Ausgabe 
13.11.1911 Drittes Blatt
 
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teid) einen außerörbenkkich großen Machtzuwachs verschafft, und' der könnte sich einmal gegen uns selbst richten. In diesem Sinne bespricht der Redner dieschwarze Gefahr". Bataillon- weise werden die kriegerischen und intelligenten Negerstämme am Senegal schon militärisch ausgebildet. Das wird in größerem Maßstabe geschehen. Welch eine Panik würde es Hervor­rufen, wenn plötzlich diese schwarzen Horden von Mülhausen nach Deutschland losgelassen würden. Das Marokkoabkommen be­deutet tatsächlich eine Machtfrage.

. Es handelt sich um die nationale Existenz und das Selbst- bestimmungdrecht Deutschlands. England und Frankreich wollen uns einengen, aber die Geduld Deutschlands wird einmal reißen. Es ist hoffentlich das letzte Mal, daß wir in dieser Weise nachgegeben haben. Was die Neuerwerbungen an­langt, so habe ich dagegen gekämpft in Wort und Schrift, aber nun, wo wir den Zuwachs haben, sollen wir ihn nicht schlecht machen. Besitz ist Besitz und hat immer Wert. Sehr wichtig wird es sein, wie wir uns Spanien gegenüber stellen. In irgendwelche Beziehungen müssen wir zu Spanisch-Grünea kom­men, wenn nicht durch Staatsvertrag, dann mindestens durch Zollvertrag. Auf die Einhaltung der uns gegenüber garantierten Freiheiten werden wir dringen müssen. Daß Deutsche aus den französischen Kolonien herausgewimmelt und herausgegrault werden, ist Erfahrungsta'sache. Das letzte Wort in den Be­ziehungen zwischen Frankreich und Deutschland ist noch nicht gesprochen. Die Reibungen werden leider wieder beginnen, wenn die französischen Behörden sich in Ma­rokko eingerichtet haben und Die deutschen Händler dann kommen werden. Ich hoffe aber, daß Deutschland auf seinen Schein be- ftehen, daß es fidi durch alle Schwierigkeiten durchsetzen und einen großen Weg durch die Weltgeschichte weitergehen wird.

^(Beifall.)

Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen-Wächter:

Es besteht ein Krieg zw'schen einer uns verbündeten Groß­macht und einer uns befreundeten Großmacht. Wir können diesen Krieg bedauern, es steht uns aber nicht zu, eine Kritik über den Anlaß und die Gründe dieses Krieges auszusprechen. Dem Ab­geordneten von Liebert hat es gefallen, diesen Krieg als einen Raubzug" zu bezeichnen, der Präsident hat diesen Ausdruck bereits gerügt; ich sehe mich aber genötigt (mit erhobener Stimme), im Namen der kaiserlichen Regierung hier noch aus­drücklich und energisch diesen Ausdruck zurückzuweisen. .(Beifall und Bravorufe von den Tribünen.) Die Kommission wird noch Gelegenheit bieten, auf einzelne Punkte einzugehen. Ich will nur das richtigstellen, was Herr von Liebert über die afrikanischen Truppen gesagt hat. Er hat soeben wieder das Gespenst der afrikanischen Truppen vorgeführt, die über Deutschland losgelassen werden könnten. Das hat mich ganz besonders gewundert, weil Herr von Liebert die Kriegsjahre 1870/71 herangezogen hat, das hat mich besonders gewundert im Munde eines Herrn, der Soldat ist. Denn er mutz doch ganz genau wissen, wie es 1870/71 mit den Truppen aus Afrika stand. Alle Truppen, die man aus Afrika Herkommen ließ, mach­ten insgesamt nur 19 000 Mann aus (Hört! Hört!), dabei standen in Algier 60 000 Franzosen, um dort Ordnung zu halten, und so wird es künftig auch sein.

Nun mutz ich noch zur Ehre unserer Vertreter im A u s l a n d e ein Wort sagen. Es ist beliebt worden, in der Presse und auch hier auf der Tribüne des Reichstags, ohne jeden Grund und ohne jede Kenntnis der Sache zu behaupten, unsere Herren im Auslande seien nicht informiert. Und was das aller­merkwürdigste ist, die Herren, die immer sagen, unsere Diplo­matie tauge nichts, führen als Kronzeugen, als Evangelium, die Aeutzerungen der jungen Herren an, die nach recht kurzer Zeit unseren Dienst wieder verlaßen haben und nicht gerade^ weil sie sich gut informiert haben. .(Große Heiterkeit.^

Abg. Erzbergcr (Zentr.)r

zv Der Vorredner aus dem Hause hat das Marokköabkömmen sehr stark kritisiert und lobt das Kongoabkommen. Die meisten ,anderen Redner haben es entgegengesetzt gemacht. Ich stehe in der Mitte zwischen beiden. (Heiterkeit.) Ich will weder das eine zu viel loben, noch das andere zu viel tadeln. Wer die Marokko­politik von 1904 hier verteidigt, darf den Abschluß von 1911 nicht tadeln, denn er ist nur die konsequente Fortsetzung dessen, was der Reichstag von jeher einmütig vertreten hat. Der Ver- Irag 1911 ist lediglich ein Kommentar, die Ausführung des Ver­trags 1909. Nun wird gefragt: wo ist die Souveränität des 'Sultans? Ich frage dagegen: wo war sie denn früher? War chas Souveränität? Das war der große Irrtum der ^Algecirasakte. Wie lange sollte denn Marokko als Zank­apfel zwischen Deutschland und Frankreich hin und her geworfen ^werden? 1905 war allerdings Gelegenheit, ein Stück Marokko zu bekommen. Die Mitteilungen derTäglichen Rundschau" .hierüber sind nach meinen Informationen ganz zutreffend. Der Staatssekretär wird uns in der Kommission nähere Auskunft darüber geben müßen, warum man damals auf das Anerbieten Rouviers nicht eingegangen ist. Damals hat man es sogar direkt abgelehnt, mit Frankreich zu verhandeln. Jedenfalls sind diese ,fünf Jahre nichts als die Folgen von Algeciras. Was sollte denn eigentlich anderes als Ählutzakkord der ganzen Disharmonie geliefert werden können? Südmarokko? Ja, wo bleibt da die Souveränität? Auch Herr Frank hat keine Vorschläge gemacht. Der einfache Mann aus dem Volke sagt sich: Was haben wir mit dem stärksten Heere, mit der großen Flotte erreicht? Alle anderen Staaten haben was bekommen, nur wir nicht! Darauf ist die Mißstimmung zurückzuführen. Die Regierung hat Fehler gemacht, hat denn der Reichstag in diesen drei Tagen alles tadel­los gemacht? (Heiterkeit.) In England muß Erziehungsarbeit geleistet werden; man muß dort einsehen, daß der Deutsche da ist und da bleibt und nicht mehr in die ehemalige politische Ohnmacht wieder zurückfallen will. Die Zukunft Deuschlands ist durch Jeinen Geist und seine Energie garantiert, aber die deutsche aus­wärtige Politik hat sie zu föroern, und dazu darf man nicht rechts und links durch die ganze Welt tanzen, wie es unsere Diplomatie gemacht hat. Das sage ich nicht als Reichspreß- dczernent, wozu mich Herr Wiemer machen will, dazu habe ich keine Befähigung; dagegen wäre Herr Wiemer der geeignete Mann .für die Besetzung der Stelle des unabhängigen Sultans in Süd- jmarollo. (Heiterkeit.) Der Redner wendet sich gegen den Abg. s Frank, der in der bekannten Uebertreibung als Vertreter der ganzen Arbeiterschaft sich aufgespielt habe. Weiß Herr Frank jnicht, daß die Organisation von 1% Million christlicher Arbeiter «Stellung gegen die Haltung der Sozialdemokratie in der Marokko­frage genommen hat? (Sehr wahr! Unruhe der Soz.) Die christlichen Arbeiter haben auch schon eine sehr heilsame Wirkung auf die Sozialdemokraten geübt. Der Redner bespricht die Ab­kommen. Man soll Marokko nicht als das verschwundene Para­dies und Kongo nicht als die Hölle behandeln. Frank­reich nahm die Kongokolonie nicht ernstlich in Verwaltung, >weil man nichts davon hielt. Aber Kamerunkenner, wie Herr Won Puttiamer und Emil Zimmermann, glauben wenigstens an .Entwicklungsmöglichkeiten. Warten wir ab! Jedenfalls darf die europäische Kontinentalpolitik nicht auf Afrika übertragen wer- den. Die Weiße Raße mutz gemeinsam Vorgehen.

Von allen Vorschlägen, die im Hause gemacht wurden, ist Das Marokkoabtommen immer noch das beste. (Hört! Hört! und .Rufe: Na alsol)^

Abg. Bebel (Soz.)k

AvJ® rnn ^.r Eiberger foen letzten Satz seiner Rede an die Spitze seiner Ausführungen gestellt hätte, hätte er sich alles an- dere ersparen können. (Zustimmung.) Nach seiner Rede ist man .so rtug wie zuvor. Ich habe eine ziemlich lange parlamentarische ^rfabcung, aber keine Debatte hat mir so viel Vergnügen ge° A kw diese. Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Da D u eil B e ich m a nn,Hehdebrand war einfach nicht zu bezahlen. Alle Parteien haben auf England losgeschlagen. ^Das^ machen wir nicht mit. Wir sind stets für ein freundliches

Zusammengehen mit England eingetreten. Es gibt gar keinen ernsthaften Grund, mit England in Feindschaft zu leben. Eng­land ist uns auch nicht entgegengetreten. (Gelächter rechts und im Zentrum.) Wo denn? (Zuruf: Ueberall!) Das sind Redens­arten, einen Beweis können Sie nicht anführen. Bei England genießen wir die größten Vorteile, weil wir unsere Waren zoll­frei einführen können. Welchen Schaden würden wir erleiden, wenn England den Schutzzoll einführen würde! Aber Herr Stresemann und Genossen, das sind die besten Agitatoren, um England zu einer solchen Maßnahme zu veranlaßen.

Bebel wendet sich sodann gegen die Bemerkungen Wiemers und auch Erzbergers über die Massen st reikabsichten der Sozialdemokratie für den Fall eines Krieges. Der Empfang der englischen Arbeiterdeputation wurde von der Regierung wider unser Erwarten trotz der Hetzereien der Alldeutschen nicht ver­hindert. Ick bin überzeugt, daß unsere Friedensdemon­stration der Regierung außerordentlich gelegen kam, weil sie darin eine Stütze fand gegen die allgemeine Hetze. (Zuruf vom Zentrum: Bestellte Arbeit. Gegenruf der Sozialdemokraten: Auf Bestellung wird bei uns nicht gearbeitet. Heiterkeit.) Man hat die Maßenstreikrede des Genossen Däumia in der Berliner Versamm­lung gegen uns verwandt, derVorwärts" habe dafür propagiert. Das ist eine leichtfertige Behauptung von Erzberger; derVor­wärts" hat sich durchaus reserviert verhalten, weil die Anschau­ungen Däumigs nicht die der Partei sind. Der Ausschuß der christlichen Arbeiterpartei hat seinen Beschluß gegen die Sozial­demokratie gefaßt, weil man ihm die Däumigsche Rede als allge­meine Anschauung der Partei hinstellte. Das war ein Luft­hieb. Hätte derVorwärts" das propagiert, dann wäre § 112 des Strafgesetzbuches in Anwendung gekommen wegen Aufreizung von Personen des Soldaten- und Beurlaubtenstandes zum Un­gehorsam. Es wäre eine Pflichtvergessenheit des Staatsanwalts, wenn er diesen Paragraphen nickt zur Anwendung gebracht hätte. (Hört! Hört! und Heiterkeit.) Die Rede Däumigs hat eine große Hetze gegen die ganze sozia.demokratische Partei zur Folge ge­habt, und da habe ich auf dem Parteitag in Jena den Ochsen bei den Hörnern genommen. Die deutsche Sozialdemokratie hat auf den internationalen Kongressen von jeher erklärt: auf Massen­streik für den Fall eines Krieges lassen wir uns nicht ein, und deshalb kam es zu der Stuttgarter Resolution, daß jede Nationalität mit den ihr am wirksamsten erscheinenden Mitteln sich gegen den Ausbruch des Krieges erklären sollte. Ich habe es nicht für möglich gehalten, daß ein so mit den Verhält­nissen und Beschlüßen der Sozialdemokratie vertrauter Abgeord­neter wie Erzberger von Wiemer und Haußmann wundert es mich nicht. (Große Unruhe bei den Freisinnigen. Die Sozialdemo­kraten und Freisinnigen schreien einander an; es hat fast den Anschein, daß es zum Handgemenge kommen soll. Dr. Mugdan ruft: Diese Liebe fürs Zentrum! Bebel: Ihr habt ja hier 10 Jahre lang mit dem Zentrum gemogelt! Große Heiterkeit.) Wer nunmehr, nachdem ick die Sache vor- dem Reichstag und der Nation richtiggestellt yabe, draußen im Wahlkampf die Behaup­tung wiederholt, der ist ein Verleumder.

Abg. Dr. Mugdan (Dp.)

Leider sind die Ausführungen Bebels für mich in keiner Weise beweiskräftig, selbstverständlich, die Partei als solche will den Massenstreik nicht, und der Parteitag hat erklärt, Generalstreik ist Unsinn, aber deswegen bleibt es bestehen, daß in einer Zeit, in der zwischen Deutschland und Frankreich eine schwieriK Ver­handlung vor sich ging, die sozialdemokratische Partei durch die Protestresolution die Stellung Deutschlands geschwächt hat. Jetzt ist es leicht, über den Redakteur Däumig den Stab zu brechen. In dem Görlitzer sozialdemokratischen Blatt hieß es: Die Morgen­röte einer neuen Freiheit sei angebrochen. Da wurde all der Unsinn aus jener Versammlung als Meisterstück ausgegeben. Bebel ist gewiß klug genug, um eingesehen zu haben, daß das seiner Partei den empfindlichsten Schaden zufügen muß, daher war seine Erklärung in Jöna selbstverständlich. Aber in den Versammlungen haben sie bei den Massen unbedingt den Glauben erweckt, daß das Proletariat in der Lage ist, durch Massenstreik einen Krieg zu verhindern. (Große Unruhe der Sozialdemokraten. Sie springen von den Plätzen und rufen dem Dr. Mugdan andauern o das Wort: Lüge, Unwahrheit zu. Bebel ruft immer wieder: Sie sagen die Unwahrheit!)

Präsident Graf Schwerin rügt die Unterbrechungen und bittet Dr. Mugdan, der unten am Fuße der Treppe, mitten unter den Sozialdemokraten, sprach, feinen Platz auf der Rednertribüne ein­zunehmen.

Abg. Dr. Mugdan macht in diesem Sinne weitere Ausfüh­rungen gegen die Sozialdemokratie. (Abg. Dr. Südekum ruft: Laßen Sie das doch, die Konservativen stimmen in Görlitz doch nicht für Sie.)

In einem halben Dutzend französischer Blätter war damals zu lesen: was sollen wir uns um Deutschland kümmern! In Deutschland gibt es eine Partei von 3y2 Millionen, die hat er­klärt, daß ihr Marokko gleich ist und sie den Krieg verhindern will. (Entrüstete Rufe der Soz.: Welche Zeitungen?)Matin", Journal", alle möglichen. Daher hat Dr. Wiemer vollständig recht, wenn er behauptet, durch jene Versammlungen ist der Frieden gestört worden. Denn wenn die französische Regierung auch so dumm gewesen wäre (Abg. Dr. David ruft: Wie Sie Große Heiterkeit) und hätte den Versammlungen den Wert bei­gemessen, wie die Sozialdemokraten, dann wäre es vielleicht zum Kriege gekommen. Ich habe es von Anfang an für nichts als große Prahlerei gehalten, und nachdem der italienisch-tür­kische Feldzug unter dem jubelnden Beifall des italienischen Prole­tariats eingeleitet ist, muß ich über diese Dinge wirklich lächeln.

Weder der Staatssekretär des Auswärtigen noch der Reichs­kanzler haben es in den letzten Tagen verstanden, das mangelnde Vertrauen des deutschen Volkes zu heben. Das ist, das Bedauer­liche in diesen Verhandlungen gewesen, daß sich in ihnen eine Mißachtung des deutschen Parlaments aus­gesprochen hat, wie sie unerhört ist. Ja, wenn die Leiter unserer auswärtigen Politik so außerordentlich fähige Personen waren. Aber nach den Erfahrungen, die ich in meinem parlamentarischen Leben gemacht habe (Dr. Südekum ruft: In Ihrem kurzen!) erst abwarten! habe ich diese Ueberzeugung nicht und zu dem schulmeisterlichen Ton, mit dem der Staatssekretär dem Reichstag vorwarf, daß man wage, die Diplomatie anzugreifen, hat er wahrhaftig nicht die geringste Veranlassung. Will er etwa leugnen, daß die deutsche Diplomatie weder etwas gewußt hat vom Ausbruch des russisch-japanischen Krieges, daß wir auch vollständig überrascht sind vom türkisch-italienischen Krieg? Will er leugnen, daß unser Botschafter in London die Ge­schäfte recht merkwürdig geführt haben muß, da doch sonst alle Diese Verwicklungen nicht hätten Vorkommen können? Sonst wäre ja die Rede von Llohd George absolut unerklärlich, die er, wie ja jetzt feststeht, im Auftrage des Ministeriums gehalten hat, wenn der deutsche Botschafter die Fähigkeiten gehabt hätte, die ich von einem Botschafter verlange.

Die Rede des Herrn v. Kiderlen-Wächter wird das Haus nicht überzeugen, daß in unserer Diplomatie alles so ist, wie es sein soll. Und der Reichskanzler: ich habe mit dem Reichstage nichts zu tun, ich wohne in den Wolken! Es könnte doch einmal eine Zeit kommen, wo es beiden Herren ganz angenehm wäre, wenn sie im Reichstage sich auf irgendeine Gruppe stützen könnten, und ich habe die feste Ueberzeugung, in dem Kampf zwischen Reichstag und Regierung siegt der Reichstag, denn in allen Ländern der Welt hat in solchen Fällen das Parlament gesiegt. Ist es nun wahr ober nicht, daß Vertreter der Preße im Juli vom Auswärtigen Amt empfangen sind und in den Glauben versetzt werden mußten, daß es sich bei Marokko um etwas ganz anderes handelte? Darüber muß Auskunft gegebeft werden. Der Staatssekretär und Der Reichskanzler haben ge­sprochen, aber dieser Punkt ist ausgeblieben. Unsere auswärtige Politik wird solange nicht genügen, solange auf der einen Seite die Regierung und auf der anderen der Reichstag steht. Gute

mitNein" antworten

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Man hat uns borgeworfen, das Auswärtige Amt hätte Pressevertreter dahin instruiert, daß wir in Marokko Land erwerben wollen. Davon ist absolut fein Wort wahr. (Hört! hört! bei Den Soz.) Es ist weder von mir, noch von irgend einem Beamten des Auswärtigen Amtes jemals einem einzelnen Pressevertreter oder einer Versammlung von Preßevertretern etwas derartiges gesagt worden. Der Abg. Bebel hat diesen Vor- Wurf zuerst erwähnt. Ich hätte ihm gleich ____...

können. Ich habe eS aber deshalb nicht getan, weil ich erst einmal der Sache nachgehen wollte, wo denn dieses Gerücht immer her- kommt. Eine Versammlung von 50 Pressevertretern, von der ge­sprochen worden ist, konnte im Auswärtigen Amt nicht stattfinden, wir halten keine kleinen Preßekongreße dort ab. Es hat aber tatsächlich eine Versammlung stattgefunden, wo etwa 50 93 er»

auswärtige Politik kann nur getrieben werden, wenn Regierung und Volksvertretung zusammengehen, wenn die Regierung das Vertrauen Der Volksvertretung hat. (Beifall links.)

Staatssekretär des Auswärtigen Amts b. Kiderlen-Wächter:

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freier Der Presse teils alldeutscher Richtung bei- fammen waren; diese haben allerdings unter s i ch die An- nektion von Marokko beschlossen. (Große allseitige Heiterkeit.) Ich gebe zu: in unverbindlicher Weise. (Erneute allseitige Heiterkeit.) Wir haben aber das einzige getan, was wir. tun konnten, wir haben einen Beamten zu den Hauptmata- doren geschickt und ihnen sagen laßen: seien Sie vorsichtig, Sie allein werden es nicht machen können (Heiterkeit), und die Re­gierung steht nicht hinter Ihnen. Damit ist die Sache wohl ge­nügend aufgeklärt.

Abg. Erzberger (Zentr.):i

Der Abg. Bebel hat mir leichtfertige Behauptung vorgeworfen, weil ich gesagt habe, daß Die deutsche Sozialdemokratie im Fall eines Krieges mit dem Massenstreik gedroht habe. Ich werde das beweisen und verlange von der Anständigkeit des Abg. Bebel, daß er dann seinen Vorwurf zurücknimmt. Ich berufe mich aus Den Vorwärts". Danach ist in einer Versammlung in Der kritischen Zeit des August gesagt worden: Unsere Anhänger sind genug ge­schult, um im Falle des Krieges die richtige Lösung zu finden. Mit platonischen Erklärungen kommen wir nicht davon. Die Frage des politischen Massenstreiks erscheint in neuer Be- leuchtung. Wir müßen alle möglichen außerordentlichen Kampf­mittel anwenden. (Hört! Hört!) Im Anschluß daran hat der Vorwärts" erklärt:Das ist Die Meinung der deutschen So­zialdemokratie." (Lebhaftes Hört! Hört!) Wie kommt Da Der Abg. Bebel dazu, mir leichtfertige Behauptungen vorzuwerfen. (Abg. Bebel: Ich bleibe Dabei!) Ja, Dann hört jede Diskussion mit Ihnen auf. Sie müßen mit Ihren scharfen Angriffen etwas vor­sichtiger sein. Auch Die eineinviertel Million nationale Arbeiter hat sich gegen Das Spiel mit Dem Maßenstreik im Falle des Krie­ges seitens Der Sozialdemokratie gewendet. Dafür hat sie Der Vorwärts" mitSchwefelbande" bezeichnet. (Hört! Hört!) Kurz, Die Sozialdemokratie bat also erklärt, daß Mittel der Tat notwen­dig seien. (Bebel: Welche Mittel?) Ja, das weiß ich nicht. (Bebel: Das müßen Sie doch wissen, wenn Sie das so behaupten!) Ick halte mich an denVorwärts",

Abg. Fischer (Soz.):'

Es ist eine interessante Erscheinung, daß ein Mitglied deS christlichen Zentrums gegen uns Anklage erhebt, weil wir für Den Frieden eingetreten sind. (Gelächter im Zentrum.) Wir haben innerhalb der Grenzen der bestehenden Gesetze Protest er­hoben. Wenn Sie überall unserer Meinung wären. Dann gäbe es keinen Krieg mehr. Stattdessen aber segnet der Gefan­gene im Vatikan die italienische Armee, die nach Afrika zieht. Das ist christliche Heuchelei. (Gelächter im Zentrum.) Es ist kein Zufall, daß die Marokkodebatte in eine Sozialistendebatte ausläuft. Herr Erz­berger und Dr. Mugdan haben hochnäsig auf die Bedeutungs­losigkeit Der Sozialdemokratie hingewiesen. Leugnen Sie es doch nicht, Sie stehen alle unter dem Banne Der sozialdemokratischen Bewegung. Ihr Denken und Fühlen hängt nur daran. Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, daß sich gerade in diesem Marokko- falle Die Regierung auf die große und starke Sozialdemokratie stützen mußte, um den Frieden zu wahren. (Gelächter.) Der Vorsitzende des Reichsverbandes gegen Die So­zialdemokratie und sein freisinniger Gesinnungsgenosse, Dr. Mugdan, haben hier Verleumdungen gegen uns verbreitet. (Unruhe. Vizepräsident Schultz rügt den Ausdruck.) Sie haben Verleumdungen wiederholt, die außer­halb des Hauses verbreitet wurden. (Vizepräsident Schultz: In Dem Zusammenhang, in Dem Sie sprachen, lag Der Eventual­dolus der Bewußtseins, daß Sie ein Mitglied des Hauses mein­ten.) Herr Erzberger bat auf eine Rede des Genoßen Däumig hingewicsen und behauptet, dieser habe aufgefordert, Dem Mobil­machungsbefehl keine Folge zu leisten und ihn mit dem Massen­streik zu beantworten. Davon steht kein Wort in der Rede. (Widerspruch Erzbergers.) Man sieht an Erzbergers Behauptung, tote leichtfertig er handelt. (Vizepräs ident Schultz: Ich möchte um etwas liebenswürdigere Form bitten.) Schön, also wie leichten Herzens er vorgeht. Kein Blatt unserer Partei hat Den Standpunkt Däumigs verteidigt. Er hat allein für sich gesprochen. Es können doch in unserer Partei verschiedene Meinungen Vorkommen. Es kann auch einmal iemand eine Meinung äußern, die mit Der Parteimeinung im Widerspruch steht. Schließlich können wir doch nicht ^erlangen, daß alle Esel bei Ihnen im Zentrum organisiert sind. (Heiterkeit.) Und selbst, wenn Däumig, was man aus seinen Worten nicht herauslesen kann, aufgefordert hätte, dem Mobil­machungsbefehl nicht Folge zu leisten und den Massenstreik zu machen, was beweist denn das alles gegenüber dem ganz anders lautenden Parteitagsbeschluß in Jena.

Vizepräsident Schultz.»

Ich mache darauf aufmerksam, daß das Marokkoabkommen zur Debatte steht. (Lebh. Sehr richtig!) Ich bitte doch die Herren, sich kürzer zu saßen.

Abg. Erzberger (Zentr.)k

Was ich behauptet habe, halte ich aufrecht. Als ich hörte, daß Herr Fischer mir erwidern will, erinnerte ich mich an einen auf dem Jenaer Parteitag gesprochenen Satz: Das ist Fischer, wie er leibt und lebt, der mit großen RückzugSkanonaden eine verlorene Schlacht maskieren will.

Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemer­kungen.

Abg. von Liebert (Rp.):

Dem Staatssekretär muß ich erwidern: Ich habe als alter Soldat bei Weißenburg und Wörth gegen die Turkos gefochten und habe sie als beachtenswerte Gegner kennen gelernt. Die Ausführungen des Staatssekretärs können für die heutigen Ver­hältnisse nicht gelten. Seit 1870 sind 40 Jahre vergangen, Frank­reich hat eine ganz neue militärische Organisation bekommen. Da- mals hatte es 300 000 Soldaten, heute 4% Millionen. (Hört! hört!)

Abg. Dr. Wiemer (Vp.):'

Der Abgeordnete Erzberger hat mir den Posten eines Sultans von Südmarokko angeboten. Ich danke ihm verbindlichst für Die große Liebenswürdigkeit. Ich erkenne sie um so mehr an, als Der Abg. Erzberger zweifellos ein Vorrecht auf solche Posten als Herrscher Der Schwarzen in Deutschland besitzt. (Große Heiterkeit.)

Das Haus vertagt sich. Die Abkommen mit den dazu gestellten Anträgen gehen an Die Budgetkommmission.

Montag 2 Uhr: Sozialdemokratische Interpellation über Die Entlassung von Eisenbahnarbeitern, Ausgabe kleiner Aktien. "

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