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17.10.1911 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

161. Jahrgang

Dienstag, 17. Gttober 1911

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-LIZL" General-Anzeiger für Oberhessen

Annahme von^Anzeigen Rofafionsörucf und Verlag der Brühl'schen Unio.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. bi! vornutlng'ö"9 Uhr Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

yeiugSpreiS: monatlich75Ps.,viertel« kibrlicf) Ml. 2.20; durch Abhole- u. Ziveigstellen moimilirti Ps.; durch dicPost Mk. 2.viertel- jährt. aiuMchL Bestetig. ZeilenpreiS: lokal IbPf^ auSwättS 20 Vienniq. IS hesredakteur: 91. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; sür .Feuille­ton', .Vermischtes' und »GenchlSsaal": R. Neu­rath; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

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Streitigkeiten widersetzen und alleehrenhaftenLeute aufzufordern, Italien dahin zu bestimmen, daß es seine Ansprüche dem Haager Schiedsgerichts- Hof unterbreitet. Durch Subskription soll hierfür '' Fonds von 20000 Psd. Sterl. aufgebracht werden. Sultan zeichnete die ersten tausend Pfund.

mehrere Tote und Verwundete. Die Türken flohen unter Zurücklassung von zehn Toten.

Kaiser und Staatssekretär.

Der BerlinerLoialanz." meldet: Tie Meldung einer Korrespondenz, daß am Sonntag eine Unterredung zwi­schen dem Staatssekretär v. K i d e r l e n-W ä ch t e r unb dem italienischen Botschafter P a n s a nicht stattgefun^en hätte, weil der Kaiser Pansa zu sich gerufen hätte, ent­spricht nicht den Tatsachen. Ter italienische Botschafter hatte überhaupt keine Audienz beim Kaiser, lvohl aber fand am Samstag eine längere Besprechung zwischen dem Staatssekretär und dem Botschafter statt.

Arthur Schnitzlers neues wert.

Man schreibt uns aus Berlin:Tie Seele ist ein weites Land." Unter diesem Motto vereinigt Schnitzler in seinem neuen Drama, der sünfaktigen ^ragi^>mödie Das weite Land", die am Sonnabend ihre Erstaus­führung int Lessingtheater erlebte, die Lebenswege und Seclenschicksale einer ganzen Reihe von Menschen. Ein Ausschnitt aus der modernen österreichischen Gesellschaft spiegelt sich in einem bunten Kranz von psychologischen Auseinandersetzungen und anmutigen Plaudereien. Tiefe Kunst der seinen, innerlich belebten Dialogführung, ge­tragen von einer resignierten, tiefsinnig plaudernden Le­bensweisheit, muß nun hinweghelfen über die mancher­lei Schwächen und Rätsel in Handlung und Charakterzeich­nung des neuen Werkes. So viel man auch noch von dem Feminismus Schnitzlers und seinem Kult dessüßen Mä­dels" reden mag, so ist doch längst das eigentliche Problem seines Schassens der Mann geworden. Diesmal har er sich nun noch tiefer in das Wesen des stärkeren Geschlechtes hineinfühlen wollen; es war sein Ziel, bis zu jenem Un­ergründlichen, triebhaft Dämonischen der männlichen Psyche vorzudringen, wo die Urkräfte primitiver Leidenschaft noch ungebrochen walten.

,,Du verstehst mich nicht", ruft der Held, Friedrich Hof­reiter, int Schlußakt seiner Frau zu,in mich sieht keiner hinein, keiner!" Er hat sie betrogen, seit Jahren, die,e gute und tluge Frau, die ihn liebt und darum einen Ver­ehrer in den Tod gehen läßt; nun steht für ihn der Tote zwischen ihnen; er begreift nicht, warum seine Frau ihm treu blieb und jener sterben mußte. Weiter stürmt er aus seiner Bahn, versührt ein frühreif unreifes Mädel, das sein bester Freund sich zur Gattin ersehnt. Als aver seine Frau nun die ihr so oft sreigestellieRevanche" nimmt und eilten jungen Fähnrich mit ihrer Liebe beglückt, er­trägt er es doch nicht, sondern schießt den Liebhaber über den Hausen. Warum?. Aus. einem Rückfall in die alte

Zugleich der .7^,^ Moskop^en

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^ldcn in «5 ?^aiSh,n' entdeckt übliche Meldungen.

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71/, Uhr: »Fräulein XeaW.1 lür einen Tag.' Mittw< iulein Teufel.' tonnereun Freitag, ben 20. Oktober p ßlartlja.* Sonntag, br ,Die qefäftbene §rai* q, beit 23. Oktober, aber. , Öen 24. Ctteber; ft» höbet, abends 6'i, Uhr.' bet: Margarethe?

: Bibliothekar.' AenÄac. rkmann.' Mttwoch, tr innen/ Donnerstag, der. Freitag, den 20. Cflober, Samstag, den 21. Oktober: ober, nachmittags 82 Ubr: lhr: -Tas weite Land.' Schwert." Dienstag, den littwoch, den 25. Oktober

icrkt, abends um 7 Uhr.

Kurze Nachrichten aus Kunst- und Wi.fsen- schait Ln Cleveland wurde unter zahlreicher 23eteihgung von Tatschen und Amerikanern im Cdgewater Park em Denk­mal Richard Wagners enthüllt. Es i)t em Geschenk der in Cleveland wohnenden Deutschen an die Ltadt. <suxe zweite Tcnkmalsweihc sand in Syracuse stall, wo ein von den Tcutsch - Amerikanern gesttstetes G 0 e rb e - L ch t l I e r - e n !- mal errichtet wurde.

Eine ciroße Bücherverteilung an ländliche Volksschulbibliotheken hat, wie alliahrlich, auch m hiciern Aahre die Deutsche Tichter-Gebächtnis-^liNung tn An- gn genontmen Äk Sammlung bcW auf ,c 3, Sanben

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Tie neue Verwaltung in Tripolis.

TerMessagers" meldet aus Tripolis: Ter frühere Konsul P e st a l o z z a ist hier angenommen und wird die Leitung der Zivilverwaltung übernehmen. Be­amte der Ministerien des Innern und der Finanzen sind angekommen, die letzteren mit zwei riesigen Kisten italic- irischen Geldes, daS bestimmt ist, das türkische Geld zu ersetzen, das allmählich aus dem Umlauf zurückgezogen werden soll.

Der Widerstand der Türken.

Tripolis, 16. Lkt. (Agenzia Stefani.) In der ver­gangenen Nacht eröffneten die Türken, deren Zahl nicht festgestellt werden konnte, aus einer großen Eut- serunng das F e u e r i n d e r R i ch t u n g a u f d e tt B r u n - nen Bumeliana und nach Westen, in der Hauptsache mit Geschützen. Tas Feuer blieb ohne Wirkung. Von den Italienern wurde ein Mann leicht verletzt. Gegen Mitternacht zogen sich die Türken zurück.

Nach einer Meldung derTribuna" aus Massaua haben sich starke türkische Streilkräfte und zahlreiche Transport­schiffe bei Makko konzentriert. Man befürchtet einen Hand­streich der Türken auf Massaua oder einen anderen Punkt der Kolonie Erythräa.

Wie das türkische K'riegsministerium auf Grund seiner Informationen aus Tripolis der Presse mit- teittc, hatten die wiederholten türkischen An­griffe keineswegs erwähnenswerte Erfolge, da die italienischen Truppen durch die Artillerie der Kriegs­schiffe beschützt wurden, doch erlitten die Italiener kleinere oder größere Verluste.

Tie Uebergabe türkischer Offiziere.

Giornale d Zralia meiüet aus Tripolis: Am Sonn­tag ergaben sich dem italienischen Generalkommando 150 türkische Offiziere und lieferten die Waffen ab. Ties machte, tiefen Eindruck Andere Offiziere der tür­kischen Truppen, die als Araber gekleidet sind, weilen hier und warten, überwacht von der Polizei, ihre Einschiffung nach Konstantinopel ab.

Tie Ausschiffung italienischer Truppen.

Rom, 16. Okt. TieAgencia Stefani" meldet aus Tripolis vom 15. Okt.: Der letzte Teil der ersten Staffel der Tripolisexpedition, bestehend aus 14 Schiffen, hat heute mittag hier geankert und begann sogleich die Ausschiffung. Tie Ausschiffung der vorher eingetroffenen Schiffe ist be- endet. Die Lage ist unverändert.

Tas Schilsal eines Geistlichen.

Giornale d Italia" meldet aus Tripolis: Nachrichten aus Bengasi zufolge ist man besorgt über das Schicksal des Paters Humbert, eines sehr^bekann- ten Geistlichen, der in seinem Institut etwa 9u0 Stlaveu- tinber ausgenommen hat. Gerüchtweise verlautet, er sei von Fanatikern ermordet worden. Man hofft, daß er das Institut verbarrikadierte und warten kann, bis ita­lienische Truppen eintresfen.

Ein türkisch-arabischer Zusammenstoß.

Giornale d'Ztalia" meldet aus Tripolis vom 15. Okt.: Tie Ar ab e r von Tschebel Ghurran ergiisfen g c g e n z e r- streute türkische Trupps, die fich ihres Vrehs und ihrer Gerste bemächtigen wollten, die Waffen, ^n dem sich entspinnenden Kampfe hatten die Türken und^Araber^ Konvention, von der er sich lossagt, aus großer Siebe zu seiner Frau, die plötzlich mit Macht durchbricht, aus Eitelkeit, um nichtder Dumme" zu jein, aus einer Laune, die das Raubtier-Element des Ewig-Männlichen erweckt? Bon allem diesem wird etwas angedeutet und eben die.es i . lernde Zwiespältige hastet überhaupt Dem Charakter ". D dem Stil des ganzen DramaS an.

Schnitzler nennt sein SiückTragikomödie" und rückt dadurch die Gestalten in eine ungewiß spielerifche Beleuch- tuna. Die Frauen, die Gattin Hosreiters, das junge Mädchen, das er verführt, die Mutter des im ^uell ge­töteten Liebhabers, sie stehen alle un schatten und bienen nur dazu, das Wesen der Männer in einem gebrochenen Lichte wiederzuspiegeln. So tragen <yorm wie Inhalt dieses Werkes etwas unsicher Schwankendes an sich und lasten nur leise jene Schnitzler eigentümliche Stimmung an» klingen, die aus Zronie und Wehmut gemifcht ist, die äußerlich kalt berechnet und innerlich ,o leioenichaftlick) heiß ist.

Tie Aufführung war sehr gut, die Aufnahme aber ziemlich tühl, da das Publikum keine Klarheit über dav Wesen des Helden gewinnen tonnte. An Dieier kl u zu läng- lichteit in der Zeichnung der Hauptrolle scheiterte auch chr Darsteller, Heinz Monnard, der mit Irene Trifch zufammen die stärkste schauspielerische Leifmng de- Abend- bot.

Die Revolution in China.

Jüanschikai, der bedeutendste Staatsmann Chinas, der im Jahre 1909 aus nichtigen Gründen seiner Aemter ent­kleidet und kaltgestellt wurde, hat Die Ernennung zum Vizeköuig der Provinz Hupe angenommen. Das ist ein sehr bemerkenswertes Ereignis, da nicht nur diese Provinz, sondern auch Szetschuan, Schautung und Ankui vom Ausstand ergriffen sind und Juanschikai sich die Armee zur Bewältigung des Aufstandes erst selbst bilden müßte,' weil die Regierungsiruppen von Homin und Hupe die Fahne der Empörung selbst erhoben, und eine in den Nordpro- vinzen formierte Negierungsarmee sich bereits für die Auf­ständischen emschieden zu haben scheint. Nimmt man noch hinzu, daß die Truppen von Canton, Nanking, Tientsin, ja fogar in Peking selbst unzuverlässig sind, so dürfte eine militärische Aktion gegen die Aufständischen, die immer mehr Terrain gewinnen, sehr große Schwierigkeiten machen.

Jüanschikai ist ein Mann von durchgreifender Energie und staatsmännischer Klugheit. Ihm, der als Vizekönig von Schautung und Petschili verstanden hat, dort modern aus­gerüstete und nach europäischem Muster einexerzierte Trup­pen auszustellen, und der int letzten Grunde bei Hofe nur wegen seiner großen Machtstellung stürzte, dürfte es nicht schwer fallen, diese Armee bei der Trachenfahne festzu- y alt en und sie trotz der wahrscheinlich größeren Stärke der Armee der neuen Republik China siegreich in das Äusstaudsgebiet zu führen. Aber die Sache hat ooch schon deshalb einen großen Haken, weil man heute noch gar nicht weiß, welche Ausdehnung die Revolution bis dahin gewinnt.

Wie sich die Dinge in China weiter entwickeln, ob die chinesischen Rebellen den seit 1644 aufgerichteten Mandschu- thron umstürzen und ganz China zu einer Republik machen, wie sie für Mittelchina schon am Samstag proklamiert wurde, konnte den europäischen Mächten eigentlich gleich­gültig sein, da die Führer des Aufstandes eS ihren Trup-^ pen zur Pflicht gemacht haben, fremdes Leben und Eigen­tum in jeder Weise zu schonen, und die von der provisorischen Regierung der neuen Republik erlassene Proklamation keinen Zweifel darüber läßt, daß man alle mit den Mächten vor der Revolution abgeschlossenen Verträge respektieren will.

Und doch regt sich der Verdacht, daß die Neugestal­tung Chinas den Mächten wieder Anlaß zu neuen Diffe­renzen gibt. Tenn Engländer und Nordamerikaner sahen die jetzigen Verwickelungen kommen, ehe die deutsche Diplo­matie sich den ihr angeborenen Schlaf aus den Augen rieb. Sie hatten, nach Lage der Verhältnisse Hofftiung auf einen Sieg der Revolution und unterstützten sie mit ausgiebigen Geldmitteln, um sich unter der neuen Repu­blik eine Erweiterung ihrer Konzessionen zu sichern. Na­türlich geschah das insgeheim durch Vermittelung der in Wutschang ganz besonders zahlreichen Missionare, da man Ho wie alle^Bücher der Verteilungen der Stiftung völlig neue, tadellose Exemplare sind. Neben schönen, älteren Tichterwerken, roie z. B. Eichendorsf'sAus dem Leben eines Taugenichts", oder den Tickens'schen Weihnachtserzählungen", sowie Haust's , Lichtenstein" befindet sich darunter auch eine große Anzahl von Werken neuerer und neuester Tichter. Bewerbungen von kleinen Volksbibliotheken um Zuwendung eines Exemplars dieser Samm­lung von 37 Bänden, die einem Landenpreis von b4,10 Mark entspricht, sind an die BibliotheksabteUung der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stistung in Harnburg-Großborstel zu richten.

Ick. T e r P f l a n z e n a r z t. Aus L o n d o n wird berichtet: Am Imperial College of Science and Technology werden vom Beginne dieses Semesters an Vorlesungen über Pflanzenheilkmide gehalten werden. Ein eigener Lehrstuhl für Mlanzenheilkunde ist neu geschaffen und mit dem Dozenten j/t. B. X). Blattman besetzt. Als Schüler Blattmans, die sich zu Pslanzenarzten aus­bilden wollen, kommen nur solche Leute in Bettacht, die Bo­tanik oder Landwirtschaft studiert haben und die notigen Vor- kennlnisse mitbringen. Blattmans Vorleiungen wenden fid) jroar auch an Theoretiker, aber die Hauptmenge 1 einer Hör« stellen natürlich die Landwirtschaftler, ob es nun europäische Land­wirte, Kaffeeplantagenbesitzer oder indifche Gummipflanzer find. Mit den Vorlesungen sind prakti,che Hebungen verbundm. Blatt­man plant für das kommende Semester^ eine große Reihe von Vorlesungen, so z. B. eine allgemeine, einführende über die Natur der Krankheitszustande Jbei Pflanzen, andere Vorlefungen über Immunität und Widerstandsfähigkeit der PNanzen gegen Krant- heiten, dann über Parasiten unb Pilanzenttankheiten, die nicht an Parasiten gebunden sind, über Die Uebertragung van Pflanzen- krankheüen und andere mehr.

Der ttalienisch-tüttische Krieg.

Tas Hauptinteresse ist jetzt auf Koustantinopel gerichtet. Wird die türkische Regierung der Stimmung der Parlament rarischen Kreise nachgebcn unb die angedrohten Maßregeln gegen die Italiener endlich inS Werk setzen ? Oder kann es darüber wieder zu einem Wechsel des Ministeriums ckom- men? Die Friedensaktion", die der bekannte englische Schwärmer, Mr. Stead, in Konstantinopel eingeleitet hat, ivirb selbstverständlich keinen Hund vom Ofen weglocken. ES scheint aber, als lvürde es mit bcn wirtschaftlichen Re­pressalien gegen Italien Ernst. Heute kommen aus Smyrna Meldungen, nach denen die Lage der dortigen Italiener geradezu verzweifelt sein muß. Und derVerein des Hasses gegen Italien" scheint schnell Wurzel zu schlagen.

Der türkische Boykott.

TerCorriere d'Jtalia" veröffentlicht ein Telegramm aus Smyrna des Inhalts, daß die 10OOO Personen um fassende italienische Kolonie immer beunruhigen­dere Nachrichten erhalte. 200 Italiener, größten­teils Arbeiter, seien von der E i s e n b a h n g e s e l l s ch a s t, bei der sie arbeiteten, e n t l as s en wo r d e n , wo­durch der Verkehr in Unordnung geraten sei. Alle italie­nischen Arbeiter im Hafen würden boykottiert, die Segelboote neapolitanischer Fischer seien beschlagnahmt worden, zahlreiche Familien seien ins Elend geraien. Tie Molonic sowie die italienischen Vereine sind bemüht, den Brüdern zu helfen und der dringendsten Not zu steuern. Man fürchtet infolge des Fanatismus der Bevölkerung für die vielen italienischen Arbeiter int Innern Anatoliens. Tie Türken beschlagnahmten auf dem Zollamt auch für Ita­liener bestimmte Waren.

Tas jungtürkische Komitee in Saloniki ist von Konstan- ttnopel dahin verständigt worden, daß die Regierung ent- schieden ihre Zustimmung zur Anwendung von Gewalt­mitteln gegen die Italiener verweigere. Mithin sei die Ausweisung nicht durchführbar. Mau solle danach trach­ten, die mohammedanischen Elemente nicht weiter aufzu­regen, sondern kaltes Blut zu bewahren und Geduld zu zeigen. Dagegen wird anempfohlen, alle Geschäftsver­bindungen mit J-talien abzubrechen sowie An­ge st e l-l t e u n d A r b e i t e r z u e u t l a s s c n. Der Kriegs­minister befahl, während d.tt Tauer des Krieges den Rese^ viften nicht mehr zu erlauben, sich vom Militärdienst loszu­laufen. In Saloniki waren bereits 12000 Pfund Be- sreiungsgelder von wohlhabenden Reservisten bezahlt. Aus Janina wird gemeldet: Alle Kirchen und anderen festen Gebäude werden als Militärdepots eingerichtet. Neue Truppentransporte sind eingetroffen.

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Regierung und Kammer in der Türkei.

Der Ministerrat hat über das Regierungsexpo beraten, das an einem der ersten Tage dieser Woche in der Kammer zur Verlesung gelangen wird. Die jung­türkische Partei der Kammer beschloß, von dem Großwesir die vorherige Verlesung des Expose vor dem Parteiplenum zu verlangen, damit sie sich über ihre Stel­lungnahme schlüssig werden könne. . .

Konstantinopel, 16. Ott. Das Kriegsministerium bestätigt, daß der Pariser Militär- A11 a ch s F e t h i- Bei mit einigen Offizieren sich deii türttschen ürnppen in Tripolis angeschlossen hat. '«

Tie Friedeusfrcude.

Daily Chronicle" meiDct au5 Konstantinopel: Es wer­den Anstalten getroffen, um eine Abordnung von sechs Senatoren und Deputierten nach allen Hauptstädten Europas unter den Auspizien der interparlamentari­schen Union zu senden, um allen Nationen den tfrieg zu predigen, die sich einer schiedsgerichtlichen Regelung von