Ausgabe 
8.4.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfa&t 20 Seiten.

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wenig zeitgemäß inngeftaltet: Handel, Landwirtschaft und

O.-Burg zu Rheinbreitbach.

Rudolf Herzog.

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wurden von dec Zweiten Kammer noch und die Landgcmcindevrdnung unter

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Tu nut der Jugend, sie mit dir, O Auierstehungsivunder!

Tie pietit aur alles Kunstgezier Und den Aeilheieuplunder.

Tie stürmt mit fchweigendem Gemüt Ins jonnemvarn.e Leben, Und hageU's m die Psirsichblül', Herrgott, halb blüh'» die Rebell 1 Und nah'» dte '.Weifer, gratngesinnt. Und deuteln deine Tugend, Weil» eiaub |ie und verschollen sind, Fährst du ms Land der Jugend.

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Dach und Fach gebracht und zwar leider nicht unter Be­rücksichtigung berechtigter liberaler Wünsche. Tie Erste Kammer hat die Bestimmung gestrichen, die den Volks-

Kriegslasten aufgewalzt haben. Bis das große, noroa,rika- nische Kolonialreich seinem Mutterlande rechte Freude be-

schullehrcrn bei Gemcindewahlen das passive Wahlrecht ver leihen wollte. In der Zweiten Kammer hat man diese Aenderung schließlich hingenommen. Wir glauben, diese Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte eines Standes ist weder zeitgemäß, noch durch besondere Befürchtungen gerechtfertigt. Durch solche Ausnahmebestimmungen wird nur bist es Blut gemacht. Man hätte auch die Gemeinden nicht in dieser Weise zu bevormunden brauchen; wollen sie keinen Lehrer in ihrer Vertretung, so brauchen sie ihn eben nicht zu wählen. Aber das soll niemand die Oster­ferien verbittern, auch den Lehrern nicht, deren Ansehen sicher nicht gemindert wird. Mögen sie darin Trost fin­den, daß man bei diesem Gesetzesparagraphen von der Erwägung ausgegangen ist, das Lehreramt stehe zu hoch und bedeutungsvoll da, als daß man es den Wogen eines Wahlkampfes preisgeben möchte.

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Eine neue .Heilmethode. Die Forschungen der letzten Jahre haben gelehrt, daß die besonderen Wirtungen mancher Mineralwasser nur ihren Gehalt an sogenanntenRadiutn- cmanationen" zurückzulühren sind. Daraus erklärt sich auch die bis vor wenigen Jahren ungelöste Frage, wie es kommt, daß eben diese Mineralwässer, an Ort und Stelle ihres Hervor­tretens aus der Erde genossen, eine viel stärkere Wirkung ent- salten, als bei Hauskuren. Aus der Versammlung der öster­reichischen Badeärzte in Salzburg hat nun Dr. Ensbrnnner einen ungemein interessanten Vortrag gehalten über Einspritzungen mit natürlichem radioaüivem Mineralwasser an der Oucllc Diese nur unter genauester ärztlicher Kontrolle anwendbaren Ein­spritzungen haben sich als vollkommen schmerzlos, und in einer Reihe von Krankheitsfällen als^anßcrordentlm) wirkungsvoll und heilträitig erwiesen. In allen Fällen wurde eine ganz bedeutende Besserung erreicht, besonders bei der Gicht. Tie Gelenkschmerzen wurden unter dieser neuen Behandlungsmethode, die natürlich erst noch von anderen Seiten nachgepcüst werden muß, völlig zum Verschwinden gebracht, die Gclenhtchrvellungen schwanden und die gestörte Beweglichkeit wurde besser. Ein 30jähriger In­valide wurde arbeitsrähig. Auch Nervenschwäche und Blutarmut erfuhren eine wesentliche Besserung. Der Entdecker dieser Be­handlungsmethode schreibt die meinen dieser Erfolge den Ein- ipritzungen mit natürlichem^ radioaktivem Mineralwasser direkt an dec Ouelle zu, da alle Fälle schon jahrelang wenig erfolgreich behandelt worden waren.

D i e Einkommensteuer auf dem Meere. Auch in England entfaltet in diesen Tagen die so wenig populäre Ein- kommenneuerbehörde ihre allzu eitrige Tätigkeit und hat nun die kleine Gemeinde Brightlingsea an den Küsten von Es«ex in Helle Aufregung versetzt. Seit sage und schreibe 22 Jahren entert einige 3uJ [utcice vom uicr ^..istrnt iu ^uuiacht de^ Mr. Bayard Brown, eines reichen Amerikaners, den eine Laune dazu getrieben hat, das Meer zu seiner Heimat zu machen. Seit 22 Jahren zeigt man jedem Fremden die geheimnisvolle Jacht, die stets

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§ 5

Silberne Hochzeit öes württembergilchenilönigspaares.

Am 8. April find es 23 Jahre, daß sich der damalige vermutliche Thronfolger, der jetzige König Wilhelm 1L von Württemberg, in zweiter Ehe mit der Prinzessin Char­lotte zu Schaumburg-Lippe vermählt hat. Jedermann wußte, daß der Prinz seine vier Jahre früher verstorbene erste Gemahlin, die Prinzeß in Marie zu Waldeck und Pyr­mont, mit der ihn die innigste Liebe verbunden hatte, noch immer aufs schmerzlichste beweinte und sich zu einer neuen Verbindung nur im Bewußtsein entschloß, daß es eine FürstenpfJcht zu erfüllen galt. Das evangelische Württem­berg mußte feinem künftigen Könige dafür warmen Dank; war doch damit von neuem die Möglichkeit einer Fort­pflanzung der evangelischen Linie des württembergifchen Königshauses geboten eine Hoffnung, die sich freilich nicht erfüllen sollte.

Tas württembergische Königspaar fühlt sich eins in der Neigung zu einer schlichten Lebensführung von bürgerlich vornehmem Zuschnitt. Das hat sich sofort beim Regie­rungsantritt Wilhelms II. gezeigt, als er das riesige Königs- schloß zu beziehen verschmähte und in seiner vorher schon innegehabten Privatbehaufung, dem sogenannten Wilhelms- palast, wohnen blieb. Tie Pflichten der Repräsentation werden erfüllt, soweit es eben die Würde, die Krone er- heischt, aber von Freude an irgendwelcher Prunkentfaltung ist leine Rede. Mit um so größerem Vergnügen macht der König den Gastgeber, sei es nun, daß er die Teilnehmer an Kongressen in das berühmte maurische Sommerschloß Wilhelma zum Gartenfest bittet oder Vertreter der Beamten­schaft, Kunst, Wissenschaft und Industrie um sich zu gemüt­lichen Herrenabenden im Wilyelmspalast versammelt. Auch die Königin bewegt sich, wenn sie von der steifen Etikette entbunden ist, mit natürlicher Munterkeit in diesen Kreisen.

Aller Kunst steht das württembergische Königspaar freundlich fördernd gegenüber, ohne einseitige Parteinahme für bestimmte Richtungen. Tie bildende Künft hat feit dem Regierungsantritt Wilhelms II. in Stuttgart einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Das Hoftheater,

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reiten wird, darüber werden noch lange Jahre vergehen. Handwerk, sowie die teck)nifche Hochschule in Daimstadt, Und wer weiß, ob, wenn Frankreichs An,prüche wachsen wer-' werden in ihr künftig je einen Vertreter bekommen.

Das deutsche Kronprinzenpaar ist, wie es in den amt­lichen Berichten heißt, von der Bevölkerung in Rom mit großer Herzlichkeit ausgenommen worden. Einzelne Privat­meldungen der deutschen Presse stellen das anders dar; danach sollen die Italiener zum großen Teil zu Hause ge­blieben sein und fick kühl verhalten haben. Halten wir uns an die Trinksprüche, die am Donnerstag zwischen dem König und unserm Kronprinzen gewechselt worden sind, so werden wir auch daraus nicht viel klüger. Fast schien es, als wären die deutschen Worte noch um einen Ton herz­licher gewesen als die phrasenreichen Sätze des Königs Viktor Emanuel, der zwar von seinemtreuen Freunde und Ver­bündeten", von denintimen Beziehungen Italiens und Deutschlands" gesprochen, aber es sorgfältig vermieden hat, irgendeine Versprechung ober Verheißung für die Zukunft zu machen. Tas in der Ansprache des Kronprinzen er­wähnteprophetische Kaiserwort" Wilhelms I.:Wir und unsere Söhne müssen immer Freunde bleiben", hat sich, so würde der Kronprinz sich noch deutlicher ausgedrückt haben, bis heute verwirklicht. Deutschland wird sich darauf einrichlen müssen, auch oyne Italiens Bnndnistreue in schweren Tagen fertig zu werden.

Unsere hesfischen Kammern haben vor Toresschluß noch Beschlüsse von weittragender Bedeutung gefaßt. Am Tiens- tag hat die Zweite Kammer entschieden, daß Hessen das direkte Wahlrecht bekommt. Ter Kampf, der schon lange Jahre dauert, hat schließlich die Parteien und die Kämpfer ermüdet. Wäre jetzt kein neues Wahlgesetz zustande ge­kommen, so wäre die Gelegenheit zu einer zeitgemäßen Um­gestaltung des bestehenden Wahlrechts auf Jahre dahin ge­wesen. Darum in es erfreulich, daß in der Volkskammer das Streben nach der er,orderlichen Einigung gesiegt hat. Gewiß, das neue Gesetz hat Schönheitsflecke. Wir haben es schon im vorigen Jahre ausgesprochen, daß das Plural­wahlrecht für Fünfzigjährige iein glücklicher Gedanke ge­wesen ist. Und gerade wir in Gießen haben uns heute nicht eben freudvoll mit der Tatsache abzusinden, das; der Vor­ort Wieseck mit seinem erheblichen Genossenlager dem Gießener Stadtwaylkreis zugeteilt wird. Alles in allem bedeutet jedoch aas neue Gesetz einen Schritt vorwärts. Anfängliche Schwierigkeiten, an denen alles zu scheitern drohte, sind beseitigt worden. Die Zahl der städtischen Mandate ist von 10 auf 15 vermehrt worden; Darmstadt und Mainz erhalten künftig je 3 Abgeordnete, Gießen, Offen­bach und Worms je 2. Tie kleinen Städte Friedberg, Als­feld und Bingen behalten ihr Mandat. Die Zahl der ländlichen Mandate wird in ieder der drei Provinzen um eines vermehrt. Man hat sich damit abfinden müssen, der Ersten Kammer einige Zuaeständni,se zu machen: so sollen neue Anforderungen non über 200 000 Ml., die durch An­lehen aufgebracht werden müssen, als Gesetzesvorlage auch der besonoeren Beratung in der Ersten Kammer unter­liegen. Dagegen wird nie Erste Kammer ein ganz klein

Scheffel.

Zum Gedächlnistag am 9. April.

Hei, wie zur Nacht der Sturmmmd schnob Gekläff und Hornqeschinelter!

Vorn Psirsichvaum die '-blute stob Iu Schnee und Hagelwetter. Es hüllt sich der Philister ein Zahnllappernd in die Spreuen . .. Ter thooeniiem, der Rodeniiein Ter Scheffel laßt ihn reiten!

Und glaubet an den Geist ihr schon, Denkt noch em Stücklein weiter: Ter Joseph Victor tu Person Dünkt mich so Geist ioie Retter. Tte Bäume biegt er, daß es kracht, Und morsches polz zersplittert, Und wenn er durch die Vinte lacht, So meint ihr, es gewittert!

Und wenn mit Singen er beginnt, Gevatter, welch em Grausen! Bet Gott, so seiüzt kein Frühlmgsivind, So sauchzt ein Jrühlingsbrausen, Tas sich um Erd und Hmiinel jagt, Jung, forsch und ohne larfein. Und das den Seidel danach fragt, Cb die Perrürfen wackeln.

O Joseph Victor! Csterzeit Ist loieder in den Landen, Tie Zeit der Jugendieligteit, Tie du io lies veriianden. Ein piertelhuiioert Jahre liegt Tern Leib mt Grab gebettet, Torf; wer den Zaubrer glaubt besiegt, Ter har sich bös verwettet.

Tie neue Jugend strömt durchs Tor Ter alten Alma water, Und ivo geübt em Burschenchor, Ta luttlfi du als Berater, Und ivo Gesellen wandern geh'», Streust du die Somienlichter, Und 100 Verliebte träumend steh'n, Gedenlen dein sie, Dichter.

Jcl; weiß, mein Sehnen hing dir an, Als ich von Haus emjpiungen. Und ioie der Vater jung getan, So tun es bald die Jungen.

unter Dampf liegt, und auf der 18 Matrosen als Mannschaft untergebracht sind. Ein Griff der Maschine würde genügen, um die Jacht ins Weltmeer hinausdampfen zu lassen, aber seit den Tagen, da sie gegenüber der Küste von Brightlingsea Anker warf, ist das nie geschehen. Mr. Brown, der sich in seiner Jacht aus den Wogen des Meeres vor allen Steuerbehörden der Welt sicher wähnte, ist nun aber eines Besseren belehrt worden. Die britische Steuerbehörde sieht in ihm einen Bewohner Großbritan niens, und als solcher soll er auch seine Steuern bezahlen. Man hat ihn aus ein Einkommen bon 200 000 Mark veranschlagt, und wenn er nicht bezahlt, wird man die Jacht zu pfänden suchen, vorausgesetzt, daß Air. Brown es nicht vorzieht, nun doch den Anker zu lichten und einige Kilometer weit ins Weltmeer hiuaus- msegeln. Die Bürger von Brightlingsea aber sind über diese Beiteuerung ihresGastes" empört, denn die Jacht hat täglich Diele Besucher nach dcr stillen Gemeinde gelockt, und da Mr. Brown seinen Proviant in dem Städtchen lauste, verliert Bright- lingiea eine schöne Einnahmequelle, falls derfliegende Ameri­kaner" sich entschließt, den britischen Steuerjägern ein Schnippchen zu schlagen.

Anschütz im Souisleurlasten. Während eines Gastspieles in Königsberg bcnierlte Anschütz bei der Ausführung desEgrnont", das- der Soussleur stiller und stiller wurde. Bei genauerem Vcobaaien entdeckte er schließlich, daß der Mann in seinem Kasten eingeschlafen war. Anschütz selbst fühlte sich dadurch nicht geniert, da er sich nie aur den Souffleur verließ, fürchtete aber für die Straßcnszeue im fünften Akt Verwirrungen und dadurch Unannehmlichleiten für feine Frau, die bas Klärchen spielte. Im Zwischenalt begab er sich daher, wie Die d e u t s ch c Bühne mitteilt, selbst nach dem Soussleurkasten hinab, um den Schläfer zu wecken. Doch alles Schütteln und Rütteln blieb erfolglos: der Souf'leur hatte, um sich gegen die im Theater herrschende Kälte zu schützen, von Zeit zu Zett einen Schluck Branntwein genommen und dabei wobl des Guten zuviel getan, kurz, er war nicht wach zu bekommen.Ter Akt sollte beginnen," erzählt Anschütz in seinen Erinnerungen,Gefahr war tm Verzüge: ich fasse daher den Trunkenen an den erstarrten Beinen, ziehe ihn Pom Sessel und aus dem Sousfleurtasten, lasse ihn in Gottesnamen liegen, setze mich an seine Stelle und fange an zu soufflieren. Bei der zweiten ober dritten Rede bemerke ick), daß meine Frau stutzt, unverwandt nach dem Svuif leurtaften blickt und Mühe hat, das Lachen zu verbergen, al- sie ihren Geliebten, den sie eben zu retten bemüht ist, in voller irdischer Pracht in der Unterwelt entdeckt. Während der letzten Reden der Volksszenc verlasse ick den usurpierten Thron Plutos, lehre zur Oberwelt zurück, gebe Austrag, den Souffleur sorlzu- schassen und zu substituieren und habe dann gerade Zeit, mich aur mein Lager im Kerker zu werfen, um meinen Monolog zu halten.'

politische Wochenschau.

Gießen, 8. April.

Die Parlamente sind in die Osterferien ^gegangen, und in der erwachenden Natur erklingen neue Stimmen: trotz Frost und Sturm trösten wir uns mit den alten, lieben Worten: Es muß doch Frühling werden. Aber eine rechte politische Ferienstimmung will doch nicht aufkommen. Ter Reichstag hat nur mäßige Bruchteile seines Arbeitsstoffes bewältigt, selbst in den Kreisen unermüdlicher Nörgler be­klagt man jetzt die unersprießliche Redewut der Volksver- treter, und 'einer traurigen, höchst ungewissen Zukunft harren all die schönen Hoffnungen und Entwürfe, die der Stolz des Reiches sein sollten: Reichsversicherungsordnung, Strafprozeßordnung, Arbeitskammergesetz, das Gesetz gegen Kurpfuscherei, der Verfassungsentwur, für Elsaß-Lothringen, die Gewerbeordnungsnovelle und das Hausarbeitsgesetz. Und überall Unzufriedenheit, Rüstung für die kommenden Rcichs- tagswahlen. Heute heißt es wieder, es solle doch noch nicht, wie dieVoss. Ztg." verkündet haAe, im Oktober gewählt werden, und demnach würde es eine Herbsttagung dem bekannten, vom Aeltestenrat beschlossenen Arbeits- Programm geben. Und aus dem Auslande bringt der Draht jeden Tag neue unruhige Fragen und Meldungen, die alle keine Frühlingsboten sind, von den Kämpfen und Krisen in der Türkei, den Sorgen der nervösen Franzosen, die eben im Senat wieder pe.fimistische Gedanken über die Weltlage brüten und sich geloben, das Schwert Frankreichs scharf zu erhalten, so daß die englischen Friedens-und Abrüstungs­phrasen auch bei Schwärmern keine besonderen Hoffnungen mehr erregen. Wir werden von unseren westlichen Nach­barn und uberm Kanal beneidet: das ist ein neues Zeichen der Zeit, dessen wir uns in dcr Erinnerung an das Gewölk, das noch vor zwei Jahren so drohend unfern Horizont ver­düsterte, freuen dürfen. Das Werk der Bagdadbahn gedeiht unter deutschen Händen, so daß sogar der alle Bebel in einer Hamburger Rede beifällig dazu nickte, unb die deutschen Bündnis-Aklien sind offensichtlich gestiegen. Aber eine deutsche Gefahr" besteht weder für Frankreich, noch für Englund, noch für irgend ein anderes Land; Deutschland braucht den Frieden und hat auch nur Friedenswerke ge­schaffen.

Was Frankreich so sorgenvoll macht und feinen Söhnen die Klagelieder entlockt, find doch wohl nur die drohenden Vorgänge in Marokko. Dort,aus dem blutigen Felde der Gefahr"', erlebt man eine Enttäuschung nach der andern. Mit wieviel Opfern an Gut und Blut hat man Den Einfluß Frankreichs zu sichern und öle Autorität des Sultans Muley Hasid zu stützen gesucht! Jetzt drohen die aufrührerischen Stämme alles wieder umzuwerfen. Ein bewaffnetes Ein­greifen? Frankreich darf nicht ohne die Zustimmung der beteiligten Mächte handeln. So unterstützt es den in )einer Hauptstadt bedrohten Sultan einstweilen mit Geld. Ter Kampf, den die unzufriedenen Eingeborenen führen, gilt im Grunde auch den Franzofen, die dem Lande die großen

Nr. 84 Erstes Blatt 16J. Zahrgang Samstag, 8. April syst

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für die Redaktion 118, w < polttifchen Teil: August

BLS General-Anzeiger für Gberyeffen

votatlonrdruS und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch. und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5-u!stratze 7. Lanb-^E.Heß-°ür den

bis vorm\uaq*9*uijr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle vahnhosstrahe (6a. Anzeigenteil: H. Beck.

den, man nicht einst in Algeciras oder anderswo wiederI Am Mittwoch zusammenkommen muß, um die gegenseitigen Interessen, die Städteorbiiung wohlerwogen abzugrenzen? *