Ausgabe 
6.4.1911 Erstes Blatt
 
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politischen Freunde teilweise abweichenden Standpunkt zum Aus­druck zu bringen. Er ist aber ebenfalls ein Gegner dieser Reform, weil sie nicht den Reichslanden selbst zuliebe gemacht werde, sondern dem Zentrum und dem Liberalismus zuliebe. Noch gibt Graf Hoensbroech seiner Hoffnung auf ein Scheitern der Vorlage Ausdruck, dann bekennen sich als Freunde der Verfassungsreform Professor Dr. Sonin g * Halle und Prinz zu Schönaich- .C a r o l a t h.

Der Ausstand in Marokko.

Paris, 5. April. Wie amtlich verlautet, wurde der Vertreter bc§ Sultans in Tanger, El GebbaS, durch die von der marokkanischen Staatsbahn gewährten Vor­schüsse bereits in den Stand gesetzt, die regelmäßige Aus­zahlung des Soldes an die gegen den Scheradaslamm ans- gebotene HeereStruppe zu sichern. Diese Maßnahme lasse erhoffen, daß unter diesen Truppen Mulay HafidS kein Ab­fall üorfommen werde.

DerEclair" schreibt über die Ereigniffe in Marokko:

Die iranzöffsche Regierung scheint keine Hoffnung mehr zu haben, daß der Sultan mit den Au'ständiicden ie»tig wird. Sie hat jetzt keinen Vorwand, itm vor Maßnahmen zurückzuschrecken, die sie bisher niemals auSpöühten gewagt halte, denn seit der unheilvollen Initiative Delcaffös bestand die Pollllk Frankreichs in der marokkanischen Uraqe lediglich darin, alles oui morgen zu ver­schieben. Jetzt gibt es keine Lösung mehr außer d e m Verzicht, der eine Feigheit, und n n 6 e r der E r - o b e r ii n g, die ohne die Z u st i rn rn u n g der S i g n a t a r- machte des Algecwasvertrages eine Unvorsichtigkeit wäre. Da dieser Vertrag bald erlischt, wäre es nicht ein günstiger Anlaß, die ganze Aiigelegenheit von neuern auis Tavet zu bringen und Den nordischen Knoten durchzuhauen? Es »st höchste Zeit, offen zu sprechen.

Tanger, 5. April. Em aus Fez vom 1. April datierter Bries besagt, daß die Lage sert zwei Tagen fast un­verändert sei. Mulay Hafid verfolge die Politik der Spaltung zwischen den Stämmen und reize die Beni Guild dazu, in das Gebiet der Beni Mter einen Raubzug zu unter­nehmen. Die Nachrichten von der Truppe, die im Gebiete der Scherarda lagere, sei zufriedenstellend.

Deutsches Reich.

Das amtliche Wolffsche Bureau bringt folgende Erklärung: Patrie" behauptet, Staatssekretär v. Kiderlen- W achter habe dem französischen Botschafter Cambon erklärt, daß die deutsche Regierung durchaus entschlossen sei, das Tragen der geplanten französischen Kriegsdenkmünze nicht zu dulden. Dieses Abzeichen würde als aufrührerisch an­gesehen und jeder, der es trüge, vor Gericht gestellt werden. Cambon habe im Verlaufe seiner Unterredung mit Monis, Cruppi und Berteaux hiervon Mitteilung gemacht. Nach unseren Er­kundigungen sind die Angaben unzutreffend. Die französische Regierung bereitet ein Gesetz über die Verleihung von Denk­münzen an die Kämpfer von 187O/71vor. Wegen der Frage, ob solche Denkmünzen an Elsaß-Lothringer, die 1870 in der französischen Armee gedient, gegeben werden können, setzte sich die französische Regierung mit der deutschen ins Benehmen. Von deutscher Seite wurden grundsätzliche Bedenken nicht erhoben. Aber es ist für angezeigt gehalten worden, daß die Denkmünzen auf diplomatischem Wege der deutschen Regierung übermittelt werden, damit sie' durch die Vermittelung der deutschen Behörden den Empfängern zugestellt werden. Die französische Regierung erklärte sich damit einverstanden.

Die Mehrheit des Reichstags, die sich für die Heizer­zulage entschied, setzte sich zusammen aus den Freisinnigen, Sozialdemokraten, Nationalliberalen, der Wirtschaftlichen Vereinigung und einem Teil des Zentrums.

Der Hamburger Bürgerschaft ist in der Sitzung cm Mittwoch der Bericht des Senats- und Bürgerschaftsaus­schusses über die Vermehrung der Staatsein­nahmen zugegangen. Der Bericht sieht folgende Vermeh­rungen vor: Zuschläge zur Reichs-Erbschaftssteuer, eine Be­steuerung der Konsumvereine, eine Erhöhung des Stempels für Gesellschastsverträge zur Errichtung von Aktiengesell­schaften und von 'Gesellschaften m. d. H., eine Erhöhung der Gerichtskosten, der Baüpolizeigebühren, ue§ Wassergeldes, der K'aigebühren, des Tonnengeldes, die Einführung einer Lustbarkeitssteuer, sowie die Ueberweisung 6er Zinsen des Reservefonds der Feuerrasse an die Staats lasse. Der Gesamt­mehrertrag der Steuern wird auf 7 Millionen Mark geschätzt.___________________ ______________________

Ausland.

DerFigaro" will wissen, daß derfranzösischeKriegs- m in ist er die Absick/t habe, aus der republikanischen Garde eine Scl)wadron auszuwählen, die eine Art Leibwache für den Präsidenten der Republik bilden würde.

In Andeville bei Msru (Departement Oise) rotteten sich die ausständischen Knopfarbeiter zusammen, um Ar­beitswilligen den Zugang zu den Fabriken zu versperren. Ka­vallerie t.i.'b die Ruhe örer aus inander. Es he.ßt, die Be­hörden seien in dem, Besitz eines Schriftstückes' gelangt, nach welchem das Ausstandslomitee beschlossen habe, die Telegraphen- und Tele­phon-Leitungen zu zerstören und jene Fabriken anzugreifen, deren Besitzer sich bisher geweigert haben, den neuen gemeinsamen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen.

Aus Smyrna wird eine VerschärfnngdesBoykotts griechischer Waren gemeldet, her sich auch gegen Petroleum, das von der Orieutbank eingeführt wird, richtet. Das Boylotv- Komitee macht neuerdings bekannt, daß es künftighin die Maß­nahmen ffreng durchführen werde. Die Muselmanen begehen in ihrem Fanatismus unter den Augen der Behörden Ausschreitungen aller Art gegen die Griechen. Der Mali von Smyrna sprach sein Bedauern aus, keine Maßregeln dagegen ergreifen zu können. Nach einem weiteren Telegramm aus Smyrna begaben sich vor einigen Tagen bewaffnete Mitglieder des Komitees nach einem Dorf bei Smyrna, begossen dort griechische Olivenpflanzen mit Petroleum und steckten sie in Braud. Mit den Waffen in der Hand verhinderten sie, daß herbeigeeilte Bauern den Brand löschten, die §auze Oelbaumpslanzung wurde eingeäschert. Auch an den Dardanellen begann der Boykott wieder.

Dem Präsidenten Taft ging aus Anlaß der Ratifizierung des Bandelsvertrages zwischen den Vereinigten taaten und Japan durch Vermittelung des amerikamschen Botschafters in Tokio eine in herzlichem Tone gehaltene Bot­schaft des Kaisers von Japan zu. Taft erwiderte, er schließe sich der vertrauensvollen Erwartung des Kaisers an, daß der Vertrag dazu führe, die Bande noch enger zu schließen, die die Völker der Vereinigten Staaten und Japan so lange schon in Freundschaft und Frieden vereinigten.

Aus Washington wird gemeldet: Im Kongreß gelangte die Botschaft des Präsidenten Taft zur Verlesung, durch welche der Kongreß zu einer außerordentlichen Session ein* berufen wird. Sie behandelt ausschließlich das Gegenseitig­keitsabkommen mit Kanada und empfiehlt dringend, bald zur Entscheidung zu kommen. Nachdem die Botschaft des Prä­sidenten verlesen war, wurde sie von dem Senat dem Finanz- komitee vom RepräsentantLnhauS und dem Komitee für Mittel und Wege überwüfen.

Aus Stafcf und Land.

Gießen, 6. April 1911.

Tageskalender für Donnerstag, 6 April: Dao O b e r a rn rn e r g a u e r P a f f i o n s f p i e l in Lichtbildern. Nach mittags o Uhr und abends 8 Uhr.

*

* Gießener Lehrer Personalien. Den Schul amtsaspiranten Friedr. Adam aus Weinheim, Otto Grüne bäum aus Partenheim, Hch. Lotz aus Ober-Hörgern, Hch. Walter aus Rendel, Karl Weiner aus Gau-Algesheim wur­den Lehrerstellen und der Schulamtsaspirantin Ida Hoffmann aus Offenbach eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Gießen übertragen.

** Erledigte Lehrer stellen: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schutstelle zu Neckarhausen, eine mit einem evang. Selyrer zu besetzende Lehrerstelle zu Weiten- Gesäß, eine mit einem cvcmg. Lehrer zu besetzende Schulstelle §u Trais-Horlofs, eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu Dauern heim. Mit der Stelle ist Or­ganistendienst verbunden.

** Verwendung von mittleren Baubeamten. Infolge der von dem Verband der hessischen mittleren Bau­beamten gegebenen Anregungen hat die Gemeinde Neu-Isen­burg, sowie die O P e l s ch o V e r w a l t u n g beschlossen, eigene Baubeamten anzustellen und diese auS der Reihe der hes­sischen Baubeamten zu entnehmen, die infolge der Einschränkung des staatlichen Bauens zur Entlassung iommen. Mair rechnet bestimmt damit, daß noch weitere Gemeinde- und Fideikommiß- verwaltungen diesem Beispiel folgen, umsomehr, als es nicht zum wenigsten zu ihrem eigenen Vorteil geschieht.

* * Erledigt find die Stellen der Oberförster bei Oberförstereien Jägersburg und Eichelsdorf.

* Nach OHaften. Oberführer Jünkler, der nahezu 5 Jahre dem Betrieb der Biebertalbahn-Werkstätte vor­gestanden hat, siedelt demnächst mit Familie nach Tsingtau über. Durch Vermittelung einer Berliner Gesellschaft tritt er dort als Obermeister in eine Eisenbahn-Werkslätte ein. Jünkler hat sich für feinen neuen Dienst vorläufig auf 5 Jahre laut Kontrakt verpflichtet.

Die Höhere und Erweiterte Mädchenschule wurde im abgelaufenen Schuljahre von 793 Schülerinnen be­sucht; davon gehörten 436 der höheren und 357 der er­weiterten Schule an. Nach dem Wohnsitz der Eltern ent- fallen 709 auf die Stadt Gießen, 48 auf andere hessische Orte, 11 auf andere deutsche Staaten und eine Schülerin aus aas Ausland. Während die höhere Mädchenschule im ab­gelaufenen Schuljahre 14 Klassen zählte, umfaßte die erweiterte Mädchenschule 11 Klaffen. In dem Lehrpersonal der Anstalt trat keine wesentliche Veränderung ein. Die Ferien für dos laufende Schuljahr 1911/12 verteilen sich wie folgt: Öfter- erien vom 9. bis 23. April, Pfiugstferien vom 4. bis 11. Juni, Herbslferien vom 6. August bis 17. September und Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis 7. Jan. 1912.

** Statistik über Automobilunfälle. Das Ver­langen nach einem Gesetz über die Sicherstellung des Ersatzes für die durch Automobilunfälle verursachten Schäden ist zurzeit bei den im Reichstag gepflogenen Verhandlungen zum Ausdruck ge­kommen. Das Reichsamt des Innern hat nunmehr bei den einzelnen Bundesstaaten angeregt, zur Beschaffung zuverlässiger Nachweisungen die im Jahre 1906 eingeleitete Statistik über die beim Betrieb mit Kraftfahrzeugen vorkommenden schädigenden Ereignisse auszugestalten und auch Erhebungen darüber vorzu­nehmen, ob der angerichtete Schaden ersetzt worden ist und der Ersatzpflichtige durch -eine Versicherung gedeckt war. Um diese Statistik zu ermöglichen, ist der den hessischen Verwaltungsbehörden von dem Ministerium des Innern im Jahre 1906 zugegangene Fragebogen umgearbeitet worden. Die neuen Fragebogen treten mit dem 1. April in Kraft. Sie werden vom Kaiserlichen Sta­tistischen Amt für die Unfallstatistik verarbeitet. Ausgeschieden wurden die Fragebogen, die für die ergänzende Statistik nicht in Betracht kommen; z. B. wenn dem Eigentümer des Krastfahr- zeuges selbst, besonders am eigenen Automobil, oder an Sachen, die durch das Kraftfahrzeug befördert mürben, oder anderen Sachen durch eigenes Verschulden des Geschädigten Sachschaden entstanden ist: wenn Personenschaden entstanden ist: dem Führer und den Insassen des Kraftfahrzeuges: den Verunglückten dritten Per­sonen durch eigenes Verschulden; Schaden verursacht ist durch unbekannt gebliebene Kraftfahrzeuge: es sich nur um geringfügige Schäden (unter 20 Mk.) handelt. Die übrigen Fragebogen werden den Verwaltungsbehörden zur Beantwortung der für die er­gänzende Statistik notwendigen Fragen durch das Kaiserliche Sta­tistische Amt wieder zugesandt und nach deren Erledigung wieder dorthin zurückgegeben.

** Die Hauptversammlung des Lesehallen­vereins, die gestern abend unter dem Vorsitz des Professors König im Hotel Schütz tagte, war so zahlreich besucht, wie dies seit Jahren nicht der Fall war. Aus idem vom Vorsitzenden er­statteten Jahresbericht entnehmen wir, daß dem Verein 374 Mitglieder angehören und die Jahreseinnahmen 2858 Mk. betragen. Im abgelaufenen Jahre wurden u. a. verausgabt 1500 Mk. für Besoldungen, 365 Mk. für Zeitungen und Bücher und 318 Mk. für Buchbinderkosten. Man erzielte einen Ueber- schnß von 536 Mk., aber nur dadurch, daß man sehr sparsam wirtschaftete und wegen Raummangels nur für 100 Mk. neue Bücher an schaffte. Zu dem verfügbaren Betrag kommen noch 458 Mark, die dem Verein als Ueberschuß von den akademischen Vor­trägen zugeslossen sind, und 300 Mk. aus früheren Jahren. Prof. König teilte mit, daß die Stadt der Lesehalle das Tor­haus am Neuenweger Tor für ihre Zwecke zur Verfügung stellt und darin die gesamte Bibliothek und Buchausgabe untergebracht werden soll. Dadurch ist der Lesehalle die Möglichkeit gegeben, sich weiter entwickeln zu fönnen. Allerdings erwachsen dem Verein bei seinen bescheidenen Mitteln, die er bisher zur Ver­fügung hatte, Schwierigkeiten durch den geteilten Betrieb, die man aber zu überwinden hofft. Die Stiftung neuer Bücher­gestelle für das Torhaus am Neuenweger Tor sei bereits von einem Freunde des Vereins in Aussicht gestellt. Aber auch bte Einrichtung des Torhauses am Selterstor, das nur noch als Lesehalle benutzt wird, erfordert größere Opfer. Professor Dr. Sommer und dessen Gattin haben sich bereit erklärt, einen Raum auszustatten, der für künstlerische Betrachtungen dienen soll, und es iei zu hoffen, daß dieses Beispiel Nachahmung finde. Die Bezirkssparkasse hat in Aussicht gestellt, ihren Beitrag wesentlich zu erhöhen, und Fabrikant Klingspor stellt dem Verein jährlich einen größeren Betrag zur Verfügung. Man dürfe wohl auf das Entgegenkommen des Kreises und der Gewerbebank zählen, so daß zu hoffen ist, daß der Verein der finanziellen Schwierig­keiten Herr wird. Hierauf verbreitete sich Bibliothekar Dr. Fritsche über den Zweck, die Wirkung und das Ziel der Lese­hallen und die Art, wie sie arbeiten füllen. Er verwies darauf, daß die Bibliothek 1910 27 082 Bände gegen 27 749 Bände im Vorjahr ausgeliehen hat. Auf Antrag des Stadtv. Dr. Ebel beschloß die Versammlung, daß der Verein dem Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung als Mitglied beitreten soll. Die Vor­standswahl ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder und die Neuwahl des Landgerichtsdirektors Schineckenbecher, der früher schon dem Vorstand angehört hatte. Im Jahre 1910 wurden aus der Bücherei des Vereins ausgeliehen: Erzählende Literatur 13 462, Zeitschri ten 4396, Jugendschristen 2973, Versdichtung und Dramen 449, Länder- und Völkerkunde 861, Kulturgeschichte 379, Geschichte und Biographien 1425, Kunstgeschichte 152, Natur­wissenschaft und Technologie 1342, Heer und Seewesen 303, Land­wirtschaft 193, Gesundheitslehre 148, Religion und Philosophie 333, Staatswissenschasten 141 und Fremdsprachliches 117 Bände. Nach auswärts wurden 1088 Bände verliehen.

** I m Krieg erve rein Gießen beginnt mit dem neuen Vereinsjahr wieder eine rege Tätigkeit. Am Dienstag and die erste M o n a t 8 v e rs a in m l n n g statt, in der baS Dfitglied ReoisionSbeaniter Grünig einen sehr interessanten Zortrag über die soziale Gesetzgebung hielt. Er be- ! uchtete eingehend deren Entstehungsgeschichte, ihren heutigen Ltand und ihre Körperschaften und erntete am Schlüsse seiner .Ausführungen lebhaften Tank. Noch vier weitere Vorträge iehen in Aussicht. DaS Sedansfest soll am 3. September als Waldfest im Philosophenwald gefeiert werden.

* Eigentümer gesucht. Auf dem Dachboden eines Hauses wurde eine Kiste mit folgenden, jedenfalls gestohlenen Gegenständen oorgefunden: 39 weißmetallene und zehn Messing-Ziehketten mit Porzellangriffen und der Aufschrift Ziehen-, 53 kleine Metallringe, 66 Verschlußringe, 1 lange, 6 kurze großgliederige Messingketten, 100 Gumnn-Dichtungs- cinge und eine große Haarschere. Die Gegenstände sind offen­bar in einem Jnstallationsgeschäft entwendet. Der Eigen- tinner kann sie auf der Kriminalabteilung des Polizeiamts in Empfang nehmen.

Kreis Büdingen.

= Büdingen, 5. April. Am Dienstag abend beschloß der Ausschuß für Büdingen, den Blumentag am Sonntag, 7. Mai, abzuhalten. Es sollen die Mädchen allerBevölkerungs- kreise im Alter von 14 bis 20 Jahren zu einer Versammlung auf Dienstag, 11. d. M., abends 8 Uhr, in denStern" ein­geladen werden, um sich wegen ihrer Mitwirkung als Blumen­verkäuferinnen zu erklären: ungefähr 40 bis 50 sind nötig. Wenn sich mehr einstellen, so wird das Los entscheiden: andernfalls müßten Einzelaufforderungen an geeignete Mädchen gerichtet werden. Der Verkauf findet statt morgens an den Bahuzügen um 8, 10 und 10>/3 Uhr, bann auf der Straße, rn Wirtshäusernl und Privathäusern und an den Nachmittagsbahnzügen von etwa V2I2 Uhr bis abends l/28 Uhr. Jedes Mädchen erhält seinen Bezirk zugewiesen. Außer Maßliebchen, derBlume der Barm­herzigkeit", werden Ansichtspostkarten feilgeboten. Die Mädchen erhalten ein Abzeichen, die nötigen Blumen und Karten und eine Sammelbüchse, die abends mit dem unverkauften Rest an den Ausschuß abzuliefern ist. Abends 1/29 Uhr ist ein sog. bunter Abend imFürpenhof" geplant, an dem die Vereine mitwirken werden und der sehr genußreich zu werden verspricht.

Kreis Alsfeld.

A Mücke, 5. April. Auf dem Lande ist der Geißlamm­braten sehr beliebt und besonders gesucht auf das Osterfest. Wie alle Fleischpreise, so ist auch dieser Fleischpreis gestiegen. Zahlte man bisher 30 und 35 Pfg. für das Pfund, so be­läuft sich dieser Preis jetzt auf 40 Pfg. Während der Preis für das Rindfleisch unverändert auf seiner Höhe stehen bleibt, ist er für die Schweine bemerkenswert gesunken. Es wird zurzeit nur 43 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht bezahlt, mithin em Abschlag um 1014 Pfg. gegen Weihnachten.

Kreis Friedberg.

x Friedberg, 5. April. Der Lolat-Eisenbetow, Aktien-G es e ll schäft Gießen ist auf dem Bahnhofsge­lände die Herstellung einer 17 Meter breiten und 190 Meter langen Betonbrücke von der Eisenbahnverwaltung übertragen worden, mit welcher Arbeit jetzt begonnen worden ist. Das Bau­werk erfordert einschließlich des Materialverbrauchs einen Kosten­aufwand von 300 000 Mark. Die Bauzeit beträgt etwa 9 Monate. Es ist im Eisenbahn-Direktionsbezirk Frankfurt a. M. die erste Ueberbrücfung der Eisenbahn, die in Beton hergestellt wird.

L. Friedberg, 5. April. Heute morgen wurde unfeti Lehrerseminar geschlossen, womit das seitherige Schul­jahr seinen Abschluß fand. Das neue Schuljahr beginn!! Montag den 1. Mai, abends 6A Uhr, mit einer kurzen Feier. Den beiden Pavalleleklassen der Klasse 2 werden 43 Präparantxm aus Lick) und die den Donnerstag und Freitag die Prüfung be* stehenden Sckchler höherer Lehranstalten zugewiesen. 25 Präpa- ranbeit haben sich zu dieser Prüfung angemeldet. Der seit Sonn­tag eingetretene kalte Nordwind, der über den Fluren der WetttcraH weht, hat bis heute der Vegetation gar nichts getan. Nur höher gelegene Aecker, die mit Klee besät waren und schon in der Keimung begriffen, litten etwas not.

---- Bad Nauheim, 5. April. Balthasar Hartmann aus Vollmerz wurde zum Elektromonteur bei der Badeanstalt Bad Nauheim ernannt.

Starkenburg und Rhein Hessen.

---- Offenbach, 5. April. Mit Ermächtigung des Groß- Herzogs hat daß Ministerium des Innern bestimmt, daß die Oberrealschule am Stadthaus in Offenbach dem Großh. Ober* realschuldirektor Karg und die Oberrealschule am Friäwick-splatz in Offenbach dem Großh. Oberrealschuldlrektor ©eljeimen Schul­rat Ja g er unterstellt wird und daß von dem settherigen Gesamt­personal der letzteren Schule zugewiesen werden.: die Oberlehrer Professoren Volckmar, Storck, Kost, Götz, Roth, Enders und GroS; die Oberlehrer R. Reinig, Dr. Hammer, Dr. Büttner, Eckel, Bentz, Zinßer (katholischer Religionslehrer), Dr. Gräf, Dr. Münch, Bei- ling und Dr. Wagner; die Lehramtsassessoren Dr. Seiler und Grimm; die Reallehrer P. 9teinig, Stuhl, Thierolf, Kammer und Weiß und der Pedell Dieterich.

Bischofsheim a. M., 4. April. Einen Gesamt- schaden von 30000 Mark hat die in hiesiger Gemeinde besonders hartnäckig und verheerend auftretenbe Maul- und Klauenseuche angerichtet, lieber ein Vierteljahr wütete die Seuche in dem hiesigen Viehbestände und erst am 1. d. MtS. konnte chr Erlöschen behördlich festgestellt und bekannt gegeben werden. Mehr als 30 Stück Großvieh und über 50 Stück Jung­vieh und Ziegen fielen der Krankheit zum Opfer.

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** Gießen, 5. April. Wegen Versäumung der FrühjahrS- und Herbstkontrollversammlungen 1908, 1909 und 1910 hatte sich heute der aus Battenberg, Kreis Biedenkopf, gebürtige Reser­vist Wilhelm Sommer, vom Landwehrbezirk Siegen, vor dem Standgericht des Infanterie-Regiments Kaiser WUHelmj Nr. 116 zu verantworten. Sommer, der sich 3 Jahre und 5 Mo­nate der Kontrolle entzogen hatte, war dieserhalb am 24. März 1911 vom Dauptmeldeamt Siegen mit 8 Tagen Haft bestraft und außerdem gemäß 8 11,4 der Deutschen Wehrordnung in die Jahres- klasse 1905 zurückversetzt worden. Sein Fernbleiben von den Kontrollversammlungen entschuldigte er damit, daß er angab, aus Furcht, durch die Teilnahme ermittelt und dann bestraft zu werden, fern geblieben zu sein. Da in diesem Verhalten des Angeklagten ein vorsätzlches Fernbleiben zu erblicken ist, beantragte der Ver­treter der Anklage auf 6 Tage mittleren Arrest zu erkennen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf feine bisherige gute und gänzlich straffreie Führung bent Anträge gemäß zu 6 Tagen mittleren Arrest und brachte die seit dem 1. April 1911 erlittene Untersuchungshaft auf die er Bannte Strafe in Anrechnung. Der Angeklagte erklärte sich bereit, die Strafe anzunehmen.

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hc. Marburg, 5. Avril. Ter Pro'essor der Archäologie an der hiesigen Universität, 65eh. Reg.'Rat Dr. L. 0. S y b e l. wird nut Ablani des kommenden Sominersemeners vom Vehramte zurück» ueten. Proieffor 0. Sy bei, ein gebotener Marburger, steht im 65. Lebensjahre.

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* Englands Weindurst, lieber die Weineinfuhr Eng­lands auS .Europa während des Jahres 1910 macht ein soeben