Ausgabe 
13.1.1911 Erstes Blatt
 
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nidjtet inurben.

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den ein- nicht

Das 'ist milde und schonend ausgedrückt, aber es ist der selbe Standpunkt, den die Polizeibehörde auch bei Moabiter Ausschreitungen durch die Ausständigen Genommen hat. Der Schutz der Arbeitswilligen darf in lauer Weise wahrgenommen werden.

hält, schlummern zu nicht geringem Teil int Verborgenen, weil der Raummangel ihre Aufstellung unmöglich macht. Ein solches, seit langem dem Museum gehöriger-, aber noch gar nicht bekannt gewordenes Meisterwerk altägyptischer Bildhauerei ist jetzt in einer Sonderausstellung zu sehen, die in einer Reih' herrlicher Werke die Bildniskunst des Pharaonenlandes veranschaulich!. handelt sich um einen Kopf, der den oberen Teil eines Lphink- standbildes darstellt. Das Material, das aus rotem Granit vom ersten Nilfall besteht, ist fast durchweg poliert und weist noch Reste der Bemalung auf. Obwohl der Kopf einen langen firmt-' bart trägt, so zeigt er doch unverkennbar weibliche Züge. Es ist ein seines und zugleich kraftvolles Gesicht, dessen gehiimn.is- voller Ausdruck etwas unheimlich Lauerndes und leise Spöttisches hat, jedenfalls den Eindruck von einer bedeutenden Persönlichkeit wiedergibt. Das Bildnis stellt die Königin Hatschepsut Chnemtamun aus dem Anfang des neuen Reichs dar, wie Prof. Schäfer in einem diesem interessanten Kopf gewidmeten. Aufsatz der amtlichen Berichte aus den Königlichen Kunst säumt- hingen mitteilt. Sie war die Erbauerin des Felsentempels von Ter el-Bahri in Theben, an dessen Fuß das Werk gesundet^ wurde. Wie wenige Gestalten der ägyptischen Gesclychtc hat diese Frau, die mandie ägyptische Semiramis" genannt hat, dm Phantasie der Künstler beschäftigt. Sie war eine der wenigen wirklichen Regentinnen auf dem Pharaonenthrone. War doch denn Ägypter der Begriff eines weiblichen Herrschers so un­penkbar, daß er in seiner Sprache kein einfaches Wort Tür Königin hat! Hatschepsut ist daher mit ntännlichen Abzeicheir versehen, dem Kinnbart und dem männlichen Rotbraun der Haut, das sich v'on dem Gelb der weiblichen Statuen deut­lich unterscheidet. Welche Rolle die Tochter Thutmosis I. in den Thronwirren nach seinem Tode spielte, ist noch nicht genau festgestellt. Jedenfalls muß die Macht ihrer Persönlichkeit groß gewesen sein, -denn so lafrrgc sie lebte, hat ihr Stiefbruder und Gemahl, der bedeutende Thutmosis III., zu eigenen großen Taten keine Gelegenheit gehabt. Seine Gemahlin wußte sich die dominie­rende Stellung zu erhalten, die auch heute noch aus dem von ihr erbauten großen Granitobelisken von Karnak und bem Terrassentempel von Ter el-Bahri spricht. Ihr Ruhm lebt fort tn den langen Reihen lebensvoller Bilder, in denen die Königin ihre vielbesprochene große Expedition nach dem Weihrauchlande im; Süden des Roten Meeres schildert. Etwas von dem faszinieren.-' den Zauber und der machtvollen Individualität dieser großen, Frau leuchtet auch aus den Zügen dieser ^Berliner Statue, die das 'beste der wenigen beglaubigten Porträts der Herrscherin ist.

poltttfctyc Lagcs-cHarr.

Die Antwort des badischen Ministers des Innern auf den offenen Brief des Abg. Kolb.

Zu dem von dem Abg. Kolb imVolksfreund" veröffent' lichten offenen Brief an den Minister des Innern äußert sich die Regierung in einer längeren Erklärung in der Karlsruher Zeitung". Es heißt in dieser Erklärung u. a.:

In einem offenen Brief an den Minister des Innern hat der Abgeordnete Kolb die Beschuldigung erhoben, die Polizei und Gendarmerie habe sich in Rastattals ein politisches Organ zur Unterdrückung der den Arbeitern gesetzlich gewährleistete.- Rechte und zur Unterstützung eines sozial durch und durch rud - ständigen Unternehmertums betätigt",diese einseitige parteai^e. nicht selten sogar provokatorisckw Haltung der Polizewrgane tüun? bei dem voraussichtlich noch längere Zeit andauernden Kampf in Rastatt sehr bedenkliche Folgen haben."

Zur Begründung dieses Borwurfs wird auf eine Reihe van Vorgängen hingewiesen, bei denen die Polizei nicht richtig sich verhaltest habe.

,/Nachdem schon die jewells sofort augestelltcn Erhebungen über die in einer Reihe von früheren Artikeln des Volksfreunds und der Volksstimme der Rastatter Polizeimannschast gemachten Vorwürfe deren Unrichtigkeit ergeben halten, l-aben sich auch die in dem offenen Brief des Abgeordneten Kolb erhobenen An­schuldigungen als unbegründet erwiesen."

Die Erklärung widerlegt sodann im einzelnen unter genauer Darlegung der Feststellungen über Vorfälle, welche Gegenstand der Beschwerden int offenen Briefe des Abg. Kolb bildeten, diese Beschwerdepunkte, in denen sie insbesondere darlegt, daß die. polizeilichen Maßregeln durch das Verhalten der Streikendes veranlaßt wurden, und schließt mit folgenden Worten:

Das Ministerium des Innern wird wie bisher unter Wah­rung des Standpunktes strengster Neutralität bei Lohn lämpfen sowohl den Arbeitswilligei; als den Streiken­den gegenüber die geltenden Gesetze zur Durchführung bringen. Wenn die Gesetze in bem gegenwärtigen Lohnkampf in Rastatt vor allem gegen die Streitenden angewendet werben mußten, so lag dies daran, daß die Streikenden durch eine Reihe unzulässiger und namentlich durch 8 153 der Gewerbeordnung mit Strafe bedrohten Handlungen die Arbeitswilligen von ber Arbeit ab zuhalten suchten. Es wird eine der Auf -gaben der Streikleitung sein, die Streikenden über ihre gesetzlichen Rechte und Pflichten aufzuklären und zu vermeiden, daß die Streikenden sich weitere Zuwiderhandlungen gegen bi? Streit - gesetze zu schulden kommen lassen und dadurch ein pflichtmäßiges- Einschreiten der Polizeiorgane gegen sich herbei führen."

ticn für den fernen Osten! Isoliert!, eine Nation, bereit Stimme so schwer wiegt im Rate Europas, die einen solchen Anteil an der Erhaltung des Friedens hat? Das ist eine Isolation, die die Kammer zu mürbigen wissen wird; was mich anbelangt, so kann ich nur wünschen, baß sie fortbestehe. Wenn die politische Lage Frankreichs befriedigmd ist, so soll das aber nicht heißen, daß man eine Art diplomatischer Untätigkeit bedachten dürfe. Alan darf aber Tätigkeit nicht mit Agitation verwechseln. Anderer­seits aber müsse diese Tätigkeit sich auf die internationale öffent­liche Wenning stützen können, ohne deren Billigung heute kein Krieg stattfinden könnte, ebenso auf eine starke Armee und Flotte. (Lebhafter Beifall.)

Die Sitzung wurde hierauf geschlossen. Fortsetzung der Bc-

DieKais erliche Operette. Gegenüber der mit allem Vorbehalt wiedergeaebenen Nachricht derMünch. Neuest .Nachr.", daß der' Kaiser und der Kronprinz eine neue Operette ,Liebestraum" geschaffen hätten, meldet dieB. Z., daß in den in Frage kommenden amt­lichen Kreisen nichts von einem derartigen Werke be­kannt sei. Das Blatt ist von dem Generalintendanten der Königlichen Schauspiele zu einem ausdrücklichen De­menti der Nachricht ermächtigt.

Shakleton und FNcbner fh Berlin. Am Donnerstag abend sand tm Beisein der Kaiserin und einer zahlreichen Gesellschaft im neuen Königlichen Opern- t h e a t e r ein Vortrag von Ernest S h a k l e t v n zum Besten der unter dem Ehrenschutze der Kaiserin stehenden Wohl­fahrtseinrichtungen «statt. Shakleton berichtete über seine Südpolarfahrt und erläuterte seine Ausführungen durch eine Reihe ausgezeichneter Lichtbilder und kinematographi- scher Aufnahmen. Er schloß, indem er der für 1911 ge­planten deutschen Südpolar expedition unter Oberleutnant Filchner vollen Erfolg wünschte. Danach be­richtete Oberleutnant Filchner, ebenfalls an Hand einer Reihe von Lichtbildern, über seine Vorbereitungen für die Südpolarfahrt, die im Mai beginnen soll. Nach den Vor­trägen, die großen Beifall fanden, wurde in den Neben­räumen Tee gereicht.

-Tas Bildnis e i n e r ä g y p t i s ch e n K ö n i g i n. Tie Schätze, btc die ägyptische Abteilung her Berliner Museen?

Tode die Rede fein; und hierüber gedenke ich testamentarische Seftintmungcn für meine- Erben zu hinterlassen. Wenn wir dagegen für icfct schon einzelnen zuverlässigen Freunden den Einblick in diese Aufzeichnungen nicht vorenthalten, so geschieht dies in der Voraussetzung einer reinen Teilnahme für den Gegenstand derselben, welche namentlich auch ihnen es frevelhaft erscheinen lassen würde, irgend welche weiterem Mitteilungen ans ihnen an Solche gelangen zu lassen, bei welchen jene Voraussetzung nicht gestattet sein dürste."

Wagner begann die Bearbeitung feiner Lebenserinne­rungen im Alter von 55 Jahren, und zwar konnte er dabei fortlaufend geführte Notizbücher benutzen, die später ver-

Lin unveröffentlichter Memoirenwer! Richard Wagners

Wie A. Banselvw--Müncheu in derFrkf. Ztg." mit­teilt, hat die Familie Wagner sich entschlossen, die L e b e n s- erinnerungen jetzt, 28 Jahre nach dem Tode des Meisters, der Oeffeutlichkeit zugänglich zu machen. Sie werden im Mai dieses Jahres bei Bruckmann in München erscheinen.

lieber-die Geschichte des Werkes teilt Vanselow folgende Einzelheiten mit. Die Abfassung fällt in die Jahre 186 8 b i s 18 7 3. Vervielfältigungen mittelst der Schreibmaschine kannte man damals noch nicht und um die Handschrift vor zufälligem Verlust zu dekoahren, hat Wagner das Ganze in, einer Auflage von 12 Exemplaren drucken lassen. Von diesen 12 Exemplaren sind vier in die Hände von vertrauten Freunden des Hauses gelangt, die übrigen wurden in Wahn- fried aufbewahrt. Vorkehrungen nxircn getroffen worden, daß auch im Falle des Ablebens eines der vier Besitzer eines Exemplars jeder Indiskretion vorgebeugt war. Auf diese Weise ist das Geheimnis so gut gewahrt worden, daß selbst ernsthafte Leute bis zum heutigen Tage an dem Vorhandensein der Lebenserinnerungen Richard Wagners .weifeln konnten. Das gedruckte, aber nicht veröffentlichte Manuskript umfaßt vier Bände von zusammen 1158 Seiten. Wagners eigenes Vorwort dazu wird im Wortlaut mit geteilt:

Die in diesen Bänden enthaltenen Aufzeichnungen sind iin Laufe verschiedener Jahre von meiner Freundin und Gattin, welche mein Leben von mir sich erzählt wünschte, nach neinen Diktaten unmittelbar niedergeschrieben worden. Uns beiden entstand der Wunsch, diese Mitteilungen über mein L'bcn unsrer Familie, sowie bemäbrten treuen Freunden zu erhalt«n, und wir beschlossen deshalb, mit die einzige Handschrift vor dem Untergange zu bewahren, sie auf unsere Kosten in einer schr geringen Anzahl von Exemplaren durch Buchdruck vervielfältigen zu lassen. Da ber Wert ber hiermit gesammelten Autobiographie in der schmucklosen Wahrhaftigkeit beruht, welch?unter den bezeichneten Umständen meinen Mitteilungen einzig nur einen Sünn geben fonnic, deshalb auch meine Angaben genau mit Namen und Zahlen begleitet sein mußten, so könnte von einer Veröfsentlichung derselben, falls bei unferen Nachkommen hier­für noch Teilnahme bestehen sollte, erst einige Zeit nach meinem

füglich des Hafens von Agadir erklärte Pichon: Wir haben ein Mandat erhalten und üben es aus, um den!

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Der französische Minister pichon über die Huslanöspoliti!

Paris, 12. Jan. Iu der Kammer führte Lucien Hu­bert aus, bif Kaiserbegegnung in Potsdam sei ein Zeichen dafür, daß Deutschland die Führung des Dreibundes, der sich seit 1904 zu lockern schien, wieder ausgenommen habe, indem es Oesterreich zeigte, wie dessen Haltung auf dem Balkan sein müsse, während die italienischen Blätter die Gefühlspolitik in charakteristischen Ausdrücken miß­billigten. Der Schluß der Feststellungen sei der, daß die Triple-Entente auf die Aenderungen achten^ und toif) en muß, was sic zu tun hat. Die Triple- Entente ist ein wenig desorganisiert. Der Tod des Königs Eduards versetzte ihr einen fatalen Schlag (Wi­derspruch Pichons und zahlreicher Deputierter). Der Aus­druckfatal" ist zu stark, ich will sagen, der Tod Eduards wird schwerwiegende Folgen haben, tue wir bald verspüren. Bezüglich der türkischen Anleihe sagte Hubert: Die französische Regierung lehnte ohne Zlveifet aus rein finanziellen Gründen die türkische Anleihe ab.

Denys Conchin führte aus, der Tod König Eduards hätte eine große Bedeutung gehabt; denn der verstorbene König sei ein Freund Frankreichs und des Friedens ge­wesen. In der bosnichen Frage habe Frankreich Serbien vielleicht nicht genügend unterstützt, während der Deutsche Kaiser, vielleicht in etwas theatralischer Weise, von dem funkelnden Schwert "gesprochen habe, das er über seinen Verbündeten halte. Der Redner gab sodann der Hoffnung Ausdruck, daß trotz der zwischen dem Kaiser Wilhelm und dem Kaiser von Rußland gewechselten Worte, der Pots­damer Besuch nur cme Walzertour ohne weitere Folgen bedeuten werde.

Pichon bemerkte im Verlaufe seiner Rede, daß die deutsche Presse von einem Zwischenfall von Ag a- d i r gesprochen habe. Es handelte sich um ein Mißverständ­nis. Die di^itsche Regierung erkannte auch schließlich an, daß ein solcher Zwischenfall gar nicht existiere. Was die im Reichstage von dem Reichskanzler über die Potsdamer Zusammenkunft abgegebenen Erklärungen anlangt, so habe FrankreichkcinerleiUrsache,überdiedcutsch russische Abmachung sich zu beunruhigen. Frankreich habe eben gegen niemanden irgend w e l ch e aggressive Gedanken und die Erhaltung des status quo auf dem Balkan und im Orient sei ein Grundsatz der französischen Politik. .Was die Vereinbarung über Per­sien betreffe, so sei auch damit erfreulicherweise mir eine Ursache von Unruhen und Schwierigkeiten auS der Welt geschwunden.

Wir haben, so fuhr -der Minister fort, im Laufe der letzten Jahre das Ergebnis unserer Marokkopotitik geerntet, ohne der Gleichheit der Behandlung der Mächte einen Eintrag zu tun. Wir haben freie Schulen in meh­reren Städten und das Hospital in Tanger geschaffen. Unser Zrrsammenarbciten mit den Machsen schützt uns gegen den Ausbruch des Fanatismus. Unsere Abkommen mit Spa­nien sind in loyaler Weise ausgeführt worden, sie sind eine Bürgschaft des Friedens. Indem Frankreich und Spanien im friedlichen zivilisatorischen Geiste ihre Rechte ausüben, sichern sie sich gegenseitig ihre Stel­lung in Marokko, und sie bereiten Resultate vor, die bei keiner anderen Macht Mißtrauen erregen können. Be-

Das Moabiter Urteil in amtlicher Beleuchtung.

Die Presse ist im allgemeinen mit dem Urteil im Moa­biter Strafkammerprozeß einverstanden; von verschiedenen! Blattern der Linken wird mit Behagen festgestellt, daß bie Berliner Polizei im Urteil gleichfalls eine Rüge erf)alter habe.

Die amtlicheNordd. Allgem. Ztg." sagt.

In ber sozialdemokratischen Presse und einigen liberalen Blättern wurde ber Versuch gemacht, einen Gegensatz zwischen bem Urteil unds den Darlegungen zu konstruieren, die der Rei chs - kanzler über die Moabiter Vorgänge im Reichstack gemacht hat. Wir weisen darauf hin, daß der Reichskanzler sich mit fein am Wort mit den Straftaten befaßt hat, die den Gegenstand des Verfahrens bildeten, en lehnte vielmehr ausdrücklich ab, sich darüber

Duchayla" ist in Agadir angekommen, wo der Kommandant an Land gegangen ist und von den Behörden empfangen wurde. Man fragte sich in Deutschland, ob wir uns diesen Hafen in versteckter Weise aneignen wollten. Nein. Es liegt im Interesse aller Mächte, daß wir den Wcrffen- schmuggel überwachen; das verpflichtet uns in den marok­kanischen Gewässern zu kreuzen. Wir werben unsere Ab­kommen mit voller Aufrichtigkeit anwenden, ohne über den Wortlaut oder den Geist der Verträge hinausgehen zu wollen. Wir befinden uns im Einvernehmen mit dem Machsen und werden unser fruchtbares Werk zu glücklichen Ergebnissen fortführen.

Keine Wolke hätte die Freundschaft Frankreichs mit Italien getrübt. Was die Türkei angche, so hätte die türkische Regierung ihrerseits laut erklärt, daß die französisch- türkischcn Beziehungen jetzt nicht minder freundliche sind als vor den Verhandlungen für die Anleihe. Minister Pichon setzte so­dann auseinander, welches die Haltung Frankreichs gegenüber den anderen Mächten sei Er erklärte, die Kreter hätten selbst durch ihre Ilnalücklichkcit und Ungeschicklichkeit die Schutzmäckste, welche die Aufreckiterhaltung des Statusguo nach ber Zurück­ziehung ihrer Truppen versprochen hätten, gezwungen, ihnen Weisungen zu geben, lieber bic Beziehungen z u England erklärte Pichon: Unter der Regierung König Georgs werde die Poli­tik der Entente fortdauern, wie sie unter König Eduard bestanden habe, dessen Andenken Frankreich teuer bleiben muß. (Beifall.) Was Oesterreich-Ungarn anlangt, so habe cs keine Interessen, die den unserigen entgegen laufen und obwohl es einem anderen Bündnissystem angchört, brauchen wir nicht seine Gegner zu sein, da wir nur eine Politik des Friedens verfolgen. Pichon erläuterte, wie sich die Annexion Bosniens und der Herzegowina vollzogen habe und fuhr fort: Rußland, das zunächst gegen die Annexion protestiert hat, habe dann mit Oesterreich eine Ver­ständigung erreicht, der schließlich die Signatarmächtc des Ber­liner Vertrages zugestimmt hätten. Ueorigens habe Ruß­land zu dieser Zeit gewußt, daß es n i ch t daran zu zweifeln brauche, daß unsere Hilfe ihm sicher sei. Tas Bündnis mit Rußland ist so fest und lebendig, wie je. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg erklärte selbst unumwunden, um Uebertreibungcn vorzubcugen, daß das Ergebnis der Potsdamer Begegnung der Beschluß sei, keine ber beiden Mächte, Deutschlanv und ^Rußland, solle einer Mächtegruppierung beitreten, die aus Angriffsgelüsten gegen eine der beiden Mächte hcrvorgegangen ist. So ist die Entrevuc eine neue, eine der t c ft c ft «n Garantien für den Weltfrieden, um so mehr, als befchlossen wurde, daß der Statusquo im Orient und! auf dem Balkan nicht verletzt werden solle. Wir hegen ebenso wenig Mißtrauen gegen die Entrevuc, wie Rußland gegen das deutsch-französische Einvcrnchnten.

Aus die Frage be-5 Abgeordneten Iau res, ob Rußland den Minister wissen ließ, daß in Potsdam von der Bagdad- b a I) n die Rede sein werbe, erwiderte Pichon, die Potsdamer Besprechungen seien eine Fortsetzung der Verhandlungen, die wie jedermann wisse, seit dem Jahre 1907 geführt wurden. Der Redner schloß mit einem Protest gegen bic Behauptung, daß Frank­reich isoliert dastehen würbe. Isoliert?, wiederholte er, eine Macht, bic mit Rußland verbündet, mit England geeinigt (unie), die in Freundschaft und Uebereinftimmung i accords) sich befindet mit Italien, Spanien und Japan auch in Bezug von Gar an-

Ar. U Erster Blatt W. Jahrgang Zreitag, 13. Januar M

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