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12/04/1911 Erstes Blatt
 
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Oeer und Flotte.

Berlin, 11. April. DasM i l i tärw o chenbl at^> meldet: Ernannt wurden Frhr. v. Lyncker, Generalleutnant, bisher Inspekteur der Lcrkehrstruppen, zum Generalinspekteur des Militärverkehrswesens, Meister, Major, Bataillonskom- mandeur im Alexander-Regiment, zum Chef des Stabes der Generalinspektion für das Militärverkehrswesen, Messing, Oberst, Vorstand der Versuchsabteilung der Verkehrs truppen und Inspekteur des Militär-, Luft- und Krastfahrwcsens.

Ausland.

Dis französische Kammer nahm die sämtlichen Artikel des Finanzgesetzes, die fick) auf die Reorganisation des Staatseisenbahnnetzes beziehen, an imb lehnte mit 253 gegen 226 Stimmen den von der Regierung bekämpften Ab- äirderungsantrag ab, der bestimmt, daß in den Eisenbahnrat Vertreter des Handclsstandcs, der Landwirtschaft und der Arbeiter - schast gewählt werden sollten, nahm aber ungeachtet des Wider- staudes des Arbeitsministers einen Abänderungsantrag an, dem­zufolge nur Arbeiter als Vertreter in den Esienbahnrat gewählt werden sollen.

Aus Korfu wird gemeldet: Der König der Hellenen sowie der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, welche wn Dienstag vormittag auf Korfu eintrafen, begaben sich nach Achelleion, wo sie von dem Kaiser und der Kaiserin herzlich empfangen wurden. Die griechischen Herrsci>aften nahmen an der Frühstückstasel teil.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Auf Beschluß des türkischen Ministerrates wurde der deutsche Baumeister N e t e l zum ChefingenieurderHedschasbahn ernannt.

Aus Konstantinopel verlautet, daß in der Angelegen­heit der in Frankreichaufzunehmendeu großen An­leihe und der damit verbundenen Eisenbahnbauten einige Schwierigkeiten ent st an den sind, die den Abschluß nicht mehr nahe bevorstehend erscheinen lassen. Die hierauf bezüglichen Konventionen, welche die türkische Dicgicrung in dieser Kammer-- session vorzulegen hoffte, würden erst in der nächsten Kammer­session vvrgelegt werden.

Die Meldungen, daß Montenegro mobilisiere, wer­den für falsch erklärt. Die Regierung verstärkte, wie aus der montenegrinischen Hauptstadt gemeldet wird, zur strikten Wahrung ihrer Neutralität die Grenzwachen und entsandte Offiziere, um die Grenze zu überwachen, damit die Montenegriner sie nicht überschreiten und die Rebellen unterstützen. Die leitenden Kreise in Montenegro sind durch die Konstantinopeler Beschuldigungen, daß Montenegro nicht neutral sei, sehr peinlich betiUirrt. Der König und die Regierung wünsckien aufrichtig, daß der Frieder gewahrt bleibe, und handeln loyal.

Deutsche Kolonien.

Der Gouverneur auf Samoa, Dr. Solf, sollte nach einer Meldung der Berliner Korrespondenz seinen Abschied eingereicht und sich entschlossen haben, in das parlamentarische Leben einzutreten. Wie dem Wolffsck-en Bureau demgegenüber vom Gouverneur auf Anfrage mitgeteilt wird, ist durchaus un­zutreffend, daß Dr. Sols sein Abschiedsgesuch eingereicht oder überhaupt die Absicht hat, den Kolonialdienst zu verlassen. Damit erledigt sich auch die Kombination, wonach Dr. Solf eine Kan­didatur für die nächsten Reichstagswahlen angenommen habe. Der Gouverneur, der seit seinem Eintreffen in Deutschland im Reichs-Kolonialamt gearbeitet hat, tritt am Mittwoch einen längeren Erholungsurlaub an. Das Datum der Wiederausreise nach dem Schutzgebiet steht zurzeit noch nicht fest.

(Ein Denkmal für Alfred Maul.

In Karlsruhe wurde gestern in Gegenwart des Grvßherzvgs von Baden vor dem Gebäude der Turnlehrer- onftolt in der Bismarckstraße die überlebensgroße Erz-- büste von Alfred Maul enthüllt. Als erster legte der Großherzog einen Lorbeerkranz am Denkmal nieder, das sodann von Oberbürgermeister Siegrist in die Obhut der Stadl übernommen wurde. Hierauf folgten Deputationen aus der Schweiz Holland und den verschiedenen deutschen Landen.

Alfred Maul war ein geborener Hesse. Er war 1828 in Michel st adt geboren und besuchte in Darmstadt das Polytechnikum (die jetzige Technische Hochschule). Gleich­zeitig widmete er sich dem Turnen. Er war Turnwart der Darmstädter Turngemeinde und erhielt seine Ausbil­dung als Turnlehrer unter Adolf Spieß. 1856 wurde er Lehrer an der Realschule in Basel und 1869 Direktor der neugegründeten staatlichen Turnlehrerbildungsanstalt in Karlsruhe, die unter seiner Leitung zu einer Musteranstalt wurde und auf dem Gebiet des Schulturnens bahnbrechend wirkte. Namentlich dem Mädchenturnen und dem Frei­übungsturnen widmete sich Maul, der eine ganze Reihe vielbeachteter Uebungsbücher herausgab. Lange Jahre ge­hörte Maul dem Ausschuß der Deutschen Turnerschaft an, bis er als Nachfolger Georgis 1887 deren Vorsitzender wurde. 1894 legte er dieses Amt wegen starker beruf­licher Inanspruchnahme nieder und wurde zum Ehren­vorsitzenden dieser größten Vereinigung für den Betrieb von Leibesübungen ernannt. Im Jahre 1907 ist Maul in Karlsruhe gestorben. Zu dem Denkmal, das gestern enthüllt wurde, haben die Turner ganz Deutschlands bei­getragen.

Aus Stadt und Laus.

Gießen, 12. April 1911.

* Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Aviatiker Aug. Euler auf dem Uebungsplatze bei Darmstadt die Silberne Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

* * Techn. Oberprüfungsamt. Der Großherzog hat den Geh. Oberbaurat Reinh. Kl i n ge l h ö f f e r zu Darmstadt zum Mitglied des Technischen Oberprüfungsamts ernannt.

* * Lehrerperson alten. Heber tragen wurde dem Lehrer Gg. Weis zu Dintesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeichule zu Arheilgen, dem Schulamtsaspiranten Hch. 2 o r tz aus Crumstadt eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Siedelsbrunn.

Ernennung. Der hessische Bergrat Köbrich in Darmstadt ist für die Dauer von fünf Jahren zum beigeordneten Mitgliede der Kars. Nörmaleichungskomission ernannt worden.

* * lieber die B e s i ch tig u n g s r ei s e des Fi­nanzausschusses der Zweiten Kammer berichtet einer der beteiligten Abgeordneten: Am Montag vormittag trafen die Mitglieder des Finanzausschusses der Zweiten Stände- kammer in Begleitung von Regierungsvertretern in Gießen ein, um hier die neuerbaute staatliche Irrenan­stalt zu besichtigen. Von der Regierung nahmen tell Minister des Innern v. Hombergk, Geh. Oberbaurat Klingel-

höfer und Provinzialdirekwr Dr. Usinger. Unter Füh­rung des Bauinspektors Schön und des Professors Dr. Dannemann erfolgte die eingehende Besichtigung der Anstalt, die demnächst eröffnet werden soll. Sowohl die außerordentlich günstige Lage als auch die trefflichen Ein­richtungen fanden allseitigen Beifall. Nach eingenommenem Mittagsmahl intGroßherzog von Hessen" begaben sich die Gäste in Automobilen nach Wölfersheim, um dort die staatliche Braunkohlengrube Ludwigshosfnung, auf der bekanntlich demnächst eine Brikettfabrik sowie eine elek­trische Ueberlandzentrale für einen großen Teil der ober- hessischen Gemeinden errichtet werden sollen, einer Besich­tigung zu unterziehen. Unterwegs stattete man noch dem von der Provinz Oberhessen errichteten Wasserwerk In­heiden einen Besuch ab, das nach einem Vertrag mit der Stadt Frankfurt auch sie mit Wasser versorgen soll. Auf der Grube Ludwigshosfnung wurden die Gäste durch Ge­heimrat Milbrand, Finanzrat Balzer, Bergrat Schulz und Baurat Schöberl erwartet. Es fand eine eingehende Be­sichtigung der Grube, der gesamten Anlagen sowie eine Prüfung des neuen Projekts an Hand der Pläne und wei­teren Unterlagen statt. Der Finanzausschuß wird dem­nächst zur Errichtung der Brikettfabrit und der elektrischen Zentrale Stellung nehmen; der Vertrag der Provinz mit dem Staat ist bereits von dem Pvovmzialausschuß ge­nehmigt, so daß es nur noch der Zustimmung des Land­tags bedarf, um das Werk zu beginnen. Der Vertrag sichert dem staatlichen Umerneymen eine angemessene Ver­zinsung der aufzuwendenden und bereits für die Grube Ludwigshosfnung verausgabten Kapitalien. Neu aufzuwen­den sind rund 1900 000 Mark. Gegen Abend kehrten die Gäste wieder in ihre Heimat zurück.

Geschäfts-Jubiläum. Am Freitag, 14. April, feiert das Möbel- und Aussiattungsgeschäft C. Leisler, Neuenweg, sein 25jähriges Geschäflsjubiläum.

* (Sine unangenehme Ueberraschung bereiten vor den Oslertagen für Viele die Staatssteuerzettel für 1911/12, die eben ausgegeben werden. Vielfach sind nämlich die Steuerzahler überrascht, wie sehr sich ihr Einkommen nach der neuen Veranlagung vermehrt haben soll.

Landkreis Gießen.

? A Ikendorf a. Lahn, 12. April. Heute feiert unsere Hebamme Katharine Ellsabethe Steinmüllerihr 4 0jähriges Di enstjub il äum. Trotz ihres Alters übt sie ihre Tätigkeit zur größten Zufriedenheit unserer Dorfbewohner bis heute noch aus.

Li ch,11. Llpril. Eine Kindesleiche wurde gestern im Felde unter einem Misthaufen gefunden. Wie vertäutet, soll es das Kind sein, das eine hier in Diensten stehende Magd geboren hat. Bon Gießen weilte heute die Behörde zur Untersuchung der Angelegenheit bier. In der Stadt sind die verschiedensten Gerüchte in Umlauf, die sich aber teil­weise widersprechen.

Kreis Lauterbach.

= Schlitz, 12. April. Die Untersuchung über die Entstehungsursache des Brandes bei Metzger­meister Schwab, über den in Nr. 82 d. Bl. berichtet wurde, hat ergeben, daß von einemKurzsMuß" keine Rede sein konnte, daß vielmehr die elektrische Lichtleitung auch nach dem Brande durchaus in tadellosem Zustande toar und der Brand durch ein am Wechsetbalken zu nah vorbei­führendes eisernes Ofenrohr verursacht wurde.

Kreis Friedberg.

Friedberg. 11. April. Von den 25 Schülern, die in höheren Lehranstalten oder bei Lehrern nsiv. vorgebildet waren und sich zur Aufnahme ins hiesige Lehrerseminar melßeten, haben 13 die ab gehalte ne Prüfung bestanden.

x Bad-Nauheim, 11. April. Ein schönes Stück Arbeit im Dienste der Volksbildung leistet seit 5 Jahren der hiesige Volksbildungsverein. Der unter dem Vorsitz von Oberlehrer Dr. Strecker stehende Verein zählt jetzt 425 Mitglieder. Im letzten Winter wurden 8 Theater­abende durch das Verbandstheater abgehalten, die eine Durchschnittsbesucherzahl von 210 aufweisen. Um die Er­ledigung der Vorarbeiten zu diesen Veranstaltungen haben sich die Vorstandsmitglieder Lehrer Wehrheim und Frl. Lehrerin Kredel ganz besondere Verdienste erworben, ebenso um die Verwaltung der Bibliothek, die neueroings auch von der Stadt unterstützt wird; auch private Freunde des Vereins vermehren den Bücherbestand dauernd durch Zuweisungen. Im letzten Jahre wurden rund 5000 Bünde ausgeliehen. Leider fehlen bei den Veranstaltungen des Vereins immer noch sehr die Bevölkerungskreise, denen in erster Linie die Volksbildungsarbeit gilt. Auch das öffent­liche Lesezimmer, in dem Zeitschriften und Zeitungen der verschiedensten politischen Richtungen ausliegen, wird von der einheimischen Bevölkerung noch verhältnismäßig wenig benutzt, aber umsomehr von den Kurfremden.

Bad Nauheim, 11. April. Die Sommersaison beginnt nächsten Samstag, an welchem Tage auch die erste liurliste er­scheint. Beveüs sind einige Lokale, die den Winter über ge­schlossen waren, geöffnet. So wurde das staatliche Tennis-Cafö wieder eröffnet. Ebenso das im Hochwald sich befindende städtische Waldrestaurant und das Teichhaus.

x Ob er-Mörlen, 12. April. In einer neuerlichen Sitzung hat der Gemeinderat, der sich erst ablehnend ver­hielt, nun doch den Anschluß an das staatliche Elektrizitätswerk beschlossen.

Starkenburg und Rheinhessen.

ra Offenbach, 11. April. In der heutigen Sitzung der S ta dtverordn eten - Versa m m lung wurde der Voranschlag für 1911 genehmigt. Der Voranschlag schließt mit 7 476 340,61 Mk. ab gegen 6 785 362,97 Mk. im Vor- jähre. Die Ausstellung des gesamten Voranschlags weist diesmal eine Aenderung insofern auf, daß der Rest aus vorderen Jahren dem Ausgleichsfonds zugeführt ist. Eine weitere Neuerung besteht ferner darin, daß erstmalig ein Schulbaufonds in Höhe von 80 000 Mk. eingestellt wurde. Diese Maßnahme hat stch als notwendig herausgestellt, weil bei der gewaltigen Zunahme der Bevölkerung Offenbach braucht jährlich etwa 11 neue Schulklaffen die Schulbauten nicht mehr auf Anlagen gebaut werden sollen. Der Vor­anschlag schließt ohne Erhöhung des Steuerprozentsatzes ab, was in der Hauptsache dem außerordentlich starken Anwachsen der Grundzahlen zuzufchreiben ist. Der Gemeindesteuer­

zuschlag beträgt bei einem Steuerbedarf von 4 346 224 Mk. und einem Steuerkapital von 2 299 589,30 Mk. 189 Prozent. Die Leute mit unter 500 Mk. Emkoinmen werden zur Ge* rneindesteuer nicht zugezogen.

w. Worms, 11. April. Da§ 3r/2 Jahre alte Kind des Fabrikarbeiters Schäfer stürzte gestern nachmittag aus dem Gangsenster des zweiten Stockwerkes in den gepflasterten Hof deS Nachbarhauses hinab, wo es schwer verletzt und besinnungslos liegen blieb. Das Kind hat einen Schädel­bruch mit Bluterguß ins Gehirn und außerdem einen Ober­schenkelbruch davon getragen. Das Kind wurde in hoff­nungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht.

Hesien-Najfau.

)( Marburg, 11. April. Der wegen der Frage der Erweiterung des Marburger Rathauses heute hier weilende Profeffor Pütz er aus Darmstadt erstattete heute in dec Stadtverordneten - Versammlung im Beisein sämtlicher Magistratsmitglieder sein Gutachten. Er hielt den vom Stadtbaurat ausgearbetleten Entwurf für richtig, weil er sich dem historischen Gebäude und dem Städtebild anpasse. Was die Baufälligkeit des Daches aubelangt, so herrschten in der Da ch ko n st r u k t i on solche Zu stände, dag hier dringend eine Er Neuerung a m Platze fei. Die Balkenlagen und Stützen seien aus den Fugen und böten eine große Gefahr. Deshalb sei eS sehr nötig, das Rathaus durch einen -Leftbau zu stützen und dann an einen zweckentsprechenden Umbau heranzugehen. Es wurde beschlossen, 55 000 Mk, vorbehaltlich einer baldigen Vorlage in den Voranschlag ein- ufteUen.

Landwirtschaft.

** Die Provinzial-Jungviehweiden. Während die Kleefelder und Wiesen mehr oder weniger durch die Mäuse­plage gelitten haben, so daß in vielen Gegenden der Provinz Fehl- und Mißernten zu gewärtigen sind, blieben die Weiden von dieser Schädigung verschont, weil das Weidevieh die Mäuse bis zum Spätherbst von den Weiden sernhielt und die feste Lagerung des Bodens ihre Wühlarbeit erschwerten und unmöglich machten. Unter dem Einfluß der reichlichen Düngung und der ständigen Verbesserung der Grasnarbe ist denn auch eine sehr üppige Vegetation auf den Weiden zu beobachten, die es ermög­licht, in den ersten Tagen des Mai mit dem Auftrieb zu beginnen. Für den Weidegang sind bis jetzt 75 Fohlen und 250 Rinder angemeldet, während die zulässige Besatzstärke erst mit 100 Fohlen und 400 Rindern erreicht ist; es können deshalb noch weitere Landwirte von der Weideeinrichtung Gebrauch machen, wenn sie unverzüglich ihre Anmeldung beim Landwirt- sckaftskammer-Ausschuß tn Gießen bewirken. Während bis zuvt 10. April Anmeldungen für eingetragene Tiere den ersten An­spruch auf Berücksichtigung hatten, können von nun an auch auf den Weiden im Tiergarten, in Lauterbach und Wernings, soweit noch Platz vorhanden ist, nichteingetragene Tiere zugelassen werden. Die Weide in Zell dagegen ist schon übersetzt, weshalb eine Ucber- weisung der überzähligen Tiere auf eine benachbarte Weide ftatt- sinden muß. Damit die Züchter auch ältere Rinder zur Weide bringen können, ist durch Aufstellung erstklassiger Zuchtbullen dafür Sorge getragen, daß die Tiere auf den Weiden gedeckt werden können. Außer bet Gewichtszunahme von l1/»2 Zentner und der günstigen Einwirkung auf Körperentwickelung und Gesundheit haben die Weidebeschicker demnach auch noch einen züchterischen Vorteil zu erwarten. Sehr zu bedauern wäre es, wenn durch weiteres Umsichgreifen der Maul- und Klauenseuche der Weide­betrieb unmöglich gemacht würde, worüber natürlich erst un­mittelbar vor Eröffnung der Weiden die Entscheidung getroffen werden kann. Vorläufig dürste es sich empfehlen, für die Weiden anzumelden und abzuwarten, welche Sicherungsmaßnahmeu oei Vorstand des Landwirtschaftskammer-Ausschusses im Eiiwernehmen mit den Verwaltungsbehörden zur Verhütung einer weiteren Ver­breitung oder Einschleppung der Seuche für geboten hält. Bis zum 1. Mai erhalten die Anmelder näheren Bescheid über .An­nahme oder Zurückweisung ihrer Anmeldungen.

GcrichrssaaL.

Berlin, 11. April. Ein erdichteter Raubanfall, der vor mehreren Monaten die Berliner Beöölkeruug in Aufregung versetzt batte, führte die Frau eines stäütischen Beamten vor die Strafkammer des Lanogerichts. Sie hatte angegeben, sie fei aus der Treppe plötzlich von einem Manne angefallen und ihrer Hand­tasche, in der sich 1100 Mark befanden, ine sie im Auftrage ihres Mannes zur Post habe tragen sollen, -beraubt worden. Der Staatsamvalt beantragte mit Rücksicht auf die ärztlichen Gutachen eine Geldstrafe von 250 Mrart, Das Gericht hielt eine Geld­strafe jedoch nicht für angebracht, da die Tat eine außerordent­liche Gerissenheit zeige. Das Urteil lautete deshalb auf vier Wochen Gefängnis und zwei Wochen Haft.

Lustichiffahtt.

! Mainz, 11. April. Der Ballon Mainz-Wiesbaden des Mittelrheinischen Vereins für Luftschiffahrt stieg am Freitag uni 10 Uhr unter Führung des Hauptmanns Eberhardt auf. Als Fahr gaste befanden sia- in der Gonoel Fürst ^u|t Christian zu Stolberg und Prinz Johann August Stolberg. Kurz nach dem Aufstieg trieb der Ballon in dichte Schneewolken, die den Reisenden die Aussicht nahmen und jedwede Orientierung ver­hinderte. Als der Ballon niederging, wurden sich die Mit- fcchrenden klar, daß sic sich auf französischem Gebiete befanden. Die Bewohner waren höchst freundlich und zuvorkommend, da sie aus den gemucksten Auszeichnungen sahen, daß die Landung in Frankreich unbeabsichtigt ersolgi war. Der Ballon war bei Pont-ß-Mousson um 2 Uhr 40 Minuten nlehergegangen. Der an der Landungsstelle erhobene Zoll wurde ohne weitere Schwierigkeit tn Pagny zurückbczahlt.

Paris, 11. April. Die Luftschiffer Bienaine und Soneuque unternahmen am SonnlaZ mit einem 2200 Kubik­meter fassenden Kugelballon einen Aufstieg und erreichten dabei eine Höhe von 9000 Metern. Das Thermometer wies eine Tem­peratur von 35 Grad unter Null auf. Die Luftschiffer hatten beabsichtigt, den von den Deutschen Bernau und Sucing ausge­stellten Höhcnrekord von 10000 Metern zu schlagen.

Arbeiterbewegung.

Danzig, 11. April. Aus der Schiechau-Werst dehnt sich der Ausstand immer weiter aus. Zurzeit sind 773 organisierte und 45 Nichtorganisierte Arbeiter ausständig.

Wien, 11. April. Die Fleis cherg esellen beschlossen, heute früh in den Ausstand zu treten, da die meisten Fleischer- firmen die neuen Lohntarisc nicht angenommen haben. 2000 Gehilfen sind dem Ausstand beigetreten. Die Gehilfen der Markt­hallen und Der Großschlächtereien haben sich dem Streik nicht angeschlossen.

W i e nz 11. April. In der Versammlung der Wiener Stück meist er der Herrenkleiderbranche, der auch die Vertreter mit den Stückmeistern der solidarischen Gehilfenschaft