Ausgabe 
10.11.1911 Erstes Blatt
 
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161. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfahr 18 Seiten.

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Ter Nobelpreis der Literatur. Tie schwedische Akademie der Wissenschaften beschloß, den Nobelpreis der Literatur Maurice Maeterlink zuzuerlennen.

die Post Ttt.2. viertel- jährt. auSschl. VeueUa. 3cilcnprtiö: lokal 15 ausivan« 20 t'tfimiq. Edctredatleur: A Doetz.

Verantwortlich für den politischen teil: Anansl

As. Neue Untersuchungen über die Erblichkeit des Krebses. Süt einer Reihe von Jahren bescha'tigl sich in England cm Ausschuß von Aerzten mit der Untersuchung des Krebses. DieserImperial Eancer Research Zünd" har jüngft feinen Upten Bericht veröffentlicht, und m diel em imden sich die Ergebnisse wich.igcr Untcriuchungen über die Erb.ich- feit dieser furchtbaren Krankheit verzeichnet. Das Menschemeb.n ist natürlich zu lang, als daß man auch nur daran denken könnte, genügendes stanmiches Material über die Erblichkeit des Krebses zu sammeln. Die cnlischcn Aerzie haben daher ihre Beobachtungen an Stau I en angene.lt, wobei angenommen wird, daß die Frage der Erblichkeit bei den Versuchstieren eine Ant­wort findet, die auf menschliche Verhütmise wenigstens zum Teil übenragen werden dar'. Innerhalb von acht Jahren sind 200 000 Mäuse von dem Ausschuß beobachtet worden. Nach die en Beobachtungen scheint es, a.s ob die Vererbung bei der Hau ig° feit des Krebses doch eine Rolle spielen könnte. Allerdings drücken sich die Aerzte in ihrem Berichte sehr zurückhaltend aus. 2er Brustdrüsenkrebs, um den es sich hauo.sachlich han­delte, fo sagt z. B. Dr. Bashford in seinem Berichte, ist bei Mäusen in allen Leb.nsa.tern häufiger, ivenn die Mutter oder die Großmutter des Tieres an der gleichen Kranfh.it geuotuen sind. Aus weiche Weise die Vererbung errolg., läßt lieg teooch nicht angeben. Die englischen Aerzte vermuten, es handle sich

Zreitag, 10. November 1911

Ve-ua»»ret4: monatlich 75Vf^ viertel» iäbrltd) WIL 2.20. durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich to durch

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miteinander gepaart, so daß die vermutete erbliche Belastung von allen Vorfahren her vorhanden war und so aus ein Tier konzentriert wurde. Beim Menschen wird natürlich dieser Fall, baß die beiderseitigen Vorjahren eines Ehepaars alle Krebs ge­habt haben, zu den seltensten Ausnahmen gehören.

Eine neue Infektionskrankheit. Immer neue Krankheiten sendet der Orient zu uns herüber. So melden sich seit einigen Monaten im Süden Europas, in Italien und Griechenland, die Vorposten der als Ka l a*a* ar schwarzes Fieber bekannten Kranlheit. Kala-azar ist in Indien h imisch; dort hat sie in den Niederungen des Brahmaputra lütAlcr» liche Verheerungen angerichtet, auch China und die malaytschen Inseln hat sie nicht verschont, um von Dort nach Arabien und Aegypten verschleppt zu werden, von wo sie sich den Zugang zu Europa verschalst hat. Lange Zeit ist sie mit der schweren Ma­laria verwechselt worden. Sterblichkeit der von ihr Beiallenen geht bis 96 Prozent Seit einiger Zeit kennt man auch den Erreger. Es ist dies ein wahrscheinlich den Trypamosomen nahe­stehendes Prowzoon, das nach seinem Entdecker den Namen L e 11 h m a n i a führt. Aehnlich wie bei Malaria, Schlafkrank­heit und Pest lebt der Erreger in einem Zwischenwirl und ge­langt durch dessen Biß in den menschlichen Körper Bet der Kala-azar wie bei der Pest sollen Wanzen diese Rolle spielen. Wenn auch die Krankheit gefährlich und ansteckend ist, so ist doch nicht zu furchten, daß - sie m Europa jesten Fuß saßt. Neuerdings wird zu ihrer B.kämofung das Ehrlichsche Sal­vo r s a n angewandt. Allein, seine Wirkung steht noch aus.

NZW General-Anzeiger für Gberhefsen

inoaumt wn anjeigen Notation,druck und Verlag der vrühl'schtn Unio.Guch: und Sltlndruckerel R. lange. Nedaltion, Lrpcdillan und vrnckerel: rchulftratzt 7. bifl vonniuaflöU9niibr. vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhosstrahe 16a. AnzeigenteU: H. Beck,

Kranfcs" Schießpulver.

Angesichts der schweren Unfälle, von Denen die Marine un­seres westlichen Nactcharlandes betroffen wurde> die in der Tagespresse ständig disputiert werden, wird es unsere Leser ge- toiu interessieren, etwas über die wahrscheinlichen Ursachen solcher Explosionen zu hören. Unser artUlcristischer Mitarbeiter schreibt darüber:

Nicht allein Menschen und Tiere hoben ihre körperlichen Lei­den: auch bei anorganischen Stoffen, insbesondere bei Mineralien, ist wohl zu unterscheiden zwischen Gesundheit und Krankheit. Einzelne Metaltarten können sogar von derartig Harten Gebrechen befallen werden, daß sie ihr .Leben" dabei einbüßcn und völlig unbrauchbar werden. So z. B. zerfällt Zinn bei einer bcilimmtcn Krankheit vollständig. Es handelt sich Dabei um sehr wenig er­forschte Vorgänge, wahrscheinlich um molekulare Verschiebungen, vielleicht sogar um Atomumlagerungen, die noch wenig geklärt sind und die wir vorläufig nur in den Wirkungen erkennen.

Auf derartige Ursachen sind auch die Krankheiten des Pulvers rurüäzuführen. Die Unglücksfälle der französstchen Marine sind bisher nur eine Folge von krankem Pulver, weil es die Aus- jichisorgane an der nötigen Sorgfalt Haden schien lassen.

Tie verschiedenen Pulversorten gehen nach längerem Lagern chemische Verbindungen ein; fe nach Art dieser Verbindungen toirb das Pulver entwedertaub", d. h. es reagiert auf Ent­zündungen überhaupt nicht mehr, oder aber es wird derartig explosiv, daß schon eine geringe Reibung oder Erwarmung oder brr Truck seines eigenen Gewichts Selbstentzündungen Hervor­ruf en kann. Darum wird z. B. das in der deutschen -Irmce |u Platzpatronen noch gebrauchte Schwarzpulver oorschriftsgemäß, lorocit es zwei Jahre nach der Fabrikation nicht verbraucht ist, vernichtet.

Tas zu wirklichen Geschossen gebrauchte Blättchenpulver hält 'ich langer, und trotzdem beucht in der deutschen Armee der Grundsatz, das Pulver immer möglichst frisch aufzubrauchen und keine allen Vorräte anzusammeln.

ES ist ein großer Fehler, Sdjiifejnit voller Kriegsausrüstung in der Pulverkammer jahrelang in See zu halten. Wie die Er- labrung in Frankreich zeigt, kostet eine (Hornsion nicht allein das Sch-.sf, sondern viele Menschenleben. RsrurUcy ersoroert das

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Die marokkanische Abrechnung im Reichstag.

Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

Berlin, 9. 9toü.

In trübem dtovembernebcl brach heute der Tag an, an dem der deutsche Reichstag über den für das Marokto- tlblommcn verantwortlichen Reichskanzler zu Gericht sitzen sollte. Ter Sitzungssaal war natürlich von Mgeordneten, die Tribünen von einem eleganten Publikum überfüllt, und in der Hosloge bemerkte man neben dem Prinzen August Wilhelm auch den Kronprinzen, der an diesem denk­würdigen Tuge nicht fern von Berlin bleiben wollte. Tie Herren Breitcnbach, Lisco und Wermuth, sowie v. Tirpitz und Kraetke befanden sich schon auf der Tribüne, als Herr v. Bethmann-Hollweg eintrat und sie mit verlegenem Lächeln grüßte. Bald darauf erschien Herr v. Kiderlen- Wächter und nahm neben dem Reichskanzler Platz, der ihm die Hand drückte, ganz so wie es Angeklagte tun, die sich verantworten sollen. Sie sind völlig isoliert, die übrigen Herren der Negierung halten sich von ihnen fern, sie fühlen, daß es nicht rätlich ist, sich in dieser Gesell­schaft zu zeigen. Nur der provisorische Staatssekretär des Kolonialamts, Tr. Sols, hat nach seinem Eintritt den Mut,

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hinter nidcrlen-Wächter Posto zu fassen.

Und dann beginnt Herr v. Bethmann-Hollweg zu reden. Nüchtern und geschäftsmäßig klingt cs, gleichsam als ob ihn die Not Teutschlands gar nichts anginge, genau so, wie bei der Fleischteucrung, wo er auch teilt warmes Wort fand für die mißliche soziale Lage. Freilich hat er bei der Berteioigung des Marotko-Aokommens einen ebenso schweren Stand, wie bei der Verteidigung des Kongoabkom- menü und seiner Rechtfertigung im Falle Lindequist. Sind doch die Reichstagsabgcordneten in ihrem Urteil über die Persönlichkeit Herrn v. Bethmanns und den Wert des Ab­kommens schon lange einig. Gelächter wurde ihm zuteil, als er behauptete, die deutsche Regierung habe den Panther" nur nach Agadir geschickt, um Leben und Eigen­tum der dort wohnenden Deutschen zu schützen, während man doch zur Genüge weiß, daß derPanther" ursprüng­lich deshalb entsandt wurde, um den Kompensationsfordc- rungen Teutschlands im Suslande Nachdruck zu verleihen. Gelächter antwortete ihm, als er von den trotz Sümpfen, 1 «Schlaftrantheit und französischen Konzessionsgesellschaften WWW'v i wertvollen riongolompensationen sprach, trotzdem er hier --- ~~ 1 klugerweise ins Gefecht führte, wie gering man ursprünglich von der ganzen deutschen Kolonialpvliiik gedacht habe. Ge- lächter erfolgte auch, als er die kühne Behauptung auf- stellte, Teutlchland sei keineswegs vor England zurückge­wichen, als cs um die Erledigung der Marolkofrage kri- tisch stand. Herrn v. Bethmann aber recht unangenehme Bravorufe ertönten da, wo er im Falle Lindequist zu- gab, daß der jetzt ohne kaiserlichen Dank verabschiedete jStaatsset'retär von Anfang an von den jetzigen Kongo- abtrelungen nichts habe wissen wollen, sondern die Erwerbung kleinerer, aber schon kultivier­ter Gebietsteile befürwortet habe, und als er put schwacher Stimme sich zu dem Geständnis aufschwang, Herr v. Lindequist habe die Vertretung des Kongoablom- mens vor dem Reichstage verweigert, trotzdem er von ihm nur eineobjektive" Würdigung verlangt hätte. 93er- cinzcllcsSehr richtig" bei den Konservativen, z. ÖL, als Herr v. Lcthmann eS unpatriotisch nannte, daß man aus dem Verlauf der Marotloverhandlungcn ein Zurückweichen Deutschlands lonstruicrt habe, ändert nichts an der Tat» fache, daß Herr v. Bethmann mit seiner Rede ein gründ­liches FiaSlo erlitten hat. Und als er mit den WortenWir

erwarten kein Lob, wir fürchten aber auch keinen Tadel" geendet, da zeigte ihm das im ganzen Haufe herrschende, eisige Schweigen, daß man seinen Behauptungen nicht glaubte, daß man in dem Marokko-Abkommen nach wie vor die größte Schlappe steht, die Deutschland feit der Reichsgrundung erlitten, und in der Art der Verabschiedung Lindequisls, insbesondere in seiner Verunglimpfung dura, dic offiziöse Pre,se, eine eines deutschen Reichstanzlers unwürdige Handlung.

Wenn Herr v. Bethmann, der sich übrigens bei den Zwischenruscii des Hauses der sonst bei ihm beliebten Me­thode der Mkauzcluug und des auf den Tischschtagens ent­hielt, sondern höflich bat, ihn doch nicht zu stören, da er sonst unsicher wurde, am heutigen Morgen noch geglaubt haben sollte, daß er sich auf Konservative und Zentrum verlassen könne, so wuroe er eines besseren belehrt, als der Zentrumsdiplomat Frhr. v. Hertling und der un­gekrönte König von Preußen, Herr v. Heydcbrand und der Lasa das Wort ergriffen. Tenn der erste beantragte sofort die UeberWeisung des Abiommens und der zahlreichen Marolkoanträge in den Budgetausschuß, machte also, da die ganze Opposition den gleichen Stand- punlt einnimmt, dem Vorhaben des Reichskanzlers, das Abkommen über den Kopf des Reichstags hinweg definitiv abzuschließen, ein jähes Ende, und Herr v. Heydebrand ließ nur gar zu deutlich durchblicken, daß auch feine Partei Herrn v Bethmann fallen lasse, wenn sie auch von einer die Befugnisse der Krone hinfichtlich der Schutzgebiete be- schranlenoen Verfassungsänderung nichts wisien wolle, die von Zentrum, Nationailiberalcn, Fortschrittlern und So­zialdemokraten in ihren Anträgen gefordert wird.

Es war nicht nur pikant, sondern von der größten Bc- dcutuna für das Schicksal Betbmann-Hollwcgs und seines Marolto-Abkommens, zu beobachten, welchen Anteil der deutsche Kronprinz an den heutigen Verhandlungen des Reichstags nahm. Richt nur, daß er mit der gespann- testen Aufmerksamkeit zuhörte, nein, er gab sogar seiner Stellungnahme zu den Reden v. Bethmanns, v. HertlingS uizd v. Heydebrands dadurch Ausdruck, daß er die frag­würdigen Behauptungen des Reichskanzlers mit Kopfschütteln, alles das aber, was die beiden Reichstagsabgeordneten gegen Bethmaint vorbrachten, mit Nicken, ja sogar energische n Beifallsrufen be­gleitete. Unwillkürlich fragt man sich: War der Kronprinz von seinem kaiserlichen Vater bevollmächtigt, Urlaub zu nehmen, um sich in dieser Weise an dem Gericht über Beih- mann-Hollweg zu beteiligen? Herr v. Bethmann behauptete, der Kaiser haoe schon im Mai feine volle Zustimmung dazu gegeben, daß das damals aufgestellte Programm in allen Phasen voll durchgeführt werde, in dem festen Entschluß, für die Ehre des Laubes im Notfälle auch das Sdyrocrt zu ziehen. Tas mag fein, Herr v. Bethmann vergißt aber hinzuzu- fügeu, ob der Kaiser noch dem Marotkovcrtrag bcipflichtet, wie er jetzt dem Reichstage vorliegt, und gegen den sich fast das ganze deutsche Volk empört. Wir glauben, daß der Kaiser, nachdem ihm die Prinzen und seine weitere Umgebung die Augen Über die unselige Politik Bethmann- Hollwegs und die damit im Zusammenhänge stehende Ge- fahr einer inneren Krise, einer Schmälerung der kaiser­lichen Rechte und einer lleberflutung des neuen Reichstags durch die Sozialdemokratie, geöfinet haben, so daß er nichts mehr durch die Brille des Rercyskanziers sieht, wayrscheui- lich von den Bethmann-Hollwegschen Künsten genug haben wird. Er hat aller Wahrscheinlichkeit nach den Kronprinzen in den Reichstag entsandt, um von ihm einen einwand­freien Bericht über die ganze Marokkodebatte zu erhalten.

Danach wird der Kaiser handeln. Herr v. Bethmann steht heute ohne jede Parteiunterstützung da, und die feine Ein- und Ausschiffen großer Munitionsmengen viel Zeit und Arbeit, und das bangt eben die Gefahr mit sich, daß man, wie in Frankreich üblich. Die Ladung zu lange an Bord behält.

Auch die anderen bekannten Sprengstoffe, wie z. B. Melinit, Lydit, Roburit und bergt, erleiden durch lange Lagerung un­günstige chemische Aenderungen, wenn auch nicht in Dem Maße, wie die eigentlichen Pulversorten. Am günftigiien verhalten sich nach dieser Richtung noch ZAeselguhr- und Gelatine-Dynamit, die durch längere Lagerung, selbst bei ungünstigen Temperatur- Verhältnissen, weder eine Qualitätseinbuve erleiden noch zur Selbstentzündung neigen.

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß, wie so manchmal, auch bei den Vorgängen in Frankreich die Schuldigen an der unrechten Stelle gesucht werden: man macht Die technischen Leiter Der Fabriken verantwortlich, statt Die Schuld in dem oben geschil­derten System zu suchen.

Nr. 265

TrtItforntr 2ln)f1get erfdicinl täglich, äuget eo'.mlofiB. - Beilagen: viermal wöchentlich itfocncrifliülitnblätttr, IiüuinnlivMfntl.Kceli' lattfüröcn KreH Aieften wieiafl undreitog);

^ir*: iml nionoll. tand' wnlschasülcheSeitlra^en nmiluicd) - Anschlüsse:

Witterung, Die unsere hohen Staatsbeamten für Verände­rungen im Rcichskanzlcramt haben, scheint zu beweisen, daß Herr v. Bethmann fd)on jetzt ein mortturus, ein Siec­hender ist. Ist das aber nicht der Fall, hält der Kaiser an Herrn v. ^.'ethmaiui-Hollweg fest, so droht Deutschland eine schwere innere Kri,c, eine politische Sturmflut, Die alles Das, was an monarchischem Empfinden noch un deut­schen Volke vorhanden ist, verichlingcn und die Rechte des Kaisers in einer Weise schmälern würde, daß das deutsche Kaisertum dann nur noch eine dekorative Bedeutung hätte

Tie Meinung des Kronprinzen.

Wie das kronprinzliche Hosmarschaliumt bekannt gibt, entspricht dic von derNationalzcitung" gebrachte Notiz, wonach der Kronprinz eine gemeinsame Altion mit seinen Brüdern gegen den Reichskanzler plant, nicht oen Tatsachen.

Es war auch von anderen Blättern noch gemeldet wor­den, der Kronprinz habe sich gegen des Reichskanzlers Po­litik ausgesprochen: dasBerl. Tgbl." sprach sogar davon, daß dies unter drastischen Umstanden geschehen sei. Die Fassung der Berichtigung läßt daraus schließen, daß an der Sache etwas Wahres ist.

Pressestimmen.

Aus Berlin werden uns drahtlich folgende Acuße- rungen Berliner Blätter zur R e i ch s k a n z t c r r e d e über­mittelt:

DieBossische Zeitung" widmet dem Thema Kanzler und Kronprinz" einen Leitartikel. Sie fragt:

Haben wir eine Kanzlerkrisis? und jährt, nachdem sic ein­gehend Das Kopsnicken, freuDigc Lächeln, HänDellatschcn Des Thronsvlgers bei Den HeyDebranD schen Kraftstellcn gc- schildert hat, fort: Ter Kronprinz ist in Der politischen Arena erschienen, ob mit ober ohne Plan gegen ben Rcuyskanzler, jeden- f all s nicht zu seiner Unterstützung. Tas ist ent Ereignis von nicht zu nnterschävenDcr Bedeutung. Ter Kanzler vertritt Die Politik des Kaisers, Der Thronfolger macht auS feinem Mißwi 11 en kein Hehl. Möglich, Dau im AuSlande sogar Die Behauptungen austauchen, kein geringerer als Der i u - künftige Kaiser stehe an c e r S V i b c Der deutschen Kriegspartei. Tieier Aufsai'ung mod,ic Das Blatt entgegen^. - ten, sagt aber zum Schluß: Es sino seltsame Zustände in einem monarchischen Staatswesen, das eine sozusagen einheitliche Re­gierung hat, und es kann und muß ein ossentiicher Gegensav zwischen Kanzler unD Kronprinz besprochen werden.

TasBerliner Tageblatt":

Als man sah, wie Herr v. Heydebrand Den bedrängten Kanzler fallen ließ, schien das Die Bestätigung Der allgemeinen Austastung zu sein: Herrn v. Bethmanns ReDe war em Grab- unD Schwanengesang! Trotzdem ist cs wahrscheinlich. Daß Herr v. Bethmann Hollweg nicht genötigt fein wirD, sich vor Dem fast einstimmigen Tadelsvotum zurück- n- ziehen. Ter Kaiser hält ihn einstweilen noch, er hat ihm noch gestern während Der Sitzung durch eine Tinereinlabung fein Vertrauen ausgebrückt. Tie Rebe bes Kanzlers nennt bas Blatt voll logischer Widersprüche und lückeuhast. Sie ver­wische nicht ben Einbruck, baß bie Vorbereitung ber Aktion un- -ureichenb war unb läßt ben Einbruck bestehen, baß die Krcuzer- fahrt nach Agabir nur geschähet, aber nichts genützt bat. Tas Pathos des Abgeordneten v. Heydebrand nennt das Blatt salsw. Tie Mißerfolge, vor Denen wir ftänDcn, fielen Der Partei Des Herrn v. HeyDebranD zur Last. Tie Temonstration Des Mron- prinzen gegen Die Bethmannfchc Politik erscheint Dem Blatt höchst beDenklich. Noch nie, solange ein Parlament existiere, habe man wohl ähnliches gesehen, noch nie habe man in einem halbwegs georbneten Staatswesen beobachtet. Daß ein Kronprinz feine Abneigung gegen die kaiserliche Politik und Den verantwortlichen Beamten Des Kaiser- zu erkennen gibt

TieKreuzz ei Lung" beschränkt sich auf ein (Stirn- mnngsbilD, in dem gedrängt der Inhalt der Rede wieder­um eine Eigenschaft der Gewebe ganz bestimmter Organe. WaS nun Die Übertragung Dieser Ergebnisse auf Den Menschen an- gcht, so sagen Die englischen 2lerzte selbst, man dürfe nur bie Möglichkeit ber Vererbung erschließen, ohne sie mit Be­stimmtheit behaupten zu können, ja vielleicht sogar könne man annebmen, in ber Praxis spiele bic Vererbung bes Krebses bum Metlichen gar keine Rolle. Bei ben Versuä)en an Mausen würben nämlich nur krebskranke ober solche mit krebskranken Vorjahren

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