Worben hat. Ich spreche Ihnen und allen Hinterbliebenen Meine herzlichste Teilnahme aus.
Die Wahl des Reichstagsabgeordneten Dr Werner ist von der 1. bezw. 2. Abteilung (Wahlprüfungs- ausschuß) für gültig erklärt worden.
I Tie Blätter melden aus Koburg: Die Vertreter sämtlicher thüringischen Regierungen einigten sich über die Gründung eines Arbeitsnachweisverbandes zum Austausch von Arbeitskräften. Als Vorort wurde Jena gewählt.
Tie Tarifv er Handlung en für das Bäckereige- werbe Groß-Berlin haben am Freitag vormittag vor dem Berliner Gewerbegericht ihr Ende erreicht. Die Meister lehnten die Aufnahme einer Lehrlingsklausel in die Tarifverhandlungen ob und betonten, daß im Berliner Bäckereigewerbe geradezu ein Lehrlingsmangel herrsche. In keinem Punkte führten die Verhandlungen zu einer Verständigung. Nächsten Mittwoch wird der Schiedsspruch verkündet.
Aus Statt unt Land.
Gießen, 6. Mai 1911.
Die Blume der Barmherzigkeit.
Als zur Zeit der Troubadours die Galanterie der vornehmen, französischen Gesellschckft jene überschwenglichen Formen angenommen hatte, die lange Zeit als der Gipfel der Höflichkeit an allen europäischen Höfen Nachahmung fand, war es auch Sitte, daß die Dame ihrem Ritter die Erlaubnis geben mußte, in seinen Schild ein Gänseblümchen eingravieren zu lassen. Ties diente, wie heutigen Tags der Verlobungsring, als äußeres Zeichen ihres Einverständnisses. Aus dieser Zeit stammt der französische Name „Silberschildblume". Volkstümlicher jedoch ist die ältere Bezeichnung .Marguerite" geblieben, eine Bezeichnung, die wir bei alten romanischen Völkern finden. Sie entstammt dem lateinischen Wort Margarita-Perle. Sie soll sich auf die mattweißen, runden Blütenknospen beziehen. Im Laufe der Zeit ist der Name Marguerite auch auf andere, dem Gänseblümchen ähnliche Blumen übergegangen. So z. B. auf jene, von den kanarischen Inseln stammende, strauchartige Kamille Chrysanthemum frutescens, die mit ihren weißen oder schwefelgelben Strahlenblüten im Winter den Blumenmarkt von der Riviera aus beherrscht. Mit dieser Blume, die alljährlich zu Hunderttausenden aus Südfrankreich in die deutschen Blumenläden kommt, ist auch der franMische Name Marguerite bei uns Mode geworden.
Wir hätten seiner kaum bedurft, denn wenige einheimische Pflanzen haben so viele, dem Volksempfinden entsprungene Namen, wie gerade das Gänseblümchen. Einer der ältesten ist Maßliebchen, ein Wort, das wie Masholder keltischen Ursprungs ist. Maß hieß Feld, bedeutete also Feldblume. Es heißt auch, Tausendschön und diese Benennung ist für die gefüllte Gartenform allgemein verbreitet. In Deutschtirol heißt sie Ruckerl und Marienblümchen, in der Schweiz führt sie die Namen Margarethen-Rösli und Mannablümchen. In diese Namen muß sie sich dort mit der etwas größeren und mit längeren Stielen versehenen Alpen-Gänseblume, Bellidiastrum Michelli ebenso teilen wie sie bei uns den Namen Margaretenblume mit der großen Liebesoraketblume der Wiesen gemeinsam hat. Bei uns in Hessen nennt man sie auch Konradsblume, Konrädchen und Gänsegisserte, weil sie, wie die Kinder sagen, wie die Gänse aus der Weide, auf einem Beine steht. Ihr schönster Name aber dürfte vielleicht der neueste sein: Blume der Barmherzigkeit.
Daß unsere Dichter das bescheidene Gänseblümchen vielfach besungen, daß Goethe das uralte Liebes-Orakelspiel in seiner gewaltigsten Dichtung mit verflochten hat, ist bekannt. Weniger bekannt dagegen ist das Gedicht von Ernst Woritz Arndt, das mit folgenden Versen beginnt:
Es blüht ein schönes Blümelein, Das steht auf grünen Auen, Von innen und von außen sein Gar lieblich anzuschauen.
Bald bunt, bald rot und bald schneeweiß Ist es des Lenzes erster Preis, Des Herbstes letzte Freude.
Die kleinen Kinder, die es seh'n, »Sie klatschen in die Hände Und schmeicheln: „Gänseblümchen schön! O Tausendschön!" ohn' Ende, Sie winden es in jeden Kranz, Sie treten drauf bei jeden Tanz —' Das süße Tausendschönchen!
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** Tageskalender: Kolosseum: Täglich Lichtspiele. Kinematograph: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellung. *
•* Wahlkreiseinteilung der Landwirtschaftskammer. Die Bezirksvorsitzenden der Landwirtschaftskammer für Oberhessen berieten kürzlich über die Wahlkreis- einteilung. Es wurde beschlossen, gegenüber der bisherigen oft willkürlichen Einteilung die politischen Kreise zu Grund zu legen; die Kreise Büdingen, Friedberg und Gießen sollen je 3, die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten je 2 Abgeordnete erhalten. Die Vorsitzenden der rheinhessischen Bezirke tagten am Montag und beschlossen, die bisherige Einteilung mit wenigen Abänderungen beizubehalten. Diese Vorschläge der Provinzen werden der voraussichtlich im Juli wieder zusammentretenden Hauptversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Bezirksvorsitzenden von Starkenburg werden demnächst zusammentreten.
** Zulassungen und Aufgabe der Rechts- an w altsch a f t. Am 20. Februar wurde Referendar Dr. Wilh. Ehr Hard zu Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen zugelaffen; am 16. März wurde der Rechtsanwalt Dr. Alexander Bopp zu Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandesgerimt ÄUgelassen, nachdem er die Zulassung bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg ausgegeben hatte; an demselben Tage wurde der Rechtsanwalt Wilh. Schiff zu Offenbach zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg zugelaffen, nachdem er die Zulassung bei der Kammer für Handelssachen zu Offenbach und dem Amtsgericht Offenbach aufgegeben hatte; am 20. März wurde der Gerichtsassefsor Karl Kleinschmidt zu Frankfurt am Main zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Alsfeld zugelassen; am 24. März, wurde der Rechtsanwalt Fricdr. Kart Fischer zu Dieburg zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Reichelsheim zugelassen, naa)dem er die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Dieburg gleichzeitig aufzugeben erklärt hat; am 3. März hat der Rechtsanwalt Geh. Justizrat Theophil Bai st zu Gießen die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Lano- gericht der Provinz Oberhessen, am 7. Marz hat der Rechtsanwalt, Geh. Justizrat Dr. Karl Schüler zu Darmstadt die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandes
gericht und dem Landgericht der Provinz Starkenburg aufgegeben.
** Russischer Dolmetscher. Der Großherzvg hat genehmigt, daß der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, Geh. Baurat von Will- mann, auf sein Nachsuchen von den Dienstverrichtungen eines beeidigten Uebersetzers und Dolmetschers für die russische Sprache enthoben werde, und dem Diplom-Ingenieur Klemens Herszberg zu Darmstadt, für die Geschäftsbereiche sämtlicher Ministerien übertragen werden.
^Vogelschutz. Zur Errichtung eines wirksameren Vogelschutzes hat der Starkenburger Geflügel- Züchterverband an die ihm angeschlossenen 55 Vereine das Ersuchen gerichtet, die Bestrebungen zum Schutze der Vögel mit zu unterstützen und mit den Gemeindeverwaltungen und Forstbehörden sich zu einem gemeinsamen Vorgehen ins Einvernehmen zu setzen. Das gleiche Vorgehen würde sich auch für.Oberhessen empfehlen.
’* Z u b e tu Bericht über bie Stadtverordneten- Versammlung schreibt uns Stadto. Grünewald, bas; er nicht gesagt habe, er halte in der Bürgervereius-Versammlung die Behauptung, es sei srüher in Eisenbahnfragen manches versäumt worden, alsbald widerlegt. Er hat erklärt, er habe in dem Bürgerverein die gegenwärtige Verwaltung in Schutz ge- noinmen lind sei den bezüglichen Angriffen entgegengelreten, die Lladiverwaltung^habe iil Bezug auf Kleebachtal-Bahn und Hinter- land-Bahn ihre Schuldigkeit getan. Dagegen feien s r ü h e r erhebliche Fehler in der Eisenbahnpolitik gescheh eil, so habe man namentlich seitens der Vertretung der Stadt in der Ständekammer verab- saunlt, dahiil zll wirken, daß die Bahn Londorf nach Gießen statt nach Lollar geführt wurde; das sei ein schwerer Fehler gewesen. Zur Universitätsirage habe er gesagt, für Staat und Stadt fei die Franksnrter Gründung ein Ansporn zur Anspannung aller Kräfte für die Gießener llniversität. Ferner habe er erklärt, jeder moberne imb wissenschaftliche Mensch müsse eine Universitäts- grünbung begrüßen unb dürse sie nicht bekämpfen.
** Eine beherzigenswerte Anregung. Von sehr geschätzter Seite wird uns geschrieben: Das gestrige Eingesandt und die Bekanntmachung des Polizeiamts betr. „den Schutz der Vögel" veranlassen mich, auf einen Mangel der neuen Anlagen an den Wieseckufern in der Micestraße hinzuweisen. Da diese Anlagen vom Verkehr abgeschlossen sind, eignen sie sich sehr für Niststätten der Vögel, worauf jedoch bei Auswahl der anzupflanzen- den Sträucher keinerlei Rücksicht genommen worden ist; denn solche, die, wie z. B. Schwarzdorn, von den Vögeln als Niststätten benutzt werden, fehlen vollständig. Es ist aber noch soviel Raum für Anpflanzungen vorhanden, daß das Versäumte nachgeholt werden kann. Der Rat Sachverständiger wird der Stadtverwaltung ja wohl zu Gebote stehen.
** Ein gefährlich es Spiel trieben mehrere schulpflichtige Knaben von hier im Walde bei Klein- Linden. Sie hatten sich mit Schießwaffen, Deschings und dergl. versehen und veranstalteten ein Jagdspiel. Ein 13jähr. Knabe legte auf einen 12jährigen Kameraden an. Der Schuß krachte und der Kamerao lag getroffen am Boden. Er mußte sofort in die Klinik gebracht werden, wo alsbald eine Operation vorgenommen werden mußte; man fand die Kugel im Unterleib.
** An- und Abmeldung der Lehrlinge zur Lehrlingsrolle. Jeder Lehrling, der in Lessen eine handwerksmäßige Ausbildung erhält, ist bei dem Sekretariate der Handwerkskammer in Darmstadt anzumelden und bei Auflösung des Lehrverhältnisses unter Angabe des Grundes wieder abzumelden. Die Anzeigen sind spätestens 4 Wochen nach dem Ein- bezw. Austritt auf dem vorgeschriebenen Formular bei dem Sekretariate einzureichen. Jnnungsmirglieder haben ihre Lehrlinge bei ihrer Innung statt bei der Kammer anzumelden. Die Innungen haben die Verpflichtungen, am 1. Januar und 1. Julr j. I. ein Verzeichnis der bei ihren Mitgliedern ein- und ausgetretenen Lehrlinge ebenfalls auf vorgeschrie- benem Formular bei der Hanowerkslaminer einzureichen. Für die keiner Innung angehörenden Lehrmeister bleiben diese für Erfüllung der Anmeldung der Kammer gegenüber verantwortlich. Formulare zu diesen Anmeldungen sind von dem Setretariate oder den Beauftragten der Kammer erhältlich.
**DieneueStandartedes Bäckervereins F r ü h - auf und die Ehrengeschenke, die der Verein gelegentlich >er Feier seines 25jährigen Bestehens erhalten hat, sind in einem Schaufenster des Fahnenlieferanten H. Fuhr in der Sonnenstraße ausgestellt.
Landkreis Gießen.
= Hungen, 5. Mai. Das Progra mm für das am 28. Mai hier stattfindende 3 2. hessische Kirchengesangfest ist nunmehr festgestellt. Es wirken mit die Kirchengesangvereine von Gambach, Holzheim, Hungen, Langd, Lich, Rodheim und Södel; die Leitung übernimmt Kärchenmusikmeister Professor Mendelssohn, die Liturgie Dekan Hainer, die Festpredigt Dekan Wagner-Grünberg, das Orgelspiel Reallehrer Müller-Friedberg und Lehrer Metz.
Kreis Büdingen.
----- AuS dem Kreis Büdingen, 5. Mai. Die Vorbereitungen sind beendet. Ter Blumentag findet in allen Gemeinden des Kreises statt, ausgenommen 3. Bei schlechten; Wetter werden die Verkäuferinnen gut tun, statt ihrer Sommerleider, die leicht Schaden nehmen, andere Kleiber, wenn nötig mit Mantel anzuziehen unb bas Hauptgewicht auf ben Verkauf in Häusern und bei Veranstaltungen am Abenb zu egen. Es empfiehlt sich, sich mit Nickelmünzen zu versehen. Dec bunte Abend Büdingens wird sehr unterhaltend werden. Gegen Kauf von 1—2 Blumen oder Postkarten oder eines Programiiis an der Abendkasie ist der Eintritt gestattet. Es ist erwünscht, daß alle Kreise der Bevölkerung teilnehmen.
Kreis Wetzlar.
O A tz b a ch, 5. Mac. Wahrem) die diesjährige Bundes- Turnfahrt des im Jahre 1906 gegründeten Lahn-Düns- berg-Turnerbundes am 21. Mai nach Taubringen vorgesehen, wurde das Bundes turn fest für den ersten Julrsonntag dem hiesigen Turnverein übertragen. Letzterer hat sich seinerzeit um dieses Fest beworben, da er gleichzeitig die Weiye seiner Fahne vorzunehmen gedenkt. Die hiesigen Vereine haben ihre Mitwirkung bei dem Fest in Aussicht gestellt.
Gießener Strafkammer.
Gießen, den 5. Mai 1911. Betrug im Rückfall.
Der Handelsmann H. S. von S. entitammt einer dortigen alteingesejienen, angesehenen Familie. Er hat aber den Namen seiner Familie des öfteren dazu mißbraucht, um eine Anzahl Betrügereien zu begehen, wegen deren er zurzeit eine elfmonatige Gefängnis st rafe in Preungesheim verbüßt. Inzwischen ist ein weiterer Fall zur Anzeige gebracht worden. Er hat im Oktober v. I. zu Höchst a. d. N. bie Abwesenheit des Ehemannes dazu benutzt, unt einer Ehefrau unter Vorspiegelung von aller
hand unwahren Angaben fünf Mark abzuschwindcln. Als rückfälliger Betrüger erhält er eine Zusatzstrafe von zwei Monaten Gefängnis.
Jagdvergehen oder Tierquälerei.
Der Messingdrcher T. S. von M. hatte in seinem, durch einen Lattenzaun umschlossenen Hausgarten Trahtschlingen ausgehängt, um Feldhasen zu sangen, die ihm angeblich den Kohl abfraßen. Dies hatte ein dortiger Jagdaufseher erfahren, ber in der folgenden Nacht hinging unb einen von ihm geschossenen toten Hasen in einer Schlinge befestigte. Als S. am anderen Morgen sich des Hasen bemächtigen wollte, erschien der Jagd- auf!eher, ber auf der Lauer gelegen hatte, und nahm ihm die Beute wieber ab. S. selcht wurde wegen Jagdvergehens unter Anklage gestellt, vom Schöffengericht zu Vilbel aber freigesvrochm Die Staatsanwaltschaft focht auf Veranlassung der Forstbehorde das Urteil an, das Berufungsgericht bestätigte aber das frei sprechende Erkenntnis, indem es ausführte, daß von einer Ver lctzung des Jagdrechtcs keine Rede sein könne, weil ein Jagdrecht dem Jagdberechtigten in einem umschlossenen H ausgart.n nicht ru stehe. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, daß auch in einem solchen Falle das Fangen lebender Tiere in Trahtschlingen möglicherweise unter dem Gesichtspunkte der Tierquälerei strafbar sei.
Vergehen gegen die Konkursordnung.
Ueber das Vermögen des Kaufmanns I. H. von F. war Konkurs eröffnet worden. Es stellte sich heraus, daß die Geschäftsbücher so mangelhaft geführt waren, daß sie eine lieber sicht über ben Stand des Vermögens nicht gewährten. H. hat Nch deshalb wegen Vergehens gegen § 240 b.r Konkursordnung in verantworten und wird zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt.
Diebstahl auf ber Eisenbahn.
Der Schirrmeister L. G. in F. hatte an dem Tage, an dem im vorigen Jahre die Fürstlichkeiten Friedberg verließen, mit verschiedenen der dorthin abkommandierten Beamten gefeiert' Des Abends begab er sich nach dem Bahnhof, obwohl er keinen Dienst hatte, stieg ohne bemerkt zu werden in einen Gepäckwagen und warf eine Warenliste heraus. Hierbei wurde er von dem Rangierer V. betroffen, der ihm mit der Laterne entgegenleuchtete, so daß er die Kiste liegen ließ und sich entfernte. Des andern Tags gestand er ein, daß er die Absicht gehabt habe, b ie Kiste mit nach Hause zu nehmen. G. sucht seine Tat mit sinnloser Trunkenheit zu entschuldigen, jedoch ergibt die Beweisaufnahme unb zeigt auch die Ausführung der Tat, daß der Grad der Trunkenheit kein allzu hoher war, so daß G. wegen versuchten Diebstahls zu bestrafen ist. Er erhält zwei Wochen Gefängnis.
töeridMsfaal.
Stendal, 5. Mai. Die Strafkammer verurteilte den Rittergutsbesitzer v. Jagow auf Pollitz, der im Dezember auf der Treibjagd den Wirtschastseleven Gra- dias aus Versehen erschossen hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Woche Gefängnis.
Lübeck,^5. Mai. Das Schwurgericht verurteilte nach viertägiger Sitzung neun Angeklagte wegen Landfriedensbruch zu Gefängnisstrafen von einem bis fünf Jahre. Die Angeklagten, meist aus Essen-Ruhr gekommen, waren während des Streiks der Lübecker Maschinenbaugesellschaft als Arbeitswillige tätig. Sie begaben sich eines Abends bewaffnet ans Land, an die Wasserseite des von Streikposten umgebenen Fabrikgeländes. Sie machten gemeinsam eine Bierreise in die Stadt und gerieten mit Unbeteiligten in Streit, der allgemein in eine Schlägerei ausartete. Das Gericht war der Meinung, daß die Bewaffnung nicht erforderlich gewesen sei.
Lustschlffahrt.
Frankfurt a. M., 4. Mai. Der Frankfurter Flugsportklub überreichte aus seinem letzten Klubabend am Dienstag in Darmstadt, auf welchem der Aviatiker AugH Euler einen Vortrag über das Thema: Der Flug mit der Flugmaschine hielt, den ersten zwölf Führern des Klubs eine Erinnerungsgabe an die Entwicklungszeit des Flugsports in der Erwägung, daß diejenigen Herren, welche sich diesem Sport in der Anfangszeit feiner EntwicklunL gewidmet haben, eine besondere Anerkennung verdienen. Herr August Euler, der erste deutsche Flugführer, erhielt ein kunstvoll ausgeführtes Papiermesser aus El,enbein mit silbernem Adlerkopf und eingravierter Widmung, die übrigen Herren silberne Zigarrenetuis mit Widmung, und zwar Walter Mumm von Schwarzenstein, O- E. Lindpaintner, Erich Lochner, Oberleutn. v. Tiedemann, Leutn. v. Hiddessen, Leutn. v. Hammacher, Werner Duecker, Leutn. Saanzoni von Lichtenfels, Diplomingenieur Witterstäcker, Otto Reichardl, Oberleutn. Real. Der Protektor des Klubs, der Großherzog von Hessen, überreichte die Erinnerungsgabe für die Flieger persönlich.
Berlin, 5. Mai. Wie die Luftverkehrs-Gesellschaft mitteilt, flog „P. L. V" heute nachmittag Uhr mit eigener Kraft von Amsterdam nach dem Haag. Gegen 7 Uhr ist er bei ziemlich böigem Winde im Haag glücklich gelandet, wo er voraussichtlich zwei bis drei Tage verbleibt, um Passagierfahrten vorzunehmen.
Brüssel, 5. Mai. Der belgische Flieger Cachee stürzte bei einem Fluge von Cievit nach Brüssel ab und wurde lebensgefährlich verletzt.
'Rettungsvorrichtungen für Flieger. Tie' zahlreichen verhängnisvollen Stürze mit Flugmaschinen, die sich in der letzten Zeit ereignet haben, haben bie französische Nationale Luitliga veranlaßt, einen Wettbewerb auszuschreiben für Bor-j richlungen, bie geeignet sind, im Falle eines Sunzes abschwächend ■ zu raufen. Es handelt sich dabei um Vorrichtungen, die entweder den Sturz abschwächen, wie pneumatische Gondeln ober befonbere Kleidungsstücke, ober solche, die bic Geschwindigkeit int Falle des Sturzes vermindern, wie besonders Fallschirme.
Dcrmncbtes«
♦ Gegen die griechischen Weine. In Neu-' stabt a. d. H. tagte eine Versammlung der vier pfälzischen Fachvereine des Weinhanbels. Die Versammlung galt der Abwehr ber brohenben Ueberflutung bes deutschen Weinmarktes mit Höch ft zweifelhaften ausländischen, insbesondere griechischen Erzeugnissen. U. a. wurde beschlossen, eine Eingabe an die zuständige Stelle zu richten, worin verlangt wirb, 1. für die Pfalz eine Zentralstelle mit dem Sitze in Speyer für die chemische Untersuchung ber einzuführenden Weine zu schaffen;, 2. einen Sachverständigenrat burch die Regierung auf Vorschlag ber Hanbelskammer Ludwigshafen aus ben vier pfälzischen Fach- vereinen zu wählen, ber in zweifelhaften Fällen als Zungen sachverständiger bie Zentralstelle unterstützt unter Hinzu-. ziehung des Weinkontrolleurs der Pfalz. ,
* Maxim Gorky über London. Der Daily Graphie veröffentlich eine Unterredung mit Maxim Gorky, ber sich über' seine Eindrücke von der englischen Hauptstadt nicht allzu schmeichelhaft ausläßt. Der berühmte russische Schriftsteller sagt, daß London in ihm das Gefühl einer tiefen Traurigkeit auslöfe. i Allenthalben sehe er Zeichen geistigen Verfalls: Die Macht des Goldes, des Eßens und des Steins, die Gewalt ber Habgier unb des Hasses springen in die Augen. In dieser Niesensammlung von Menschen, die müde wurden vom geschäftlichen Treiben unb die abgearbeitet sind von dem nie endenden Daseinskampf findet der Glaube an die Möglichkeit eines Glücks für alle Menschen keinen Apostel. Der Ruhm Englands Ivar das ungestüme Verlangen nach geistiger Freiheü. Heute ist diese Sehnsucht verschwunden. Englano bedarf eines neuen Shakespeares, eines? zweiten Byron, Shelley, Gibbon unb Macaulay, eines anderen, Walter Scotts


