Ausgabe 
17.10.1911 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

W. Zahrgang

Nr. 244

Gießener Anzeiger

Trfchelnl »glich mtl Ausnahme de» Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

Tie ..«iehener ZamllienblLtler- werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich betgelegt. da» Kretsblart für ben Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tierandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Dienstag, 17. Gttober 19U

Rotationsdruck und Verlag der vrühuschen Universität» - Buch- und Skeindruckeret.

flt Lange, Dießen.

Redaktton, Dxpeditton und Druckerei: Scknck- straße 7. Expeditton und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerDleßen.

vie Zentral-AuLtnnftrftelle für Anrwanderer in Berlin ^V. 35, Am Karlsbad 10, hat im dritten Vierteljahr 1911 11. Juli bis 30. September, in 4277 Fällen Auskunft an Aus wanderungslustige erteilt, und zwar in 3396 Fällen schriftliche und in 881 Fällen mündliche.

Beantwortet wurden insgesamt 5620 Anfragen über die ver­schiedenen Auswanderungsgebiete. Davon bezogen sich 2 4 18 auf die deutschen Kolonien, und zlvar auf Deutsch- Sübroeftafrira 925, Deutsch-Lstasrika 438, Kamerun 67, Togo 37, Samoa 54, Kiautsckwu 34, Deutsch Neuguinea 27, die Karolinen, Palau und Marianen 8, auf die afrikanischen Kolonien im all­gemeinen 162 usw.

Unter den fremden Auswanderungsgebieten stehl Argentinien mit 759 Anfragen an der Spitze; dann folgen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 347, Süd-Brasilien mit 264, Hauaba mit 212, Mittel - Brasilien mit 106, Chile mit 100, Marokko mit 81, Brasilien im all­gemeinen mit 65, England mit 60, der Südafrikanische Bund mit 49, China und Queensland mit je 45, Mexiko und Britisch- Jndien mit je 39, Uruguay mit 37, Niederländisch-Jndicn mit 36, Neu-Südwales mit 35, Frankreich mit 31, Aegypten mit 30, Bolivien mit 29, Paraguay mit 27, Neu-Seeland mit 26, Japan und Rußland mit je 24, die Türker mir 21, die Schweiz mit 20, Italien mit 18, Venezuela mit 17, Peru und Oesterreich-Ungarn mit je 16, Viktoria, West-Australien und Spanien mit je 14, Abessinien mit 13, Belgisch-Kongo und Rumänien mit je 10. Ter Rest verteilt sich auf Columbien, Ecuador, Guatemala, Honduras, Kulm, Nord-Brasilien, Panama, San Domingo, San Salvador, West-Indien, Algier, Angola, Britisch-Oslafrika, Französisch-West- afrifa, die Kanarischen Jnieln, Liberia, Mauritius,Portugiesisch-Lst- asrika und Weslairika, Süd-Nigcrien, Tunis, Zanzibar, Hongkong, Persien, die Philippinen, Siam, Sibirien, Süd-Australien, Tas­manien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, die Nieder­lande, Norwegen, Portugal, Schweden usw. usw.

Es gibt joniit kaum ein Gebiet der Erde, über das nicht Anfragen eingelaufen und beantwortet wären.

Von den 2718 Ansragcnden, die ihr Alter angaben, waren 304 weniger als 20 Jahre, 1741 zwischen 20 und 30, 524 zwischen 30 und 40, 139 zwischen 40 und 50, und 20 über 50 Jahre alt, und von den 3298 Frageitellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, nxiren 2516 ledig, 773 ver­heiratet und 9 verwitwet. Nach dem Berufe waren unter den Ansragendcn am stärksten die Kaufleute, Handwerker und Land­wirte vertreten. Von den Ansragenden bezeichneten sich 261 als mittellos, während über 1100 zum Teil über recht erhebliche Summen verfügten; z. B. 46 über 10000 Mark, 32 über 15 000 Mk., 21 über 20000 Mk., 18 über 25 000 Mk., io über 30000 Mk., 12 über 50000 Mk., 4 über 80 000 Mk., 13 über 100000 Mk. usw. bis zu 800000 Mk. hinauf.

Von den Anfragen kamen aus Preußen 2477, aus Hessen 46.

Die Zentralauskiinstsstelle für Auswanderer erteilt kosten- l o s sdirislliche und mündliche Auskunil.

vom Kranfenlager öes Kaisers Srieörid).

Tas; die behandelnden Aerzte am Krankenlager des Kaisers Diedrich sowohl in der Bestimmung des Leidens als auch in seiner Behandlung nicht einig waren, ist schon lange bekannt. Namentlich der Engländer Mackenzie, der auf Betreiben der damaligen Kronprinzessin zugezogen worden war und trotz seiner Unfähigkeit nachhaltig von ihr gestützt nntribe, machte bei der Operation große Schwie­rigkeiten. Unter welch traurigen Umständen der Kron­prinz sich damals der Operation unterziehen mußte, wird nun durch Veröffentlichungen aus dem Nachlaß eines der behandelnden Aerzte, des Prof. v. Bergmann, bekannt:

DaSBerliner Tageblatt" veröffentlicht aus den demnächst erscheinenden Tagebuchblättern und Briesen Prof. v. Bergmanns Einzelheiten. Hervorzuheben ist aus Briefen, die Bergmann aus San Remo nach der Berufung an das Krankenlager des späteren Kaisers Friedrich an seine Frau geschrieben hat, wie die Aerzte Mackenzie, Krause usw. dagegen pro­testierten, daß Bramann die Operation unter Chloroformierung vornehme. Als Bramann erklärte.

Die letzten Tage von Tripolis unter türkischer Herrschaft schildert der soeben dem(Sortiere della Sera" zugegangene, viele Spalten lange Bericht von seinem rühmlichst bekannten Mitarbeiter Luigi Barzini.

Ehe man m Europa noch ahnte, wohin die Verwicklung führen würde, lag über Tripolis schon eine eigentümliche dumpfe Schwüle. Etwa in der Mitte des Leplentber, io schildert Barzmi die Sachlage, verbreitete sich unter den Türken in Tripolis das Gerücht, Italien plane für den 20. September eine Landung. Man war gerade am Ende des Ramadans, der langen Fastenzeit der Arohammedaner, dem das Bairamsfest folgte,, ein Freuden­fest, von dreitägiger Tauer. Die Jungtürken ließen jedoch die Cafes schließen, und während die Stadt sonst während dieser Zeit von Festesfreude widerhallt, Straßenhändler und Tänzer aus Fezzan sie belebten und abends ein phantastisches Licht sie ein­hüllte, schien Tripolis diesmal verlassen. Nur in den Moscheen Hörle man Brandreden gegen die Ungläubigen. Aeußerlich blieb trotzdem alles ruhig, aber Befürchtungen schlimmster Art bemäch­tigten sich der europäischen Ansiedler. Vom 20. September an nahm die Furcht der italienischen Einwohner von Tripolis zu. Einige flohen schon an diesem Tage nach SJtalta, und die italienische Regierung versah das Konsulat heimlich mit Waffen und 9)hmttun, wovon natürlich im Falle der Not Gebrauch gemacht werden sollte, denn noch sprach nichts für das Ausbrechen offener Feind­lichkeiten. Trotzdem wurde die Frage der Bewaffnung schon eifrig erwogen.

Barzini hatte Gelegenheit, mit türkischen Soldaten zu sprechen, und erfuhr dabei, daß es um die Verteidigung von Tripolis herzlich- schlecht bestellt sei. Tie türkischen Soldaten waren zum Teil überhaupt waffenlos, weil die neuen Waffentransporte noch nicht angekommen waren. Tie Türken verteilten die allen Ge­wehre, soweit sie reichten und verschafften sich alle Hanteele, die in der Stadt aufzutreiben waren. Tie Absichten der Türken hat Barzini, wie man aus den inzwischen eingetreicncn Ereignissen weiß, damals bereits rechtem beurteilt. Er schildert, wie in der Nacht vom 27. zum 28. September eine türkische Karawane mit Gerste, Mehl, Gewehren und Munition ins Jnnland aufbrach, während vom Hinterlandes her Züge von Kameelen eintrafen, die weitere Karawanen bilden sollten. Tie Türken, so schloß er daraus, wollten also auf die Verteidigung von Tripolis selbst verzichten und sich auf einen Krieg int Hinterlande einrichten. Tie Stim­mung der Bevölkerung schildert^ Barzini als den Fremden ziem­lich günstig. Er meint, den Tripolisern sprangen die Vorteile der Fremdherrschaft in Aegypten und Tunis so in die Augen, daß sie beinahe eine europäische Regierung herbeisehnten, ja, wenn man für jedes Gewehr einen eatf Gerste geboten hätte, so wäre das Land im gleichen Augenblicke waffenlos gewesen, wo man dieses Angebot mitgeteilt hätte.

Im täglichen Leben der Stadt machten sich hie drohenden

daß er ohne Chloroformierung nicht operieren werde, wurde fcstgestellt, daß auch keiner der anderen Aerzte operieren wollte. Jeder erklärte, er könne es nicht. Sodann erteilte man Bramann die Zustimmung zur Chloroformierung. Berg­mann stellt in seinem Schreiben fest, daß Bramann bei seiner Operation so gut wie keine Hilfe gehabt hatte, da Krause gleich beim er st en Haut schnitt den Kops fallen liefe. Mackenzie selber gestand, während der Operation mehr tot als lebendig gewesen zu sein. Tas Vergehen liege dann, daß absichtlich nichts geschah, die schwere und gefährliche Ope­ration durch Hinzuziehung von mehr als einem geschulten Chi­rurgen zu erleichtern. Bergmann schreibt:

Stolz bin ich auf Bramann, aber es ist doch, seitdem cs Könige und Operateure gibt, nicht geschehen, daß der nächst dem Kaiser mächtigste Mann auf Erden von einem Sekun- bararH bat operiert werden müssen! Der deut schen Chirurgie unb meiner Berliner Klinik gereicht das Handeln Bramanns zur höchsten Ehre. Daß aber die mit der Behand­lung des Kronprinzen betrauten Aerzte es auf'diese Kunstprobe antommen ließen, das würden sie noch unter Fried- r i ch dem Großen am Galgen zu bereuen gehabt habe n."

Tie Briefe enthalten an verschiedenen Stellen die s ch w e r ft e Verurteilung Mackenzies, der Bergmann eine un­brauchbare Kanüle aufdrängen wollte und dabei so verfuhr, daß Bergmann ihm Lug und Trug in den Briesen vorwirst. Er sagt, er versuche wenigstens sein möglichstes zu tun, um diese n entsetzlichen Kollegen in den Grenzen ärztlichen Anstandes zu halten, die er in wahrhaft zynischer Weise täglich in der Presse überschritt. Trotz voransgogangener Abmachungen hätte Mackenzie am 24. Februar seine Kanüle cingesührt, aber auf die Bitten des Kronprinzen, ihn nicht weiter zu quälen, dann wieder ent­fernt. Erst nach der Untersuchung Kußmauls liefe sich Mackenzie herbei, anzuerkennen, daß Krebs v o r l i c 0 e was er trotzdem am 3. Llpril nochmals bestritt. Am 12. April sand der eiligst herbeigerufene Bergmann zusammen mit Bramann Kaiser Friedrich beinahe am Ersticken wegen Schwierigkeit mit der Kanüle. Schließlich erbat Prof. Bergmann während der fortwährenden Reibungen mit Mackenzie seine Entlassung au-s der Reihe der behandelnden Aerzte und wurde am 3) April du i st, BardÜeben ersetzt.

Deutsches Nerch.

Aus Hubertusstvi. ue<i. ,M das Wolsfsche Bureau: Auf Eiuladung des Kaisers blciot der Reichskanzler bis Dienstag nachmittag in Hubertusstock.

Der Kaiser traf am Momag abeno im Automobil von Hubertussloet kommend in Potsdam ein und begab sich ins Reue Palais.

DieKöln. Ztg." meldet aus Mexiko: In der Unter­suchung wegen der Ausschreitungen gegen Deutsche in Kovadonga erklärte die Regierung neuer­dings, sie beschleunige das Verfahren nach Kräften, es seien aber neue Mitschuldige entdeckt und neues Beweismaterial gefunden worden, dessen Benutzung für eine angemessene und nachdrückliche Bestrafung von Bedeutung sei.

Tie Verhandlungen über die Verlängerung des deutsch-englischen Handelsprovisoriums sind jetzt zwischen den beiderseitigen Regierungen eröffnet wor­den. Tie Verhandlungen werden in nächster Zeit beendet sein, da beide Staaten den Wunsch geäußert haben, daS Provisorium wiederum auf 2 Jahre zu verlängern. Deutsch­land beabsichtigt, einen Handelsvertrag mit England erst 1917 zu schließen. Ein besonderer Handelsvertrag zwischen Teutschland und Kanada wird vorläufig nicht geschlossen werden, sondern das deutsch-kanadische Zollverhültnis, das im Frühjahr 1910 provisorisch geregelt worden war, wird nunmehr auch aus Grund des deutsch-englischen Handels­provisoriums, in das Kanada eingeschlossen werden soll, für die Tauer der nächsten 2 Jahre eingeschlossen sein.

Ter deutsch-japanische Handelsvertrag ist dem Reichstage zugegangen. Ter Inhalt des Vertrages

Kriegswolken kaum bemerkbar. Man wußte nicht recht, woran man war; draußen auf dem Meere sah man die italienischen Fahr­zeuge und jede Nacht erhellten die Lichtbündel ihrer Scheinwerfer bas Meer; ein italienisches Boot soll sogar in einer dunklen Nacht einmal in den Hafen gelangt sein und spioniert haben, aber von ben braunen sichtbaren Fahrzeugen nahm man an, es seien englische Schiffe. Tte Behöroen vermehrten allmählich doch die Sicherheitsmaßregeln, und dadurch entftanb Unruhe unter der Bevölkerung. Tie Furcht der Europäer stteg, weil sie die Gefahr, die ihnen von den Mohammedanern drohte, nach den Sicherheitsmaßregeln obschätzten, die die Regierung traf, und die Araber wieder maßen ihre Befürchtungen an denen der Europäer, und deren Fluchtvorbereilungen beunruhigten sie aufs höchste. Schließlich befand sich Tripolis in dem Zustande der Spannung, die jede Stadt vor einer Belagerung erlebi. Man wußte nichts sicheres. Nachrichten von außen kämm nicht mehr an, aus Staats- gründen waren die Zeitungen unterdrückt, der Postdienft war auf­gehoben, unb die europäischen Geschäfte lagen still; auch die römische "Bank mußte ihre Geschäftsräume schließen. Am 29. Sep­tember kam ein italienischer Torpedojägcr unter weißer Flagge, um dem italienischen Konsulat Sicherheitsvorschriften für die italienische Kolonie zu überbringen. Wieder verließ damals ein Zug Italiener die Stadt, aber die meisten blieben doch noch. Tie Nacht darauf war ziemlich unruhig. Tte Seesttaße wimmelte von Arabern, man sah Patrouillen, man brachte Plakate an, die zur Zttihe aufforderten und insofern zur Aufklärung beitrugen, als das italienische Ultimatum bekannt gemacht wurde. Tie Konsu- latsgebäude wurden von Wachen beschützt, die Soldaten waren in Khaki gekleidet, also bereits in ÄriegSuniform, und hatten sogar die Bajonette aufgepflanzt. Um 2 Uhr nachts endlich trat ein entscheidendes Ereignis ein. Ter Konsul erhielt die Nachricht, was für einen Erfolg das Ultimatum gehabt habe, und nun wußte man, daß man sich im Jtriegejuftanbe befand. Am Morgen des 30. September teilte der Konsul mit, daß alle Italiener Tripolis verlassen müßten. Dieser Befehl war ihm durch Tilger, den deutschen Konsul, übermittelt worden, der nach einem Gespräch mit dem Regenten des Wilajets Tripolis dafür zu sorgen ver­sprochen hatte, daß die Italiener Tripolis verließen, weil der Regem sonst nicht für ihre Sicherheit bürgen wollte.

Um Mittag begann ein trübseliger Auszug der Italiener. Es regnete in Strömen, als man das iton.uiaisgefcaube verließ. Frauen und Kinder gingen voraus, dann folgten die Männer, im Ganzen etwa 120 Personen. Inmitten des Zuges fuhr ein Wagen, der Urkunden und Gelder des Konsulats enthielt. Ter Schlüssel des italienischen Konsulats wurde in Tilgers Hände gegeben. Allen war dabei recht bekümmert ums Herz, unb nie­mand sprach ein Dort. Schweigenb schritt man durch den Regen dem Hafen zu. Türkische Soldaten mit ausgepfianzten Bajonetten säumten den Weg ein, und hinter dem Konsul, der verhetzte des Zuges war, marschierte ein üeiner Trupp türkischer Soldaten,

ist bekannt, da er im Juli halbamtlich veröffentlicht wor­den ist. Dem Handelsvertrag ist eine umfangreiche erläu­ternde Tcnkschrift beigegeben. Bel untlich hatte der Reichs­tag vor feiner Sommervcrtagung c.nen Entwurf betreffend die vorläufige Regelung der Handelsbeziehungen zu Japan angenommen, der die Regierung crmächrigte, den japani­schen Handelsvertrag vorläusig tu Kraft zu fetzen, dis der Reichstag bei feinem nächsten Zusaminentritt seine Zustim- muiig erteilt habe. Wenn diese Zustimmung versagt werde, so ist der Vertrag spätestens bis zunt 31. Dezember 1912 außer Kraft zu setzen. Es ist aber anzunehmen, daß der Reichstag den Handelsvertrag in den nächsten Wochen an­nehmen wird.

Ausland.

Aus Paris wird gemeldet: Turch öffentlichen Anschlag an den Standesämtern wird die bevorstehende Verheiratung des Ministerpräsidenten Caillaux mit Fräulein Rain - cuarö bekannt gegeben.

Aus London meldet man: DemDaily Chronicle" zu­folge sind in politischen Kreisen Gerüchte im Umlauf, nach denen Churchill anstelle von Birrell Ehefsekretär des Lord leutnants von Irland unb der Uuterstaatssekretär des Kolonial­amts Oberst S e e 1 y a n st e 11 e H a 1 d a n e s K r i e g s m i n i ft e r werden soll. Halbane soll für ein hohes richterliches Amt in Aus­sicht genommen sein.

Aus Plymouth wird gemeldet: Ter Prozeß gegen den der Spionage angeklagt en Deutschen M. Schultz wird in der Herbstsitzung des Geschworenengerichts in Exoler zur Ver­handlung kommen, die am 30. Oktober beginnt.

Wie verlautet, ist General Ordonez, der in dem letzten Treffen mit den Marokkanern schwer verwundet worden war, seinen Verwundungen erlegen. Anstelle des im Kampfe ge­fallenen Generals Ordonez tritt General Arizon, Gouverneur von Melilla. Arizon soll durch General Palemo ersetzt werden.

Nach Blatter Meldungen aus M e z 11 o janb bei Tepotzlan ein Gefecht zwischen den RegierungStruppen unb den An­hängern des Bandenführers Zapala statt. Tie Regierungs­truppenverloren 170 M a n n T o t e u n d V e r w u n d e t e, bie A u f st ä n b i s ch e n hatten 200 Tote unb eine große Zahl von Verwundeten und Gefangenen.

Heer und Flotte.

Ein Linienschiff König Albert. Ter Kaiser telegraphierte an den König von Sachsen:

Hubertusstock, 14. Oktober: Gestatte mir, Dir Kenntnis zu geben, daß ich für bas LinienschiffErsatz Aegir" den Namen König Albert" gewählt habe, um den tapferen Heerführer aus der großen Zeit der Reichsgründung und sein erhabenes Haus besonders zu ehren.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Lberhessen.

L. Gießen, 14. Okt.

Anwesend: Provinzialdirektor Tr. Usinger, als Vorsitzender, und 7 ordentliche Mitglieder.

1. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen denLandarmenverband Gießen wegen Un­ter st ützung des I. W. Auf Ersuchen der hiesigen medi­zinischen Klinik mußte I. W. wegen Lungenkatarrh von der Armendeputation Gießen in jene eingewiesen werden. Da ein Unterstützungswohnsiv nicht festzu stell en war, verlangte die Armen­deputation Ersatz ihrer Auslagen von dem Landarmenverband Gießen. Dieser lehnte mit der Begründung ab, daß fortgesetzte Hilfsbcdürstiglett vorliege, weil W. bis zum Tag vor seiner Aus­nahme in der Klinik auf Kosten des Landarmenverbandes Wies­baden in Darmstadt verpflegt worden sei. Tie Armendeputation wandte sich daher nach Wiesbaden, aber auch ohne Erfolg. Wies­baden behauptete, W. habe sich am Tag seiner Aufnahme in die Gießener Klinik im Besitz seiner Invalidenrente mit 15,80 Mark befunden. Danach sei die frühere Hilfsbedürftigkeit als beseitigt und die Erkrankung in Gießen als cm neuer Pflegefall anznsehen. Tie Armendeputation erhob darauf Klage gegen den Landarmen-

Tas Geräusch der Marschichrüte war das einzige, das die trübe Stille unterbrach. K. F.

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ff. Eine Monumental ausgabe der ,,Renais- sanee" des Grafen Gobineau wird in biefen Tagen vom Insel-Verlage in Leipzig ausgegeben werben. Tie Ueber- setzung dieser Ausgabe stammt von Bernhard Jo lies. Tie Ausgabe i>t in Lexikonformat gehalten und mit einer schönen großen Antiqua auf weichem gelblichen Papier gedruckt. Ihren einzigen Schmuck bildet die vollkommene Solidität der typographi­schen Ausführung und eine Anzahl von Bildnissen der Periönlich- feiten, die Gobineau in seinem Meisterwerke über die Szene schreiten läßt. Ta sind Savonarola und Lionardo, da sind die unheimlichen Borgias, Maechiavell, Julius II. und fein Raffael unb Michelangelo, da ist Cellini unb der Lästerer Aretino, und zu der berühmten letzten Szene erscheint auch ein alter Holzschnitt der Vittona Colonna. Emll Schäffer hat diese Blätter aus­gesucht unb dabei mit großem Geschicke seltene und bezeichnende stüde zusammengestellt. Gobineaus herrliche Schöpfung wird in dieser prächtigen neuen Ausgabe, bie wieder beweist, daß noch Teutschland das wahre geiftige Heimatsland <SK>binetnis ist, sicher­lich viele Freunde finden.

Auf der Suche nach Mikkelsen. Aus Kopenhagen wird berichtet: Ter MotorschonerAbotor", der soeben aus Grönland kommend in Kopenhagen emgetroffen ist, bringt Nachricht über die Expedition Knut Rasmussens, bie aus- gezogen ist, um Nachforschungen nach dem verschollenen Mik­kel ] e n anzustellen unb ihm, wenn möglich, Hilfe zu bringen. Tie starken Schneefälle haben das Vordringen im Bereich des Humboldtgletschers unmöglich gemacht, und Knut Rasmussen mit seinem Gefährten Peter Freuchen haben den Plan, ben Peary- tanal noch in diesem Jahre zu erreichen, auf geben müssen. Ras­mussen will im nächsten Winter ben Versuch wiederholen Von Milkelsen unb seinem Begleiter Jversen hat man nidjis gehört. Wenn Mitteisen im vergangenen Jahre den Pearykanal und Grantsland durchquert hat, muß er in egte Gegend gekommen sein, bie es ihm ermöglichte, ben Sommer in Sicher heft zu ver­bringen, denn in Grantsland reicht der Wildbestand zur Er­nährung vollkommen aus. Wahrscheinlich aber wird der bittere Herbst, der Rasmussen aufgehalten hat, auch Mitteisen gezwungen haben, noch einen Sommer in Fort langer zu verbringen, wo er bie noch bewohnbaren Ueberreste der Hütten Greelys. und Pcarys corfinoen mußte. Wenn diese Annahmen zutreffen,' kann Miklelsen mcht vor dem Früchahr 1912 zu rückerwartet werden In der Zwischenzeit werden Rasmussen und Freuchen alles tun was in ihren Kräften liefet, um Mitteisen und Jversen Hilfe zu bringen, man wird Tepots auslegen und bie Nordküste von Grön­land durchforschen.