Ausgabe 
14.2.1911 Erstes Blatt
 
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werden wir uns auch in 'Zukunft erlauben, einiges zu sagen, mag es ihren Freunden lieb sein oder leid.

5. Weim es nicht Hetze ist, wenn man unausgesetzt mit den ödesten Judenwitzen zu wirken versucht, mit Witzeleien über jüdische Namen imb mit Körperbeschreibuirgen, wenn es nicht Hetze ist, wenn man die Juoen als Steuerschwindler hinstellt, wenn es nicht Hetze ist, wenn man andere glauben zu machen sucht, sie könnten vor einem jiidischen Richter nicht sagen:,Ich schwöre bei Gott" usw. usw. usw., so verbindet Herr Hesse eben einen anderen Begriff mit dein Worte Hetze als andere Menschen. ,

6. Wir bitten unsere Freunde, uns zu erlauben, auf derartige Erklärungen in Zukunft zu schweigen.

Aus Hessen.

I. Fauerbach v. d. H., 13. Febr. Am Sonntag nach- lirittag sprach in einer stark besuchten Versammlung Redak­teur Hirschel aus Friedberg (Bund der Landwirte) über die Frage: Kann Deutschland seine Bevölkerung ernähren? Der Redner lvies an statistischen Beispielen nach, daß durch Anwendung künstlicher Düngemittel und überhaupt die in den letzten Jahren rationell betriebene Landwirtschaft der Ertrag unseres Bodens sich beträchtlich gesteigert habe. Auch durch Schutzzölle sei der Anbau des Getreides in Deutschland geschützt. Wenn so weiter gearbeitet würde, dann wäre das Vaterland wohl imstande, seine Bewobner zu ernähren. Durch den Freihandel, wie er in England existiere, würde das nie erreicht werden. Herr Hirschel sprach auch vyn der kommenden Reichstags Wahl und gab dem Wunsche Ausdruck, daß sich sämtliche bürgerlichen Parteien einigen möchten. Was am Bund der Land­wirte liege, so solle alles tu dieser Hinsicht geschehen. Die Ausführungen des Herrn Hirschel wurden mit großem Beifall ausgenommen. Zu gleicher Zeit hielt Herr Dr. von Helmolt Kandidat des Bundes der Landwirte bei der letzten Stichwahl im benachbarten Langenhain über die wirtschaftliche und politische Lage einen gut besuchten Vortrag.

Deutsches Reich.

In der K l a g e s a ch e Wagner-Soxleth hat sich die Staatsanwaltschaft in Darmstadt jetzt für zuständig erklärt und einen Antrag auf Voruntersuchung gegen Geheimrat Soxleth-München gestellt.

Wie der württembergischeStaatsanzeiger" schreibt, ist in dem Befinden des Königs nach einer Meldung aus Cap Martin eine erfreuliche Besserung eingetreten. Der König hat sich entschlossen, seinen Aufenthalt noch bis zur ersten Hälfte des Monats März auszudehnen.

Wie derGermania" aus Rom gemeldet wird, richtete der Kardinal-Staatssekretär im Namen des Papstes an Kardinal- Fürstbischof Dr. Kopp-Breslau ein Schreiben, in dem er die von Professoren der theologischen Fakultät in Breslau abgegebene Erklärung billigt und deren Gehorsam gegen die päpstlichen Weisungen lobte.

216ISUUIO.

Die portugiesische Gesandtschaft in Paris erhielt von dem portugiesischen Minister des Acußern Machado eine Depesche, in der cs u. a. heißt: Die portugiesische Regier ung habe an Deutschland und Oesterreich-Ungarn das Ersuchen gerichtet, die gegenwärtig inPortugiesisch-Afrika wirkenden d eu t s che n u nd ö st e r r eichi s ch e n M i s s i o nare durch portugiesische Priester erietzen zu dürfen. Alle Kongregationsgüter, welche von Rechtswegen Ausländern gehören, werden diesen zurückerstattet werden.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Das Kanonen­bootM arm ar" ist im persischen Golfe bei Tao ge­strandet, nachdem es durch einen Zusammenstoß mit einem englischen Dampfer schwer beschädigt worden war. Das Marineministerium ist mit der englischen Botschaft darüber übereingekommen, daß dieMarmariß" auf Kosten des Eigen­tümers des schuldigen Danrpsers zur Reparatur nach Bombay geschleppt wird.

Am 12. Februar sind zwei weitere Bataillone an Bord eines russischen Dampfers nach Demen abgegangen

Deutsche Kolonien.

_ Aus Deutsch-Südweftasrika wird amtlich gemeldet, oaß nach einer Mitteilung der englischen Grenzpolizei ein Teil der Simon-Ko P Per-Leute bei Pella und der Romans- drift die deutsche Grenze zu überschreiten sucht. Der Polizeiposten bei Romansdrift hörte am Abend des 7. Fe­bruar, G e w e h r f e u e r. Da auch auf d e u t s ch e m Gebiet eine bewaffnete Bande festgestellt wurde und sämtliche Eingeborenen und Viehwächter aus der Gegend von Stei^r kopfverschwun­den sind, wurde das Kommando des Südbezirks angewiesen, -diese Bande energisch zu verfolgen und die Bondels zu über­wachen. Eine Verbindung zwischen den Simon-Kopper-Lcuten und den BondelS bei Steinkopf erscheint nicht ausgeschlossen.

Kirche und Schule.

X Stockheim, 13. Febr. Auf Veranlassung derFried­berger Inferenz" fand heute hier im WaltherschÄr Saale eine Zusammenkunft von Geistlichen und Lehrern der näheren und weiteren Umgebung statt, in der Direktor Dr. Eger vom Predigersemuiar in Friedberg einen Vortrag hielt über daS Thema:Volksfrömmigkeit und theologische W t} ] c n) ch a f t". Er führte darin aus: Tie theologische Wijsen- schast ist erst in den letzten Jahrzehnten zu einer bewußten Wurdrgung der Volksftömmigkeit als einer ihr selbständig gegen» Überstehenden Größe und eines wichtigen Forschungsobjekts ge­kommen. In der Entwicklung der theologischen Wissenschaft in 'dreier Rrchtung zeigt sich nicht nur ein klarerer Blick für die vor­liegenden komplizierten Tatbestände, sondern auch eine gesteigerte Ehrfurcht vor dem Recht dieser Tatbestände. Das WortVolks- irömmrgkeit" darf nicht nur als Bezeichnung für die Frömmig­keit des, sog. niederen Volkes gebraucht werden, sondern ist zu- fammemassender Ausdruck für die Formen frommen Denkens und Lebens, in die das Individuum kraft seiner Zugehörigkeit zur geschichtlich gegebenen Lebensgemeinschaft des (evangelischen) Volks durch den autoritativen Einfluß der Ueberliefcrung in Sitte, Gewöhnung, Belehrung von Kindheit und Jugend an als m die für es gültigen praktischen religiös-sittlichen Lebcnsnorrnm hineinwachst.. Demgegenüber ist die hcutiae theologische Wissen- schast die aus die religiösen Gedankenkornplexe und Erscheinungen besonders des deutsch-evangelischen Kulturkreises gerichtete Be­tätigung des theoretischen Erkenntnistriebes in seiner höchsten Ver­steinerung und Zuspitzung als wissenschaftliche Erkenntnis. Sic leistet Arbeit historisch-philosophischer Art und ist in der Kraft lund Nachhaltigkeit ihrer Leistungen getragen von der machtvollen Organliatwn, die das wissenschaftliche Erkenntnisbedürsnis der deutschen Nation sich in den deutschen Hochschulen geschaffen hat. Trotz dreies Rückhalts an der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft M )edoch das wisteiischaftliche Erkennen seiner Art und seinem Weien nach durchaus individualistisch, ein abgesagter Feind alles Autoritären Traditionalismus. Theologische Wissenichaft und Bottssrommigkclt müssen schon in der Person des Forschers sich berühren, da wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiete der Religion tiesgrundig nur getrieben werden kann bei vorhandenem

SetbattniS des Forschers zur Religion. So ist die individuelle Jicligio)itdt des Forschers für die Art seiner theo- rPPr11 Auslagen von maßgebender Bedeutung. In dieser ihrer individuellen Religiosität sind aber alle deutsch-evangelischen Forscher abhängig von ihrer Zugehörigkeit zum deutsch-evan- ^elischen Volk und zwar ui seiner gymnasial-akademischen Bil- dutigsschichr. Andererseits verbreiten die Organisationen des wissenichaftlichen, Bedurstimes der Nation, die deutschen Hoch- zchulen, durch die Vorbildung \a\t sämtlicher höheren Beamten

sowie der Jugenderziehcr in den Schulen das wissenschaftliche Interesse in weiten Schichten der Bevölkerung unmittelbar und mittelbar, haben sogar eigene Weltanschauung produziert und wecken das Bedürfnis individuellen theoretischen Erkennens auch auf religiösem Gebiet (den Sinn für religiöse Probleme) in Tausendem Daran nimmt die evangelisch-theologische Wissen­schaft heute in hohem Maße Teil. Dieser Einfluß der theo­logischen Wissenschaft auf die Volksfrömmigkeit wird durchgreifend besonders dadurch, daß alle Pfarrer der deutsch-evangelischen Landeskirchen, die amtlich berufenen Pfleger der Volksfrömmig­keit in den Gemeinden, durch die gymnasiale und akademisch­theologische Bildung hindurch müssen und die so gewonnene Art individueller Religiosität (mit starkem Einschlag des Erkenntnis­interesses) in ihrer amtlichen Wirksamkeit nicht verleugnen können und dürfen. Dieser Einfluß der theologischen Wissenschaft au: die Volksfrömmigkeit ist durchaus legitim, da das evangelische Christentum Kulturfaktor nur bleiben kann bei beständiger Be­rührung mit den höchsten, insbesondere auch wissenschaftlichen Bedürfnissen der Zeit. Doch darf die theologische Wissenschaft nie das selbständige Recht und den eigentümlichen Charakter der Volksfrömmigkeit vergessen und muß sie nicht aus sich nor­mieren wollen. Vielmehr hat die theologisch-wifiensä-aftliche Bil­dung auf den Hochschulen und in den Gemeinden gerade das rechte Verständnis für die verschiedenen Formen evangelischer Religiosität, im Zusammenhang mit dem verschiedenen geistigen Habitus der Individuen, auch ganzen Berufsklassen zu vermitteln und so zu ermöglichen, daß sie der religiösen Mannigfaltigkeit unserer volkskirchlichen Gemeinden innerlich und äußerlich ge­recht werden. Große Schwierigkeiten ergeben sich aus der Span­nung, die aus dem individualistischen Charakter auch der Frömmigkeit her wissenschaftlich Gebildeten im Verhältnis zur Bedeutung der Tradition una Sitte in der volkst'irchlichen Gemein­schaft erwachsen. Hier müssen die theologisch Gebildeten sich um ein gesteigertes Verständnis für Wert und Notwendigkeit, die fromme Sitte und Gewöhnung für Pflanzung und Wachstum frommen Lebens im Individuum als Glied der geschichtlich gegebenen religiös-sittlichen Volksgemeinschaft haben, ernstlich bemühen und diese Sitte gewissenhaft pflegen durch Beispiel für ändere. Die theologisch-wissenschaftliche Arbeit kann und darf nur durch die Tüchtigkeit und durch die gegenseitige Kontrolle der Forscher ge­leistet und kontrolliert werden. Eine kurze Besprechung schloß sich an den mit lautern Beifall aufgenommenen Vortrag an.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14. Februar 1911.

Tageskalender für Dienstag, 14. Februar. Stadt- t Heater:^auft", 1. Teil. Anfang 8 Uhr.

L. U. Landesuniversität. Die vereinigte medi­zinische Fakultät der hiesigen Universität hat den Ober­regierungsrat Franz Hafner in Karlsruhe ehrenhalber zum Dr. med. vet. promoviert.

Die Wa h l des Berg. Em melius bestätigt. Der Großherzog hat am 8. Februar d. I. der am 12. Januar durch die Stadtoerordneten-Versammlung in Gießen voll­zogenen Wahl des Kommerzienrats Louis EmmeliuS in Gießen zum Bürgermeisterei-Beigeordneten die Bestätigung erteilt.

* * Ordensv erleihung. Der Großherzog hat dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Andreas Krausmann zu Dieburg aus Anlaß seines 25jährigen Dienst- jubiläums das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Lehrpersonalien. Entlassen wurde der Lehrer an der kath. Schule zu Engelthal, Leo Janke, auf sein Nach- suchen, und die Lehrerin an der Volksschule zu Offenbach Gertrud Keller auf ihr Nachsuchen. Erledigt sind: Eine Lehrer­stelle an der evang. Schule zu Wald-Michelbach, zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Lehrersdellen an der Gemeindeschule zp Bürstadt.

* * Gerichts Personalien. Der Großherzog hat den Amtsrichtern bei dem Amtsgericht Mainz Jos. Rau und Wilh. Brehm und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gernsheim Christoph Maser den Charakter alsAmtsgerichtsrat" erteilt.

* * Der dritte der akademischen Vorträge wird am Mittwoch,15. Februar, stattfinden. Privat-, Dozent Dr. Küchler wird überDie Dichtung der Troubadours" sprechen.

** In den Ruhestand versetzt wurde der Weichen­steller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Konr. Wahl zu Grünberg.

** Stadttheater, lieber das am Freitag stattfindende Gastspiel des Wiener Kun st t Heaters, das außer Abonnement zu gewöhnlichen Preisen gegeben wird (Abonnenten zahlen gegen Ablieferung des 4. Ermäßigungskupons kleine Preise), chreibt dasBerliner Tageblatt":Doppelselbstmord" ist ein fröhliches Erlebnis, ein beinahe restloses Vergnügen auch für den anspruchsvollen Theaterbesucher. Diese dickschädeligen Bauern, diese kecken Burschen und frischen Mädeln, die beim Anzengruber immer Typen und prächtig ausgeardeitete Persönlichkeiten zugleich sind, pielen ftef* für die Wiener eben von selbst. Diese köstlichen Massen­zellen im Wirtshaus und auf der Alm, in denen der Haufe und der einzelne so luftig miteinander und gegeneinander spielen, wie es diesem Bauertidichter ivenig andere Dramatiker nachmachen, otlten so forsch nnd frisch über die Bühne, daß nur heiteres Er­götzen das Ergebnis war.

** Kun st nachricht. Fräulein Fränzi Koch wurde nach einem Gastspiel als Helene in Taifun, das sie vor 8 Tagen am -Schauspielhaus in Leipz-ig erledigte, unter günstigen Bedingungen auf 2 Jahre engagiert.

** Der Schiklub Wintersport Gießen erzielte auf demVII. großen Schirennen der Schweiz" einen chönen Erfolg, indem sein Mitglied K. I. Luther im Seniorensprunglauf mit drei gestandenen 24 Meter- Sprüngen unter 10 Bewerbern den 3. Preis errang. (Be­richt folgt.)

** Amtlichverbotene Vornamen. Das Amtsgericht hat als Aufsichtsbehörde eine Verfügung an das Standesamt wegen der Eintragung von Vornamen in das Standes­amtsregister erlassen, wonach abgekürzte Vornamen nicht mehr zulässig sein sollen. Der Verfügung, die er» heblich in das Selbstbestimmungsrecht der Eltern eingreift, ist eine Liste beigefügt, wonach folgende Namen nicht zulässig finb: Fritz, Willi, Heinz, Lina, Minna, Toni, Erna, Ella, Elli, Tilly, Dina, Frieda, Emmi, Paula, Lene oder L-enchcn, Käthe, ©reh, Dora, Liselotte, Annaliese, Annamarie usw. Die Verfügung weist darauf hin, daß damit die Liste unstatthaft gekürzter Namen noch nicht erschöpft ist ünb der Standesbeamte in Zroeifelsfällen erst Anfrage beim vorgesetzten Richter halten soll. Eine Beschlverde gegen diese Bestimmung ist bei dem Amtsgericht anzubringen, alfo bei derselben Jiistanz, die die Verfügung erlassen hat. Einer unserer Bühnenkünstler, dem man für fein jüngst geborenes 2öd> terd)eu den Eintrag des Namens Liselotte verweigert hat, (man verlangte, er solle das Kind Louise Charlotte nennen), will hingegen den Beschwerdeweg betreten. Interessant ist, daß der doch auch verkürzte Vorname Hans nachträglich geftattet worden ist.

Stempelabgaben. Im heutigen Kreisblatt sind die Bekanntmachungen über die Erhebung der Stempelabgabe ür die Fahrräder und Automobile und Musikwerke enthalten, woraus Interessenten hingewiesen feien.

Besitz wechsel. Das Buff'sche Anw< .. Frank» ucter Straße 10, ging für 98 00- Mk. in den Zesrtz deL Dr. Rheinewald über.

"Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus S chla gsd orf, Mecklenburg- Strelitz, Monakam, Württemberg.

Landkreis Gießen.

Watzenborn, 13. Febr. m Samstag hielt der Kon­sum-Verein II. hier feine Hauptversammlung in der Wirtschaft Pfaff ab. Ter Vorsitzende Junker leitete die Verlamm - lung. Der Rechner verlas die Ein- und 'Ausgabe. Ter Verein Ijatte im vergangenen Jahr im Monat Mai Umzug, was mit Unkosten und Mitgliederverlust verknüpft loar. Trotzdem ergab sich ein besserer Reingewinn als im Vorjahr, und die Dividend? trurde auf 7 Prozent festgesetzt. Dem Lagerhalter wurde sein Gehalt erhöht.

< Lich, 13. Febr. Zu dem Bericht über die gestrige Neeb Feier der Frankfurter Liedertafel sei nachgetragen, daß neben den Vertretern der städtischen Behörden auch Fürst Karl zu Solms- Hohensolms-Lich der Gedächtnisfeier am Geburtshause Neebs bei­wohnte. Die Gedenktafel am Baumschen Hause trägt die In­schrift:Ihrem verdienstvolleti Dirigenten und Ehrenmitgliede Heinrich Neeb in dankbarer Verehrung gewidmet von der Frank­furter Liedertafel (gegr. 1817), am 17. Januar 1911." (Der 17. Januar ist der Todestag NeebsZ Die Tafel wurde aus Anlaß der 75. Wiederkehr des Jahres, in dem Neeb die Leitung der Liedertafel übernahm (1836), angebracht. Dos Konzert am Abend in Steins Saalbau war auch von außerhalb sehr besucht, besonders von Gießener Sangesfreunden.

--- Steinbach, 13. Febr. Sehr lebhaft wird in unserem Orte im geheimen für die demnächst ftattsindende Bürgermeisterwahl gearbeitet. Von dem Bürger­verein waren die zwei Vorsitzenden als Kandidaten in Aussicht genommen. Da betde die Annahme der Kan- didatur verweigerten, wurde Schreinermeister Ernst Niko­laus als Kandidat crufgeftellt. Auch der seitherige Bürger­meister gedenkt wieder zu kandidieren.

--Londorf, 13. Febr. Am Sonntag fand im großen Saal der Gastwirtschaft des Herrn Böcher ein Farni l i e n ab end statt, zu dem unser Pfarrer die Gemeindeglieder eingeladen hatte. Den Abend füllte ein Vortrag des Pfarrers Hofmann aus Winnerod überLeuten ndLandOeftcrrei chs", dessen zweiter Tell burd) Lichtbilder besonders anziehend wurde. Ein­gerahmt war der Vortrag durch mehrere Gesänge des Kirchenchors. Die humorvolle, frische Art des Redners, der durch Erzählung eigener Erlebnisse seine Darbietungen belebte, das gute Gelingen der Bilder, die die österreichischen Alpen in ihrer Großartigkeit und Lieblichkeit veranschaulichten und die bekannte Feinhett der Gesänge des Krrchenchors ließen die überzahlreich erschienenen Gemeindemitglieder sehr befriedigt nach Hause geben.

-g. Hungen, 13. Febr. Gestern abend veranstaltete der Kriegerverein im Saale derTraube"' eine thea- tralische Abendunterhaltung, die gut besucht war und als wohlgelungen bezeichnet werden kann. Eingeleitet wurde der Abend durch ein Musikstück für Klavier und zwei Violinen, das recht wirkungsvoll zu Gehör kam. Ein SchwankDer Tag von Sedan" und ein KriegsbildEin Tag in Saarbrücken" wurden mit großem Geschick dnrch- geführt und sanden stürmischen Becsall. Ebenso wurden verschiedene Kuplets und ein kom. Duett recht beifällig aus­genommen. Den Schluß des ersten Teils bildeten zwei lebende Bilder:Auszug zum Kampf" undHeimkehr der Krieger^', welche in schöner Beleuchtung besonders gut wirk­ten. Der zweite Teil bestand in Tanzvergnügen, das die Teilnehmer lange zusammenhielt.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 13. Febr. Unsere Augustinerschule umfaßt ein Gymnasium und eine Realschule mit hinzugefügter Obersekunda. Diese Obersekunda, die die Anstalt schon seit Mltte des vorigen Jahrhunderts hat, soll nun aufgehoben werden. Selbstredend herrscht hierüber in unserer Stadt und Umgegend Erregung; die Stadtverord­neten haben beschlossen, mit der Regierung in Verhandlunc, zu treten. Es soll versucht werden, die Klasse zu erhalten. Für die Erbauung der Augustinerschule hat die Stadt vor noch nicht langer Zeit über 600 000 Mk. verausgabt.

-m. Friedberg, 13. Febr. Im Laufe des Tages verhaftete die Polizei den Schuhmacher und Arbeiter P a l k a aus Woladembienska in Galizien, der vergangene diacht im Wickstädter Hof eingestrochen war und einen großen Treibriemen im Werte von etwa 600 Mk., der dem Brennereibetrieb diente, von dem Getriebe der Brennerei entwendet hatte.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. Darmstadt, 14. Febr. Der Heirats­schwindler, der im September vorigen Jahres unter dem Namen Karl von Langen in vielen Städten Süd West­deutschlands Betrügereien verübte unb sich u. a. auch in Babenhausen mit der Tochter eines angesehenen Bür-, gers verlobte und sie um mehrere Tausend Mark betrog, wurde in Hannover verhaftet und zwar infolge eines von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt erlassenen Steck­briefes. Es ist der Monteur Eugen Tieringer aus Sul­zen in Württemberg, der wegen zahlreicher Schwindeleien von mehreren Staats anwalt schäft en steckt'.eflich verfolgt wurde.

m. Offenbach, 14. Febr. Kurz nach 10 Uhr wurde auf den von hier nach Hanau fahrenden Ö-Z u g zwischen hier und Nühlheirn ein s ch a r s e r S ch u ß abgegeben, durch den die Fenster- d)eiben eines Abteiles zertrümmert wurden. Verletzt wurde niemand. Der Täter ist noch nicht ermittelt. In der Schuh- abrifAlemanni a" wurden seit längerer Zeit Schuhe und Leder gestohlen. Als Dieb wurde jetzt ein Angestellter der Fabrik verhaftet, der die Beute an den Schuhmachermeister Kreuz verkaufte, der sich wegen Hehlerei zu verantworten haben wird.

ch. Bingen, 13. Febr. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde von Bürgermeister Neff ein Poli­zei Verordnungsentwurf betr. den Betrieb von Wirtschaften mit weiblicher Bedienung vor- )elegt. Nach diesem Entwurf sotten Wirtschaften mit weib- icher Bedienung keine versteckten Plätze und Ecken haben, Kellnerin jede weibliche Person, die Gäste bedient, genannt werden, docb auf die Familienangehörigen, die Wirtin usw. liefe Verordnung keine Anwendung finden, wobei immer- )in der Polizeiverwaltung es anheimgestellt bleibe, auch olche Wirtschaften unter die Verordnung zu stellen. Den Kellnerinnen und Dienstmädchen soll Wohnung im Hause gewährt werden, ebenso ausreichende Bezahlung, damtt sie nicht auf Trinkgelder angewiesen seien. Ueber die Kell­nerinnen und ihre Zahl soll der Wirt eine Liste führen und aus dem Polizeiamt jedesmal den Wechsel anzeigen. Nur solche Kellnerinnen dürfen beschäfttgt werden, die sich ausweisen können, lvo sie sich drei Jahre vorher aufgehalten haben, keinesfalls solche, Die wegen Vergehens gegen § 361 )es ^rtr.-G^-B. bestraft oder unter der Sittenkontrolle stan­den. Tie Kellnerinnen haben unauffällige, anständige Klei­dung zu tragen. Die Stadtverordneten waren grundsätzlich mit dieser Polizeiverodnung einverstanden.

KreiZ Wetzlar,

-r Llasbach, 13. Febr. Der Gesangverein Germania" hat Einladungen zu seiner 2 5 j ä £ x i 8 c nA