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Tuberkulose Influenza Lungenentzündung Sarkom Gehirnentzündung Epilepsie Perniziöic Anämie Verunglückung i'eberisjdjivdclje
aufmachen. Sind aber allgetrreme Interessen bedroh, steht das Publikum in Gefahr, Äüervorteilt zu werden, so schreitet die Zulassungsstelle ein. Decker arbeitet
die Berliner Zulassnngsstelle
mit einet Objektivität, Gründlichkeit rind Sorgfalt, Ivie mein sie selten findet. Meinen Sie denn, daß große internationale Finanzoperationen vorgenonmren werden, ohne daß man vorher mit dem Auswärtigen Amte Fühlung genommen hat? Konflikte sind selten, weil man auf einander Rücksicht nimmt. Gras Kanitz will eine allgemeine Instruktion. Gott, ich habe nichts bagegen. aber sie ist überflüssig. Ich unterschreibe durchaus, daß erst die inländischen Bedürfnisse gedeckt werden müssen. Aber die vorhandenen Institutionen reichen durchaus cm3. Herr Speck schlug erst mit Keulen auf die Großbanken nrck hielt bann
eine allge meine Bußpredigt.
massenhast geslohlene Gut zu Gelde machten, schienen unbefannt bleiben zu sollen. Da tarn ein Zufall den Nachforschungen zu Hilfe. Eines Tages bemerkte der Kriminalschutzmann Hemprich auf der Straße einen bekannten Taschendieb, der sich vorsichtig nach allen Seilen umsah und dann in dem Hause des Goldschmieds Degraa verschwand. Dies auffällige Benehmen zog eine sofortige Haussuchung nach sich, bei der der Beamte in einer Abfallkiste sechs Klumpen eingeschmolzenes Gold entdeckte. Die ausgedehnten Ermittelungen der Polizei führten dann zu dem überraschenden Ergebnis, daß Degraa, der ein geachteter Mann war und im gesellschaftlichen Leben Kölns eine große Nolle spielte, der verbündete Fühler hiesiger Diebe war. In den letzten zehn Jahren hat er für über 60 000 Mark Gold und Platin an Scheideanstalten in Köln-Ehrenseld, Hanau und Pforzheim, sowie auch nach Berlin geliefert. Der größte Teil der Goldmengen rührte von Diebstählen her. So wurde feslgestelll, daß Degraa im Frühjahr 1907 kurz nach der Zeit, als im Elberfelder Pfandhaus für mehr als 100 000 Mk. Juwelen gestohlen worden waren, eine Zeit lang jeden zweiten Tag für über 1000 Alk. Schmelzgold ablieierte. Ein sehr schlechtes Licht aus seinen Eharakter warf es auch, daß er außerordentlich viele und sehr teure Schmuckjachen in Dirnenhäusern in Coblenz, Essen, Aachen und Köln verkauft hatte. Am Schluß der Verhandlung, die heute vor der Strafkammer des Kölner Landgerichts statlsand und bis in den späten Abend währte, beantragte der Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren. Tas Gericht ging aber in feinem Urteil über den Antrag hinaus und verhängte über den Angeklagten eine Zuchthausstrafe von drei Jahren. Bei der Strafzumessung ist erwogen worden, daß der Angeklagte die Hehlerei seit einer Neihe von Jahren gewerbsmäßig betrieb und teilweise seinen Lebensunterhalt davon bestritt. Gegen den Verurteilten schwebt auch noch ein Meineidsverfahren, da er beim Offen varungseid den Besitz von Goldwaren verschwiegen haben soll.
Kiel, 10. F-ebr. Der Matrose Windisch wurde Dom Oberkriegsgericht zu vier Jahren Zuchthaus, Ausstoßung aus der Marine, fünf Jahren Ehrverlust und 3400 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er Angehörgc von Matrosen unter dem Vorwande, daß er mit ihnen befreundet sei, um größere Summen g epr el lt.
Amsterdam, 10. Febr. Der ehemalige Schi.'fskoch der Marine, Sigrist, der am 13. Januar Rembrandts Gemälde „Die Nachtwache" durch mehrere Messerstiche schwer beschädigt hatte, wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt.
Die Rede des Dr. Stresernann war nur für das Ausland gehalten. Wir werden an eine Revision des Bör senge sehes Herangehen und die Emission ausländischer Werte einschränken mühen. Der Staatssekretär sollte endlich mit der nalwncilivirt- chaftlichen Partei des Reichstages ah eine Reform der Börse Herangehen. (Beifall rechts.)
Ein Schlußan'trag wird angenommen,
Abg. Dove (Vp., persönlich):
, Die logischen Salto mortale des Herrn v. Gamp führe ick mcht auf einen Charakterfehler, sondern auf individuelle Veranlagung zurück.
Abg. Dr. Stresemann (Natl.):
Den Vorwurf des Dr. Halm, als ob ich für das Ausland gesprochen hätte, weise ich entschieden zurück.
Ursache des Rückganges der Sutterquglität im Zähre 1910. *
Der „Hildesheimer Molkerei-Zeitung" sind nachstehende Ausführungen über die Ursache des Mckganges der Butterqualität im Jahre 1909 zu entnehmen:
„Was die Güte der getooiycnen Butter anbetrifft, so wollten die Klagen des Handels kein Ende nelMen. In den ersten vier
Monaten waren diese wenig berechtigt; richttg ist es ja, daß
die Butter das feine Aroma vermissen. ließ, das sie haben sott.
Es fehlte eben die erste Grundbedingung dazu — ein gutes,
gesundes Wiesenheu. Aber das war doch nur ein Schönheitsfehler. Schlimmer kam es im Sommer, und hier sprachen zwei Faktoren mit — der Mangel an Eis und die große Nässe. Butter, die nur 12 Prozent Wasser hatte, also nach unseren heutigen Anschauungen als eine trockene gelten ntußte, machte den Eindruck einer übernassen Ware; fuhr man mit dem Butter Heber hinein, so fand man nicht die gewünschten kleinen Perlen am; Eisen, sondern große Wassertropfen. Wurde diese Butter aber Wetter geknetet, so war es die reine Salbe. Die Wissenschaft vermutete, daß bei dem eiweißreichen Futter die Fettkügelchen in der Milch sehr große wären, und diese in ungekühltem Zustande das Wasser nicht aufnähmen. Als die Rubenblätter-Fütterung begann, zeigte sich genau das Gegenteil. Die Blätter hatten auf der sJtübe keinen Frost bekommen und sie gelangten ganz trocken zur Ver- rütterung. Tie Butter wurde trotzdem hart w-ie ein Brett, und sie sah so ttocken aus, daß man Hütte annehmen nttifsen, das Zukneten einer größeren Menge Wasser würde zur Erreichung der Strcichfähigtett erforderlich sein. Die Untersuchung ergab iedoch vielfach das Vorhandensein von 14 bis 16 Prozent Wasser. Ließ man solche Butter trocken durch die Knetmaschine gehen, so kam sie als Gries heraus; setzte man 1 bis 2 Prozent Wasser zu, so erlangte die Butter ein gutes Aussehen und volle Streich- fähigkeit, zeigte au-ch kaunr eine Zunahme des Wassergehaltes; das zugesetzte Wasser war vielleicht verdunstet und auch wohl an den Wänden der Maschine haften geblieben. Ein so kleiner Wasserzufatz, der nicht zwecks Gewichtsoermehrung, sondern zur Erhöhung des Gebrauchswertes vorgenommen ist, kann nie strafbar sein.
Jedenfalls zeigten die Erfahrungen dieses Jahres, wie wichtig für einen größeren Aiolkereiberrieb das Vorhandensein einer Kühlanlage ist, und das würde noch vielmehr hervortreten, wenn wir dahin tarnen, daß dre Butter auch wirtlich nach Wert bezahlt mürbe. Hat der .handel beim überhaupt ein Recht, sich über schlechte Qualitäten zu bettagen, wenn seine hervorragendsten Vertreter in den Verträgen mit den Molker eien auf jedes Beanstandungsrecht der zu liefernden Ware im voraus verzichten?"
Praktische Vorschläge hat er nicht gemacht! Auch dre anderen Herren nickt. Gerade mit dem Börsengesetz ist die Uebcr- machk der Großbanken eingeschränkt worden. Vielleicht kommen noch dazu, über die Blockmitgift abzurechnen. Das lassen aber am besten bis zum nächsten Reichstag! (Beifall links/
Erwachsene: im
1. Lebensjahr
Kinder vom
:: 2.-15. Jahr
(ßcricbssfmu.
— E i n Goldschmied als D i e b e s h e h l e r. Seit Jahren hat sich in Köln eine Bande von Taschendieben und Einbrechern bemerkbar gemacht, die außerordentlich geschickt operierte. Wohl wurden einzelne Mitglieder gefaßt; aber die Helfershelfer, btc bas
Beilage looE ri,(l erlitt1610 -Ss Ssäs -txS-
Si-K 0 vormittags^
Montag 2 Uhr: Zweite Lesung des Etats. (Ma r n e e t a t.) J
Schluß 6 Uhr.
2 ^Bekassinen, 87 Wildenten, 826 Kormorans, Reiher usw., 2 Perlhühner, 1 Wal, 517 Stück Verschiedenes; zusammen 5 332 Stück; im ganzen pro Tag rund 180 Stück!! So sehr wir, schreibt das „Freie Wort", das edle Waidiverk zu schätzen wissen und die Freuden desselben dem Kaiser gönnen, für eine bloße Wildabschießerei sollte er sich zu vornehm dünken. Sein Vater Kaiser Friedrich UL dachte und handelte hierin sympathischer. Im Jahre 1867 äußerte ec, damals noch Kronprinz, nach einer Jagd, »reiche der Herzog ! von Koburg veranstaltet hatte: „Ehrlich gestanden, dieser Massen-- mord macht mir keinen Spaß. Ich habe nach den ersten Minuten mein Gewehr abgegeben, mir einen Stock vom Zaune gebrochen und ^bin so neben den Herren gewandert." So wemgiiens erzählt Fr. Spielhagen im 1. Bande seiner Memoiren.
* I st Bletspielzeug giftig? Die württembergische Regierung hat als eine der erneu sich auf'dem Wege des Gesetzes mit der Frage der Bleivergiitung durch Kinderspielzeug beschäftigt und schon imF^ahre 1898 den Verkauf von Kinderlrompeten, Puppen j und anderen Spielwaren untersagt, soweit sie mehr als lu Prozent » Btti enthalten. Indessen scheint es nach den Ergebnissen, die , neuere, im städtischen Laboratorium in Stuttgart vorgeuommem | Untersuchungen brachten, mit der Ge'ährlichkeu des Bleispielzeugs doch nicht so weit her zu sein. Alan ließ dort Gegenstände, die zwischen 35 und 99 Prozent Blei enthielten, vier Tage hindurch in Berührung mit Essig, Milch, Fruchtsast und anderen Substanzen, ohne daß alle diese Flüssigkeiten auch mir eine Spur von Blei annahmen. Dieses überraschende Ergebnis blieb sogar dann dasselbe, als die Flüsiigkeiten, in denen die Bleispielsachen lagen, auf den Siedegrad erhitzt wurden.
* Aus einem Aufsatz heft. Auch bei den Tieren finden wir Mutterliebe. Tic Sau frißt sogar mit Vorliebe ihre Kinder auf!"
tgmüber gestatte üi! Hilfe sozialdi versuchen. Tie :ntiid)imfl beruh ^gesprochenen I Unbiirger, Baue iflile sei es so, de n Mittelstand h'Mtheit die P m ft nimm nu Hen" Produkt! Mistischen - Wung? Bei i, Walistischcn"
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wochentt. Uebersicht der TobesMe t.0. Stadt Eietzen.
5. Woche. Vom 29. Januar dis 4. Februar 1911. Einwohnerzahl: angenommen zu 31,000 (infl. 1600 ntanu Mi Ist ar)
Sterblichkeitsziffer: 21,6 °/01, nach Abzug von 7 Orlsttemden: 10,0 70r.
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Wie die Züsch M.U Bemerkung r ■i'iflt, hat er sich i | -iittefn aufgeregt, DOtkenner seines ■ mzeuge für die I Hasser des Art 1 ntüt an. Doch,5 ■ iiamm und best ■ nben getan hat, d ■ dodultionsmittel, ■ Ä Werheugc Hei
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Todesfälle in V.v biirei
stimmung 5c§ Grafen Kanitz mit dem Geheimrat Rießer tu dieser Frage ist ja erfreulich. Hoffentlich folgt dieser partiellen lieber« emstimmung die Uebereinstimmung in anderen Volkswirtschaft, i licken Fragen. Die „Deutsche Tageszeitung" hat kür ckich Geheim
rat Rießer angegriffen, der als Leiter der Darmstädter Dank in seinem Geschäftsinteresse deutsche Staatsbürger durch den Import fauler Portugiesen um viele Millionen ge- schädigt habe. Geheimrat Rießer ist in das Direktorium erst cmgetreten, als die faulen Portugiesen längst in Deutschland waren und bat sich im Gegenteil bemüht, die Interessen der deutscben Gläubiger zu verfechten. Hoffentlich nimmt die „Deutsche Tageszeitung' mimnehr ihren Angriff zurück. Solange oer Jnlandsmartt seine Bedürfnisse befriedigen kann, liegt in der Anlage deutschen Geldes in outen ausländischen Werten keine Gefahr. (Beifall.)
Abst. Raab (Wirtsckj. Vst.)':
Ich hoffe, daß die Regierung aus der einmütigen Haltung, die der Reichstag in dieser Frage cinnimmt, nicht den Schluß ziehen wird, daß sie mit der offiziösen Warnung in der „9?orbb. Allg. Ztg." zuviel getan hat, sondern ich erwarte, daß sie in Zukunft ebenso berfahr en wird und möchte ihr -,urufen: Bravol Da capol (Sehr gut! rechts.) Bedauerlich ist es nur, daß. man nickt in gleicher ^Weise gegen andere amerikanische Papiere vorgeht. Aber freilick scheint man der Deutschen Bank, die diese Papiere bei uns eingeführt hat, nicht wehe tun zu wollen.
Die Einführung so vieler ausländischer Werte ist ein wirtschaftlicher und politischer Fehler gewesen. Die Verantwortung dafür trifft ebenso die Firmen, die die Einführung veranlaßt haben, wie Bleichröder, Schröder, Warbm-g und Betb- mann, wie das Auswärtige Amt, das es nicht verhindevt hat, daß solche Werte ins Deutsche Reich eingelassen wurden. Die Reichsbank sollte verstaatlicht werden. Dann könnte sie selbst bei den heutigen Zuständen schon manche Besserung schaffen. Man sollte auch
Bankdirektoren vom Besuch der Börse aus schließen,
wenn sie foitTe Papiere auf den Markt bringen. Von der Presse haben wir wahrhaftig wenig zu erwarten. Mit den schönen GrundsäHen des Herrn Rießer ist wenig getan, ebenso wie mit den Doveschen Kommentaren.
Abg. Dr. Hahn (Kons.):
Ich habe mich über die entgegenkommenden Erklärungen des Staatssekretärs gefreut. Die Notiz in der „Norddeutschen Allgemeinen" hatte aber noch früher erscheinen sollen. Durch
eine geschickte Mache
werden bei uns exotische Papiere umgesetzt, die aus Staaten kommen, deren Namen man kaum noch von der Schule her kennt. Diesen Menschenbeglückern sollte das Handwerk gelegt werden.. Leider hat uns der Staatssekretär keine Abwehrmittel in Aussicht gestellt. Auf den guten Willen der Banken kann man sich nicht verlassen. Das nehmen wir ihnen nicht übel, denn Bankdirektoren sind keine Idealisten. Es müssen harte Realpolitiker sein. , Es sollte aber eine Zentralstelle geschaffen werden, die die Tätigkeit der Emissionsbanken kritisch überivacht. Man sollte im preußischen Abgeordnetenhause vom staatlichen Börsen- t'ommissar eine Uebersicht über die Tätigkeit der Berliner Banken fordern. Wir werden uns dort beim Handelsetat eingehend mit der
Berliner Börse
beschäftigen. Mit deutschem Gelde fördert man die ausländische Industrie. Wie lange wird es noch dauern, und die asiatische Konkurrenz macht sich in unserem Wirtschaftsleben ernstlich bemerkbar! Hatten wir ausländische Werte von unserem Martic fern! Vor allem darf deutsches Geld nicht an unsere politischen Gegner verborgt werden, nicht an Staaten ohne Zukunft, ar Staaten mit einer großen Pumpwirtschaft. D i e Seehand- lung sollte endlich Depositenkassen errichten. Tann wäre der Schatzsekretär nicht wie jetzt den Großbanken auf Gnade und Ungnade ausgeliefert.
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gäranBcten Förr 'Sem Dorsontzesetz Sen' richtigen Vollzug. Ich gebe zu, daß ein
(Singriff der amtlichen Stelle gewissermaßen als ^Abstempelung des ausländischen Papreres angesehen werden könnte, aber diese Bedenken, lassen sich wohl wegräumen. Hoffentlich ziehen die, die es angeht, die Lehre aus dieser Interpellation. (BeisM rechts und im Zentrum.),
Abg. Dr. Frank (Soz.):
Die Konstrvativeu Pflanzen sich auf, wie der Ritter cm: dem berühmten Bilde: Kavitalisten Europas, wahrt Eure heiligsten Güter! Die -Deutsche Tageszeitung" schrieb, die Besprechung der Interpellation werde zur Folge haben, daß wir am nächsten Oktober-Termin vor einer Handelskrisis und einem achtprozentigen Bankdiskont bewahrt werden. Das ist ein Wechsel auf die Leichtgläubigkeit des Publikums; die Handelskrisis hängt aber selbst von einer konservativen Interpellation nicht ab. _ In ihrer chauvinistischen Blechmusik sind sehr viele falsche Töne. Nickt nur das Finanzkapital, auch das in der Landwirtschaft und SchwereisenIndustrie investierte ist vaterlandslos. In der Lanöwirtschaftskammer von Ostpreußen hat sich ein Mitglied darüber beklagt, daß die Regierung ihr Versprechen nicht gehalten habe beim Bau des masurischen Schifffahrtskanals keine inländischen Arbeiter zu beschäftigen und in Mannheim hat sich der Direktor einer inländischen Schiffswerft bitter darüber beklagt, daß das Eisensyndikat den fremben Werften billiger liefert als den deutschen. Die Rechte sollte auch eine
Interpellation gegen die aniinätiouale Syndikatspolitik
einbringen. Recht wertvoll wäre eine Denkschrift übet die Beteiligung deutschen Geldes an ausländischen Unternehmungen. 1908 wurde sogar eine Frankfurter Stadtanleihe von Newhorker Geldleuten übernommen. Wenn die Kapitalisten gegenfeitio in den verschiedenen Ländern ihr Geld anlegen, so sichert das den Frieden. Denn niemand kümmert sich so zärtlich um einen Kavalier als seine Gläubiger. (Heiterkeit.) Freilich die Kriegsgefahr ist nicht absolut ausgeschlossen. England schickte Kriegsschifse nach Venezuela, um dort die Zinsen für seine Gläubiger einzukassieren. Manches Bankgeschäft ist eine Aktion zugunsten der heimischen Industrie. So gab die Dresdener Bank eine Anleihe an Bulgarien nur unter Der Bedingung, daß so und soviele Millionen für deutsche Kanonen bezahlt werden. Das ist internationaler Sachwucher! Nun hat Graf Kanitz eine Revision des Börsengesetzes gefordert. Das ist nicht verwunderlich. Die kurze Block ehe ist gelöst, und da verlangt man die Verlobungs- und Morgengeschenke zurück! (Heiterkeit.) Wer ist eigentlich die Aufsichtsbehörde im Börsenhandel, die Deutsche Bank ober die Reichsregierung? Die öffentlichen Jntereßen müssen gegen dieses Institut gewahrt werden, der Staat kümmert sich ja sonst um jede Kleinigkeit. Die Berliner Großbanken aber haben schon vier Milliarden mit Beschlag belegt. Das sst schon keine private Formation mehr. Wir verlangen
* Des Kaisers Strecke. Kaiser Wilhelm hat im Jahre 1910 erlegt: 1880 Rothirsche, 90 Rottiere, 17*:8 Tamschnnfler, 98 Damtiere, 12 Elche, u Wisente, 3076 grobe Sauen, 316 gtiuigc 3aueti, 931 Rehböcke, 121 Gemsen, 3 Remitiere. 3 Bären, 17 963 Hasen, 2117 Kaumchen, 439 Füchse, 6 Dächse, 1 Marder, 10s 2!uei> Hähne, 24 Birkhähne, 3 Bronzepuier, 33 637 Fasanen, 856 . "eb- hühner, 95 Grouse (schottische Moorhühner), 4 Waldschnepfen,
Die Regierung hatte schon die Initiative ergriffen, ehe diese Interpellation eingebracht wurde. Graf Kanitz wollte wohl nur der Regierung den Rücken stärken. Bei der gedrängten Geschäftslage hätte es wohl genügt, die Fragen beim Etat zu erörtern.
.Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Regierung im Börsengesetz die Möglichkeit hat, gegen eine zu weitgehende Ueberschwemmung des deutschen Geldmarktes mit ausländischen Werten vorzugehen. Eine Revision des Börsengesetzes ist daher nicht notwendig. Kann man nun iberhaupt sprechen von einer Ueberflutung unseres Marktes mit remden Papieren? Nach unserer Meinung kann man nicht von 'nwm fortgesetzten Ansteigen sprechen, sondern die Anlage deut- chen Geldes in ausländischen Papieren bewegt sich in Wellenlinien. Auch mutz hervorgehoben werden, daß in auieren Ländern sich dieselbe Erscheinung zeigt wie bei uns. Natür- kich kommt in erster Linie das Bedürfnis der heimischen Industrie in Betracht. Aber gerade hier muß die Bedeutung des deutschen Welthandels helLorgehoben werden. Graf Kanitz hat nur die Schattenseiten her Anlage deutscher Gelder in ausländi- chen Papieren hervorgehoben. Die Lichiseiten sind, daß die Möglichkeit bestellt, durch deutsches Geld mit dem Ausland Berührungspunkte zu gewinnen. Wir danken dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes für die Plazierung der tü-rkischen Anleihe in Deutschland. (Beifall.) Diese Hilfe, dargebrackl einem emporfieigenden Staate, hat sicher mit beigerragen zu dem uns günstigen Umschwung der Stimmung am Bosporus. Also nicht so pessimistisch! Ein französischer Nationalökonom Hai kürzlich darauf verwiesen, daß Frankreich 1871 die Kriegsschuld nicht hätte bezahlen können, ohne seine starken Forderungen an das Ausland. Es ist also nicht nur graue Theorie, wenn wir sagen: die Verbindung eines Landes mit dem Weltverkehr ist für den Kriegsfall von großer Bedeutung. Die Ueberein-
ein Aufsichtsamt für das Bankwesen. Gewiß würde der Reichskanzler dabei von den Großbanken oft uber§ Ohr gehauen werden. Mit stiller Heiterkeit haben wir von den Dankschreiben des Reichskanzlers über sogenannte Hilfsaktionen der Großbanken gelesen. Diese Herren machen keine Geschäfte ohne Prosit. Das verdenken wir ihnen nicht. Aber der Reichskanzler ist ja nicht lebenslänglich angestellt. Vielleicht bildet sich schon in der Stille einer Bankdirektion ein neues A^chE^rtalent. Wir würden das nicht bedauern. Also: Der Abfluß deutschen Geldes kann nicht verhindert werden, aber bie Regierung ,oll ihn nicht fördern! (Beifall bei den Sozial- oeyrorrctten.1
Abg. Dove (23bJ'S , ,
Nach der Ouvertüre in der agrarischen Presse wird' mancher Wer die heuttge Verhandlung enttäuscht sein. Aus der Fanfare rst eine Chamade getoarben. Nur von den Konservativen gilt nodj Goethes Wort: Sie sitzen sckon mit hohen Augenbrauen, und jebermann erwartet sich ein Fest!" Sonst erwartet niemand etwas Besonderes. Ich habe hier einen Kommentar zum Börsengesetz. Da wird klar gesagt, daß bei nngünftiger Lage des heimischen Martts dre Zulassungsstelle die Emission ausländifchM Werte untersagen kann. Das Buch ist vom Neichstagsabgeordneten Dove. (Heiterkeit.) In der Beziehung sind wir also mit dem Grasen Kanitz einig. Sonst freilich nickt, obgleich er ein sehr gelehrter Mann ist, allerdings ein wirtschaktNcher Präraffaelit. (Heiterkeit.) Die Bankinstitute sind doch nicht lediglich zum Geldverdienen da. Sie sind unentbehrliche Instrumente des Wirtschaftslebens. Gegen das Geldverlieren gckt's kein Rezept. Es wird Geld verloren im Auslande, auch im Jnlande. Jedenfalls aber ist es ganz unangebracht, hier im Parlamente bestimmte Papiere zu charakterisieren. Wenn ich über Wertpapiere im Reichstage spreche, so tue ich es nur im Privatgespräch M meinen Parteigenossen, wenn sie Rat brauchen. (Heiterkeit.) Sie sind stets gut dabei gefahren. Ein Mittel, das Publikum zu bevormunden, gibt's gar nicht. Jeder muß schon selbst die Augen
Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.)D
Auch henke findet wieder, wie fast an jedem Sonmckend, die Sitzung fait unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Es sind nur etwa 20 Abgeordnete im Saal.) Man sollte am Schluß über die nächste Tagesordnung namentlich abstimmen, das würde eine schöne Einnahme ergeben. Auf die platonischen Aeußerurmen, die hier laut wurden, pfeife ich. Ick brauche auch den guten Rat des Herrn Dove nicht, ick lasse mich auf faule Anleihen überhaupt nicht ein. Auck die Börsenvresse nimmt ia schon gegen die ausländischen Werte Stellung und klärt das Publikum auf, in erster Linie die ^Frankfurter Zeitung". (Hört! Hört! rechts.) Auch aus dem ^Berliner Sägeblatt" kann man ersehen, daß es diese Papiere nicht gar so schön findet. Deutsches Geld braucht uberhauvt nicht abfließen, denn kein Land bietet so viel Möglichkeit zur Anlage. Aber kann man sich über diesen Abfluß wundern, wenn man auch an deutschen Konsols erhebliche Verluste erleidet? Wir danken dem Direktor Havenstein, daß er die Goldbestände der Reichsbank mit allen Mitteln geftärft hat. Wo wären wir geblieben, wenn man die frühere Bankpolitik weitergeführt hätte? Daß die Großbanken allgemeine Interessen über die eigenen stellen, das traue ich ihnen nicht zu. Sie kennen nur Dibidendeninteressen. Die Banken haben nur ein Interesse daran, das Geld im Jnlande zu verteuern. Der jetzige Zustand sst eine
Privilegierung auslan bischer Aktien-; Unternehmungen.
Man sollte eine ständige Kommission für Vank-- ange’Iegenbeifen einsetzen, die zu einem Drittel aus Reichstagsabgeordneten, zu zwei Dritteln aus Fachleuten, Volkswirtschaftlern usw. besteht. Jedenfalls war es ein verdienstvolles Werk des Grasen Kanitz, oiese Aussprache herbeigeführt zu haben. Die Gegensätze im Reichstage sind gar nicht so groß, wie man draußen immer annimmt. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Stresemanu (Na'tl.^


