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Gießen. 15. Februar 1911.
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**^.?lbeoUtf^er Verband. Man schreibt uns- Die Politische Lage rn unserem Vaterland erscheint zurzeit trostloser und zerfahrener beim je seit Bismarcks Ent- las ung und es besteht die Gefahr, daß die Abkehr der Leben noch weiter zunimmt, ^er, Alldeutsche Verband hat es von jeher für seine Pflicht erachtet, einer derartigen verhängnisvollen politischen Selbstentrechtung entgegenzuwirken, indem er einmal den Blick der über dem Parteihader Verzweifelnden auf die großen, nationalen Aufgaben leitet, die der Losung harren und ferner den vielen Klagen über die Lasten des Reichs gegenüber immer wieder auch auf die großen Segnungen L^eis, die uns das Reich gebracht hat. Während inan über die Sollseite der Reichsbilanz stets auf das aus- suhrlichste unterrichtet wird, hat man nur selten Gelegenheit, zusammenhängende Berichte über die Habenseite ent- 8^-^uuehmen. Die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes glaubt daher, gerade m diesem Jahre vielen eme ^illtommene Gabe zu bieten, indem sie in einer von Vortragen die Entwicklung des deutschen Volkes feuien einzelnen Zweigen mr Darstellung brnigt, und damit wieder einmal hinweist, wieviel alle Stande der önmbung unseres Tentscheu Reiches verdanken Ueber die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft seit 18<1 wird morgen Tonnerstag abend 8-, Ubr der Ber- treter der Landwirtschaft air unserer Universität, Pro-
. Grsevius, berichten.
Der Modernistenei- und die Breslauer Professoren.
Ein neues Dokument der päpstlichen Politik befaßt sich mit dem Verhalten der Breslauer Theologieprofessoren m Bezug auf den Modernisteneid. In bcm Schreiben des Kardinalstaatssekretärs an Fürstbischof Kopp, das schon kurz erwähnt wurde, wird trotz mancher lobender Wendungen durch die Blume nochmals ermahnt, den Eid trotz allem zu leisten.
Rom, 14. Febr. In dem Schreiben des Kardinal- staatsfekretars Merry del Val an den Kardinal- furstbischof Kopp wird auf die Stelle in der Erklärung der Breslauer Professoren Bezug genommen, die folgendermaßen lautet:
Der Antimodernisteneid enthält nichts, was nicht die alte von uns immer beobachtete Glaubensreael wäre oder anderes' was über sie hmausgehen würde, legt keinerlei neue Verpflicht jungen auf steht in keinem Gegensatz zu bet Treue gegen die weltliche Obrigkeit und hindert den Fortschritt der Studien nicht.
Dazu schreibt der Kardinalstaatssekretär:
<ru ,?er -Heilige Vater nimmt diese Gesinnung mit väterlichem Wohlwollen an und, obwohl er es nur mit Freuden sehen könnte wenn der Eid von allen Geistlichen der Welt ohne Unterschied geleistet mürbe, halt er trotzdem die Priester an der Universität Breslau nicht für tadelnswert, die, weil sie nur Universitäts- Professoren sind, sich des Eides eventuell enthalten soll- ten Sie würden tatsächlich nur von der wohlwollenden Auslegung des Gesetzes Gebrauch machen, die von dem souveränen Papst selbst verkündet worden ist, und demzufolge bernahe von ihren Rechten. Sie zeigen nicht, daß sie sich dieser Erlaubnis gerne bedienen und geberden sich auch nicht pls Opfer eines „eitlen menschlichen Respekts", löäfrrenb sie sich im Gegenteil durch eine sehr eingehende Erklärung Über ihre rid> tige xenfungsart ausgesprochen habens: und wenn der H-iliae Vater sie Nicht tn feiner Gnade für befreit von dem Eide erklärt hatte, wie Eure Eminenz bas bezeugt, hätte keiner von ihnen gezögert, den päpstlichen Vorschriften mutig Folge zu lei- ften. Dieses höchste Bekenntnis des Glaubens und der Einheit nut bem Apostolischen Stuhl ist dem Heiligen Vater angenehm gewesen, der nicht zweifelt, dqß diese edle Gesinnung jemals aufhoren wird. a *
Paris, jete überdies bisher kein A nahmen zu c bezüglich der die aus Derlei Maßregeln un
Charbu 29 Chinesen, ü aufgehDdener gebietes kündic losen Chin Charbaroll s i a d i a n ist qeftern 43. Bi Die Straßen n genügend tief brannt zu l chinesische Ta> Maßregeln zur einen Beamten falle in der verbrannt; vie
Der Militärhaushalt im Bndgetausschuß.
Der Bubgctausschuß erledigte heute die neue Heeresvorlage und die einrnaligeii Ausgaben des Allgem. Militärhaushalts. Jrn preußischen Kontingent werden die drei neu angeforderten Jnten- danturbearnten gestrichen. Eine eingehende Aussprache veranlaßt der Titel eines neuen Generalinspekteurs des Militär-Verkehrswesens. Tie tn Höhe von 12 000 Mark für diese in Aussicht genommene Dienstzulage wird auf 6000 Mark gekürzt: der Anspruch auf freie Dienstwohnung wird beseitigt gegen eine Micts- entschädigung von 15 333 Mark.
Raä, Haushalt soll eine Verringerung der Militärrnnsiker um 1000 Mann erfolgen. Die Vertreter der Volkspartei und der Sozialdemokraten wünschen noch eine weitere Verringerung. iAt Zahl der Kapellen soll vermindert werden, besonders in Garntsonen mit mehreren Regimentern. Ten berechtigten Wün- schen der Ztvilinnsiker solle weiter entgegengekommen werden. Von der Militärverwaltung wird demgegenüber auf die scharfen Be- flimmnngen aus dem Jahre 1909 verwiesen, die beispielsweise das Spielen in Nachtcajes und nach 1 Uhr nachts verbieten. Uebrtgens fei die Konkurrenz der Ausländer für die Zivil- muftfer viel schlimmer als die durch die Militärmusik. Klagen über unlauteren Wettbewerb durch die Militärmusik würden jetzt übrigens nur noch aus Berlin laut.
Sei der Beratung der Stellenzulagen usw. wird Bezug genommen auf eine schon im vorigen Jahre von der Bolkspartei eingebrachte Entschließung. Bei Streichung der Zulagefonds man Die Mittel für eine allgemeine Erhöhung der Löhnung flüssig machen. Der Zulagetitel wird bewilligt.
Abüu Titel Pferbebeschaffung wirb die Forderung lur ver dem Kraittahrbataillon bemängelt. Der Ve reter ber Militärverwaltung legt dar, daß auch die Offiziere dieser Tiupperteile sedbienstmätzig ausgebildet werden müssen. Der Titels wird bewilligt. Die einmaligen Ausgaben für die Heeres- veistarkiing tm preußischen Kontingent werden ohne Erörterung genehmigt Im sächsischen Kontingent werden beim Bau einer Kaserne für das Feldartillerieregiment in Bautzen von der Bausumme 100000 Mark gestrichen. Der württembergische Haushalt wird ohne Erörterung genehmigt.
Der Rki bsversicherungsansschuß setzte in feiner heutigen Sitzung die Abstimmungen über die Ernigunasanträge betreffend bas Verfahren in Unfall- s o^chen fort. Unter anderem wurde dabei die Bestimmung cin- gefugt daß das Versicherungsamt entscheidet, wieweit dem neuen Gutachter die vorhandenen ärztlichen Gutachten mitzuteilen sind: am Verlangen des ärztlichen Gutachters muß ihm jedoch Einsicht Origen Vorverhandlungen gewährt werden. Weiter wurde beschlossen, daß bei der Verhandlung über den Einspruch des Versicherten ber Vertreter der Berufsgenossenschaft und der Beistand des Arbeiters nicht zu solchen Personen gehören dürfen, die das Verhandeln vor Behörden geschäftsmäßig betreiben.
Zur vtttiebchchening der Eisenbahnen.
Der vor kurzem ausgegebene Bericht über die Ergebnisse foeS Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen ^Staatseisenbahnen im Rechnungsjahre 1909 bringt eine Darstellung über den Eisenbahnunfalt bei Mülheim a. Rh. hmb die Bestrebungen der Eifenbahnverwaltung zur Ver- sminderung der Gefahren des Eisenbahnbetriebes. Dabei Werden auch über Versuche mit Vorrichtungen zur Verhütung des Ueberfahrens der Haltsignale inähere Mitteilungen gemacht.
Bei den in den Eisenbahndirektionsbezirken Hannover, 'Halle, Danzig und Breslau angestellten Versuchen mit dem vap Braamschen Z u g s i ch e ru n g s a p p a r a t ist fest- gestellt worden, daß die Wirkung der Einrichtung bis jetzt sehr unsicher ist. In Hannover mußten die Versuche nach vierzehntägigem Probebetrieb eingestellt werden, weil die Streckenanschläge derart beschädigt und verbogen waren, daß sie nicht im Gleise belassen werden konn- tciL 3n dieser kurzen Zeit sind aber viele Versager beobachtet worden. In Danzig versagte die Einrichtung u. a. on einer Lokomotive in zwölf Tagen neunmal. In Halle sind bet 50 Schnell- und Personenzügen, die im Monat Oktober mit der Einrichtung befördert wurden, bei elf Zügen Versager gemeldet worden, und zwar bei einem 3u(}e ein Versager, bei sechs Zügen zwei, bei einem Zuge drei, bei zwei Zügen fünf und bei einem Zuge acht Versager. Bei einer vor kurzem vorgenommenen Probefahrt kamen auf der Strecke von Jüterbog bis Bitterfeld bei 18 mit solchen Einrichtungen versehenen Signalen sechs Versager vor.
** Stadttheater. Von dem Wiener Kunst- • theater, das gegenwärtig in Stuttgart mit glänzende»! \ Erfolge gastiert, liegen ncuerbinqS wieder ausgezeichnete Be. : sprechungen vor. Es mirb sich schwer wieder Gelegenheit finden, Anzengrubers köstlichen Bauernschwank „Doppel- : selbstmord" so echt dargestellt zu finden, da einem stehenden Personal schon aus dem Dialekt erhebliche Schivierigkciter envachsen. Ans diesem Grunde sei ganz besonders auf da; am Freitag stattfindende Gastspiel der Wiener hingewiesen, das einen besonderen Genuß verspricht. Nach Absolvierung ber Vorstellung in Marburg und Gießen gehen die Gäste auf einige Tage nach Frankfurt.
** Der Friedberger B orn b e n att entäteq Werner ist am Montag zum Strafantritt nach Marien« schloß verbracht worden.
’* Die bei den neuen Kehrmaschinen, für die die Stadtverordneten die Mittel bewilligt haben, sind jetzt emgetroffen. Die alte zweispännige Kehrmaschine ivird nun in Reserve gestellt und das Kehrgeschäft mit drei Pferden und den zur Verfügung stehenden drei Einspännermaschinen besorgt.
Landkreis Gießen.
— Reiskirchen, 13. Febr. Gestern abend hielt der Turnverein seinen Iah res ball, verbunden mit theatralischen Aufführungen und turnerischen Vorführnngen, wie Pyramiden, Frei-, Reck-, Pferd- und Barrenübungen. Als Glanznummer wurde ein Blumen- und Fahnenreigen von 8 Damen und 8 Turnern ausgeführt. Reicher Beifall belohnte die Darsteller am Schluß.
ch. E b e r ft a b t, 14. Febr. Hier fand die Rechnungsablage des Konsumvereins statt. Der Umsatz betrug im Jahre 1910 etwa 40 000 Mark. An Dividenden kommen 8 Prozent zur Verteilung. Der Verein blickt auf ein günstiges Geschäftsjahr zurück.
ch. Münster b. Lich, 14. Febr. Durch die Inbetriebsetzung des mengen Stcinbruches ist ber Gemeinde eilte ansehnliche Nebeneinnahme erwachse. Die „Oberhessiscl-e Stein- und Sanb- Znbuftrre" führt bei bem jetzigen Betricbsstanbe. alljährlich etwa 3000 Mark an Pachtgelbern zur Gemeindekasse ab. — Tie Wasserleitung neoft Kanalisation kostet der Gemeinde etwa oO 000 Mark.
Kreis Schotten.
— Herchenhain, 14. Febr. Eine prächtige, etwa 2 Km. lange Rodelbahn bildet die Kreisstraße vom staatlichen Forsthause bis nach Sichenhausen. Die Bahn hat das nötige Gefälle und während der Fahrt sind nur drei nicht zu scharfe Kurven zu nehmen. Vom Bahnhofe Hart- mannshain erreicht man den Platz in einer knappen halben Stunde.
Starkenburg und Rheinhessen.
ffenbadj, 15. Febr. Zu dem drohenden Milch krieg nahm der Verfassungs- und Vermögens-- ausjchuß gestern Stellung. Es wurde einstimmig beschlossen, daß die Verwaltung sofort mit den geeigneten Verbänden in Verbindung treten soll, und für den Fall eines Milck,- krieges, der vietleieht im Herbst zu erwarten sei, gerüstet & r ej11; $ßr Ausschuß beschäftigte sich ferner mit dem Gesuch der „Gartenstadt-Gesellschaft", die zwecks der Errichtung von Einfamilienhäusern für Beamte um Ueberlasfung von städtischem Gelände eingekommen war. Die Angelegenheit hatte schon früher einmal den Bau ausfchuß beschäftigt, der den Beschluß gefaßt hatte, das erforderliche Gelände von 18 000 Ouadratmetern zum Preise von 3 Mk. für den Quadratmeter der Gesellschaft zu diesem Zwecke zu überlassen. Der Verfassungsau,-schuß schloß fidi diesem Beschluß an.
Uiriversitäts-Naehrschten.
_ bc- Marburg, 14. Febr. Ernannt wurde der Prof. Dr. med. Max Matthes, ordentliches Mitglied der Akademie für praktische Medizin in Köln und Chefarzt an ber Krankenanstalt Stnbenburg zum orbeutlichen Professor für innere Medizin und 3hreftor ber mebizmischen Klinik an ber hiesigen Universität als Nachfolger von Prof. Brauer.
** General Kuehne ch Am 6. ds. Mts. verstarb infolge Herzschlaaes der Königl. General-Leutnant z. D. Karl Kuehne. Viele Leser dieser Zeilen, welche in der Zert von 1881—1896 in Gießen wohnten, und im Regiment 116 dienten, werden sich der markanten Persönlichkeit des Entschlafenen, des gerechten und wohlwollenden Vorgesetzten, des liebenswürdigen Kameraden, gewiß erinnern. Der Verstorbene war am 13. Februar 1847 zu Berlin ge-
boreii und aus seinen Studien heraus am 1. April 1866 beun 2. Garde-Regiment z. F. als Einjährig-Freiwilliger eingetreten. Er machte „mit Tornister und Zündnadel- gewehchchden Feldzug gegen Oesterreich mit und ist am
3. Juli bei Königgrätz schwer verwundet worden. (Schuß
durch den rechteii Oberschenkel.) Nach der Schlacht wurde
er noch spät abends von den Krankenträgern gefunden
und dadurch vorn wahrscheinlich sicheren Tode errettet,
später nach Berlin verbracht, genas er unter der treuen
Pflege seiner Mutter wieder vollständig, konnte den zum
Beruf erwählten militärischen Dienst wieder aufnehmen
und wurde am 8. Februar 1868 (genau 43 Jahre später ist er zur Erde bestattet worden) zum Offizier befördert Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde ihm das preußische Militärehrenzeichen verliehen. Auch den Krieg 1870/71 machte er mit Auszeichnung mit. Am 21. Mai 1874 wurde er Premierleutnant und war als solcher mit gutem Erfolg Regiments-Adjutant. Am 18. Juni 1880 ist Kuehne zum Hauptmann befördert worden. Nach 15- jähriger Dienstzeit im Gardekorps, was für ihn eine Auszeichnung bedeutete, wurde er am 8. April 1881 Chef der vom Regiment 115 zum neuformierten Füsilier-Bataillon des Regiments 116 versetzten 11. Kompagnie in Gießen. Am 24. März 1890 wurde er Major und später Kommaw deur des 2. Bataillons daselbst. Nachdem der Verstor- am 20. Wai 1896 zum Oberstleutnant aufgerückt und zum Stabe des Regiments 145 nach Metz versetzt worden war wurde er am 18. August 1898 Oberst und Kommandeur des Regiments 143 in Straßburg. Für seine außerordentliche Befähigung als Kommandeur spricht der Umstand daß er, telegraphisch nach Straßburg befohlen, abends dort erntraf, um am darauffolgenden Vormittag sein Regiment, ohne einen Untergebenen vorher gekannt zu haben, mit Auszeichnung zur Besichtigung zu führen. Am 22. März 1902 wurde Kuehne Gen.-Major und Kommandeur der 86. Inf.-Brigade in Metz, von wo aus er 1904 krankheitshalber in den Ruhestand trat. Einige $eit hierauf ist ihm der Charakter als Gen.-Leutnant verliehen worden Mit dem Entschlafenen ist ein in Krieg und Frieden bewährter Offizier und befähigter Führer zur großen Armee ab-
n .morden. Seine Befähigung als Trupvenfirhrer ist besonders von fernem kommandierenden General (Grafen Haseler) sowie auch von dem Kaiser bei Gelegenheit von großen Herbstübungen wiederholt anerkannt worden Er ruhe in Frieden. —
Aus öen Reichrtagraurschüssen.
I" Berlin, 14. Febr.
Die Erfindung des „Matin" im Budgetausschuh.
Im Bugdetausschuß des Reichstags gab heute zu Beginn der Sitzung der Vorntzenbe Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) folgende WnLn'1 * 3 *'n der französischen Zeitung
s- ftber>en Ästhalt der vertraulichen Erklärun- • oT Staatssekretär des Auswärtigen tth/tiihra1; LAgetausichuv bei Beratung des Gesetzes über die H5 * * * * *slnS5 ar■ bcö deutschen Heeres gemacht hat, hat Zeitungen Veranlassung gegeben, gegen den $ bezw. einzelne Mitglieder beit Vorwurf des V e r - h? t *’ 5U ?rIlebcn- Tiefer Vorwurf iinbet ba= für berSfirfiS ’«ra^'ld) lliermit (estzustellen mich h ' ^st^oben ves „Matin" in allen ivcfeitt- jidjen Puntten „unrichtig" sind.
Nach diesen Ergebnissen erscheint dieser Apparat zur Verwendung irn Eisenbahnbetrieb noch nicht geeignet. Zu der Frage, ob eine selbsttätige Auslösung der Bremse durch Einrichtungen auf der Strecke, von der bei den Versuchen abgesehen war, zweckmäßig ist, liegt eine bemerkenswerte Aeußerung der Vertreter des „Verbandes Königlich preußischer und Großherzoglich hessischer Lokomotivführer" vor. Diese erklärten bei einer Beratung über Verbesserung der Signaleinrichtungen, daß sie in einer solchen selbsttätigen Bremsung des Zuges ein Mittel zur Erhöhung der Betriebssicherheit nicht erblicken könnten. Sie befürchten davon vielmehr Gefährdungen des Zuges und nehmen auch keinen Anstand, die Besorgnis auszufprechen, daß eine solche Einrichtung einen Lokomotivführer bei großer Ermüdung oder schwierigen Verhältnissen veranlassen könnte, im Vertrauen auf die Wirksamkeit der selbsttätigen Zugbremse die Aufmerffamkeit, die er sonst der Beobachtung der Strecke zuwenden würde, zu vermindern. Hieraus könnten aber schwere Betriebsgefahren entstehen.
In den Direktionsbe^irken Hannover, Stettin und Breslau sind Versuche mit einem elektrischen Signal meld er von Siemens u. Halske gemacht worden, der zur Ankündigung eines Vorsignalsaufder Lokomotive ein hörbares und sichtbares Zeichen gibt. AvsH lhierbei traten verschiedene Mängel auf. In letzter Zeit sind nach Einführung mehrfacher Verbesserungen die Ergebnisse der Versuche mit dieser Einrichtung erheblich günstiger gewesen. Ob ein Erfolg von ihr zu erwarten sein wird, wird aber int wesentlichen aud} noch davon abhangen, wie sie sich bei starkem Schnee verhalten wird, worüber bis jetzt ausreichende Erfahrungen noch nicht vorliegen.
Um, wenn irgend angängig, auch nod) andere Einrichtungen in die Versuche einbeziehen zu können und tunlichst bald zu einem Ergebnis zu kommen, sind die bedeutendsten Srgnalbauanstalten aufgefordert worden, Vorschläge zu machen. Darauf sind neuerdings einige neue Anregungen erfolgt, die aber noch nicht so weit durchgebildet sind, daß >lhre Erprobung im Betriebe schon hätte vorgenommen werden können.
Drei Lisenbahnzüge zusammengeftohen!
Eni Eisenbahnunglück, wie es glücklicherweise nur sehr selten vorkommt, ereignete sich am Dienstag abend auf der französischen Westbahn dadurch, daß drei Züge gleichzeitig aufeinander fuhren und Feuer fingen. Durch die lähmende Verwirrimg, die das Unheil hervorrief, laufen die Nachrichten vorerst noch sehr Pärlid) ein. Aber die wenigen, seither eingegangenen 2e- leschen vermitteln doch einen Begriff von der Schwere des grausigen Unfalles, dessen Opfer noch nicht genau fest- gestellt werden konnten. Wir erhielten seither folgende Drahtnachrichten:
Chartres, 14. Febr. Nach einer Meldung ist bei Courville der Schnellzug Paris-Angers mit zwei anderen Zügen znsammengestoßen. Der Minister der Oeffentlichen Arbeiten hat fid) an die Unfallstelle begeben.
Paris, 14. Febr. Ueber die Katastrophe, die fid> Men 6i/4 Uhr abenbZ auf der verstaatlichten Westbahn bei Chartres ereignet hat, wird gemeldet: Der muh- mittags gegen 5 Uhr von Paris nad) Brest abgehende Expreßzug stieß in der Station Courville mit einem Guterzug zusammen. Beide Züge fingen Feuer und verbrannten vollständig bis auf den Speisewagen des Expreßzuges. Bisher wurden acht Leichen gebor- g e n. Die Zahl der Verwundeten ist sehr groß
Paris, 14. Febr. 10 Uhr 50 Min. abends. Zü dem Eisenbahnunglück bei Chartres wird aus CourvUte gemeldet: Als heute nachmittag 6 Uhr 15 Min der Güterzug dem Expreßzug ausweichen wollte, fuhr ihm dieser, der eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern hatte, in die Serte. In demselben Augenblick fuhr ein dritter Z u a auf die beiden auf. Die Maschine des dritten Zuges wurde umgeworfen, von seinen Reisenden niemand verletzt. Von dem Expreßzug wurden mehrere Wagen, darunter der Speisewagen, zertrümmert und gerieten in Brand. Tie bimsenden, die sich in dem Speisewagen befanden, konnten sich unverletzt.in Sicherheit bringen.' Die Rettunas- a r b e 11 e n wurden sofort in Angriff genommen. Bisher find fünf Tote und acht Verletzte aus den Trümmern gezogen worden. Man weiß aber noch nicht, ob das Unglück nicht nock) mehr Opfer gefordert hat.
Courville, 15. Febr. Um Mitternacht zählte man 12 Tote und etwa 15 Verletzte. Es ist fast sicher, daß sich noch mehrere Tote unter den Trümmern befinden. Die tn Brand geratenen Wagen brennen nod) immer.
Zchimeisterschast der 5chwch.
An bem am 11. unb 12. Februar in St. Mori ti statt- gmmbeHcn „VJI. grogeit ^trennen ber Schweiz", das die 6c- ocutcnbfte Schireran,taltnng des heurigen Winters aus ivni


