Ausgabe 
17.10.1911 Erstes Blatt
 
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sein wird.

Hessen-Nassau.

Ulli IIIIIILIII 4* IHVUULf Zukunft bei wirklich Bedeutung ihre Pro-

entncr entner

§ Marburg, 16. Okt. Mit einem eigenartigen studen­tischen Fest wurde diesmal das Wintcrsemesier cingelcitet. Unter Vurantritt der gesamten Jäger-Kapelle zog nachmittags das Korps Teutonia durch die Stadt. In einem Vierspänner hinter der Musik fuhren 3 Chargierte und der Coulcurdiener Otto, der sein 25jähriges Dicnstjubilänm feierte und dem die festliche Veranstaltung aalt. Im Korpehause schloß sich ein flotter Kommers an. Tic Ankündigung des Bezugs von Kartoffeln durch die Stadt brachte dem Rathause heute früh einen

Amtlicher Wetterbericht.

Oesfentliche Wetterdienststelle Gießen.

WetteranLsichten in Hessen am Mittwoch, ein 16. Oktober 1911: Meist heiter, troden, ln^s mild, imdjtä starke Abkühlung, vielfach Nacht stosl. ________________________________

gewaltigen Verkehr. Dr.i Beanltc waren nötig, um die Auf­träge zu notieren. Trotzdem nur an jede Familie 10 Zl abgegeben werden, waren bis mittags schon rund 6000 Z<

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Gedeihen wünschte. in 7. b. MtS. hat k edrich Schreiner, hin und Königs. hoflieferani' :te Herr Sch. regelma=;; Würstchen' an die fcj. sich gleich bei der erßn lobend über die voi- zaefprochen. Ein Beivn- Baren sind b« 9t* :r Sch. M 3"' der Kaiserin aus bch>°. Zs wurden u. a. für c°> iuder Würstchen, KM und Salami -c. Mli llen hatte Herr Schrm -

WilhelmShohh .

Homburg v. *

Mslvr.), lttominten, -

bESn<> ein neue tat Jeint nohg hak»

Tie wissenschaftlichen Leiter der Expedition müssen über die wahre Natur ihres problematischen Unternehmens sehr genau unterrichtet sein, und es ist deshalb die Frage, warum sie trotzdem an dessen Ausführung festhalten. Wenn man eine 'S Port fahrt machen will, meint Prof. Sievers, dann soll man der Expedition kein wissenschaftliches Mäntel­chen umhängen, 'das dazu geeignet 1ci, bas Ansehen 'der deutschen Wissenschaft, die immer als »olibe und streng sachlich gegolten habe, empfindlich zu schädigen, und 'daß wir uns dem Standpunkt Weltmanns, des amerikanischen Luftabentenrers, näherten. Endlich wäre zu befürchten, daß sowohl die sehr hochstehenden als auch die finanziell sehr leistungsfähigen Kreise in Deutschland, die dieser Expe­dition, wohl ohne Kenntnis von ihrem inneren Unwert, ihre Fürsorge angcdeihen ließen, in Zukunft bei wirklich wissenschaftlichen Unternehmungen von Bedeutung ihre Pro­tektion und ihre Mittel zurückhalten werden.

Tie Ausführungen Professors Sievers, die wir hier in kurzem 'Auszuge wiedergegeben haben, werden zweifel­los das größte Aufsehen erregen, und man darf auf die weitere Entwicklung der Angelegenheit sehr gespannt sein, da sich zugleich zwei verschiedene Auffassungen stber die Aufgaben der LMnschajr ^egenWsUeheL^

Landwirtschaft.

§ 3 f 11 bei Alsicld, 15. Oft. Sxntc sand, nachdem vorder eine Ausslhußsitzung ftattgchnibcn hatte, die H a u b t n_e r f a m m - lung deS UreisziegenzuckN vereine im Mesticden Saale ftflti. Oekonomierat Korel 1 von Angenrod hob die vom Kreisziegen ;«ck'tverein Alsield erzielten Erfolge bervoi Im Jahre 1911 sind dem Verein 42 Mitglieder beigetreten, während die Zahl 1910 138 betrug Tie neuen Mitglieder wurden ohne Wider svrnch ausgenommen, so daß der Verein jefct etwa 900 Mitglieder stark ist. Weiter wurde bemerkt, daß moratm oder Dienstag ein .Herr aus Norwegen kommen wolle, um Einkäufe von Ziegen zu betätigen. Ter gute Ruf des Vereins erstreckt sich bis Edina, wohin demnächst Ziegen versandt werden sollen, hieraus hielt Herr Kreutz- Gießen einen Vortrag über: ^Haltung, Pflege und Aufzucht der Ziegen" Aus dem Vortrage iit hervorzubeben: Ter Kreisziegeuzuchtverein Alsield sei tonangebend, nicht nur in Hciien, sondern in ganz Teutschlanb. weil eben die Ziegenzucht hier schon io guten Boden gefaßt bade. Tie Ziege, die nur ein Gewicht von 60 Kilogramm erreiche, gäbe im Verhältnis zur Kuh, die 500 Kilogramm schwer werde, mehr und bessere Milch. Tie Ziegenmilch sei die beste und gesündeste Nahrung für Kinder, sie gleiche der Muttermilch an Güte, sie sei leicht verdaulich und nahrhafter, weil der Eiweißgehalt größer sei als bei Kuhmilch Sie zersetze sich leichter in kleine Flocken und sei bei Auszucht von Fohlen, Kälbern und Schweinen sehr angebracht, selbst Raub­tiere, welche Ziegenmilch erhielten, seien besser genährt: außerdent sei sie tuberknloiesrei, wie die statistischen Nachweise ergeben. Es ist 1901 statistisch nachgewiesen worden, daß nur 0,7 Prozent Ziegen von der Tuberkulose befallen werden, wälrrenb dies bei anderen Tieren in größerem Maße der Fall ist. Der Stall soll trocken, lustig, hell intb reinlich sein Tie Nässe schadet nicht nur dem Tiere salbst an seiner Gesundheit, sondern hat auch atü die Ergiebigkeit und den Geicknuack der Milch großen Einsluv. Besonders nachteilig ist die Nässe für die Klauen der Ziegen, sie treten leicht durch und bekommen sog.Bärenklauen . Tem Naßliegeu kann leicht abgebolsen werden durch Unterlegen von hölzernen Brücken aus schmalen Brettern mit Zwischenräumen. Luft und Licht sind zu allem Scheit unerläßliche Dinne. Jede Pflanze strebt nach Licht, warum soll es die Ziege nicht haben ' Ter Stall muß sauber gehalten, die Wände jährlich einige Male mit Kalkmilch gestrickten werden, um die Bakterien und Pilze zu vernichten. Aber auch die Ziege muß durch Bürsten und Striegel sauber gehalten werden: im Winter bürsten, tut Sommer striegeln und. bürsten. Nachdem noch vom Hüten und vom Weide gang die nötigen Belehrungen erteilt waren, kam die Rede am die Klauenpflege. Aus die Klauenpslcge ist ganz besonder-? Bedacht zu nehmen, denn eine Ziege mit schlecht gepflegten Klauen sieht nicht nur abscheulich aus und macht einen widerwärtigen Eindruck, sondern sie erleidet auch Schmerzen, wodurch die Freß In ft und Ernährung in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Ziege mit schlecht gepflegten Klauen sollte überhaupt von feder Auszeichnung, als Prämiierung usw. ausgeschlossen werden, dann würden die Züchter am ersten zur Erkenntnis kommen., Herr Tr. Lung hatte einige Zeichnungen entworfen, die den falschen und richtigen Schnitt der Klaue veranschaulichten. Am Schlüsse wurde noch festgestellt, daß dec Kreisziegenzuchtverein Alsfeld bis heute aus verkauften Ziegen, Ziegenlämmern und Bocken die Summe von 5657 Mk. erzielt habe.

stellt An den beiden Sorten gelegen, erstreckt sich 2ripphtanien !icf ms Znnere Afrikas bis nach Sudan hin. Es umfaßt mit < -t Hochland von Barka ober Cyrenatka eine Ländermam, die fünfmal so groß als Italien oder zweimal so groß als Deutsch- auo iit Vom Meere auS nackt dem Innern folgen auf die kbr fruchtbare Küftenzone mit ihren Gartenkulturen eine etwa ßO fcp 100 Kilometer breite Stepvenzone, dann das Gebirge, da« eigentlich nur als bet von vielen Flüssen durchwaschene Rand drs innerafrikanischen Hochlandes anzusehen,. Tas sich ansevende vielfach von Dünenreihen angefuutc WuNengebtet weckt eine Menge von Lasen auf, über die sich die Handelsstraße nackt dem Innern des Erdteils hinüeht. Aeußerß beschwerlich gestaltet sich i'c«t noch die durch Felsen beeinträchtigte Einfahrt in die ttipolitanischen Häsen, die bei Sturm oder hoher See fast nicht von cen größeren Schissen angelausen werden können. Die San* i'una geschieht darum mittelst kleiner arabischer Boote. Ta die 'Regenmenge nicht unbedeutend ist, 750 bis 800 Millimeter im Satte, so können bei der vielfach vorhandenen Fruchtbarkeit durch ; ftter'e Anlegung von Brunnen, Überhaupt durch bessere Be- wirtfchastung des Grund und Bodens, die Erträge bedeutend ge- steigert werden, wie denn auch der Handel sich zweifellos bebcu- tenb hebm wird. Die Bevölkerung besteht zumeist aus Arabern, die hierher verzogen sind, 3üben unb Sudannegern. Italien iintet hier für seine Kulturbestrebungen ein arbeitsreiches Feld, und es verdient anerkennend hervorgehoben zu werden, daß es auch seither durch Errichtung zahlreicher Schulen schon einen An fang zur Kultivierung gemacht hat. Es beherrscht den Handel größtenteils, denn es weiß, wer den Handel eine- Landes in Händen hat, besitzt daS Land, eine Tatsache, die wir Deutsche uns besser merken dürsten. _ . . ,

* I m Kolosseum begann gestern cm neuer Spielman, der zweite unter Direktor Karl Ohm, unb er erfreute ebenso sehr durch die schöne unb eindrucksvolle Auswahl der einzelnen Num­mern, als auch durch ihre abwechfelungsreiche und geschickte Reihen- folge. Wenn etwas zu beanstanden wäre, bann wäre cS die sprachliche Abfassung des Spielzettel-, der in allen möglichen Zungen redet, nur nicht in ber beutfchen, unb beshalb dem ein­fachen Manne völlig, den übrigen z. T. unverständlich bleiben muß. Unsere deutsche Sprache iit eine der ausdruckssähigsten der Welt, unb Herr Tirektor £ firn könnte sich hier ein Verdienst erwerben, wenn er entschlossen mit dem alten Brauch brad>e und feine Vorführungen in gutem Teutsch anzeigte, damit sein Sviel- vlatt in jeder Beziehung untabelig wäre. Tie einzelnen Tar- birhmgen waren es in jeber Hinsicht, und das mit einem guten Zuschau er kreis besetzte Haus folgte ihnen mit lebhaftem Interesse unb offensichtlicher Freube. Auch wir wünschen Herrn Tirektor Ohm einen glücklichen Erfolg in seinen Bestrebungen, die die früher im Kolosseum tief in den Schatten stellen und vor allem daran gerichtet sind, ein wirkliches Familienprogramm zu bringen, um ber vielverkannten zehnten Muse auch hier zu einem guten und gern besuchten Tempel zu verhelfen. Diesen Geist atmete auch der neue ^piclplan, der als bekannten Gast Don Josö be Lab 4 ro, den mit ungewöhnlichen geistigen ober seelischen Fähig - feiten ausgerüsteten Ofedankenleser vorsührt, der bei seiner kürzlich im Institut des Herrn Prof. Sommer gegebenen Sondervorstellung berechtigtes Ausselstn erregte. Gestern abend löste er die ihm gestellten Aufgaben wieder mit verblüffender Sickferheii Ohne unmittelbare Berührung folgte er den (Gedanken eines bekannten hiesigen Arztes, in dem er zunächst dessen Mantel auf die Bühne trug, bann einem Herrn aus der Tasche des Ueberziehers Zigaretten und Feuer anbot, usw. Da auch dem Ungläubigsten Har sein dürfte, daß sich der Mediziner nicht auf irgendein Lcheinmonövcr eingelassen hat, so dürften damil alle zweiflerischen Einwände Lficitigt sein unb Labsro zeigt sich als das, was er ist: als einen ungewöhnlichen Menschen, der und beweist, daß es Dinge gibt, die für uns schlechterdings noch unbegreifbore Rätsel sind. Bei dem zweiten Experiment befand sich Laböro sogar einen Meter vor dem ihn beeinflussenden Herrn, ohne jede Berührung, und doch stellte er u. a. sogar eine Uhr aus die gedachte Zeit. Tic übrigen Vorführungen waren natürlich von ganz aitbevcr Art. Gilt) Bianka sang und tanzte unter starkem Beifall. M i r i a m bot in seinen drastisch-komischen Kunststücken und Mätz­chen äußerst gelungene unb auch witzige Vorführungen, die lebhaft Lellatfdit wurden und von heiterster Art waren. Tie drei Wels, drei Mädchen, die in entzückenden madvarischen Gewändern auf treten unb von Farbe unb Bewegung schillern, tanzten z. T. nach Brahmsschen Rapsodien lebensvolle Liebestänze, die ein Unger Schönheitssinn zu .ilünsttänzen gewanbelt hat, unb fanden starken Beifall. Eine außerordentliche Fingersertigkeit bewiesen Herr N o r m a n n S e o r 11 und Fräulein Alice. In ununterbrochener Folge vollführtc er die wunberttchsten Täu-

(unbgebungen vom Publikum unb von der Verwaltung ganz besonders geehrt worden sind Von Leipzig aus wird das Dindersteinorchester wieder in einer Neiße von Städten gastieren, so in Plauen, Jena, Halle, Magdeburg, NaumSburg, GoSlar, Wernigerode, Torgau, Wittenberg u. a. Im Januar unternimmt eS eine Konzertreise nach Oester eich, die sich voraussichtlich bis zu den Balkanstaaten auS rehnen nnrd.

Starkenburg un^ Nheinßeffen.

rm. Darmstadt, 17. Okt.^ Ein leichtfertiger Autler, der erst kürzlich von der Slraskamm'r in Mannheim zu G Wochen Gefängnis verurteilt wurde, weil er in rasender Fahrt in der Nähe von Ludwigshafen ein Kind totgeiabren und ohne sich barum zu kümmern weiter gefahren ist, ist der Rentner Jakob Kn gen schütz her. Er macht mit s tnem Auto die ganze Gegend unsicher und bei dem Provinzialaussckuß ist jetzt der Antrag gestellt worden, daß ihm der Führerschein für das Automobil entzogen wird. Ter Antrag wird am nächsten Samstag verbandelt. Inzwischen hat er wieder neues Unheil angestellt unb zahlreiche Menschenleben gefährdet. .Er kam am Sonntag abend in V-Zugsgeschwindigkeit von Diesbad n mit ciniacii Freunden in seinem Auto. In der Nähe Tarmstadts überfuhr er ans der Mainzer Straße die geschlossenen Schranken her Balm strecke DarmstadtWorms, so daß das Auto stark beschädigt mitten auf der Strecke stehen blieb, ohne daß es möglich war, die Strecke frei zu machen. blich kam ber Wormser Zug und den Autlern gelang c8 gerade noch zur Seite zu springen, während das Auto durch die Näber zermalmt wurde. H. wird sich wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes zu verantworten haben.

W Darmstadt, 16. Okt. Gestern starb hier der G - iteralmajor zur Disposition von Eolomb im 81. Lebensjahre. Er war früher Kommandeur ber 25. hessischen Kavalleriebrigabe und hat die Felbzüge 1849, 1866 unb 1870/71 mitgemacht. Seit oem Jahre 1889 war er zur Disposition gestellt.

Kreis Wetzlar.

4- Krofdorf, 16. Okt Wenn auch die Grummet- ernte recht schlecht ausgefallen ist, wird es doch bei der recht guten Heuernte an Trockenfutter nicht fehlen. Die jetzt vor sich gehende Tickwurzernte ist ganz vorzüglich, o das; tatsächlich niemand wegen Futtermangel Vieh abzu- schassen nötia hat. Auch mit dem Ertrag in Kartoffeln geht es durchschnittlich an, wenn auch au; einzelnen hoch iegendcn Aeckern der Ertrag nicht gut zu nennen ist. Der Anschluß der Burg Gleiberg an das Elektrizi­tätsnetz ist jetzt beschlossene Sache. Direltor Stolte vom städtischen Elektrizitätswerk in Gießen hat versichert, daß die Bnrg in spätestens 45 Wochen elektrisch beleuchtet

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b« ln roifl,n. «IKS, an bent Juristen lro^cr3^I teilgenommen b" Firma J.B. Noll. 00>ahrigen Bestehen, ber :n9 nachmittag in SR ob. ines Fest statt. Wohrenb niit ber Kleinbahn ein« len StltenverS unb Lrum. t ^geschmückten Leiter. >nd Fahnen zierten bas ang ein Tebicht aufsagte Anzeichen geschmückte Ar. meraben bic Glückwünsche dem grosten Benber'schen platz füllte. Kammerzien- eiter unb gelabenen Gäsie würbe Kast'ee unb Öebäd heS Lieb würbe gesungen, iberbrachte im Auftrag bei H. OckSpsarrer Börne! die Entwickelung bet au', legen, wozu bie Zigarren- l bem Abendessen fuhrn im Merjugt jr |iaft /ich noch aux Ta-; st sei noch v&tyftrwfi, Utxi att AusMrÄr. Glückwünsche übermitteln

Der neue Seckerprozetz.

~ Stettin, 16. Okt.

Unter großem Andrauge begann l>eutc vor der ersten Straf fammer des hiesigen Landgerichts die erneute Verhandlung in dem Prozeß gegen den Rittergutsbesitzer Becker (Bartmanns hagcit', der unter der Anklage steht, in Eingaben an verschiedene Behörden den früheren Landrat des Kreises Grimmen, Freiherrn v. M a l tz a h n , und die Mitglieder des Kreisausschusscs Grimmen beleidigt zu haben. Dm Vorsitz im Gerichtshof führt Land­gerichtsdirektor H ö h r i g. Dem als Nebenkläger zugclassenen Freiherrn v. Maltzahn stehen die Rechtsanwälte Waldon» (Stettin) und Langeniak (Greifswald) zur Seite. Der .An- geklagte Becker ist in Begleitung seines Verteidigers Dr. Berndt erschienen.

Der Anklage liegen bekanntlich politische Zwistigkeiten zu­grunde. Ter Angeklagte Becker glaubte Ursache zu haben, sich durch den Landrat in seiner politischen Betätigung als Mitglied der liberalen Partei schikaniert zu fühlen. Er brachte diese Anschauung in verschiedenen Eingaben 8um Ausdruck, die er an die übergeordneten Behörden bis hinauf zum Minister richtete, in denen er die Tätigkeit des Landrats einer sehr abfälligen Kritik unterzog. Seine Ausführungen gipfelten in der Behaup tung, daß der Landrat sich als politischer Agent des agranschcn Ternagogentums betätige. Tie Angelegenheit hat bereits zweimal die Gerichte beschäftigt unb endete das zweitemal mit der Ver urteilung Beckers zu einem Jahre Gefängnis. Das Reichsgericht hat auf Revision des Angeklagten hin das Urteil aufgehoben und zwar aus formellen Gründen, als auch aus dem sachlichen Grunde, daß dem Angeklagten zu Unrecht der Schutz des § 193 versagt worden sei.

Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, des Greifswalder sowie des reichsgerichtlichen Urteils wird der Angeklagte ver­nommen. Zunächst handelt es sich um die Frage, ob sein Nachfolger im Gutsvorsteheramte Ebert zu Recht in diese- Amt eingesetzt worden sei. Ter Angeklagte behauptet, daß dies nicht der Fall gewesen fei. Er sei daher auch nicht verpsiichtet ge< wesen, dessen Anordnungen Folge zu leisten. Auf eine Beschwerde des Angeklagten beim Regierungspräsidenten hat dieser Leant- märtet, daß der Landrat ihm, Becker, außerordentlich entgegen- gekommen sei. Ter Angeklagte bemerkt hierzu: Damals verstand ich diese Wendung nicht, jetzt weiß ich, daß der Versuch, mich politisch zu beeinstussen, mit Wissen und Willen des Regierungs­präsidenten erfolgt ist. Er würde heute manches nicht mehr schreiben, was er damals geschrieben habe, aber das Recht müsse gegen die Macht vertreten werden. Hieraus beantragt ber Verteidiger, Rechtsanwalt Berndt, eine Reihe weiterer Zeugen zu laden, darunter den Reichstagsabgeordneten Gothein für die Tatsache, daß bic Landräte durchweg ihre Stellung in den Dienst der konservativen Partei stellen. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß die Beweisanträge abgelehnt seien. Ter Wahrheitsbeweis erscheine innerhalb eines so allgemeinen Aus­druckes wieAgent des agrarischen Temagoaentums", wie schon das Reichsgericht fetzgestellt habe, nicht zulässig.

Daraus wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt.

Kleine Tagerchronik.

In Berlin sank in diesem Herbst während der letzten Nacht das Thermometer unter Nu l l und zum erstenmal zeigte sich hier und da eine leichte Eisbildung.

In Wölkersdorf wollte bei einer photographischen Auf­nahme der Lithograph Pierro eine P i st o l e in die Hand nehmen Tie Waffe entlud sich. Die Kugel tötete eine Lage - risti n unb verwundete ein § weitcs Mädchen schwer.

In Fritzlar brack in der Kun st mühle E. Buchenhorst. G. m. b. H., G r o b fc u e r aus Es verbrannten 12 000 Zentn^ Weizen, 1500 Sack Mehl unb ein großes Lager von Futterartikeln. Sämtliche Maschinen sind vernichtet. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

In Halle a. S. versuchte die Witwe Sorsterer aus Gram über den vor drei Wochen erfolgten Tod ihres Mannes si ch unb ihre drei Kinder durch Leuchtgas zu töten. Beim Ein treffen ber Polizei wurden die Frau unb ihr sieben Wochen alter Säugling lebend vorgefunden, ein sechsjähriges Mädchen und ein vierjähriger Knabe waren tot.

Graf G i e s b e r t W o l f f - M e 11 e r n i ch hat auf das Recht' mittel der Revision verzichtet.

schungen und Fingerfertigkeiten, unb aus einem kleinen Tüchlein und zwei Tellern hatte er ichtteßlich so viel Flaggen heraus- gezaubert, daß die ganze Bühne über unb über damit bedeckt war. Fräulein Lio la stellt im Kostüm einer Bajadere, umrahmt von Licht- und Wasserkiinsten, ein graziöses Tanzfpiel bar, das in lichten Farben funkelt und zittert. Äußerst gewandt aus geführte akrobatische Tänze reihten sich an. Großen Beifall als gescherte 5tatl erzielte Käthe Eonsve mit ihren burschikos-maid licken Liedchen, die oft fröhlichste Heiterkeit weckten. Ganz vor­zügliche Jongleure sind die Mettros, eine äußerst anmutige und reizende Truppe von drei Herrn und zwei Damen, die mit Fächern, Reisen und Schirmen graziöse und gefällige Spiele treiben, die eine verblüffende Meisterschaft offenbaren unb präch­tige Farbenefsekte Hervorrufen. Ter Humorist, Max Walde erntete mit seinen teilweise aktuellen Versen großen Beifall unb mußte sich zu einer Zugabe entschließen. Ten Schluß des vor­züglichen Programms bildete das ulkige Mannerpaar A r f oj b und Dttfa am dreifachen Reck, an dem sie ebenso komische als ftaunenerregenbe Leistungen boten, die alle mit grandioser Sicherheit durchgeführt wurden. Ans alledem geht hervor, da'; d:r Besuch ber neuen Darbietungen sehr empfohlen werden kann.

** Kunftverein. Tic Zur .Ausstellung angeulel- beten Bilder sind nun eingctroffcn. Tie Ausstellung wird vom Sonntag ab geöffnet sein. Außer den schon früher genannten Kollektionen gelangen auch noch einige Arbeiten von M. Modde-Berlin und Prof. v. E s ch w c g e - Weimar zur Ausstellung.

* Sichere Boten des Winters, sind die unge­heuren Kranichzüge, die man jetzt fast alltäglich be­obachten kann. ES ist auffallend, daß man diesmal so ungeheure Scharen beisammen sieht,' offenbar haben sich dieHahlgänse", wie sie im Volksmund heißen, sehr stark vermehrt.

** Vierzehn Wohngebäude wurden im abgc- laufenen Vierteljahre vom Hochbauamt zur Errichtung in unserer Stadt genehmigt.

Kreis Alsfeld.

? Kirtorf, 16. Okt. Gestern wurde von nocki nicht er­mittelten Täter, in der Gemarkung Ohmes, an der Quetlenfassung ber Kirtorfer Wasserleitung die Türe von der Wasser­kammer mit Gemalt aufgebrochen, auch im Inneren der Wasserkammer wurden Best'ädigungen vorgenontmen.

Kreis Friedberg.

x Bad-Nauheim, 16. Ott. Tie offizielle Saison ist seit gestern zu Ende. Kurhaus und die Bade­häuser 2 und 9 sind geschlossen. Tas TcnniS-Cafe, das von heute ab auch alS Lescraum dient, und einige Bade-- Häuser bleiben vorerst noch geöffnet; auch das Zander- Institut wird noch bis in den Dezember hinein in Be­trieb sein. Lawntcnnis- und Golfplätze, über die nun der Herbst schon sein buntes Laub streut, sind öde und ver­lassen. Tie Kurkapclle, die gestern nochmals in Mann­heim (nicht wie es infolge eines Trnckfehlcrs in der Sams- lag-Nummer hießNauheim". D. Red.) und heute in Mar­burg Konzerte gab, reist morgen wieder nach Leipzig ab, nachdeni sie und ihr Tirigent in den bis auf den letzten Platz gefüllten Abschiedskonzerten am Frettag und SamS- toß nochmals, durch Ltümenspenden und t'Cßeij£erte BeifaUs-

besteltt.

F. C. Viernheim, 16. Okt. Der Taglöhner Jakob Samstag erschoß aus der Straße, nachdem er ihm aus- gelauert halte, den 36jährigen Franz Kam mu s ch, mit dein er in Streit lebte. ______________________________

Professor w. Sieocts gegen Geheimrat hergesell; geplante Polarsahrt.

In Petermanns Geographischen Mitteilungen un­terzieht Prof. Wilhelm S i e v c r s , der verdiente Lehrer der Äeographic an der Landesnniversität Gießen, die geplante Polarfahrt nut Zeppclinschifrcn einer kritischen Betrach­tung, in der er den wissenschaftlichen Wert dieser Reise entschieden in Abrede stellt und den Nachweis erbringt, daß die erstrebten Beobachtuttgen auf anderem Wege viel leichter zu erreichen wären. Nach Untersuchung der mete­orologischen Verhältnisse komint Professor Sievers zu dem Schluß, daß es schon fraglich ist, ob die Expedition über­haupt ihre Operationsbasis, nämlich Spitzbergen, erreichen wird, da die zwischen Norddeutschland und Spitzbergen liegenden Meere und Länder in hohem Grade Stürmen ausgesetzt und auch im Sommer keineswegs frei von ihnen sind. Rechtzeitige Warnungen sind aber deshalb unmög­lich, weil die atlantischen Ucbcrraschungsstürme sowohl, als auch die Böen sich so rasch fortpflanzcn, daß sie selbst die drahtlose Telegraphie überholen. Und selbst, wenn das Luftschiff eine rechtzeitige Warnung erhält, wird es bei seiner gegenüber den Sttirmwicbeln geringen Eigengeschwin­digkeit diesen kaum entgehen können, da es an geeigneten windsicheren Landungsplätzen fehlt.

Prof. Sievers untersucht dann die Arbeitsmöglich- kciten eines Ballons und kommt zu dem überzeugenden Schluß, daß mit Ausnahme der photogrammetrischen Messungen, alle Untcrsnchungen nnd Forschungen, seien es nun geographische, ozeanographische oder aerologische, mit den seitherigen Mitteln weitaus sicherer und gefahrloser dnrchzuführen seien, als mit einem Lenkluftschiff, das dazu noch ungeheure Kosten verursacht. Mit den hierfür auf­gewendeten Geldmitteln könnten mehrere, ein bis zwei Jahre hindurch betriebene acrologifcheBeobachtungSstationeu um den Pol herum errichtet werden, deren Ergebnisse wahr­scheinlich reichhaltig und wertvoll werden würden.

Aber auch im Falle einer glücklichen Durchführung der der Expedition in Spitzbergen gestellten Aufgaben bleibt noch die Rückfahrt, die höchst bedenklich ist.