auf das der Murg alljährlich beit sechsten vis fünften Teil seiner Zivilliste verwendet, ist unter ihm wieder in die Reifje der maßgebenden deutschen Sckjaubühnen eingerückt. Der König und die Königin sind fleißige Theaterbesucher und interessieren sich für alle Einzelheiten des künstlerischen Betriebs. Non Königin Charlotte weiß man im besonderen, daß ihr die moderne Literatur am Herzen ließt, und baß fte Neuheiten gern vor der Erstaufführung un Druck oder Manuskript liest. Ebenso studiert die sehr musikalische Fürstin die Partituren neuer Opern.
Dem König ist nur ein Kind aus erster Ehe geblieben: die mit dem Fürsten Friedrich zu Wied vermählte Prinzessin Pauline. Der Vater hängt an seiner Tochter wie an seiner Enkelin mit außerordentlicher Zärtlichkeit, und die Fürstlich Wiedsche Familie kehrt immer wieder zu Gast am württembergischen Hoflager ein.
Prunkvolle Festlichkeiten werden zur silbernen Hochzeit von König Wilhelm II. und Königin Charlotte nicht veranstaltet werden: Das wäre zu wenig im Sinne des Jubelpaares. Um ihm auck) einen äußeren Beweis ihrer Liebe darbringen zu'rönnen, haben sich, o'ie Württemberger etwas anderes ausgedacht. Von einem sich über das ganze Land erstreckenden Blum en tag großen Stils verspricht man sich einen reichen Ertrag, der den Majestäten zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt werden soll. Damit wird ihnen gewiß die ihrem Geschmack am besten entsprechende Festfreude bereitet werden.
Stuttgart, 7. April. Der Herzog von Sachsen- Altenburg ist heute früh 7 Uhr 53 Minuten hier eingetroffen und vom König empfangen worden. Gleichzeitig trafen frier ein der Fürst zu Wied sowie der Erbprinz und Prinz Karl zu Bentheim-Steinfurt.
Stuttgart, 7. April. Im Laufe des Tages trafen zu den silbernen Hock^eitsfeierlichkeiten weiter frier ein: Die Prinzen Wilhelm und Albert, sotoie die Prinzessin Wilhelm und Sophie von Sachsen-Weimar, der Erbprinz und das Prinzenpaar Friedrich von Schaumburg-Lippe, sowie Herzogin Maximilian von Württemberg.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:
Tas württembergische KöniaSpaar feiert am 8. April Silberhochzeit. Mit freudigen Empfindungen begeht das schwäbische Land das frohe Fest im Herrscherhaus e, das zugleich in anderen Gauen des Vaterlandes warmen Anterl erweckt. Neben König Wilhelm, der als Prinz 1870/71 mitzu Feldezog und sich langst als hingehender Förderer der gedeihlichen Entwickltmg Württembergs aus allen Gebicien des öffentlichen Lebens, der Kunst und Wissenschaft bewährte, ist die K ö n i g i n Charlotte bestrebt, die Erziehung und Ausbildung des weil licken Geschlechts tat den Bahnen wahren Nutzens fürs Ganze zu leiten und in der Kranken- und Armenpflege mit Iend)tcnbcm Vorbilde vavanzugehcn. Dem 1)0freit Paare, das nahezu seit 20 Jahren den Thron ziert und die Liebe des angestammten Volkes geniesst, gelt n auch fr.utc unsere ehrerbietigsten Glückwünsche. Möge auf ihm in langer beglückter Regierung stets der reiche Segen ruhen, der treuer Pflichterfüllung besck>ieden ist.
Eine Huldigung des Luftschiffes „Deutschland".
Friedrichshafen, 7. April. Das Luftschiff „Deutschland" ist unter Führung des Grafen Zeppelin um 8 Uhr 21 Minuten zur Fahrt nach Stuttgart! aufgestiegen.
Ulm, 7. April. Die „Deutschland" überflog um 11 Uhr in einer Höhe von 120 Metern nahe am Münsterturm vorbei die Stadt. Das Luftschiff hat starken Gegenwind.
Stuttgart, 7. April. Die „Deutschland" kam auf ihrem Flug nach Baden-Baden um 12.45 Uhr von der Filder Hochebene über das Stuttgarter Tal und überflog zur beabsichtigten Zeit, um 12 Uhr 54 Minuten, daS königliche iResidenzschloß, wobei Graf Zeppelin in einem Fallschirm eine Blumenspende für das Königspaar zu dessen silbernen Hochzeit herab- fallen ließ. Das Luftschiff nahm dann die Richtung ins Neckartal und landete kurz nach 1 Uhr zur Vornahme eines Passagierwechsels auf dem CannstatterWasen. Um 3 Ufrr ist das Luftschiff wieder aufgestiegen und hat 3,15 Uhr die Stadt Pforzheim Überflogen. Um 4,10 Ufrr ist es auf dem Fluggelande Baden-Oos glatt gelandet. Es hat zu seiner Fahrt von Cannstatt bis hierher I V- Stunden gebraucht und direkte Linie genommen. Das Luftschiff hat Baden-Baden nicht berührt. In der Gondel befanden sich ungefähr 10 Passagiere.
Die Zrantfurter llniversitätrfrage im preußischen Herrenhaus.
Nachdem im preußischen Ab-geordneteu^crus bereits die Notwendigkeit durgeleat worden ist, über den Frankfurter Plan durch eine Gesetzesvorlage gegebenenfalls zu verhandeln, hat gestern auch das Herrenhaus die An- aelegenheit berührt. Vorher hatte eine Aussprache über den Modernisteneid statt gesund en, bei der Kardinal Kopp die kirchliche Maßnahme verteidigte. Wir geben den Teil der Verhandlungen, bilden Frankfurter Plan berührten, hier wieder:
Geheimrat Professor Dr. Küster-Marburg weist auf die Aufregung hin, die in Marburg entstanden ist, weit in Frankfurt eine Universität gegründet werden soll. Marburg würde am meisten geschädigt werden.
Geheimrat Prof. Dr. Waldeyer: Gegen die Errichtung einer Universität in Frankfurt habe ich keine Bedenken, wenn die notwendigen Garantien für die akademische Einrichtung und den akademischen Unterricht gegeben sind. In Posen und Danzig fehlen Universitäten. Jede Provinz muß eine Universität haben, die ihrer Eigenart entspricht.
Oberbürgermeister Dr. Adickes -Frankfurt tritt für die Errichtung der Universität Frankfurt ein und bestreitet, daß diese Universität andern Hochschulen, insbesondere Marbura, Eintrag tun könne. Die Stellung der Professoren und die Lehrfreiheit sollen in Frankfurt ebenso gesichert fein, wie an ben übrigen Universitäten. Die Universität Frankfurt soll weder irgendwelches Parteiinteresse fördern noch eine rein kommunale Universität sein.
Geheimrat Prof. Dr. Loening: Im Namen zahlreicher deutscher Professoren widerspreche ich der Petition der Rektoren sämtlicher Universitäten, die den Minister ersucht, die Universität Frankfurt nicht zuzulassen. Wir haben noch lange nicht genug Universitäten. ES ist nicht hoch genug anzuerkennen, daß eine Bürgerschaft auS eigenen Mitteln eine Universität errichten will. Dem darf man nicht tu8 kleinlichen Rücksichten entgegentreten.
Staatsminister, Oberpräsident a. D. Graf v. Zedlitz und Trützschler: Sonst pflegen Gemeinden mit dem Hinweis auf die starke kommunale Belastung an die Hilfe deS Staates zu appellieren. Nun kommt die Bürgerschaft der Stadt Frankfurt, allerdings einer reichen Stadt, und will getreu den Traditionen, die aus längst vergangenen Jahrzehnten auf sie überkommen sind, ihre reichen Mittel zur Förderung idealer Zwecke zur Verfügung stellen, die nicht nur lokales Interesse haben. Sind nicht auch die Mittel für die Kaiser-Wilhelnt-Stiftung, die Forschungsinstitute von privater Seite aufgebracht worden? Ich sehe in der Errrichtttna der Frankfurter Universität eine Parallelaktion zur Kaiser-Wil- Helm-Stistung. ES ist selbstverständlich, daß die Universität Frankfurt die Form der staatlichen Universitäten bekommen muß. (Sehr richtig!) Dann aber ist eS nicht richtig, daß wir schon jetzt, wo wir noch gar nicht den vollen Umfang der Gestaltung der Dinge übersehyr lönueu, euu ablehnende Haltung dagegen ein* nehmen.
Prof. Dr. Hillebrand-Breslau: Ich hafte eine abwartende Haltung für geboten, bis mit positiven Vorschlägen an unö frerangetreten wird. Durch die Zusicherung, daß die Universität Frankfurt in jeder Beziehung der staatlichen Autorität unter- worsen sein soll, ist die Sache allerdings einen guten Schritt vorwärts geknnmen. Es ist niltst lange frer, da la§ man es ganz anders. Universitäten können wir freilich gar nicht genug haben, es fragt sich aber, ob eine einzige Stadt die finanziellen Lasten einer Universität dauernd tragen kann. Ich bitte die Regierung, es eingehend zu erwägen, wie sie sich zu einem so folgenschweren Schritt stellen will.
Professor D. Dr. Adolf W a g n er-Berlin: Es ist ein schöner Ruhmestitel für Frankfurt und speziell für Herrn Adickes, was alles die Stadt für die Wissenschaft sckjon getan hat. Eine andere Frage aber ist es, ob daraus die Berechtigung zur Begründung einer eigenen Universität frergeteitet lrt-ri>en kann. Die Geschäfte deS Universitätswesens würden dadurch in eine ganz neue PHase kommen. Es würde eine starke Rivalität der großen Städte entstehen. Eine Universität, die städtischen Einflüssen unterwotsvn. ist, kann nicht so unabhängig fein wie eine staatliche. Die mittleren und kleinen Universitäten sind Brenn punkte des geistigen Lebens, und man darf ihnen die Eristenzfähigkeit nicht unterbinden. Deshalb berührt die Frage der Universitätsgrülchung in Fvanffurt große allgemeine Interessen. Die endgültige Erledigung der Frage sollte nicht durch die Verwaltung allein, sondern im Wege der Gesetzgebung erfolgen. Voraussetzung ttnrb u. a. sein, daß genügende Garantie dafür geboten ist, daß der Staat auch bei der Besetzung der Lehrftühlei einen maßgebenden Mnfluß hat. Zurzeit ist die Frage $itr Entscheidung noch nicht reif.
Der Ausstand in Marolko.
Tanger, 7. April. Aus Fez wird unter dem 3. April gemeldet: Die Lage ist unverändert. Das Heer gegen die Scherarda lagert in guter Ordnung in der Nähe von Tselfat; es kann erst wieder marschieren, wenn der Regen aufhört. Aus Melines wird vom 13. März, gemeldet, daß das Gerücht, Abdul Asis sei zum Sultan crusgerrtfen worden, unbegründet ist.
Paris, 7. April. Die Meldung der „Köln. Zig." aus Madrid, Spanien und Frankreich beabsichtigten in der allernächsten Zeit gemeinsam mit 30 000 Mann in Marokko einzuschreitcn, wird vom Ministerium des Aeußern als vollständig unbegründet bezeichnet.
Madrid, 7. April. In politischen Kreisen wird erklärt, solange Frankreich in ferner Einflußzone in Afrika bleibe, werde die spanische Negierung sich darauf beschränken, jede Eventualität, die sich vielleicht in der spastischen Ein- slußzone ereigne, zu verhüten.
Nach einer Meldung aus Casablanca haben b e i D a r e l Mejar heftige Kämpfe zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen stattgefunden.
Die spanischen Blätter widmen der marokkanischen Frage längere Besprechungen. Die ministerielle „M a n a n a" schreibt:
Der Eintritt Telcassös in das Kabinett Monis frätta voraussehen lassen können, daß das marokkanische Problem eine zugespitztc Form annehmen würde, bis jetzt aber sei jeder Alarm verfrüht, denn von einer Mitwirkung der spanischen Armee in Marokko fei man iroch weit entfernt, da diese Mitwirkung von vielen Verwicklungen abhängig sei, die vorläufig noch nicht eingetreten seien. Die Regierung fei freilich vollkommen davon überzeugt, daß eine Intervention erfolgen müsse, falls sich die Lage äußerst ernst gestalte, was sic jedoch zu vermeiden, sich angc- legen sein lasse.
Reffen.
Reichstagswahlkreis Alzey-Dingen. Verschiedene Blätter melden, daß Pfarrer Korell-Köniß- st ä d t e n beabsichtige, von der Reichstags-Kandidatur rm Wahlkreise Alzen-Bingen zurückzutreten und au dessen Stelle der Landtagsaogeordnete E i b a ch-Pfaffen-Schwabenheim als freisinniger Reichstagskandidat ausersehen sei.
Deutsches Reich.
Der Bundesrat nahm in seiner letzten Sitzung' neue Bestimmungen über die Quarantäne seewärts eingehenden Viehes an. Die jetzt vorgeschriebene Tuberkulinprobe, die sowohl vom veterinärpolizeilichen Standpunkt als unzuverlässig, wie auch im Interesse der Fleischverforgung Deutschlands als eine Erschwerung und Belastung der Einfuhr vielfach angefochten wurde, soll vom 1. Juli 1911 ab Wegfällen und durch die klinische Untersuchung ersetzt werden. Bei der Beratung der Vorlage wurde namens der preußischen Regierung erklärt, daß sie beschlossen habe, unter gewissen Voraussetzungen eine staatlicheQuarantäneanstalt in Saßnitz einzurichten, über die nach den geltenden Bestimmungen auch schwedisches und norwegisches Vieh würde eingehen können.
Zwisck-en Preußen Und Anhalt wurde am 5. April ein Staatsvertrag wegen Herstellung einer Eisenbahn von Wiesenburg nach Roßlau abgeschlossen. Hierdurch erhält die Hauptstadt Anhalt-Dessau eine lang ersehnte bessere Verbindung mit Berlin.
Die Meldung der „Boss. Ztg." über den Termin der Reichstagswahlen wird von politischen Kreisen in Berlin als unzutreffend betrachtet.
Aus Berlin wird uns geschrieben: Das Privat-- b eam tenv ersieheru n gs ges etz wird im Bundesrat so gefördert werden, daß es dem Reichstage spätestens anfangs !Mai zugehen wird. Der deutsch-schwedische Handelsvertrag, über dessen Hauptpunkte eine Einigung kürzlich stattgefunden hat, wird dem Reichstage vor- ausftchtlich Mitte Mai zugehen. Regierungsseitig wird gewünscht, daß der Handelsvertrag vom Reichstage noch vor Pfingsten verabschiedet wird. Das StaatsangeHörigkeitsgesetz wird bekanntlich dem Reichstage in dieser Session nicht mehr zugehen. Der Entwurf wird auch dem Bundesrat erst im nächsten Winter vorgelegt werden, und es ist auch nicht beabsichtigt, den Entwurf eher zu veröffentlichen, als er dem Bundesrat zugegangen sein wird.
Aus Dessau wird gemeldet: Der anhaltische Landtag beschloß die fakultative Einführung der geheimen Wahl zu den Gemeinderäten auf dem Lande.
Ausland.
Die französische Kammer nahm den von dem Senat zurückgekommenen Gesetzentwurf über die Stapellegung zweier Panzer im Jahre 1911 mit 344 gegen 157 Stimmen an. ...
Nach Informationen in türkischen ReaierungSkreisen find die Verband lunaen mit der franz ö fischen Botschaft und der Gruppe der Otto manischen Bank, betreffend die große für Eisenbahnbauten bestimmte Anleihe prinzipiell ab- S'' 'offen. Die Einnahme wird ohne Vermittlimg der T-ette ique audgegeben, und durch Einnahmen der Eisenbahnen und Zollämter Anatoliens garantiert. Auch über die mit Hilfe franzö- sisclnn Kapitals für Rechnung der Regierung in Nord-Anatalien, sowie über die von der Französischen Regie generale in der europäischen Türkei zu bauenden Bahnlinien wurde ein EinvernehmLN erzielt.
Nach einer in Bordeaux cingetroffenen Depesche sollen in der fr anzö sischan alonie ßfaauJUUJ amäß Uuiufrüu auSgebrocheu iäu.
Aus Statt und Land.
Gießen, 8. April 1911.
Palmsountag.
Mit dem morgigen Sonntag beginnt die Karrvoche, die stille Woche vor Ostern, die zur Erinnerung an die Leidensgeschichte von Jesus still und würdig begangen wird. Der Palmsonntag, der in manchen Gegenden and) grüner Sonntag genannt wird, ist nach den Palmen genannt, die JesuS bei seinem Einzug in Jerusalem auf den Weg gestreut worden sind. Zur Erinnerung hieran werden in der katholischen Kirche die Kirchen noch freute vielfach mit Palmen geschmückt. Auch wird in den fatfrolifcfren Gegenden am Palmsonntag die Palmenweifre vorgenommen, während in evangelischen Dörfern und Städten vielfach die Konfirmation auf diesen Tag gelegt ist. Für die evangelischen Bewohner Hessens ist der Palmsonntag gleichzeitig Buß» und Bet tag, der Tag stiller Einkehr und ernster Selbstbetrachtung. Möge er überall in entsprechender Weise begangen werden!
M
** Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nadn mittag 3V2 Ufrr und abends 7Hz Ufrr Faust 1. Teil. Ende frey Spielzeit.
Kunstverein: AL Sonntag neue Ausstellung.
Ausstellung des Verbandes hessischer Privat- architekten: Eröffnung Sonntag vormittag 11 Vs Ufrr, geöffnet bis 30. April täglich von 10 Ufrr vormittags bis 6 Ufrr nachmittags.
Kolosseum: Täglich Lichtspiele.
Kinematograph: Täglich Vorstellung, Biograph: Täglich Vorstellung.
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•• £cfrrerperfonalien. Uebertragen wurde dem SchulamtSaspiranten Ludw. Jourdan auS Walldorf eine Lebrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieoer-Beerbach, der SchulamtSaspirantiu Magdalene Jacobi auS WormS eine Lehrerinstelle an der Gemeindefchule zu Eberstadt (Kreis Darmstadt). — In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Offenbach Sophie Fuchs auf ihr Nachsnchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste, und die Lehrerin an der Viktoriaschule zu Darmstadt Oktaoie Reh auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer treuen Dienste, bis zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit.
*• Ernannt wurde Karl Schmidt auS Lich zum Schreibgehilfen bei dem Finanzamt Hungen.
** Allgemeine Land es kirche«steuern für 1011. Nach den vom Ministerium des Innern genehmigten Beschlüssen der hessischen kirchlichen Behörden sotten im Rechnungsjahr 1911 zur Bestreitung der Bedürfnisse der Gesamtheit der evangelischen Kirche zwölf Prozent, der Gesamtheit der katholischen Kirche fünf und ein halb Prozent Zuschlag zu den direkten Staatssteuern ausgeschlagen und erhoben werden.
** Blumentag. Gestern fand im Reaierungsgebäude unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. U s i n g e r eine Sitzung des Ausschusses für den Blumentag statt, der fast vollzählig erschienen war. Nach einleitenden Worten gab der Vorjitzenoe einen Ueberblick über die beabsichtigten Veranstaltungen und die Organisation des Blumenverkauss. Hiernach soll der Blumentag in der Stadt Gießen am 6. Mai, in den Landgemeinden, von benen nur die mit mehr als 1000 Einwohnern in Fraae kommen, am 7. M a i abgehalten werden. An diesen Tagen sollen junge Frauen und Mädchen möglichst aller Bevölkerungskreise künstliche Maßliebchen zum Preise von 10 Pf. das Stück auf den Straßen, Plätzen, Bahnhof und anderen geeigneten Orten verkaufen. Zur Belebung des Straßenverkehrs sind^ Promenadekonzerte vorgesehen. Wegen Dekoratcon der Schaufenster und Sclimückuna der Häuser sind die erforderlichen Schritte eingeleitet. Die Stadt Gießen wird zum Zweck des Blumenverkaufs in drei Bezirke eingeteilt, und zwar bilden der 1. und 6 Armenbezirk den 1. Verkaufsbezirk, der 2. und 3. Armenbezirk ben 2., der 4. und 5. Armenbezirk den 3. Verkaufsbezirk. Jede Landgemeinde über 1000 Einwohner bildet für sich einen Bezirk. Jedem Bezirk steht ein Bezirksausschuß vor, dem die Durchführung des Blumenverkcküfs innerhalb seines Bezirks obliegt. Innerhalb jedes Bezirks wird eine Geschafts- mit Wechselstelle eingerichtet, von der aus dec Blumenverkauf geleitet wird. Die Blumen werden von den Verkäuserinne« tn kleinen, ausgeschmückten Körbchen, die von den Damen selbst zu stellen sind, getragen. Eine allgemeine Aufforderung an die jungen Mädchen (über 15 Jahres und jungen Frauen GießenS zur Uebernahme des Amtes als Verkäuferinnen wird demnächst ergehen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde alsdann ans dem Ausschuß ein Hauptausschuß gewählt, der die Einzelheiten des Programms festsetzen soll. Ihm gehören an: die Fürstin Solms-Hohensolms-Lich, Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann und Frau, Frau Kommerzienrat Louis Emmelius, Geh. Kommerzienrat Gail und Frau, Frau Geh. Justizrat Gebhardt, Chefredakteur Aug. Goetz, F-rau Dr. Güngerich, Bankdirektor Heichelheim, Stadtverordneter Helm, Max Jaskowsky, Oberleutnant JebmL und Frau, Beigeordneter Keller. Adolf Klingspor, Eduard Krumm, Oberbürgermeister Mecum und Frau, Architekt Hans Meyer^ Bankdirektor Müller, Frau Geh. Medizinalrat Riegel, Fran Ludwig Rinn XIX.-Heuchelheim, Karl Röhr, Bürgermeister Schomber-Wieseck, Hauptmann Schröder und Frau, Provinzial- direktor Dr. Usinacr und Frau, Rcgierungsassessor Wolf und Eisenbahndirektor Zimmermann. Aus bet Mitte des HauptauL- schusses tourbe ein Vorstand gewählt, der die Geschäfte des Ausschusses führen soll. Ihm gehören an: Frau Dr. Usinger als Vorsitzende, Frau Dr. Biermann, Frau Dr. Güngerich, Oberbürgermeister Mecum, Hauptmann Scbröder, Herr Klingspor, alL Geschäftsführer Regietungsassessor Wolf und Beigeordneter Keller« als Schatzmeister die Bankdirektoren Heichelheim und Müller. Ferner gehören ihm an die Vorstände der Bezirksausschüsse, als die gewählt wurden für den 1. Bezirk: Frau Oberbürgermeister Mecum und Frau Kommerzienrat Emmelius, für den 2. Bezirk: Frau Geh. Medizinalrat Riegel und Frau Geh. Justizrat Gebhardt, für den 3. Bezirk: Frau Geh. Kommerzienrat Gail und Frau Hauptmann Schröder. An die Sitzung des Ausschusses schloß suh alsdann eine Besprechung des Haupt- auSschusses an, in der das Programm in großen Zügen festgelegt wurde. Hierüber wird später näheres nutgeteüt werden.
** Das Stadttfreater bat gestern mit der letzten Neuaufführung in dieser Spielzeit einen fefrönen Erfolg gehabt, und die Zuschauer unterhielten sich auf dem „Weg zur 6 ödc" recht gut Die Ausführung, die von Rudolf Goll flott geleitet wurde, war ebenfalls sehr ansprechend. Rudolf Goll loar als Hugo von heiterster Wirkung und Hermann Norden als Schwiegerpapa hatte ebenfalls einen vollen Erfolg. Franzi Koch spielte die Tänzerin mit reizvoller Koketterie, Love Scholz die Schwiegermama mit bärbeißiger Würde. Außerdem machten sich Karl Marx, Karl V 01 ck, Friedrich Timian und Hilde Engel verdient
Landkreis Gießen.
— Lich, 7. April. Ein schrecklicher UngrückS-» fatl, der auf Unvorsichtigkeit ztrrückzuführen ist, hat sich in der Nacht trom1 6. auf 7. d. MtS. auf dem benachbarte« Hof Albach zugetragen. Drei polnische Arbeiter e r stickt en in ihrem Schlafzimmer durch eigenes Vev« schulden Um in der Na.cht eine warme Stube zu haben, hatten sie einen großen Topf mit glühenden Kohlen auf- geftettt und die sich entnückLludLu Aasc fü&Uu chreu Tod feexfrd.


