Ausgabe 
16.10.1911 Erstes Blatt
 
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schaffung der iteckienischen Kapitulationen, der Drohung mit ber Ausweisung der Italiener, der Beschlagnahme italie­nischer Handelsschiffe gegen die Regeln des Völkerrechts, der Boykottierung italienischer Waren, der fanatischen Agi­tation der Türken gegen die italienischen Kolonien im Orient usw., Repressalien, die sogar noch ein entschie­deneres Vorgehen Italiens notwendig machen könnten.

Der -,Corriere d'Jtalia" und derPopolo Romano" lassen sich in demselben Sinne aus.Povolo" fügt noch hinzu, daß der türkischen Regierung in dem Augenblick, wo die Friedensbedingungen festgesetzt würden, dieser ihre Haltung angerechnet werden müßte.

DieTribuna" meldet aus Tripolis: Die Sympathien der Eingeborenen für die Italiener treten täglich stärker hervor. Nunmehr halten die Araber die einfache An­nexion Tripolitaniens seitens Italiens für die einzig richtige Lösung. Gerüchte über die Möglichkeit einer italienisch^- türkischen Verständigung, bei der auch nur die nominelle Souveränität der Türkei gewahrt bliebe, riefen lebhafte Unzufriedenheit unter der Bevölkerung hervor. Die ge­samte öffentliche Meinung betrachtet die Annexion als ab­solut notwendig.

Um die Insel Samos.

Rom, 14. Okt. Die italienische Regierung ließ, wie dieTribüna" mitteilt, den Macht e n ein Rund­schreiben zugehen, in dem sie erklärt, daß sie d i e I n s e l Samos ebenfalls als ein neutrales Terri­torium betrachte.

Eine Falschmeldung.

Berlin^ 15. Okt. Von der hiesigen türkischen Bot­schaft wird die von italienischen Zeitungen verbreitete Nach­richt, daß 4 0 i ta l i e n i s ch e A r b e i t e r auf der Medschas- bahn niedergemetzelt worden seien, als völlig aus der Lust gegriffen bezeichnet.

Kaiser und Staatssekretär.

Berlin, 16. Okt. DieVoss. Ztg." meldet: Zwischen dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und dem italienischen Botschafter Pansa sollte heute, Sonntag, eine Konferenz stattfinden, die jedoch in letzter Stunde verschoben werden mußte, weil der Kaiser den italienischen Botschafter zu einer Besprechung der politischen Lage zu sich empfahl.

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( Überall erhältlich.

Auergesellschaft L Berlin 0.17 .

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Oktober 1911.

Tageskalender kür Montag, 16. Okt.: Kolosseum: Programmwechsel.

1. Vortrag des Kauim. und des Ortsgewerbevereins: Dr. G r o t h c- Leipzig : Marokko und seine Bedeutung für Deub.chland (mit Lichtbildern). Abends 8*/3 Uhr in Stein, Saalbau.

*' In Audienz empfangen wurden vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Justizrat Reh und Amtsrichter Dr. Heyer von Alsfeld.

Heer und Flotte.

Ter Stapellaus zweier italienischerTreadnoughts".

Aus Genua wird gemeldet: In Gegenwart des Unter­staatssekretärs der Marine, Bergamafco, als Vertreter des Marineministers, der Behörden und einer großen Men­schenmenge sand der Stapellaus des dritten italienischen DreadnougthLeonardo da Vinci" statt. Der Stapellauf vollzog sich glücklich. Im Anschluß daran ist auch der vierte italienische DreadnoughtGiulio Cesare" glücklich vom Stapel gelaufen.

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Mark. Ferner sind in Hessen eine große Reihe tioit Beitrittserklärungen zu der Gesellschaft erfolgt Unter anderem vom Verein für chem. Jndusttie, Mainz, mit einem Beitrage von 1000 Mk., von Carl Schenk, Darm-* stadt, mit einem Beitrage von 1000 Mk., von den Deutsche Amerikanischen Lederwerken, Becker u. Co., Offenbach-Bür- gel, mit einem Beitrage von 1000 Mk.

** Die Mutterschaftskasse. Man schreibt uns: Tie Verhandlungen zur Reichsversicherungsordnung stehen noch in frischem Andenken; wenn auch das Gesetz die Erfüllung mancher Forderungen bringt, so bleiben doch wesentliche Lücken der Muttern schaftsvettzicherung bestehen: vor allem die eine, daß den An* gehörigen der Versicherten Unterstützung gewahrt werden kann, aber nicht muß, die Leistung der Kasse also nicht obligatorisch ist; sodann die andere, daß eine Selbstversichcrung nicht erwerbs* tätiger Frauen abgelehnt wird. Diesen Mängeln der Neuordnung gegenüber sind die Frauen auf Selbsthilfe angewiesen. Auf den Versuch einer solchen Selbsthilfe, der nicht bloß Theorie ist, sondern schon in die Praxis umgesetzt ist, möchte der Vorq trag Hinweisen, mit dem die Ortsgruppe des Allgemeinen Deut­schen Frauenvereins ihre Winterarbeit beginnt, nämlich auf die Mutterschaftskasse. Dr. Fischer wird über den Zweck und das Wesen der Mutterschaftskasse reden und zeigen, wie sie vielen Frauen eine Hilfe in schwerer Zeit bietet. Der Gedanke einer solchen Selbsthilfe ist noch verhältnismäßig wenig bekannt, er ist es aber wert, in Frauenkreisen erwogen zu werden und sollte deshalb möglichste Verbreitung erfahren. Der Wöchnerinnenschutz ist im Laufe der lchten Jahrzehnte in dankenswerter Weise ge* setzlich vergrößert und ausgebaut worden, ohne doch schon die Ausdehnung erlangt zu haben, die Hygieniker und Sozialpolitiker ihm wünschen mässen. Wo die Staatshilfe noch nicht hinreichen kann, tritt jetzt die Liebestätigkeit der Vereine ein, ihnen beiden muß sich die Selbsthilfe zuge>ellen. Neben Versicherungsgesetzen^ Wöchnerinnenheimen, Krippen, Hauspflege sei die Mutterschafts* lasse das Ziel, das wir erstreben wollen.

** Dienstjubiläum. Am 17. d. M. kann Zugführer; Stiehl hier in voller Rüstigkeit auf eine vierzig­jährige ununterbrochene Fahrdienstzeit zurück, blicken.

* Verhaftet. Am Samstag hatte in Wetzlar eine unbekannte Frauensperson in einem Geschäft einen Mantel auSgeschwindelt und weitere Schwindeleien versucht. Die Be­trügerin wurde hier in der Person einer seither zu Kraftsolms cuohnhaft gewesenen Frau verhaftet. Den Mantel fand man noch in ihrem Besitz.

Landkreis Gießen.

U. Reiskirchen, 15. Okt. Heute würde unser neu­erbautes Schulhaus einge weiht. Nachdem der ChoralLobe den Herren" gespielt war, hielt Lehrer Grün eine Abschiedsrede, in der er einen Ueberblick über das Schulwesen seit 1836 gab. Alsdann trug ein Schuljunge ein Abschiedsgedicht vom alten Schulhause vor und unter Musik­klängen setzte sich der Zug unter Vorantritt der festlich geschmückten Schuljugend in Bewegung; es schlossen sich sämtliche hiesige Vereine an. Nach dem Umzug gings zum neuen Schulhaus, das sich neben dem alten befrnoet. Nach­dem der GesangvereinMit dem Herrn fang alles an" ge­sungen hatte, hielt Pfarrer Gombe l eine weihevolle An­sprache. Alsdann erfolgte durch eine Schülerin die Ueber- gabe des Schlüssels, der durch einen Vertreter des Kceis- amtes Kreisschulinspektor Dr. Allers übergeben wurde. Darauf öffnete Bürgermeister Wagner das Schultokal, das besichtigt wurde. Nachdem an die Kinder Bretzel ver­teilt worden waren, belustigte sich die reifere Jugend am Tanz.

Parteitag der hessischen Senfrumspartei.

d. Mainz, 16. Okt.

Ter 2. Patteitag der hessischen Zentrumspartei fand gestern nachmittag bei gutem Besuche in der Stadthalle zu Mainz statt. Den Vorsitz fühtte Justizrat Dr. S ch m 111, der die Anwesenden begrüßte. Wenn es auch bei den deutschen Katholiken, wie dies auf dem Katholikentag hervorgehoben worden sei, noch Tüferen- zen gebe wegen der Wege, die zum Ziele fühtten, so seien in Hessen keinerlei derartig e Differenzen vorhanden. Justizrat Kru e s em an n-Krefeld meinte, daß sich die christ­lichen Konfessionen unter Wahrung ihrer religiösen Eigenart bei den übttgen staatlichen und wirtschaftlichen Dingen verständigen könnten und sich nicht zu befehden brauchten. Warum sollte nicht Frieden nach dieser Richtung eintreten? Das Zentrum werde auch in Zukunst der Regierung jeden Mann und jeden Groschen bewilligen, wenn es die Machtstellung Deutschlands nach außen erfordere. Werm bei der kommenden Reichstagswahl die Sozialdemokraten sich stark vermehrten, so könnte dies leicht aus Kosten der Nationalliberalen geschehen. Das Zentrum sei bei den bevorstehenden Wahlen auf seine eigene Kraft angewiesen, es verstehe gut draufzuschlagen und auch zu siegen, es werde aus den Wahlen wieder als der starke Zentrumsturm hervor­gehen. Mit den Sozialdemokraten würde das Zentrum keinerlei Bündnis eingehen, die anderen Patteien möchten dies auch klar und bündig sagen.

Reichstagsabg. Dr. Pfeiffer-Bamberg streifte eingangs seiner Rede die Marokkofrage, dann wendete er sich zu den kommenden Reichstagswahlen. Herr Bassermann habe auf dem Patteitag in Kassel den Satz ausgesprochen, die National­liberalen Ständenfeem Machthunger des Zentrums fern. Macht­hunger heiße bei andern Parteien, wenn es aber die eigene Partei angehe, dann heiße esWahrung berechtigter Interessen".

Justizrat Dr. Schmitt sprach sich befriedigt über das neue Landtagswahlrecht aus. Tie Handelskammern, Hand­werkerkammer und Landwittschaftskammern halten jetzt das Recht, einen Vertreter in die 1. Kammer zu entsenden. Wenn das neue Arbeitergefetz angenommen sei, werde er nicht eher ruhen, bis auch ein Vertreter der Arbeiterkammer in die 1. Kammer entsendet werde. Im kommenden Landtag müsse eine einheitliche Regelung der Ausführungen zum Viehseuchengesetz erfolgen. Die Ordensfrage müsse im kommenden Landtag auch angeschnitten werden, die Beschränkung für die Ordens­leute dürfe nicht bestehen bleiben. Für die Landtags­wahl en am 3. Nov. sei es den. einzelnen Wahlkreisen überlassen, in erster Linie eigene Kandidaten aufzustellen, wenn wich­tige Gründe nicht dagegen sprächen. Bei den Stichwahlen müsse nach folgenden Grundsätzen gehandelt werden: Der Land­tagskandidat muß gegen jedes Ausnahmeges etz «egen die Ordensleute sich erklären, sonst kann er feine 'Zentrumsstimme haben. Ter Kandidat muß sich weiter verpflichten, daß bei der Revision des Volksschulgesetzes unter allen Umständen die Stellen über den Religionsunter­richt, die im bisher geltenden Volksschulgesetz enthalten sind, beibehalten bleiben.

Nach ^stündiger Tauer wurde der Parteitag geschlossen.

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Pfarrdienst-Nachrichten. Ernannt wurden Pfarramtskandidat Stumpf zu Darmstadt zum Pfarrvikar in Heubach; Pfarramtskandidat Weidner zu Herchenhain zum Pfarrverwalter in Ober-Breidenbach; Pfarramtskandidat Lio. Vollrath zu Darmstadt zum Pfarrassistenten der PetruSgemeinde zu Darmstadt; Pfarrverwalter Eichenauer zu Mainz-Kastel zum Pfarrverwalter in Nieder-FlorSheim. Gestorben sind Pfarrer FloruS BuS zu Hammelbach am 21. September; Pfarrer und Dekan Kirchenrat Karl Matth eS zu Jugenheim am 25. September. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben die Pfarrstelle zu Stockstadt; die Pfarrstelle zu Kaichen, dem Kammerherrn Dr. Freiherrn v. Leonhardi zu Darmstadt steht daS Präsentationsrecht zu; die Pfarrstelle zu Appenheim.

D i e erhobenen Kirchenkollekten ertrugen 139 246 Mk., nämlich für kirchliche Armenpflege 94723 Mk. (ausschl. der nicht für diesen Zweck bestimmten Kirchenopfer), für die Heidenmission 6933 Mk., für die Innere Mission 4305 Mk., für das hessische Krüppelheini 4988 Mk., für hilfsbedürftige Gemeinden des Inlandes 4955 Mk., für die ausländische Diaspora 4226 Mk., für die Förderung der evangelischen Kirche in Oesterreich 4390 Mk., für die Gnstav Adolf-Stiftung 4914 Alk., für die Luther-Stiftung 4036 Mk., für Helpershain 4194 Mk., für verschiedene Zwecke 1582 Mk. An freiwilligen Beiträgen zur Prälat Dr. Köhler-Schnütt- Habicht-Walz-Stiftung gingen ein 834 Mk. 30 Pf. Der Verein der Gustav Adolf-Stiftung verwandte auf das Inland 21 900 Mk.

"Der zum Großbritannischen Geschäfts­träger in Darmstadt ernannte Lord Act on hat dem Staats- minister Dr. Ewald sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

" Stadttheater. Die morgige Aufführung von Wil- brandts tiefsinnigem SchauspielDer Meister von Pal­myra" ist die unbedingt letzte des Werkes. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß die Spieldauer des Stückes schon bei der letzten Vorstellung auf 3 Stunden reduziert werden konnte.

Eröffnung von Eisenbahn st recken. Am 1. September ds. Is. ist im Eisenbahndirektionsbezirk Frank­furt die 6,12Kilometer lange vollspurige Nebenbahn Marien­berg Langenbach Erba eh (Westerw.) eröffnet worden ; sie ist eine Fortsetzung der Stichbahn FehlNitzhausen MarienbergLangenbach und schließt in Erbach (Westerw.) an die Strecke Limburg(Lahn)WesterburgAltenkirchen an.

** Personalnachrichten. Versetzt sind: der Ober- regiernngsrat Dr. Grün berg, bisher in Frankfurt a. M., zur Eisenbahndirektion nach Kassel, der Ober- und Geheime Negierungsrat M a r ck h o f f, bisher in Kassel, zur Eisenbahndirektion nach Frankfurt a. M., der Hessische Re- gierungs- und Baurat Horn, bisher in Essen, zur Eisen­bahndirektion nach Mainz, der Regic rungsbaumeister Sam­met, bisher in Altenahr, nach Friedberg als Vorstand der daselbst neu erttchteten Bauabteilung, der Hessische Re­gierungsbaumeister Dintelmann, bisher in Erfurt, als Vorstand der Bauabteilung nach Dillenburg. Ernannt wurde der techn. Eisenbahnprakl'ckant Kirchberg in Friedberg ram techn. Eisenbahnsekretär, die Telegraphisten Sand und Schlieper in Frankfurt a. M., Weiland in Bebra und Münch in Gießen zy Telegraphenassistenten. Belohnungen haben bekommen: Lokomotivführer Hen­ning in Bebra für Abwendung einer Betriebsgefahr; Re­servelokomotivführer Reins child in Stockheim, weil er das Ueberfahren einer Frau verhütet hat.

-d- Die Freiwillige Gail'fche Feuerwehr feierte am Samstag in der Turnhalle ihr 5 6. Stiftungs­fest. Eröffnet wurde das Fest mit einer kernigen Ansprache des 1. Kommandanten der Wehr, Prokurist K. Wenzel, der alle Erschienenen herzlich begrüßte. Ihm dankten Kreisamtmann Langer mann und Branddiirektor Braubach. Von be­freundeten Wehren waren die Gießener Freiwillige Feuerwehr und diejenigen von Nodheim, Heuchelheim und Klem-Linden erschienen. Im weiteren Laufe des Abends brachte der Gesang­vereinHeiterkeit" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Becker, einige Lieder zu Gehör, worunter besondersDes Kriegers Traum" gefiel. In exakter Weise führte der Männer- Turnverein Neck- und Gewandtheitsübungen vor. Die Dar­bietungen beider Vereine fanden ungeteilten Beifall. Den Wehrmännern Hill gärtner und Schmidt wurden die von der Stadt gestifteten Ehrenurkunden für 15jährige Dienstzeit durch Branddirektor Braubach überreicht. Unter Leitung des Kameraden Meinhardt schloß sich ein lustiger Schwank,Die letzte Rettung", an, der von den Mitwirkenden sehr flott ge­spielt wurde; nicht enden wollender Beifall belohnte sie. Nach den Darbietungen begann der Ball. Aus jeden Fall kann die Wehr auf ihr 56. Stiftungsfest mit Genugtuung zurückblicken. Am Sonntag nachmittag fand noch ein Ausflug nach dem Windhof" statt.

" Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde veranstaltet im Winter 1911/12 folgende Vorträge: Donners­tag, 26. Oktober: Dr. Kurt Weg en e (Göttingen): lieber Samoa. Donnerstag, 16. November: Prof. Dr. Georg Wegener (Berlin): Das heutige Indien. Nach Studien und Beobachtungen während der Reise des deutschen Kron­prinzen. Donnerstag, 30. November: Prof. Dr. Eberhard Fraas (Stuttgart): Ueber die Saurier-Lagerstätten in Deutschostafrika und deren Ausbeutung. Donnerstag, 11. Januar: Pfarrer Lio. Dr. Schwarz lose: Mon­tenegro. Voraussichtlich Donnerstag, 8. Februar: Prof. Dr. Ludwig Neumann (Freiburg): Der ägyptische Sudan.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 14. Okt. Die hiesige Gewerbe'- schule steht unter staatlicher Aufsicht. Ihre Verwaltung und öffentliche Vertretung liegt einem örtlichen Aufsichtsrate und ihre Leitung einen: Hauptlehrer ob. Als weitere Lehrer wirken an der Anstalt zurzeit acht Herren, hiervon sechs im Nebenamte. Der Unterricht verteilt sich auf insgesamt drei Winterhalbjahre von Ende Oktober bis Ende März an allen Wochentagen. Er umfaßt die Lehrgegenstände der drei unteren Klassen der Baugewerkschulen, ferner Buchführung und Gesetzes­kunde. Die Anstalt will dem Handwerk tüchtige Söhne heran­bilden, die den hohen Forderungen gewachsen sind, die unsere Zeit an das theoretische und praktische Wissen der Meister stellt. Sie will namentlich den Bauhandwerkern die unent­behrlichen technischen und kaufmännischen Kenntnisse ver­mitteln, die zur selbständigen Ausübung eines Berufes heut­zutage gehören und deren Mangel den Rückgang jeden Ge­schäftsbetriebes zur Folge hat. Daher bietet sie die beste und gründlichste Vorbereitung zur Meisterprüfung. Gleich­zeitig aber befähigt die Gewerbeschulbildung zum Eintritt in die vorletzte Klasse der hessischen Baugewerkschulen mit und in die dritte Klasse ohne besondere Aufnahmeprüfung. Die' Schüler sind berechtigt zur kostenlosen Teilnahme am Unter­richte der Sonntagszeichenschule während der Dauer ihres Schulbesuches.

k. Merkensritz, 14. Oft. Da sich der hiesige Bahn- h o f für den Güterverkehr als zu klein erw-iesen hat, ist seine Vergrößerung in Aussicht genommen. Mit den Arbeiten soll noch in diesem Herbst begonnen werden.

k. Ort en berg, 14. Okt. Infolge des Ausbruchs ber Maul- und Klauenseuche in hiesiger Gegend ist die Abhaltung des Pferde-, Fohlen-, Rindvieh- und Schweinemarktes auf dem sogenanntenKalten Markt" verboten worden. Es findet nur Krämermarkt und zwar am 31. Okt. und am 1. und 2. Nov. statt.

Kreis Schotten.

A Hartmannshain, 15. Okt. Die am hiesiges Bahnhof erbaute Bahumeisterwohnuna ist jetzt mit einem Kostenaufwand von rund 25000 Mk. vollendet worden.

Kreis Friedberg.

--Bad-Nauheim, 13. Okt. Bis zum 12. £)ftobec sind 3 4 2 6 2 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 1515 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 12. Oktober 459 818 abgegeben.

sc. Großkarben, 15. Okt. Zentnerweise trieben gestern früh tote und betäubte Fische die Nidda, deren Wasser eine kalkmilch ähnliche Farbe hatte, hinab. Zahlreiche betäubte Fische wurden von den Fischereipäch- tern an Land in frisches, klares Wasser gebracht, wo ste sich erholten und genußsälstg waren. Man glaubt, daß

** Der Deutschen Gesellschaft für Kauf­manns-Erholungsheime gehen zur Unterstützung ihrer Besttebungen fortgesetzt größere Stiftungen zu. Es sind u. a. in letzter Zeit Stiftungen erfolgt von: Geh. Kommerzienrat Dr. ing. h. c. Delius, Aachen 10 000 Mk., Kommerzienrat Griebel, Stetttn 5000 Mk., Waggon-Fa- brif vorm. Herbrand, Köln-Ehrenfeld 5000 Mk., von einem nicht genannt sein wollenden, jetzt in leitender Stellung eines industriellen Unternehmens tätigen früheren Offizier 5000 Mk., Warenhaus Theodor Althoff, Münster i. West­falen 5000 Mk., Gebr. Bernard, Offenbach a. M. 2000

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