Ausgabe 
13.1.1911 Erstes Blatt
 
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Aus Hessen.

R. B. Darmstadt, 12. Jan. Der parlamentarische Ausschuß zur Erzielung von Ersparnissen und Vereinfachungen in der Staatsverwaltung ist von seinem Vorsitzenden, Staatsminister Ewald, für Mittwoch den 18. Januar zu einer Beratung über eine Anzahl aus verschiedenen Ministerialabteilungen ;c. eingegangenen Ver- einfachungsoorschlägen einberufen worden.

Aus dem Neichstagswahlkreis Friedberg. Es verlautet, daß hier der Bund der Landwirte auf eine Sonder­kandidatur verzichten und als gemeinsamen parteilosen nationalen Kandidaten den allseitig hochgeachteten Kceisrat Schliephake den Nationalliberalen Vorschlägen wollen.

Slt Äußern: auch h'ave er 'offen geTaJTe'ä, ob pvlizet- licke Mißariffe vorgekommen sind, Wohl aber dar- aelegt au sw eich er Stimmung -heraus die Krawalle ,ent- LLsind die nicht zu erklären snd.ohne die fottgefttzta Atztätigkeit der sozialdemokratischen Prepe. Ohne , dreie SW arbeit wäre es unmöglich gewesm, daß auch ausltändige Arbeiter Moabits, wie das Urteil aussuhrt, sich aus die Seite dc^> ^an- baaels stellten Natürlich l)at der Reichskanzler nicht behauptet, daß di ..oziäldemokratuche Partei die Krawalle angcstrftet W Es liegt auf der sand, daß die Ausschreitungen der Partei sirr ihre gegenwärtigen, politischen Zwecke nur unerwünscht ,em tränten, weil sie aui die bürgerlichen Wähler lediglich eine ab­stoßende Wirkung ausüben mußten. , Im Gegensatz zu berOuf* fassung jener Blätter behaupten wir, daß die Ergebnisse des Dro^ses und das Urteil geeignet sind, dre Anschauungen des Reichskanzlers über das Gesamtbild der Moabiter Uo^snge zu bekräftigen. Das Gericht hat sowohl die ^anhagel-ThE^wie die Provokationslhesc, die von der Sv-mldenwkratte ausg^Wlt worden ist, verworfen, genau tote es der Reichskanzler^getan hat. Die Urteilsbegründung verbreitet über den Ursprung und»das Gesamtbild der Krawalle soviel Klarheit, batz^ne dialettiichen Künste im Stande sind, die Darlegungen des Neiä-taNisttrs über die moralische Mits chuld zu entkräften. .

Diese Ausführungen |inb durchaus zutreffend A enn derVorwärts" meint, im gerichtlichen Urterl ser mit keinem Worte der Zusammenhang der svzialdemi>rrotifcyci Agitation mit den Ausschreitungen r . Morben, jo tjr seine Auslegung, dieses Schw eigen bedeute eine Zurua- weisung der Vorhaltungen des Kanzlers, ganz ungerecht­fertigt. Das Gericht hatte sich mit diefem Zusammenhang und der moralischer: Verantwortlich tert durchaus nicht zu befassen, und es ist zu begrüßen, daß der Gerichtshof rem sachlich und juristisch geblieben ist.

Anslano.

In Lüttich fand am Donnerstag mittag eine große Kundgebung von etwa 40 000 ausständigen Berg­arbeitern statt, die mit Frauen und Kindern aus den Ortschaften des Kohlenreviers herbeigeströmt kamen und sich vor dem Volkshause versammelten, wo einige Abgeordnete Ansprachen hielten. Die Kundgebung ist ruhig verlaufen.

Die Streikbewegung tn Lissabon scheint 'sich nicht weiter auszudehnen. Es sind einzig die Eijenbahn- arbeiter ausständig. Gewalttätigkeiten wurden nicht gemeldet Man hofft noch heute auf Beilegung. Die Stadt hat wieder ihr gewöhnliches Aussehen. Die Läden sind sämtlich qe- öffnet. Der Minister des Innern zog sein Rücktrittsgesuch zurück und legte das Ruhegesetz abgeändert vor, das bis zur konstitmerenden Versammlung in Kraft sein wird.

An den Finnischen Landtag wurden gewählt: 87 Sozialdemokraten, 42 Altfinnen, 28 Jungfinnen 28 Schweden, 16 Agrarier, 1 Vertreter der Christlichen Arbeiterpartei. -LaS Starkeverhältnis dec Parteien ist das­selbe wie nach den vorhergehenden Wahlen. Nur gewannen d,e Sozialdem° raten einen Sitz aus Kosten der Agrarier.

. . Präsident Tast liest, roic aus Washington gemeldet wird, dem Kongreß eine Sonderbotschajt zugehen, in der die

Aus dem hessischen Kinanzausschutz.

R.B. Darmstadt, 12. Januar.

In der heute vormittag vom Finanzausschuß der Zweiten Kammer abgehaltenen Sitzung, die ohne Negie­rungsvertreter stattsand, wurden unter Vorsitz des Abg. Tr. Osann zuerst die Kapitel des ^tstizhaushalts durch Abstimmung erledigt. Sämtliche Kapitel wurden nach der Aufstellung der Regierung angenommen, mit Ausnahme des Kap. 88, -Anisterium, bei welchem die Abstimmung bis nach Beratung dieses Kapitels im Ersparnis- und Vereinsachungsausßchuß ausgesetzt wurde. Es handelt sich hier um die vom Ausschuß geltend gemachte wettere Ersparnis je eines Ministerialrats und eines Vortragenden Rats, mit der Maßgabe, das; einer dieser letzten die Geschäfte des Ministerialsekreturs mit versehen soll; es sind auch bereits die dafür in Betracht kommenden Personen genannt worden. Der Ausschuß beschäftigte sich weiter mit dem Finanzhaushalt, bei welchem ebensalls verschiedene Er­sparnisse im Personal eintreten sollen. Zunächst beim Kapitel Ministerium, in welchem, wie im Vorjahr 4 MiNtsterialrate und 21 Vortragende Räte angefordert werden. Um die Regierung zu veranlassen, auch hier geeignete Ersparntsmabnahmen in Vor­schlag zu bringen, beschloß der Ausschuß, die Posten eines Ministerialrats und zweier Vortragenden Rate iU Auch beim Kapitel Hauptstaatskasse, drängt der Ausschuß auf Herbeisührung größerer Ersparnisse und er hat deshalb angeregt, die Kasse nur einem Direktor zu unterstellen und den, wie seither, noch angeforderten zweiten Direktorposten nur auf den Inhaber zu bewilligen, er boffe, daß die Regierung im nächsten Staatsvoranschlag weitere Vorschläge zur Erzielung von Erspar­nissen machen und namentlich die Frage sorgfältig in Erwägung ziehen möge, ob sich nicht eine nähere Verbindung der Haupt- staatskasse "mit der Staatsschuldenkasse durchführen lasse. Ferner wurde beim Kapitel Katasteraint, mehrfache Anregungen zu Ver­besserungen gegeben. Der Posten des Vorstehers des Kataster- amts wurde nur auf den Inhaber bewilligt mit der Begründung, Daü die Regierung versuchen solle, eine Vereinigung des gesamten Katasterwejens herbeizusühren und dieses dann mir einem Mini­sterium zu unterstellen. Der Ausschuß hält das Vorsteheramt nicht jür überflüssig, er will nur die längst angestrebte Vereinigung mit Der Maßgabe, daß der Vorsteher zugleich Vortragender Rat in dem betreffenden Ministerium sein solle. Das Kapitel Bauwesen wurde für dieses Jahr ebenfalls genehmigt, doch sollen die von den Baubeamten dem Ausschuß unterbreiteten Vorschläge zur Er­zielung geeigneter Ersparnisse und Vereinfachung des staatlichen Bauwesens mit in den Bericht ausgenommen und der Regierung zur Erwägung überwiesen werden. Der Rest des Haushalts des Finanzministeriums (Kap. 104113) wurde nach den Re- gierungsvorschlägen genehmigt und nur eine beim Kap. 112 für den allgemeinen Fonds für Stellvertretungs-, Aushilsskosten usw. anstatt 60 000 Mk. 63 000 Mk.) gestrichen.

Der Ausschuß trat bann noch in die allgemeine Erörterung über das Kapitel Kameral- und Forstdomänen ein. Es wurde beschlossen, eine Reihe von Fragen über frühere Ausschuß­anregungen an die Regierung zu richten, z. B. über die Stellung der Forstwarte, die zugleich einen Gastwirtsbetrieb unterhalten unb. über bie frühere Forberung einer Verminderung der Ober- sörsterstellen, zu welchem Behuse der Ausschuß 12 Oberförster und 5 Assistenten nur auf den Inhaber zu bewilligen gedenkt.

Nächste Ausschußsitzung: Dienstag, den 17. Januar.

Befeftisung d°S Pnnv ^kanaIS als dringend not. wendig bezeichnet und füc bie edlen Arbeiten lperzu die Bewilligung von fünf Millionen Dollars noch m dl-,er Seffion gefordert wird.

Die Zolltarifverhandlringen zmisch en Eng­land und Japan nehmen, so meldet Reuter aus London, einen befriedigenden Verlauf und werden wahrscheinlich zum Abschluß eines englisch-japaniscben Handelsvertrages führen, in dem Japan gewiß Tarifabänderungen für eine Kommission von englischer Seite einführen wird.

Ans smdt und Lcrrrd.

Gienen. 13. Januar 1911.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die erste Sitzung im neuen Jo.hr brachte ein ziemlich nut besetztes Haus unb eine kurze Tagesordnung. Die Veränderungen, die die Zusammensetzung des Stadtparla- ments durch die letzte Wahl erfuhr, sind nicht allzu groß unb machen sich nur dadurch bemerkbar, daß die vier neuen Männer die letzte Bank einnahmen, während ihre älteren Kollegen zum Teil einen oder zwei hinaufkamen. Nicht etwa wegen Fleißes ooer Wohlberhaltens, denn diese beiden Eigenschaften sind bei unseren sämtlichen Stadt­vätern im gleichen Maß vorhanden,, sondern weil es bie geheiligte Lradttion einmal so will, daß unsere Stabtücrorbneien nach dem Tiensialter sitzen. Die guten Wünsche des Oberbürgermeisters und die Verpflichtung der wieder- und neugewählten Stadtverordneten ging rasch vor sich, so daß bie öffentliche Sitzung eigentlich zu Ende ge­wesen wäre, wenn es nicht Mitteilungen und Anträge gäbe. Von den Mitteilungen war eine von recht schmerzttcher Art. Der Verwaltungsgerichtshof hat nämlich den Ein­spruch Gießens gegen das Urteil des Provinzialausschusses verworfen, durch das die Stadt Gießen zu Vis ver Ge- ländeerwerbskosten der Bahn Lollar-Lon­dorf verurteilt worden war. Gießen darf also zu einer Bahn, wegen deren Erbauung unb Linienführung es nicht gefragt worden ist, und deren Ausgangspunkt etwa 8 Klm. vom Bahnhof Gießen entfernt liegt,JO850 Mk. bezahlen, trotzdem sie ihr keinen neuen Verkehr gebracht hat, und daSvon rechtswegen". Auch die Tatsache, daß die hiesigen Vieh Märkte wegen der Maul- und Klauenseuche verboten sind, während die benachbarten preußischen Märkte ruhig stattfinden können, gab zu einigen nicht gerade freudigen Bemerkungen An.. Man wiro abwarten müssen, ob bie neuerdings angeregte Eingabe Erfolg hat, wenn nicht, wird der Gießener Vietzmarkt immer mehr von seiner Bedeurung verlieren. Dann wurde noch dieneue Kracheburg" in der Neustadt erörtert und energisch die baldige Beseitigung des unschönen, verkehrssrörenben und lebensgefährlichen Zu­standes an jener ohnedies engen Stelle der Neustadt ver­langt. Hoffentlich Hilsts!

In der nichMsienttichen Sitzung erfolgte zunächst die Mahl eines unbesoldeten Beigeordneten anstelle des verstorbenen Beigeordneten Heyagcmstaedt. Einstimmig wurde Stadtv. Kommerzienrat Emmelius in dieses Ehrenamt berufen, eine Wahl, bie in ber Bürgerschaft wohl allseitige Billigung finben unb gewiß zum Wohl ber Stabt ausschlagen wirb. Kommerzienrar Emmelius ist seit 1893 Mitglied ber Stadtverorbneten-Versammlung und ljat sich namentlich in Finanzfragen als umsichtiger Hüter ber In­teressen ber Stadt unb ber steuerzahlenden Bürgerschaft erwiesen. Die Zahl ber Stadtverordneten betragt nun­mehr 33; die Ersatzwahl für Stadtv. Emmelius wird erst in 3 Jahren ftättfinben, in welchem Jahre bie Zahl der Stadtverordneten ber jetzigen Bevölkerungszahl entsprechend auf 36 gebracht werden wird.

" Tageskalender für Freitag, 13. Jan. Stabt- t h e a 1 e r:Er unb seine Schwester." Anfang 8 Uhr.

** In Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog am Mittwoch tt. a. Pfarrer Wahl von Beienheim.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Hch. Dietz zu Habitzheim eine Lehrerstelle an d-r Gemeindeschule zu Nieder-Mörlen. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Mühlheim (Kr. Offenbach) Anna Geißner auf ihr Nach­suchen unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Nord he tm. Mlt der Stelle ist Organisten- dienst verbunden.

** Schwestern Fröhlich-Stiftung. Aus dieser Stiftung zur Unterstützung bedürftiger unb hervorragender schaffender Talente auf dem Gebiete ber Kunst, Litera­tur unb Wissenschaft werben verliehen: Stipen­dien an Künstler ober Gelehrte zur Vollendung ihrer Aus­bildung, oder zur Ausführung eines bestimmten Werkes, oder zur Veröffentlichung eines solchen, ober im Falle plötz­lich eintretender Arbeitsunfähigkeit; Pensionen an Künstler oder Gelehrte, bie burch Alter, Krankheit ober Un­glücksfälle in Mittellosigkeit geraten sind. Zar (Mengung eines Stipendiums muß der Bewerber in seinem an das Kuratorium zu richtenden Gesuche folgende Belege bei­bringen: Taus- ober Geburtsschein, Studien- ober Prü­fungszeugnisse, glaubwürdige Zeugnisse über wissenschaft­liche ober künstlerische Leistungen, behördliches Zeugnis über bie Mittellosigkeit. Mit dem Gesuche um eine Pension sind beizubringen: Tauf- ober Geburtsschein, glaubwürdige Be­scheinigung über die Krankheit oder den Unglücksfall, wo­durch ber Bewerber in Mittellosigkeit geraten ist, Ausweis über bie Verbienste des Bewerbers um Wissenschaft unb Kunst. Die vorschriftsmäßig belegten Gesuche samt event. Kunstproben sind bis 1. März 1911 im Präsibial- bureau des Wiener Gemeinberats, 1. Rathaus, Lichtenfels- gasse Nr. 2, 1. Stock, zu überreichen, wo auch bie Siistungs- ftatuten behoben werben können. Nicht entsprechenb in­struierte Gesuche werben nicht in Betracht gezogen.

Massenchor zur R ei chsgründungsfcier. Heute abend findet im Casü Ebel die Hauptprobe für den Fest- komnters statt, zu der allseitiges Erscheinen dringend er­wünscht ist.

"Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Pen zig, Regierungsbezirk Niederbayern.

Kreis Büdingen.

--l- Büdingen, 12. Jan. Der am Mittwoch abend imFürstenhof" von Kammerbirektor Müller gehaltene Vor­trag überAus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 300 Jahren" war so zahlreich besucht, daß die vorhandenen Sitzplätze nicht ausreichten. Da der Vortrag seines kulturgeschichttichen Inhalts wegen nicht nur die Einwohnerschaft Büdingens, sondern die Freunde der Altertumsforschung in der ganzen Provinz interessieren wird,

durch Oberbürgermeister neugewählten Stadtoerord- Später legte der Ober- für 1911 vor, der nach von 18,6 Prozent diesmal Die Stadtverwaltung macht

Stadtverordneten erfolgte Dr. Glässing die Einführung der neten und deren Vereidigung, bürgermeister den Voranschlag der vorjährigen Steuererhöhung ohne Steuererhöhung balanciert.

werden wir in den nächsten Tagen ausführlich banfüer vc- richten.

= Kohden, 12. Jan. Im Uhlschen Gasthaus spricht auf Veranlassung ber Landwirtschaftstämmer am nächsten Sonntag nachmittag ber FelbbereinigUngskotnmftsavWDr. Goertz aus Büdingen über die Vorteile ber Lanbwtrt- schaftskammer.

darin Vorschläge zu Ersparnissen und Herbeiführung einer einfacheren Verwaltung nach mehr kaufmännischen Grund­sätzen; namentlich sollen die städtischen Verwaltungen mehr als bisher zu gemeinsamer Arbeitsleistung heran- und zu­sammengezogen werden. Zur Vermeidung eines Fehlbetrages sollen von dem 600000 Mk. betragenden Ausgleichsfonds 220 000 Mk. mit herangezogen werden.

d Mainz, 12. Jan. Eine 14jährig e Volks­schüler in, deren Eltern in ber Hafenstraße wohnen, wollte sich heute Mittag in den Rhein stürzen, wurde aber von anderen Mädchen von ihrer Tat abgehalten. Das Mädchen be­gab sich hierauf von der Ingelheimer Aue auf die Kaiserbrücke, um von dort den Sprung in den Rhein auszuführen. Ein Sand- särcher, der von den anderen Kindern auf das unglückliche Mädchen aufmerksam gemacht wurde, folgte eilens dem Kinde und er­wischte es noch auf der Brücke, als es das Geländer besteigen wollte. Der Sandfarcher übergab das Mädchen einem Schutz­mann. Das Kind erzählte, daß es in ber Schule eine halbe Stunde Arrest erhalten habe, wenn es nun später nach Hause komme, erhalte es von der Stiefmutter fürchterliche Schläge. Es habe deshalb sich vorgenommen, seinem Leben ein Ende zu machen. Im Strumpf hatte das Mädchen ein Schreiben versteckt, in dem es mitteilte, daß es in den Rhein ginge.

Kreis Wetzlar.

. Süfeellinben, 12. Jan. Gestern fand in der Gast- wirtschaft von Ph. Jung zu Hochelheim die Hauptver­sammlung des Gewerbevereins Großrechtenbach statt. Der .Vorsitzende, Zimmermeister Hch. Schuster-Hochel­heim sprach für das ihm ertoiefeite Vertrauen als Vorsitzender feinen Dank aus, lehnte aber eine Wiederwahl als Vorsitzender wegen geichaftlicher Arbeiten ab. Es wurde sodann Bäckermeister K. Hensel- Groß-Rechtenbach einstimmig zum Vorsitzenden auf die Dauer von 3 Jahren gewählt. Herr Hensel erläuterte die Kartelle des Gewerbevereins und ermunterte zum Eintritt in den Verein. Er sagte ,daß der Gewerbeverein mit der Krankenunter- stützungskane selbständiger Handwerker des Kreises Wetzlar Hand ui Hand gehen müsse. Es wäre Pflicht jeden Handwerkers seiner Familie gegenüber dem Verein, besonders der Krankenkasse, beizutreten. ^)iachdem noch einige Gegenstände be­sprochen worden waren, «chloß Herr Schuster die Versammlung mrt einem Hoch aus den Karger, in das die -Versammlung be­geistert einfummte As nächster Versammlungsort ist Ober­kleen sur den 18. April in Aussicht genommen.

Hessen-Nassau.

9r axnE^It,a- y« 2°u. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ben Redakteur ber Frankfurter Volkssümme ein Bei sahren wegen Pia i e st ci tsdeleidigung eingeleitet, die gesunde» wl.rd m Seiner BrchchureHie Fleischwucher, hie Gottesgnademum". Wle heute die Volkssti.mue" nutte.lt, hat die Eröfsuungskam.ner des ^auogerlchls bie Einleitung des Hauptverfahreus a b - 6 e/ e h n u Vermutlich wird die Staatsanwaltschaft Berufung an das Oderlcmdesgerlcht entlegen.

Kreis Lauterbach.

Git gelr ob, 12. Jan. Bürgermeister Christian Henkel hier eine in Touristen kreisen durch seine vorzügliche Gastwirtschaft rochlbefnunte Persönlichkeit, beabsichtigt bei dem bevorstehenden Ablauf Seiner Amtszeit, das Amt des Bürgermeisters, das er 18 Jahre zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten unb ber Einwohner geführt hat, abzulehnen. Das Zurücktreten des Bürgermeisters ist umsomehr zu bedauern, als vieler durch die Gehässigkeit einzelner unzufriedener Einwohner zu diesem Ent­schluß bewogen wurde. ,

L Schlitz, 12. Dez. Die hiesige, über 100 Mitglieder zählende Ortsgruppe des Deutschen F l o 11 e n v e r e i n s gibt nach einem über 2 jährigen fast uimnterbrochenen Sommer- und Winterschlaf nunmehr auch wieder ein Lebenszeichen von sich. Oberpsarrer Wangemann wird im Februar einen Vortrag halten über die Notwendigkeit einer starken deutschen Kriegsflotte. Gestern abeiid hielten die für das hier stattfindende Gauturn­fest gebildeten einzelnen Ausschüsse in der Turnhalle eine ge­meinsame Sitzung ab, die von über 100 Herren besucht war und einen anregenden Verlauf nahm. Wegen eines in der gräflichen Familie vorgekominenen Sterbefalls findet die Hoch­zeit der Gräfin Marie im engsten Familienkreis im Laufe des Februar statt.

Kreis Friedberg.

m. Bad-Nauheim, 12. Jan. Ei"e für das ganze Deutsche Reich interessante Frage hat das Finanzamt Friedberg aufgerollt. Dem im Juni v. I. neu gewählten Reichs­tagsabgeordneten Busold in Friedberg ist nämlich die Übliche Sleuerdellaration mit der Anfrage zugegangen, wie hoch sich sein Einkommen einschl. der Diäten als Reichst, gsabgeordneter belaufe. Da Busold fast mit Ende des Steuerjahres zum erstenmal im Reichstag erscheint unb es fraglich ist, ob er in biesem Jahr wievergewählt wird, könnte ja die Sache mit Stillschweigen über­gangen werden, wenn es nicht der erste Fall seit Einführung ccr Reichstagsabgeordneten-Diäten wäre, daß einem Mitgliede des Reichstags in Deutschland eine derartige Anfrage gestellt wird. Unserer Meinung nach sind Reichstagsdiäten ebenso wenig versteuerbar als Renten und Ehrensolde jeder Art. Um in dieser Hinsicht Klarheit zu schaffen, hat NeichstagSabg. Busolb ben Staatssekretär des Innern um Auskunft darüber ersucht, ob nach der Deutschen Reichsverfassung Tagegelder der Reichstags- abgeortmeten versteuer- oder pfandbar sind.

x Bad-Nauheim, 12. Jan. Die Stadtverord­net en beschlossen in ihrer heutigen Sitzung auf Ansuchen des mitteldeutschen Arbeitnehmer-Verbandes hin vom 1. Februar 1911 ab einen ftädtischen Arbeitsnachweis für das Hotel-, Peniions- unb Hauspersonal zu errichten. Eine Ehrengabe für alle Äriegöicilneymer aus lo«0/ # i würbe bewilligt, die unter 1300 Mk. Einkommen haben, in Höhe von 25 Mk. In Bezug auf die Beleuchtung des Bahnhofs wurde der Vertrag mit Der Eiienbahnoirett.ou genehmigt. W. ätttvivattstunde roiri) zu 25 Pfg. berechnet, den Bedarf an Energie erhielt die Stadt von der staallichen Zentrale ,ür 15 Pfg. Tie Anlage ist Sache der Eisen­bahn. Für die SJia^tLaternen loüen künftighin Appa­rate für Ferndruckzündung in Anwendung kommen. Der seitherige Markkmeister P s e f f e r , der sein Amt zur größten ZuSriedenheit versah, wurde auf ein weiteres Jahr zu 350 Mk. angenommen. Der städtischen Atterstumsiammlung wurde von Postdirektor Münch s. Zt. eine wertvolle alte Bibel geschenkt. Ein entfernter Verwandter wünscht sie als Familicnschatz zurück. Das Gesuch lehnen die .Stadtverordneten ab. Tie Firma Stöck u. Fischer in Bingerbrück hat nach Vertrag die Gas- ko hl en bis 1912 zu liefern, die Tonne zu 157 Mk. Die Firma erbietet sich, für 147 Mk. zu liefern, auch 1911/12, wenn Der Vertrag auch auf 1913/14 ausgedehnt wird. Der Vorschlag wird genehmigt. Es wurde bei Besprechung dieses Punktes konsta­tiert, daß der neue Gasmeister aus 100 Kilogramm 30,8 Zentner Gas erzielt.

Starkenburg und Rheinhessen.

R.-B. Darmstadt, 12. Jan. In heutiger Sitzung der

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