklärt. Herr Justizrat Metz habe mit so viel junwesentlichen Einzelheiten erwidert, die mit den großen Fragen der heutigen Versammlung nur in losem Zusammenhang ständen, daß er (Klingspor) nur einzelne Punkte herausgreifen könne. Seine Stellung in der Frage der Konfessionen sei Herrn Justizrat Metz doch wohl bekannt. In der Schulfrage könne er erklären, daß er für die Simültanschule sei, und damit stimme er der hauptsächlichen liberalen Forderung bei. In technische Einzelheiten wolle er sich nicht einlassen, da er sich dazu noch nicht ausreichend informiert habe. Er werde aber später wohl noch Gelegenheit finben, mit Fachmännern darüber sich zu beiprechen miti) deren Wünsche zu vernehmen. Tie Frankfurter Universitätsfrage zu regeln, dürfe man doch nicht so ohne alle Bemühungen einfach mir Preußen überlassen. Was die Ausführungen des Herrn Metz über frühere Verhältnisse des hessisck>en Landtags anlange, so werde darauf Herr Justizrat Osann das nötige erwidern. Ter fortschrittliche Gegenredner helfe sich damit, einen Parteigenossen, der unbequeme Aeußerungen gemacht habe, ab* zuschütteln ober aber, er könne sich wesentlicher Dinge nicht mehr erinnern. Herr Klingspor führt aus, Herrn Metz telephonisch gesagt zu haben, daß die Abmachung für die Landkreise nur auf der Basis einer Einigung in der Stadt Gießen Geltung bekommen werde.
Herr Justizrat Metz ruft, das sei unwahr, und erklärt auf hie Frage, wie er zu diesem Zwischenruf komme, daß ihm nichts von einer solchen Musterung des Herrn Klingspor bekannt sei; möglicherweise habe er am Telephon diesen letzten Satz überhört.
Es kam dann zu Auseinandersetzungen zwischen den Herren Klingspor und Metz über die EiniMngsperhandlungen. Herr Klingspor wies die Aeusterung von Justizrat Metz, er (Redner) habe eigentlich eine Kandidatenrede zum Reichstag gehalten, damit zurück, daß er eine solche Kandidatur niemals erstrebe. Was er eigentlich in seinen Ausführungen unterlassen habe, habe Herr- Metz nicht gesagt. Er habe erklärt, daß er heute noch bereit fei, von seiner Kandidatur im Interesse der Einigkeit zurückzutreten, wenn die Fortschrittspartei entsprechend entgegenkomme. Dies halte er aufrecht. (Lebhafter Beifalls
Abg. Dr. Osann fuhrt aus, daß Abg. Pagenstecher sein Landtagsmandat wegen eines schweren Herzleidens niedergelegt habe, aber nicht, wie Justizrat Metz gesagt habe, weil cs ihm in der nationalliberalen Landtagsfraktion nicht gefallen habe. Meinungsverschiedenheiten kämen in jeder Partei vor. Der frühere Führer der nationalliberalen Partei sei im Landtag entschieden dem Minister Finger entgegengetreten, als es sich um die in Frage gestellte Anstellung eines jüdischen Richters gehandelt habe. Die nationalliberale Partei habe weder Freude an hohen Stempeln, noch an Stenern, man müsse es den Abgeordneten überlassen, im Ernzel- fall das richtige zu treffen. Die nationalliberale Partei habe das Schulgesetz von 1874 gemacht und stehe nach wie vor entschieden guf dem Poden der Simültanschule. In schultechnischcn Fragen könne man allerdings verschiedener Meinung sein. Für den Besuch der Gießener Universität und für die Gießener Bevölkerung sei die Gründung einer Universität in Frankfurt sehr nachteilig und der Appell des hessischen Landtags in dieser Frage werde wohl nicht unbeachtet bleiben. Den Eisenbahnvertrag mit Preußen abzulehucn, sei wenig einsichtig gewesen. Der Vertrag Müsse entweder angenommen werden oder Preußen hätte ihn überhaupt gbgelehnt. Eine Aenderung sei nicht zu ^erzielen gewesen. Der Vertrag habe für Hessen viel segensreiches gebracht.
Hessen allein hätte, beginnt, tote aus dem Anzeigeteil ersichtlich ist, am DonuerS» ^rsenbahnoerhältnisse tag wieder einen Ansbildungskur)ns. .
t habe es versäumt, ö *♦ Die Rudergesellschaft hkt dre nächstjährige
namentlich auch ytnstchMch der Finanzen. U-..— —.« die Ludwigsbahn nicht erwerben und seine EckenbaynveryaUniNe o bessern können, wie es geschehen sei. Man habe cs verjaumt, in den guten Jahren die Eisenbahnüberschüsse _ zur Schuldentilgung zu verwenden. Der Gemeiiiscksaftsvertrag sei eine Großtat der nationalliberalen Partei gewesen und seine Ausdehnung aus wertere Staaten zur dringend wünschenswerten Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens sei nur durch die systematische Schlechtmachung des Gemeinschaftsvertrags verhindert worden. Der Vertrag sei gewiß kein Ddeisterwerk und angesichts der Veränderung der Verhältnisse habe seine Partei mit dem Antrag, die Unterlagen zu schaffen und zu sehm, ob eine Revision möglich ser, durchaus das richtige getroffen. (Lebhafter Beifall.)
Professor Kraus müller weist darauf hin, daß Herr Kling- por sich ausdrücklich für die Simultanschule erklärt habe. Er geht dann auf einige Ausführungen des Herrn Metz über die Einigungsverhandlungen ein. Ein näheres Eingehen auf tue Einigungsverhandlungen sei von seinen Parteifreunden schon deshalb nicht beabsichtigt gewesen, da ihr Bereinsvorsitzender auf eine sachlichen Ausführungen in höhnischer Weise bekämpft wor-
Gießener R e g a t t a auf Sonntag, 28 Juli verlegt..
* * Zum Besten d e s F r aue nbun d e s d e r deut- schen Kolonialgesellfchaft veranstalte die hiesige Ortsgruppe gestern einen gut besuchten u n s - Uhr - Tee im Gesellschaftsverein, der in der angehmsten wid ar^ reaenbften Weise verlief. An kleinen Tijchen, dre hübsch mit Blumen und farbtgbeschattetw Kerzen verziert waren, wurden die von einer ganzen Schar junger Mädchen dar- gebotenen Erfrischungen eingenommen und nnrkiam angeregt durch Farbe und Musik entwickelte sich buld em lebhaftes munteres Treiben. Im Laufe der Veranstaltung sprach Fräulein von Hatten an vanb ^trefflicher zum größten Teil farbiger Lichtbilder über Deutsch^Süd-West mit besonderer Betonung der vom Frauenbund getroffenen Wohlsahrtseinrichtungen. Zu diesen gehört vor allem das Heimatshaus in Keetmannshoop das rn erfter Linie dazu bestimmt ist, deutsche Mädchen für das Wirtschaftsleben der Kolonie vorzubilden, um einen tüchtigen Stamm deutscher Hausfrauen heranzuziehen. Die Vortragende ging davon aus, daß die intelligente aber verlotterte Mischlingsbevölkerung im Verein mit den faulen und schmutzigen Buren die größte Gefahr für das Deutschtum in Südwest bedeute, und daß diesem Schaden vor allem dadurch zu begegnen sei, daß den deutschen Farmern die Möglichkeit geboten werde, deutsche Mädchen zu heiraten. Weiter schilderte Fräulein von Hatten m fesselnden Ausführungen die Schwierigkeiten des Wirtschaftslebens in der Kolonie und die Einrichtungen, die man zu ferner besseren Gestaltung getroffen Hobe, unter denen die Gründung des Heimatshauses in Keetmannshoop an der Spitze steht, ©ie' entwickelte dann die Ausgaben und Ziele dieser Pflanzschule deutscher Kultur und schloß mit dem Wunsche, daß recht viele Frauen diese notwendigen Arbeiten unterstützten, indem sie sich dem Frauenbund der Kolonial-Gesell- schaft anschlössen. Der Vortrag, der mit reichem Beifall ausgenommen wurde, führte der Ortsgruppe eine große Anzahl von Mitgliedern zu. Den Abschluß der in allen Teilen gelungenen Veranstaltung bildete ein Tänzchen, das die angeregte Gesellschaft noch einige Stunden in bester
den sei.
Parteisekretär Kuhlmann -Darmstadt ist der Ansicht, daß über die Einigungsverhandlungen unbedingt Klarheit geschaffen werden müsse. Äbg. Pagenstecher habe in Mainz gesagt, das; die nationalliberale Partei ein Vogel mit so ungleichen Flügeln sei, daß er sich nicht aus dem Dreck erheben könne. Daß Meinungsverschiedenheiten vorhanden seien, komme in allen Parteien vor, aber so sehr diametral sich entgegenstehende Meinnngsver- ckiiedenheiten seien nur in der nationalliberalen Partei vorhanden. Tie hessischen nationalliberalen Abgeordneten gehörten Mm Teil dem Bund der Landwirte und zum Teil dem Hansabun.de an und Herr Dr. Osann sei oft genug int Hessischen Landtag von einen Fraktionsgenossen im Stich gelassen worden. In der Schulfrage vertrete Abg. Bach die Progvammforderungen des Deutschen Lehrervereins, namentlich in der Frage der nationalen Einheitsschule. Bezüglich des Eisenbahnvertrags sei daran zu erinnern, daß die Segnungen des Vertrags sehr dürftig seien. Allerdings habe man im Laufe des Gemeinschastsvertvages 33 Millionen mehr erhalten als die Verzinsung der Eisenbahnschuld betrage, aber man haue auch 80 Millionen Mark neue Schulden infolge des Gerneinschastsvertrages gemacht. Daß man im Parlament manchmal Konzessionen machen müsse, sei richtig, aber solche Nachgaben dürften über gewisse Grenzen nicht hinmisgehen. Tie direkte Wahl zum Landtag, die im wesentlichen eine technische Verbesserung des Wahlverfahrens sei, sei durch zu große Nachgaben erlangt worden. Eine Mehrhritsbüdung für die Erlangung des direkten Wahlrechts sei auch ohne den Bauernbund und die Sozialdemokraten möglich gewesen. Tie Freisinnigen seien hierzu bereit gewesen. Man habe aber die Einigung auf dieser Grundlage nicht machen wollen, weil man noch die Wahlkreiseinteilung mit den Parteien des Bauernbundes und des Zentrums machen wollte. Tie nationalliberalen Parteien stellten in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen dem Zentrum und den Banernbündlem keine Gegenkandidaten gegenüber, wie dies auch umgekehrt der Fall sei. Der Redner stellte noch fest, daß die fortschrittliche Volkspartei für die Besteuerung der Warenhäuser, der Filialgeschäfte und aller Konsumvereine gestimmt habe. Besser als ein linksstehender Nationalliberaler sei ein Freisinniger, deshalb könne er nur die Wahl des Herrn Urstadt empfehlen. (Beifall.)
Rechtsanwalt Kaufmann wandte sich gegen einige Ausführungen des Justizrats Metz und meinte, wenn die fortsckwitt- liche Partei die Liberalisierung der angeblich so reaktionären nationalliberalen Landtagsfraktion in ihrem Sinne durchführen wollte, müsse sie doch Herrn Klingspor unterstützen. In der Eisenbahnfrage habe Herr Metz alle Ursache, ruhig zu fein, denn Metz und Dr. Gutfleisch hätten im Landtag der Stadt Gießen die 100 000 Mark für die Bahn Lollar—Londorf aufgebuttert. Die Gießener Freisinnigen hätten sich nach der rosaroten Seite entwickelt, das habe man bei der letzten Stadtverordnetenwahl gesehen. Herr Metz habe heute die Aeußerung des Herrn Grünewald in der Stichwahlfrage für dessen persönliche Meinung erklärt. Es gehe doch wohl nichts den freisinnigen Landtagsabgeordneten als einen unmaßgeblichen Parteigenossen zu bezeichnen. Man sehe also in der fortschrittlichen Partei die gegensätzlichen Meinungen, die Herr Metz der nationalliberalcn Partei zum Vorwurf gemacht habe. Herr Metz hätte die Pflicht gehabt, als Vorsitzender der Freitagsversammlung schon damals aufklärend einzuschreiten. Aber seine heutige Erklärung, im Falle einer .Stichwahl zwischen Klingspor und Vetters, werde die Fortschrittspartei prüfen, wer das kleinere Uebel sei, erleuchte hie Situation blitzartig. (Lebh. Beifall.)
Bahnhofsvorsteher Fiedler mahnte unter Anführung zahlreicher Dichterstimmcn zur Einigung der liberalen Parteien und empfahl als Kandidaten den, dessen Partei in ihren politischen Ansichten unabhängig sei und der sich, auf die breite Masse des Volkes stütze, das sei Herr Urstadt, dessen Wahl er aufs wärmste empfehlen könne. (Beifall.)
Justizrat Metz wandte sich gegen Aeußerungen des Rechtsanwalts Kaufmann und polemisierte dann gegen Abg. 'Dr. Osann.
Nach einigen Bemerkungen des Herrn Klingspor erhielt Abg. Dr. Osann das Schlußwort, in dem er sich namentlich gegen die Ausführungen des Herrn Kuhlmann wandte. Weiter führte er aus, der Wahlkampf zwischen den bürgerlichen Parteien müsse so geführt werden, daß sie bei den Stichwahlen sich unterstützen könnten. (Lebh. Beifall.)
Pros. Luley schloß bann Die Versammlung mit einem Hoch auf das Hessenland.
Stimmung zusammenhielt.
Landkreis Gießen.
5 Lich, 23. Okt. Auf unserem Güterbahnhofs herrschte in den letzten Wochen wieder ein reger Verkehr. Nicht nur, daß massenhaft Obst zur Verladung kam, auch Kartoffeln wurden verfrachtet. Die Kartoffelernte, die noch über Erwarten gut, im Durchschnitt sogar besser als die vorjährige ausgefallen war, hüt vielen -Landwirten Erträge geliefert, die über den eignen Bedarf hinaus reichen und noch Absatz ermöglichen. Von den Sorten haben sich in den letzten Jahren chier besonders die „Hrrssia", die „Jn- dustrie", die „ever good" (immer gut), die „verbesserte magnum bonum" und die „Up-to-date" sehr gut.eingeführt, während die früher so beliebte alte „magnum bonum" in unserem Boden vollkommen ausgeartet ist und daher nur noch wenig gebaut wird, zumal sie auch in der Qualität von den genannten neuen Sorten ersetzt wird. Es wurden hier auf dem Normalmorgen durchschnittlich 50 Malter geerntet. Doch gibt es auch Bauern, die mit „Industrie" oder „Up-to-Hate" 60—70 Malter auf den Morgen geerntet haben. Das sind Ertrüge, die an die bester Erntejahre heranreichen.
A Hungen, 23. Okt. Die Kanalisation unserer Stadt ist seit etwa vier Wochen begonnen. Der Hauptkanal führt von der Pfanne durch die Unterstadt in die Horloff. Die jetzt begonnenen Arbeiten sind zu 18000 Mark veranschlagt. Die Erbauung einer neuen Bürgerschule wird nunmehr bestimmt nächstes Frühjahr in Angriff genommen. Als Bauplatz ist die Pfanne bestimmt, die Kosten werden rund 100 000 ,Mk. betragen.
Kreis Büdingen.
s. Büdingen, 23. Okt. Eine Kind es lei che ist in der Einmündung des Kanals in der>Seinenbach gefunden worden.
A Bleichend ach, 23. Okt. Der Kriegsteilnehmer von 1866 und 1870/71 Heinrich Kröll VIII. wurde unter sehr starekr Beteiligung beerdigt. Er war seit Jahren Postagent.
Kreis Alsfeld.
a. Rainrod, 23. Okt. Der auf dem-Himmelsbachschen Sägewerk bei Eichelsdorf beschäftigte 22jähri,ge Arbeiter Jost von hier verunglückte heute derart, daß beim Holz- ablangen ein Stamm abrollte und ihn traf. । Durch pen starken Druck wurde dem Arbeiter das Genick abgedrückt: der Tod trat sofort ein. .
Aus Stadt und Land.
Gießen, 24. Oktober 1911.
* * Tageskalender für Dienstag, 24. Oktober: Stadttheater: „Die Neuvermählten" und „Die Geschwister". Anfang 8 Uhr.
Naturheilverein. Frauenvortrag von Marg. Päßler-Berlin über Frauenleiden. Abends 8V2 Uhr im Hotel Schütz.
*
* Lehrerkonferenz. In Klein-Linden tagte gestern eine Lehrerkonferenz, die von den Lehrern der Umgebung Gießens stark besucht war. Die Oberklasse der Volksschule hatte eine Unterrichtsstunde über geschichtlichen Unterricht unter besonderer Berücksichtigung der Orts- und Heimatsgeschichte. Die Frühjahrsbezirkskonferenz soll in Wieseck stattfinden. Es sind eine Probelektion in Hauswirtschaft und Gesundheitspflege und in Geometrie vorgesehen. Der Leiter der Konferenz machte Mitteilung über die geplante Einführung des Turnunterrichts und des Zeichenunterrichts in der Fortbildungsschule. Mit der Kreiskonferenz im nächsten Frühjahr soll eine Ausstellung von Zeichnungen der Schüler oerbitnben werden. Die Kreislehrerbibliothek soll eine wesentliche Bereicherung durch Anschaffung neuer Werke erhalten. Ein Ausschuß soll mit der Auswahl der Werke betraut werden, der Kreis Gießen wird in mehrere Lesezirkel eingeteilt.
* * Ausbildung in der er st en Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Die freiwillige Sanitätskolonne
Kreis Lauterbach.
~ $ er 6 ft ein, 23. Okt. Ms Nachspiel »u »er hie- figen BergeorduetenwaU, bie bekanntlich vom Kreisausschuß wegen Wal,lbeem,lussungen für ungültig erklärt worden tft, wurde vor dem hiesigen Schöffengericht eine Seiet- bimmgälfafl« des Beigeordneten-Kandidaten Molkerei- bescher Josef Kubel und des Fabrikanten Peter Josef Ruhl verhandelt. R wurde zu einer Geldstrafe von 50 Mark wiederbeklagte k freigesprochen Ä' Z k Beleidigungen waren in Flugblätter ent- D.e K stge toirb wahrscheinlich noch eine höhere Instanz beschäftigen. ■' ’ '
Kreis Schotten.
OVom hohen Vogelsberg, 22. Okt. DaS trockene Sommer- und Herchiwe ter halten zur Folge, daß die einzelnen Erntetermine so früh fielen, wie seilen zuvor. Frucht-, summet- und Kartoffelernte, die sonst gegen die Ebene stets
* jucuct sind, hielten mit der Wetterau säst
gleichen schritt. So war auch der Termin der Herbstferien, d.,e »" vergangenen Jahr um diese Zeit noch andauerten, "u\re hi n«T ^Ersolge zeitigten auch in diesem S tHC°”A$e' ble >u°n in den letzten Jahren D°nM°>.b lpfl0n3"n9en gemacht hat. Die b °°^'^cne Arten Wirtschaftsäpfel kommen v aNen A 9rUt Ot Unb I,efetn zufriedenstellende Erträge. I t O Sm,™ V°°---bergs findet man
oor eVniQenX'f, ' 6 3,cb0eSf>ain >'"b H-rchenhain, w°S noch nicht der Fall war.
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