lieber die Frage, ob die s. Z. geschaffenen 14 neuen Oberförster- Hellen inrebet beseitigt werden sollen, seien die Meimmgen sehr geteilt: ment sollte die beteiligten Fachleute einmal selber darum Befragen. Die Regierung habe ja im Etat die Streichung von -fährt Oberförsterstellen rwrgeschlagen, sie gebe also selber zu, daß tnne Rediuieriing statthaft sei und man dürfe doch wohl <rtv nehmen, daß sie dies imbeschadet ihrer sonstigen Auffassung über Sri« Forstverioalnmg tue.
Abg Dr. Osann ist erfreut ttartoter, üatz die Debatte Über die Forstverwaltung noch zn so interessanten und wichtigen Er- Vlanntgen der 9tegeerunfl Veranlassung gegeben habe. Eine ein» gehende Beschästigutrg mit diesem Elotskapttel könne nur erwünscht fern, berat es bringe dem Staate eine Gesamteinnahme von über sechs Millionen Mars. Man müsse daraus bedacht sein, 'die Einnahmen aus den Walderträgnissen möglichst zn erhöhen, er vermisse aber iwch eine Erklärung bet Regierung darüber, ob nicht aus den Holzfällungen höhere Einnahmen zu erzielen wären, »oas angesicksts imserer jetzigen Finanzlage doch 'stchr erwünscht wäre. Redner spricht sich weiter für öffentliche Holz- versttigerungen aus und betont, daß das jetzige Verfahren des geheimen Abgabegebvtes nicht zweckmäßig sei. Daß bei öffentlichen 'Versteigerungen Ringbildungcn zu befürchten wären, glaube er nicht. Die Einfuhr ausländischen Holzes habe leider stark zu- iflertonrmen. Betti glich der weiteren Verpachtung von Hofjagden spricht sich der Redner zustimmerrd aus. Bei den Ausführungen des Abg. Bähr über das Ordenswesen habe ihn ein gewisses Unbehagen ergriffen: entschieden zu verurteilen sei die ganz« Art, wie der Abgeordnete die Person des Großherzogs nut in vie Debatte gezogen und versucht habe, das ganze Ordens-, und Titelwesen lächerlich zu machen. Der Beamte stehe doch in einem anderen Verhältnis zum L-andesherrn, als der Privatmann, und deshalb sei die Frage sehr schwierig zu beantworten, ob dem Beamten das Recht zustehe, einen Orden obzulehnen, lieber die jüngst in dieser Hinsicht vorgekommenen Fälle wolle er sich «ttueö Urteils enthalten, er gebe aber der Regierung doch zur Erwägung, schon um den mancherlei Mißlichkeiten aus dem Wege zu gehen, ob es nicht besser lötrre, den rmMfriebenen ^Kreisen eine etwas höhere Ordensauszeichnung @u gewähren, !Der Redner bespricht dann die vorgeschlagenen Aenderungen in der Forstverwaltung Und führt weiter aus: Die Kammer dürfe sich nicht das Rocht nehmen lassen, an dem 23er» halten der Beamten Kritik zu üben, auch wenn sich der Beamte 'Ircidji dagegen verteidigen lärme; die Verteidigung (bezüglich! I «Irrer dienstlichen Tätigkeit) habe ja die Regierung zu übernehmen. 1 Notwendig sei dabei allerdings, daß sich der betrefrenbe Abgeordnete i vorher fidjerc. Grundlagen für feine Angriffe verschaffe. Ganz ungerechtfertigt sei der Angriff des Abg. Uedel gegen den Chefredakteur her N. Hess. Volks blätter gewesen, da dieser in der Kammer absolut ohne jeden Verteidiger dastand.
Geh. Oberforsttat Walther gibt über mehrere vom Bor- ;rebner und vom Abg. Dr. Heidenreich bezüglich der Waldkultuv funb des Submissionswesens angeregter Fragen nähere Auskunft.
Abg. Bähr (wild) bespricht seine schon in der letzten Sitzung ierwähnteit Anträge inbetreff des Ordenswesens. Er will zunächst die Ausgabe von 5142 Mark für Ordenskosten int Etat gestrichelt wissen und beantragt, nicht nur 30 000, sondern 50000 Mark als Einnalpne aus StempelgebLhren für Orden einzustellen. Drittens will der Redner für ausländische Orden «erneu höheren Gebührensatz angewandt wissen.
Abg. Lutz ,Bbd.) Kommt auf die verschiedenen Antworten vom Regierungsttsche auf seine Ausführungen zurück. Tie Recht- fertigung des Baustils für die forstlichen Wohngebäude könne ihm nicht gefallen: er sei überzeugt, daß dieser auch von der .großen Mehrheit des Hauses avgelehnt werde. Dieser Baustil sei nicht nur für den Staat, sondern auch für den Bewohn ep dieser Häuser zu teuer. Bezüglich der Schrift des Professors Weber in Gießen, habe er die betber fettige SdKrfe der Erklärungen bedauert: wenn aber der Regierungsvertreter sage, der Ton der Schrift sei „Unerhört", so erweise die Regierung dem Lande toten guten Dienst, wenn sie die fachlichen Vorschläge, die Professor Weber macht, derattig sclyroff zurückweist. Der Redner bespricht
dann noch versMLmre Vorschläge zur Reorganisation der Forstverwaltung.
Abg. Mot hau bemerkt, daß er den umfangreichen Teil der Debatte, der das Ordenswesen betraf, für ziemlich überflüssig halte. Ein solcher Antrag, wie ihn Abg. Bähr hier vorbrachte, gehöre überhaupt nicht vor das Kamnrerplenum, sondern an den Finanzausschuß. Es sei auch unzutreffend, wenn Abg. Bäln behaupte, bet fRegienmg seien damals die neuen Oberförsterstellen aufgezwungen worben. Sclwn damals sei Geh. Rat Wilbrand im Amt gervefen und habe erklärt, daß die Vermehrung der Ober- försterstellen der Reaierunp sehr erwünscht fern werde. Die Regie- neng trag« selbstverständlich ebenso an der Vermehrung der Ober-- förstersteilen die Vermttworttmg mit, wie die Abgeordneten und rram sollte doch besser die Angriffe auf diese unterlassen, die damals doch in der besten Absicht und noch bester Ueberzeugung. gehandelt hätten.
Abg. Dr. Weber (Bbd.) bespricht verschiedene AnregUNaen resp. Einwendungen der Vorredner bezüglich seiner forstlichen Ersparnisvvrschläge und bemerkt, auch er wolle keine Assessorenwirtschaft oder gar bewirken, daß die Beamtenschaft in zwei Kategort« eingekeilt werde. Die Ersparnisse müßten durch eine innere Reorganisation erzielt werden. Man müsse auch mit den bestehenden Verhältnissen rechnen; der Schritt, der damals bei Vermehrung der Oberförsterstellen getan wurde, könne nicht einfach annulliert werden.
Abg. v. Brentano (Zentr.) wendet sich gegen die Kritik, die Abg. Dr. Osann gegen seine Ausführungen gerichtet habe. Er habe ausdrücklich erklärt, daß er weder dem Abg. Ulrich, noch sonst Jemand im Hause bas Recht Der Kritik über Beamte beschränken wolle; er habe sich nur dagegen gewandt, daß Abg. Ulrich auf Grund eines nichtsbeweisenden sog. Protokolls hier so schwere Beschuldigungen, die Abg. Weber „Verleumvungen" nannte, gegen einen völlig intakt dastehenden Beamten erhoben habe. Nach den Ermittelüngen der Regierung stehe fest, daß der Dritte, der das sog. Protokoll mit den beiden Arbeitern aufnahm, sich gar nicht genannt hat; die Annahme, daß Der mit Bleistift an den Rand geschriebene Name „Schmidt" dieser Dritte sei, habe sich nicht bestätigt. Der Redner polemisiert' bann weiter gegen den Abg. Ulrich und betont, dieser hätte doch besser getan, sich offen als den Schuldigen zu bekennen, und nicht feinen Rückzug damit zu verdecken, daß er sich einen anderen Sündenbock aussuche. Das fei eine Impertinenz (Abg. Ulrich ruft: Die liegt auf Ihrer Sette), lieber den Antrag Bähr brauche man wohl überhaupt nicht ernsthaft zu debattieren, er sei auch wohl gar nicht ernst gemeint.
i'lbg. Bähr erklärt, er wolle seinen Antrag nur als ein Ersuchen an die Negierung auf gefaßt wissen, worauf der Präsident feststellt, daß der „Antrag Bähr" dahin gehe, die Regierung zu ersuchen usw.
Abg. Ulrich polemisiert gegen die Ausführungen des Dbg. ti. Brentano und versichert, daß er durchaus loyal gehandelt habe.
Abg. Raab erklärt, daß er von der Regierungserklärung bezüglich des Oberförsters von Jugenheim nicht befriedigt sei.
Bei der nun folgenden Wstimmung wird der Ausschußantrag auf Bewilligung des Kapitels mit allen gegen die Stimme beS Abg. Bahr und 4 Sozialdemokraten angenommen; über die Anträge Bähr wird gegen 6—7 Stimmen zur Tagesordnung über* gegangen.
Damit schließt die Sitzung gegen 2 Uhr.
Nächste Sitzung: Mittwoch früh 9 Ufrr.
Getreide-Wochenbericht
der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 28. Februar bi8 6. März 1911.
Der Getreidehandel verhielt sich auch in der abgelaufenen Berichtswoche durchaus abwartend und nahm von der festeren Haltung der amerikanischen Märkte umsoiveniger Notiz, als man darin lediglich eine Wirkung der zwischen den Bereinigten Staaten und Kanada schwebenden Verttogsver Handlungen erblickte. Ein Gegengewicht Hot übrigens die Verla ufswilligkeit der argentinischen
Ablader, deren Offerten ^war nicht sonderlich ermäßigt toaieen, immerhin aber eine empfindliche Konkurrenz für Rußland du> stellen. Der Umstand, daß sich das indische Angebot infolge der Bedrohung der Ernleaussichten durch starke Niederschläge vorsichtiger zeigte, übte keinen sonderlichen Einfluß auf die Stimmung ans. Ebenso >wenig vermochte eine Herabsetzung der australischen Emteschätzung die Unternehmungslust irgendwie anzuregen. In Deutschlaich bestand für das keineswegs große Weirenangebot auch bei entgegenEonttnenben Forderungen wenig Kauflust, Denn der Export stockt augenblicklich und auch die Mühlen zeigen sich infolge unbefriedigenden Mehlgeschäftes wenig aufnahmesähig. Ganz besonders schwierig gestaltet sich aber der Absatz ausländischer Ware im Inland«. Dadurch veranlaßtes Lieferungsangebot ließ die Preise um 3/* Mk. zurückgchen. Für Roggen war die Provinz im allgemeinen fest gestimmt, und namentlich für spätere Abladung ist das Angebot vom Inlande recht spärlich; andererseits ist für die wahrend deS Winters emgelodene und jetzt heranschwimmende Ware bei den hiesigen Mühlen zu den geforderten Preisen schwer Unterkommen zu schaffen, so daß die Besitzer solcher Ladungen verschiedentlich zu Lieferungsabgaben ihre Zuflucht nehmen mußten. Im 'übrigen scheint 8er größte Teil der Wasserzufuhren aus vorverkauster Ware zu bestehen, auch dürfte manche Ladung nach der Küste abgelenkt werden, da sich in Stettin andauernd Verwendung zum Expott bieten soll. Auch für Hafer war die Stimmung im Gegensatz zum Inlande hier ziemlich matt, da der Konsum nur vorsichtig kauft und keine entsprechenden Preise anlegen will. Interesse bestand meist nur für geringere Qualitäten, die zur ßteferung an die Proviantämter gebraucht werden, auch feine Ware ließ sich verhältnismäßig gut unterbringen, wahrend Mittelqualitäten vernachlässigt blieben. Futter-, gerste war namentlich in bald greifbarer Ware wieder recht fest, und auch für spätere Abladung hielt Rußland auf Preise. Amerikanischer Buntmais sand zu zeitweise ermäßigten Preisen mehr Beachtung. Argentinien hat feine hohen Forderungen diesmal etwas ermäßigt.
Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark vro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr ( + ) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () betgefügt ist, wie folgt:
Wetzen
Roggen
Hafer
Königsberg
200 (— )
146 (+ l1/,)
160 (- )
Danzig
198 (- 4)
148V. (- )
157 (+ 3)
Stettin
104 (— )
147 (- )
152 (- )
Polen
105 (~ )
143 (- )
156 (4- 2)
Breslau
193 (- )
144 (- )
154 (— )
Berlin
196 l— 1)
148V. (- 1)
173 (-- )
Plagdeburg
194 (- 2)
148 (- )
172 (- )
Halle
193 (- 1)
151 (- 1)
172 (— )
Leipzig
196 (- )
152 (~ )
170 (— )
Dresden
196 (- )
148 (- )
164 (- )
Braunschweig
194 i— )
162 (- )
173 (- 1)
Rostock
185 (— 1)
143 (-f- 1)
154 (- )
Hamburg
200 (- 1)
155 (- )
175 <- )
Dusseldori
197 (4- 1)
156 (4- 2)
156 (+ 1)
Fraitkinrt a.M.
202*/, (4-1*/,)
161V, (- )
170 (- )
Mannheim
210 (-
162V, (- ) 172V. (- )
Straßburg
205 (— )
167% (- )
179 (- )
Diünchen
218 (— 2)
174 (- )
178 (- )
W e l t m a r k t p r e i e: Weizen: Berlin Mai 201.00 (— 0.75),
Budapest April 195.05 (— 1.05); Livervol Mai 161.45 (— 1.20),
Chicago Mai 141.45 (— 4.25)
Rogge»!: Berlin
Mai 156.25
(— 0.50). Hassr: Berlin Mai 156.75 (4- 0.35) Mk.
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