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161. Jahrgang
Zweiter Blatt
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Erscheint tiglich mit Ausnahme der Sonntag».
Arbeiten beendet seien.
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Ausgaben im Justizhaushalt ständen auch höhere Einnahmen durch -Ltenrpelgebübren usw. gegenüber. Betreffs des Amtsgerichts LU Friedberg mürbe mitgeteilt, daß die Stadt die, Erweichung des alten Gebäudes für den Preis von 80 000 Mark abgelehnt habe. Eine Abhilfe des jetzigen Zustandes sei aber sehr notwendig, zumal eine anderweite Einteilung des Amts- gerichtsbezirks aus Anlaß der Bahnlinie Homburg—Friedberg zu erfolgen habe; auch der Neubau eines .Haftlokals in Friedberg sei unerläßlich. Die Veränderung der Zuständigkeit der Amtsgerichte habe keine wesentliche Entlastung der Landgerichte herbei' geführt. Der Ausschuß entschied sich dahin, durch Hinzunahmc der Ämtsrichterwohnung vorläufig noch mit den jetzigen Zuständen auszukommen. — lieber den Haushalt des Finanzministeriums berichtete Abg. Molt Han. Dem Wunsch des Ausschusses gegenüber, die letzt frei gewordene Ministerialratsstelle nicht wieder zu besetzen und 2—3 Vortragende Räte in Wegfall zu bringen, empfahl die Regierung, diese Anregung bis zur Rückkehr des Finanzministers Braun zurückzustellen. Sie hegt weiter die Ansicht, daß beim Kapitel Bergbau wohl noch eine Lilfsarbciterstellc gespart werden könne. Dagegen seien im F o r st- haushalt und in der Abteilung für Steuerwescn weitere Ersparnisse nicht zu erzielen.
Beim Kapitel Steuerhauptkasse stellte die Regierung eine Prüfung der Frage in Aussicht, ob nicht eine Verschmelzung mit der Staatsschuldenkasso erfolgen und statt zweier nur ein Direktor an gestellt werden solle. In einer längeren Aussprache über das Kapitel Ka t a ster erAärtc Geh. Rat Dr. Becker, daß eine Verbilligung eintreten werde, wenn die topographischen
lich wurde der Antrag der Zentrumspartei gegen die Stimmen der Nationalliberalen, der Volkspartei und der Sozialdemokraten
gemeinen Deutschen Kunstgcnossenschaft in München besprochen werden. Unter Umständen soll von den Malern und Bildhauern
Donnerstag, 12. Januar lOY
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniverfuätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, 'Gießen.
— Eine Reform des künstlerischen Wettbewerbs. Zum Zwecke einer Verbesserung der Grundsätze für das Verfahren bei Wettbewerben sand kürzlich in Berlin eine Besprechung verschiedener Künstler verbände statt, zu der der Bund deutscher Architekten angeregt hatte. Teil nahmen u. a. Professor Martin Dülfcr aus Dresden, die Geh. Bauräte Saran miD Körte, Gen Rat Muthesius, Vertreter der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, der Bildhauer-Vereinigung, des Künstlerverbandes deutscher Bildhauer und des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur!) er eine. Tülfer wies einleitend darauf hin, daß eine Reform der Wettbewerbe eine richtigere Bewertun i der künstlerische Fähigkeiten bringen müsse. Die Einrichtung ;it Beratungsstellen sei erforderlich. Als Ergebnis der t eine Reihe von '.'tbänderungs-Vorschlägen
angenommen. Die Regierung gab sich damit zufrieden. Dann befaßte sich der Ausschuß mit der Frage, ob der Sitz des neuen: Gerichtshofes Berlin oder Hamburg sein soll. Lin Mit- glied der Zentrumspartei und ein Konservativer sprachen sich ür Berlin aus. Dagegen wurde von einem Hamburger Mitglied der Volkspartei dargelegt, aus welchen praktischen und ideellen Gründen Hamburg den Vorzug verdiene. Auch der hanseatische Bundesratsbevollmächtigte trat für Hamburg ein. Ter Staatssekretär erklärte, daß die verbündeten Regierungen Wert darauf legen, daß der neue Gerichtshof in Berlin seinen Sitz habe, svrach jedoch Teilt Unnannehmbar aus. Ein Be-- • Aluß über diese Frage wurde iwch nicht gefaßt. Die nächste Sitzung findet Freitag statt.
Line Klage der pariser Aaffeehäadler.
Der Präsident des Syndikats der P a r i s e r Kaffee* Händler erhebt in den Blättern Beschwerde darüber, daß infolge der Transportschwierigkeiten auf der verstaatlichten Westbahn kaum die Hälfte der gewöhnlichen Kaffeemengen nach Paris komme. Das Syndikat habe versucht- den Kaffee auf Umwegen nach) Paris zu bekommen, aber eher Unannehmlichk.iten damit gehabt. Es gäbe Kaffeehändler, die seit dem 2. Dezember keinen einzigen Sack Kaffee mehr erhalten hätten. Auf die von Zeit zu Zeit gestellten Anfragen des Kriegsministeriums habe das Syndikat antworten müssen, daß es keine verfügbaren Reserven mehr habe. Der „Figaro" behauptet, daß seit einiger Zeit auf der kleinen Verbindungslinie zwischen dem Bahnhof von Saint Germain und der großen Gürtelbahn 215 vollbeladcnc Fracht-- wagen, die bei der Westbahnverwaltung vollständig in Vergessenheit geraten sttien, ständen. Die Spitzbuben der Umgebung versorgten sich dort ungestört mit Vorräten für den Winter.
Der Reichsversicherungsausschuß setzte heute die vor den Weihnachtsferien abgebrochene zweite Lesung des Buches über die Krankenversicherung beim Abschnitt Krankenhilfe fort. Die Beschlüsse der ersten Lesung wurden in einigen nicht wesentlichen Punkten geändert. Bei § 198 wurde beschlossen, daß für den Ablauf der Krankenhilfe, die bis zu 26 Wochen nach Beginn der Krankheit oder, wenn das Krankengeld erst von einem späteren Zeitpunkt ab bezogen wird, nach Beginn des Krankengeldbezugs gewährt wird, die Zeit, für die die Kasse dem Kranken nur Krankenpflege gewährt, nicht angerechnet werden soll. Bei 8 204 wurde der Ausschußbeschluß, wonach Krankengeld, das der Versicherte auS einer anderen Versicherung ohne Rechtsanspruch hierauf erhält, ans die Leistung der Krankenkasse nicht angerechnet werden soll, wieder beseitigt. § 205 erhielt durch Annahme eines Antrages Dr. Mugdan (Vp.) und Becker (Ztr.) folgende Fassung: „Die Satzung kann die Mitglieder verpflichten, dem Vorstande int Erkrankungsfalle die Höhe der Bezüge mitzuteilen, die sie gleichzeitig aus einer anderen Krankenversicherung erhalten. Die Frage, aus welcher Krankenversicherung die Bezüge herrühren, ist nicht gestattet." — Donnerstag Weiterberatung
*
Der Reichstagsausschuß für den Kolonial- und Konsulargerichtshof beschäftigte sich heute zunächst mit der Frage, ob Verwaltungsbeamte in den Gerichtshof ausgenommen werden sollen oder nicht. Statt der zwei Verwaltungsbeamten, die der Gesetzentwurf vorsieht, beantragt das Zentrum nur einen. Gegen diesen Vorschlag wurde von der Fortschrittspartei und von den Nationalliberalen geltend gemacht, daß, gleichviel ob ein oder zwei Verwaltungsbeamte dem Gerichtshöfe angehören, einer der wichtigsten Grundsätze unserer Rechtsverfassung, nämlich die Unabhängigkeit der Richter, durchbrochen würde. Gegen den Staatssekretär des Kolonialamts, der auf ähnliche Einrichtungen in England hin- gewiesen hatte, führte ein Mitglied der Fortschrittspartei aus.
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Srotzherzog Larl Alexander von Sachsen-Weimar bei Bismanf.
Ein Charakterbild des Großherzogs Carl Alexander entwirft zur Erinnerung an biet zehnte Wiederkehr seines Todestages (5. Ja- imar 1911) Hermann Freiherr von Egloffstein in der Deutschen Rundschau auf Grund langer, im Dienste des verewigten Fürsten verbrachter Jahre. Dabei schildert er auch einen Besuch, den Carl Alexander im Sommer 1897 dein Fürsten Bismarck abstattete. Das Verhältnis zwischen dem Großherzog und dem ersten Reichskanzler war stets ein sehr freundschaftlick)es. Während des Krieges von 1870 hatte Bismarck den Einfluß Carl Alexanders in Anspruch genommen, um den Zaren Alexander, dessen Liebe und Vertrauen er in sehr hohem Maße besaß, durch wiederholte, wohl überlegte Briefe für die vaterländischen Interessen günstig zu stimmen. Auch weiterhin dauerte das einträchtige Zusammenwirken an, von dem der Reichskanzler in seinen „Gedanken und Erinnerungen" Zeugnis abgelegt hat. Für Bismarcks gewaltige Persönlichkeit besaß der Großherzog nicht nur Verehrung, sondern mch tiefes Verständnis, das ihn auch des Fürsten Verhalten nach 'einem Rücktritt gegenüber dem Kaiser und seinen Ratgebern mit Bedauern, ober ohne jede Voreingenommenheit beurteilen ließ. Als in Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" so mancherlei gegen Carl Alexanders Schwester, die Kaiserin Augusta, an der der alte Herr mit großer Liebe hing, vorgebracht wurde, konnte auch dies seine Bewunderung Bismarcks nicht vermindern. Nicht einmal den gegen den Weimarischen Hof erhobenen Borwurf der Gallomanie und Anglomanie im ersten Bande der Denkwürdigkeiten nahm er dem Begründer des Deutschen Reiches übel, sondern sagt: dazu scherzend mit einem seinen, etwas schalkhaften Lächeln: .,Da hat er gar nicht so Unrecht". Stets ließ er die Eigenart des Titanen gelten. „Einen Michelangelo soll man nicht mit dem Maße eines Watteau messen", sagte er im Hinblick auf ben Besuch des großen Staatsmannes in Jena 1892, obwohl das biesem zu Ehren veranstaltete, etwas bemonstrative Marktfest für Carl Alexanber als Lanbesherrn kaum angenehm sein konnte. Als der Großherzog 1897 seinen Geburtstag in Schwerin verbrachte, besuchte er auch den Größten unter ben Mitlebenden, dessen Freund er sich nannte und den er seit beu entscheidenden Märztagen 1890 nicht wiedergesehen hatte. Der 82 jährige Kanzler hatte es sich nicht nehmen lassen, sunt1 Empfang auf dem Bahnhof zu erscheinen. Im blauen Waffenrock der siebenten Kürassiere, daS gefurchte Antlitz vom Helme beschattet, grüßte er stramm militärisch den sürstlichen Gast und ging ihm bann, auf ben Arm bes Kammerdieners gestützt, entgegen. Gleich nach der Ankunft im nahe ge-
Aus Siaöt unfc Land.
Gießen, 12. Januar 1911.
•• Lehrerpersonalien. In den Nu he st and versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Holzmühl Ioh. Reitz auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und ihm aus diesem Anlaß bas Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen. — Erledigt ist eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Rüsselsheim, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu König-- städten und eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Blödesheim, mit der Organistendienst verbunden ist.
"'Bei der Landesversicherungsan st altGroßh. Hessen sind im Dezember 298 Rentengesuche (270 Invaliden» und Krankenrentenapträge, sowie 28 9(lter§renten- anträge) eingegangen. Unerledigt wurden in den Monat übernommen 306 Rentengesuche, so daß 606 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 217 durch Rentenbewilligung (184 Invaliden-, 19 Kranken- und 14 Altersrentengesuche); 39 durch Ablehnung, weil unbegründet (36 Invalidenrenten- und 3 Altersrentengesuche), 24 durch andere Weise — Zurücknahme usw. — (19 Invaliden- und 5 Altersrentengesuche), zusammen 280, so daß 326 Gesuche als unerledigt auf den Januar Übernommen werden mußten. Ferner wurden im Dezember 290 Anträge auf Beitrags-
Aus den Rclchstagsausschüssen.
:: Berlin, 11. Jan.
Der Reichstagsausschuß für die Wertzuwachs st euer stellte heute den Bericht fest. Desgleichen der Bubgetaus- fchuß bie Berichte über bie Fernsprechgebührenorb- nung unb bas Reichsbesteuerungsgesetz.
Es dürfe nicht vergessen werben, baß auch bie Arbeiten wesentlich! daß seines Wissens in England Verwaltungsbeamte, nicht a« vermehrt wurden durch die Fortführung der Grundbücher und die Richter fungieren Der Staatssekretär hielt aber an 'einer Se- Bestimmungen der Novelle zur Zivilprozeßordnung. Den höheren Häuptling fest unb versprach, bas Material vorzulegen. ^Lchließ' „, . -v - • # - < <. r. •• c < v •• < rr* i - — I («X intir.harfM ntP l*3TTtT1 tTIPIT
auf ber einen, von ben Architekten auf bet anberen Seite ein Haupt - ausschuß eingesetzt werden, von dem aus alle erforderlichen Unterweisungen an bie Beratungsstelle gehen müßten. Tas Ergebnis der Besprechung wirb ben einzelnen Verbänben vorgelegt werben! und bann eine neue Besprechung stattfinden.
— D i e Abstimmung über die Frauen mode. Die von ber Pariser Zeitschrift „Focmina" in ben. vornehmsten Theatern! ber Seinemetropole veranstaltete Volksabstimmung über Frauen- mobe unb Eleganz, von ber wir berichtet haben, würbe nach den letzten Theateraufstihrungen bes alten Jahres, also am 31. Dezember, für geschlossen erklärt. Eine eigens eingesetzte Kommission schritt sofort zur Oeffnung ber von bem italienischen Erfinden Boggiano konstruierten Abstimmungsmaschinen, die die Ergebnisse des Referendums ganz vorzüglich und fehlerlos verzeichnet hatten. Von 4358 abgegebenen Stimmen sbrachen sich 532 für den Louis XV.-Stil in ber Mode, 2807 für ben Empire-Stil und 1819 für bie Moberne aus. Es muß bemerkt werben, baß an ber Abstimmung fid) nur bie Besucher bes Parketts und ber Logen beteiligen bürsten. Zahlreiche Herren unb aufs feinste gekleidete Tarnen blieben, als sie bas Theater verließen, vor ben sinnreichen Maschinen stehen unb kommentierten lebhaft den Sieg des Empire- Sttls unb bie große Nieberlagc des Humpelrocks.
— H öhlen mit versteinerten Säugetieren auf Kuba. Auf bem letzten Internationalen Geologenkongreß in Stockholm berichtete Prof, be la Terre von der Universität Havanna! über außerordentlich interessante Funde, bie ihm im mittleren Kuba gelungen find: er entdeckte dort in alten Höhlen fossile Säugetiere aus den Pleistozän. Ter Fund umschließt eine statt- ltd)e Reihe Pleistozän er Nager, Edentala und anderer Wirbeltiere^ Das ist, wie im^Globus ausgeführt wird, von besonderem Interesse, weil die Säugetterfauna .Kubas nach den bisherigen Forq fchungen nur fünf Nagerarten zählt, von denen nur eine aus- gestorben ist. Damit ergeben sich wertvolle Anhaltspunkte für die Hypothesen von ber Entstehung der Eiszeit. Die Tiere iönnt-n nur vom amerikanischen Kontinent nach .Kuba eingewandert sein; es müssen also Landrücken bestanden haben, die'die Insel mit dem Festlande verbanden. Solche einftige Landrücken finden sich heute auch in einer Tiefe von 1900 Meter unter dem Meeresspiegel ; mir eine von ihnen, die von Floriba auSgeht, liegt in geringerer Tiefe, 700 Meter unter bem Wasserspiegel Die Canons, die biefe in die Meerestiefe entschwundenen Landstrecken zerschneLen, zeigen, baß bic Senkung verhältnismäßig geringem Alters ist. Es muß also in einer wenig zurückliegenden Epoche m jener Gegend eine große kontinentale Senkung ftattgenuibcra haben.
Der Arbeitsplan der Reichstags.
Der Aelle stenrat d es R e ich s t a g e s verständigte sich am Mittwoch einstweilen auf folgenden vom Präsidenten vorgeschlagenen .Arbeitsplan: man will versuchen, ihn nach Möglichkeit durchzuführen. Sitzungsfrei sollen bleiben der 21. und 23. Januar, sowie Kaisers Geburtstag am 27., sodann der 2., 3., 4., 18. und 20. Februar, der 4., 6., 25. und 27. März, (Samstage und Montage, sowie katholische Feiertage). Die zweite Lesung des Haushaltes soll erst am 13. Februar beginnen.
Bis dahin ist in Aussicht genommen: vom 12. bis 14. Januar die zweite Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch, .16. bis 18. Januar die zweite Lesung des Zuwachssteuergesetzes, ,19. und 20. Januar die zweiten Lesungen der Fernsprechgebührenordnung und des Reichsdesteuerungs gesetzes, 24. bis 26. Januar die erste Lesung des Gesetzes über die Verfassung Elsaß Lothringens. Am 28. Januar soll die zweite Beratung der Strafprozeßordnung beginnen. Für die Haushaltsberatung, zweite und dritte Lesung, stehen, wenn der Haushalt rechtzeitig vor dem 1. April verabschiedet .werden soll, nach diesem Arbeitsplan 33 Tage zur Verfügung, wovon 4 Tage auf die dritte Lesung gerechnet werden. .Dazwischen müssen auch die zweite und dritte Lesung des Friedenspräsenzgesetzes und die dritte Lesung des Zuwachssteuergesetzes erledigt worden. Zwei Tage sind außerdem für unvorhergesehene Verhandlungen in Aussicht genommen.
Die konservativcFraktiondespreußischenAb- georbnetenhauses beantragt, bie Königliche Staatsregierung zu ersuchen: 1. Bei den verbündeten Regierungen dahin wirken zu wollen, daß dieselben dem Reichstage möglichst noch in ber laufenden Session einen Gesetzentwurf vorlegen, durch ben §56c dev Reichsgewerbeordnung (Wanderlager) burch eine Bestimmung ergänzt wirb, wonach für ben Betrieb eines Wander- lagers eine besondere Erlaubnis erforderlich ist, die von dem Nachwteis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig zu machen ist; 2. zum § 56 c der Reichsgewerbeordnung Ausführungsanweisungen anortxnen zu wollen, wonach a) bic Erlaubnis nur für) längstens 14 Tage erteilt werben barf, unb b) bie Genehmigung zuml Beginn eines Wanderlagers minbestens 8 Tage vorher bei der Ortspolizeibehörde nachzusuchen ist mit Angabe der Zeit unb bes OrteS, wo sich bic VcrkaufsgeMii stände bis zum Verkaufstermin befind en.______________________• v
Au; dem hessischen Finanzausschuh.
R. B. Darmstadt, 11. Jan.
Der Finanzausschuß der 2. Kammer setzte heute ixe IHaushaltsberatung gemeinsam mit der Regierung fort, bic durch bic Herren Staatsminister Ewalb, Geheimräte Dr. Becker, Will). Best, Frhr. v. Biegeleben u. a. Vertreten war. Den.Vorsitz führte an Stelle bes zur Teilnahme ein ben ReichstagSverhanblungen in Berlin weilenden Abgeorb- iteten Dr. Osann ber stellvertretende Prüsibent Abg. Molt Han. Es fanb zuerst eine Besprechung über ben Justizhaushalt frattt. Auf bic Anfrage über den Stand bes Neubaus eines Amtsgerichtsgebäubes in Gießen bemerkte Staatsgut) Justizmiuister Ewald, daß bereits im Haushalt für 1908 bie Summe von 60 000 Mark dafür bewilligt wurde. Die Errichtung eines neuen Gebäudes sei absolut notwendig, es fehlten Zurzeit etwa 40 Dieusträume unb es mußten notgebrungen bereits im Nachbarhause anberc Räume gemietet Iverbcn. Der Ausschuß beschloß auf Vorschlag ber Regierung, bernuächst in Gießen eine Lokalbesichtigung vorzuuehrnen.
Weiter würbe cingclycnb bic schon erörterte Frage ber hohen Ausgaben für Schreibgehilfen beraten. Vorn Ausschuß würbe bic Anregung gegeben, ob nicht durch eine bessere unb -.weckmäßigere. .Kontrolle größere Ersparnisse erzielt werben töimten. Von ber Regierung würbe entgegnet, daß eine solche Kvntroll-e bereits versucht worden sei, sich aber nicht bewährt habe; nur bie Gewissenhaftigkeit ber Auffichtsbeamten sei hier anzuweuden.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderhehen
nach außen hin bic volle Ruhe, Unbefangenheit und Lebensart! Zusammenschluß zu einer Beratungsstelle für Wettbewerbe ist bes alten Weltmannes, neben der schuldigen Ehrerbietung gegen- geplant unb wird auf ber nächsten Hauptversammlung der All- über bem gekrönten Haupte. Mit ben charakteristtschen fran----:--
zösischen Worten: „L'honneur au Seigneur" bat er ben Großherzog, ben Ehrenplatz am Köpsenbe ber "Tafel einzunehmen. Die Versuche bes Letzteren, ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen, wollten zu Anfang nicht recht gelingen, denn ber Fürst hatte, wie sein leises Aechzen verriet, offenbar große Qualen auszustehen. Doch ging ber Anfall allmählich vorüber, unb in gleichem Maße hob sich auch die Stimmung, bis er zuletzt, durch einige Gläser Champagner angeregt, sehr mitteilsam würbe. Das Gespräch ber beiben alten Herren wanbte sich gleichsam von selbst ben großen Tagen zu, in denen ihre gemeinsamen Erinnerungen wurzelten. Beim Rückblick darauf aber gedachte Bismarck dankbar der inzwischen auS dem Leben geschiedenen Helden. „Was hätte ich," rief er auS, „ohne meinen teueren Kaiser Wilhelm, ohne Moltke erreicht!" Die Tagesftagen wurden, aus naheliegenden Gründen, möglichst unberührt gelassen, doch äußerte sich der Kanzler mit warmer Anerkennung über die Fähigkeiten unb Charaktereigen- schasten Kaiser Wilhelms II., unb als ihn ber Großherzog um seine Ansicht in betreff ber Männer befragte, bic augenblicklich bic maß- gebenben Stellen innehatten, gab er seine lebhafte Freube über bie Ernennung Bülows zum Staatssekretär des Aenßeren zu erkennen. Er nannte ihn den hochbegabten Sohn eines ausgezeichneten Mannes, bem er, Bismarck, sehr zu Tanke verpflichtet sei. Jener, meinte er, werde wohl noch Reichskanzler werden, und er hat sich in dieser Erwartting nicht getäuscht." Der Großherzog blieb nur kurze Zeit in Friedrichs ruh, um Bismarck nicht zu ermüden. Beim Abschied waren beide ttefbewegt: an der Grenz? des menschlichen Daseins angelangt, mochten sie fühlen, daß diese Begegnung die letzte sein werbe. Als sich ber Schnellzug in Bewegung fetzte, winkte Carl Alexander dem Fürsten noch zu, der, die Hand an den Helm gelegt, den Scheibegruß feuchten Auges erwiderte.
legenen Wohnhause setzte man sich zum Mittagessen. Obtoohl Bismarck gerabe im Augenblick, wo man sich zu Tisch niederließ,, unter seinen regelmäßig um bie Mittagszeit mieberfebrenbin Go- Besprech, ug gelangten sichtsschmerzen litt, ließ er sich doch nicht gehen, sondern bewahrtes der jetzt bestehenden Wettbewerbsgrunbätze zur Annahme.


