Ausgabe 
12.1.1911 Zweites Blatt
 
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und bat das Bewußtsein noch nicht erlangt. Der Arzt ; befürititet das Schlimmste. Die dritte Frau und der Fuhr- ME hatten fto platt m den Schlitten gelegt, fie kamen i mit dem Schrecken davon.

A Ober-Bessingen, 11. Jan. Die Zoglrnge , ber Haushaltungsschule unternahmen heute eine Schlittenfahrt über Ettingshausen und Queckborn aur , Neumühle Der Kursus wird von 25 Mädchen beucht, oa- oon waren drei von Röthges und zwei von Nonnenroth. Den Unterricht leitet Fräulein Wetzel, Hofrat Dr. Stamm- ; gich unterrichtet in der ersten Hilfe in Unglucksfallen.

Kreis Alsfeld.

8 Ruppertenrod, 11. Jan. Mit dem ersten biefeS Monats hat die P° stv erwa11 ung den B esteHbten ft im Ort in einer ArtLbgeandert, die nicht dem Ver­kehr dient, ihn vielmehr hemmt. Seither wurden Zeitungen unb Briefe, die abends gegen acht Uhr mit der Post von Mücke kamen, noch an demselben Abend bestellt. Seit dem rsten hört diese Bestellung abends auf und erfolgt erst am folgenden Atorgen. Dadurch gelangen aber die Zeituugs- leser, die ihre Zeitungen nicht abholen, nicht mehr tn ben Besitz ihrer am Tage erschienenen Zeitung. Die Xanbleute ;aben aber tagsüber keine Zeit, Zeitungen zu le)en wie auch andere Leute und sind auf den Abend ba&u angewiesen. Die jetzige Besteilunasart ist mithin kerne Ber rehrssörderung, sondern ein Verkehrshemmschuh. HofftnAich schiebt man ben wieder bald beiseite.

xVorn Vogelsberg, 11. Jan. Nun liegt die einen Fuß hohe Schneedecke bereits 14 Tage lang. In welche Not sie unsere Vögel bringt, davon gibt es genug Exempel. In der Küche eines Hauses des Dorfes R. fand man einen Sperling und einen Goldammer verendet. Beide Vögel waren Hungers gestorben. Die Rebhühner suchen Schutz an der Rückseite ber Häuser, welche die Gärten be­grenzen. Eine Rebhühnerfami.ie von 8 Stück suchte einen Holzschuppen auf, um darin Schutz zu finden. Für den großen Neuntöter, den Sperber u. a. Raubgesindel just das rechte Wetter, die geschwächte Vogelschar noch weiter zu dezimieren. Sperber und Neuntöter fangen die kleinen Vögel ohne Scheu vor den Augen der Leute weg und tragen ihre Beute davon. Die Not der Vögel reizt auch manchen Vogelliebhaber zum unbefugten Fang. Insbesondere strebt man den Schwarzamseln nach, die, vom Hunger getrieben, in die Gärten und Gehöfte kommen. Die Not treibt auch Vögel herzu, die man sonst um diese Zeit noch nicht sieht. So gewahrt man Haubenlerchen, sogar das gelbe Bach- stelzchen schon und Schwanzmeisen, die man sonst überhaupt selten ^erblickt. An Futterstellen für die Vögel fehlt es wohl in keinem Dorfe, sie sind auch dringend nötig.

--- Aus dem Ohmtal, 11. Jan. Tagtäglich fahrt jetzt .der große Postschlitten auf der vortrefflichen Schlittenbahn per Ohmtalstraße. Das war in den letzten Jahren nicht der Fall. Aber auch die Privatschlitten, die sonst im Winter rosteten, werden eifrig gebraucht, so daß bis in die Nacht hinein das Geläute der Personen- unb Frachtschlitten erklingt.

Kreis Schotten.

X H er ch enhain, 11. Jan. Hohe Schneemassen, durchschnittlich 6070 Zentimeter hoch, bedecken das Gebirge. An der Kreisstraße nach Sichenhausen unb Hartmannshain ist der Schnee mitunter stockwerkhoch aufgeschaufelt. Schlimm ergeht es dem Wild. Bis in die Dörfer kommen eben Hasen, Rebhühner und Rehe.

A Ober-Lais, 11. Jan. Am 11. unb 12. Juni begeht dieVogelsberger Sängervereinigung" hier ihr 6. Bundesfest. Gleichzeitig verbindet der hiesige von Lehrer Mohr gegründete MännergesangvereinLiederfreund" da­mit sein Fahnenweihfest. In besorgniserregender Weise tritt gegenwärtig hier die Influenza im Vereine mit anderen ge­fährlichen Krankheiten auf.

Kreis Friedberg.

-m. Friedberg, 11. Jan. Bei der heute vorgenommenen israelitischen Vorstands wähl wurde zum erstenmal nach dem neuen Wahlverfahren gewählt, das nicht wie seither fünf, sondern sieben Mitglieder vorschreibt Die Herren Louis Rapp Ad wurden mit 53, Isidor Stern mit 51, K. Isenburger mit 51 unb S. Simon I. mit 42 Stimmen wiedergewählt, während die Herren Bernhard Rosenthal mit 45, Julius Kann mit 50, unb Elias Hofmann mit 43 Stimmen neugewählt wurden. An der Wahl beteiligten sich 97 Prozent.

x Bad-Nauheim, 11. Jan. Die durch einige Zeitungen gegangene Nachricht von dem Tod des bei einer Schlittenfahrt schwer verunglückten Kutschers und Gastwirts Lambert be­stätigt sich nicht. Der Zustand des Verunglückten bessert sich toicber, so daß Lebensgefahr nicht mehr besteht.

O Ober-Rosbach, 10. Jan. Ein hiesiger Bergmann brach heute morgen bei dem Glatteis auf dem Wege zur Grube zweimal das Bein. Täglich sieht man jetzt hier . in großer Menge Schn e e schuh läuf er , die unseren Ort als Ausgangs- oder Endpunkt ihrer Fahrten in die nahen Taunus­berge wählen. Auch die Bahnen nach der Copersburg, dem Steinkopf und dem Winterstein sind in tadellosem Zustand.

einverstanden. 1 Ein Ehepaar in Schwäbisch-Gemünd ist um ein Darlehen von 1000 Mk. aus der Dr. Kloberschen Stiftung ein­gekommen und motivierte dieses Ansinnen damit, daß es mit dem verstorbenen Tr. Klober verwandt gewesen sei. Heber das Gesuch wurde zur Tagesordnung übergegangen. 'Das neu­errichtete Volksbad im Stadtteil Kastel wird am 16. J/nuack dem Betrieb übergeben. Im Stadtteil Mombach nrnrb. kurz vor Weihnachten eine Massenpfändung von der Stadt vollzogen und zwar wegen rückständiger Straßenbaukosten usw. Stadtv. Wolff fragte dieserhalb; ihm wurde vom Abg. Berndt er­widert, daß die Pfändungen vorgenommen werden mußten, damit das Verjährungsrecht nickst unterbrochen wurde. Es handele sich insgesamt um einen Betrag von 3640000 Mk., und es würde gegen die betreffenden Hausbesitzer in der wohlwollendsten Weise verfahren. Wegen des verlorenen Dammrutschprozesses wünschte Stadvt. Zeeh die Vorlage des Prozeßmaterials. Die Bürger­meisterei erklärte, daß die Akten vom Reichsgericht noch nicht zurück seien, sobald dies geschehen, würden sie den Stadtverord- neten vorgelegt. Durch die Vermehrung der Volks schul kinder sind hier, in Mainz-Mombach und Mainz-Kastel, zehn neue Schul- stellen notwendig geworden. Tie Bevölkerung hat sich mit den beiden Vororten seit 1900 um 31 Prozent und die ^ochülerzahl um 63 Prozent vermehrt. Es erfolgte die Neubildung der Ausschüsse unb Deputationen. Dem Kanalisatwiisproiekt für das südliche Stadterweiterungsgebiet wurde zugestimmt und beschlossen, die Straßenbeleuchtung im Stadtteil Kastel mit Gas zu betätigen. , . . .

d Budenheim, 11. Jan. Heute nachmittag stürzte tn der Oelfabrik von Röder plötzlich eine Wand ein, wodurch ine in den oberen Etagen in Säcken lagernden Oelbohnen nachstürzten und einige am Oeltrichter im Parterre beschäftigten Arbeitev unter den Trümmern begrub. Der 50 jährige verheiratete Wirt und Fabrikarbeüer Hch. Schmitt II. wurde von den herablallen- ixen Steinen unb Säcken getötet, während der 22jährige Fabrikarbeüer Schäfer schwer verletzt wurde. Schäfer wurde nach Mainz ins Hospital gebracht.

Hessen-Nassau.

+ Wallau, 10. Jan. Durch eine reisende Musik­kapelle scheu gemacht, gingen gestern abend die Pferde des der Firma Balzer von hier gehörenden Schlittens durch, schleuderten den Schlitten wider eine Mauer, daß die In­sassen her aus flog en. Der Kutscher starb bald darauf und her Fahrgast, ein Kaufmann, wurde lebensgefährlich verletzt.

X Kassel, 11. Jan. Der Landesausschuß hat sich grund­sätzlich bereit erklärt, sich an ben Maßnahmen zur Bekampf ung des «Heu- und Sauerwurms zu beteiligen, wenn vom Staate, den Kreisen oder Gemeinden für diesen Zweck Mittel ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Für die Veransmltung eines hessischen Trachtenfestes gelegentlich der 4,agung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Kassel hat der Landes- ausschuß einen Betrag bis zur Höhe von 1000 Mark bewilligt.

A Lich, 11. Jan. Der Gerneinderat beschloß in feiner gestrigen Sitzung auf Antrag von Ortsbürgern, daß die städtische Jagd öffentlich verpachtet werden solle, seither hatte sie stets der r st v o n S o l m s - Li ch zum Preise von 2000 Mark. Die Jagd ist jetzt in drei, Bezirke geteilt tvorden, und da das städtische Gelände über 1000 Hek­tar Feld und etwa 900 Hektar Wald umfaßt, so hofft man bei.öffentlicher Versteigerung auf jährlich etwa 4000 Mk. fru kommen. Danncheschlvß der Gemeinderat, dem hessischen Fürsoraeverein für Lungenkranke mit einem Jahresbeitrag von 20 Mark beizutreten. Als neue Ge- meinderatsmttglieder wurden verpflichtet, Bierbrauerei­besitzer Jhring jun. und Orgelbauer dttkolaus.

A Ettingshausen, 11. Jan. Eine allgemein ge­achtete und beliebte Persönlichkeit verschied hier gestern in der Person des 74 Jahre alten Landwirts Johs. Keil. Er war lange Mitglied des Gemeinde-, Schul- und Kirchen- vorstandeS, auch gehörte er bis zu seinem Tode der Dekanats­synode des Dekanats Grünberg an.

§ Stockhausen, 11. Jan. Heute nacht erhängte sich in der Nebenstube seines Wohnhauses ein hiesiger angesehener Ortsbürger. Vor etwa 8 Wochen starb ihm seine Ehefrau und vor etwa 5 Jahren fiel ihm ein hoffnungsvoller Sohn in geistige Umnachtung, welche Schicksalsschlä'ge wohl mit Ursache zu dem tragischen Ende des Mannes sein dürsten.

Musch enheim, 11. Jan. Eine unglückliche Schlittenfahrt unternahmen gestern mehrere hiesige Einwohner. Es ging von hier über Bettenhausen nach Langsdorf. Vor diesem Orte scheute das Pferd unb ging durch; zwei Frauen sprangen un Schreck aus dem mit rasender Schnelligkeit dahin eilenden Schlitten und blieben bewußtlos liegen. Die eine erlitt blutende Kopfwunden, während die andere 62jährige Frau eine Gehirnerschütterung baüontrug. Sie wurde mit einer Chaise hierher gebracht

Starkenburg und Nheinhessen.

m. Offenbach a. M., 12. Jan. In der gestrigen Sitzung des Kreisausschusses kamen mehrere Fälle zur Sprache, die von allgemeinerem Interesse sind. In dem Türvermauerungsprozeß, ben 100 Besitzer gegen die Perfügung der Baupolizei, wonach Treppenhausaus- gänge der Läden vermauert werden müssen, angestrengt hatten, hat nunmehr (ber Kreisausschuß die Entscheidung ge­fällt. Die Beschwerde von 58 Rekurrenten ist mit der An­bringung von eisernen Türen erledigt. Bei den übrigen mürbe die Beschwerde als begründet anerkannt unb bemgemäß pon der Pflicht der Vermauerung ber Treppen­hausausgänge entbunben. Sieben Rekurrenten würben unter Zudiktiermig einer Aversionalstrafe von 3 Mark ab­gewiesen. Die Kosten trägt zu 64/ioo die Stadt, den Rest die Beschwerdeführer. Die Wahl des Geschäftsführers Louis Bänkert in Neu-Isenburg zum Beigeordneten, fand nicht hie Genehmigung des Kreisamtes, da er der sozial­demokratischen Partei angehöre. Gegen diesen in einer früheren nichtöffentlichen Sitzung des Kreisausschusses ge­faßten Beschluß beantragte der Gewählte die Entscheidung in öffentlicher Verhandlung. Der Kreisausschuß schloß sich dem früheren Beschluß an und legte dem Beschwerdeführer eine Aversionalstrafe von 30 Mark und die Kosten auf. Mehrere Angehörige der bürgerlichen Parteien von Steinbach hatten gegen die Gern eind eratswahl Einspruch erhoben unter ber Motivierung, es hatten zwei Wähler, die Armenunterstützung erhalten haben, bas Wahl­recht ausgeübt, ferner sollen durch sozialbemokratische Zettelverteiler Wahlbeeinflussungen vorgekommen sein. Die Angelegenheit wurde zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt.

b. Mainz, 11. Jan. In der heutigen Sitzung ber Stadt­verordneten wurden die neugewählten Stadtverordneten eingeführt und verpflichtet. Der Vorsitzende widmete hierauf dem verstorbenen hessischen Gesandten, unb Ehrenbürger der Stabt, dem früheren Provinzialdirektor Freiherrn v. Gagern einen Nachruf. Nach einer Mitteilung des Oberbürgermeisters, wurde er zum Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes ernannt die Versammlung ist mit der Ausübung dieses Ehrenamtes durch den Oberbürgermeister

erflattung qeöeßt, unb zwar 244 infolge Heirat weiblicher ' Versicherter (£>.), 44 infolge Todes versicherter Personen (T ) Unb 2 wegen Bezugs von Unfadrente (11.). Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 92 Erstattungs- anträqe, so daß zu bearbeiten waren 382 Gesuche. Bewilligt . wurden 244 Anträge (213 H. und 31 T.), abgelehnt wurden 14 Anträge (7 H. und 7 T.). Unerledigt blieben 124 ®r- stattungsanträge (96 H., 23 T. und 5 U.)., die auf en Januar übernommen wurden. In welchem Umfange du Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen Heilverfahrenskostei' für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Dezember in Anstalten 256 versicherte Personen untergebrachi

DerPhilatelisten-Verein Gießen* veran­staltet am 22. Januar im Saale des Hotel Schütz em Ausstellung von Postwertzeichen (Marken lose un. auf Brief) Bei der Bedeutung, die dem Alarkensammel» heutigentags zukommt, glaubt der unternehmende Verein am das allgemeine Interesse der Kreise Anspruch erheben zu dürfen, die diese Liebhaberei jemals betrieben haben oder ihr noct jetzt mehr oder weniger ernsthaft huldigen. Der Philatelmen- Verein Gießen gehört einem der größten Verbände putsch lands, dem Germania-Ring, als Zwe.goeretn an (44 Mit­glieder) und hofft, daß die Ausstellung recht viele, d,e zurzeit noch al8 Emzelsammler ihre Kräfte jeriplutern eeranlafler wird, sich dem ausstellenden Verein anzuschlteßen. Erhöht wird die Bedeutung deS Tages noch dadurch, daß mit de. Ausstellung eine Zusammenkunft der Vereine des Rhein- Main-GaueS zum Zwecke der Besprechung philatelilttscher TageSfragen verbunden sein wird. (L>. Inserat.)

** Gewerbliche Revisionen. Im Oktober, Novellier tunä Dezember wurden in G i e ß e n revidiert: 1. ^te ^tembruche und Gräbereien auf Grundder Polizeiv«ordnung vom 16^ tember 1902; in einem Falle wurde Anzeige erhoben w<gM Ucbertretung des § 7 dieser Verordnung. 2. Die Bor,tenzurich- tereien in bezug auf ausländische Ware auf Grund der B kamtt- machung vom 22. Oktober 1902. 3. Druckereien bezüglich M.ttags pause der Arbeiterinnen. 4. Die Vtendlerher unb ^rodler auf Grund der Verordnung vom 2. August 1899,. 5. ftarinblager bei den Gewerbetreibenden auf Grund der Polizeiverordnung tont 4 Avril 1906 6. Die Petroleumtankwagen ber Amerikanischen Petroleumgesellschaft unb verschiedene Petroleumlager aus Grmw ber Verordnung vom 20. Mai 1903 unb ber polizeilich ge­stellten Bebingungeii. 7. Die Warenhäuser in bezug auf Feuer­sicher heit nach den ministeriellen Bestimmungen vom Id. Juni 1905 8. Die Dampfkesselanlage der Hassia-Pneumattkwerke aus Grund der gestellten Bedingungen. ,9. Fellhandlungen und Lumpen fortierereien in bezug auf die- unb Umkleideraume der Ar­beiter nach § 120 b unb d der Gewerbeordnung 10 Die Ge­schäftsbücher der Güterhändler gemäß Gesetz vom 27. Ium 1908. 11 Biographen und Kinematographen. 12. Hausierhandel nach 9 ,Uhr abends. 13. 99 Schriebe mit mehr als 10 Arbeitern Und diesen gleichstehenden, in denen jugendliche Arbeiter unb Arbeiterinnen über 16 und 21 Jahre beschäftigt werden, auf Grund des 8 107 und §§ 135 bis 139 der Gewerbeordnung und der §§ 163 und 167 der Ausführunysanweisung der Geiverbe- ordnung. In drei Fällen wurde Anzeige wegen Vergehens gegen den § 136 Abs. 1 und § 146 der Gewerbeordnung und der ab- geänberten Ausführungsanweisung vom 31. Dezember 1909, er­hoben. 14. Die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder auf Grund des Kinderschutzgesehes vom 30. Marz 1903. 15. Die Unterkunftsräume und Aborte auf den Baustellen nach der Polizeiverordnung vom 18. Sesstember 1900. 16. Die ge­werbsmäßigen Stellenvermütler auf Grund des Stellenvermit­telungsgesetzes vom 1. Oktober 1910. 17. Getreidemühlen nach ber Bekanntmachung vom 26. April 1899 bezw. 15. November 1903' unb der Polizeiverordnuug _ vom 17. November 1902. 18. 37 Barbier- und Friseurgeschäfte auf Grund ber Polizei- tierorbmmg vom 14. März 1904 unb 14. Juni 1904. 19. 37 Benzin- und Benzollager nach der Verordnung vom 20. Mai 1903 unb den gestellten Bedingungen. 20. 40 Bäckereien unb die damit verbundenen Konditoreien auf Grund ber Bunbcsrats- verordnung vom 4. März 1896 und ber Polizeiverodnung vom 20. Oktober 1907. 21. 71 Verkaufsstellen, in denen Margarine, Margarinekäse oder Kunstspeisefett gewerbsmäßig verkauft wich, auf Grund des Gesetzes vom 15. Juni 1897. In 4 Verkaufs­stellen fehlte die AufschriftVerkauf von Margarine", da diese in Unkenntnis handelten, trat Verwarnung ein. 22. 80 Verkaufs­stellen, in denen Kleinhandel mit Stearin- unb Parafinkerzen betrieben wird, nach der Bekanntmachung vom 4. Dezember 1901. 23. 36 Kleider- und Wäsche-Konfektionen, sowie Putzmachereien auf Grund des § 163 ber Ausführungsanweisung der Gewerbe­ordnung. 24. Die Sitzgelegenhest für Bedienstete in den offenen Verkaufsstellen auf Grund ber Bekanntmachung vom 28. No­vember 1900. 25. 119 Milchhändler auf spezifisches Gewicht der Milch, Reinlichkeit der Gefäße unb Wagen. Bei einer Probe stellte das chemische Untersuchungsamt sehr erheblichen Wasserzusatz fest. Anzeige gegen den Beschuldigten wurde erhoben wegen Ver­gehens gegen das Nahrungsmittelgesetz. Außerdem wurden 52 Nahrungs- unb Genußmittel, darunter 15 Milchproben, sowie Proben von Verbrauchsgegenstanden erhoben unb dem chemischen Untersuchungsamt '-übergeben. 3 Milchproben würben wegen Schmutzgehalts,' unb 2 Proben, weil sie ben vorgeschriebenen Fett­gehalt nicht erreichten, beanstandet. In allen Fällen trat Ver­warnung ein, da hie Beanstandungen geringfügig waren.

Landkreis Gießen.

S-port unb Spiel.

t~~ Die deutsche Ski Meisterschaft wird in diesem Jahre, wie schon berichtet, am 28. und 29. d. M in Ob er- wiesenthal im Erzgebirge stattfinden Der Mittel­europäische Skiverband erläßt soeben die Ausschreibung tur,bie beiden Festtage. Jrn Mittelpuntt steht naturgemäß die Meister­schaft von Deutschland, um die in zwei Konkurrenzen, un Großen Dauerlauf unb im Großen Sprunglauf, gestritten wird. Außer­dem steht in dieser Konkurrenz ber Königspreis des Königs von Sachsen zur Entscheidung, der demjenigen '.achinchen Verbands­verein zufällt, der dreimal in beliebiger Reihenfolge ben beiten deutschen Läufer in den Meisterschaftslauf enhenbet. Als Wich­tige internationale Konkurrenz wäre noch der Senioren-Sprmig- laus hervorzuheben, ber sicherlich alle Größen des europäischen Skisports verneinen wird. , , R.

Gründung eines deut scheu Pfads inderb un- d es. Das eiiglische Muster der seout bohs hat bei uns Schule gemacht. Ter Berliner VereinJugendsport m Feld unb Wald "hielt am Dienstag eine Vorstandssitzung ab, an der aufo Vertreter der auswärtigen Vereine der Pfadfinberbewegilng teu- nahmen. Alle Berickste bestätigten übereinftimmmb das Anwachsen der Pfadfinberbewegung, die namentlich, in ben Kreisen der Volk-- schüler Eingang gefunden hat. Auch die in Betracht kommenden Behörden Preußens u. Bayerns haben Interesse behrndtt u. Forde­rung zugesagt. Es wurde die Gründung einesDeuttchen Pfadftnder- bundes" beschlossen, dem die sämtlichen auswärtigen Vereine bei­traten. Der neue Bund zählt bereits über tausend Mitglieder; aus allen Bevölkerungskreisen.

Dcniuhttc».

Prinz Friedrich Karl an seine Töchter. Von bett Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Prinzen Friedrich von Preußen ist Nrzlsth ber zweite, der Schlußband, erschienen, der hier ja ausführlich besprochen wurde. Hauptmann Förster vom Großen Generalstabe hat die Herausgabe des vielsälttgen! Materials besorgt. (Stuttgart, Deutsche Verlagsanftalt.) Wir geben folgenden Brief wieder, den der Prinz kurz nach deck Beendigung des Krieges von 1871 an seine Töchter gerichtet hat. Er schreibt: . Tie Jahre, in denen Ihr noch eigentlickxw!

Unterricht erhalten inerbet, werden schnell vergehen, und ü)irr sind wenig. Bedenkt, was Ihr in ihnen nicht lernt, werdet ihr später nicht nachholeii. Was Ihr zu lernen habt, ist überhaupt nur wenig und lückenhaft genug. Seid fleißig dabei, bamit man Euch nicht später für unwiisend hält. Wenn man bei ungenügen­dem Fleiß, in den Schuljahren nicht etwas Tüchtiges (teternt hat, so spielt man eine gar traurige Rolle in dieser Weltz als Mädchen, als Ehefrau, als Mutter, als ältere Frau. Die Toilette, seidene Kleider, der Schmuck, bie Titel unb äußeren Ehren sind das, was sie sind, b. h. ein Schein. Es kommt m der Welt und in jeder Lebensstellung aber nicht auf den äußeren Schein an, sondern auf das wirkliche Sein. Letzteres allein hat Wert vor Gott und vor den Menschen. Ich möchte sagen, es kommt mir weniger daraus an, was Ihr jetzt lernt, als auf das Eine, daß Ihr lernt. Euch mit Eifer, Ernst unb voller Tätigkeit mit ernsten Dingen zu beschäftigen, unb Liebe zur Arbeit. Wer bas gelernt hat, hat nie Langeweile, weil er sich beschäftigen muß. Ich rebe natürlich nicht von Beschäfttgungen mit Lappalien, itne Tanzen unb ins Theater gehen, was nur ein süßes Nichtstun ist, unb doch nur nebenbei gebilligt werden kann. Der liebe Gott hat doch dazu die Menschen unb bie Prinzessinen nicht gemacht. Darum habe ich mich recht gefreut zu hören, daß Ihr Euch, burch Euren Basar tn Eurer Art gemeinnützig gemacht habt. Das ist ein guter Anfang. Ich würde stolz sein, von Euch immer viel Gutes zu hören. Macht mir diese Freude! Sammelt in den Scheunen, so lange Ihr lang seid und Euch zum Lernen die Gelegenheit geboten wird? um die Euch so viele beneiden. Die Welt ist gar streng int Urteil und verlangt viel, auch von einer jungen Prinzeß Wer nicht säet, kann nicht ernten. ..."

* D i eTürme des S ch w e i g e n Wo immer in Asien noch Koloitien der alten Parsen bestehen, ragt in der Nähe ihrer Siedelungen, meist auf Hügeln ober Bergen, ein einsames Bau- werk empor, dem alle Lebenden scheu aus dem Wege gehen: das sind die Türme des Schweigens, bie Gräberstätten der Parsen. Sogar in der Nahe von Bombay, auf einem die Stadt beherrschen­den Hügel, auf dem die reichen Kaufleute ihre prächtigen Villen er­richtet haben, steht einer dieser unheimlichen Türme, der kein Lebender betreten darf, ja sogar bie Wächter jener Stätie des Grauens sind von der Welt abgeschlossen und verlaßen n;e mehr die Stelle, auf die ihr Amt sie gestellt hat. Es sind niedrige, breit hingelagerte runde Türme, deren Inneres in drei Rrei;c eingekeilt ist. Hier lagern, offen im Tageslicht, die Skelette ber Gläubigen , in den ihnen zukoinmenden Ringen: _im äußerlten Kreis, in dumpfen Löchern zwischen mächtigen Steinen, i?te Leichen bei Männer, im mittleren Kreis die der Frauen unb im innersten Kreise, dem kleinsten, die ber Kinder. Wenn immer ein Toter in den Turm des Schweigens seinen Einzug halt, entsteht an dein schreckensvollen Orte, so wird in derSeena illustrata" berichtet,

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