Ausgabe 
9.8.1911 Zweites Blatt
 
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ftegdfcn, da sein schwaches Auftreten ihn dem Menschen gegenüber auch schwach macht. Laßt der Weinbau drese Gelegenheit, seinen Feind auf Jahre hinaus niederzuhalten, unbenutzt vorübergehen, so wird der Sauerwurm in we­nigen Jahren wieder mit Gewißheit in alt*** Leise der Schrecken der Winzer werden.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 9. August 1911.

** Der Kaiser trifft am kommenden Freitag um 7 Uhr zur Truppenschau auf dem großen Sande in Mainz ein.

Durchlaufende Wagen nach Wiesbaden. Um den die Badeorte Wiesbaden, Hoburg v. d. H. und Nauheim besuchenden Reisenden die Unbequemlichkeiten deZ UmsteigenS zu ersparen, ist, waS vielfach noch zu wenig beachtet wird, feit dem 1. Ium ds. IS. in dem V-Zug 141 ein direkter Wagen 1. und 2. Klaffe von Nancy nach WiesbadenHom­burgNauheim eingestellt worden. Dieser Wagen fährt ab in Metz um 5 Uhr 40 Min., in Saarbrücken um 7 Uhr 3 Min. und läuft van Mainz über WiesbadenHomburg v. d. H. nach Nauheim, wo er um 12 Uhr 39 Min. mittags eintrifft. In umgekehrter Lichtung läuft von Nauheim über Homburg WiesbadenMainzSaarbrückenMetz in den Zügen 285, 98 a und D 148 ein direkter Wagen mit 1. und 2. Klaffe nach Nancy, der um 11 Uhr 39 Min. norm, in Nauheim abfäbrt, in Saarbrücken um 5 Uhr, in Metz um 6 Uhr 22 Min. abends eintrifft.

Die Eisenbahnverwaltung hat verfügt, daß wärmeempfindliche Güter, wie Butter, Milch, Sahne, Mar­garine, Hefe, sowie alle unter dem Einfluß der Hitze leicht verderbenden Güter möglichst an kühlen und schattigen Orten aufbewahrt werden. Falls He Güter vorübergehend im Freien gelagert werden, so sind alle verfügbaren Mittel anzuwenden, um sie vor dem Verderben zu schützen.

** Goldenes Doktvrjubiläum. Am Sonntag beging, wie wir bereits mitgeteilt haben, der Rentner Dr. Mettenheimer fein goldenes Doktorjubiläum. Die Uni­versität Jena, an der der greise Pharmazeut vor fünfzig Jahren promoviert hat, erneuerte ihm aus diesem Anlaß das Doktordiplom, aus dem wir am Samstag einen knappen Auszug veröffentlicht l)aben. Am frühen Morgen versam­melten sich die zahlreichen Kinder und Enkelkinder des Ju­bilars, um ihre Glückwünsche abzustatten. Auch aus dem großen Freundeskreis des beliebten Herrn, der es während seines langjährigen Wirkens verstanden hat, sich dank seines großen Wissens und seines feinen Taktes das Vertrauen feiner Mitbürger zu erwerben und zu erhalten, war eine große Anzahl von herzlichen Glückwünschen eingegangen. Dem bescheidenen und schlichten Wesen des Jubilars entsprach es, daß die Feier nur im engsten Fa­milienkreise in Steins Garten stattfand, wo er als Haupt seiner Familien nochmals Gegenstand zahlreicher Ehren war. Am Vormittag hatte sich der Rektor der Landesuniversität in der Wohnung des Gefeierten einge- funden, um ihm im Namen der Universität, der er über zwanzig Jahre als Mitglied der Prüfungskommission an- gehört, die herzlichsten Glückwünsche des Gesamtsenats zu übermitteln. In herzlichen Worten schilderte er die Ver­dienste Dr. Mettenheimers, die er sich in unermüdlicher Tätigkeit zu Nutzern und Frommen der Wissenschaft er­worben hat. Auf die in glänzender Diktion gehaltene Rede des Rektors erwiderte der Jubilar mit schlichten Worten des Dankes.

Ihre silberne Hochzeit feierten gestern Fuhrmann Johannes Hill und Frau.

** Zum Schießen um den Kaiserpreis waren folgende Kompagnien im 18. Armeekorps zugelaffen: 8./115, 3./117, 5./80 und 11./87. Die dritte Kompagnie des Heff. Jnf.-Reg. Großherzogin Nr. 117 errang den Preis.

** OeNentliche Lesehalle. Im Juli wurden 152 8 Bände ausgeliehen. Davon kommen ans: Erzählende Literatur 877, Zeitschriften 142, Jugendschriften 199, Literatur­geschichte 15, Bersdichtungen 18, Länder- und Völkerkunde 39, Kulturgeschichte 10, Geschichte und Biographien 61, Kunstgeschichte 16, Naturwissenschaft und Technologie 84, Heer- und Seewesen 3, Haus- und Landwirtschait 8, Gesundheitslehre 10, Religion und Philosophie 12, Staatswlssenschast 9, Sprachwissenschair \2, Fremd­sprachliches 13 Bände. Nach auswärts kamen 35 Bände.

** 5 5. AllH emeine Versammlung der Deut scheu Geologischen Gesellschaft. Am 7. August fuhren die Exkursionsteilnehmer 7.50 Uhr nach Zwingen­berg: zunächst zum Besuche der Steinbrüche am West- gehänge des Melibokus. Dort wurden die Granite mit kihren Ganggesteinen studiert und über den Alsbacher Ge­meind esteinbruch der Aufstieg nach dem Gipfel des Melibokus gemacht. Auch dort wurden die Ganggestcine einer näheren Besichtigung unterzogen. Sodann wanderte man nach dem Felsberg, zur Untersuchung der Diorite und schiefrigen Gra­nite auf der Nordseite. Nach einer einftündigen Ettags- pause wurde das Felsenmeer, danach die Schleifereien in Rimbach besichtigt. Von da aus stieg man zum Boorstein hinauf, der leider durch den Abbau immer mehr abgetragen wird, und ging über die Bangertshöhe nach dem Auerbacher Marmorbergwerk. Mit Zug 8.17 Uhr wurde von Auerbach wrs die Rückfahrt angetreten. Am 8. August fuhren die .Exkursionsteilnehmer mit Zug 6.14 Uhr vorm. mich Bens­heim und von da in fünf großen Wagen nach Gadernheim. Nach Untersuchung der dort vorkommenden granatreichen Hornfelsen und dem Studium der Graphitschiefer wurde über den Kaiserturm nach Neunkirchen marschiert, wo eine einstündiae Mittagspause gemacht wurde. Am Nachmittag wurden die Flasergranite und Granitporphyre bei Erlau studiert und dann zwecks Untersuchung des .Hyperschengab- bros und der Amphibolite über die Nonröder Höhe nach Groß-Bieberau gegangen. 8.35 Uhr kamen die Teilnehmer tnieber in Darmstadt an.

Die Hcgzeit der Feldhühner und Wachteln. Auf Grund des § 3 der Verordnung vom 2. September 1893 wurde mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Wein­berge das Ende der Hegzeit der Feldhühner und Wachteln im Großherzogtum, mit Ausnahme der Kreise Als­feld, Lauterbach und Schotten, auf den 16. August l. I., für die genannten Kreife auf den 23. August l. I. festgesetzt.

* Gedenket der durstenden Vögel! Für unsere Vogelwelt ist zurzeit der Tisch reichlich gedeckt, die trockene Witterung begünstigt ungemein die Entwickelung aller In­sekten sowohl als auch der Samenkörner, doch kleine Gebirgs- waffec und Waffertümpel trocknen zeitweise aus und die munteren Sänger sind, wenigstens da, wo sich Wohnungen und Gärten in der Nähe befinden, wieder auf die Einsicht der Vogelfreunde angewiesen, denn Durst tut ebenso weh wie Hunger. In dieser Zeit werden Wafferfäffer und sonstige Behälter, d,e mcht stets bis zum Rand voll Waffer sind,

manchem jungen, auch alten Vogel zum frühen Grabe. D?rt dem Bemühen, den Durst zu stillen, klammern sie sich an den Rand, gleiten an den harten Kanten oder Faßreifen nach unten ab und alle Mühe herauSzukommen ist vergeb­lich. Die Gartenbesitzer, die nicht besondere Trink- und Bade- näpfe (flache Gefäße ca. 30x40 cm Durchmesser, nicht über 5 cm tief) aufgestellt haben, feien deshalb darauf hinzu­weifen, daß ein einfaches Holzkreuz, dem inneren Durchmesser deS Behälters angepaßt, mit angenagelten kleineren Leisten oder Reisern den Vögeln das Trinken und Baden erleichtert und sie auf diese Weise vor sicherem Tode rettet. Die kleine Unbequemlichkeit, vor dem Gießen daS Gestell au8 dem Waffer herauszunehmen, wird vielfach durch die Freude am munteren Treiben der Trink- und Badegäste aufgehoben.

Landkreis Gießen.

Lich, 7. Aug. !Der Zugführer Mann der Butzbach- Licher Bahn erlitt dadurch schwere Verletzungen am Kopf, daß er den Kopf zu weit aus dem Zuge beugte und gegen den Signalmast stieß.

D Lich, 8. 'Aug. Die Erntearbeiten sind hier so weit vorgeschritten, wie selten um diese Zeit. Die Dresch­maschinen sind schon fleißig ian der Arbeit. Besonders gute Erträge liefert dre Gerste, für die unter den einheimischen Getreidesorten das trockene Wetter am günstigsten war. Während der Errckearbeiten ereigneten sich hier drei Fälle von Hitzschlag, wovon einer mit tödlichem Ausgang verlief.

Treis a. d. Lda., 8. Aug. Es wird uns zu der Notiz in Nr. 180 deS Blattes vom 3. dS. MtS. von Großh. Oberförsterei Treis a. d. Lda. mitgeteilt, daß daS Quarzit­lager im Domanialdistrikt Boinmenstein im Laufe deS Monats September öffentlich verpachtet werden soll, somit allen Interessenten Gelegenheit geboten ist, an der Submission sich zu beteiligen.

J. Holzheim, 8. Aug. Die Maul- und Klauen­seuche, die bereits seit sieben Wochen in unserem Dorfe herrscht und in so furchtbarer Weise den Viehbestand ver­nichtet hat, geht nun allmählich ihrem Ende entgegen. In den letzten 14 Tagen ist mit Ausnahme zweier Gemeinde- Faselochsen nur wenig Vieh mehr gefallen. Der Schaden beläuft sich alles in allem auf weit über 100 000 Mark. Insgesamt war die Seuche in ungefähr 190 Gehöften ver­breitet. so daß nur wenige verschont geblieben sind. Mit Sehnsucht sehen die Landwirte dem Tage entgegen, an dem endlich wieder mit Klauenvieh gefahren werden darf. In ähnlicher Weise wie in Holzheim wütet nun die schreckliche Seuche in Ober-Hörgern und Gambach. Die Getreide­ernte ist soweit beendet. Im allgemeinen fällt der Ertrag trotz der großen Hitze und der Dürre gut aus. Schlecht sieht es dagegen mit den Hackfrüchten aus. Falls nicht in den ersten Tagen ergiebiger Regen eintritt, so müssen wir mit ähnlichen Umständen wie 1893 rechnen.

Hungen, 8. Aug. Nach dem Beschluß des Lahn­tal-Sängerbundes hat der hiesige 'Bundesverein Eintracht das Bundesfest für 1912 erhalten.

Kreis Alsfeld.

-a- Alsfeld, 7. Aug. Am Sonntag und Montag fand in der Steinkaute das Preisschießen des Schützern- Vereins Alsfeld statt. Am Montag trafen viele auswärtige Schützen zum Kampfe um die Montagsehrenscheibe ein. Nachstehende Preise wurden erzielt: Tagesehrenscheibe vom Sonntag, 6. 'August: Postassistent Usinger, Alsfeld; Tages­ehrenscheibe vom Montag, 7. August: Philipp Bücking, Als- seld; Meisterscheiben mit je einer Ehrengabe: 300 Meter- Bock, Grünberg, 175 Meter Philipp Bücking, Alsfeld, WO Meter (aufgelegt), Stand 3 L. Martin, Alsfeld, 100 Meter (aufgelegt), Stand 4, Bah nm. Kilian, Alsfeld, 100 Meter (frechänd.) Carl Rüppel, Alsfeld; Ernst-Ludwig- Scheibe (Ritterfcheibe): 1. Ritter: Göbel, Schotten, 2. Schmidt, Laubach, 3. Carl Rüppel, Alsfeld, 4. Bahnm. Kilian, Aeldfeld, 5. Anton Schweizer, Alsfeld, 6. Wilhelm Quirin, Alsfeld, 7. Carl Dnchardt, Alsfeld, 8. H. Fischbach, Alsfeld, 9. Carl Malkmus, Alsfeld, 10. Zschesschki, Schotten. Das einzige Söhnchen eines hiesigen Schreinermeisters wurde heute morgen von einem umfallenden Scheunentor schwer am Kopfe verwundet. Die hiesigen Metzgermeister haben den Preis des Ochsenfleisches seit einigen Tagen von 85 Pf. auf 80 Pf. festgelegt.

-a- Leusel, 7. Aug. Als der Bahnarbeiter Happ von Seibelsdorf gegen 3 Uhr morgens auf seinem Rad nach der Arbeit fuhr, ivurde ihm in der Mitte des Dorfes ein Stein so heftig gegen den Rücken geworfen, daß er ohnmächtig vom Rade stürzte. Ein Passant, der dem Ge­troffenen beistand, sah den Täter in den Wiesen ver­schwinden.

Kreis Lauterbach.

S ch l i tz, 8. Aug. Bei den Herb st Übungen wird die 1. Abteilung des FeL-Art.-Regts. Nr. 47 in Fulda auf dem Marsch in das Manövergelände am 22. August in den Orten Queck, Rimbach, Ober-Wegfurth und Unter-Wegfurth in einer Gesamtstärke von 14 Offizieren, 265 Unteroffizieren und Mannschaften und 180 Pferden einquartiert werden. Infolge des niedrigen Was ferst arides der Fulda ist das Absterben der Fische seit einigen Wochen ganz erheblich. So wurden vor einigen Tagen in Uellershausen ca. siebzig Zentner tote Fische aus der Fulda geschafft.

Kreis Schotten.

Schotten, 8. Aug. Der trockene Sommer ist für den ausgedehnten Weidebetrieb der Vogelsberger Viehzüchter von großem Schaden. Viele Weiden, denen jetzt die nötige Bewässerung fehlt, sind vollständig ausgebrannt und das Vieh muß zu Hause bleiben. Auch die höher ge­legenen Wiesen sehen gelb au«, nur cm Tal gibt es etwas Grummet. Die Futter- und Heupresse steigen fortgesetzt. Der Zentner Heu tostet 3,25 Ml. Die Kartoffeln und Tick- wurzc geben auch nur einen geringen Ertrag.

st. Schotten, 8. Aug. Sonntag, 20. August, findet hier die 6. ordentliche Mitgliederversammlung des Ver­bandes der Krankenkassen im Großherzogtnm Hessen statt. Aus der reichhaltigen Tagesordnung ist besonders der Punkt 4Stellungnahme zur Reichsversicherungsordnung" hervorzuheben. Am Samstag, 19. d. M., soll eine Wagen- ahrt nach Ludwigsbrunnen, Wiesenhof, Landgrafenborn, Taufstein, Hoherodskopf (Klubhaus), Bilstein, Busenborn, Lehrerheim, Altenburgskopf unternommen werden.

Laubach, 8. Aug. An der Bahnstrecke Laubach- Mücke entstand in der Nahe von Freienseen ein Wald- brand. Durch Funkenauswurf der Lokomotive wurde das Gras in Brand gesetzt, das Feuer lies die Böschung hinauf und drang in den Wald. Der Förster und Waldarbeiter konnten größeres Unheil rechtzeitig verhüten.

Kreis Fnedberg.

L. Bad-Nauheim, 8. Aug. Das Luftschiff Schwaben" wird nächsten Freitag, den 11. d. MtS. von Baden-Baden hierher kommen. Es wird zwischen 9 und 10 Uhr hier eintreffen. Von Nauheim aus wird eZ die Taunusbäder besuchen, die Richtung nach Frankfurt nehmen und auf dem dortigen Flugplätze landen. Nachmittags wird es die Rückreise nach Baden-Baden antreten. DaS tfraeL Frauenheim hat jetzt die Villa Gertrud in der Frank­furter Straße gekauft.

x Steinfurth, 8. Aug. Die Rosenernte hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht. Täglich gehen beträchtliche Sendungen nach Bad-Nauheim, Frankfurt und vor allem nach Berlin. Das anhaltende trockene Wetter war der Ernte nicht günstig.

Arbeiterbewegung.

London, 8. Aug. Eine Meldung aus Liverpool be­sagt, daß bisher keine Aussichten auf Beilegung des Eisenbahnausstandes vorhanden sind. Vielmehr nimmt dieser immer ernsteren Charakter an. Eine weitere Anzahl Last­träger schloß sich den Ausständigen, deren Zahl jetzt auf 4000 geschätzt wird, an. Die Arbeit auf den meisten Güterbahnhöfen ruht vollständig. Die Rollfuhrleute stehen auf der Seite der Streikenden und weigern sich, die Güter abzufahren. Die Fisch­händler können ihre Lieferungen an die Abnehmer nicht befördern; die Früchte im Werte von tausenden von Pfund verfaulen.

Neu York, 8. Aug. Ein ausgedehnter Ausstand der Bahnangestellten bedroht die Bahnen westlich des Missi- sippi. Tie Forderungen der Bahnangestellten würden eine jähr­liche Mehrausgabe von 15 000 Pfund Sterling zur Folge haben. Kleinere Ausstände sind bereits in verschiedenen Staaten aus- gebrochen. Die Ausbreitung des Ausstandes auf die östlichen Bahnen gilt als unwahrscheinlich.

Eingesandt.

lFür Form und Inhalt aller unter Dieier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei 23erantroortung.l

Gießen, 9. Aug. 1911.

Das unterEingesandt" in der gestrigen Ausgabe Ihres gesch. Blattes berichtete Vorkommnis hat mich und jebenfaHd die meisten Leser amüsiert.

Darauf möchte ich erwidern, daß dieser Vorfall nicht von kleinstädtischen Verhältnissen der Organisation unserer Straßen­bahn zeugt, sondern von einem an großstädtische Verhältnisse nicht gewöhnten Kleinstädter. Ein jeder mit den modernen Er­rungenschaften per Technik einigermaßen vertrauter Weltmann hat heute für mindestens 50 Pfg. Groschen stets in der Westen­tasche, welche er für die Elektrische, den Telephon-Automaten, oder zum Betteten des Bahnsteiges oder des Automaten-Restaurants jederzeit benötigt, denn Zeit ist Geld.

Ich reife viel und besuche fast sämtliche Großstatfte Deutsch­lands, dabei habe ich, schon in Berlin wie in Hamburg die Erfahrung machen müssen, daß ein Wagenführer der Elektrischen Bahn 10 Mark nicht versilbern konnte. Wieviel Wechselgeld müßte denn auch ein solcher Beamter mit sich führen, um den Wünschen eines jeden bequemen Passagiers nachkommen zu können.

Ob anderswo der Schaffner dem Fahrgast die notwendigen 10 Pfg. gepumpt hab^u würde, bezweifle ich sehr; Hut ah vor dieser Humanität.

Vielleicht ist aber diese Mitteilung des verehrlichen Ein­senders geeignet, dem Problem einer internationalen Wechselkaffe für elektrische Bahnen Anregung zu geben. Jedenfalls aber bürftc dieses Vorkommnis seine Wirkung insofern nicht verfehlen, auch unser teilweise gut kleinbürgerliches Publikum in Gießen zu ver­anlassen, stets etwas Kleingeld mit sich zu führen. Es ist dies ungefähr im Prinzip das gleiche, wie sich der gemütliche Gießener nicht daran gewöhnen kann, aus bet Straße stets rechts zu gehen.

*

Watzenborn, 8. Aug. Unser seitheriger Polizeidiener Reikschmibt, der sein Amt »ur vollen Zufriedenheit der ganzen Gemeinde führte, hat aus Alters- und GesundheitsrücksichtÖi fein Amt niedetgelegt. Die Stelle wurde vorige Woche zur Neu­besetzung bekannt gemacht luib es haben sich 10 ober 12 Bewerber gcmelbet. Am Montag abend wurde in der Gemeinderatssitzung über das Gehalt des neuen Polizeidieners beraten. Wie ver lautet, sollen 500 Mark bewilligt worden sein. Für eine so aus­gedehnte Gemeinde, die über 2000 Einwohner zählt, ein wahrer Hungerlohn, selbst wenn man berücksichtigt, daß noch etwa 200 Mark für Bekanntmachungen verdient werden. Und da verlangt man, daß es ein pflichttreuer gewissenhafter, und nod) im besten Alter stehender Mann sei, daß er von morgens früh und sogar noch nachts die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten soll. Bei einer solchen Bezahlung ist er, wenn er seine Familie einigermaßen anständig sehen toÜL noch auf anderen Nebenverdienst angewiesen. Und dies doch gewiß nur auf Kosten des Polizeidienftes. Oder: ec muß schon nach Verlauf von einem Vierteljahr anfangen zu betteln um mehr Gehalt. Man hat schon so oft in den sozial­demokratischen Zeitungen gelesen, daß bei Arbeitern, die 1200 bis 1500 Mark verdienten, noch von Hungerlohn gesprochen wurde. Und woraus besteht unser Gemeinderat?

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 6. Aug. Heu- und Strohmarkt. Anaefahren waren 4 Wagen Heu und 3 Wagen Stroh. Ma» notierte: Heu, alles, 0,000,00 neues 4.004,30 Mk. Stroh (Kornlangstroh) 2.502.60 Mk., Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft flott. Die Zusuhren waren aus dem Kreise Dieburg und aus Oberheffen.

Verantwortlich fürAus Stadt und Land" i. 83.: K. Neurath.

Müller'fche Badeanstalt.

Was s erw arme der Lahn am 9. August: 20° R.

Meteorologische Beobachtungen ver Station Siehe«.

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Die Earmkatarrbe der Säuglinge werden durch die Er- ILi7Tuäfl ^tlt r ,uut) Milch nm leichtesten verhütet, denn

mit «Kufcke ist Dftlch den Dnrmgärungen, welche die Darm- katarrhe verursachen, weniger ausgesetzt, als alleinK u f e f c" macht Die Milch gehaltreicher, leichter verdaulich, beugt den haustgen Ber^ dauungsstorungen vor u. sichert de>i.mindern ein vorzügliches Gedeihen- bv'/n___________________________ _

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