Ausgabe 
9.5.1911 Erstes Blatt
 
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eint'r Artillerie- und Genicableitung statt, welche nach Äia- Yaga und Melilla ab geh en werden.

Madrid, 8. Mai. Der Minister des Aeußern Gar­cia Prieto hatte heute -eine längere Unterredung mit dem französischen Botschafter. Das Parlament hat 'heute seine Sitzungen wieder ausgenommen. Im Senat fragte der Konservative Maestro wegen der Marokko­sangelegenheit an. Der Minister des Aeußern erklärte, er werde die Anfrage an einem späteren Zeitpunkte beantwor- ten. Er gab sodann eine kurze Aufklärung über die jüngsten Operationen in Ceuta, deren einziger Zweck die Aufrecht­erhaltung der Ordnung in jener Gegend sei.

Die Umgestaltung bt- englischen Oberhäuser.

London, 8. Mai. Im Oberhaus brachte Lord -Oansdowne feine Gesetzesvorlage für die Umgestaltung -des Oberhauses ein und erklärte, cs sei die feste Ueber- izeugung der Unionisten, das; keine dauernde Lösung der konstitutionellen Frage ohne die Umgestaltung der Zweiten ^Kammer möglich sei. Die Unionisten wünschten eine Zweite Kammer zu erhalten, die durch ihre Fähigkeit, ihr Ansehen und ihre Unabhängigkeit das Vertrauen 'des Landes besitzen und in enger Fühlung mit der öffent­lichen Meinung des Landes stehen, aber nichteinSprel- ball der Volkslaune fein würde. Die neue Zweite Kammer sollte aus 350 Lords des Parlaments bestehen. Hundert von ihnen sollten erbliche Peers sein und von den anderen erblichen Peers gewählt werden. Aber ihre Wahl sollte keine bedingungslose sein, denn die Peers müßten gewisse Eigenschaften besitzen, um als Lords des Parlaments gewählt werden zu können. Zu den Befähigungen sollen gerechnet werden: die Stel­lungen im amtlichen oder öffentlichen Dienst oder ein be­stimmter Rang in Armee oder Flotte.

Tie erste Lesung des Gesetzentwurfs des Lords Laus- downe zur Reform des Oberhauses wurde angenommen.

Die russische Arbeiterversicherung.

Petersburg, 8. Mai: In der Re ich s- d u m tis 'warnte der Handelsminister bei der fortgesetzten -Beratung der Gesetzvorlage über dieArbeiteroersiche- r u n g vor einer allzu großen Ausdehnung der Vorlage. Auch Deutschland führte die Arbeitcrversicherung all- mählich durch. Die Regierungsvorlage betreffe zwar nur die Versicherung gegen U n g l n ck s f ä l l e, aber für die 'Zukunft seien auch weitere Versicherungsarten vorgesehen. Von einer Tei ln a h m e der Arbeiter an der Ver- ivaltung, die fitz) in Oesterreich durchaus nicht bewährte, habe die Regierung abgesehen, obwohl sie sich dem deutschen System anschloß. Aenderungcn des Ausschusses, welche die Sicherstellung der Arbeiter in Krankheitsfällen beträcht­lich herabsetzten, lehne die Regierung entschieden ab.

Ministerwechsel in der Türkei.

Die neueste Bewegung unter den Jungtürken fordert immer noch Opfer:

Konstantinopel, 8. Mai. Wiener Korrespondenz- burcau. Der F ttn a n z m i n i st e r und der Unter richts- Minist er überreichten heute abend dem Großwesir ein gemeinsames Schreiben, in dem sie erklären, daß sie ein- fähen, daß die seit einiger Zeit in der Partei eut- lst a n d c n e V e r w i r r u n g sowie der dadurch nach außen gemachte Eindruck eine erfolgreiche Pflichtausübung er­schwerten. Sie feien überzeugt, daß sie ihre Verpflichtungen der Kammer gegenüber nicht erfüllen könnten und sie emp­fänden die absolute Notwendigkeit, ihre Portefeuilles an­deren, welche vielleicht mehr Erfolg haben, abzutreten.

Die neue Zeit in China.

Peking, 8. Mai. Ein kaiserliches Edikt macht die Zufammenfetzung des neuen Kabine11s bekannt. iPrinz^Shing wurde zum Präsidenten, Na-Tung und i-'P a u e S h i h -Chang zu Vizipräsidenten ernannt. Der friiTjere Präsident Waiwupu Liang Dung-Pen wird jMinister der Auswärtigen Angelegenheiten. Die übrigen .Präsidenten der verschiedenen Departements werden Kabi- mettsminister. Es wird ein Geheimer Rat gebildet mit iden Großsekrerären Lu Jun-Ksiang und Jung-Ching als Präsidenten bezw. Vizepräsidenten. Die Prinzen Tsai-Tac und Pu-Lang werden gemeinschaftlich Minister des Militär­rates, der anstelle des militärischen Beratungskomitees tritt. Tscu Chia-Lai bleibt stellvertretender Präsident bis zur Rückkehr von Liang Tung-Ben von Washington. Prinz Ching-Na-Tung und Haue Shih-Chang werden anstelle der .ursprünglich Ernannten zu Mitgliedern des Älusschusses er- nannt, um die Konstitution vorzubereiten. Der -Staatsrat und das Großsekrctariat werden abgeschafft.

In H a n g - T s ch v u in der chinesischen Provinz T s ch e - 'Kiang ist es am 61 d. Mts. infolge der Weigerung der R e i s h ä n d l e r, die hohen Preise herabzusetzen, zu R u h e- störnngen gekommen. M eh rere Häufer d er Man­darinen wurden zerstört. Es wurden verschiedene Verhaftungen vorgcnommen. Als sich die Polizei weigerte, die Verhafteten freizulassen, griff die Menge das Gerichts- Gebäude und die Polizeistation an, wobei diese Gebäude er­heblich beschädigt wurden. Mehrere Polizeibeamte wurden verletzt. Zur Wiederherstellung der Ordnung mußten Trup­pen aufgeboten werden.

Aus Hessen.

Landtagswahl in Tarmstadt.

Darmstadt, 8. Mai. Heute vormittag fand im Rot­haussaale die Ersatzwahl für den von seinem Mandat zurück­getretenen Abg. Oberbürgermeister Tr. Gl äs sing statt. Von den 117 Wahlmännern waren 101 erschienen. Herr Geh. Schulrat Münch, den die nationalliberäle Partei zur Wahl vorgeschlagen hatte, wurde mit IM Stimmen gewählt. Eine Stimme entfiel auf Herrn Geh. Schulrat Fo r b ach.

Deutsches Ueich.

Der Kaiser verlieh in Anerkennung des tapferen Ver­haltens den Besatzungen der bei der Unterdrückung des ^Eingcborenenaufitandes auf Ponape beteiligten ^Schlste eine große Anzahl O r d c n s a u s z e i ch n u n g c n, u. a ,öic Schmetter zum Roten Adlerorden dritter Klasse mit Schleife .deni «vregattenkapüän V o l l e r t h u n , Kommandant des Kreuzers , fanden" dmKronenorden dritter Klasse mit Schwertern dem i^regatlentapNan Taegert, Kommandant des KreuzersNürn- sberg und Korvettenkapitän Werner Siemens, bisher Kom- >Mandant des KreuzersCormoran".

i »JMf. Ztg." meldet aus Riga: Das russische -Untcrrrch tsministerium beschloß, in Leipzia ein <rum llches Lehrerseminar zu erttchten, wo etwa 120 Sti- iÄui Rollend> bCU d,C P^lessoren zu Pädagogen herangebildet

Ausland.

Aus Rom wird gemeldet: Der BotschaftervonJagow gab am Montag nachmittag den deutschen Delegierten des Pressekongresses ein Gartenfest, zu dem über 100 Herren, teilweise mit ihren Damen, sich eingesunden hatten.

Der s p a n i s ch e F i n a n z m i n i st e r legte der s p a n i s ch e n Kammer einen Gesetzentwurf vor, durch den die Oktroiab- gaben in den Kreisstädten und die Spezialabgaben auf Alkohol und Salz -aufgehoben werden. Tie Aufhebung wird stufenweise innerhalb fünf Jahre durchgeführt. Diese Abgaben werden ersetzt durch verschiedene Steuern, insbesondere eine Steuer ans gewisse nicht bebaute Grundstücke, einer Mietssteuer, eine Zu- schlagstemw auf Elektttzität und Gas sowie Steuern von D/s Prozent im Maximum auf Einkommen und Gewinne.

Der Entwurf eines spanischen Vcreinsgesetzes setzt, wie uns aus Madrid gemeldet wird, fest, daß alle Ver­einigungen dem gemeinen Recht unterliegen sollen. Tie Ver­einigungen werden verpflichtet, der Regierung alle drei Jahre eine Uebersicht über ihre Güter und Einkünfte einzureichen. Jede religiöse Vereinigung bedarf zur Gründung die Erlaubnis der Regierung, auch die Klöster unterliegen dem gemeinen Recht. Die Staatsbeamten dürfen Vereinigungen bilden, unter der Bedingung jedoch, daß durch die Vereinigungen keine Störung des öffentlichen Dienstes hervorgerufen wird. Ausländer dür­fen keine religiöse Vereinigung auf spanischem Boden gründen, ohne zuvor die Naturalisation erlangt zu haben. Ausländer dürfen an keiner politischen Vereinigung tcilneh- men; ebenso wird keine Vereinigung gestattet, von welcher mehr als ein Drittel der Mitglieder aps Ausländern besteht, selbst wenn diese naturalisiert wären.

Aus StaSt und Land.

Gießen, 9. Mai 1911.

Titelverleihung. Der Großherzog hat dem Hofmaler Hch. Reinh. Kräh zu Darmstadt den Charakter als Professor verliehen. (Professor Kröh wurde am Sonntag 70 Jahre alt.)

** Lehrcrpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Gg. Kessel zu Schwabsburg eine Lehrerstellc an der evang. Schule zu Bingen und dem Schulamtsaspiranten Lud. Matthes aus Rieder-Modau die Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Schwickartshausen, dem Lehrer Wilh. Görtz zu Drais eine Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Gonsen­heim und dem Lehrer Ludw. Schönmehl in Klein-Wintern- heim die Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Drais. Zurückgenommcn wurde die Versetzung des Lehrers Ioh. Wagner von Zornheim nach Klein-Winternheim.

** Pers on al - Veränderungen im 18. Arm ee- korps. v. Plönnies, Major beim Stabe des Groß- herzogl. Art.-Korps, 1. Großherzogt. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25, als Abteil.-Kommandeur in das Cleve. Feldart.- Regt. Nr. 43 versetzt.

** 60. Geb ur ts t ag. Der Geh. Hofrat Prof. Dr. Adolf Hausen, Ordinarius und Direktor des botanischen In­stituts und Gartens an der Landes-Universität, begeht mor­gen seinen 60. Geburtstag. Er stammt aus Altona. Dem Lehrkörper unserer Universität gehört er seit 1892 als Nach­folger von Prof. Dr. Hermann Hoffmann an. Früher lehrte er an der Technischen Hochschule zu Darmstadt.

Das Ergebnis des B l u m en t a g cs. In der Stadt Gießen hat der Blumentag ungefähr 6500 Mark er­bracht. Der Straßenverkauf erbrachte etiva 6200 Mark, wozu noch die Einnahmen aus den Konzerten kommen.

"Die Gießener Ueberlandzentrale. Gestern nachmittag wurde mit der Gei' etnbe Krofdorf der Ver­trag über die Abgabe von elektrischem Strom für Sicht» und Kraftzwecke vom städtischen Elektrizitätswerk Gießen an die Gemeinde Krofdorf abgeschlossen. Durch den Ab­schluß des Vertrages, der für 30 Jahre geschlossen wurde, ist eine Vergrößerung des städtischen Elektrizitätswerkes not­wendig geworden, die so beschleunigt werden, soll, daß Krof­dorf noch vor Ablauf des Jahres mit dem elektrischen Strom versorgt werden kann. Durch die Vergrößerung des Werkes wird eS möglich, auch noch an andere Gemeinden elektrischen Strom abzugeben, wenn sich die betr. Gemeinden bald an die Stadt wenden.

** I m Kinematograph' wird augenblicklich ein hochinteressanter Kunstfilm vorgeführt, auf dem die Zer­störung von Troja in Bildern von wahrhafter Lebendigkeit und Schönheit dargestellt ist. In großen Zügen wird uns der weltgeschichtliche Kampf zwischen Hellas und Tröja vor Augen geführt, das gewaltige Ringen zweier hochentwickelter Böller, die sich zehn Jahre lang in unermüdlichen Kämpfen bekriegten, bis eine List des verschlagenen Odysseus Pie heldenmütigen Trojaner betört und ihrer Stadt den Unter­gang bringt. Von den übrigen Bildern verdient vor allem die herrliche Naturaufnahme des Görnergrades rüh­mende Erwähnung. Nächstdem ist dann das sehr spannende Drama D i e E r r e t t u n g des Ri v a l en zu nennen und die beiden humoristischen Stücke Auch ein Rembrandt und Mörike aus Neuruppin u. a.

** Die Gießener Feuerlöf ch - Einrich tun - g,en. Man schreibt uns: Tie gestrige Notiz über den Brand in der Marburger Straße bedarf einiger Richtig­stellungen. In der Wasserleitung ist stets Hochdruck ein­geschaltet. Das Sch lau ch material war und ist in gutem Stande und hat nicht durch die angebliche Trockenheit gelitten. Das Platzen eines Zubringerschlauches ist auf das rücksichtslose Darauftreten durch das Publikum zurück­zuführen gewesen, wodurch selbstverständlich die Wasserzu­führung geschwächt wurde. Die Spritzen sind nicht wegen mangelnden Druckes in der Wasserleitung in Betrieb gesetzt worden, sondern wegen des großen Druckverlustes der zirka 150 Meter langen Schlauchlinien nach dem weit von der Straße und den Hydranten entfernt gelegenen Brandobjekte. Daß dieser Brand geringere Dimensionen angenommen und die Löscharbeiten schneller beendet wor­den wären, wenn die Feuerwehr ihre Geräte nach einer so entfernt liegenden Brandstelle mit Hilfe von Pferde­bespannung ttansportieren konnte, steht außer allem Zweifel. Zurzeit muß aber auch der allgemeine große Alarm selbst bei der geplanten Feuermelde-Einrichtung noch fortbestehen bleiben, weil zur Fortbewegung jder schweren Geräte eine entsprechende Anzahl Feuerwehr­männer erst zusammen gekommen sein muß. Wenn wir einen städtischen Fuhrpark hätten, so stünden der Feuerwehr für alle solche Fälle die Hilfe der Pferde zur Verfügung; manche ausregende Alarmierung würde dann vielleicht unterbleiben tön uen, und manches würde schneller gehen.

** Die Freiwillige Sauitätskolonne vom Roten Kreuz zu Gießen hält am1 24. Mai üyre Haupt- ve Sammlung intKaiserhuf" ab. Die Kolonne blickt auf ihr 7. Vereinsjahr zurück. Die hil sstätigkeit der Kolonne hxtr im letzten Jahre sehr groß: es fanbtn 310 Hilfsleistungen statt gegen 293 im Vorjahre. Dabei wurden 83 Transpotte aiisgestihrt. 'Die Hllfe wurde in 17 Fällen von der Polizei, in 2.5 Fällen von

Aerzten unh in 268 Fällen von Privatpersonen verlangt. Don den Hilfeleistungen entfallen 87 auf Vcrbandsstcllen imb 22 auf Wachen bei Festen, beim Kaiserbesuch usm. Am 12. November fand ein Kursus in Kl.-Linden mit 15 und am 14. Nov. ein solcher in Gießen mit 25 Teilnehmern statt. Die Kurse leitete >iolounen- arzt Dr. Schäffer. Tie neugegründtte Zweiglolonnc Klein-Linben zählt 15 Mitglieder; Gießen hat jetzt 45 aktive und 225 unter-: stützende Mitglieder, außerdem unterstützen 22 Vereine die Kolonne..

** Falschmeldung. Gestern nachmittag wurde ein b r c v jähriges Kind vermißt und behauptet, es sei in den Teich in der Ost-Anlage gefallen und ettrunken. Das Abiuchen des Teiches mit Stangen blieb erfolglos, weshalb das Wasser ab­gelassen wurde, aber eine Kindesleiche fand sich nicht. Während noch alles bei der Arbeit war, erschien die Mutter des vernüspen Kindes und sagte:Ei, was sucht Ihr denn noch, das Kind ist ja daheim."

Briefbestellung. Um dem Publikum nach Weg« fall des Ankunftsstempels die Kontrolle darüber zu erleichtern, ob die Briefe rechtzeitig bestellt werden, geben wir nach­stehend eine Uebersicht, welche Briefe in Gießen bei den einzelnen Bestellungen planmäßig abgetragen werden sollen:

LetzteBrics- Letzte Post kästen-

leerunq

l. Bestellung (70S SB.) Briespost von Lich 697 V. 5'°6" V.

2. (1(?° V.) Zug 71 von Frankfurt (M.) 10°«V. 8'°-9"V.

3. (2'°N.l Zug 45 , 1-°N. 11"°V.-12'M.

4. o (6" N.) die Schnellzüge von Kassel und

Frantturt (M.) 5" und5"N. b"-6'°N.

Landkreis Gießen.

(!) Saasen, 7. Mai. Zwecks Regelung der kirch­lichen Verhältnisse der Orte der ehemaligen Pfarrei Wirberg-Veitsberg fand am Mittwoch bei Gastwirt Schepp eine Sitzung der Kirchen- Und Ortsvorstände vor Saasen-Veitsberg, Harbach und Lindenstruth statt. Teu Verhandlungen wohnten auch Regierungsrat Dr. Merck- Gießen und Dekan Wagner-Grünberg bei. Es handelte sich^ um die Abfindungssumme der Gemeinden Harbach und £in< denstruth an die Pfarrkirche Weits berg, welche seither von beiden Gemeinden mitbenutzt wurde. Nach längeren Ver­handlungen wurden folgende Abfindungssummen be-! schlossen: Harbach zahlt an Saasen-Veitsberg 2000 Mark,' Lindenstruth 1000 Mark. Saasen-Veitsberg und Linden-^ sttuth gehören von jetzt ab zur Pfarrei Winnerod; Harbachs bleibt bei Wirberg.

X Allendorf a. d. Lahn, 8. Mai. Heute kann der Eisen-, dreher Kaspar Heep auf sein vierzigjähriges Dienstjubiläimt zurückbliäen. Er ist am 8. Mai 1871 bei der Eisenbahn in Gießen eingetreten, wo er dis heute noch feinen Tienst pslichtgetrcu aus­übt. _ 3um Andenken wurde ihm von seinen Mitarbeitern ein Feldstecher und eine halblange Pfeife überreicht. Tie Eisenbahn­direktion hat ihn mit einem Geschenk von 100 Mark erfreut.

r. E b e r ft a d t, 8. Mai. Der älteste Mann unserer Ge­meinde, Herr Heinrich Heller, feiert am 10. Mai seinen 8 4. Geburtstag in seltener Rüstigkeit und geistiger Frisck)e. Ihn hat einst sston im Jähre 148/49 der Kampf um Deutsch­lands Einheit bis an die Gestade des Bodensees geführt und gern lauscht Jung und Alt seinen lebhaften Schilderungen aus biefen längst vergangenen Tagen. Gar mancher hohe Offizier, der in Manöverzeiten die Gastfreundschaft des alten Veteranen genoß, wird sich dieses warmherzigen Patrioten gern erinnern.

< Treis-Lumda, 8. Mai. Seine Hauptversamm­lung hielt gestern der Spar - und Verschußvercin auf dem Rathause ab. Ter Vorsitzende W. Dapper erstattete den Jahres- und Rechnungsbericht. Die Aktiva betrugen 600 532 Mark, die aufgenommenen Kapitalien 564 600 Ml. Es wurt>< ein Reingewinn von 2138 Mk. erzielt. Die Versammlung be­schloß, diese Summe zum größten Teil als Tividende an i>rr Mitglieder auszuzahlen. Ter Mitgliederftanü beläuft sich euf 195. Tein Vorstand gehören an als Direktor W. Becker I, als Rechner I. Becker XII., als Kontrolleur G. Amend.

< Lindenstruth, S. Mai. Seit Neuregelung unserer kirchlichen Verhältnisse fand gestern zum erstenmal in unserer Kirche Pfarrgottesdienst mit Abendmahl statt. Die Renovie­rung der Kirche ist vom Kirck>en- und Ortsvorstand be­schlossen worden. Bei der Untersuchung der Kirchenmauern fand man auch die ehemalige Eingangspforte, deren Schwelle einen Meter unter der Erde liegt. Vor langen Jahren ist also das Gelände um die Kirche aufgefüllt worden. .Die Kirche ist über 600 Jahre alt.

Kreis Büdingen.

-l. Büdingen, 8. Mai. TerBunte Abend" int Jürstenhof war gestern abend sehr stark besucht. Den Reigen der Darbietungen eröffnete der Gesangverein Lie­derkranz mit den ChörenSchöner Frühling" und Sandmännchen", wofür er woylverdienten Beifall ern­tete. Hierauf hielt Dr. O. Brettel eine das Wesen der Mutter- und Säuglingsfürsorge behandelnde Ansprache, in der er u. a. die Einrichtung der Beratungsstelle Büdingen besprach, die sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens sehr bewährt hat. Der Kirchengesangverein (gemischter Chor> erfreute durch zwei ChöreDie schönste Zeit im Jahre" undO sanfter süßer Hauch". Tie Jacobsonsche Posse1733 Mark 75 Pfennig" bildete den am lebhaftesten aufgenom­menen Teil des Programms. Für den verhinderten Gesang­verein Sängerlust trat der Liederkranz nochmals mit der Wiedergabe zweier Lieder auf die Bühne. Vor Schluß des offiziellen Teils, den die von der Turngesellschaft ausgeführten, von guter Schulung zeugenden Uebungen am Reck bildeten, dankte Kreisrat Bo'eckmann allen, die an dem Blumentag mitgewirkt hatten, besonders dem Fürsten, der Ehrenpräsidentin Prinzessin Marie, dein Ge­sang- und Turnverein und den Blumenverkäuferinnen. Ten Abschluß des Festes bildete eine Blumenpolonaise mit Tanz.

X Nidda, 8. Mai. Der gestrige Blumentag erfüllte alle in ihn gesetzten Erwartungen in vollstem Maße. Von früh 9 Uhr an begannen die weißgekleideten Mädchen mit Schärpen in den Solmser Farben ihren Rundgang. Ihr Angebot fand solchen Anklang, daß um Mittag alleMar- gueritchen" verkauft waren. Flugs ging es hinein in die Gärten und Wiesen und lebende Marguerite n traten an die Stelle der künstlichen. Auch Postkarten anderer Art als die für den Tag bestimmten wurden gesttftet und ver­kauft. Am Abend vereinigten sich gegen 500 bis 600 Ein­wohner in Krafts Saalbau zu einer Fe st fei er. Oberst Weimer hatte ein prachtvolles Programm zusammen- gestellt. Nach einer von ihm gesprochenen Begrüßung hielt Dr. Koch einen kurzen Vortrag über Säuglings- und Kinderpflege, gab Winke und Ratschläge für gesunde und kranke Kinder. Es folgte ein Prolog, gedichtet von Ober­amtsrichter Röm Held und gesprochen von dessen Tochter. Einige Theate77stücke wurden flott gespielt; Gesangscinlaaen von Frl. Leun und Orchestervvrträge vom Kaiserorchester unter der Leitung von Gewerbelehrer Endres brachten schöne Abwechftung. Es war bereits 1 Uhr vorbei, als das Progrannn erledigt war. Noch sei ettvähnt, daß von einer Anzahl Damen eine größere Arrzahl Sorten gestiftet wur­den, die zum Besten des guten Zwecks verkauft würben. Der amt ertrag des Tages beziffert sich auf 621 Ml.

o. Ranstadt, 8. Mai. Ter Sängerbund um Nidda beging gestern hier sein Iah res fest. Sämtliche 6 Bundes­vereine waren erschienen. Nachdem Sürgcrmeiftcr Birken stock im Namen des Ortskomitees die Erschienenen begrüßt hatte, wurde als Massenchor ein, .Begrüßungslied vorgetragen, Die Festrede Üielt