6 224,48 Gesanudurchfchn. 44,45 Alk.
140
Durchschnitt 37,77 Mk.
Durchschnitt 39,81 Mk. 'Xnrdiicbiiilt 55,-J1 9Jil.
Bezirk 1 33 Kassen 1246,64
Bezirk 2 61 Kassen 2428,70
Bezirk 3 46 Kassen 2549,14
Aus Stadt und Land.
Gießen, 12, Mai 1911.
Vom BlumenLag.
Für die Stadt liegt nunmehr das genaue Ergebnis aus dem Straßenverkauf dort Es beziffert sich auf 6224,48. Dieser Betrag verteilt sich aus die einzelnen Bezirte wie folgt:
Deutsches Reich.
Ter Ausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses für den Gesetzentwurf betr. Pflichtfortbildungs- schulcn nahm einen freikonservativen Antrag einstimmig an, wonach durch den Staatshaushalt alljährlich ein Betrag von mindestens 10 Mk. auf den Kopf der nach den Bestimmungen des Gesetzes der Schulpflicht unterliegenden Fortbildungsschüler zur Verfügung gestellt wird.
„Die internationale Secrechtskonferenz in Brüssel im Herbst 1910 hatte das Ergebnis, daß die beteiligten Staaten mehrere Uebereinkommcn über den Zusammenstoß von Schiffen, Hilfsleistung und Bergung in Seenot unterzeichneten. Tie Uebereinkommcn sind, nachdem sie die Zustimmung des Bundesrats gefunden, dem Reichstage zur verfassungsmäßigen Beschlußnahmc vorgclegt worden. Tic Brüsseler Konferenz faßte zwei weitere Uebercinkommen betreffend die Beschränkung der Haftung des Reeders sowie Schiffshhpotheken und Schiffsprivi- legieit in Vorentwürsen zusammen. Um den Interessenten Gelegenheit hu geben, zu diesen Vorentwürsen Stellung zu nehmen, werden diese, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, in den nächsten Tagen im Buchhandel veröffentlicht werden.
Der B undes rat stimmte der Vorlage betreffend das Abkommen mit Griechenland über die Anerkennung der Jdentitätszeichen an Waren, die von Handlungsreisenden cin- geführt werden, dem Entwurf einer Verordnung betreffend das Inkrafttreten der Maß- und Gewichtsordnung am 30. Mai 1908, der Vorlage betreffend die Ausführungsbestimmungen zum Reichsbestcuerungsgesotze und der Vorlage betreffend die Prägung von fünf Millionen 25-Pfennig- stücken zu.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der Generalkonsul in Buenos Aires, v. Sanden, wurde anstelle des nach Peking versetzten Gesandten v. Harthausen zum Ministerresidenten von L a P a z (Bolivien) ernannt.
In der Frage derStuttgarterOberbürgermcister- w a h l ist eine überraschende Wendung eingetreten. Der Führer der Volkspartei in der Landtagsfraktion, Landtagsabgeordneter Licsching . richtete in einer öffentlichen Wählerversammlung im Interesse der Einigung der bürgerlichen Parteien die Aufforderung an seine Partei, die Kandidatur des Oberbürgermeisters Keck zurückzuziehen und für die Kandidatur des Regierungsrates Lautenschlager einzutreten, die die meisten bürgerlichen Stimmen auf sich vereinigte, weil sie von Konservativen, Zentrum und Nattonalliberalen unterstützt werde.
Die Eroberung von Juarez.
Madero ist jetzt beinahe unbeschränkter Gebieter in Mexiko. Er hat die eingenommene Stadl Juarez als Haupt- stadt erklären lassen. Trotzdem sprechen die Berichte immer noch von Friedensverhandlungen.
El Paso, 11. Mai. Spätere Nachrichten melden, daß der Kommandant von Juarez, Navarro, nicht mit den Bundestruppen geflohen ist, sondern an der Kaserne den letzten Widerstand leistete. Er hißte Mittags die weiße Flagge. Zwei Stunden nachdem Madero sein Hauptquartier in Juarez ausgeschlagen hatte, ergab er sich mit seinem Stabe dem Obersten Garibaldi. Die Z a h l d e r in den dreitägigen Kämpfen um Juarez Ge- sallenenbeträgrbeidcrseits'acht, die Verwundet en werden auf 150 geschätzt.
Madero ließ den bisherigen Kommandanten Navarro und 27 Offiziere auf ihr Ehrenwort f r e i und stellte 500 gefangenen Soldaten der Bundestruppen die Wahl, sich der Sache der Aufständischen anzuschließen, oder sich gegen gefangene Aufständische austauschen zu lassen. Wie es heißt, lchlossen sich 150 Soldaten den Revolutionären an. Madero erklärte seine Bereitwilligkeit, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen.
Neuyork, 11. Mai. Aus Juarez wird gemeldet: Die Rebellen haben Juarez als Hauptstadt proklamier t und eine provisorische Regierung ein - gesetzt.
Eine Kluft zwischen Regierung unö Duma in Rußland.
Petersburg, 11. Mai. pcach mehrstündigen Erörterungen die bis 2i/4 Uhr nachts dauerten, nahm die Dumam i t 202gcgcn 8 2 Stimmcn folgende von den Oktobristen eingebrachte Heb ex» g angsformel an:
Daß der Ministerpräsident den Beschluß des Ministerrats, die Semstwos in den sechs Westgouvernemcnts einzuführen, der allerhöchsten Genehmigung unterbreitete, sieht die Duma als eine Uebertretung des § 87 der Grmrdgesehe und folglich als die Ausführung einer ungesetzmäßigcn Handlung an und erachtet die Erklärungen des Ministerpräsidenten als ungenügend.
Zweige des Kulturfortschrittes, und würde nicht ganz in den Schatten gestellt werden von Frankfurt a. M., wo diese neuen Bestrebungen einen unerwarteten Aufschwung nehmen. Man sieht, wie man hierbei unwillkürlich auf die Frankfurter Universitätsfrage gedrängt wird, die hier in Gießen mehrfach erörtert worden ist. Ob die Frankfurter Universität der Gießener schaden wird oder nicht, ist eigentlich eine müßige Frage, denn niemand ist int Stande, sie befriedigend zu beantworten. Es ist nicht abzusehen, welche Entwickelung Gießen und Frankfurt unter den neuen Ver- hältnissen nehmen werden. Jedenfalls wird Frankfurt eine .Groß-Universität von modernstem Typ werden; gerade die neuestenZweige derTechnik undWifsenschaft,Aeronautik,Aerologie und Meteorologie hat Frankfurt vermöge seiner finan- ziellen Leistungsfähigkeit bereits an sich gezogen. Es ist gar nicht daran zu denken, daß Hessen und Gießen mit der Entwickelung der neuen Zweige der Wissenschaft in Frankfurt Schritt halten können, aber es ist Pflicht, dafür zu sorgen, daß auch Gießen auf diesen Gebieten entsprechend seiner Leistungsfähigkeit mitarbcitet, und nicht von vornherein darauf verzichtet. Daher muß man die Bestrebungen der Gießener Herren, hier einen Verein für Luftschiffahrt zu gründen und Interesse dafür zu erwecken, mit Freuden begrüßen.
— Rheinsagenspiele auf der Brömserburg in Rüdesheim sollen in diesem Jahr veranstaltet werden. Ter Garten der Niederburg wird nach den Angaben des Leiters des Wiesbadener Residenzthcaters, 2r. £) ermann Rauch, in eine Freilichtbühne verwandelt, auf der das rheinische Sagen- spiel „Gisela Brömser von Rüdesheim" von C. Spielmann dar- gestellt werden soll. Der Hauptansschuß der Rheinsagenspiele ging von dem Gedanken aus, in erster Linie namhafte Darstellcr und Mitarbeiter heranzuziehen, bei denen rheinische Kultur und Kunst ein Stück Eigenart bilden und die sich bereits nm die Kunst der Heimat verdient gemacht haben. Dr. Hermann Rauch, uem erfahrenen künstlerischen Leiter des Unternehmens, steht Will;. .(Siebes, der rheinische Schriftsteller, als Dramaturg und Fritz Schlvtthaucr, der Obcrregisscur des Mainzer Stadttheaters, als Regisseur zur Secke.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schall. Der berühinle Internist, Wirkliche Gebeimerat Professor Dr. Christian Baumle r in Freiburg i. Br. vollendet am 13. Mai fern 75. Lebensjahr. — Mit der Vertretung des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Universität Kiel wurde für das laufende Sommerseinester der Professor der Archäologie daselbst Dr, Bruno Sauer beauftragt.
Ausland.
Präsident Fallier es ist am Donnerstag nachmittag nach Paris znrückgekchrt.
Ans Dijon wird gemeldet: Während eines Nacht- marschcs Jes 4 7. Landweh rrcgiments gaben die Soldaten, die während einer langen Ruhepause unter der Kälte litten, ihrer Unzufriedenheit durch Murren und Absingen der Internationale zunt Ausdruck. Ten Offizieren gelang es, die Mannschaften durch Zureden und das Versprechen von Urlaub zu beruhigen.
Aus London wird berichtet: Die dritte Lesung der V e t o b i l l beginnt am Montag int Unterhause. Die Einbringung des Budgets wurde auf Dienstag verschoben. Tie Aussprache über die zweite Lesung des Gesetzentwurfes zur Reform des Oberhauses, den Lansdowne am letzten Montag cingcbracht hat, beginnt am Montag im Oberhause, so daß eine interessante parlamentarische Lage geschaffen wird.
Das norwegische S t o r t h i n g hat ohne Aussprache und einstimmig den Gesetzentwurf angenommen, der die Regierung zur Aufnahme einer Anleihe b i s zu 60 Millionen Kronen ermächtigt. Tie Anleihe soll für Eisenbahnbauten verwendet werden.
Der König von Montenegro beabsichtigt, den Sultan der Türkei nach dessen Rückkehr von Albanien in Konstantinopel zu besuchen. Der Sultan empfing den früheren Finanzminister D s ch a v i d Bey und drückte ihm sein Bedauern über feinen Rücktritt aus. Er lud DsHavid Bey ein, die bevorstehende Reise nach Macedonien und Aloanicn mitzumachen.
In Monastir wurde ein Oberstleutnant von einem Major erschossen. Der Mordtat liegt folgender Vorfall zugrunde: Ein Major, albanefi scher Herkunft, zerriß in einem Kaffeehaus ostentativ türkische Zeitungen. Zwischen ihm und dem Oberstleutnant entstand ein Wortwechsel. Nachts lauerte der Major dem Oberstleutnant auf, feuerte und verwundete ihn tödlich.
Die „Neue Freie Presse" meldet aus Canca: Tie christliche Bevölkerung beschloß in einer Versammlung, selbst mit Waffengewalt die Landung der von der Pforte ernannten mohammedanischen Richter zu verhindern. In Kreta herrscht große Aufregung.
Die beiden Konzerte ergaben einen Reinertrag von 173,70 Mk. Zuzüglich einer Schenkung dürfte sich der Betrag auf etwa 6900 Mark erhöhen.
Den Damen, die am Blumentag als Verkäuferinnen mitgewirkt haben, und die gerne das Ergebnis ihrer Sammlertätiglcit wissen möchten, sei mitgeteilt, daß für den 1. und 2. Bezirk die Listen unter Angabe von Nomen, Büchfennummer und Inhalt der Büchse von Montag, 15. d. M., auf 2 Tage im Torhäuschen am Stadttheater zur Einsichtnahme offen gelegt sind. Den Tarnen des 3. Bezirks wird durch Architekt Meyer auf einer Postkarte das Gewünschte mitgeteilt werden.
Das Zählgcschäft für die Landgemeinden ist noch nicht abgeschlossen, da einzelne Gemeinden dtc Sammelbüchsen iwch nicht an die Bank abgcliefert haben. Der Ertrag aus den Landgemeinden, in denen der Blumentag gefeiert wurde, ist auf rund 3000 Mark zu schätzen.
Der Ertrag des Blumcntages im ganzen Land steht noch nicht fest. Man hat ihn vor Wochen auf 80 000 Mark geschätzt. Durch die überraschend starke Beteiligung der ländlichen Gemeinden wird diese Summe jedoch überschritten werden. In ganz Heinen Gemeinden ohne Fremdenverkehr finb Beträge eingegangen, die geradezu in Erstaunen setzen. Sv sind u. a. in Uffhofen, Kreis Alzey, bei 560 Einwohnern 81 Mark cingegangen. Aehnlich, ja manchmal iwch besser, ist es in anderen Orten mit überwiegender Ärbeiterbevölkerung. Die ländlichen Gemeinden werden also einen erheblichen Anteil an dem günstigen Ergebnis haben, wie andererseits die Organisation der Mutter- und SäuglingsfürsorgeJbe- müht ist, überall in den Landgemeinden festen Fuß zu fassen. Tie Ansicht, daß. zu wenig Blumen im Land verteilt worden seien, trifft nicht zu. Es waren 1600000 Blumen versandt, was einem Ertrag von 160 000 Mark nur für Blumen entspricht. Taß dieser Betrag nicht erreicht werden wird, liegt auf der Hand. Tic Lieferung einer noch größeren Anzahl von Blumen hatte vielleicht zu einem allzu stürmischen Angebot verführt. Daß trotz aller Bemühungen, den Bedarf auszugleichen, an manchen Orten Blumen vergriffen waren, ist begreiflich, wenn man bedenkt, wie sehr der Verkauf durch Wetter, Stimmung und vieles attdere beeinflußt wird.
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"Das Großherzogspaar wirb aus Anlaß de§ Verkaufstages der Großherzogin, der am 13. Juni hier stattfindet, voraussichtlich vom 12.—16. Juni im alten Schlosse am Brandplatz Wohnung nehmen. Gestern weilte der Hof
marschall v. Ungern-Stemberg hier, um die erforderlichen - Anordnungen zu treffen.
" Titelverleihung. Der Großherzog hat dem > Bauinspektor des HochbaiiamtS Alsfeld, Otto Berth zu Als- , selb, ben Charakter als Baurat verliehen.
" Zum Finanzassessor wurde der Finanzreferendar Lubw. Weidner aus Darmstadt ernannt.
** Lebramtspersonalien. Der Großherzog hat ben ■ Tirektor an der Realschule zu Oppenheim Tr. Karl D o r f e l d zum ; Direktor an der neu zu errichtenden Oberrealschule zu Darmstadt, den Oberlehrer an der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar
1 S.u Darmstadt Professor Karl Hensing zum Direktor der Real schule zu Oppenheim ernannt.
: ** Lehr er Personalien, lieber trag en wurde dem
; Schulamtsaspiranten Hch. Löw aus Erlenbach eine Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Eifa. In den R u h e st a n d versetzt wurde die Lehrerin an der Gemcindeschulc zu Ebcrstadt (Kr. Darmstadt Helene Seelgen bis zur Wiederherstellung ihrer Gesundycit. Erledigt find eilte mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lchrer- stelle zu Vaitshain: eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Lanzenhain, dem Inhaber der Stelle kann eine Ortszulage gewährt werden; eine mit einem fatij. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Sörgenloch.
" Technische Hochschule. Dec Groß Herzog hat den Privatdozenten für Elektrotechnik an der Tcchn. Hochschule, Professor Dr.-Jng. Waldemar Petersen in Darmstadt, zum außerordentlichen Professor an dieser Hochschule, den Privatdozenten an der Technischen Hochschule Dr.-Jng. Ernst Preuß zum Inspektor an der mechanisch-technischen MaterialprufungSanstalt dieser Hochschule ernannt.
" Exotischer Besuch in Bad-Nauheim. Aus London, 10. Mai, wirb uns geschrieben: Zur Teilnahme an ben Krönungsfestlichkeiten ist die Beherrscherin von Bhopal auS Zentralindien in England eingetroffen. Ihr offizieller Titel heißt Begum Nawab und sie regiert über einen Staat, bet an Größe etwa Wales gleichkommt. Sie zeigt sich nur tief verschleiert in ber Oeffentlichkeit. Für ihren Aufenthalt in Englanb hat sie einen Landsitz in Surrey gemietet. Dem Königspaar hat sie im Buckingham Palast einen Besuch abgestattet. Sie kam mit einem Gefolge von verschleierten Frauen an. Der Zug führte auch 150 Gepäckstücke mit, darunter viele hohe Gesäße. Diese enthalten Wasser von einer besonders heiligen Qualität zum Zwecke religiöser Waschungen. In ihrer ständigen Begleitung befindet sich ihre englische Leibärztin. Alle Männer der Gefolgschaft sind Mohammedaner. Eine wichtige Persönlichkeit darunter ist der Astrolog, der seine Freude an dem sternenbesäten englischen Maihimmel hat und die ihm unbekannten neuen Himmelsgebiete mit Eifer studiert. Zu Ende dieser Woche wirb die exotische Herrscherin auch Deutschland be», suchen und zwar wird sie sich in Bad-Nauheim einer Kur unterziehen. Bezüglich der Mahlzeiten der Königin verdient es ber Erwähnung, daß zwei Priester dem Schlachten der Hühner zur Vollziehung der feierlichen Zeremonien bei* wohnen.
"Die Anlage musik ■ibet am Samstag ben 13. b. MtS., vormittags 11 Uhr, in der Süd-Anlage statt. Spielplan: 1. Ouvertüre zur Oper .Zar und Zimmermann", von A. Lortzing. 2. Fantasie auS der Oper „Carmen", von G. Bizet. 3. Czardas aus der Oper „Der Geist des Wojewodcn", von Großmann. 4. Koburger Josias- Marsch. Am Sonntag fällt die Anlagemusik aus, da die Kapelle beurlaubt ist.
" Die Sammlungen des Oller Hess. Geschichts- Vereins und der W. Gail-Stiftung haben sich in letzter Zeit erfreulich vermehrt. Besonders zu erwähnen sind int Saal 1 des Museums ein fränkisches Männergrab um 500 mit Wehr und Waffen, sowie in der römischen Abteilung neue Funde vom Kastell Arnsburg. Der bäuerliche HauSrat hat gleichfalls starken Zuwachs erhalten.
** Naturheilkunde und Medizin. Ter gestern abend im Hotel Schütz von Oberst a. D. Spohr gehaltene Vortrag über „das Verhältnis der Naturheilkunde zur Medizin" war ziemlich gut besucht. In seltener Frische des Körpers und Geistes, suchte der im 83. Lebensjahre stehende Redner darzutnn, daß die Naturheilmethode auf dem richtigen Wege sei und ihr der Vorzug vor der Schulmedizin entschieden eingeräumt werden müßte. Das Naturheilverfahrcn, das alle Gifte ausschließe und sich zur Heilung der Krankheiten und Gebrechen nur der natür- . lichcn Heilmittel bediene: der Luft, des Lichtes, der Wärme, des.. Wassers, richtiger Diät, entsprechender Bewegung im Wechsel mit wechselnder Ruhe, verhalte sich zur Medizin, wie die Wahrheit zum Irrtum. Ein Irrtum sei es, wenn die Wissenschaft die Schädlichkeit der Bazillen predige und sic als Nebensache der Krankheiten, besonders der ansteckenden Krankheiten, bezeichne. Die Bazillen hätten mit der Krankheitserrcgung gar nichts zu tun, wie von Forschern durch Versuche an Kaninchen klar nachgewiesen worden sei; sie seien Erzeugnisse und nicht Ursachen der Krank-, Hecken unb verschwänden in dem Augenblick, wo ihnen durch Reiw lichkeck, frische Luft, naturgemäße Lebensweise und richtige Diät ber Nährboden, die Lebcnsmöglichkeit abgeschnitten würde. Kein' Geringerer als Geheimrat von Pettenkosfer-München habe erklärt,' daß die Bazillen keine Fcindc, sondern die größten Freunde, und Wohltäter der Menschheit seien. Was den Körper krankst mache, das seien die Verstöße gegen die natürliche Lebensweise, und gegen die Naturgesetze, wissentlich und unwissentlich, denn die Naturgesetze seien keineswegs erforscht und alle die Wissenschaften, worauf sich die Medizin stützen müsse, seien noch lückenhaft. Wenn man aber die wissentlichen naturwidrigen Handlungen und Gewohnheiten lasse, so müßten sicher damit 99 Prozent aller Krankheiten verschwinden. Das wolle man aber nicht. Wie wäre es sonst möglich,^daß man in einer durch Tabaksrauch angefüllten Luftkloakcn Stunden lang sitzen könne, um sich durch Alkohol zu vergiften? Tausende von Menschen müßten heute noch in ungesunden Wohnräumen einen großen Teil ihres Daseins verbringen. Ihnen müsse vom Staate die Hand geboten und erlaubt werden, in Krankenhäusern, Hospitälern, Siechenhäusern Unterkunft zu verlangen. Tie so gefürchtete Maul- und Klauenseuche des Rindviehs werde weniger cingeschleppt, sondern fei eine Folgeerscheinung verkehrter Behandlung des Viehs, mangelhafter Reinhaltung, schlechter Lüftung der Ställe, mangelnder Bewegung. Was die Behandlung der Krankheiten anlangt, so gilt es, in erster Linie durch naturgemäße Lebensweise den Erkrankungen vorzubeugen. Am gesündesten und dein Körper am zuträglichsten ist nach seiner Ansicht die Pflanzenkost, besonders Gemüse, Obst, sodann Bewegung in freier Luft, Abhärtung des Körpers dem Temperaturwechsel gegenüber. Zu vermeiden sind Fleisch, Kaffee, Tee, alkoholische Getränke unb alle Gewürze. Bei Ausbruch von Krankheiten spielt bas Fieber eine Hauptrolle. Die Medizin ist nun bestrebt, durch Verabreichung von Chinin, Anttpyrin, Antifebrin und dergleichen chemischen Präpa raten das Fieber gewaltsam herabzusetzen. Das ist verkehrt. Der Ausbruch des Fiebers ist nichts Unnatürliches und beweist nur, daß ein äußerst rascher Stoffwechsel stattfindet, so daß der Körper genötigt ist, das Blut rascher als sonst au solche kranken Stellen zu befördern. Man muß bestrebt sein, das Fieber nutzbar zu machen. Das geschieht durch feuchte Packungen, die den großen Nutzen haben, infolge gesteigerter Hauttätigkeit die Poren zu öffnen und die Krankheitsstoffc auszuscheiden. Ein nachfolgendes mildes Halbbad kann jedesmal folgen. Der Vortragende gibt pun
«en. In Artikel 7 heiße es, die spanische Regierung verpflichte sich in Anbetracht der b e t r ä ch t l i ch e n H a n d e l s- interessen der Untertanen des deutschen Kaisers in Marokko und unter Vorbehalt eines noch anzuberaumenden Aktes, dem Deutschen Reich für einen noch An bestimmenden Zeitraum einen Hafen an der atlantischen M1 ü ft e in Pacht zu geben; die Kabinette von Madrid und Berlin würden sich späterhin über diesen P u n k t a n d e r Kü st e v e r st ä n d i g e n , w e 1 ch e r C a s a- blanca oder Rabat sein könne.
DaS Blatt schtteßt: Artikel 10 besagt: Die Regierungen Frankreichs und Spaniens sollen späterhin entscheiden, ob "die rein nominelle Autorität des Sultans von Marokko über das Reich von Fez (spanische Einfluß- sphäre) und das Gebwt von Marakosch (französische Sphäre) bestätigt, oder ob die eine oder die andere der beiden Zonen nicht begrenzt werden soll. Artikel 11 besage noch, daß das Vertragsprotokoll geheim bleiben soll bis zu dem Tage, wo es von beiden Regierungen einverständlich den beiderseitigen Parlamenten bekanntgegeben würde.
Paris, 11. Mai. Dem „Echo de Paris" zufolge schweben gegenwärtig zwischen der französischen und der spanischen Regierung Verhandlungen über die Beteiligung Spaniens an dem Bau der geplanten E i s e n b a h n l i n i e T a u g e r - A l k a s s a r. Spanien habe gegen den Abschluß der letzten marokkanischen Anleihe von 43 Millionen Franks, für die das Erträgnis dieser Bahnlinie als Pfand dienen soll, Einspruch erhoben, da die Bahn auf eine Strecke von etwa 30 Kilometer durch die spanische Einflußsphäre gehen würde. Man hoffe in Madrid, daß Frankreich die Beteiligung spanischer Unternehmer an diesem Lahnbau, sowie die Herstellung der Bahnlinie nach Larrache ermöglichen Werde, durch die auch die spanische Einflußsphäre gewinnen würde.


