Montag, 13 Februar 1911
161. Jahrgang
Beschwerdeverfahren
Verhältnisse
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Nr. 37
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gehen.
Nun sagt man, von der St. Paul-Anleihe sollen nur 4 Millionen Dollar» aufgelegt werden: ist das aber erst geschehen, dann kann niemand das Emissionshaus hindern, nachher uns so viel aufzuhalsen, als es will. Das gleiche gilt für die Frisko-BondZ
Unsere Interpellation hat
keine feindselige Spitze gegen Amerika, aber wir haben auch keine Veranlassung, es zu bevorzugen. Wir werden von den Amerikanern auch nicht nur als liebe Freunde behandelt. (Sehr wahr! rechts.) Im vorigen Jahre haben sie unS den Payne-Tarif aufgczwungen, die schikanösen Zollschikancn erneuert. Wir haben schon eine beträchtliche H a n d e l S un t erbt l a n z gegen Amerika. Die Kalifrage lasse ich jetzt bei Seite; ich werde sie bei Beratung des EtatsdesAuswartr- gen Amts erörtern. Nun zu dem wichtigsten Punkt: Welche Mahregeln sind zu ergreifen, um unseren Geldmartt mehr als bisher gegen die Invasion mißliebiger Ausländer zu schützen. In der Börsenenquete hatte ich den Antrag gestellt, daß eine Zen - kralemissionSbe Hörde speziell für alle ausländischen Werte errichtet werden solle, die für alle deutschen Börsen zu- s'ändig sein soll. Der damalige Reichsbankpräsident Koch uutcr= nützte diese Anregung lebhaft. Ich weiß nun nicht, ob gegenwärtig Neigung zur Revision deS Börsengesetzes vorhanden ist. An die Zulassungsstellen müßte jedenfalls die Anweisung ergehen, daß bei Emission ausländischer Werte folgende Grundsätze zu beachten sind: 1. Emissionen ausländischer Werte sind
nur nach voller Deckung des iiiländischeii Kapitalbedarfs
zulässig. (Heiterkeit links.) 2. Sie dürfen nur Mittel zur Erreichung nationaler Ziele sein imb sich in den Dien st der nationalen Arbeit stellen. 3. Auch selbst unter diesen Voraussetzungen muß nach den seinerzeitigen Erfahrungen Argentiniern, Spaniern, Serben nsw. mit größter Sorgfalt vorgegaugen und zwischen den einzelnen Ländern und Werten unterschieden werden. Diese Richtlinien entnehme ich dem Buch des Geh. Rats Dr. R i e tz e r, des P r ä s i d e n t e n d e S H a n s a - bunds (hört, Ijörtl rechts) und ich befinde mich daher in einer für den Abg. Mommsen unangreifbaren Position. (Große Heiterkeit.) Streng muß auch darauf geachtet werden, daß nur solche Papiere eingeführt werden, die einen internationalen Markt haben, also auch im Heimatlande. Es muß eingeschritten werden, solange es noch Zeit ist. (Beifall rechts.)
ftebtitten, ExptdMo» en> Dnttfertti strotz« T. fcpeötnoB and Vertag; &L Redaktton: ^»»112. ZeL-to>v ÄnietaKÖiebe»
stnd völlig abhängig. Als ein solcher mit dieser Interpellation in Verbindung gebracht wurde, wurde ihm der Boykott ange- drobt. eS wurde kein Ultimogeld zur Verfügung gestellt werden. Mit solchen Mitteln arbeitet man! Bei der Einführung der St. Louis soll eine Minderheit in der Zuloffunasstelle e.Aebliche Opvosition gemacht haben, aber von einer Besckwerd bat man nichts gehört. Die Forderung der Errichtung einer Zentral' c m i f f i c n 3 ft e 11 c unterstütze ich dringend: erst dadurch
Eichener Anzeiger
Eeneral-Anreiger für (Dbertjefjen
scheu Tageszeitung" und den Vorgängen, bie dieser Publikation vorauSgegangcn sind. AuS diesem Grunde glaube ich, können Sie entnehmen, daß der H a n d c l 6 m , n l st e r sick seiner Verantwortung vollkommen bewußt ist und Sie können entnehmen, daß die beftebenben gesetzlichen Bestimmungen besonders der r-tz 1 und 36 des Bocsengewtzcs die notwcndigcn Handhaben geben, um un gegebenen t<ai’ regulierend in die Tätigkeit der ZulaffungSslelle cin,zugrclfem S-c können versichert sein, daß die zuständigen Organe cutichlopen von den Rechten Gebrauch machen werden, die ihnen zusrebei- und die für die allgemeine Lage erforderlich sind. Aber umge kehrt ist die Reichsregierung entschlossen,
jedes Reglementieren zu unterlassen, das nicht erforderlich erscheint. Denn daS Eingreifen in diese Verhältnisse iit eine iiberaiis verantwortliche Sache, bie ebenso w,e c5 Vorteile bringen kann, auch nachteilig za wirken vermag. ~.cc Reichskanzler meint, daß in erster 2uuc alle die eben erörterten Gesichtspunkte zu berücksichtigen haben, die berufsmäßig in erster Linie in der Lage sind, die Konsequenzen zu übersehen und über die allgemeinen wirtschaftlichen, politischen und sonstigen Verhältnisse ein Urteil sich zu bilden. Ich gebe mich der Honnung bin, daß die heutigen Erörterungen hinreichen werden, um den in Frage kommenden Faktoren das Gewissen für diese Pflicht 5 u stärken und sie daran zu erinnern, daß sie Dav Wohl des deutschen Volkes mit zu verwalten haben, und daß dabei nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern m erster Linie die allgemeinen nationalen und finanziellen Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind. (Beifall.)
Auf Antrag des Abg. Dove (Vp.) wird die Besprechung tw schloffen.
sind, die eine
Uebervorteilung des Publikums^ befürchten lasten ober die den öffentlichen S n t c r - essen zuwideriaufen. WaS für öffentliche ^Jltcrcucii das sind, welche Tatbestände die Nichtzulassung einer Emisiwn begründen können, konnte der Gesetzgeber nicht angeben. Man muß sich darüber klar sein, daß die Anlage deutichen Kapitalv in ausländischen Werten unter normalen Verhaltnisten em natürlicher Vorgang ist und sehr häufig aus mancherlei Gründen, wirtschaftlicher und auch politischer Natur, notwendig oder zweckmäßig ist. Das deutsche Volk erspart alffahrlick beträchtlich. Die'Ueberschüste unserer Volkswirtschaft iverden wohl nicht zu hoch auf 4 Milliarden int Fahr geschätzt. Sieje Ersparnine müssen selbstverständlich angelegt werden. Soweit unser heimischer Markt sie nicht aufnimmt, soweit unsere eigene ^n- dustrie dieses Bedürfnis nicht befriedigt und soweit auch Reick, Staat und Kommune diese Ersparnisse nicht in Anfpruck mmmt, müsten sie ganz naturgemäß ins Ausland wandern. _ tiefer besitz ausländischer Werte ist von großer Bedeutung für die
finanzielle Kriegsbereitschaft.
Auch in anbetracht der Passivität unserer Handelsbilanz ist dieser Besitz ein wertvoller Faktor für unser wirtschaftliches Leben. Er trägt in erster Linie dazu bei, untere Zahlungsbilanz aktiv zu gestalten A u s p o l i- tischen Gesichtspunkten, aus Niuknckten auf verbündete ober befreundete Staaten, ja aus Rücksichten auf untere politische Weltstellung überhaupt kann die Anlage deutschen Kapitals in ausländischen Werten auch unter Verhältnissen an- gezeigt erscheinen, unter denen vielleicht es ans rein wirtschaftlichen Erwägungen besser wäre, das» Geld bliebe ini ~anbc. Jur der anderen Seite ist klar, daß die Anlage deut,chen Kapitals in ausländischen Werten den öffentlichen Jilterepen nicht abträglich sein darf. Der Bedarf d.'s Inlandes nach Anlagc- kapital, der Bedarf unserer Industrie und der Bedarf von.Reich, Staat und Kommune darf nicht geschädigt werden durch Die Jiv läge deutschen Kapitals in ausländischen Werten. (Sehr richtig rechts und im Zentrum.) Deshalb ist es an sich vollständig richug, wenn man die Forderung aufstellt, daß unter folcken Voraussetzungen der Ausfuhr von Kapital gewiste Schranken auferlegt werden müssen. Vor allem ist daS zweifellos auch der ^all int Interesse des
Kurses unserer Reichs- und Staatsanleihen.
Wenn man vielleicht mit Recht einwenden kann, daß unsere einheimischen Staatsanleihen und minder sichere aber hoher verzinsliche ausländische Papiere einen verschiedenen Staufer- kreis haben, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß eine wesentliche Schwächung der .lnrnahine- fähiqkeit unseres Marktes für inlandifche Werte naturgemäß auch die Aufnahmefähigkeit speziell für Reichs- und Staatsanleihen beschränkt. Und in solchen wallen muffen in erster Linie diejenigen Paviere ausscheiden, die wedergefchaft- liche noch politische Vorteile haben, die weder für uniere Industrie noch für den Fall unserer finanziellen Kriegsbereitickatt von Bedeutung sind, weil sie nickt überall im Ausland abgelebt werden können. Man muß den Wert der ausländifchen Anleihen in Vergleick stellen zu den inländischen Werten, die im, gleichen Zeitraum auf den Markt gekommen sind und muß sie in Relation setzen zu den allgemeinen Verhalt nist en des Geldmarktes und den einheimischen yeburrnmen des deuticken Wirtschaftslebens. Der Staatssekretär gibt eine vergleichende Statistik.
Wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen wir am
Beginn einer auf st eigen den Konjunktur, Die wahrscheinlich außerorDentliche Anforderungen unserer Jn- Dnstrie an den Geldmarkt bringen, wird. Wenn Sie weiter berücksichtigen, daß in Der allernächsten Zeit an Den einheimischen Warft größere Ansprüche gestellt werden, so iverden Sie nut mir zu Dem Ergebnis kommen, daß zweifeUos die gegenwärtige Situation und die Verhältniste unseres einheimischen Marktes e i ne gewisse Reserve empfehlen bei der Aufnahme ausländischer Werte. Diese Vorgänge und die sich daraus cr- aebenben Konseouenzcn haben Die beteiligten Ressorts sowohl bc-°. Reiches wie ganz besonders Preußens feit geraumer Zeit dauernd beschäftigt. Der vreußifckc .Handelsminister, als der unmittelbare Vorgefetzte Der Berliner Zulassungsstelle, hat lo i e D e r h o l t Anlaß genommen e i n z u g r e i s e n. Es stnd üii Einvernehmen mit Den ReickSrefforts im Laufe der letzten Fahre die Zulastung einer erheblichen ausländischen Anleihe inhibiert worden. (Hört! Hört! rechts.) Der Lcmdelsmiiiistcr Hot cingcgriffen in Die Gestaltung Der Prospekte, und er hat au. Den eben angegebenen Gründen, als das Gerückt auftauchte. Da); Die Einführung von Aktien Der Ehicago-Milwaukee- Eisenbabn geplant sei. Die
Warnung in Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"
erlassen, um aufmerksam zu machen. Daß das Lei Der augenblicklichen Lage des Geldmarktes ein ungeeignetes Papier sein Dürfte. Diese Kundgebung ist also Die Konsequenz eine seit vielen Monaten überlegten Politik. G:e stehr nickt im Zusammenhang mit Der Publikation Der „Deut-
Abg. Speck (Zontr.):
Die Presse aller Parteien erkennt die Unhaltbarkeit de§ jetzigen Zustandes an: im trauten Verein „Kreuzzeitung" »Deutsche Tageszeitung", „Kölnische Zeitung", -Berliner Tageblatt Zen- trumspreffe und sogar der „Vorwärts". Gewiß sind Anlagen tr ausländischen Werten notwendig, so lange sie in den Eigen Grenzen erfolgt. Aber da ist cS notwendig zu untersuchen ob das Börsengesetz richtig funktioniert. Es ist das kern Vorstoß von uns gegen das mobile Kapital im Gegenteil, wir bezwecken einen Sckutz desselben gegen die vom Auslände drohenden Ge- nhren. Die Warnung Der „Nordd. Allg. Ztg." »var sehr nottocnDig, nur bcDaucrlidi, daß der preußische Finanzministcr emen lolcher Wink nickt schon gegeben hat bei Der Einführung Der Frisko-Bond-. Ich nehme an, daß das Auswärtige Amt seine Zustimmung nicht gegeben bat. wie eö wohl überhaupt nur bei amtlichen ^ileihcn des Auslandes gehört wird. Wie kommt die Deutsche Bank, ein so stolzes und vornehmes Institut, dazu, Diase Papiere auf den Rkarkt zu bringen? Der Schlüssel hegt im Geldpunkt in der Provision. Selbst die „Franks. Ztg." bat kürzlich geschrieben, daß unsere Banken nicht so sehr auf die Qualität bet den ans ländlichen Werten sehen als auf Den Gewinn. Und wie die Tepositenbanlen arbeiten, so tun es nach berühmtem Muster gc- wisse Provinzbankiers. Mit der Sichecbeit der St. Paul-Papicre ist cs zwar nicht so schlimm, aber auch sie sind em Spekulation^, pcipier Der schlimmsten Art. Diese Balm hat, wie jemand sagte, eine große Zukunft hinter sich: Ter Gedanke der
Alimentierung unserer Industrie wird bei diesen Papieren ganz außer acht gelassen. Gerade im gegenwärtigen Moment ist eine Belastung des deutschen Wrltc-- nicht erwünscht. Daß unser R e i ch s b a n d i ö k on t fetzt nickt um ein Prozent heruntergesetzt werden konnte, daß unser Mittelstand längere Zeit hindurch ’e Prozent Zinsen mehr zahlen muß, dafür mag er sick bei der Deutschen Bank usw. bedanken. Es ist auck nickt wünschenswert,
unser wirtschaftliches Verhältnis zu beit Vereinigt en Staaten
iiodi künstlich intimer zu gestalten. Weniger als auf Die Relation zwischen MD ländischen und inländischen Wertes ist eS, daß unfer (MDmarTTübcibaupt sich mit Anleihen übernommen hat Den Hauptnutzen bat die amerikanische Industrie. Deren Konkurrenz wir gutmütigen Deutschen auf unserem eigenen Markt starken! Hub wir haben um so weniger Anlaß jetzt entgegenzukommen, als amerikanische Interessenten Die Absicht haben sick von den Verpflichtungen, die sie vertragsmäßig unserer Industrie gegenüber eingegangen sind, zu drücken, und auch die Art. wie Der Schlag gegen unsere Schiffahrt vollzogen wird, iß nickt geeignet, unsere Sympathien zu erhöhen. In Ftankreick kümmert man sick nickt um die Interessen Des Auslands, man nimmt einfad) eine sehr hohe Einkommensteuer für Die aus- läuDiscken Wertpapiere, während Bei uns Die Talonsteucr leider nur auf die Deutschen Wertpapiere praktisch anwendbar ist.
Während wir unseren Geldniarlt ängftlid) schönem kommen die Emissionsbanken und werfen Hunderte von Millionen aui den dcutfckcn Markt und werfen alle unsere Bestrebungen nach Sparsamkeit und Schuldentilgung über den Haufen. Mau her weist auf die
Verteuerung aller Lebensverhältnisse, die zur Anlage in höher verzinslichen Papieren veranlaßt. Tie Verteuerung der Lebenshaltung ist aber keine spczifisd) deutsche, ist in allen Ländern und ich ich.' nicht ein, worum gerade der deutsche Vlarkt Der Spielvlatz füc die amerikanischen Papier, sein muß. Und dann gibt es unsichere höher verzinsliche Papiere auch in Deutschland genug. (Sebr gut! rechts.) Nun hat ja der Staatssekretär in Aussicht gestellt, daß ^«besondere der preußische Handelsminister Das Nötige tut Di: Frankfurter Zeitung meint ja, daß sachliche Veranstaltungen nur von der Zulassung sstelle getroffen werden können. DaS ist durchaus falsch. Ich behaupte sogar, die Zulassunasstelle Berlin wäre in der Sage, die bereits Zugelassenen St. Louis-Bonds zu streichen.
bedarf dringend der Rkvinon und der Vereinheitlichung. AlS Hauptgrund ff'-r die Zulassung Der St. Louis-BonDs in Berlin wurde danmls angeführt, Dae, sie bereits ja in Frankfurt zu gelassen seien. Eö ist auffallend. Daß. vom Beschwerderecht u wenig Gebrauch gemacht wird, das große Publikum ist eben zu wenig eiugcweiht. besonders bei der kurzen Beschwerderrist. Es muß die Zecke bezahlen und hat gar feinen Einfluß aus die
mb. Deutscher Reichstag.
125. Sitzung, Sonnabend, den 11. Februar.
Am Tische beS BunbesratS: Dr. D e lb r ü ck, H a v e'n st c i u. Präsident Graf Schwerin»Löwitz eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten.
Die Interpellation wegen der fremden Wertpapiere.
Die Interpellation des Grafen Kanih u. Gen. (Kons.) lautet: Welche Maßregeln gedenken die verbündeten Regierungen zu ergreifen, um einer Ueberschwemmungdes deutschen Geldmarktes mit fremden Wertpapieren und einem übermäßigen Abfluß deutschen Kapitals nach dem AuSlande vorzubeugen?
Abg. Graf Kauitz (Kons.):
Die Investierung des VolkSvermögeus ist eines der schwie- rigsten Probleme Der Volkswirtschaft; im Zusammenhang bam" steht Die Frage der Verantwortlichkeit der Emission s h ä u s e r und die Regelung von Staats wegen. Unsere Interpellation ist von Der TageSpreffe überall mit Verständnis, aber nicht überall mit Wohsioollcn aufgenommen. Man hat uns
Börfenfeindschaft
vorgeworfen und bat uns belehrt, daß der Besitz ausländischer Werte mit" internationalem Kurs von großem Vorteil ist. DaS ist auch für uns nicht neu. Aud) wir wissen, daß zweckmäßige .Kapitalsanlagen in ausländischen Papieren unserer Industrie große Vorteile bringen können — ich betone: können, und in bezug auf die im Gange befindliche Emission amcrikanischel Bahnpapiere bestreiten wir das. Maßgebend für uns ist aber dabei vor allem auch — wir sind da im Einklang mit der neulichen Warnung der „Nordd. All. Ztg." — die Beanspruchung des deutickM Kapitals zuungunsten unserer eigenen Anleihen. Die Emisiwn-- statistik ist irreführend; zum Teil deshalb, weil eine Anzahl Papiere im Ausland bleiben und statistisch nicht erfaßt werde, ferner weil vielfach die Zeichnung schon vor der Genehmigung des Prospekts erfolgte. .
Die Statistik zeigt für die letzten Jahre em so rapides >a geradezu sprunghaftes Steigen des Umsatzes von auölanD,scheu Wertpapieren. Daß die Warnung der „Nordd. Allg. Ztg. vollauf gerechtfertigt luar. Eine derartig hohe Anlage deutschen Kapitals in ausländischen Wertpapieren muß naturgemäß eine Steigerung des inländischen Zinsfußes zur Folge haben und das kommt im Anleihekurs zum Ausdruck. Herr Lentze erklärte im Abge- ordnetenhaufe, sämtliche Sackverständige hatten ihm geraten, nut der Begebung der preußischen Anleihe zu warten. Natürlich, Die Emissionöhäuser bringen
lieber Frisko-Bonds
auf den Markt als preußische Staatvvapiere,, bei Denen nicht sechs Prozent zu verdienen sind. Untere PsanDbriefe stehen ebenso schlecht; wer im Wege des PfandbriefdarlehcnS feinen Kredit befriedigen will, muß von vornherem 16 18 Prozeß verloren geben. Bei der flbwanderung Deutfchen Kapitalv nach dem Auslande sind auch Verluste deS deutschen Publikums nicht auv- geschlossen. Zu gleicher Zeit wurde Die Provinzanleihe Buenos- Ayres zu SB Prozent, Die Stadtanleihe BnenoS-Ayres zu 98 Proz.. also 10 Prozent höher, aufgelegt. Ueb.r Die Ve-Ha msie der Ehikago-Milwaukee-Bahn maße ich mir kein urteil äu- diese Sl. Paul-Bahn hat ihren Aktionären bisher sieben Prozent bezahlt, aber in den Zeitungen habe ich die Bemerkung gefunden. Diese DwidenDe sei aufreckterhaltän. um die Unterbringung in Deutschland nid)«- zu biskreditieren Es ist cm offenes Geheimnis, Daß ein großer Nachsckmb nmerikcmiicker Babn- 1 verte zu erwarten und unterwegs ist. WaS die St. Louiv-St. Franzisko-BonbS anlangt, so stehen sie, bei 5 Prozent auf 83. Darum stoßen Die Amerikaner sie ab. Die Amerikaner haben dock hid mehr Geld als wir. allein 2800 Dollarsmillionäre! .Die Zula s s n n g s st c I l e Hal aud) nicht immer die wirtsihaftlichcn Vorteile in8 Auge gefaßt, die aus der Placierung deutschen Kapitals im Auslände unserer Industrie erwachsen. Bei Der s.affccbaloriiatinn hat man lediglich erzielt, Daß DaS Deutsche Publikum 60 Millionen Mark mehr als bisher ins Ausland zahlen muß. (Hört! Hört! rechts.) Unsere Industrie wird auch von Den amerikanischen' Bahnwcrtcn nickt den geringsten Vorteil faben, nicht ein Lot deutschen Eisens wird Deshalb nach Amerika
Staatssekretär Dr. Delbrück:
Die Fragen der Interpellation sind in neuester Zeit nicht Gegenstand der Erörterung der verbündeten Regierungen gewesen. Ich kann sie also zunächst nur vom Standpunkte des Herrn Reid)Skonzlers aus beantworten. Ein Mittel, die Bank- Welt und den einzelnen Kapitalisten zu hindern, sein Geld in ausländischen Werten anzulcgcn, gibt cs nicht. Ein gencrclleL Verbot, unter gewissen Voraussetzungen inländisches Kapital in ausländischen Werten anzulcgcn, wurD» ein Versuch m 11 untauglichen Mitteln sein und foahrscheinlich nur zu unerträglichen Erschwernissen unseres
Wirtschaftslebens
führen. Auf der anderen Seite sind wir m der Lage, die Einfuhr ausländischer Papiere zu erschweren, indem wir sic zum Börscnhandel zulassen und ihnen damii alle Erleichterungen versagen, die mit dieser Zulassung verbunden sind. Die Versagung der Zulassung liegt in der Hand der Zulassnugsiielle. ^ie Zu» lassungöstelle ist ein Organ der Börse, und die Börse untersteht staatlicher Aussicht. Daraus ergibt sick. daß Die Landes- rcgicrungcn in der Lage sind, die Zulaifungöftellc über Die Handhabung ihrer Befugnisse mit Anweisungen zu vergehen, und zwar nicht nur unter rechtlich formalen, sondern aud) unter Zweckmäßigkeitsgründen. Es ergibt sich daraus aber auch, daß die Verantwortung für die Durchführung deS Borfcnge,etzcs beim Reichskanzler liegt, der in Uebercinstimmung nut den verbündeten Regierungen die Landesregierungen über tue Interpretation dieses Gesetzes, wie auch alle anderen Gesetze zu informieren bat. Nun enthält § 36 deS Börsengcsetzes eine Reihe von Vorsckriften über die Voraussetzungen, unter denen die flu? lassung erfolgen oder nickt erfolgen darf. Darunter befindet nch auch die Bestimmung, daß solche Emissionen nicht zuzulaffen
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