Ausgabe 
24.10.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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schoben.

Ter Straßenkampf in Hankau.

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DasBerl. Tagebl." hatte schon über die amtliche Bericht­erstattung geklagt unb den Straßcnkainps als unglaubhaft dar­zutun sich bemüht. Leute ist eine weitere amtliche Meldung zu verzeichnen, die allerdings etwas lang hat aus sich warten lassen, die aber die von uns gleich vermuteten Ursachen des Straszen-

nalliberale Partei des hiesigen Rcichstagswahlkrciscs, da die Einigungsvcrhandlungen für den ganzen Umfang des Wahlkreises sich zu lange hinausgezogen haben und erfolglos geblieben find, nur in Nidda einen Kandidaten aufftellt. Tas ist inzwischen geschehen.

deutsche Niederlassung plündern. Das Landungskorps ... ----------- ... _

mit der Freiwilligenkompagnie drängte den Pöbel mit Kolben und Bajonett aus der Niederlassung. Von der Schußwaffe wurde kein Gebrauch gemacht. Es wurde niemand verwundet. In den fremden Niederlassungen herrscht seit dieser

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Aus Hessen.

Die Landtagswahlen im Wahlkreis Großen-Linden-Heuchelheim.

Der Wahlkreis vor st and der Nationallibe- t al en Partei schreibt uns:

In der gestrigen Nummer des Gieß. Anz. findet sich ein Bericht über eineliberale Vertrauensmännerversammlung beider Richtungen, Fortschrittliche Volkspartei und Nationalliberalen" für den Landtagswahlkreis Großen LinbenHeuchelheim. Für den Wahlkreisvorstand der Nationallibcralen Partei erklären wir, daß derselbe weder von einer Beteiligung nationalliberaler Vertrauens­männer an dieser Versammlung etwas weiß, noch die Beteiligung solcher veranlaßt hat. Die Entschließung der nationallibecalen Wahltreisleitung ist in einer Notiz in der Samstagnummcr des Äieß. .Anzeigers niedergelegt, in welcher gesagt ist, daß die Natio-

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stimmen

Reparieren I olieren

lelloser Ausführung.

!h. Rudolph

. Hess. Hoflieferaii handJen-lieparafi^ iätte, SekersTjf.U Fernspr.389

meldet, daß dort alles ruhig sei. DaS Vertrauen der Hörden in der Aufrechterhaltung der Ordnung zeigt darin, daß die Truppen nach Norden abgcrüctt sind.

In einem amtlichen Telegramm an die britische sandtschast wird die Ansicht vertreten, daß das ganze 'Aangtsetal sich der Empörung anschließen wird, wenn es dftiitschang nicht gelingt, in wenigen Tagen einen ent­scheidenden Sieg zu erringen. Nach Konsulatsdepeschen aus Tientsin wurde dort der für heute geplante Ausstand ver-

Der Regent nahm seit zwei Tagen an den Sitzungen des Ministerrats nicht teil. Von Tsinansu wird '

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wälilerversammlung der natio.;ailibei'aicn Partei.

Gießen, 24. Okt.

Tie erste Wählerversammlung der nationalliberalen Partei, die gestern abend in Steins Garten stattsand, war trotz des schlechten Wetters recht gut besucht.

Der Vorsitzende, Pros. Lulch, eröffnete die Versammlung mit Worten der Begrüßung, in denen er namentlich den Reichs- lagsabg. Dr. O sann und den Kandidaten Fabrikant Adolf Kling» spor willkommen hieß. Sodann legte er dar, daß in weiten Kreisen des Bürgertums eine Einigung der liberalen Parteien gewünscht worden |ci, um zu verhindern, daß das Mandat der Sozialdemo­kratie anheimsalte. Er ging dann auf die deshalb gepflogenen Einigungsverhaitdlungen ein, die leider nicht zum Ziele führten. Nachdem das Angebot der Nationalliberalen, gegen die lieber» lassung des zweiten Mandats die Fortfchritlspanei bei der be­vorstehenden Reichstagswahl zu unterstützen, abgelehnt worden sei, habe man versucht, das zweite Gießener Mandat gegen ein anderes städtisches Mandat cinzutauschen. Er wolle über die nicht zum Zicle^sührenden Einigunasverhandlungen nicht weiter sprechen, um les Friedens in der Bürgerschaft willen und wegen des am letzten Freitag hier geschlossenen Stichwahlpaktes der Fort­schrittspartei und der Sozialdemokratie. Tie Reden des Stadtv. Krumm und des Justizrats Grünewald hätten die Situation blitzartig beleuchtet. Tie nationalliberale Partei haoe dem Wunsch vieler entsprechend, einen Mann aus dem Gewerbestand vorge­schlagen, um den Männern der Praxis mehr Einfluß int parla­mentarischen Leben zu verschaffen. Er empfehle aus innerstem Herzen den von den Vertrauensmännern vorgeschlagenen Kan­didaten Klingspor. (Leb. Beifall.)

Fabrikant Klingspor führte dann aus, an der Spaltung sei jetzt nichts mehr zu ändern, wenn er auch jederzeit zum Rück­tritt bereit gewesen sei und im Interesse der Gießener Bürger­schaft auch jetzt noch daran denke. Er treibe teilte Politik, um ferne freie Zeit auszunutzen, sondern um an den Idealen der libe­ralen Weltanschauung mitzuarbeiten. Tie Stimmung, die bei den nächsten Rcichstagswahleu dem Liberalismus ein Wort des Mst­rebens gegeben hätte, sei im Wahlkreis gestört und ohne volle Ein­mütigkeit beider Parteien sei ein Ersolg ausgeschlossen. Seine Partei lehne dieserhalb jede Verantwortung ab. Tie Aussagen des Pros. Lulep über die Einigungsverhandlungen entsprächen voll­ständig der Wahrheit. Ter Generalstäbler der Freisinnigen in Darmstadt, Henrich, habe schon im August seinenhiesigen Partei­freunden den Rat gegeben, sie sollten sich auf die Abtretung des 2. Gießener Mandates nicht einlassen. Von dem Hess. Volks- srcund, also von sozialdemolratischer Seite, sei sestgestellt worden, daß zwischen der fortschrittlichen und der sozialdemotratischen Frak­tion ein Meinungsaustausch üb-ir ein Zusammengehen stattgesunden habe. Tie Aeußerung des Justizrats Grünewald, man könnte ihn (Redner) als Sprengpulver in der nationalliberalen Partei be­nutzen, verstehe er nicht. Er lasse sich zu solchen Sachen nicht benutzen und gehe stets seinen geraden, für richtig erkannten Weg. Ter Kampf um das 2. Gießeuer Mandat werde von seiner Partei fachlich und ehrlich durchgeführt werden, damit eine spätere gemeinsame Arbeit nicht unterbunden werde. Ter Kamps der beiden liberalen Richtungen habe keinen Sinn und es fei keine welterschütternde Frage, wie viele freisinnige gegenüber national- liberalen Vertretern im hessischen Landtag sind oder umgekehrt. Auch andere Parteien hätten einen rechten und linken Flügel, aber im Falle der Gefahr ständen sie zusammen. Er habe die ihm von der nationalliberalen Partei angebotene Kandidatur trotz manch'er Bedenken, die in seinen persönlichen und beruflichen Ver­hältnissen begründet seien, angenommen, aus Pflicht gegenüber der Partei und dem Gewerbestand. Im Landtag sei gegenüber dem Reichstag mehr praktische Kleinarbeit zu l eilten. Seine politische Auffassung sei weiteren Kreisen bekannt, sie gipfele in dem Bestreben, nicht nur für sich selbst zu leben, sondern auch seinen schwächeren Mitmenschen. Er sehe die Aufgabe des Liberalismus nicht in einer gehässigen, phrasen­haften Bekämpfung der nächsten Parteirichtungen, wndern in der lachlich überzeugenden Lelampsung des Gegners, llnzulräglich fei es, daß einzelne Berufsstände die Gesei'g.'hung beherrschen. Tie Ent­wickelung des Steuerwesens sei unglücklich, da sie den schwer be­lasteten unteren Volksschichten immer neue Sorgen auflege. Ter indirekten Besteuerung müsse ein ent sckst ebenes Halt zugerufen werden und wenn man nicht einen wesentlichen Teil des Mittel­standes verkümmern lassen wolle, müsse weitgehendste direkte Be­schaffung der nötigen Mittel ins Auge gefaßt werden. Die Ein­schränkung der unselbständigen und die Hebung und Ver­mehrung der selbständigen Existenzen müsse erstrebt werden. Es sei Pflicht, bei der jetzigen Teuerung l-elsend einzugreifen. Nicht mit kleinlichen niemand nützenden Mitteln dürfe die Be­schaffung des notwendigsten Unterhalts unterbunden werden. Durch Seuchen und unvollkommene Ernten sei der Landwirtschaft ein harter Schlag versetzt. Gelinge es ihr nicht, die Viehbestände zu erhallen, fo bekomme man für die große Masse der Bevölkerung unerschwingbare Fleischpreise. Tie Lage des Handwerks fei nicht über den Gefrierpunkt zu bringen und auch die Kaufmannschaft leide. Die Beamtengehälter trügen den Zeitverhältnissen nicht im ge­ringsten Rechnung und der Arbeiterstand könne die Zeit nur schwer überwinden. Auf die durch die Teuerung verschärften Ver­hältnisse hinzuweisen, sei eine selbswerständliche Pflicht. Er trete für die volle Gleichberechtigung zwischen den einzelnen Konfessionen und für völlige Trennung von Politik und Religion ein. Tie Sozialdemokratie müsse mit aller Kraft b.kämpft werden, nicht durch kleinliche Mittel sei ihr beizukommen, sondern dprch eine großzügige Auffassung. In der Arbeiterfrage hoffe er auf ge­sündere Verhältnisse durch den Ausbau des Tarifweiens. Es ]ei im jetzigen Wahlkampf mit Freuden ffftzustellen, daß sich die sozial- demokratifche Presse eines anständigen Tones in persönlicher Hin­sicht befleißige. Im Vordergrund der Erörterungen stehe in Hessen feit langer Zeit die Finanzlage. Mit unserer Schuldenlast ständen wir an der Spitze aller Bundesstaaten. Ein großer Teil der Schulden sei durch die Eisenbahnpoli'.ik entuanben, biejmer Revi­sion unterzogen werden müiie. Die notwendige Tilgung der Staatsschulden dürft aber nur so weit gehen, daß andere not­wendige Ausgaben des Staates nicht beeinträchtigt würden. Zu diesen Ausgaben zähle er namentlich eine den Zeitoerhaltnissen angepaßte Bezahlung der Beamten und Lehrer und beionders eine würdigere Sicherstellung ihrer Wuwen und Wauen. _ aic Ausgaben des Staates müßten auf das notwendige Mal; be­schränkt werden. Große Beträge könnten durch die Neuorgani­sation der Behörden gespart werden, wobei sozialpolitisches Emp-

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kampses darlegt:

Berlin, 23. Okt. Der Chef des Kreuzergeschwaders meldete aus eine Anfrage über den Verlauf des Straßenkampfes in Hankau funkentelegraphisch über Tsingtau: In der Nacht vom 12. zum 13. Oktober versuchte chinesischer Pöbel in die ...... g einjubringen und sie zu s derVaterland" in Gemeinschaft

finden nicht außer Betracht gelassen werden dürfe. Es liege ihm fern, ein einseiliger Vertreter des in Handel, Gewerbe und Industrie wirkenden Mittelstandes zu fein. Aber er wisse, wo in diesen Kreisen der Schuh drückt. Die hohen Stempelabgaben belasten das Baugewerbe außerordentlich, ihre Ermäßigung sei ins Auge zu fassen. Tie Frage des Submifsionswesens sei nod) nickt zu­friedenstellend gelöst. Er stehe auf dem Boden der Simultanschule. Zu den sehr weit qudeinanber gehenden Ansichten über die Ge­staltung der Schule wolle er heute keine Stellung nehmen, der Ausbau sei nach seiner Ansicht liberal, vielleicht im Sinne des Abg. Bach durchzusühren. Die Gründung einer Universität in Frankfurt werde unserer Universität schweren Schaden zufügen, den abzuwenden man sich bemühen müsse. Ter Arbeiterschaft gegenüber seien noch viele Fragen zu lösen. Die dadurch ent» stehenden Lasten seien einer Klasse aiifjiicrtegen, die zur Erfüllung der Ausgabe stark gehalten werden müsse. Tie Erhöhung der Sleuergrenze weit über die jetzigen 500 Mark, würde er mit Freu­den begrüßen. Er stehe aus dem Standpunkt, daß man nicht mehr versprechen solle, als man halten könne. Er buhle nicht um die Gunst der Wähler ynb wenn erklärt werde, daß man seine Kandidatur int Interesse der bürgerlichen Einigkeit nicht wünsche, so sei er der letzte, der sich ausdränge. Für das Schlag­wortNieder mit der Reaktion!" sei die Zeit zu ernst, man solle sich zusammenfinden in dem einen Gedanken, daß bas ge- larnte Wirken Aller gelten müsse einer frudjtbringenben Arbeit zum Segen bes Wahlkreises Gießen-Wieseck, zum Wohle der ge­samten Bürgerschaft. (Anhaltcnbcr lebhafter Beifall.)

Reichstagsabg. Tr. O i a n n, von lebhaftem Beifall begrüßt, führte aus, daß er gern hierher gekommen fei, um einem auf dem linken Flügel der Partei stehenden Kandidaten seine Unter­stützung zu leihen. Gegen die wirtschaftliche Ausfassung des nalionalliberalen Kandidaten in Tarmstadl könne ebensowenig etwas eingewendet werden, wie gegen die heutigen Ausführungen des hiesigen Kandidaten. Bei bei Arbeit bes verflossenen Land­tags habe es sich für die nationalliberale Partei nicht um Der- Iprechungen gehandelt, sondern um mühsame Arbeit im Interesse des Allgemeinwohls. Man werfe der nationalliberalen Partei immer vor, sie habe im rückschrittlichen Sinne gearbeitet. Dem­gegenüber habe er darzulegen, daß im letzten Landtag Fortschritte erzielt worden seien. Die nationalliberale Partei habe die Mehr­heit im Hessischen Landtag nicht, deshalb sei es llar, daß alle gesetzgeberischen Fortschritte nur durch Kompromisse zu machen feien. Es sei dabei zu prüfen, inwieweit die erzielten Fortschritte durch Nachgaben an andere Richtungen nicht zu teuer erkauft worden seien. Um die Wahlrechtsresorm habe inan über 10 Jahre gekämpft. Ter Hauptzielpunkt sei dabei die Erlangung des direkten Wahlrechts gewesen, das nicht ohne Opfer zu erreichen gewesen sei. Er sei absolut nicht einverstanden gewesen mit den vor­geschlagenen Verfassungsänderungen und mit dem Pluralwahl­recht. Er erkenne den Standpunkt derer an, denen die Opfer für das direkte Wahlrecht zu groß gewesen seien. Aber größer sei die Verantwortung derer gewesen, die für bas direkte Wahlrecht auch den Konzessionen dafür zugestimmt hätten. Für die in ter Minderheit besinblichen Parteien sei ja die Sache sehr bequem, für die nationalliberale Partei sei aber die Lage so, baß sic auch nach unten unabhängig sei unb ihre Beschlüsse so einrichte, da-ß etwas zustanbe komme. Tas Pluralwahlrecht sei für seine Partei das schwerste Opfer gewesen, das ihr der Bauernbund zugemutet habe. Aber ohne den Bauernbund sei die erforderliche Zwei­drittelmehrheit für die einzelnen Bestimmungen nicht vorhanden gewesen. Mit den Parteien der Linken fei schon rein zahlengemäß bas Wahlgesetz unmöglich gewesen, abgesehen bavon, daß die Sozialdemokraten die geforderten Verfassungsänderungen niemals bewilligt hätten. Ohne die Kautelen für die Wahlbefähigung sei das direkte Wahlrecht niemals zu haben gewesen, zu den Kautelen habe sich feine Partei bekannt, da an die einfache Uebertragung des Reichstagswahlrechts für die Landtagswahl niemals zu denken gewesen sei. Er nehme es als eine Ruhmestat der nationalliberalen: Partei in Anspruch, daß sie durch ihre Haltung dem hessischen Volk das direkte Wahlrecht gegeben habe. Daß man dabei mit anderen Parteien zusammen gegangen sei, bedeute dock) keine nähere Verbindung mit ihnen. Ter Vorwurf, baß die national- liberale Partei mit dem Zentrum liiert sei, werde schon dadurch widerlegt, daß das Zentrum in fast allen Wahlkreisen gegen die nationalliberale Partei kämpfe. Aehnlich stehe es mit dem Bauernbund. Dem Gemeindesteuergesetz habe ja auch die Fortschrittspartei zugesttmmt. Tie nationalliberale Partei fei bei diesem Gesetz von dem Standpunkc ausgegangen, die großen Ver­mögen unb Einkommen, sowie den Großgrundbesitz schärfer heran» znziehen, um besonders den Mfttelstanb zu schonen unb zu ent* lasten, bet vielfach seither zu stark belastet gewesen sei. Seine Partei habe für bic Ermöglichung der Besteuerung der Waren­häuser, ber Filialgeschäfte unb ber Genossenschaften gestimmt unb nur sehr zögernb habe bie Fortschrittspartei biesen Maßnahmen zugesttmmt. Es sei keine Rebe bavon, solche Geschäfte unb Kon­sumvereine durch Steuern zu erbrosseln, aber es müsse bie Mög­lichkeit gegeben werden, daß ber Mittelstand mit diesen Groß­unternehmungen konkurrieren fönne. Das Gebiet der staatlichen Finanzen sei vor zwei Jahren in sehr trübem Licht gezeigt worden. Man habe sich damals in einem sehr schlechten wirt­schaftlichen Zustanb befunden, so daß man dem Volke bie an» gesonnene große Steuererhöhung nicht habe zumuten können. Es sei seiner Partei gelungen, bie geplante Steuererhöhung wesent­lich zu verringern unb die Finger auf bie Wunbe zu legen, bie bie Hauptschuld an ber schwierigen Finanzlage habe,* nämlich auf bie kostspielige Staatsverwaltung und besonders die allzu reichlichen Ausgaben für staatliche Bauten. Gerade auf letzterem Gebiete habe man dem Staat Einhalt geboten. Das einzige, was man im letzten Voranschlag neu bewilligt habe, sei ber Amts­gerichtsneubau für Gießen gewesen, unb als der neugewählte Abgeorbnete für Gießen bie Verhältnisse anders bärgest eilt habe, habe man bie Sache zurückgestellt, um eine nochmalige Prüfung ber Verhältnisse zu ermöglichen. Er weise entschieden den Vor­wurf zurück, daß feine Partei die Ersparnisbestrebungen an den kleinen Beamten begonnen habe, sie habe auf allen Gebieten Stellen gestrichen, auch im Ministerium, und namentlich fei sie B. auch bafür eingetreten, daß man den zur Entlassung ge­kommenen Bauaspiranten zur Erlangung anderer Stellen zu helfen habe. Ter nationalliberale Wahlaufruf fordere, daß den Beamten unb Lehrern solche Gehälter gegeben mürben, daß sie ein sorgenfreies Dasein führen könnten. Seine Partei wende sich ab von der Phrase, sie wolle arbeiten, um Fortschritte für das Wohl des Ganzen zu erzielen. Wenn man diese Arbeit anerkenne, müsse man Männer seiner Parteirichtung in den Land­tag wählen. Man habe es im Landtag oft schmerzlich vermißt, baß man so wenig Sachverstänbige aus oen Ständen bes Handels, der Industrie unb des Gewerbes habe. Tas eritrebe auch der Hansabund, und er freue sich, baß es seiner Partei in Darmstadt unb letzt auch in Gießen gelungen sei, diesem berechtigten Ver-

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Zeit Ruhe.

London, 23. Okt. Das Reuterbureau meldet aus H a n k o w vom 21. Oktober: Die kaiserlichen Truppen haben sich nach einem Gefecht mit den Aufständischen weit nach Norden zurückgezogen. Nachrichten, die am 22. Oktober in den Konsulaten in Schanghai eintrafen, be­sagen, Tschangscha und Jtschang ,eien in die Hände der Aufständischen gefallen. Bei Nanchang werde noch weiter gekämpft. Die Schritte der chinesischen Regierung bei einem Syndikat von vier Nationen wegen einer An­leihe waren erfolglos, da das Syndikat die Hergabe der Anleihe unter den gegenwärtigen Umständen nicht mit der Neutralität vereinbar erklärte, die die Mächte zu beobachten wünschen.

Schanghai, 23. Okt. Die während des Gefechts bei Hankau verfeuerten, in den deutschen Mederlassungen auf gefundenen Geschosse erwiesen sich als H o l z g e s ch o s s e, die mit Metalls ar be bemalt waren. Es zeigt sich, daß die Armeeverwaltung noch ebenso korrumpiert ist, wie sie es während des Krieges gegen Kapan war. Auch auf der Flotte des Admirals Sah soll Mangel' an Munition herrschen.

Die Konsuln in Hankau veröffentlichen in chinesi­scher Svrache eine Bekanntmachung, in der die Neutra­lität der Mächte erklärt wird.

Die Revolution in Lhina.

Amtliche chinesische Berichte.

London, 23. Okt. Ein telegraphischer Bericht der Admirale Tuissch ang und Sahts ch en gpin g, dessen Veröffentlichung in den chinesischen Blättern zeigt, daß die Zensurschärfe plötzlich nack)gelassen hat, enthält Einzel­heiten überdas Gesechtvom 18. Oktober: <

Als um 6 Uhr abends die zweite Abteilung Truppen von Tientsin auf ber Hauptstation Hankau eintraf, würbe sie noch vor Verlassen des Zuges von 2 0 00 bis 3000 Auf­ständischen angegriffen. General Tfchangpiao führte die Regierungstruppen zum Angriff. Tie Aufständischen verloren 200 bis 300 Mann. Die Regierungstruppen nahmen sechs Geschütze großen Kalibers. Ad­miral Sah gab der Flotte Befehl, durch Feuern das Nach­rücken von Verstärkungen der Aufstänbischen aus Wutschang zu verhindern. An dem Gefecht konnte er keinen Anteil nehmen, da er befürchtete, auch den Regierungstruppen Verluste zuzufügen. Tiefe wurden schließlich durch Verluste so geschwächt, daß sie bic Station nicht behaupteten. Ter Flotte fehlt es an Kohlen unb Reis.

Durch Bekanntmachung der chinesischen Regierung wer­den Rekruten für die kaiserliche Armee ge­sucht. Gleichzeitig wurde die Verstärkung der Polizei um 2000 Mann angeordnet. Eine andere Bekanittmachulig be­fiehlt, die Getreidespeicher der Regierung zu öffnen,-bie feit undenklichen Zeiten für den Fall der Belagerung oder eines Aufstandes aufgespeicherten Reis enthalten. Ferner wurde bei strenger Strafe verboten, Reis vom Markte zurückzu­halten und höhere Preise als die auf dem Markt geltenden zu fordern. Trotzdem steigen die Reis preise noch. Es werden auch Freiwillige für die Abteilung des Roten Kreuzes gesucht, die der Armee Yintschangs folgen und die verwundeten Reyierungstrnppen wie die Aufständischen pfle­gen soll, Witschang hat eine starke Sanitätsabteilung, die aber wenig leistungsfähig ist, weil sie nur eine geringe Anzahl Aerzte besitzt und die Pflegerinnen in der Mehr­zahl nicht ausgebildet sind.

Nr. 250 Erstes Blatt W. Jahrgang Dienstag, 24. GNoder M

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