Ausgabe 
13.5.1911 Zweites Blatt
 
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^Pfeild reieck- Seifen

M Jahrgang

Zweiter Blatt

Nr. 112

Erfcheinl täglich mit Ausnahme deS ConntagS.

Wo

TieSiebener Zamiliendlätter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal rräcbenilid). TieLandwirlfchafUlchen Seit tragen" ericheinen monathd) zweimal.

Samstag, 15. Mai 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brüblichen UniverfitälS - Buch- und Kteindruckerei.

R. Lange, Gießern

fRcbflhion, Expedition und Druckerei: bebak- slraße 7. Expedition und Verlag: eygB 51.

Redaktion: 112. Tel.-AdruAn;eigerD,eßen.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesftn

iiegclcibctricb und der Tonwareniabrikatron be­leben nodi dieselben Absayschwienak ncn wie iw Vorjabre

In der Fabrikation für Möbel auS massiv gebogenem Holz hielt such der Absatz aus der geringen Höbe bc-> voraus - gegangenen Jahres. Besriedigender loar der Geschäftsgang im Dampfs ägewerksbetrieb und im Holzdanbci und sür da- kommende Jahr ift ein gutes Geschäft zu erwarten. 3m Möbelfabrikation s und Ä u s st a t t u n g s g c s d» äi: war eine nennenswerte Besserung gegenüber dem Vorjahre nickt zu erzielen Im Pianoforte- und H a r m o n i u m h a n d c l war das Platz- und Vcrsandgeschäst zufriedenstellend.

Für die Lack und FrrniSfabrikation muß dos Berickisialir als eines der ungünstigsten bezeichnet werden. Wohl bewegte sich d^r Absatz der Fabrikate in dem normalen Verhältnis der Vorjahre, die fortgesetzten Haussebewegungen der Rohmateria lien schmälerten aber den schon ohnedies gedrückten Gcschä'is gewinn aufS empsindlichste.

Ter Geschäftsgang in der Fabrikation chem richt r Präparate war zufriedenstellend; das GroßhandelsgeichäU in Trogen, Material- und Farbware n hat eine wesenl liehe Aenderung gegenüber dem Boriahre, wo der Absatz als gut, das Gewinnergebnis als allgemein befriedigend bezeichnet wurde, nicht erfahren. Für das Apotheke» ge werbe wird das Jahr 1911) als wenig erfreulich bezeichnet.

In der Preßspan- und,Pappe»Fabrikation ist gegenüber den Borjahren eine entschiedene Besserung eingetreten. Im Großhandel mit Pappen und Papier war der Absatz durchaus oeir,cdigend, iedoch wurde der Gcschäilsgcwinn durch viele ."lonkurse stark beeinträchtigt. Ter Kleinhandel in Papier, Burcauartikel und Schreibmaschinen war zusriebei, tcllend. Ter M u s i t a l i e n h a n d e l, zumal wo das Sor­timent in Frage kommt, krankt seit Jahren schon in ganz Tenljch land an einer Uebervrodutlion, welche ein Turchdringeii söge nanntet Zugstücke fast unmöglich macht. Im Buchdruckgr w c r b e war das Gesamtergebnis nicht recht befriedigend

In der L e i n e u w e b c r c r war der Absatz ein ziemlich normaler, so daß die Webereien ihre Betriebe in unveränderte! Weise aufrecht erhalten konnten. Tic Aussichten für die Zukunft werden als gut bezeichnet. In der Äorsettfabrikation war der Geschäftsgang infolge der veränderten Mode lebhaft. Ter Nutzet», wurde jedoch wesentlich durch Entwertung größerer Lager- bestände früher gangbarer Fassons und durch die beständige Preis steigerung fast aller zur Fabrikation notlveiidigcn Materialien wesentlich bccinträchligr Im Modewarengeschäft für Tamen, sowie im St n r 5 -, Weiß und Wollwarcnge- s chait waren die Verhältnisse befriedigend, das gleiche gilt nir das W d i d) c - iint* A u s st a t t u ng s g c f ch ä f t Tie Schirmfabrikalion konnte sich im Gegensatz zu früheren Jahren etwas erholen: der Export wird jcooch infolge der un­günstigen Zollverhältnisse immer schwieriger. Im Hut G r o ß handel verlief die FrühiahrSsaison gut, hingegen war das Herbstgeschäft unbeicicdigcnd Während der Handel in Hauten und Fellen nur teilweise befriedigend war, ging das Geschäft in Pelzwarcn bis zum Schlüsse des Jahres gut. Ter Gc ichäitsgang in der . Groß-Fel darr Gcschirrfabrik war recht denstellend.

Tic Fabrikation und der Handel in Petroleumlampen hat durch Die Konkurrenz von Gas und Elektrizität i.-hr abgr nommen. Im Glas und Porzellan handel bat bei llmiatz des Geschäfts im allgemeinen und die Nachfrage nach besseren Waren ungehalten; in Luxus war en war das Geschäft befriedigend.

Für das Bankgeschäft war das Jahr 1910 gnnsng

Lujtjchiffahrt.

Freie Erfindungen.

Dresden, 12. Pkai Gegenüber ocr neuerlichen in Ber­liner Blättern amgctaud'tcn Behauptung, daß zwischen Grafen Zeppelin und Professor Hergci'cll MeifmngSverschiedcnheiten irgend welcher Art beständen, veronentlidfen btcDresdener Nachrichten" folgendes, ihnen unterm 9. Mai zngegrngcnes Telegramm:Zwi ipalt zwischen Prosefsor .Hergci'cll und mir loivic taran gcfnuptir Nebenan nahm en sind freie Erfindungen. Gra Zeppelin.^

Märkte.

F.C. Wiesbaden. V iehh oi-Mark t b e ri cht vom 12. Mai. Austrieb: Rinder 56 zLchsen ö, Kühe 51, Bullen 00), Kälber 9<> Lchaie 50, Schweine 233.

Tendenz: Nm der, Kälber, Schale imb Schweine ruhig.

Preis Durch- pro 100 Pfo. schnittsprei;

-ent- pro 100 Pfund

. scoiD: uroen». Schlag

c chs en. * vcn-biSvon-oir

Voll fleischige, onSgemanete. höchsten

Schlachtivertes, höchstens 6 Jahre all 47)9 8589 48 87

Junge, fleischige, nicht auSgeinckle und

ältere auSgemästete......434G 83b4 44 83

Ungejochte 4951 8991 50 90

Lull en.

Bollfleijchige, ausgewach'ene, höchsten

Schlachtivertes 4446 8084 45 82

DoUfleischige, jüngere 4043 7578 41 76

(5 a r c n, Kühe.

Polisteiichige auSgemästete Färsen höchst.

Schlachtivertes 4050 8487 48 85

Vollstenchige ausgemastele Hübe höchst.

Schlachtivertes ois -u '< Jahren. . 4043 7778 41 77

Aettere r.usgemäjtere Kühe und wenig

gut entwickeUe lüngereKuye u. Färsen 3539 7075 37 72

Mal oer.

Feinste Mastkälbec 6466 106-110 65 108

Mittlere Plast- und beste Saugkälber . 5962 98-106 60 102

Geringere Mast- und gute Saugkälber 54 58 9096 56 93

Schafe.

Weidemastschaie 45 00 9000 45 90

Schweine.

Vollsieischige Schwe'me btfl zu 2 Zentner

Lebendgewicht 4748 6062 47 61

Vollsleischige Schweine über 2 Zentner ^elendgewicht 47 48 6162 47 61

PoUfleischige Schweine über 2'/, Zentner ttedendgeivichl . 4546 5960 45 59

Fleischige Schweine unter 80 kg Lebend­

gewicht 4748 6061 47 60

Squcii 4244 5456 49 55

Dr. Zucker s Kohlen,'änrcbäder mit den 5linen und naa den ncucstcn vergleichenden llnicr^udmngen von Proiefior Dr Iunghahn mrd Or. L aed e ckc r Berlin ein einzigartiger voll wertiger Ersatz der Bader in Nauheim, ftiffinoen ustv. (hvx,

Verkanfs-

Rtcllen durch dieses Plakat kenntlich.

Fabrikant;

August Jacobi, Darmstadt.

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wir für gc-

bic Förderung von Industrie und Handel zum Wohle des samten Baterlandes nach besten Kräften zu wirken.

Kämpf, Präsident des Tcutschen Handelstages.

Soctbeer, Generalsekretär."

Die tage von handel, Gewerbe nnd Industrie im handekrammerdezirl Siesten.

(Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach).

Gießen, 13. Mai.

ehrfurchtsvolle Huldigung dar. Für die gnädige Fürsorge Eurer Majestät für das wirtidjatlhdtc Gedeihen des Reiches sagen unseren ehrerbietigsten Tank und geloben, and) in Zukunft

Ter Jahresbericht der Großh. Handelskam er Gießen ist erschienen. Er bringt in üblicher Weise neben dem Bericht über die wirtschaftliche Lage, die von

Der Zchiffahrtsabgabenausschuh

lehnte am Freitag den vorn Abg. Goth ein Bp.) bean­tragten Artikel 2 a, der auch für die im Besitz eines einzelnen Bundesstaats desiitdlichen natürlichen Wasferitraßcn und die mit ihnen im Gemenge liegenden künstlichen Wasserstraßen die Schaffung von Strombeiräten verlangt, gegen die eitm men der Volkspartei und der Sozialdemolraten ab. Ter Artikel 3 der Vorlage, der von der rückwirkenden Kraft in bezug auf die Befahrungsadgabeit handelt, roirb zurück gestellt. Artikel 1 (Sirafkontrollbefriinmungen wird mit unwesentlichen Aenderungen angenommen; nur wird der § 4 dieses Artikels einem Unterausschuß überwiesen, um durch andere Fassung eine sachgemäßere und weniger um­ständliche und zeilrattbende Kontrolle und Untersuchung der Basserfahrzeuge zu sichern.

Weiterderatung nächsten Tienstag.

Die Festsitzung der deutschen Handelslager.

Heidelberg, 12. Mai.

Heute vormittag 9-14 Uhr wurde die 37. Bollversamm- !ung des Tcutschen Handelstagcs als die .50jährtge Iubi- läumstagung im großen Saale der Stadthalle vor etwa 700 Teilnehmern vom Präsidenten Kampf-Berlin mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet. Nach Kon- Otfuterung des Bureaus brachte der Vorsitzende, Präsident Kämpf, m schwungvoller Rede das begeistert aufgenom­mene Hom auf den Kaiser, die Bundesfürsten und die freien Städte aus. An den Kaiser wurde folgendes von Generalsekretär Tr. Soctbeer verlesend Huloigungs- telegtamm abgesandt:

An des deuN'chcn Kaiser- Majestät, Wiesbaden Am Vor abend her Feier seines 50jährigen Bestehens in Heidelberg vet- iamiiuli bringt der Teulsche Handelstag, die Zentral vettretting von Teutschlands Industrie und Handel, Eurer Majestät seine

Nach Eintritt itf den geschäftlichen Teil der Tagesord­nung ivurde zunächst der gedruckt vorliegende Jahresbericht ohne Erörterung nnd einstimmig genehmigt. Hierauf hielt der Syndikus der Braunschweiger xiandelstammcr und Vor­sitzende des deutschen Verbandes für das kaufmännische llnterrichtswesen. Geh. Rcgierungsrat Dr. St ege mann, einen , stündigen Vortrag über kaufmännisches Unterrichtswesen in Deutschland und seine Fort dildung.

Tie praktische kausmännische Lehre ist, so führte er aus, nach wie vor als wertvollstes Ausbildung»- und Erziehungsmittel iur Den jungen kausmännischcn Nachwuchs zu betrachten. Tas kaufmännische Mittel-Fachschulwesen macht gegenwärtig einen hifteren Ausgleich zwischen zwei Hauvtrichtungen durch, von denen die eine mehr die Allgemeinbildung, bic, andere mehr die Fachbildung berücksichtigt wissen will. Tic über Erwarten rasche äußere Entwicklung der Handelshochschulen beweist, daß der Gedanke einer höchsten kaufmännischen Berufsbildung mcdr und mehr Boden in den Kreisen der Kausmannschait findet. Tcmgegennbcr muß der innere Ausbau dieser Hochschulen zu polier Selbständigkeit mit gleicher Energie betrieben werden, wobei eine Ucbervutflinunung wenigstens in den Grundbedingungen der Handel >hod)schuleti atizustreben ist. TaS sicherste Fundament einer tuntigen praktischen wie theoretischen Berufsbildung bleibt eine solide Allgemeinbildung. Tie' in den kaufmäninschen Benis eintretenben jungen Leute lassen bedauerlicherweise in einem allzu großen Prozentsatz das für die berusliche Ausbildung not- tocnbi.b Maß elementarer Borkcnntnisse vermissen, ein Zelmen dajtii, daß einesteils bet der An nahm c von Lehrlingen etwas wählerisdi verfahren werden müßte, andererseits unsere Volks schulen und dcr Unterbau unserer Mittelschulen den Ansorde- riingeii des bürgerlichen Lebens nod) mehr an zu passen sind. Alle Einrichtungen und Maßnahmen, welche neben der praktischen und schulmäßigen Ausbüdung geeignet sind, die körperliche und geistige Siichtigkeit und die Eljaraktcrblldung des faiumänmichen Aad wucl >'es zu kräftigen bandelswissenschaftliche Vorlesungen, Gesd macksbildnngsvorträgc, Studienreisen, Schulbüchereien, Lehr- ling-Mjeimc, Spiel-, Turn und Waildervereinigutigen ujro.) ver­dienen volle Beachtung. Bei der (Sriüllung aller dieser Aus gaben ist auch dcr Ausbildung der weiblichen Hilfskräfte des Handels gebührend Rechnung zu tragen.

kurzer ^lusjprame und nach Annalnnc einer zu­stimmenden Erklärung durch die Versammlung nahm der Präsident der Leipziger Handclslamnrer, Richard Schm i d i, das Wort zu einem Vortrag über die Schaffung eines i n t e r n a t i o n a l e n W e ch f e l r e ch t s.

Er hob bic Bedeutung des Wechiels als internationalen Zah» luiii. und Kreditmittels hervor, zur Veridmictzung der ver> sck iedencn Wechselordnungen zu einer Einheit, die schließlich zu der Haager Wechselrechtolonferen; im vergangenen Jahre geführt habcu. TaS Ergebnis dieser Konferenz sind die Entwürfe zu einer ftont iitiou und einem internationalen Äechsclgesetzc, die von den beteiligten Regierungen und GeschSstslreisen geprüft und in einer zweiten, 'ür den Herbst dieses Jahres in Aussicht genomnienat internationalen Zufammenlunit geändert, ergänzt oder genehmigt werden sollen. Ter Berichterstatter hob das Eharalterijlische des neuen GeieyeS hervor und ging in großen Zügen auf die weidungen von der Tcutschen Wechselordnung cm; ne betreffen bic Form des Wechsels und Protctes in einigen Punkten, die Zulajsung von Inhaberwechseln und von Zinsen im Wechsel, bic Eiusul iiinq eines P'anbindosfameiitS, Beseitigung des Regresses auf Sid ei stell ung, Erweiterung dec Noiinlationspüicht und des EinlöiungsredüS sowie die Regelung der höheren Gewalt, xer Redner sprach bic Hoffnung aus, baß Grotzbritannren unb bic Vereinigten Staaten von Nordamerika, bic zunächlt noch bei)eite flehen, lieh int Laufe der Zeit, mindestens durch autonome Gesetze, am ä ließen würden und die Hanbelswelt )id) bald em es einheit- lid'en internationalen Wed^selrechts als einer großen Erletduerung bcs Verkehrs und einer Verheißung ähniidier Lvorti(hnttc am anderen Rcchtsgcbreien erfreuen möge.

>.'!(.< weitere Redner fprack-en Kommerzienrat. Bl el 1 Braiiden- burg über bicDoppelbesteuerung burdj bie Stemoelgesetze ber cinzelneii BunbcSstaatcn", unb ber erste Vizepraiident der Ber ­liner Handelskammer Franz v. Mendelssohn Berlin über Tie wirtschaftliche Bedeutung des denn dien Belitz^ an aus- länbijdKH Wertpapieren". Nach Annahme der zu beiden Vor­trägen gestellten Entschließungen erfolgte bic Wahl von Aus'd'utz- mügliedern. Sodann verlas der Generalsekretär ^r^ so et beer zur Eiitlästung der morgigen Festsitzung eine große Rctlfe von GlückiinnschschreibiM und Telegrammen.^ Um 12»* Uhr idiloß ber Vorsitzende, Präsident ?l mio;>, bic -N.mnm

der Kammer erstatteten Gutachten, Anjichten und Dünsche, Berichte über btc Tätigkeit der wirtschaftlichen Interessen­vertretungen und solche über die einzelnen Geschäftszweige im Handelskammerbezirk.

lieber die Wirt,chaftslage im Handelskammerbezirl wird berichtet:

llnzweiielhait hat sich im Kammerbczirkc eine Besserung der wrrtichattlichcn Verhältnisse bemerkbar gemacht, wenn dies aud) nicht in gleich starkem Maße von allen GeichästSzweigcn ge­sagt werden kann. Eine Erscheinung ist aber säst allen Berichten gemeinsam: die Klage über das Gewinnergebnis, bas fast öurdi gängig als wenig befriedigend bezeichnet wird. Tie Ursache dieser eigentlich von Jahr zu Jahr immer wiederkehrenden Erscheinimg ist in dem beständigen Anwachsen der Geschäftsunkosten, besonders in der Steigerung der Rohmaterialvreisc zu suchen, welche mit den Verlauisvrcisen für Fertigsabrikatc nicht mehr in Einklang gebracht werden können.

Auch die Lage deS ArbcilSmarlts im Kammerbezirk war int allgemeinen nicht ungünstig zu neunen, wenn aud) in ein­zelnen Industriezweigen, z. B in der 3igarrcm'abrifation_mib der Basaliuidustne Verkürzungen der Arbeitszeit oder gar «tiU- legcn von Betrieben eintreten mußten, aber umsaiigreickjc Bc> triebscinschränkungen von längerer Tauer haben nicht statt gefunden. . . ,

Nackj diesen allgemeinen Bemerkungen ist un Einzelnen jol genbe zu sagen: . v ,

Für bic Zigarren» ndustrte muß bas x\al)r 1910 al» ein Ilebergangsjahr bezeichnet werben, benn bic Einrichtung auf neue Verhältnisse unb die damit verbundene Unklarheit der ganzen Elesdiästslage waren die Folgen des Slcuerjahrcs 1909. Alles tii

war das Jahr 1910 nicht günstig nnd iur die nächste Zeit eröffnen sich diesem Industriezweige keine glänzenden Vu- sichten. Gleichsalls recht wenig besriedigend ist das Iahrcscrgcbnls für die R a u d) und Kautabakfabrikation gewesen: and» diese Fadrikationszwclge sehen mit Besorgnis der Zukunst entgegen.

In erTrculidient Gegensatz hierzu hat sich bic Loge ber im Jahre 1909 durch eine wesentliche Preiserhöhung getroffenen B r a u > n d u st i i e cttvas gebessert und auch für bic Znluun bürsten günstigere Verhältnisse sür bic Brauereien zu erwarten sein, da bic Folgen bes neuen BrausteuergesetzeS soweit ubei- Wittiben uub aud) ber Antialkoholbcwcgi'ng seitens bes Gewerbes nut Entschiebenheit entgegengetreten wird. In ber Preßhefe jabritafion ist un Berichtsjahre insofern eine Wcnbung ein getreten, als ein Hescsynbikat gegrüubct würbe, welches ben Bei trieb ber Fabrikate übernommen hat, wobei Konsumenten unb Pio- bugcnten auf ihre Rechnung gekommen siiid.

In ber gleichfalls durch Stcucrcrhöhungen getroffenen Branntwein - unb Likörfabrikation begann eine Besserung im Verkauf erst im Monat September bes Bcridns jahres einzusetzen, es bleibt abzuwanen, ob bic Besserung von Tauer ist. Ter Geidjastsgang im Wcinhandel war lebhaft unb bas Gewinnergebnis befriebigenb. TaS Publikum trug den burd) die idileditc raubenernte go'djan'cncn Verhältnissen Rech­nung und zahlte willig bie erhöhten Weinpreisc. Audi im M inc> ralwasserhanbel war bas Absatzgcschäst besser als im Vor jaljre, dod) stand hierzu der Gewinn in feinem Verhältnis.

Tie Molkereien hatten einen im allgemeinen beiriebiyen­den Geschäftsgang: dock) wirb lebhaft Klage über das geringe Entgegenkommen seitens ber Gesetzgebung inbezug aus bie Arbeit­zeit ber in bitjem EnverbSzwcigc tätigen Pcrwnen geführt. Ter Vieh handel war im Jahre 1910 bis zum Herbst rege unb sowohl für Lanbleute wie für Hänbler zusriebenstellenb. Tie Preise für Zuckt , Nutz und Fettvieh zeigten anbaltenbc steigernde Tendenz. Tic im Herbst nack Ansickt der Händler im Gegensätze zu Preußen viel zu früh behördlicherseits angeordnete Aufhebung der Gießener Viehmärkte infolge Seuckjengesahr war für Handel und LandWirtscha't in Lbcrhelfen ein großer Schaden.

Ter .Handel in Getreide, Futtermitteln und M ü h 1 e n t a b r i f a t e n war nicht febr befriedigend. Tic Preiie für alle diese Artikel erfuhren in der ersten Hälfte des Berichts­jahres äußerst fdiartc Rückfcklägc, bie in ber Hauptsache auf bic starke in unb auslänbische Ernte bcs Jahres 1909 unb weiter auf bic überaus günstigen Ernteausfichtcn für 1910 zurückzuführen sind. Tie Geizen- unb R o g g c n m ü 11 e r c i leibet stark unter bei Aufhebung bes Ibentitätsnachweifes wie auch unter ber ständig zunehmcnben Konkurrenz der Großmühlen. Ter Absatz in Tüngmitteln war während des ganzen Jahres recht flott, ba ber Verbrauch ftänbig zunimmt.

Tic Sage im Kolonialwaren-Großhanbel war wenig befriedigend Während bas Z u ck c r g e)' ch ä f t im letzten drittel des Jahres burd) scharfen Preisrückgang bem Hänbler außerordentlich starke Verluste brachte, setzte Mitte des IabreS am Kaffeemarkt eine starke Preissteigerung ein, bic einen großen Konsumrückgang zur Folge hatte Im amerikanischen P e t r o l e u m g e s ch ä f t ist der Umsatz etwas zurückgegangen. Jin Kolonialwaren^ Kleinhandel verschlechtert sich bic Lage von Jahr ju Jahr infolge ber Konkurrenz ber immer mehr überhanbnedmenben Konsumo er eine. In ber Delikatessen- brauche war ein kleiner Auisdiwung bemerkbar.

Im Eisenerzbergbau ist gegenüber bem Vorjahre eine Besserung zu verzeichnen. Ter Eisen markt hat sich betätigt und e* konnten auch 'olgcbessen befriedigende Absatz- und Prcisverhält- niisc erzielt werden. ... , ., .

Tie Braunkohlcninduftrie war gut beidjauigt. xie getarnte Produktion mürbe zusammen mit dem aus bem Vorjahre übernommenen Lagcrbestandc abgesetzt allerbings zu Preisen, btc zu wünschen übrig ließen. Im Steinkohlen- und Koks handel werden bic Verhältnisse als benfbar ungünttig bezeichnet. Der Beschäsf.gungsgrab ber Main-Weser-Hütte in Lollar war befriedigend, das Absasgesckäit hat eure nicht unwesentliche Vermehrung erfahren, auch für das Jahr 1911 werben btc Verhält­nisse nickt als ungünstig bezeichnet.

In der W e r k z c u g m a s ch i n e n s a b r i k a t i o n machte sich nach dem 'charfen Rückgang im Jahre 1909 erst in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres eine Besserung, bic m ver- meftrten Aufträgen, besonders nach dem Auslände, bemerkbar. Tjf Lauterbacher Blechwarcnfabrik unb Ber jin - kungsansta 11 war das ganze Jahr hindurch gut beschäftigt, fonnte aber die Verkaufspreise für Fertigfabrilatc mit den gc- ftieacncn Rohniaterialicnvreisen nickt in Einklang bringen Im E i s c n h a n 0 e l waren bic Umsätze bebeutenb, doch mußten Die <igQrcn teil weite zu un lohn enden Preisen abgeießt werben.

" In ber B a f a 11 i n b u str i e bestehen schon seit einigen labten recht mißliche Verhältnisse, Die sich im Bericktsjadre aufs äußerste zugespitzt haben: teilweise mußten die Basaltbrüche aut kurze ober längere Zcrt still gelegt roerDcn. Die Lage im Bau­gewerbe ist im allgemeinen nach wie vor schlecht, ber Gang ber Geschäfte war sehr langsam; mwlgebcssen war auch bet Absatz in Baumaterialien sehr gering. Im TamPf-