Ausgabe 
11.9.1911 Erstes Blatt
 
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erhalten. Sofort ertönten Rufe: Raus! Hausfriedens­bruch! Als der demokratische P^teisekretär nochmals versuchte, mit dem Hinweis auf die Billigkeilsgründe das Zugeständnis der Redefreiheit zu erlangen, stürzten sich zahlreiche Zentrumsanhänger auf ihn und Mißhandelten ihn.

Die Naisermanöver.

Neustrelitz, 10. Sept. Die hiesige Residenz steht seit heute im Zeichen des Kui s er m a n ö v e r s. Im Laufe des Tages trafen hier ein die Generalfeldmarschällc Graf v. Häseler und v. Boek und Polach, der rusische Gene­ralmajor v. Tatischtschew, attachiert der Person des Kaisers. In der Residenz nahmen Wohnung Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Regent von Braunschweig, der Großher- zog von Mecklenburg-Schwerin und Herzog Paul Friedrich zu Mecklenburg. Heilte abend fand Galatafel statt.

Schloß Boitzenburg, 10. Sept. Der Kaiser ist heute nachmittag 6 Uhr 10 Min. im Automobil hier eingetroffen. Er wurde vom Grafen Arnim empfangen. Der Ort ist festlich geschmückt.

Der Stöötefag in Posen.

Posen, 10. Sept. Ten geschäftlichen Verhandlungen des Städtetages, die heute mit einem Bericht über die Kredit- verhältnisse der deutschen Städte beginnen, während der nächste Punkt der Tagesordnung die Stellungnahme zur Frage der Arbeitslosenversicherung betrifft, ging gestern ein Be- grüßungsabend voraus, zu dem sich ungefähr 500 Delegierte und Gäste eingefunden hatten

Neue Nachrichten aus Persien.

Da der Mortimer Sardar Arschad nicht mehr unter den Lebenden weilt, ist es für Rußland eine Kleinigkeit, sich aus der Bloßstellung herauszuredeu:

Wie die Petersburger Telegraphenagentur erfährt, ist die durch das Reuterschc Bureau verbreitete Aeußerung von Sardar Arschad über die Besprechungen, die er angeblich mit dem russi­schen Botschafter in Wien gehabt hat, erfunden. Ter Botschafter sah weder Sardar Arschad noch den Exschah und tat keinerlei Aeußerungen ihnen gegenüber.

Heute wird von einer neuen Niederlage der Regierungstruppen berichtet; es handelt sich aber wahrscheinlich um die schon am Samstag von uns erwähnte:

Te h er a n, 10. Sept. Einem Telegramm aus Ku m zufolge brachte Salared Dauleh dem Vachtiarenführer Emir Mufakam eine schwere Niederlage bei. Ter Emir zog sich auf Sultanabad zurück, wo er vom Serdar Zafar aus­genommen wurde.

Aus fteikn.

Die LandtagsWahl in Großen-Linden- H-eu chelheirn. Man schreibt uns: In der anrSonntag in Gießen sehr zahlreich besuchten Vertrauensmänner-Ver- sammlung wurde für den Landtagswahlkreis Großen-Linden-Heuch elh eim der seitherige Abg"- ovdnete Bürgermeister Leun-Großen-Linden als Kandidat der deutsch-sozialen und der christlich- sozialen Partei einstimmig aufgestellt.

Deutsches Resch.

In Berlin vereinigte am gestrigen Sonntag ein Be- !grÄßungsabend am Vorabend des 3. intern ationalenKon- gresses für Säuglingsschuh den größten Teil der Kon­greßteilnehmer mit ihren Damen in der Wandelhalle des Reichs­tagsgebäudes. Um das internationale Verständnis zu erleichtern, trugen französisch sprechende^ Deutsche eine blaue und englisch sprechende eine gelbe Schleife, während die grüne Fahne dem italienischen Idiom galt.

Gegen die große Dürre wurde mit Genehmigung des Erzbischöflichen Vikariats in Köln die Reliquie des Hei­ligen Severin zur Verehrung ausgesetzt. Es wird bekannt gemacht, daß in früheren Zeiten bei Mißernten erwiesener­maßen hierdurch Hilfe gebracht wurde.

Ausland.

Das französische Budget für 1912 sieht für Militärflubwesen eine Gesamtausgabe im Betrage von 17 Millionen Franken vor.

Das russische Kaiserpaar, der Thronfolger, die Großfürstinnen und Töchter sind zur Enthüllung des Denk­mals Alexanders II. nach Kiew abgereist.

Auf der Baltischen Werft lief am Samstag vormittag in Anwesenheit des Kaisers, der Großfürstinnen Maria Pawlowna und Helena Wladimirowna, des Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch und mehrerer Minister der dritte russische Dreadnought vom Stapel. Er erhielt den NamenPetropawlowsk". Die Größe, Ge­schwindigkeit und Armierung stimmen mit denen vonSe- bastopol" überein.

Das russische Kriegsministerium erwarb zwölf neue Flugschiffe ausländischer Systeme.

Wie die Petersburger Telegraphenagentur erfährt, ist die durch das Reutersche Bureau verbreitete Aeußerung von Sardar Arschad über die Besprechungen, die er angeblich mit dem russischen Botschafter in Wien gehabt hat, erfunden. Der Botschafter sah we­der Sardar Arschad noch den Exschah und tat keinerlei Aeußerungen ihnen gegenüber.

Das Gesuch des russischen Ministers des Aeußern Sasso- now um Verlängerung seines Urlaubs bis zum Früh­jahre tinrtbe vom Zaren genehmigt.

In Roubaix begannen am Samstag abend wiederum Un­ruhen. Die Lage wurde immer bedrohlicher. 'Die Menge bewarf die Truppen mit Steinen, baute Barrikaden und spannte Drähte über die Straßen. Mehrere Soldaten wurden verwundet. Es wurden acht Verhaftungen vorgenommen.

Aus Täbris wird gemeldet: Der Endjumen bekam aus Teheran von Morgan Schuster siebzigtausend Tomans für den Kampf gegen den Exschah. Hier wird die Sache des Exschahs für verloren gehalten. Es geht das Gerücht, daß die Karadjadag-Fürften Sckmdja ed Danley verlassen haben

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. September 1911.

Der schulentlassenen Jugend

wendet der Rhein-Mainische Verband für Volksbildung (Ge­schäftsstelle Frankfurt a. M., Stiftstraße 32) stärker als seither seine Aufmerksamkeit zu. In der Erkenntnis, daß junge Burschen und junge Mädchen fast noch mehr als Erwachsene «eifrige Anregung und edle Erholung notwen­dig haben, stellt der Verband seine Hilfsmittel (Redner­vermittlung, Diapositive und Lichtbilderapparate, musi­kalische Kräfte, Verbandstheater, Wanderbibliotheken, so­wie seineHandbibliothek für Vereinsleiter") in weitestem Umfange auch für die Jugendarbeit zur Verfügung Der Verband, der auf dem Boden politischer und religiöser Nnrtralitat steht, erstrebt auch in der Jugendarbeit ledig­lich die Festigung des Charakters, die Weckung von Be- geisterungsfähiykeit und Menschenliebe, die Anregung zu möglichst selbstandigein klarem Denken; jede Beeinflussuna der Jugend im Interesse einer politischen oder konfessio­nellen Memung liegt ihm fern. Wie der Verband dieses

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ein Itijäliiißct Slnccl)t von hier gebracht, dem Gemeinderechners Heinrich durch einen Schlag ichwer verletzte.

FC. Bad Salzhausen, 10. Sept.

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Programm inmitten der bestehenden, pond|d)cn uno reli­giösen Jugendgruppen, und teilweise in Verbindung mit diesen durchzuführen gedenkt, geht aus einer Broschüre von Pfarrer Küster, Höchst a. M., überJugendpflege" hervor, die demnächst erscheint.

** Lehrerpersonalien. Uebertrag'en wurde dem Lehrer Wilh. Baußemann zu Ehringshausen eine Lehrer­itelle an der evang. Schule zu Hofheuu (Kr. Bensheim); dem Lehrer Martin Geißler zu Beuern eine Lehrerstelle an bei Gemeindeschule zu Watzenborn-Lteinberg; dem Schulamts- aspiranten Rob. Hase mann aus Kaiserslautern eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Gau-Heppenheim. Be­stätigt wurde der van dem Fürsten zu Stolberg-Werni«erode- Gedern auf die erledigte erste Lehreri'telle an der Gemeinde­schule zu Usenborn präsentierte Lehrer Friedrich Wilhelm )JZ e i n i n g e r zu Bernssel b.

Bon b er Gendarmerie. Gendarmerie - Wacht­meister Daum der Station Lich ist vom 1. Oktober ab nach Ruppertenrod versetzt Genbaimerie - Wuchtmeiller Webe, von der Station Gießen wirb am 1. Oktober als StatiouS- rührer nach Lich versetzt.

** Volksschullehrer als Militär-Kranken­wärter der Ersatzreserve. Seit einig 'n Jahren wur­den Einj.-Freiwillrge, besonders Votksfchuli'ehrer, die der Ersatzreserve überwiesen worden waren, zu mehrwöchigen Hebungen als Militärkrankenwärter eingezogen. Nach dem Sckulboten für Hessen" soll das in Zukunft nicht mehr geschehen. Die Militärkommission des Hess. Landeslehrer- vercins teilt darüber mit:Wie von kompetenter Seite mitgeteilt wird, hat der KriegZm!nister eine Verordnung erlassen, wonach Einjährig-Freiwillige überhaupt, ebenso als Staatseinjahrige dienende Lehrer nicht mehr in der Ersatzreserve herangezoaeu werden dürfen. Soweit solche Personen noch in der Ersatz-Reserve stehen, ist von einer Heranziehung zu Uebungen abzusehen." '

** Die öffentliche Versammlung des Mo­tor-Klubs Gießen (des Allgemeinen deutschen Auio mobil-Klubs) war nicht so rege besucht, wie man eigent­lich erwarten hätte müssen. 'Sie wurde von dem Vorsrtzen- den, Herrn W. Do et er, eröffnet unb Chemiker Teich man n legte in sachlicher Wei,e dar, wie der Unfall des Herrn Kronenberg bei Marburg zustande gekommen sei. Man faßte auf Grund des Vortrags nach Schluß eine Entschließung, im allgemeinen darauf einzuwirken, daß bei Eisenbahn-Uebergängen die Schranken weiter von den Schienen entfernt sein müßten. Weiter wurde das Ein­gesandt vom Samstag über die Staubvlage besprochen. Ferner wurde angeregt, daß die zur Reichssteuer gestem­pelten Einnahmen aus der Besteuerung der Autos zur bundesstaatlichen Steuer umzuwandeln sei und in jedem Bundesstaat die Einnahmen je nach Frequenz auf die ein­zelnen Provinzen verteilt würden, nut dem ausdrücklichen Hinweis, »daß diese Einkünfte nur für den Wegbau ver­wendet werden dürften. Nachdem der Vorsitzende noch einmal den Zweck des Zusammenhaltens der Automobilisten und Motorradfahrer in einem gemeinsamen Klub schil­derte, wurde, die Versammlung geschlossen.

Marokko-Versammlung. Die bereits angefün- bigte Versammlung, in ber Prioatdozent Dr A. Wirth- München überMarokko, eine deutsche Macht- und Ehrensrage", sprechen wirb, findet am Montag, 25. b. Mts. in Steins Garten hier statt.

Selbstmorb. In seiner Wohnung erschoß sich heute morgen ein hier bediensteter unverheirateter Kutscher.

Verhaftung in ber Nenbeler Mordaffäre. Wie uns mitgeteilt würbe, ist im Zusammenhang mit ber Nenbeler Morbaffäre ein gewißer Hch. Müller von Nieber- Dorfelben verhaftet worben. M. soll mit dem Gunberlocb öfters zusammen gewesen sein unb auch in ber Morbnacht die Autofahrt von Hanau nach Nieber-Dorfelben mitgemachl haben.

** Gewitter und Regen. Am Samstag nach­mittag und abend entluden sich fortgesetzt schwere Ge­witter über unserer Gegend, die neben einem erheblichen Sturm heftige Niederschläge brachten.

"Da das Gemüse teuer wird und gegen das Frühjahr hin noch nicht bageroefenc Preise erzielen bürste, sollten Gartenbesitzer noch fleißig Grünkohl an bau en'. Die Anpflanzung bieser als schmackhaftes Wintergemüse ge- schätzten Kohlart ist ber anbauernben Trockenheit wegen viel­fach versäumt worben. Das Versäumte läßt sich aber noch teilweise nachholen, benn Grünkohlpflanzen werben nicht ime anbere Gemüsesetzlinge überftänbig und wachsen trotz ber Trockenheit sehr leicht an, wenn man vor dem Setzen jedes Pflanzenloch voll Wasier gießt. Im September gepflanzter Grünkohl bleibt zwar kleiner als der früh angebaute, er wird aber zarter als dieser unb gibt einen lohnenden Ertrag.

Landkreis Gießen.

Lich, 11. Sept. Gegen 5 Uhr nachmittags kam gestern über unsere Stadt ein heftiges Gewitter, bei dem ein Blitzstrahl den Schornstein des Friedrich Uhl so beschädigt, daß der Schornstein sofort außgebeffert werden mußte.

b. Reinyardshain, 10. Sept. Bei dem am Sams­tag gegen Abend entstandenen Gewitter schlug der Blitz tn die Ho fr eite des hiesigen Landwirts Hch. Sprän­ge l. Das Dach des Wohnhauses sowie die nebenstehende Lcheuer wurden von dem Feuer vollständig vernichtet. Sämtliches Heu, Stroh, Grummet und einige fast neue landwirtschaftliche Maschinen, die sich in ihr befanden, ver­brannten mit.

Kreis Büdingen.

X Gelnhaar, 10. Sept. Gestern, gegen 4 Uhr nach- mittag§, türmten sich ganz unerwartet von drei Seiten mächtige Gewitterwolken in der Umgebung des Ortes auf- seit Wochen war kein Tropfen Regen gefallen, man hoffte ' endlich auf ergiebigen Regen. Der Regen trat auch ein ' aber schon nach einigen heftigen elektrischen Entladungen l zündete ein Blitzstrahl. Die Scheuer des Otto Bel- i ling er stand im Augenblick in hellen Flammen. Die i ganzen ungedroschenen Früchte verbrannten. Der Be- trvftene ist nicht versichert und erleidet großen Schaden < Das Feuer konnte weaeii Wassermangels nicht gedämpft werden; die vorbeifließende Bleichenbach war fast trocken : nur zwei Brunnen in der Nähe gaben Wasser. Zwei ' kleinere Gebäude mußten niedergerissen werden, damit das Feuer nicht auf die Nachbarhosreiten üb ergreifen konnte ' Das Vieh wurde gerettet. Auch im benachbarten Kefen- j rob zündete der Blitz, mehrere Gebäude, Häuser und i Scheunen brannten nieder.

Herzog und die Großherzogin von Hessen und der Fürst zu Solms-Hohcn-Solms-Lich werden hier am 24. Sept, der Feier der Grundsteinlegung zum ersten deutschen Kaufmannserholungsheim beiwohnen.

Kreis Alsfeld.

§ Ruppertenrod, 10. Sept. Nach drei Tagen heißen Sommerwetters entluden sich gestern mehrere Ge­witter über unserer Gemarkung. Dem ersten Gewitter, das von Norden kam, ging ein orkanartiger Sturm voraus. Der Staub wirbelte so dicht durch die Lust, daß der Tag sich verfinsterte. Hier fand gerade die Gemeinde-Obstversteige- rung statt. Der Sturm schüttelte eine Menge Obst von den Bäumen, riß Aeste ab und stürzte Bäume um. Die elek­trischen Entladungen der Gewitter waren so stark wie im Hochsommer Die Regenmengen, die sielen, waren nicht reichlich. Die Gewckter dauerten die Nacht hindurch. Heute blaut der Himmel wieder.

Kreis Lauterbach.

** Obstbau im hohen Vogelsberg. Die Leser dürfte es interessieren, zu hören, daß in dem 430 Meter über Meereshöl)e gelegenen Bergstädtchen H er b stein nicht nur die gewöhnlichen Obstsorten bei rationeller Pflege noch gut fortkommen, sondern sogar Aprikosen und Pfir­lich e; letztere allerdings z. Zt. nur als Spalierobst an der Südseite des 1902 neuerbauten evang. Pfarr- und Schulhauses: Der jetzige Inhaber, Pfarrer Zinn, ein großer Obstfreund und dankbarer Schüler der Friedberger Obftbauschule, pflanzte versuchsweise in den Jahren 1903 und 1904 etwa 60 vermiedene Obstsorten, meistens Zwerg­obst, die sich fast durchgehend aufs beste bewährten. Da­runter befinden sich auch eine großfrüchtige Aprikoss (von Nancy) und drei Palmetten von Ede lpfirsichen 'Frühe Amsden, Frühe Rivers und Königin der Obst­gärten). Die Spaliere wurden in tief rayotten unb brai­sierten Boden gepflanzt und nach allen Regeln ber Obst­baukunst gepflegt, lieber Erwarten gut haben sie bie ihnen zuteil gewordene Pflege gelohnt. Sie zeigen tadellos ge­sunden nud kräftigen Wuchs und liefern schon 45 Jahre lang regelmäßige Ernten von Früchten in solcher Menge und, was Aussehen, Größe und Wohlgeschmack anlangt, von so vorzüglicher Beschaffenheit, wie man sie im Rhein­gau und an der Bergstraße nicht schöner zu sehen unbi nicht saftiger und aromatischer zu genießen bekommt. Wäh­rend sonst hier die frühesten Pfirsiche (Amsden) zwischen dem 12. und 15. August ihre ersten reisen .Früchte zei­tigten, konnten in diesem ungewöhnlich heißen Sommer schon am 25. Juli die ersten vollkommen reifen Pfirsiche gepflückt werden. Auch bei den anderen Sorten ist die Reifezeit dieses Jahr drei Wochen früher als sonst. Wir bemerken noch, daß die Pfirsichspaliere früher des Winters mit Fichtenreisig und Packleinen bedeckt wurden, aber im letzten Winter blieben sie unbedeckt, und auch künftig will man von Bedeckung absehen, weil man die Erfahrung ge­macht hat, daß unbedeckt gebliebene Partien der Spaliere sich gerade so gut winterten als bedeckte. Man sieht also, daß unser Vogelsberg lange nicht so schlimm ist wie fein 9igif und daß auch in den höchsten Bergen noch das Land dem seine Genüge gibt, der es mit Siebe unb Sorgfalt bebaut. Unb wenn wir auch nicht jedem an jedem Ort raten wollen, Pfirsiche zu pflanzen, so doch Aepfel unb Birnen in bekannten und bewährten Sorten und auch neueren und edleren Sorten gegenüber nicht allzu ängstlich zu sein. Setzt man den richtigen Baum an den richtigen Platz und pflegt ihn richtig, dann gilt auch für den hohen Vogelsberg noch oer alte Pomologenspruch;

Hast du einen Raum, Pflanz' einen Baum, Und pflege sein; Er bringt dir's ein.

~ Lauterbach, 10. Sept. Gestern nachmittag zog über die hiesigen Fluren ein schweres Unwetter, das mit einem orkanartigen Sturm einsetzte und von starken elektrischen Entlaoungen begleitet war. Tie auf dem Felde überraschten Landwirte eilten entsetzt nach Hause. In den meisten Häusern mußten wegen der eingetretenen Dunkel­heit die Lichter anaezündet werben. Der nach bem Sturm niebergegangene Regen fiel aber nur sehr spärlich unb erst die folgende Nacht, in der noch verschiedene schwere Gewitter aufzoaen, brachte den lechzenden Fluren nach monatelanger Pause wieder einen erquickenden Regen. Leider hat der Sturm erheblichen Schaden an den Obst­bäumen angerichtet und vieles unreife Obst unb Aeste ab­geschlagen. Durch ben Blitz würbe an den elektrischen' Leitungen verschiedener Schaden verursacht.

Kreis Schotten.

n. Ober-Seibertenrod, 9. Sept. Bei dem heute nachmittag auSgebrochenen Gewitter schlug der Blitz in die Scheuer des Landwirts Siehr ein, ohne zu zünden. Das erst kürzlich errichtete Gebäude ist sehr beschädigt.

Kreis Friedberg.

rm. Bad-Nauheim, 10. Sept. Ter Verband der hessischen Verkehrsvereine hielt heute hier eine Sitzung ab, zu der zahlreiche hessische Städte ihre Vertreter geschickt hatten. Als Gäste waren anwesend Kreisrat Schliephake, Kurdlrektor v. Frankenberg, Bürgermeister Tr. Kayser und eine Anzahl Stadt­verordnete. In der Verhandlung wurde zunächst über Bild- | schmuck in den Eisenbahn zügeu verhandelt; es wurde ein Antrag Bad-Nauheim angenommen, die Beteiligung den ein­zelnes Vereinen zu überlassen, über Form und Ausführung ist eme Einigung mit der Eisenbahnbehörde herbeizuführen. Die Dioramenausstellung in Berlin, die von den deutschen Verkehrsvereinen veranstaltet ist, soll, soweit sie Hessen betrifft, im nächsten Frühjahr in Bad-Nauheim zur Ausstellung wmmen. Wegen des Kostenpunktes soll noch mit der hessischen Regierung verhandelt werden, lieber die Angebote der Illustrierten Zeitung, lotoie des Reclam-Universurn, eine Hessen-Nummer her­auszugeben, wurde zunächst Beschluß nicht gefaßt.

x Ba d-N au h e i m , 9. Sept. Im Kurhaus wird am Dienstag Dr. Martin, der durch die Herausgabe einer grund­legendenGeschichte des Badewesens" sich verdient gemacht hat, einen Vortrag überDeutsches Bade wesen in vergangenen Tagen" mit Lichtbildern nach alten Origi­nalen zugunsten des hiesigen Heimatvereins halten. Der Aerrteverein beabsichtigt, dem ersten hiesigen Bade­arzt, Dr. Bode, eine Gedenktafel zu widmen.

-l- Butzbach, 9. Sept. Gemeinderatssitzung vom 8. September. Dem im Ortsbauplanentwurf, betreffend den Teil südlich und westlich der Taunusstraße; hier I. Parallel­straße zur Kaiserstraße, eingczeichneten Straßenzug zwischen der Hochweiseler- und Tcrunusstraße m-o-n wurde zugestimmt. Be­züglich des Geländes zwischen Mainweser-BahnNiederweiseler unb Griebler Straße ist der Gemeinderat damit einverstanden, daß bie Kleine Wendelgasse in die Niederweiseler Straße nach bat un Ortsbauplanentwurf eingezeichneten Siniai eüunündet. Bei-'