lassen, damit er die Menge beruhige. Mit Aufbietung aller seiner Kräfte rief Wmarsky in die Menge: „U m Gottes willen, seid Ihrdenn wahnsinnig! Sie haben ja Gewehre und wir haben nichts! Geht nach Hause!"
Diese Worte wirkten tuie eilt kaltes Sturzbad auf die Menge, die abzog. Dagegen kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen dem Militär und den Ruhestörern, als die Menge, die inzwischen das Schulhaus am Hoferplatz zerstört hatte, gegen _b a - Arbeiterh'eim ziehen wollte. Es erfolgten Stein würfegegendieTru fitz en. AlS ein Soldat durch einen Steinwurf getroffen wurde, kommaudierte der die Kompagnie befehligende Leutnant : „Bajonett vor! Marsch!" — Die Soldaten stürzten vor, wobei ein Arbeiter durch einen Bajonettstich tödlich verwundet wurde. Währenddessen gab ein F ä h n r i ch , d e r m i t 3 0 M a n n eine Seitengasse ab sperrte, den Befehl zum Feuern. Zahlreiche Arbeiter wurden verletzt. Auf dem Habsburger Platz warf die Menge «große Granit- steine gegen das Militär; ein Infanterist wurde durch einen Steinwurf an die Backe getroffen und ihm der Kiefer zertrümmert. Ein Offizier erhielt einen St ein Wurf au den Kopf.
In Ottakring nahmen die Ausschreitungen in den Abendstunden stellenweise revolutionären Charakter an. Die Barrikaden, die an mehreren Stellen des Bezirks errichtet worden waren, waren sehr solid aus Bänken, Leitern und Balken hergestellt, die durch eiserne Klammer zusammengehalten wurden. Außerdem waren in mehreren Straßen quer über die ganze Straße Stacheldrahte gezogen, um die Kavalleriepferde zum Stürzen zu bringen. Erst in den späten Abendstunden trat 9iuhe ein. Zur Berstärkuug der Wiener Garni- s o n waren Truppen au § b er Umgebung Wiens beordert worden. An vielen Stellen sieht man Polizeimannschaften und Militär postiert. Der Bezirk Ottakring ist fast völlig in Dunkelheit gehüllt. Fast alle Laternenscheiben sind zerschlagen. Einige Hundert Personen sind verhaftet worden.
Rach dem „Lokalanzeiger" wurde noch in später Abend st unde eine Ministersitzung abgehalten, die sich mit der Krawallfrage beschäftigte. Man erwog, ob heute bei Fortsetzung der Ausschreitungen der Belagerungszustand über Ottakring verhängt werden soll.
Prag, 17. Sept. Die nationalsoziale und sozialdemokratischeArbeiterschaft veranstaltete heute an verschiedenen Plätzen Prags Massenversamm- lungen gegen die Lebens Mittelteuerung, an die sich Kundgebungen unter Führung von Abgeordneten anschlossen. Die Redner richteten heftige Aussä l l e g e g e u d i e Re g i e r u n g. Tie Menge sang revolutionäre Lieder und brachte Hochrufe auf die Revolution und Pfuirufe gegen die Regierung aus. In den Mittagsstunden zerstreuten sich die Massen ohne Zwischenfall.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung über die Marottoverhaudlungen.
Tic „R o r d d c u t s ch c A l l g e m e i n e Z e i t u n g" schreibt: Der an dieser Stelle vorausgesagte glattere Fortgang der Marokkoverl)andliingen nach der Pause ist t a t s ä ch l i ch ein» getreten. Tie Blätter berichten günstig über die Unterredung am Freitag nachmittag, in der zwischen dem Staatssekretär von Kiderlen-Wächter und dem französischen Botschafter Cambon die Antwort Frankreichs aus Deutschlands Bemerkungen zum Entwurf der abzuschließenden Uebereinr'unft erörtert wurde. Tie Antwort trägt in einem Teil den Wünschen Deutschlands Rechnung. Bezüglich des weiteren Teils ist es gelungen, die Auffassungen der beiden Mächte soweit zu nähern, das; bei einigem guten Willen auf beiden Seiten unschwer eine Einigung erzielt werden kann, lieber einige Punkte herrschen allerdings noch solche Gegensätze, daß noch eingehende Verhandlungen nötig sein werden, ehe ein Einverständnis hergestellt sein ivird. Doch ist zu hoffen, daß auch diese Schwierigkeiten überwunden werden.
Für die Entlastung der deutschen Reservisten ist die Bestimmung maßgebend, die alljährlich, auch in diesem Jahre, im März erlassen wurde. Danach werden die Reservisten spätestens am dritten Tage nach der Rückkehr der Truppen aus dem Manöver entlassen. Wie das, W. T. B. festgesteltt hat, ist an dieser Bestimmung nichts geändert worden.
Die französische Erwartung.
Paris, 18. Sept. Zn der mit Spannung erwarteten deutschen Gegenschrift schreibt der „T e m p s": Für Optimismus ohne Vorbehalt sei der Llugenblick iwch nicht gekommen. Frankreich könne sich erst dann zufrieden geben, wenn man in Berlin unumwunden zugestehe, das; die Bürgsckiaftcu Frankreichs für die wirtschaftliche Gleichberechtigung aller in Marokko interessierten Mächte völlig ausreichend seien.
Eine Rede^ des französischen Finanzministers.
Paris, 17. Sept. Bei der Einweihung des Denkmals für die 1870 bet Jssoudun gefallenen Soldaten hielt Finanz- minist er Klotz eine Rede, in der er sagte, Frankreich sei heute in der Sage, sich mit Würde auf das Recht zu stützen, das es triumphieren selten wolle. Frankreich sei glücklich, die nationalen St r ä f t e wieder her gestellt z u haben.
Der. Ausruhr in der Provinz Sjctjdjuan.
Peking, 16. Sept. Ein beträchtlicher Teil Truppen aus der Provinz Szetschuan ist zu den Aufrührern über» gegangen. Der Aufruhr scheint nach Tibet überzugreifen.
Die Zahl der chinesischen Familien betrug nach amtlichen Bekanntmachnngen im vergangenen Jahre im ganzen Reiche 62 500 000, in den drei Mandschurischen Provinzen 1 780 000, in Peking 138 000.
Aus Hessen.
Die Landtagswahlen. Aus Lich wird uns geschrieben: Tie zahlreich besuchte Vertrauensmänner-Ver- sammlung des Bundes d e r L an dw i rt e für den Landtagswahlbezirk Lich-Hungen am Sonntag beschloß einstimmig, den bisherigen Landtagsabgeordneten Fen ehe l- Oberhorgern wiederum für die kommende Landtagswahl als Kandidaten aufzustellen.
Deutsches Reich.
Von bat 15 Mandaten vom Schaumburg-Litzpeschen Landtag standen zelm durch allgemeine direkte Wahl zur Erledigung. Gewählt wurden: zwei Konservattve, ein Na tiottalliberaler, zwei Freisinnige, zwei Sozialdemokraten. Es sind drei Stichwahleit erforderlich, davon zwei zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten. Die Nationallibcualen verloren zwei Mandate, eines an den Freisinn und eines an die Sozialdemokratie.
Ans Sedan wird gemeldet: Zahlreiche Arbeiter sind zum Zeichen des Protestes gegen die Lebensmittelteuerung für 24 Stunden in den A usstand getreten. Am Samstag abend tarn es zwischen den Aufstäudisck>cn uttd Dragonern zu Zn- 1 a m men stößcn, ittobri drei. Personen verletzt und zwölf vcr- tzaftet-würden.
Ausland.
Aus Prag wird gemeldet: In der Sitzung des deutschen Landtagsverbandes wurde am Samstag Abgeordneter W ü st auf Eintrag der Deutsch-Radikalen aus deut Verbände wegen Wahlkompromisses mit den Sozialdemokraten ausgeschlossen. Der Verband beschloß, der Permanenzerklärung des national-polittschen Ausschusses und des Schulausschusses zuzustimmen. Dadurch erscheint die Session des böhmischen Landtags gesichert.
Ter r u s s i s ch e H a n d c l s m i n i st e r brachte in der D uma einen Gesetzentwurf ein, der die Förderung des Baues russi- 1 d) er Schiffe bezweckt. Es lverden Prämien von 75 Rubel für die Tonne Gcsamtranminhalt und 135 Rubel für die indizierte Pjerdekraft für eiserne Schiffe vorgesehen, die auf russischen Wersten und aus russischem Rohmaterial hergcstellt werden, eine Prämie von zwei Rubeln für das Pud zur Verwendung gekommenen Materials. Tas Gesetz bleibt 15 Jahre in Kraft.
Aus Täbris wird gemeldet: In der Nacht zum Samstag überfiel eine Abteilung S ch u d s ch a e d D a u l e h s außerhalb Täbris errichtete Befestigungen und bemächtigte sich der dort aufgestellten Kanonen. Sie nahm 30 bis 40 Mann gefangen, die sich widerstandslos ergaben. Tas Feuergefecht dauert mit wechselnder Heftigkeit fort. Tie Täbriser Fibai zogen sich in die Gärten der Vorstädte zurück. Sie hatten zwei Tote und einige Verwundete.
L)ccr und Flotte.
Das Militär Wochenblatt meldet: Generalmajor v. Lau en stein wurde seiner Stellung als Militärbevollmächtigter am russischen Hofe enthoben und unter Belassung in seinem Verhältnis als General ä la suite des deutschen Kaisers in den Generalstab der Armee versetzt und zum Chef des Generalstabs des 6. Armeekorps ernannt. An seine Stelle in Petersburg tritt Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten, Generalleutnant, der von seiner Stellung als Kommandeur der Garde-Kavallerie- Division enthoben wurde, unter Belassung in seinem Verhältnis als General ä la suite des deutschen Kaisers.
Arbeiterbewegung.
Leipzig, 16. Sept. In einer von mehr als 600 Gelbmetallarbeitern besuchten Versammlung im Volkshause wurden die Vorschläge der Arbeitgeber mit Zweidrittel-Mehrheit angenommen. Damit ist die Aussperrung in der hiesigen Metallindustrie zu Ende.
Die hessischen herbftübungen.
FC. Endlichhofen, 15. Sept. Der Sturm auf die E n d l i ch h o f e n e r Höhen. Die verstärkte 49. Jir- fanterie-Brigade trat in der Frühe des 15. von neuem den Vormarsch auf Holzhausen a. d. Haide—Nastätten an, um die verstärkte 50. Inf.-Brigade anzugreisen. Die 50. Jnf.-Brig. hatte sich auf den Höhen von Errdlichhofen festgesetzt, während-die Regimenter 117, 118, die Unteroffizierschule Biebrich a. Rh., die 1. und 2. Kompagnie Pioniere 25 verdeckt aufgestellt waren, so daß sie rasch in Gefechtsstellung einrücken konnten. Der Führer von „blau" entschloß sich, anzugreifen. Unter dem Dröhnen des Artillerie-, dem Knattern des Gewehrfeuers und dem Rattern der Maschinengewehre ging „blau" zum Angriff auf den linken Flügel vor. Ehe aber der Angriff ganz durchgeführt, traf ein von St. Goarshausen gemeldetes Jnf.-Regt. ein, und diese frischen Kräfte setzte der Führer von „rot" ein, um den Gegner vor allem in seiner rechten Flanke zu fassen. Es gelang, den Angriff abzuschwächen und „blau" im weiteren Verlause des Kampfes zurückzuwersen. In nördlicher Richtung ging „blau" zurück: die rote Partei vermochte jedoch, da sie erhebliche Verluste erlitten hatte, nicht die Verfolgung durchzuführen. „Blau" ging bis auf Singhofen zurück, setzte südlich davon Vorposten (Regiment 115^ aus, während „rot" seine Vorposten (Regiment 118) bis in die Gegend von Miehlen vorschob. Am Abend des 15. rückte das Dragoner-Regiment 23 von der Division ab, um sick) für die kommenden Korpsmanöver zur Verfügung des kommandierenden Generals v. Eichhorn zu stellen.
F. C. Singhofen, 16. Sept. Das GefechtbeiSing- hosen. Ta dte rote Partei die Fühlung mit „blau" erhalten hatte, beschloß in der Frühe des 16. September der Führer der verstärkten roten 50. Jnf.-Brig., Oberst v. Müller, den Angriff gegen die verstärkte blaue 49. Jnf.-Brig. aufzunehmen und sie, koste es waS es wolle, zu werfen. War der roten Brigade doch ausdrücklich befohlen worden, in das bei Limburg zu eriüartcnbc Gefecht zwischen ihrem bei Koblenz am 13. Sept, über den Rhein gesetzten unb bei Montabaur stehenden roten Korps und dem auf Hadamar vormarschierenden blauen 18. Korps einzugreifen. Rot ging in nordwestlicher Richtung auf die Höhen von Singhofen vor. Nach lebhaftem Feuergefecht wurde „rot" zurückgeschlagen. Das Signal „Das Ganze Halt!" brach das Gefecht ab. Die Truppen rückten in ihre Quartiere. Die verstärkte 49. Jnf.-Brig. bezog die Orte Olsberg, Ober- und Nieder- Wallmenach und Umgegenb, die 50. Nastätten und Umgebung. Am 18. beginnt das Manöver des 18. Korps. Generalleutnant und Kommandeur der 25. Division, Exzellenz v. Plüskow, sprach sick; am Ende der Divisionsmanöver in anerkennendster Weise über die glänzenden Marschleistungen der Infanterie aus.
Ans Stabt nnd Land.
Gießen, 18. September 1911.
'* Richterpersonalien. Der Großherzog hat den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Aug. Zimmermann zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht ernannt.
• • Der 70. Geburtstag. Am Samstag abend versammelte sich ein kleines Häuslein Siebzigjähriger, um ihren Geburtstag gemeinschaftlich 311 feiern. Es waren 9 Herren, die sich bei ihrem Altersgenossen Stein zu einem einfachen Abendessen einfanden. Bei Gesang und Becherklang vergingen die Stunden in gemütlichster Weise. Ein jetzt in Frankfurt wohnender Altersgenosse, Nechnungsrat Franz, hatte seinen altgeivohnten übersprudelnden Humor nicht zu Hause gelassen, und die Stunden fingen schon an, länger zu schlagen, als die letzten heimgingen. An der Feier nahmen teil die Herren Carls, Fenster, Fischbach, Nechnungsrat Franz, Pfr. Seriba, Stein, Forstmeister Weigand, Wittich unb Konservator Zinse r.
" Außerordentliche Belohnungen für Umsicht und Entschlossenheit in Gefahr erhielten der Neservelokoinotiv- sührer Karl in Gießen, der Hilfsheizer Walter in Gießen, der Lokomotivführer Stöger, der Lokomotivheizer Weber, der Schaffner Gabriel, der Hilfsheizer 9lieb, die Hilfsbahnwarter Hermann und Bierner und der Arbeiter Maage in Dillenburg.
• • Die Gießener Schulen haben heute ihren Unterricht wieder aufgenommen.
** Die Obsternte an den Straßen des Kreises Gießen wird nach den amtlichen Schätzungen 1800 Zentner Aepsel und 300 Zentner Birnen gegen zusammen 6000—6500 Zentner im Vorjahr ergeben. Die Früchte, besonders die Aepsel, sind zuckerreicher, aromatischer und gut ausgereift, daher fester und durchschnittlich größer als im Vorjahr. Die Bäume, die ihren Standpunkt in höherer Lage haben, haben eine weit bessere Ernte, als die in den Tälern stehenden. Ter Sh eis Gießen bat rund 15 000 Obstbäume längs seinen Kreisstraßen stehen.
** Eine elektrisch betriebene Lademaschine für Retorten der Gasanstalt ist seft einigen Tagen im Betrieb. Ihre Aenderuua bedeutet eine wesentliche Erleichterung der unmittelbar
am Feuer beschäftigten Arbeiter. Auch geht da? fabelt der Me- torten auch viel schneller vor sich, so daß nicht so viel Gas verloren geht als bei den: früheren Betrieb. T-er wesentliche Vorteil der neuen Einrichtung besteht darin, daß durch die maschinelle Beschüttung der Gasretorten die Verteilung der Kohlen viel gleichmäßiger erfolgt, wodurch eine größere Gasergiebigkeft erzielt wird. Gießen ist die erste Stadt, die ihr Gaswerk mit der noch neuen Einrichtung versehen hat.
* * Ter Niedermörlener Raubmord wird am 28. und 29. b. Mts. vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung kommen. Tie Anklage wird Oberstaatsanwalt Hofmann vertreten. Ter Hauptangeklagte Wilhelm Erbe wird vom Rechtsanwalt Kaufmann, der jüngere Heinrich Wolf vom Rechtsanwalt Paul Hornberger unb Katharine Wolf vom Rechtsamoalt Kochs Dcrteibigt.
• * Der Kriegeroerein hielt am 10. und 17. d. M. sein 2. Preisschießen auf dem Schicßstande des Schüt-en- Vereins ab. Die Beteiligung war sehr lebhaft und es mußte an zwei Ständen geschossen werden. An Preisen waren praktische Gegenstände gewählt worden Nachfolgende Kameraden erhielten Preise: 1. Preis A. Dickors nut 57 Ringen, 2. Geisel mit 54, 3. Georg mit 51, 4. F. Dickore mit 51, 5. Selzer mit 51, 6. Möser mit 51, 7. Klebe mit 49, 8. Hofmann mit 48, 9. Haupt mit 47, 10. Herrmann mit 46, 11. Rinn mit 44, 12. Schmidt mit 43 Ringen.
* ' A uf frischer Tat ertappt wurden heute nacht von einem'Bearnten deS^Gießener Wach- und Schließ-JnstitutS zwei junge Herren, die sich ein Vergnügen daraus machten, die Buchstaben von den Geschäftshäusern und Erkerscheiben im Zeltersweg zu entfernen. Dieser Unfug, der in letzter Zeit öfters vorgekommen ist, veranlaßte verschiedene Geschäftsinhaber, für die Ergreifung der Täter Belohnungen auS-n- setzen.
* Schlägerei. In der Nacht auf Sonntag wurde einem jungen Manne aus Coblenz von einigen Gießener Herren in der Bahnhofstraße ohne jegliche Veranlassung der Kopf blutig geschlagen. Da einige Herren erkannt sind und Strafantrag gestellt ist, dürfte die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben.
* * Selbstmord. Am verflossenen Samstag morgen erhängte sich in seiner Wohnung der 28 Jahre alte Arberter Karl von hier. Er war seit 6 Wochen an einem Magen- leiden erkrankt, das ihm heftige Schmerzen verursachte. In Abwesenheit feiner Ehefrau vollbrachte er die Tat.
Landkreis Gießen.
(-) Heuchelheim, 18. Sept. Heute nacht um V2I2 Uhr erscholl in den Straßen unseres Dorfes der Ruf Feuer. Die Scheuern des W. Henkelmann und F. Volkmann in der Gießener Straße brannten niede r. Die Löscharbeiten mürben gerade nicht musterhaft bewerkstelligt. Als es galt, eine Reihe zu bilden und Eimer zu reichen, fanden sich nur mit Mühe genügenä Leute zusammen. Die große Menge zog es vor, dem Schauspiel zuzusehen. Anscheinend fehlte es auch an genügend Schläuchen. Aber trotzdem gelang es, die angrenzenden Gebäude zu schützen und das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Bei einer Wasserleitung mit Hydranten hülle vielleicht eine Scheuer noch zum größten Teil gerettet Wierde n können. Die Entstehung des Brandes ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt. Sehr zu loben ist das frühzeitige Eintreffen der Kinzenbaclier Spritze.
Kreis Büdingen.
(?) Büdingen, 17. Sept. Arn 23. und 24. Sept, findet, wie schon früher mitgeteilt wurde, eine gefeilige Zusammenkunft ehemaliger Schüler und Lehrer des W 0 l f g a n g - E r n st - G y m na s i u m s statt. Zur Vorbereitung hat sich ein Ausschuß gebildet, der folgende Festordnung ausgestellt hat: Samstag, 23. Sept., abends 6 Uhr: Zusammenkunft int Gasthof zum Stern, Besprechung wegen der Jubiläumsstiftung. y29 Uhr: Kommers im neu hergestellten Rathaussaal. Sonntag, 24. Sept., vorm.: Gang durch das Jägertal zur Klippe. 11—1 Uhr: Frühschoppen auf der Klippe (bei schlechtem! Wetter im Stern). 2 Uhr: Festessen im Saale des Fürstenhofs (Gedeck ä 3 Mk.). 1/25 Uhr: Spaziergang, 5—6 Uhr: Musik in der Walhalla. Vs9 Uhr: Konzert mit Tanz tm Saale des Fürstenhofs. Tie Musik wird von der Militär- musikschule in Friedberg ausgeführt.
Kreis Alsfeld.
+ Ulsfeld, 16. Sept. Eine Belastung des Vieb- handels im Kreise Alsfeld ist durch die Seuchenschutzanow» nungen eingeführt. Tie Handelsleute müssen, wenn sie aus einem Orte des Kreises Vieh ausführen, ein Ursprungszeugnis und eine Verladebcscheinigung haben und Pern Bürgermeister dafür 80 Pfennig bezahlen, eine Belastung des Handels, die umso unrechter ist, als die durch die Seuche geschaffene Notlage dapi herhalten muß, die im Verhältnis zur Arbeit sehr hohe Gebühr zu rechtfertigen. (In der Stabt Gießen stellt bas Polizeiamt Verladebescheinigungen für Vieh kostenlos aus.)
Homberg, 17. Sept. Die Kartoffelernte hat nun auch begonnen. Der Ertrag läßt auf trockenem sandigem Boden zu wünschen übrig, während auf feuchten Aeckern die roten Kartoffeln vortrefflich geraten sind. Als beste Futterkartofsel hat sich hier die Weltwunder bewährt, während die.vor einigen Jahren hier eingeführte Industrie- Kartoffel die ertragsreichfte Speisekartoffel ist. Die früher so beliebte Magnum bonum-Kartoffel ist fast ganz verdrängt worden. — Durch Verfügung des Kreisamtes ist das Abhalten von Tanz belustig ungen v erboten. Mit Rücksicht auf die herrschende Futternot und die bestehende allgemeine Teuerung ist das wohl am Platze, aber wie werden die Wirte hierfür entschädigt? 1
Kreis Lauterbach.
~ Lauterbach, 17. Sept. Infolge des in den lönb* lichen Fortbildungsschulen eingeführten Unterrichts in der landwirtschaftlichen, Buchführung wird auf Wunsch einer Anzahl Lehrer des Kreises Lauterbach für diese ein Instruk - tionskursus durch einen Beamten dir Landwirtschastskammer abgehalten. Ter Kursus dauert 3 Tage und findet am 10., 11. und 12. Oktober statt.
B. Hochwald hausen, 16. Sept. In der Nacht auf heute sind hier die Schwalben abgezogen: es wäre interessant, die Zeit des Abzugs an anderen Orten in gleicher Höhenlage (500 Meter) ebenfalls festzustellen. Für die Vermehrung der Voaelwelt war der verflossene heiße Sommer jedenfalls günstig. Zahlreicher denn je ist die junge Brut, Bachstelzen, Rotschwänzchen, Hänflinge, Meisen, namentlich aber der gemeine Fink treten in größeren Mengen auf, als in früheren Jahren. Die Vermehrung der Schwalben war ungewöhnlich beträchtlich, am Gasthaus zum Felsenmeer waren etwa 30 Nester, sicherlich wurden mehr denn 100 junge Schwalbey ausgebrütet, deren munteret Gezwitscher die anwesenden Gäste ergötzte. Der Famllien- zuwachs würde noch größer gewesen fein, wenn nicht eine Anzahl Nester, jedenfalls infolge der Trockenheit, herunter- g cf alten wäre, wobei die junge Brut zugninde ging Fast völlig verschwunden ist aber der vor 7 Fahren noch sehr häufig vorkommende ^Steinvogel", der unter den BaMt-
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