Ausgabe 
10.2.1911 Erstes Blatt
 
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Unarte der Minister, daß fetzt zwer Versuche gemacht würden mit der Elektrisierung in einer Flachlandlinie, und auf einer Gebirgsstrecke, und zwar in der Flachlandlinie Magdeburg-Bitter- fellr-Leipzig über Halle, und auf oer Gebirgsstrecke Laubau Hirsch- berg-Königsfeld. Die Elektrisierung dürfe niemals einen Nach- teÜ für den Staat ergeben. In Aussicht habe er gestellt die Elektrisierung von Köln-Düsseldorf und Wiesbaden-Frankfurt. Wenn diese Bahnen noch nicht in Betrieb seien, so käme es daher, daß die städtischen Verwaltungen sich noch nicht auseinandergesetzt haben. Ablehnend verhalte er sich gegenüber der Elektrisierung von Düsseldorf-Dortmund« Rheydt-Neuß, Köln-Elberfeld, Köln- Kassel.

Die Fr eiko n servakiven haben int preußischen Ab-» yeordnetenhause einen Antrag eingebracht, im Bundesrat auf eine AbünderungderBestimmungendesHeeres- ergänzungsgeschäftcs hinzuwirken, in der Richtung, daß das Ersatzgcschaft vereinfacht und die Möglichkeit gegeben wird, bei der Aushebung die bürgerlichen Verhältnisse und die Minder- tauglichkeit der Wehrpflichtigen in weiterem Maße zu berücksich­tigen, als dies nach Lage der geltenden Gesetzesvorschrrsten zu­lässig ist.

Eine Studienfahrt deS Reichstagsaus- schusses zur Vorberatung des Schiffahrts- . abgabengesetzes an den Rhein ist beabsichtigt, falls der Ausschuß seine Absicht, den Entwurf einer Durchbe­ratung zu unterziehen, zur Ausführung bringt. Bei dieser Studienfahrt sollen die rheinischen Binnenschiffahrtshäfen besucht werden.

An Stelle des verstorbenen Abg. Singer hat die sozialdemokratische Fraktion des Reichs­tags den Abg. Molkenbuhr zum Vorsitzenden gewählt. Vorsitzender mit gleichen Rechten ist außerdem der Abg. Bebel.

AuS Wien meldet man: Der Budget«uss chu ß beendigte die Verhandlung über die Regierungsvorlage, betreffend die ita­lienische Rechtsfakultät. Der Einigungsantrag Skedl, das die italienische Fakultät vom Wintersemester 1911/12 provi­sorisch für vier Jahre in Wien errichtet und sodann auf italienisches Sprachgebiet verlegt werden soll, wurde angenommen. Die Be­stimmung der Regierungsvorlage, daß einzelne Vorträge auch in deutscher Sprache gehalten werden rönnen, ebenso die Be­stimmung, daß bei der Prüfung der Kandidaten die volle Kenntnis der deutschen Sprache jicherzustellen ist, wurde auf Antrag der Italiener abgelehrck. Dagegen wurde die Entschließung Roresedsch, betreffend die Riziprezität der Agramer Studien und vorbereitende -Maßnahmen für die Errichtung einer slawonischen Uni- p e r s i t ä t angenommen.

Der Gesundheitsausschuß der französischen Kammer beschloß, den ^Ministerpräsidenten zu ersuchen, er möge für die baldige Emberufung einer internatio­nalen Konferenz eintreten, die damit beauftragt wer- r>en solle, über Mittel zur Eindämmung der P e st - u n d d e r Choleragefahr zu beraten. Der Obmann dieses Aus­schusses, Lochaud und der Pariser Abg. Dr. Meslier, beab­sichtigen, sich demnächst in Begleitung mehrerer Bakterio- iogen in die Mandschurei zu begeben, um die Seuche an Ort Uni) Stelle zu studieren.

Aus Petersburg wird gemeldet: Seit längerer Zeit wurde Müschen Rußland und China über eine Anzahl strittiger Fragen verhandelt. Wie zuverlässig verlautet, sind die Verhand­lungen augenblicklich zum Stillstand gekommen. Tie Hauptstreit- punlle sind folgende: Erstens: China verweigert die Genehmigung der Errichtung eines russischen Konsulats in Schara-Lumes, dem Hauptort des 1905 neugebildeten gleichnamigen Bezirkes in der Nähe von Kobde. Es behauptet, daß der -Vertrag von 1881 Ruß­land rare berechtigt, ein Konsulat in Kobde zu errichten, das aber seit der Gründung von Schara-Lumes für den Handel bedeittungs- los geworden sei. Zweitens verhindert China entgegen bem Kertrag von 1881 den Handel russischer Kaufleute mit Waren Uichtrussischen Ursprunges in außerhalb der großen Mauer ge­legenen Gebieten des Reiches, wodurch besonders der Teehandet getroffen wird, der den russischen Kaufleuten im Verkehr mit den Nomaden als Münze dient. x-

Der Vorsitzende des Budgetausschusses der russischen Reichsduma Alexejenko erklärte einem Be­richterstatter der Petersburger Telegraphen-Agentur, daß die vorläufigen Berechnungen des Staatsbudgets für 1911, obgleich die Arbeiten des Ausschusses noch nicht abgeschlossen seien, ihn doch schon zu der Verjicheruna berechtigten, daß die Einnahmen, die ordentlichen und außer­ordentlichen Ausgaben um nicht weniger als zwanzig Millionen übersteigen werden. Von irgendwelcher Anleihe sei keine Rede.

Aus Athen werd gemeldet: Venizelos brachte in der Kammer Gesetzentwürfe zur Revi,ion der Versagung und der Geschäftsordnung ein.

Heer und Flotte.

Breslau, 9. Febr. Der kommandierendeGeneral des 6. Armeekorps, General der Infanterie v. W o y r s ch, ist, wie dieSchlesische Zeitung" meldet, vom heutigen Tage in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens zur Disposition gestellt worden.

21 us Stadt unO Land.

Gießen, 10. Februar 1911.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Eine lange wichtige Tagesordnung erregte gestern die Redefreudigkeit unserer Stadtväter so sehr, daß nicht alles er­ledigt werden konnte. Immerhin wurden mehrere bedeutsame und höchst erfreuliche Beschlüsse gefaßt. Dazu ist vor allem die Bewilligung eines Eh censol des für alle Veteranen mit weniger als 2000 Mk. Einkommen zu rechnen, die einstimmig erfolgte. Eine Besprechung rief dieser Punkt nur insofern hervor, als die ursprünglich in Aussicht genommenen 36 Pik. den Stadtoätern zu wenig waren und auf Vorschlag des Beig. Georgi eine Erhöhung auf 50 Mk. eintrat. Auch die Be­willigung der Gelder für die Bearbeitung des Bahn- projekteS Gießen Gladenbach erfolgte einstimmig, ebenso die für eine notwendige Abänderung des Kleebach, bahnprojektes. Es trat bei der Beratung klar ziilage, daß die Stadt Gießen gewillt ist, ihre VerkehrSinterefsen mit starker Hand zu wahren, schiedlich-sriedlich, wenn es den Nachbarn so gefällt, im Kampfe für die berechtigten Gießener Interessen, wenn es nicht anders sein kann. Die Ver­dienste des Oberbürgermeisters, sowie der Stadtvo. Gabriel und Friedbergerindleser Frage fanden lebhafte Anerkennung lind es ist nun zu hoffen, daß ihnen auch der Erfolg nicht fehlen wird. Ten größten Teil der sehr ausgedehnten Vechand- langen nahm jedoch die Gießener Rathausfrage in Anspruch, d. h. der Plan, die alte Klinik zu einem wür­digen städtischen Verwaltungsgebäude rlmzubauen und alle städtischen ^lerntet darin zu vereinigen. Die meisten Redner sprachen sich mit mehr oder weniger Wärme für dieses Pro­jekt aus. Dagegen sprach Stadtv. Löb er, der von dieser Konzentration der städtischen Aemter im Südteil der Stadt eine weitere Benachtelligung de« schon sehr geschädigten nörd­

lichen Stadtteiles befürchtete. Herr Löber sand die Unter­stützung des Beig. Georgi, sowie der Stadtv. Haubach und Friedberger und erreichte so viel, daß über die Sache noch nicht entschieden wurde, um eine gründliche Prüfung der wichtigen Angelegenheit zu ermöglichen.

*

** Tageskalender für Freitag, 10. Febr.. Stadt- t Seat er:Die zärtlichen Verwandten" undDer ß etter", Anfang 8 UhNj ;

- Psarrpersonalien. Der Großherzog hat den Oberpfarrer Hermann Bern deck zu Michelstadt auf fein Nachsuchen aus Gesundheitsrücksichten von der Uebemahme der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Eberstadt enthoben und dem Pfarrer Johannes Paul zu Seligenstadt die evang. Psarrstelle zu Eberstadt übertragen.

* Die künstlerischen Bestrebungen der Gegenwart. Welche Förderung Handel und Gewerbe von den künstlerischen Bestrebungen der Gegenwart erwarten dürfen, zeigte Dr. phil. Ernst Cohn- Wiener, Charlotten- burg, der im Auftrag des Kaufmännischen Vereins und des Ortsgewerbevereins in der großen Aula der Universität einen durch viele Lichtbilder unterstützten Vortrag hielt. Der Vortragende führte zunächst Alt-Nürnberg im Bi.de vor, das wie ein Gewächs der Erde ist, worauf es steht, wie der Baum, der seiner Eigenart treu in Wuchs und Aussehen als ein Produkt des ihn nährenden Bodens erscheint. Wie die im letzten Jahrhundert entstandenen Städte und Stadtleile sich vielfach durch eine ermüdende Regelmäßigkeit und Ver- Wendung geschmacklosen Zierats und unechter Stuckarbeiten unvortellbaft auszeichnen. Dieser Uebergang zur Geschmack- losiakeit hatte seinen Grund zunächst in der durch die fran­zösische Revolution bedingten Aenderung der Anschauungen. Der vorher streng durchgeführte Jnnungszwang wurde als unwürdige Freiheitsberaubung angesehen und über Bord geworfen. Dann die Erfindung oer Dampfmaschine, die infolge der weitgehendsten Arbeitsteilung den Handwerker selbst zu einer Art Maschine machte, der seinen Blick unmög­lich aufs Ganze richten konnte. Der Handwerker von früher war zugleich ein Künstler, und der Künstler scheute sich nicht, den Gedanken selbst in die Tat umzusetzen, also Handwerker zu werden. Der Form entsprechend verwandte man das passende, gediegene Material, und ein Meister hätte sich unmöglich gemacht, der von diesem Grundsatz abgegangen wäre. Als aber Dichter und Denker wie Carlyle und andere darauf hinwiesen, daß arbeiten Sittlichkeit und Leben be­deute, da besann man sich auch bei uns, und es entstand eine neue Renaissance, die sich an die Namen Alfred Messel, Paul Schulze-Naumburg, vor allem aber an die Künstler­kolonie in Darmstadt anknüpjt. Diese Künstler gingen von dem Grundgedanken aus, daß sich die künstliche Form vollständig mit der Zweckmäßigkeit zu decken hat. Von Darmstadt aus haben sich diese Bestrebungen weit über die Grenzen Deutschlands ausgebreitet und ihren Einfluß auf alle Gebiete der Kunst und des Ku nstbo.no Werks ausgeübt. Man sucht nicht mehr zu bestechen ourch auf getragenen Firnis und nichtssagende, unzweckmäßige Verzierungen, son­dern man wählt ein,ache, dem Zweck und Wesen des Gegen­standes entsprechende Formen, die den Vorzug praktischer Brauchbarkeit beiitzen und sucht dem kaufenden Publikum auch hinsichtlich oes Preises Rechnung zu tragen. Deutsch­landist zurzeit führend auf diesem Gebrete, wie oie Brüsseler Weltausstellung einwandfrei gezeigt hat. Schon reichen sich di? einzelnen Berufsstände oie Hand und sind so im­stande, Einyeitlia)es in Kultur und Kunst zu leisten. Wenn dann der .Abnehmer in richtiger Würdigung der tatsäch­lichen Verhältnis e Kunst und Handwerk unterstützt, indem er die billigen und schlechten Gebrauchsgegenstanoe zurück­weist und nur Gediegenes kau,t, bann tarnt das Wort wieder zu Ehren kommen: Gott grüß' die Kunst. Reicher Beifall lohnte die treulichen Ausführungen des Redners.

* Maui- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Kirrweiler, Bezirksamt Landau, Regierungsbezirk Pfalz; Bad Dürkheim, Bezirks­amt Dürkheim, Regierungsbezirk Pfalz; Schwegenheim, Bezirksamt Germersheim, Regierungsbezirk Pfalz; Pirk ach, Bezirksamt Neustadt a. A., Regierungsbezirk SJtittelfranfen; Ktrr 1 ach, Amtsbezirk Bruchsal, Baden; Wiefern, Amts­bezirk Pforzheim, Baden.

Landkreis Gießen.

Klein-Lind en, 9. Febr. Im Deutschen Hof hielt der Konsumverein feine Generalversammlung ab. Der Jahresbericht zeigte ein sehr günstiges Bild. Nach Abrech­nung der Verwaltungskosten und der Rücklagen verbleibt ein Ueberschuß von 6000 Mk., der als 6prozentlge Dividende zur Verteilung kommt. Während die Ausgaben nur 42 060 Mark betrugen, beläuft sich die Einnahme auf 53 000 Mk. Die Mitgliederzahl hat sich seit der Gründung des Vereins genau verdoppelt mit) stieg auf 121.

Watzenborn-Steinberg, 9. Febr. Wegen Spenden von Freierer war unsere Bürgermeister wähl für ungültig erktärt worden. Gestern wurde nun der seit­herige Bürgermeister Balthasar Hirz abermals gewählt. Er erhielt 221, sein Gegner Joh. Hirz IX., dagegen 191 Stimmen.

-n. Lollar, 9. Febr. Die Vorarbeiten für die am nächsten Sonntag statt,inoende Geslügelausstellung sind soweit vorgeschritten, daß der Katalog in den ersten Tagen erscheint. Die Anmeldungen sind so reichlich ein ge­tan en, daß der geräumige Scherösche Saal nur durch die neuangelegten prattischen Engelmannschen Käfige in der Lage ist, alles Angemeldete aufzunehmen. Preisrichter ist Herr Södler, Burg-Meder-Gemünden,

Kreis Büdingen.

-l- Büdingen, 9. Juli. Das zweite Gastspiel deSMit­telrheinischen Verbandstheaters", veranstaltet auf Veranlassung der Ortsgruppe Büdingen des Wohlfahrtspflege- Vereins, hat ein zahlreicheres Publikum, im Saale desFürsten­hofes" versammelt, als dies bei der ersten Vorstellung der Fall war.Der Pariser Taugenichts" ist eines jener, vor beinahe 50 Jahren auf die Bühne gebrachten Lustspiele, die ab und zu aus der Fülle neuerer Bühnenwerke wieder hervorgeholt und beifällig ausgenommen werden. Die Rotten lagen durchweg in guten Händen, wenn auch nicht oerlannt werden kann, daß sog. yoienroiten «.Ella Wüt>lmh atv Louis in der Titelrolle) dem Zuschauer ein gut Teil derIllusion" wegnehmen, das Stück stlbst auf einer Reihe von Unwahrscheinlichkeiten aufgebaut ist. Max Ludwig (General Graf von Morin) traf den Vater und General vortrefflich, Hans Johanuy (Eduaro) wurde der in diesem oiüa wenig üeneiuei.^iuLiint.u.te ourcy Spiel iuü)

Maske gerecht. Ottilie Grunert, die die streng auf Reputation, adelige Herkunft und elegante Toilette haltende Schwägerin des Generals darstcllte und mit ihrem Spiel ine größte Heiter­keit erregte, war so recht an ihrem Plahe, nicht minder die au, den guten Ruf ihres Mannes und ihrer Enkellinder ängstlich be­dachte Großmutter Meunier (Lina Töldte). Margarete Meilsch (Elise) verkörperte durch seelenvottes Spiel das folgsame Enkel­lind, das betrogene Mädchen ui tu schließlich oie gluariche Braut unb Schwiegertochter. Arthur Rhode, der durch hie von dem

Mainz,

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kam ins Hospital.

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9. Febr. Der 19jährige Milchhändler Joh. A. SDlitter aus decHeringsbrunnengasfe hat sich vier " ' _ i Kopf geschossen. Dec Schwerverletzte

Ec soll die Tat deshalb verübt haben.

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Die Pest in Lhina.

C Harb in, 9. Febr. Gestern sind 30 Chinesen und eilt Europäer an der Pest gestorben. Nach bem Aericlst des russig scheu Konsuls in Darren ist dort die Pest erloschen. Wie verlautet, isr in Wi-2schu unter den Koreanern die Pest auä* gebrochen.

Berlin, 9. Febr. Die Deutsch-Asiatische Bank flibt staunt, such eiMr soebyr eiugetpotteneu. Depesche fei he»

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Bruder Taugenichts so erfolgreich herbeigeführte Wendung Geschick seiner Schwester außer Kurs aesetzte, viel schwatzende, sonst aber mutig zurückweichende Freier Bizot hatte die Lacher besser in der Gewalt wie seinen Regenschirm, der sich gegen dasAuf­gehen" ebenso zu sträuben schien, wie am Beginn der Vorstellung der .Bühnenvorhang.

Kreis Friedberg.

& Butzbach, 9. Febr. Der Butzbacher Fasel-, Zucht» Vieh- und Schweinemarkt fanb heute bei sehr güm stigem Wetter statt. Zugleich Hütte die Landwirtschafts, kammer einen Saatgutmarkt eingerichtet. Beide siei> anstaltungen waren gut besucht.

m. Nieder-Mörlen, 9. Febr. Heute fand hier die feierliche Einweihung des neuerbauten Schulhauses statt. Bürgermeister Dey begrüßte die Erschienenen und übergab das neue Gebäude seiner Bestimmung. Pfarrver­walter Schnell sprach im Namen des Kirchenvorstandes der Gemeinde, und Schulvertretung feinen Dank aus für die Opferwilligkeit, mit der das für die Heilte Gemeinde immerhin schwierige W^rk beendet worden sei. Das Ge­bäude enthält zwei große Schulsäle, Garderoberäume, Zeichenzimmer, im ersten Stock zwei Wohnungen für ver. heiratete und eine solche im Mansardenstock für unverheira, tete Lehrer und kostet ohne Grund und Boden etwas über 50000 Mk. Die Zahl der Lehrer beträgt jetzt 4, die der Schulkinder 189.

Starkenburg und Rheinhessen.

"a Darmstadt, 9. Febr. In den letzten Wochen wurd-e in den für diese Zwecke hergerichteten oberen Räu- men bet Lanbes-Baugewerkschule un.er Leitung bes Hosbllo- rationsmalers H. Nooer ein Ausbildungsrur sus für Dekorationsmaler abgehalten, dessen Haup^zwei^ darin bestand, in Vergessenheit geratene alte Techniker wieder aufleben zu lassen und sie an Stelle der eben ge, bräuchlichen, wenig ansprechenden Oel- und Leimfarben­anstriche zu setzen. Die rege Beteiligung an diesem Kurse läßt hoffen, daß die aus den drei Provinzen des Landes gekommenen Kursteilnehmer mit dazu beitragen werden, diese Techniken wieder zur Geltung zu bringen. Die von den Teilnehmern gefertigten Arbeiten sind im oberen Stock, werk des Neubaues der Landesbaugewerischule, Neckarstr. 3, von Montag den 13. bis einschl. Samstag den 25. d. M, der allgemeinen Besichtigung zugängllch, so daß auch bem Publikum Gelegenheit gegeben ist, sich baoon zu überzeugen, welch schöne Abwechslung in Behandlung von Wänden, Türen und Möbelstücken h^er mit verhältnismäßig e.n^acheo Mitteln geschaffen werden kann.

! Mainz, 9. Febr. Minister v. Homberg! empfing gestern die beiden Präsidenten des Mainzer Karnevaloereins in Audienz, um die näheren Einrichtungen für den morgen bevorstehenden Besuch des Großherzogs zu bestimmen. Der Großherzog, der kurz nach 8 Uhr an bet Stabthalte im Auto- mobil von Darmstadt eintrifst, wird in dem Terrassensaal von dem Komitee begrüßt und begibt sich von dort zur Halle, cruf dem Wege bilden die Prinzen- und Ranzengarde Spalier. Der Grouherzog nimmt mit seinem Ge,olge ir einer für ihn errichteten Loge Platz und will der Sitzung bis zum Absingen des letzten Choniedes bllwohnen. Hierauf erfolgt ebenfalls im Mtomobll die Rückfahrt nach Darm.

weil er wegen mißgestalteter Fußzehen nicht zum MilitärdicnK i s genommen wird.

Hessen-Nassau.

--- Ro d h eim a. d. lieber, U. Febr. Der angekündigte! Vortrag des Tierzucht-Jnspeltors Stanjek von 33 leb en. topf überDüngun g" wirb wegen Verhinberuug bes Vortragenbew erst am nächsten Mitt-woch ben 15. bs. bei Gastwirt Schlierbach gehalten werben.

-j- Hermann stein, 9. Febr. Ter zur Bewerbung ausgeschriebene Erweiterungsbau unseres Sch ul Hauses erinnert an die Zeit, wo auch unsere Gemeinde noch zu dem Gcoßherzogtum Hessen gehörte. Wie uns bei dessen Eröffnungs­feier (Weihnachten 1904) mitgeteilt wurde, hat dicfes neue Schulgebäude in seiner Entstehung ein volles Menschenalter erlebt. Ein alter, ehemals hessischer Lehrer hat näiulich das erste Baukapital geliefert, indem ihm s. Zt. auf Ver­fügung der Regierung zu Darmstadt von seinem Gehalte ein Teil in Abzug gebracht roncber den die Gemeinde als Bau­fonds angelegt hat.

X Naunheim, 9. Febr. In der Lahn rourbe die 78jährige Witwe Konrad Bill VII. als Leiche gefunden« Tie altersschwache Frau trug sich schon lange mit bem Ge­danken, sich das Leben zu nehmen.

X. Gelnhausen, 9. Febr. Die Stempelfabrikanten Wilhelm, Jakob und Karl S. waren früher in der Bergern, fchen Fabrik tätig und gründeten Dann ein Konrurrentz-' geschäst. Sie stunden im November v. I. vor der Straf- tammer in Hanau unter der Anklage, sich während ihrer Tätigkeit bet der Firma Bergern Geschäftsutensilien an­geeignet und bei Herstellung iyres Katatoges Abbildungen von deren Stempelmustern benutzt zu haben. Das Urteil lautete gegen I. S. wegen Diebstahls und unlauteren Wett­bewerbs auf zwei Monate Gefängnis und 200 Mk. Geld­strafe, gegen W. S. wegen des gleichen Vergehens zu 2 Divnaten Gefängnis und 150 Mk. Geldstrafe, gegen K. S. nur wegen unlauteren Wettbewerbs zu einem Mo­nat Gefängnis und 150 Mk. Geldstrafe. Auf ihre Revision beim Reichsgericht, das sie, soweit es sich um das Urteil wegen Diechiahls handelte, verwarf, im übrigen ihr aber stattgab, verhandelte nun die Straftammer und verurteilte I. und W. S. wegen Diebstahls zu je 6 Wochen Gefäng­nis. Von der Anllage des unlauteren Wettbewerbs er­folgte Freisprechung, uifo;gebe)|cn blleb K. S. straffrei.

H o m b u c g d. l). Höpe, 9. yebr. Der Magistrat wählte ; heute zum Kurdirekror von Homburg oen buchten Netten des Graien Zeppelln-Friedricyshaieir, Grafen Eberhardt Zeppelin. ______

Universitäts-Nachrichten.

(!) Marburg, 9. Fe^r. In der ph.lchTp.^ schen Fakubi tat der hie.igen Universität hab.lui^rt jia) a.n nächsten Mon­tag Dr. phil. Wolf von Unwerth mit einer Antritts­vorlesung über die Bedeutung der nordischen für die deutjche Philologie.