Die Manzlage Zchottens.
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mehr Wasser, alZ wir brauche«,
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wie der letzte heiße Soinmer ergeben hat.
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von gebrannten Kaffeebohnen haben, als werden und zwar mit Beimischung bis zu Feldfrüchte, vornehmlich Lupinen, die in Gründünger verwandt werden, sind als Genußmittel absolut wertlos. Sie werden
ist wieder als außerordentlich haben in Gießen also einwand-
Kaffee verkauft 50 Proz. Diese der Regel als Nahrungs- und zu dem Zwecke
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** Achtung bei Kaffee-Einkäufen. Das Kaist. Neichsgesllndheitsamt hat darauf hingewiesen, daß neuerdings gebrannter Kaffee mit Feldsrüchten, die das Aussehen
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Arbeiterbewegung.
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Berlin, 6. Dez. In der heutigen Versammlung der F o r- ner und Greßereiarbeiter wurden bei der Abstimmung nsgeiamt 2529 Stimmen abgegeben. Für die gestrigen Abnachungen und gegen die Fortsetzung des Ausstandes waren 712, iür die Weiterführung 1817 Stimmen. Ta aber der Be- chlug der Weiterführung der Treivierletmehrheil bedars, so gilt jie Fortsetzung des Ausstands als a b g e l e h n l Ta- ^iit sind die Tisicren^en zwischen den Arbeitern und Arbeit- <cber)i beigelegt. Xie Arbeit in den Gießereien und »Formereien vird für die Ausständigen am Freitag, für die Ausgesperrten iw Montag wieder beginnen gemäß den gestrigen "Abmachungen.
Der bakteriologische Befund günstig zu bezeichnen. Wir freies Qiiellivasser, und auch
** Kartoffelbezug durch d i e Bahn. Wir wer- >en um Abdruck folgender Mitteilung gebeten: Wie bekannt, hat zur Linderung der Folgen der Teuerung die Eisenbahnbehörde auch insofern beigetragen, als sie für einen großen Teil ihrer Arbeiter und Angestellten gemeinsam Kartoffeln zu billigem Preise bezog. Leider habeu sich aber bei Lieferung und Bezahlung derselben teilweije große Härten ergeben, so auch hier in Meßen. Abgeordneter T>r. Werner-Gießen Hut sich gemeinschaftlich mit dem Abgeordneten Behrens alsbald mit der Bitte um Abhilfe an den preußischen Eisenbahnminister gewandt.
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Bahnärztc statt, an dem 20 Acrzte aus der Umgegend teil, nehmen.
" Aus dem Militärivochenblatt. Winterstein, Hauptm. und Adjutant der 25. Feldart..Brig. (Großherzogl' Hess.), als Battr.-Chef in das 4. Garde-Feldart.-Negt. versetzt. Hertel, Oberlt. im Neumärk. Feldart.-Negt. Nr. 54, unter Beförderung zum Hauptm. zum Adjutanten der 25. Feld- art.-Brig. (Großh. Hess.) ernannt.
** Neue deutsche Jubiläums MÜ nzen. Zurzeit schweben bei den maßgebenden Stellen Verhandlungen ivegen Ausprägung weiterer Gedenkgeldstücke auf historische Ereignisse und zwar in größerem Umfange, als dies bisher der Fall war. Festgelegt ist grundsätzlich die Ausprägung von Drei-Markstücken auf die Feier der 25jährigen Regierung des Kaisers 1913, die auf der Vorderseite den Monarchen zu Pferde zeigen - werden. Weiter ist dann in Aussicht genommen, in Anlehnung an die Hundertjahrfeiern dec Frei- heitskriege und der Erwerbung von Landesteilen durch Preußen in Westfalen und der Nheinprovinz Eedenkmünzeii auszugeben. Voraussichtlich geht man mit dem Gedanken um, für die Folge Gedenkslücke nicht mehr als Zwei- und Fünf-Markslücke, sondern nur noch in Drei-Markstücken her- zustellen.
** Die Heil und P f l e g e an st a l t in Gießen wurde in das Verzeichnis der Krankenhäuser und medi- zinisch-wiFenschaftticyen Institute ausgenommen, die zur Annahme von Praktikanten ermächtigt sind.
•• Stadttheater. Für den Marzell Salzer-Abend am Montag, den 11. Dezember, gibt sich bereits lebhaftes Interesse kund, und so dürften einige Besprechungen auswärtiger Blätter aus dec jüngsten Zeit angebracht sein: »Kölnische Zeitung» (31. 10. 1911): Alan wird nie betrogen, wenn man zu Salzer geht, denn er hat von dem Kräutlein Humor so ölet Abarten zur Verfügung, von dec derben Gro- teste bis zur nadelfeinsten Satrire oder auch bis zu dem schwermütigen Frohsinn, der unter Tränen lächelt, daß er für jedes Gemüt einen Sonnenstrahl findet, der die graue Alltags- stimmung mit seinem Glanze verscheucht und selbst dem Gries- gram das Leben wieder lebenSwert erscheinen läßt. — „Hamburger Nachrichten" (3. 11.1911): Es gab viele Hörer, denen vor Lachen die hellen Tränen über die Wangen liefen — se herrlich verstand es Marzell Salzer, die Herzen in das Land der Freude hinüberzureißen.
” Das Wasser der Stadt Gießen ist, wie all« jährlich, auch in diesem Jahre vom Chemischen Untersuchungsamte dec Provinz Oberhessen Ende Oktober einer Analyse unterzogen wocden. Das Gutachten über die chemische und bakteriologische Untersuchung der beiden Wassecversorgungs- anlagen (ältere und Queckborner Quelle) lautet: Tas Wasser beider Anlagen ist in jeder Beziehung als einwandsfrei und als geeignet zur Benutzung als Trink- und Nutzwasser zu be- zeichnen. Wesentliche Veränderungen in der chemischen Zu- ammensetzung gegenüber dem Vorjahre Haden nicht statl- gefunden. Die Keimzahlen dec alten Wasserversorgungsanlage bewegen sich in der gleichen Höhe wie im Vorjahre, bei der Queckborner Anlage sind die Keimzahlen geringer geworben.
Ausland.
Der russische Minister des Aeußern, Ssoso- 50w, ist in Paris eingetrossen. Zum Empfang war der Minister des Aeußern de Selbes erschienen.
zugesetzt, um dem Hersteller einen Gewinn zu verschaffen. Inter Umständen sind diese Zusätze sogar gesundheitsschädlich. Die Hausfrau sei also gewarnt. Der Verein Deutscher Kaffee- Groß-Händler und Röster E. V. mit dem Sitz in Köln bittet alle Fälle von Fälschungen ihm oder der nächsten Polizei' behörde mitzuteilen.
Kreis Büdingen.
X Nidda, 6. Dez. Wie grop die Trockenheit ttt >er Erde trotz des bis jetzt gefallenen Regens noch immer ist, zeigt sich gegenwärtig. Seither wurde jedes Jahr an- angs Dezember die städtische Wiese durch das Wasser des Hohensteiner Baches überschwemmt, um den Brauereien beim Eintritt von Frost das nötige Eis und den Schlittschuh- äusern eine schöne Eisbahn zu verschaffen. Bis jetzt konnte die Wiese noch nicht überschwemmt werden, weil das Wasser des Baches nicht reichte. Nicht etwa die Quellen Haden nachgelassen, sondern das Wasser, das im oberen Tale über die Wiesen geleitet wird und unten sich wieder int Bachbetl sammeln soll, versickert in den Wiesen in den Maulwurfsund Mauslöchern in den Boden, und was sich unten wieder sammelt, reicht nicht aus, die Wiese zu überschwemmen. Auch beim Neupflanzung von Bäumen erweist sich in geringer Tiefe der Boden ganz ausgetrocknet und es bedarf einer ganz reichlichen Wintecseuchttbkeit, wenn int nächsten Jahre, namentlich wenn wieder große Hitze eintreten sollte, ein gedeihliches Wachstum erwartet werden kann. Bis jetzt hat die Winterfrucht einen sehr schönen Stand.
Kreis Alsfeld.
* Alsfeld, 5. Dez. Stadtvorstandssitzung. Der Vorsitzende gab eine Eingabe der Alsfelder Uh rin ach er bekannt, in der darum gebeten wird, man möge bei Vergebung der Uhr für den Voltsschalneubau Alsfelder Firmen berücksichtigen. Der Vorsitzende sagt dies zu. — Weiter wurde mitgeteilt, daß die Prozeß- fache des Bäckermeisters Bücking gegen die Stadt Alsfeld wegen Schadenserfatzforderung int Vergleichsweg ihre Erledigung gefunden habe. — Zum Ausbau uno Fortsetzung der V o l t m a r st r a ß e wurden die von der Bürgermeisterei mit den beteiligten Anliegern wegen Zugabe des Straßengeländes getroffenen Vereinbarungen genehmigt. Es weroen durchschniitlich 2,50 Ml. pro Qua-
Ans Stadt un$ Land.
Gießen, 7. Dezember 1911.
** Tageskalender für Donnerstag, 7. Dez. V o r t r ä g e: S110‘. ? u l । cher F r a u e n o e r e t n. Pfarrer Schlosser-
Nodheun: tod)unöliteratur. Abends b1/, Uhr im großen Hörjaal öec Universität. Kauf nt. Verein uni) Ortsgewerbe- o er ei»: Dr. Kaegdein» Hamburg: Aus dem Betrieb einer großen L>chchahrtsgeselljchaü. Abends b1/, Uhr in der Umversiläls- aula. p r e i d e n k e r - B e r e i n i g u n g: Die Selle der Mor- monen. Abends 8% Uhr im Einhorn.
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Qn ** Orde n s verleihun g Dem Weichensteller Jak. öerther in Gießen wurde bei seiner Versetzung in den Ruhestand vom König von Preußen das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
, eh r e rp ers on alien. lieber trag en wurde )ento<?c^u-ain,t5a^tl'an{e11' Wagner aus Laubach
die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rebgeshain, und der Schulamtsaspirantin Johanna Fuchs aus Bingen eine Lehre rin stelle an der Gemeü.deschu! e zu Ober-Mörlen. Erledigt sind: Eine mit einer tath. Lehrerin zu besetzende Lehrennstetle an der Gemeindefchule zu Gau-Alges-, heim, die mit einem tath. Legrer zu besetzende Leyrer- stelle an der Gemeindeschule zu Elsheim, die mit einem eüang. Zehrer zu besetzende Schulstelle an der Gemeinbe- c^ule zu Büdingen. Mit per Stelle ist Mantorenbienft verbunden. Tas Prasentationsrecht steht cem Fürsten zu Asenburg-Büdingen in Büdingen zu.
"Kursus für Bahnärzte. In dec psychiatrischen Klinik findet gegenwärtig unter Leitung des Geh. 'Medizinal- rats Profeffor Dr. Sommer ein Ausbildungskursus für
st. Schotten, 5. Dez. In der gestrigen öffentlichen Stadtvorstandssitzung, in der Bürgermeister Kromm, Beig. Zinser, sieben Gemeinderatsmitglieder sowie Stadtrechner Glock anwesend waren, wurde der Voranschlag für 1912 vorgetragen und beraten. Er schließt mit 135 550 Mk. ab. Aus dem Inhalt sei folgendes hervorgehoben. Der Vermögensstand beträgt nach der neuesten Aufstellung 971305,71 Mark, die Schulden betragen 320 259,24 Mk., so daß ein reines Vermögen von 651046,47 Mk. verbleibt. Obwohl die Ausgaben int allgemeinen gestiegen und besonders die Kapitalzinsen beträchtlich angewachsen sind, war es durch die guten Erträge des Gemeindevermögens möglich, den Voranschlag mit einer Umlageerhöhung von nur 1000 Mk. abzufchließen. Das Steuerkapital der Stadt Schotten ist in diesem Jahre so gestiegen, daß trotz des höheren Ausschlags der Prozentsatz fällt. Während wir in 1910 lO2o/o und im Jahre 1911 101 o/o Zuschlag hatten, glauben wir für 1912, mit 98o/o auszukommen. Demgegenüber wird aber die örtliche evang. Kirchensteuer, die infolge der für die Kirchenreparatur notwendigen Zinsen sich von 4000 Mk. auf 6100 Mk. erhöht hat, statt seither 12o/o für 1912 etwa 17% erfordern. Es entfällt sonach für den Umbau der Kirche auf den Kopf der Bevölkerung eine jährliche Mehrausgabe von 1 Mark. Es darf ferner noch erwähnt werden, daß die Stadt seither aus der Wassergeldeinnahme den Betrag von rund 1000 Mk. für allgemeine Ausgaben verwendet hat, was für die Folge wegfällt; die Einncchmen aus der Wasserleitung dürfen nur zur Deckung der Zinsen, Tilgung und Unterhaltungskosten verwendet werden, der Ueberschuß wird zur Bildung eines Reservefonds angelegt. Sie Stadt hat daher für bie nächste Zeit keinen finanziellen Vorteil aus der Wasferleitungsanlage. Beig. Zinser hat in der Erwägung, daß der Stadtvorstand, sowie alle Bürger an der Beratung und Festsetzung des Voranschlags ein besonderes Interesse haben sollen, e'ine Zusammenstellung gefertigt, aus der die finanzielle Entwickelung der Stadt während der letzten 10 Jahre, der Dienstzeit des Bürgermeisters Kromm, ersichtlich ist. Der Schuldenstand betrug im Jahre 1901 187 000 Mk. und beträgt heute, abzüglich der wieder ausgeliehenen Kapitalien von 11000 Mark 309 000 Mk. oder mehr 122000 Mk., während die in diesen Jahren erfolgten außerordentlichen Herstellungen wie Renovierung des Rathauses, Erweiterung der Wasserleitung und Erbauung eines weiteren Hochbehälters, Erbauung der höheren Bürgerschule, Ankauf von Grundstücken und Waldgelände, Pflasterungen, Herstellung der Ortsdurchfahrt, ^Anlage von Fußsteigen und Verbesserung ber Grundstücke, insbesondere der Spteswiesen, Aufforstung von etwa 70 Morgen Waldgelände eine Ausgabe von 170 000 Mk. erfordert haben. Diese Rechnung beweist, daß in den 10 Jahren aus laufenden ordentlichen Einnahmen 48000 Mk. aufgebracht bezw. an den vorhandenen Schulden abgetragen worden sind, was rechnungsmäßig festgestellt wurde. Stellen wir nun die Gemeindesteuern von 1901 und heute, sowie die damaligen und heutigen ordentlichen und jährlich wiederkehrenden Aufwendungen gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: Die Gemeindesteuern betrugen in 1901 27 500 Mk. und betragen für 1912 41000 Mk. oder mehr 13500 Mk. Die Steigerung ist durch folgende, gan$ besonders ins Gewicht fallende jährlichen Ausgaben bedingt worden. In 1901 betrugen die jährlichen Zinsen 6200 Mark und- heute betragen dieselben 13 200 Mk. oder mehr 7000 Mk. und abzüglich der hier etzt ausscheidenden Mehrzinsen für die Wasserleitungschuld noch 5000 Mk. Der Betrag zur höheren Bürger- chule erhöhte sich von 1900 Mk. in 1901 auf 5900 Mk. n 1912 oder mehr 4000 Mk. Der Beitrag zur Kreiskasse betrug in 1901 8000 Mk. und beträgt für 1912 12000 Mk. oder mehr 4000 Mk. In 1901 waren vier tatt heute fünf Lehrerstellen an der Volksschule, so daß die Ausgaben für Volksschulzwecke gegen 1901 heute mehr betragen jährlich 1500 Mk. Diese besonders ins Gewicht allenden Mehrausgaben betragen zusammen 14 500 Mk. Die weiteren, nicht so bedeutenden Ausgabensteigerungen ind durch die erhöhten Erträge des städtischen Vermögens gedeckt worden. Dieser Ausgabensteigerung von 14 500 Mk. teht eine Umlageerhöhung von 13 500 Mk. gegenüber, ein öeweis dafür, daß der städtische Haushalt auf einer ge- unden Basis beruht und die Stadt alle Ursache hat, dem um die Erhaltung und Vermehrung der städtischen Interessen sehr besorgten Bürgermeister Kromm volle Anerkennung und Dank zu zollen. Es sei weiter noch erwähnt, daß der Ausschlag der 1901er Umlagen 92 Prozent betrug und der für 1912 98 Prozent betragen wird, also eine ganz unerhebliche Steigerung erfahren hat, die ihren Grund in der steten Zunahme des Steuerkapitals ;at. Auch hier muß nochmals erwähnt werden, daß zu der gestrigen Sitzung keine Zuhörer erschienen waren, obwohl die Beratung des Voranschlags doch eine der wichtigsten Beschlußsaisangen des Stadtvorstandes ist, der Voranschlag stellt die jährlichen Einnahmen und Ausgaben fest, hat Bedarf und Mittel genau abzuwägen, im Gleichgewicht zu erhalten und bildet die Grundlage des gesamten täd tisch en Haushalts, er ist das Haushaltsgesetz der Gemeinde.
Oie (Eröffnung öes elsaß-lothringischen Landtags.
Straßburg, 6. Dez.
Im Fahnensaal des Kaiserpalastes fand heute nachmittag 3 Uhr die feierliche Eröffnung des neuen Landtags, des ersten nach der neuen Verfassung, statt, zu der sämtliche Abgeordnete der Ersten und Zweiten Kammer, ausgenommen die der sozialdemokratischen Partei, erschienen waren. Der Kaiserliche Statthalter in Elsaß-Lothringen, Graf von Wedel, im Frack mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens, eröffnete den Landtag mit der Thronrede, an bereu Schluß er ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte.
Dann begaben sich die Abgeordneten über den Kaiserplatz nach dem Landtagsgebäude, wo Staatssekretär Zorn von Bulach in der Zweiten Kammer die Sitzung eröffnete zunächst mit Vereidigung der neu gewählten Deputierten. Dann folgte unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Bur g er-Busendors die Wahl des Bureaus in geheimer Wahl. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Ricklin (Zentrum) mit 54 Stimmen gewählt (drei weiße Stimmzettel), zum ersten Vizepräsidenten B ö h l (Soz.) mit 51 von 56 Stimmen, zum zweiten Vizepräsidenten der Liberale Georg Wolf mit 35 von 57 Stimmen; Lab r iso (Lothringer Block) hatte 6 Sttmmen erhalten. Die vier Schriftführer wurden zusammen gewählt: Gil- liot (Zentrum) erhielt 54 Sttmmen, Wolff er (Soz.) 50 Stimmen, Zimmer (Lothringer Block) 42 Stimmen, Immer (liberaler Demokrat) 41 Stimmen. Außerdem wurde ein aus 20 Mitgliedern bestehender Ausschuß gewählt für Ausstellung einer Geschäftsordnung der Zweiten Kammer.
Dr. Ricklin erklärte bei Uebernahme der Präsidentschaft, er werde bestrebt sein, die Leitung unparteiisch zu führen. Er werde aber auch darauf achten, daß ein der Würde des Hauses entsprechender Ton gewahrt würde; denn nicht nur ganz Deutschland, sondern die ganze Welt sehe auf dieses Parlament, das aus einer allgemeinen, geheimen und direkten Wahl hervorgegangen sei. Eben o energisch würde er aber auch jeden Angriff, der auf die Freiheit dieses Hauses aemacht werde, zurückweisen. Schließlich gedachte der Präsident des früheren Landesausschusses, dem diese große Errungenschaft des freiheitlichen Wahlrechts zu verdanken sei, und betonte insbesondere die ver- dienstvolle Mttarbeit der früheren Präsidenten von Schlumberger unb von Jauuez.
Zn der Thronrede
wird zunächst festgestellt, baß bie beiben Kammern des Lanb- tags zum ersten Male nach der neuen Verfassung bes Laubes zusammengesetzt Jinb. Auf bie allgemeine Finanzlage bes Landes übergehenb, konstatierte der Statthalter, baß der Abschluß des vergangenen Rechnungsjahres sich günstiger gestaltet habe, was darauf zurückzufuhren sei, baß die Ausgabeüberschreitungen wesentlich geringer waren als in ben letzten Jahren. Für bas laufenbe Rechnungs- iahr fei ein ähnlich günstiger Abschluß kaum zu erwarten unb der Entwurf des Landeshaushaltungsetats für 1912 sei daher mit tunlichster Spars am kett ausgestellt. Die ungleichmäßige und teilweise ungerechte Wirkung der Zuschlagsbesteuerung mache bie durch bie Verfassungsrevision verzögerte Reform ber direkten Stenern bringend notwendig. Dem Landtag werden deshalb unverzüglich bie Entwürfe eines Einkommensteuergesetzes, eines Gesetzes wegen Abünberung von Gesetzen über birette Steuern unb -ines Gesetzes über die Gemeinde- unb Bezickszuschläge zu den biretten Steuern zugehen. An weiteren Vorlagen sind geplant, bie Neuregelung bes Besolbungs- rechts für bie Landesbeamten, sowie eine Aufbesserung ber Lehrer gehälter, Reformen, bie durch die ständige Verteuerung des Lebensunterhaltes nötig geworden feien. Außerdem soll die ben Mitgliebern des Landtags tu gewährende Entschädigung geregelt werden.
Das Ergebnis dieser Bejprechuug sei demnach recht unerfreulich, unb Dr. Osann habe beshalb nochmals den Vorsitzenden des Landesausschusses der fottschrittlichen Volkspartei ersucht, sich über die Sachlage int Sinne einer Verständigung bezüglich der in Betracht kommenden Wahlkreise mit den Herren des fortschrittlichen Ausschusses zu besprechen, er sei ztt weiteren Verhandlungen jederzeit bereit. Daraufhin hat Dr. Osann auch eine entgegenkommende Antwort erhalten. So lägen die Dinge, und es sei nur zu wünschen, daß bald eine Einigung erzielt wird.
Die Hauptversammlung beschloß dann, in Darmstadt mit den Wahlversammlungen zu beginnen, unb zwar wurde für Freitag, 8. Dezember, im Schützenhof eine .Versammlung anberaumt.
Aus dem Wahlkreis Offenbach-Dieburg.
Die Zentrumspartei hat im Reichstagswahl- freife Offenbach-Dieburg ben Stabtverorbneten Franz Nessel als Kandidat aufgestellt, ber auch im hessischen Lanbtagswahlkreise Offenbach-Lanb kanbibiert.
Erbach-Bensheim.
In einer Vertrauensmännerversammlung der Zentrumspartei für den Wahlkreis Erbach-Bensheim wurde , einfttmmig beschlossen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern für den christlich-sozialen Kandidaten Rip- > e l einzutreten.
daß cs ohne diese Nachgabe der nationalliberalen Partei fast unmöglich sei, zu einer Verständigung in anderen Wahlkreisen zu kommen, es würde aber dennoch in eine Verhandlung der IParteiverhältnisse in ben übrigen Wahlkreisen cingetrctcn und besonders die Wahlkreise Gießen, Erbach-Bensheim und Alsfeld- Lauterbach als solche bezeichnet, in denen die beiden bürgerlichen Parteien vereinigt vorgehen könnten und zwar so, daß in Gießen die nationalliberalen den fortschrittlichen Volksparteiler, in den beiden anderen Wahlkreisen die fortschttttliche Vvlkspartei den Nationalliberalen unterstützen sollten. Zu einer endgültigen Verständigung kam rS aber nicht, weil die Mitglieder der fottschrittlichen VolkSpartei die verschiedenen Vorschläge dem Ausschüsse noch unterbreiten wollten.
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