Ausgabe 
10.7.1911 Drittes Blatt
 
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Me mit seiner Firma in Verbindung stehenden Werke um große Summen geschädigt haben. Beispielsweise soll er mit dem Prokuristen eines der größten oberschlesischen Werke ein Abkommen getroffen haben, nach dem an den Liefe­rungen sc Kilo zwei Pfennig aufgeschlagen werden sollten. Auch sollen die gelieferten «Oelsässer nicht voll, teilweise sogar mit Wasser gefüllt gewesen sein. Eine große Aktien­gesellschaft beziffert ihren Verlust auf 90000 Mark. Eine große Anzahl von Hütten- und Grubcnwerken Oberschlesiens ist in Mitleidenschaft gezogen. Als die Sache ans Tages­licht kam, wurde sofort eine ganze Reihe der durch die Kattowitzer Firma bestochene,! Beamten entlassen.

Die Verwaltung der Bismarckhütte in Bcuthen (Ober­schlesien) teilt zu den Betrügereien zum Schaden der Ober­schlesischen Gruben mit, daß die Lieferung der betreffenden Kattowitzer Firma im Laufe des Jahres an Waren etwa 100000 bis 150000 Mark betrage. Die in diesem Zeit­raum von der Firma unterschlagenen Sachen werden, soweit die Bismarckshütte in Betracht kommt, höchstens auf 15 000 Mark geschätzt. Genaue Angaben lassen sich wegen der zurzeit schwebenden Untersuchung nicht machen.

Erdbeben in Ungarn.

Ofenpest- 8. Juli. Heute nacht kurz nach 2 Uhr wurden zwei wellenförmige Erdbeben währgenommen. Das erste dauerte drei Sekunden, das zweite vier, zwischen beiden lag eine Pause von sieben Sekunden. Von manchen Häusern wurde die Feuerwehr angerufen. In einem Hause .stürzte eine Petroleumlampe zu Boden und brannte den Teppich an.

Aus Koßkemet wird gemeldet: Hier richtete das Erdbeben 9 roße Verheerungen an. Mehr als hundert Schornsteine stürzten ein, viele Häuser wankten. Eine I n f a n t e r i e k a s c r n e wurde derart beschädigt, daß die Soldaten umqnartiert wer­den mußten. Die Wände des Rathauses sind dem Ein­sturz nahe, die Fresken sind ganz zerstört. Tie Piaristenkirche und die Synagoge mußten geräumt werden. Tic Gcn-- darmeriekaserne sowie ein Teil! des Ba h nh o fg eb äu- des sind eingestürzt, ebenso die Gebäude des Gerichtshofes und der Escomplebank. Tas Theater hat stark gelitten, das Dach ist teilweise eingestürzt. In Nagy-Körös sollen durch den Einsturz einer Mauer zwei Personen getötet wor­den sein. Aus vielen Ortschaften in der Umgebung Ofcnpests laufen Meldungen über Erdstöße ein, denen Gewitter voran­gingen, obgleich das Wetter ruhig war.

GeriehtsfaaL.

Leipzig, 8. Juli. Vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute der Spionage­prozeß gegen den Taglöhner Hofer er, der beschuldigt wird, den Versuch gemacht zu haben, sich ein neues Artilleriegeschoß zu beschaffen, um es tut ein französisches Nachrichtenamt zu liefern. Ter Angeklagte ist geständig. Tie Oeffentlichkeit wurde für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschloffen. Tas Reichsgericht ver­urteilte den Angeklagten wegen des V e r s u ch e s der Spionage nach § 3 des Spionagegesetzes zu l1/2 Jahren Znchtha u s. Tie Strafe wurde mit der noch unverbüßten Vorstrafe von 8 Monaten

und 10 Tagen Gefängnis in eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Zuchthaus verwandelt. Außerdem wurde auf fünf Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Dein Angeklagten wurden auf Grund seines vorher abgelegten Geständ­nisses mildernde Umstände zugebilligt, doch war die Tat noch immer so schwer zu beurteilen, daß man nicht auf eine Gefängnisstrafe erkennen und sich nur auf eine geringe Zuchthaus­strafe beschränken konnte.

Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauen­seuche in Hessen vom 2. bis 8. Juli 1911.

Kreis:

Am 2. Juli waren verseucht:

Vom 2. Juli bis 8. Juli sind neu ver­seucht :

Vom 2. Juli bis 8. Juli ist die Seuche erloschen in :

Darmstadt.

Bensheim .

Dieburg . . Erbach . . . Groß-Gerau

Heppenheim Offenbach. .

Gießen . . .

Alsfeld . . .

Büdingen. .

Friedberg .

Lauterbach. Schotten. . 'Mainz . . .

Alzey....

Bingen . .

Oppenheim

Worms. . .

Griesheim

Biblis, Schwanheim, Bürstadt, Fehlheini,

Bensheim, Reichenbach

Biebesheim, Tornheim, Erfelden, ^eeheim, Tre­bur, Königstädten, Rüs­selsheim, Nauheim, Dörnberg

Wimpfen, Viernheim

Numpenheim, Hain- stadt, Seligenstadt, Bieber, Tudenho'en

Ettingshausen, Holzheim

Nieder« Erlenbach,

Okarben, Dortelweil, Nieder-Eschbach, Har­heim, Klein-Karben

Wohnfeld Bretzenheim

Wendelsheim, Weinheim

Bechtolsheim, Dolges­heim , Nackenheim, Nieder - Saulheim, Selzen

Bechlaeim, Offstein, Talsheim, Mörstadt Pfeddersheim

Auerbach

Mainz (Schlachthos)

Wald- Uelversheim

Auerbach, Bürstadt

Erfelden, ttünigslädten, Rüsselsheim

Bieber, Hain­stadt, Seligenstadt

Wohnfeld Mainz (Schlachthof)

Eingesandt.

'Für Form und Inhalt aller unter biejer Rubrik stehelrüen Artikel übernimmt die Redatlion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Holzheim. Seit vierzehn Tagen ist in unserer Gemeinde die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und hat sich

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Die Besitzer haben sich die größte Mühe gegeben, um durch Desinfizieren der Ställe und Waschen der Tiere mit Kreolin und Krysol ein weiteres Umsichgreifen der Seuche zu verhüten, was leider nicht gelungen ist. Nun soll auch gleich ge­sagt werden, daß die Kreisabdeckcrci in geradezu unverantwort­licher Weise gehandelt hat, in dem sie zu Anfang der Seuche die Kadaver der verendeten Tiere Tage lang liegen ließ und sie auch vielfach auf offener Straße, statt im geschlossenen Hof­raum verladen hat. Seit Montag hat uns die Regierungs­behörde einen Gendarmen, wie es heißt aus die Dauer von sechs Wochen, in das Torf gelegt, um die Abspcrr- und Verhütungsmaßregel zu überwachen, was in unserer ruhigen, ord­nungsliebenden Bevölkerung große Erbitterung erregt hat. Einen Polizeibeamten schickt uns die Behörde, warum senden sie uns keine Aerztc, die diese schreckliche Seuche mit allen Mitteln ihrer Wissenschaft bekämpft, so sprechen die Besitzer durch­weg. Deshalb die Bitte an die Regierung aus der schwer be­drängten Besitzerschast Holzheims, so rasch wie möglich hier Ab­hilfe zu schaffen, denn mit Polizei-Zwangsmaßregel allein, kann man diese Viehseuche nicht bekämpfen, das hat uns die Erfahrung der letzten Zeit gelehrt. Es sind bis jetzt wohl wie es heißt für etwa 30 000 Mark Vieh verendet; das Ende ist noch nicht abzusehen, da wohl die Bestände der Hälfte der Besitzer von der Seuche noch nicht befallen sind, aber von dieser nicht verschont bleiben dürsten, sollte doch alles geschehen, was geschehen kann, um den Landwirten ihr Vieh zu erhalten. Möchten diese Zeilen den Erfolg in der Oeffentlichkeit haben, das; unserer so hart bedrängten Gemeinde baldige Hilfe wiederführe.

Mehrere Holzheimer.

Verantwortlich für den politischen Teil i. V.: R. Lange.

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Mass erwärme d e r L a h n a m 10. I u l i: 180 R.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 9. bis 10. Juli st- 21,4° 3.

Niedrigste 9. , 10. = -b 15,2'0.

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