Nr. 82
Erstes Blatt
161. Jahrgang
Donnerstag, 6. April 1911
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Fernivrech - Anschlüsse.
MMW General-Anzeiger für Vberyessen
Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Unio.'Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchnlstrahe 7.
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VeznqSvretS: monatlich 75 P'., viertel- jährlich 'IW. 2.20; burcb 'lbhole- iu Zweigstellen moimtüd) 65 lii.; durch die Post 'DIT. 2.— otcrtel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilmpreis: lokal 15 UU ausiväns 20 Piennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den poliilschen Teil: August Eoerz. für „Feuilleton'. .Vermischtes* und „GcrichtSfaal": K. Neurath. für „Stadl und Land": E.Heß: für den Anzeigenteil: H. Beck.
aus dem Auslände beziehen muß und bic cs nirgends so vorteilhaft und bcquenr taufen faiut, als in Deutsch land. Anderseits ist die schloedische Ausfuhr nach Deutschland für das Wirtschaftsleben Schwedens von hervorragen der Bedeutung, und diese Ausfuhr besteht nicht, wie in der schwedischen Presse neuerdings vielfach behauptet wird, ausschließlich in Rohwaren, sondern umfaßt auch einen großen Teil Halb- und Fenigfabrikate.
beide befreundete und verbündete Nationen unter der Leitung bet einen wie bei anderen Dynastie ihre Geschichte vollendeten, sind
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Der Handelsvertrag mit Schweden.
Die deutsch-,chwedifchen Handelsvertragsverhandlungen, die im November und Dezember vorigen Jahres in Stockholm, nach Neujahr in Berlin geführt wurden, haben anfangs Februar eine kurze Unterbrechung durch den Zusammentritt des Wirtschaftlichen Ausschusses erfahren. "?iach- betn dieser handelspolitische Beirat über eine Reihe von g-ragen gehört worden war, die sich bei den Verhandlungen ergeben hatten, wurden Mitte Februar die Verhandlungen wieder ausgenommen. Inzwischen scheint man sich, so le,en wir in dec Deutschen volrskv. Korr., über den Vertrag so zut wie geeinigt zu haben, und es dürste nun Aufgabe der Regierung sein, dessen Vorlage an den Bundesrat und den Reichstag vorzubereiten.
Ueber den Inhalt des neuen Vertrags ist bis jetzt nur belannt geworden, daß Deutschland, genau wie in dem Vertrage vom 8. Mai 1906, die zollfreie Einfuhr ton Werk- und Pflastersteinen zugestanden hat. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß deutscherseits auch die übrigen Zugeständnisse des bisherigen Vertrags erneuert worden sind. Vielleicht sind auch noch einige neue fronte,"।tonen hinzugekommen. Die Weiterg.'währung der Zoll,reiheit für schwedische Steine gibt der deutschen Steinindustrie zu Klagen Veranlassung. Diese hat unter dem Wettbewerb der schwedischen Steine schwer zu leiden, wird jedoch mit ihren gegen die Zoll,rciheit der schwedischen Einfuhr gerichteten Be,chwerden taum ctrocy erreichen. Welche Konzessionen wir von Schweden erhalten und wie sie m bewerten ,ind, wird sich erst beantworten lassen, wenn der genaue Wortlaut des neuen Vertrags bekanntgegeben ist. Bekanntlich hat Schweden einen neuen Zolltarif aufgestellt, der am 1. Dezember 1911 in Kraft treten soll. Dieser neue Tarif bildet die Unterlage für die von Schweden zu- xestandenen Vertragszollsätze. Man wird nun bei der Beurteilung der schwedischen Zugeständnisse nicht nur diese Vertrags,ätze zu prüfen haben, sondern auch feststellen müssen, welche Aenderungeii der neue schwedi.che Tarif noch außerdem für die deutsche Einfuhr nach. Schweden bringen wird. Was die Geltungsdauer des neuen Vertrags be- trijft, so wird ,ie wahrscheinlich so beme,seu sein, d^ß der Vertrag, ebenso wie unsere Zoll- und Handelsverträge mit Rußland, Italien, der Schweiz usw., frühestens zum 31. Dezember 1917 geiündigt werden kann.
Ueber den Umfang unseres Hanoelsverkehrs mit Schwc- ben hat jetzt das Kai, erliche Statistische Amt die Einfuhr- und Ausfuhrwerte des Jahres 1910 veröf,enllicht. Unsere Wareneinfuhr aus Schweden hat betragen 1910: 103,8 Mill. Mart gegen 141,8 Mill. Marc in 1909,145,2 Mill. Mark in 1908, 1/2,0 Mill. Ml. in 1907 und 149,7 Mill. Mark in 1906. Die Warenausfuhr nach Schweden betrug 1910: 190,5 Mill. Mk., gegen 156,2 Mill. Mk. in 1909, 174,1 Mill Mk. in 1908, 186,6 Mill. Mk. in 1907 und 176,4 Mill. Mk. in 1906. Im lebten Jahre hat sich demnach, im Vergleich zum Vorjahre, die Einfuhr um 22 und die Ausfuhr um 34,2 Mill. Mk. vermehrt. Legt man dagegen dem Vergleich die Zahlen aus dem Jahre 190, zugrunde, so ist die Einsuhr um 8,2 Mill. Mk. zurück- aegangen und die Ausfuhr nur um 3,9 Mill. Mk. gewachsen. Uiiiere Ausfuhr nach Schweden war bisher stets etwas größer als unsere Ein,uhr von dort. In der Äns.uhr spielen neben den verschieoenaingiten Erzcugni.fen unserer Jnoustrie auch Getreide und son,.ige iaHjluir.|ü)aft i^e ft-.v m^e eine Hauptrolle. Es sind dies fast alles Waren, die Schweden
Da; deutsche «ronprinzenpaar in Rom.
Rom, 5. April. Ueber dw Ankunft des deutschen Kronprinzenpaares auf dem hiesigen Bahnhof wird berichtet: Als der Kronprinz den Eisenbahnwagen verließ, umarmte und küßte ihn der König zweimal sehr herzlich; die Königin umarmle und lüßte die Kronprinzessin ebenfalls sehr herzlich. Der König küßte der Kronprinzessin und der Kronprinz der Königin die Hand. Nachdem die Vorstellung der beiderseiKgen Gefolge vorüber war, hieß der Bürgermeister namens der Stadt das Kronprinzenpaar willkommen. Zum Empfange fand sich auch das Personal der deutschen Botschaft ein. Der Botschafter von Jagow und der Militärattache Freiherr vort Hammerstein-Equord waren dem Kronprinzen bis zum Kasino enlgegengefahrcn. In Rom waren die Straßen, durch welche die Fahrt nach dem Quirinal ging, von einer dichten Menschenmenge um- säunrt; auch die Fenster dec anliegenden Häuser waren von zahlreichen Besuchern be,etzt. Tie Musiktorps spielten die preußische und itaäenische Hdmne. Ana) nachdem die Fürstlichkeiten im Quirinal angekommen waren, dauerten die Huldigungsrufe an, so dag das Känigspaar fich mit den Gästen dreimal auf dem großen Vatron zeigten.
Trotz des bedeckten Wetters boten die Straßen vom Bahnhof bis zum Quirinal ein ungemein festliches Bad. Die össentlichen Gebäude und die meisten Prtvathänser hatten geflaggt. Straßenvercäufer trieben einen schwunghaften Handel mit kleinen Fahnen in den italienischen und deutschen Farben, der Bahnhof war mit einem großen roten Baldachin, Palmen und anderen Blattpflanzen glanzend geschmückt. Während der König und der Kronprinz die Ehrentompagnie abschritten, unterhielten sich die Königin und die Kronprinzessin auf das Herzlichste.
Ter Kronprinz und die Kronprinzegtn statteten der Königinwitwe Margarete in ihrem Palais einen einstündigen Besuch ab, der einen herzlichen Charakter trug. Eine zahlreiche Menge bereitete Kundgebungen. Nachher kehrte die Kronprinzessin in den Quirinal zurück, während der Kronprinz sich nach dem Pantheon begab, um an der Begräbnisstätte der Könige einen Kranz niederzulegen. Abends hatten die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser festliche Beleuchtung angelegt.
Während sich der Kronprinz nach dem Pantheon begab, besuchte die Kronprinzessin das Deutsche Hospital, wo sie sich eine Hache Stunde aufhielt. Später begaben sich die trouprinziichen Herrschaften nach der deut- Ichen Botschaft und empfingen dort Abordnungen der deut- Kolonie.
„Po Polo Romano" schreibt:
Der erste feierliche Besuch zur Jubelfeier des Königretchs Italien kommt von der deutschen kaiserlichen Familie in der Person des Kronprinzen und der Kronprinzessin. Kaiser Wckhelm konnte keine höhere, sympathischere Vertretung bestimmen, um in seinem und des deutschen Voltes Warnen unseren Souveränen und der italienischen Nation die Glückwünsche zur Fünfzigjahrfeier der Proklamation der Einheit des Vaterlanbes mit Rom als Hauptstadt zu überbringen. Wir Italiener, deren Herz im Einklang mit der Dynastie Savoyen schlägt, wie das des deutschen Voltes mit dem ruhmreichen Herrscherhause Hohenzollern, weil
von größter Freude über die Anwesenheit des erhabenen Paares in Rom und von lebhaftester Dankbarkeit gegen den Kaiser und die Kaiserin erfüllt, die uns ihre vielgeliebten Kinder als willkommene Gäste des Quirinals gesandt haben. Die größte Genug tuung für Italien und Rom ist dieser neue Beweis der herzlichen Gefühle, welche der Kaiser in freudigen wie in traurigen Tagen für unser Land gehegt hat und die mit der unveränderten S»m pathie im Einklang stehen, die zwischen beiden Völkern von Au beginn der beiderseitigen Erhebung sich geltend machte. Für politische Betrachtungen ist dies nicht der Augenblick, seht, ivü das erhabene kronprinzliche Paar ankommt, darf nur das Gefühl gelten, das die römische Bürgerschaft treibt, den erlauchten Gästen die ehrerbietigsten und wärmsten Grüße entgcgcnzubringeit.
„IVi e f | u g g e r p" Den>|fcmnait einen riiuuei seines Berliner Korrespondenten, in dem die Bedeutung des Drei bundes für Italien und Deutschland für die Vergangenheit und für die Zukunft dargelegt wird.____________________
Aus dem elsässischen Landesausschuh.
Straßburg, b. April. Im Landesausschuß für Elsaß-Lotl,ringen bezeichnete bei der dritten Lesung des Haushalts in der Erörterung über die Verfassungsreform der Abgeordnete Laugel (Zentrum) es als Pflicht der Reichsregieruna, Elsaß-Lothringen die A u t o n o m i e zu gewähren. Es sei ein großes Unrecht gewesen, das Land ohne seine Zustimmung zu anneltieren. Um die Ungerechtigkeit wieder gut zu machen, sei es vor allem notwendig, die Meinungen des elsaß-lothringischen Volkes über die Berfassungs wünsche einzuholen, wosür er eine Assemblöe Constituante Vorschläge.
Staatssekretär Zorn v. Bulach antwortete, daß Lau- gels Traum von einer Assembler Constituante sich nicht erfüllen werde. Das Schices al Elsaß-Lothringens sei mit dem Frankfurter Frieden endgültig erledigt. Im übrigen sei die angebotene Berfassungsvorlage eine ganz gewaltige Verbesserung, namentlich auch in den drei Bundesratsstim men. Sie ginge weit über das hinaus, was von den Mitgliedern des Ausschusses früher verlangt worden sei. Würde ,ie abgelehnt, so würde es noch Jahrzehnte dauern, bis eine Aenderung eintrete.
Haus (Zentrum) verlangte die unabhängige Stellung des Statthalters gegenüber dem Kaiser, größeres Budget- recht für die Zweite Kammer und Aenderung der Wahl- srersei'.iteilung, Zugestä'tdnijse, ohne welche die Vorlage für seine Freunde unannehmbar sei. föeorg Wolf (liberal) verteidigte die Haltung der liberalen Partei im Reichs- tage. Das Heilmittel gegen die Beschwerden wegen der Wahlkreiseinteilung liege im Proporz. Wetter ls wollte nicht wahr haben, das; die früheren Anträge der elsaß- lothringiichen Abgeordneten durch die Ver,a,sungsreform befriedigt würden. Sie gäbe feine volle Autonomie, Bundescat und Reichstag wären bei den Verfassungsänderungen nicht völlig ausgeschaltet.
Der konservative Vorstoß in der elsaß-lothringischen Ver- fassungsfrage hat in der Sitzung des preußischen Herrenhauses am Mittwoch seine Fortsetzung erfahren. Der Sprecher der Konservativen, Graf W e d e l l - Piesburf, versickerte indessen dazu, baß wegen bieser einen Frage ihr Vertrauen zum Ministerpraii beuten unb Kanzler in keiner Weise erschüttert sei. An des Ministerpräsidenten Stelle, Cer durch einen Trauerfall in der Familie am Erscheinen verhinbert ist, antwortet Herr v. Dallwitz, ohne jedoch sachlich auf die Frage einzugehen. Die Herren müssen fick' bescheiden mit dem Hinweis auf die Darlegungen des Herrn v. Bethmann im Abgeordnetenhaus. Nach dem Minister nimmt der ehemalige elsaß-lothringische Staats- Ise krctär v. Koeller das Wort, nm seinen von dem seiner
Ein Papstbnes aus der Renaissance.
Brief an einen Kölner Stadt schreiber vom Jahre 1445.
Im Berlage Eugen Diederichs-Jena ist soeben der dritte Band des Quellenwerkes „Das Zeitalter der Renaissance" erschienen. Er enthält die Briese des für die humanisiifchc Bewegung so bedeutsamen Aeneas Silvius Piccolomini, des späteren Papstes Pius II. Wir geben in folgendem, ein für die Anschauungen der Zeit außerordentlich charakteristisches Schreiben wieder:
An Johann Frunt, Stadtschreiber in Köln (Wien, 15. November 1445).
Trostbrief über die Vergänglichkeit der Frauenliebe.
Enea SUvio, kaiserlicher Sekrestär, grüßt herzlich Herrn Johann Fruntz, Sekretär der Stadt Köln.
In letzter Zeit hab' ich dir öfters geschrieben: hoffentlich hast du meine Briefe erhalten, wenn sic verloren gegangen sind, wäre mir das sehr unangenehm, denn es stand manches darin, was ein Dritter nicht zu erfahren brauchte. Immerhin will ich dir noch ein paar Zeilen schicken, ist es doch freimdschastlich, Leid und Freud mit dem Freunde zu teilen.
Der treffliche Johannes, der RatSschreiber von Nürnberg, der dich sehr wertschätzt, ist wieder bei uns und berichtet, er hotte dich in Trauer zurückgelassen. Es hätte dich ein schwerer Lckstag getroffen. Ich weiß nicht, was „aus dem Rathaus entflohen" sein soll, worüber du so außer dich geraten bist. _ Er erzählte, bei seiner Abreise wärst du so verstört gewesen, daß du nicht ein Wort herausgebracht hättest. Ich verstand den Mann gornicht, er sagte, er war aus dem Rathaus — dort war er oft, dort war er gern; „sic sind durchgegangen, er war ganz trostlos, man hat sie nicht mehr erwischt." Er sprach selber so verworren, ich konnte nicht herausbekommen, worum es sich denn handelte.
Bloß daß du leidest, erfuhr ich und möchte dir Trost zusprechen. Lieber Johannes, was soll das nun fein! Ich habe dich als Mann gekannt, was in aller Welt kann bidbjo angreifeiL so verändern? Ein Manu muß doch auf alles gefaßt sein.^Was üfitmer geschehen kann, er muß cs voraussehcn und jedes Schick- solsschlags gewärtig fein, bann erträgt er fich leichter. Ist bir ein Freund gestorben — du mußtest wissen, daß er sterblich ist. Öaft du ein Vermögen verloren, — du mußtest wissen, daß ein Wink des Schichals genügt, es bir zu nehmen. Hat dich deine Geliebte betrogen, — bu mußtest die Unbeständig keil, bic Launenhaftigkeit der Weiber kennen. Nichts ist so trügerisch als der Sinn des Weibes. Nie ist ihre Liebe von Dauer. Das Weib
ist ein falsches Tierchen, unzuverlässig, grausam, treulos, voller Tücken. Und sind die Weiber allen Männern ungetreu, den alten Leuten sind sie es am meisten. Tu, lieber Johannes, und ich, wir beide schreiten schon gegen Abend, und mit den Weibern sollten wir uns beide nicht mehr abgeben. Man lacht uns höchstens aus, witzelt über uns und keine hängt uns an außer des Gewinnes halber. Soll uns doch dieses verruchte Geschlecht vom Halse bleiben, es leert uns den Geldbeutel und zerreißt uns das Herz. Ist dir, lieber Johannes, deine Frau durchgegangen, so tut sie ja damit nicht dir weh, sondern plagt jetzt einen andern. Sei froh, daß du sie los bist. _
Ich spreche hiervon, denn das ist es, was ich den Worten des Johannes aus Nürnberg entnehmen konnte. Ich weiß ia nicht, ob es auch zutrifft. Ist es was anderes, so tröste dich selber Nichts ist so schlimm, daß cs von der Zeit nicht gelindert werden tömuc. Fasse dich, lieber Johannes, und sei nicht mehr traurig. Tenn wer einem Verlust nachtrauert, der peinigt sich bloß selber und erlangt das Verlorene doch nicht zurück. Wie man in Toskana sagt: Tausend Piund Traurigkeit bezahlen nicht eine Unze Schulden. Leb' wohl! Wien, den 15. November 1445. *
_Ein Simrock-Ten km al in Honnef. Ans Honnef a Nh wird der Frks. Ztg. geschrieben: Tem großen Germanisten und rheinischen Dichter Karl Simrock soll hier bei GelegQlheit seines 110 Geburtstages ein Denkmal errichtet werden. Vtan hofft daß sich die Vorarbeiten dafür so schnell bewerkstelligen las)«r, daß die Enthüllungsfeier am 28. August 1912 statisinden kann. Simrock der sich 1840 in dem von Tr. Ernft Wcyden „^chweizer- tcck" genannten idyllischen Tale am Menzenberge hier ein Land- hans erbaute, das den Namen „Haus Parzival" führt, ftefjt in engen Beziehungen zu Honnef, zumal die Mchrzahl ferner wisicn- sckaftlichen und poetischen Werke in dem erwähnten Landlwuse entstanden ist. Tort empfing er auch seine Freunde: Alexander Kailsmonn, Gottfried Kinkel, Gustav Pfarrins usw. unb bewirtete sie u a mit dem von ihm selbst gezogenen Menzenberger Rotwein, dem sogenannten „Eckeichlut". Tas „Eckenblut" ist ein Legen- ftfid* zu dem bei Rhöndorf wach,enden „Trachcnblut". simrock behauptete daß Dietrich von Bern in den Menzcicherger Wcui- gärten den Riesen Eck erschlagen habe. Dessen Blut sei von dcr Erde aufgesogcn worden und nun gewipermaßen in dem Rebensaft enthalten. — In Menzenberg, wo jetzt ein Enkel Simrocks, der Maler Prof. Reifjersck:eid, das „Haus Parzival" bewohnt, soll auck) sein belanntes Lied „Warnung vor dem Ryein" gedichtet worden sein.
— Der j ü ii g ir e dcutsme Professo r. Die Hochschul korrespondenz sck reibt aus Göttingen: Wie wir hören, ist der Kunsthistoriker, ord. Professor an der Universität Göttingen, Dr. Robert Vischer, beim Kultusministerium um seine Emeritierung eingekommen. Der bekannte Kunstforscher und Aesthetiker ist am 22. Februar 18 9 7 zuTübingen geboren. Wenn man nur die Liste seiner Werke dura,lieht, dann muß man lagen, daß der vierzehn jährige Professor schon eine ganze Menge geleistet hat. Göttingen darf also den giuhrn für |ia> in Anipruch nehmen, nicht nur den jüngsten Profen'or der zudem schon amtsmüde ist, sondern auch das einzige akademische Wunderkind an deutschen Universitäten zu besitzen. — Es feilte eigentlich 1847 heißen.
kf. Der unsterbliche Kessel. Ein Wettbewerb in Bureaukratenstreichen ist leiacr bisher noch nicht veranstaltet worden. Sonst aber hätte sicher die französische Marineverwaltung Anspruch auf den, ersten Preis. Jüngst hatte sie sich nämlich folgenden Geniestreich geleistet: Tas .Ha^nkommando von Toickon meldete, daß eines der Unterseeboote neue Kessel brauchte. Tie Meldung wurde der richtigen Oberinstanz über wiesen und nachdem eine gewaltige Menge Papier und sehr viel Tinte verbraucht worden war, wurde der Auftrag einem Kessel- fcchrikanten übergeben, dem sämtliche besonderen Bedingungen mitgeteilt wurden, denen die Keisel zu entsprechen hatten. Tie Kesiel wurden auch richtig abgeliefert. Tann wurde eine technische Kommission mit ihrer Prüfung beauftragt, die einen Bericht abfaßte und Kessel und Bericht dem chemischen Laboratorium sandte, um das verwandte Metall an der Unterseite der Kessel auf seine Feuerbeständigleit zu prüfen. Tie Ehemiker entnahmen der Unterseite der Kessel Metallproben, untersuchten sie und schickten der technischen Kommission ausführlichen Bericht. Hiernach wollte die technische Kommission die Kessel gerade gutheißen, als sich herausstellte, daß bei der Entnahme der Metallproben der Boden der Kessel durchlöchert worden war, so daß sie unbrauchbar geworden waren. Alsbald wurden neue Kessel bestellt, ehe diese aber abgenommen werden, wird die technische Kommissioii sie wieder ans chemische Laboratorium zur Unter suchung senden und die ganze Geschichte kann sich beliebig oft wiederholen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Helene A Q) t c r b e r g vom ^üjiuer^i/uner in Benin ist vom September 1911 ab an das Stadt-Theater in Halle a. S. als erste Heldin t pfli
Prag beschloß, das deutsche Landestheater auf zehn Jahre an den Eyesredaiieur Heinrich T e w e l c s zu vergeben.


