Ausgabe 
17.10.1911 Erstes Blatt
 
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Aus Hessen.

Tie Landtagswahl in Giessen.

Act.-Ges. Augsburg

Ständ.Lager u. Vertretung: Allgem. Elektro- u. Maschi-

Geiershöfer, Frankfurt a.M., Neue Mainzerstr. 31.

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Reichrtagskandidaturen.

Das Zentrum stellt an Stelle des zu alten Ab­geordneten Stubb für den Reichstags wa hl kreis Neuwied den Fabrikanten Kriegs aus Nieder-Bieber auf. Für den Kreis München-Gladbach kandidiert Dr. Hitz e-Münster wieder. Die Zentrumspartei des Wahlkreises Bochum-Gelsenkirchen hat in ihrer Ver trauensmännervcrsammlung den Gymnasialprofessor Dr. Weskamp aus Dortmund für die nächsten Reichstags­wahlen aufgestellt. In H a ll e - H e r fu r t und M in d e n - Lübbecke ist eine liberale Einigung erfolgt.

In Halle-Herfurt wird der gegenwärtige natio­nalliberale Abgeordnete Dr. Contze wieder aufgestellt werden, während in Minden der Fortschrittler Kiel kandidiert. In Minden-Lübbecke ist der jetzige Reichstags­abgeordnete Siebermann von der konservativen Ver­trauensmännerversammlung wieder ausgestellt worden. Di. Fortschrittliche Volkspartei im Wahlkreise Melle-Diep holz beschloß, für den nativnalliberalen Kandidaten Wach horst de Wende einzutreten.

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Kaspar Rüfser zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreis- amt Alsfeld und den Bureaugehtlfen Friedr. Kammer aus Butzbach zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Schotten ernannt.

** Oberrechnungskammer. Der Großh.rzog hat den Oberrechnungsprobator Joh. Aff zu Darmstadt zum Oberrech« nungsrevisor bei der II. Justifikattir-Abteilung der Oberrechnungs­kammer ernannt.

** Schonzeit der Fische. Am 15. Okwber hat dre Winterschonzeit für Fische in Hessen ihren Anfang ge­nommen: sie endigt am 14. Dezember. Während der Dauer dieser Schonzeit ist in den ihr unterworfenen Strecken jede ArL des Fischfanges verboten, insoweit nicht die in dem Gesetze vor-i gesehenen Ausnahmen eintreten.

** Die Prüfung int Husbeschlag haben bestanden: Ludwig Bergen aus Allendorf a. d. Lda., Hermann Diehl aus Gedern, Gg. Ganz aus Engelrod, Karl Gieß aus Baben­hausen II, Ernst Häuser aus Fauerbach (Kr. Friedberg), Adam Kratz aus Nieder-Ohmen, Louis Magcl aus Burkhardsfelden, Gustav Ohly aus Griedel, Friedr. Wilh. Otto aus Beuern, Gustav Spengler aus Nidda, Karh Uhrhan aus Lich und Jakob Zulauf aus Oberwegfurt.

Wissenschaftlicher Besuch. Im Anschluß a» den 7. Internationalen Kongreß für Kriminal- Anthropologie fand am 15. Oktober in Gießen ein Besuch der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten statt, bei dem Professor Sommer einen Vortrag über die Anwendung von psychologischen Untersuchungsmethoden auf das Gebiet der Kriminalpsychologie hielt. Die Laboratorien und Unterrichtseinrichtungen wurden eingehend besichtigt. L» nahmen tu a. teil: Prof. Carrara (Italien), Direktor Brück-Faber und Dr. KleeS (Luxemburg), Oberarzt Dr. Evensen (Norwegen), Direktor Göransson (Schweden), sowie Prof. Rosenfeld von der Universität Münster i. W. Der Besuch in Gießen bildete den Abschluß des an wissen­schaftlichen Arbeiten reichen Kongresses, an dem Juristen, Psychiater und Gefängnisbeamte in großer Zahl teilgenommen haben.

** Das Geschäftsjubiläum der Firma I. B. Noll. Im Anschluß an die Feier des 100jährigen Bestehens der Firma I. B. Noll fand am Montag nachmittag in Rod­heim a. d. Bieber ein überaus schönes Fest statt. Während die Festgäste aus Gießen um 4 Uhr mit der Kleinbahn ein­trafen, waren die Arbeiter der Filialen Altenvers und Crum­bach zum Teil in ihrer Nationaltracht auf geschmückten Leiter­wagen herbeigeeilt. Guirlanden und Fahnen zierten daS Fabrikgebäude, vor dem Fräulein Lang ein Gedicht aufsagte und der mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen geschmückte Ar­beiter Weil im Namen seiner Kameraden die Glückwünsche überbrachte. Es ging nun nach dem großen Bender'schen Saale, der sich bis auf den letzten Platz füllte. Kommerzien­rat Noll begrüßte vorerst die Arbeiter und geladenen Gäste in herzlicher Weise. Inzwischen wurde Kaffee und Gebäck ausgetragen und ein gemeinschaftliches Lied wurde gesungen. Fräulein Geller aus Crumbach überbrachte im Auftrag der dortigen Fabrik einen Blumenstrauß. OrtSpfarrer Vömel wußte in einer längeren Ansprache die Entwickelung der auf­strebenden Gemeinde Nodheim darzulegen, wozu die Zigarren­industrie wesentlich beitrage. Nach dem Abendessen fuhren die Gießener Teilnehmer gegen 10 Uhr im Sonderzuge zur Stadt zurück, während die Arbeiterschaft sich noch am Tanze vergnügte. Zu dem gestrigen Bericht sei noch nachgetragen, daß bei dem Festessen Stadtverord. Petri als Aufsichtsrats­vorsitzender der Gewerbebank deren Glückwünsche übermittelte und der Firma weiteres Blühen und Gedeihen wünschte.

** Kais. Hoflieferant. Am 7. d. Mts. hat der Kaiser dem Metzgermeister Herrn Friedrich Schreiner, hier, Seltersweg 73, den TitelKaiser!, und Königl. Hoflieferant* verliehen. Seit fast 9 Jahren lieferte Herr Sch. regelmäßig seinen SpezialartikclFrankfurter Würstchen* an die Königl. Hofküche und die Mundköche haben sich gleich bei der ersten Lieferung am 9. Dezember 1902 sehr lobend über die vor­zügliche Qualität der Würstchen ausgesprochen. Ein Beweis für die Güte und Qualität der Waren sind die großen, regelmäßigen Lieferungen, die Herr Sch. im Juli dieses Jahres, während des Aufenthaltes der Kaiserin auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel hatte. Es wurden u. a. für ca. 590 Mk. Wurstwaren, wie Frankfurter Würstchen, Kasseler Leberwm?st, Lachsschinken, Cervelat und Salami re. geliefert. Bei Jagdgelegenheiten und Hofbällen hatte Herr Schreiner öfters die Lieferungen für die Kaiserl. Hofküche, so u. a. beim Aufenthalt in Wiesbaden, Wilhelmshöhe, Wildpark, Berlin Schloß, Posen, Danzig, Homburg v. d. H., Straß- .. bürg, Altona, Stettin, Marienburg (Ostpr.), Rominten, Metz, HubertuSstock. Die Auszeichnung des Herrn Schreiner ist für unseren ganzen Gewerbestand sehr ehrend, und ein neuer Beweis dafür, daß es niemand nötig hat, seine Einkäufe außerhalb zu machen.

** Vortrag über Tripolis. Der Kaufmännische intb der Ortsgewerbeverein begannen ihre Wintervorträge mit einem solchen überLand und Leute von Tripolitanie n", worüber Dr. Grothe- Leipzig gestern abend mit Zuhilfenahme von Licht­bildern in etwa IVrstündigem Vortrag die zahlreich erschienenen Zuhörer unterhielt. Er gab einen Ueberblick über die geschicht­lichen Ereignisse der sieben letzten Jahrzehnte, die in jüngster Zeit zu einer Besitzergreifung Tripolitaniens durch die Italiener führten, so daß dieses wenig bekannte Stück Erde plötzlich in den Vordergrund des politischen Interesses getreten ist. Schon int Jahre 1838 verwies der Italiener Mazzini seine Landsleute darauf, den Blick nach Süden und Osten zu werfen. Bismarcks Ansicht ging dahin, Italien und Frankreich können sich im Mittel­meer unmöglich zu gemeinsamem Handeln vereinigen; die Herr­schaft über das Mittelmeer gehört Italien. In dem Augenblick, als die Verhandlungen wegen Marokko zwischen Deutschland und Frankreich zu einem Erfolg für die Franzosen wurden, führte Italien den längst vorbereiteten Plan aus und erklärte der Türkei den Krieg, der für Deutschland nur Nachteil bringen kann; denn schon jetzt ergeht sich die jungtürkische Presse in heftigen Anklagen gegen das Deutsche Reich, das nicht in der Lage sei, die erste Vormacht des Islam, die Türkei, gegen ita­lienische Räubereien zu schützen. Diese Tatsachen und Ereignisse legen die Frage nahe, welche kolonialen Werte sind in Tri- politanien gegeben? Der Vortragende kennt das Land aus eigener Anschauung, er hat ungefähr 2 Jahre dort gelebt, das Land sowie die Sprache und Sitten des Volkes studiert und kommt zu dem Schluß, daß es für Italien einen sehr wertvollen Besitz dar-

Vom Verein der fortschrittlichen Volkspartei für den 1. hefs. Reichstabswahlkreis geht uns folgende Erwide­rung zu auf die Erklärung des Herrn Professor Luley in Nr. 242 unseres Blattes:

Sehr geehrter Herr Professor.' Wäre an unserer Erklärung ouch nur her kleinste Fehler gewesen. Sie hätten Ihre rote Tinte sicher mcht gespart. So beschränken Sie sich darauf, ein Dutzend

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Aus StaOt und Land.

Gießen, 17. Oktober 1911.

** Tageskalender für Dienstag, 17. Oktober: Stadt­theater:Der Meister von Palmyra." Anfang 8 Uhr.

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberzahlmeister Heyer im Leibgarde- Jnfanterie-Regiment (1. Hess.) Nr. 115 verliehen.

** Brandversicherungskammer. Der Groß- Herzog hat den Bauaufseheraspiranten Friedr. Rühl zu Mainz zum Assistenten der Brandversicherungs-Jnspektoren ernannt.

** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den evang. Pfarrer Hans Stählin zu Brauerschwend auf sein Nachsuchen behufs Uebcrnahme einer Pfarrstelle zu Seuken­dorf bei sttürnberg aus dem Dienste der hessischen Landes­kirche entlassen und den evang. Pfarrer und Dekanstellver­treter Wilh. Hartmann zu Nieder-Jngelheim auf sein Nachsuchen von dem Amte des Dekanstellvertreters des De­kanats Mainz enthoben.

** Lehrerpersonalien. Uebert ragen wurde dem Lehrer Hch. Weisel zu Garbenteich die erste Lehrer­stelle an der Gemeindeschule daselbst. Bestätigt wurde der von dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Mosbach auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst präsentierte Lehrer Hch. Jos. Tederich zu Mainf­lingen, ferner der von dem kath. Pfarrer und dem Bürger­meister zu Ober-Wöllstadt auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Wöllstadt präsentierte Schul­amtsaspirant Jak. Kiefer aus Selzen. Entlassen wurde die Lehrerin Martha Goes an der Volksschule zu Offenbach auf ihr Nachsuchen. In den Ruh est a n d versetzt wurde der Lehrer Hch. Etling zu Arheilgen aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen ver­liehen.

Dinge anzuführen, die Sie in unserer Erklärung, dte dock) gar feine Darstellung der Verhandlungen gab, verminen., darauf im Einzelnen einzugehen und Ihre Fehler nachzuweyen, wird uns in Versammlungen, wenn Sie es wünschen, eine leimte Mühe sein. Auf eine Zeitungspolemik aber, bte doch nur den Wahlkampf' unnötig verbittern kann, verzichten wir; berat 'S te zu überzeugen wird uns doch kaum gelingen und um das uneii vorurteilsfreier Wähler ist uns nicht bang.

Nur auf den ersten und wichtigsten Punkt Ihrer Korrektur müssen wir antworten. Da heißt es, daß die "»oMchrttLparrei unser Ausgleichsangebot: Unterstützung bet den nächsten -uerchs- tagswahlen schroff abgelehnt hat". Aber wir haben dock diese Ihre Unterstützung nicht nur nicht abgelehnt, sondern töcgen- teil als selbstverständlich bezeichnet, wir haben Sbnen Da­für auch Unterstützung in anderen Reichstagswahlkreisen m uus- lidjt gestellt, wiederholt, mündlich und schriftlich. Und, verr Professor, das können wir Ihnen nicht ersparen, S te mui ) en wissen, daß dem so ist, und haben doch jene Grnarung, bte das Gegenteil behauptet, verfaßt oder doch unterzeichnet. Das bedauern wir aufrichtig; aber in I h r e m Jntereye.

Der Verein der fortschrittlichen Volkspart et für den 1. Hessischen Reichstagswahlkreis. ,

Metz, Vorsitzender. Dr. Ebel, Schriftführer.

Von Herrn Fabrikanten Adolf Klingspor, dem Kandi­daten der nativnalliberalen Partei, erhalten wir folgende

Im gestrigenAnzeiger" wird von einem unparteiischen Volks­parteiler, der sich übclr den Ernst und die Konsequenzen bel­iebigen Situation wohl klar zu fein scheint, der Vorschlag ge­macht, man möge nach Rücktritt der beiden liberalen Kandidaten durch eine Volksabstimmung den Willen der Wählerschaft zu erkennen und durchzuführen suchen.

So sehr ich nun auch die gute Absicht des Einienders an­erkenne, eine praktische Folge dürfte sein Vorschlag kaum zeitigen. Nicht die Stimmung in der Stadt, nicht Recht und Gerechtigkeit werden in einer öffentlichen Versammlung entscheiden, sondern die rohe Macht des zur Abstimmung beorderten Aufgebotes.

Da aber der unparteiische Volksparteiler wohl den Willen weiterer Volksschichten vertritt, so bedeuten seine Auslassungen zweifellos eine Anregung, die nicht unbeachtet bleiben kann.

Vielleicht klärt sich die Lage für den Uneingeweihten mehr, wenn ich, außerhalb der Erklärungen von Partei zu Partei mich begebend, hier folgende Grundlagen der Verhandlungen festhalte.

Tie nationalliberale Partei war der Ueberzeugung, ein An­recht auf das zweite Mandat der Stadt Gießen zu haben, nach­dem sie

1. bei der Ersatzwahl für den hochgeschätzten langiähngen Ver­treter Herrn Geh. Justizrat Gutfleisch bedingungslos für dessen Nachfolger Herrn Justizrat Grünewald eingetreten ist, obgleich die Mehrheit der Wahlmänner auf feiten der Nationalliberalen lag,

2. der sortschr. Volkspartei die Unterstützung bei d e r demnächstigenReichstagswahtin Aussicht stellte.

War damit für den Vorurteilsfreien schon ein genügendes Aequivalent geboten, so erklärte sich die nationalliberale Partei außerdem bereit, den Anregungen des 1. Vorsitzenden der fort­schrittlichen Volkspartei Folge zu geben und in Darmstadt und, falls das scheitern sollte, in Mainz die Unterstützung eines fort­schrittlichen Kandidaten wärmstens zu befürworten.

Die Verständigung in Darmstadt wurde unmöglich, da über die Personenfrage eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Die Unterstützung in Mainz wurde von der Gießener fortschritt­lichen Parteileitung als nicht annehmbarer Ausgleich bezeichnet.

Wenn i ch mich zur Uebernahme einer Kandidatur bereit erklärt habe, so, geschah es wirklich nicht ans persönlichem Ehr­geiz soweit ge'.jt der bei mir nicht sondern es geschah nur um Handel, Gewerbe, Industrie und Arbeiterschaft in der schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sie sich befinden und in der noch schwierigeren, die ihnen durch die traurige Geschäfts­lage beoorsteht, eine Stütze zu sein, nachdem die Interessen der freien Berufe zum Spielball der politischen Parteien geworden sind. Der akademische Beruf ist bereits vertreten; die Ungunst der Verhältnisse, die auch auf ihm lastet, ist zu klar, um nicht ver­standen zu werden.

Wollen sich die politischen Parteien auf einen anderen gewerb­lichen Vertreter einigen, so werde ich der erste Jein, der sie zu diesem Vorgehen beglückwünscht. Ich freue mich eines derartigen Versuches und liebe nicht. Man überweise den beruflichen Organi­sationen (Handelskammer, Kaufm. Verein, Detaillisten-Verein, Ge­werbeverein usw.) die Entscheidung über die zu berufende Per­sönlichkeit. Von den Reichstagswahlen heute zu reden, wäre ver­wegen. Die Konsequenzen ergeben sich aus dem jetzigen Vor­gehen der Parteien von selbst.

Gießen, den 17. Oktober 1911. Adolf Klingspor.

es mit Peking vorläufig nicht verderben wollte. Dem ent­spricht auch eine allerdings nicht ganz zweifelsfreie Mel­dung der Times, daß die vier in Peking vertretenen aus­ländischen Finanzgruppen ein Gesuch der Pekinger Regie­rung um finanzielle Unterstützung rundweg abgelehnt hätten, da bei den Revolutionären sonst der Glauben er­weckt werden könne, das Ausland nähme gegen sie Partei.

Daß England, Frankreich, die Union und Deutschland in diesen inneren chinesischen Streit eingreifen werden, falls es nicht doch zu Ausschreitungen gegen ihre Staats­angehörigen kommt, läßt sich nicht annehmen. Dagegen verfolgt Ruß land, welches ja schon seit einiger Zeit mit Cyina auf gespanntem Fuße steht, die chinesische Revo­lution mit aufrichtiger Freude, wohl in dem Gedanken, daß dabei wieder ein Stück des nördlichen Chinas für Rußland abfallen könnte. Japan seinerseits trifft unzweifelhaft kriegerische Vorkehrungen. So sieht es mit dem Kaiserreich China wieder einmal traurig aus. Zu dem mächtigen Feind im Innern kommt der Feind von außen: Rußland und Japan. Das Schick­sal der Mändschudynastie scheint ebenso besiegelt zu sein, wie eine weitere Zerstückelung Chinas durch Rußland und Japan als Dank für ihre oen Revolutionären geleistete Hilfe.

Aus der Hauptstadt.

Peking, 15. Okt. Infolge der über die chinesische Presse verhängten Zensur ist die Öffentlichkeit ohne alle Nachricht über die Lage, aber die beständigen Truppen­bewegungen rufen große Erregung hervor. Die chine­sischen Banken werden gestürmt. Die Einleger- trägen ihr Geld in ausländische Banken. Der holländische Finanzexperte Vissering ist im Zusammenhang mit der internationalen Anleihe von 10 Millionen Pfund zum Bei­rat ernannt worden, doch hat er keine Kontrolle über die Ausgaben. Alle Theater Pekings sind g e- schlossen. Eine ganze Division der Kaiserlichen Garde ist hierher zurückgekehrt. Die Truppen von H onan haben sich den Rebellen a n g e s ch l o s s e n. In Han kau liefert das in den Händen der Rebellen befind­liche Arsenal täglich 25 000 Patronen und 140 Feldgeschütze stehen bereit. Der Telegraph ist in den Händen der Auf­ständischen.

London, 16. Okt. Ein hiesiges Blatt meldet aus Peking unter dem 15. Oktober: Der Kriegsminister und sein Stab sind heute nachmittag nach dem Süden abgereist. Der Dienst für die Truppenzüge arbeitet vor­züglich. Bis Dienstag werden 34 Züge mit insgesamt 24 000 Mann die Fahrt nach Hankau antreten.

DaS Zusammenarbeiten der fremden Kriegsschiffe.

Berlin, 16. Okt. Der Chef des Krcuzergeschwaders erhielt von dem vor Hankau befindlichen Kanonen­bootTige r" die Nachricht, daß der Admiral der in Ostasien befindlichen amerikanischen Seestreitkräfte den Oberbefehl über die vor Hankau versammel­ten internationalen Machtmittel übernommen hat. Der rangälteste Kommandant, ein j a p ani s ch e r Ka - pitän zur See, trat das Kommando über das verei­nigte Landungskorps der fremden Mächte an. Die von der revolutionären Bewegung eingesetzte provisorische Regierung versicherte die fremden Niederlassungen in Hankau ihres Schutzes. Gefahr droht diesen nur seitens des Pöbels bei Kämpfen zwischen den Regierungstimppen und den Aufständischen. Admiral Sah wird mit einem Kreuzer vor Hankau erwartet. Er hat den Auftrag, das Hankau gegenüberliegende Wutschang, das Sitz der Regie­rung ist, zu beschießen. Der Chef des Kreuzergeschwaders ist mit derGneisenau" und dem TorpedobootSi90" über Nanking nach Hankau in See gegangen. Die dort versam­melten Seestreitkräfte haben funkentelegraphische Verbin­dung mit dem Schutzgebiet Kiautschou und dem Chef des Kreuzergeschwaders.

In der Mandschurei.

Mukden, 16. Okt. Der Vizekönig erhielt den Be­fehl, die in Mükden und den nächstliegenden Bezirken stehen­den Truppen in der Mandschurei zusammenzu­ziehen und schleunigst Maßnahmen zur Erhaltung der Ruhe in der Mongolei zu ergreifen.

Die deutsch-sranMchen Uongoverhandlungen.

DerM atin" schreibt :Der ehemalige Gouver­neur von Gabun, Direktor des Kolonialamts in Paris Rognon, der eine tiefe und ausgedehnte Kenntnis unseres Kongo besitzt, ist seit einigen Tagen in Berlin, um Herrn Cambon mit technischem Rat beirustehen. Die An­wesenheit des Herrn Rognon wird die deutsch-französischen Verhandlungen sicher beschleunigen."

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beschränken Sie sich darauf, ein Dutzend den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreis amt Schotten Karl