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Nr. 106 Erstes Blatt M Jahrgang Samstag, 6. Mai 1911
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MW General-Anzeiger für Oberyesjen MW ”"ni6 n umn't Kofationsbrud unö Verlag dervrühl'ichen Univ.Guch- und SteinSruderei H. fange. Nedaltian. Lrpedilion und vruckerel: Schulftratze 7. <?anbe: E.Heß; tür beit bis Dornüttaß'i 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfafet 16 Seiten.
politische Wochenschau.
Gießen, 6. Mai.
Wer die Arbeitsprogramme unserer Parlamente durchsieht, dem wird der stark fortschrittliche Zug unserer Zeit ins Auge fallen Auf allen Gebieten »vird nach neuzeitlichen Umgestaltungen und Verbesserungen gedrängt. Obenan stehen die staatlichen Fürsorgegcsctze. Ta sie nicht nur unser deutsches Rcichsparlamcnt, sondern in säst allen Kulturländern die Gesetzgeber beschästigen, müssen wir in ihnen bedeutungsvolle Zeichen der Zeit erblicken. Frank reich, Italien, England, Amerika, ja sogar Rußland, sind un Begriffe, ihre Versicherungsgesetzgebung zu begründen oder auszubauen. England macht ganz außergewöhnlich? Aufwendungen, lvird nach dem Regierungsentlvurf im ersten Jahre schon, 1912/13, etwa 35 Millionen Mark Staats zuschuß leisten, der in 3 Jahren schon auf etwa 90 Millionen Mark steigen wird! England ist, wie wir gestern berichteten, mutig auch an das schwere Problem der staatlichen Arbeits losenversichcrung heraugcgangcn. Wer wollte da nicht Hofs nungsvoll in die Zukunft schauen, der Gegenwart froher vertrauen als der „guten alten Zeit", die der Willkür, Unordnung und Rohheit so ost die Tore öffnete.
Und doch dürfen lvir uns nicht rühmen, daß wir's zu- letzt so herrlich weit gebracht haben. Unsere Tage eilen | hastiger, arbeitsreicher und, trotz erfindungsreicher Einrichtungen, mühseliger dahin als einst. Tas Leben des Einzelnen ist durch Erwcrbssorgen zu vielfällig gespalten, feine Muße zu gemessen und abgewogen, als daß er behag licher Zufriedenheit sich besser hingeben lönnte als es in den Vorzeiten geschah. Tie bösen Instinkte sind auch nicht geschwunden, wie die Mord- und Verbrecherstaiislit beweist. Aus der Fülle der reichen und fortgeschrittenen Kulturmütel rufen wir ängstlich nach Individualitäten und Führern. In der muiift nach neuen Bahnbrechern, in der Politik nach überlegenen Größen. Und in dem stattlichen Gebäude unserer staailichen Fürsorge sröstelt cs uns, da wir die lebendige Teilnahme und Milde vom Menschen zum Menschen nicht missen mögen.
Tas Gesetz ist der Freund des Schwachen, aber wie I traurig wäre es, wenn man ihn nur diesem einzigen Freund ohne Seele und Mitempfinden überlassen wollte. Darauf scheint man aber heute leider hinauszusteuern. Ta kommen dann noch die Schürer der Unzufriedenheit und schmähen auf die Almosen Mildtätiger, rufen nach Eroberung weiterer staatlicher Rechte. Auch den heutigen Blumentag im Groß- hcrzoglum haben einzelne mit so unfreundlichen Glossen begleitet. Und wie segensreich und erfreulich ist es doch, daß durch solche Veranstaltungen das soziale Gewissen des * Einzelnen, die guten Geister wieder einmal geweckt werden! Vielleicht war es gerade die Berufung auf die soziale Tätigkeit des Staates, die es bewirkte, daß man so viclsach Schillers wehmütige Worte wiederholen tonnte: Jeder treibt sich an dem andern kalt und fremd vorüber und fraget nicht nach seinem Schmerz. So war es doch nicht gemeint, daß der Surat Bretterwände zwischen die Menschen bauen sollte! Tie freie Hilsstätigkcit wird immer, auch wenn der Staat die Gipset der Sozialgesetzgebung erklommen haben wird, ein froher Segen für "die Menschheit fein.
Wenn heute und morgen die Bewohner des Hessenlandcs Milde daran erinnert werden, daß cs in den Käufern der
Armen Sorge und Not gibt, wenn sie, wie StUnt sich vielleicht ausdrücken würde, von den Grazien zur Tugend geleitet werden, so werden sie sich weder „angebettelt" fühlen, noch werden sie Zweifel in die Zweckmäßigkeit des Blumensestcs setzen. Tic Sammlung zugunsten der Säuglingssürsorge entspringt den edelsten Absichten unserer Landesfürstin. Taß andere Länder und Städte mit ähnlichen Veranstaltungen uns vorausgegangcn sind, tut dem Blumcntage keinen Eintrag. W i e wir ihn begehen, darauf komnit cs an. Ter gemeinsame Opfersinn für einen so freundlichen Zweck hebt den Menschen einmal hinaus über das Gewöhnliche. „Nur der ist froh, der geben mag." Es ruhen so manche guten Kräfte im Menschen, die darauf warten, angeregt zu werden. In die schönen Gefilde, wo Güte und Anmut sich zum Mohltnn vereinen, da kann der Racker- Staat nicht hin. Es ist ein Trost, daß der Weg der modernen Entwicklung nicht an den stillen Gärten ganz vorübergeht, in denen das sröhliche Herz Wohlgefallen am Guten zu empfinden lehrt.
Wir wünschten freilich, daß die Veranstaltung von Blumentagen künftig nicht vergröbert und zu falschen Zwecken mißbraucht würde. Wollte man solche Unternehmungen damit flort machen, die int Bolle nicht gN gemeine Genciglheil erwecken, so wäre cs mit der Freude und Begeisterung vorbei. Tas willkürliche Vorgehen von Vereinen, auch wenn sie edle Absichten vcrsolgen, hat in dieser Beziehung ebenfalls etwas Verstimmendes. Geschäftsmäßige Wohltätigkeit, die sich rücksichtslos auf die Straße drängt, zertritt leicht die zarten Blumen freundlicher Menschenliebe. Und viel, sehr viel kommt cs darauf an, wie man gibt. Blumentage, wie wir sie beute im Hesscn- lande feiern, erfüllst nicht nur den nützlichen und prartischcn Zweck, die Kassen für das Werk liebevoller Nächstenliebe zu füllen. Sie erheben das Gemüt des Volkes, fassen im blumendusligen Wonnemond alte, vergessene Sitten in neuem Gewände erstehen. Unsere Zeit dürstet ja nach Anmut und Heiterkeit. Gebc nur jeder n^ch seinem Vermögen, und für geringe Gabe tauscht man ein fröhliches .Herz ein.
Der Reichskanzler beim Kaiser.
Karlsruhe, 5. Mai. Ter Reichskanzler von Beihmann.Hollwcg ist 9 Uhr 40 Min. hier eingc- troffen. Auf dem Bahnsteig waren zur Begrüßung erschienen Gesandter Frhr. v. Ienisch, Gesandter v. Eisendecher und der Adjutant des Großherzogs, Major von Braun.' Ter Reichstanzler nimmt im Reftdenzschlosse Wohnung und wird den Kaiser nach Straßburg begleiten. £cute vormittag hörte der Kaiser den Vortrag des Reichskanzlers. Später folgten die Majestäten und die Prinzessin Viktoria Luise einer Einladung der Prinzessin Wilhelm zur Frühstückstafel.
Tie M aiserin und P rinzefsin Biktoria Luise sind heute abend 10 Uhr 40 Min. im sonderzuge nach Wildpark abgereist, wo die Ankunft morgen vormittag 11 Uhr 10 Min. erfolgen wird. Ter Großherzog und die Großherzogin gaben der Kaiserin und der Prinzessin das Geleite zum Bahnhos, woselbst auch der preußische Gesandte v. Eisendechcr zur Verabschiedung erschienen war.
Heute nachmittag nahmen die Majestäten mit den anderen hier weilenden Fürstlichkeiten den Tee bei der Königin von Schweden. Ter Kaiser empfing mit der Großherzogin Luise nachmittags die Luiscnschnle, die Haushaltungs- schule und das Viktoria-Pensionat im Residenzschloß.
Line Niederlage der türtijdicn Truppen.
Wien, 5. Mai. Tie Wiener „Neue Freie Presse" meldet aus Cetinje: Tic Türken versuchten die Aufstellung der A u f st ä n d i s ch e n b c i D c d s ch i t s ch z u c r - stürmen; sie v c rl o r en i n s gc s a m t 3 0 0 X o i c, V e r- mundete und Gefangene Tie Aufständischen verloren sechs Tote und hatten 20 Verwundete. Die Aufständischen erbeuteten über 200 Mausergewchre.
21115 Hessen.
Tie Frage der liberalen Einigung in Hessen.
Gegenüber den von uns mitgeteilten Verlautbarungen', die Einigung der liberalen Parteien in Hessen werde scheitern, schreibt das nationalliberale „Mainzer Tageblatt":
Nach unserer aus bester Ouclle stammenden Kenntnis ist an dieser Nachricht zunächst das u n r ich tig, daß zwischen der nationalliberalen Parteileitung in Berlin, also dem acschäftsfüyrendcn. Ausschuß der Gesamipartci und der fortfd)rittlid)cn BolkSpartcr in Hessen überhaupt Verhandlungen stattgefunden haben. Ebe ns o unrichtig ist cs natürlich, daß solche Verhandlungen infolge des Widerstandes der hessischen nationalliberalcn Parteileitung gc> scheitert oder infolge der Haltung dieser Parteiinstanz abgcbtodicn worden seien. Wir haben vielmehr Grund zu der Annahme, daf; der Vorstand der hessischen L a n d e s p a r t c i e i n er Vereinbarung d >l r ä> a n s n i ch t abgeneigt ist. Wie uns ferner bekannt geworden ist, sollen vorerst von privater »eite Versuche gemacht worden sein, eine Einigung herbcizuführen, und wir haben nichts davon gehört, daß diese Versuche bisher mit einem Mißerfolg geendet haben. Wir haben uns selbst- verständlich gehütet, von diesen uns bekannten Verhandlungen in der Ocjfentlichkeit Mitteilung zu machen, denn wir waren und sind der Ansicht, daß jebe Mitteilung darüber btc Verhandlungen nur stören und ungünstig beeinflussen kann. Und es zeugt von einem hohen Maße politischer Unklugheit oder von einer unerhörten Gleichgültigkeit gegen die politisch notwendige liberale Einigung in Heften, wenn solche durchaus salschcn Nach- richten in die Welt gesetzt werden. Ties Verfahren ist durchaus nicht geeignet, diese — wir wiederholen es — notwendige und mögliche Einigung des Liberalismus in Hessen zu fördern. Wir geben bei dieser Gelegenheit der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß diese Einigung zustande kommen möge: und wenn es schon nicht möglich fein sollte, s,e für ganz Hessen durchzusülweii, so wird s»e iid) für geeignete Wahlkreise unter allen Umständen bc- ii einstelligen lassen. ____
Deutsches rreich.
Taß der Kronprinz heute sein 29. Lebensjahr volli endet, gibt den Blättern Veranlassung der Beliebtheit zu gedenken, deren sich der Kaiserssohn und seine Gemahlin erfreuen. Es ist, fdireibt die „Vossische Zeitung", die sich „frei von allem Byzcm- tnnsmus" fühlt, eine Freude dieses jugcnblidjc Paar zu sehen. Hoffentlich werde die Trennung von Berlin biird) die lieber- siedelung des Paares nach Tanzig nicht von langer Dauer sein.
Ter Ausschuß des preußischen Abgcordneten- h q n f c s für den Gesetzentwurf betr. die Errichtung von Pflicht- fortbildungs schulen nahm bei dem § 4 den von den Freikonservativen, den Konservativen und dem Zentrum gestellten Antrag an, die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter von der Besuchspflicht für gewerbliche Fortbildungsschulen auszunehmen und ihre Beschulung den ländlichen Fortbildungsschulen zu überlassen. — In der Sitzung des G eschäfts- o r d n u n g s a u s s ch u s s c s des Abgeordnetenhauses wurde ein Antrag angenommen, nach welchem mangels einer Verständigung der Redner die Entscheidung über die Reihenfolge dem Ermessen uc» Präsidenten überlassen bleibt.
Herrn Eduard Wörmann ist vom Kaiser ans Karlsruhe folgendes Telegramm zugegangen: Tie Nachricht von dem Plötz' litten Tode Ihres Bruders Adolf Wörmann hat Mich schmerzlich berührt. Sein Hinscheiden bedeutet einen großen Verlust für die deutsche Reederei, um die er sich unvergängliche Verdienste er»
Internationale Hygiene-Ausstellung.
-4- Dresden, 6. Mai.
Nach den letzten großen Weltausstellungen wurden allenthalben, auch tn Frankreich, dem Ausstellungslande par execllence, gewichtige Stimmen laut, welche diesen „Weltschauen" jede nadi- haltige wirtschaftliche und üdtiirellc Bedeutung ab sprachen und dafür Sonderausstcllungen das Wort redeten. Wenn es itod) eines Beweises für die Richtigkeit dieser Anschauung bedurfte, so hat ihn die vor der Eröffnung stehende I n t e r n a t i o.n a l c Hygiene-Ausstellung in weitestem Maße erbracht. Und wenn man ein so großzügiges Unternehmen üt einem kurzen Satze beurteilen darf, io wird man sagen müssen: die^ Internationale Hygiene-f?lusstellung in Tresden bedeutet einen Triumvh deutscher Organisationskunst, deutscher gründlicher Arbeit und Gewissenhaftigkeit, sic wird in Zukunft einen Markstein tu der Entwicklung des Ausstcllungswcsens aller Lander und Volker bilden. Wenn heutzutage die Forderungen nnb Grundsätze der Hygiene sich von keiner Lcbcnsaußerung des Menschen trennen lassen, so geht daraus hervor, daß eine Ausstellung für Hygiene einen Umfang annehmen mußte, der sie räumlich neben die großen Weltausstellungen weist. Weit wichtiger aber ist der praktische und wissenschaftliche Wert dessen, was aur dem idealen Ausstellungsgelände im Königlichen Großen Garten geboten wird.
Es ist überflüssig zu sagen, daß die Vorarbeiten zu dem großen Werke Ial-re zurückreichen. Eine wie hohe Auffassung von ihrem Amte d:e Ausstellungslcüer besitzen, gehr daraus hervor,' daß sie Tür ihr Wert bcnJRamen „Ausstellung" nur als Notbehelf gelten lassen wollen. Sie stehen auf dem ciandpuntt, daß in diesem Sommer in Trcsdcn Vorführungen zu erwarten sind, die geeignet fein werden, Sitten und Gewohnheiten der Menscheii tn neue Bahnen zu lenfen.. Und es scizeint, daß diese stolze Auffassung Recht behalten wird, es wird zu einer großen Ueberschau von alle dem kommen, wa» seit ^.temchen- gedenlcn Mcnschengeist erdacht hat, um das kostbare Gut, die Gesundheit, zu fordern und zu erhalten. Ten Ehrensdpitz über die Ausstellung hat der König von Sachsen übernommen. Zur Erledigung der gesdiäftlichen Arbeiten nt em Direktorium gebildet worden, das aus den Vorsitzenden der einzelnen Abteilungen besteht. Bei dem ungeheuren UmTange des zu be- nxiltigenbeit Materials war eine Einteilung in Untergruppen geboten. Für die Einordnung der Materie tn die zwölf .»aupt- gtuppen waren vor allein wissenschaftliche Geftchtspuntte mastgebend. Innerhalb dieser Gruppen sind auch die vraktiiche Hygiene, die Gesetzgebung und die sozialen Bestrebungen, soweit sic put
der Hygiene zusammensallen, auigcführt. linier den Mitgliedern Der Gruppenausschüsse sind hervorragende Männer aller 17 Nationen, die die Ausstellung beschickt haben, vertreten.
Tie genannten 12 Hauptgruvvcn beziehen sich auf: 1. Luft, Licht, Boden, Wasser: 2. Ansiedlung und Wohnung: 3. Ernährung und Nahrungsmittel; 4. Mleibung und Körperpflege: j. Beruf und Arbeit; 6. Tie Infektionskrankheiten; 7. Kranken- tünorge und Rettungswesen; 8. Kinder und jugendliche Personen; 9. Verkehr: 10 Militär und Marine; 11. Tropenhygiene und 12. Statistik. Daneben bestehen noch verschiedene Sonderabteilun- gen, u. a. für Krebskrankl)citen, Alkoholismus und Rassenhygicn.', sowie eine historische Abteilung und eine Soortabteilung.
Tie Liste der Aussteller, die aus aller Herren Länder stammen, gleicht einem Adreßbuch, so unuangreid) ist sie. Tas Gebiet der Ausstellung umfaßt 320000 Quadratmeter, auf ihm sind gegen 100 Ausstellungshallen errichtet. Man hat hier einen eigenen Ausstellungsstil criunbcn: nicht zu umfangreiche, gefällige leichte Bauten mit viel Licht und geschickte^Raum- ccrteilung, mit einem künstlerischen Einschlag m einsachen Formen, bet einen würdigen Rahmen für die ausgestellten Tinge abgibt. Nicht weniger als 21 verschiedene Dresdener Architekten haben die Entwürfe zu den Bauten, soweit cs sich nicht um die von den fremden Staaten ausgeführten Sondervaläste handelt, ge- schasien, aber übet einzelne Künstler empfand es habet als seine Pflicht, daß sich sein Werk dem Ganzen einzuordnen habe.
Es ist selbstverständlich, daß bei einer AuMellung, die nicht nur der Schaulust, sondern in erster Linie der Sache selbst dienen will, mand'e Abteilungen nur für den Fachmann Interesse haben werden. Tieies Interesse ist aber schon jctz- so stark, daß z. D. aus einer gamen Ncihe von Kulturstaaten staatliche und städtifche Polizeiärzie angemeldet sind, bic zur Unterrichtung hierher kommen werden. Für ctc Beauemlichkeit der Ausstellungsbesucher ist auf da« ausgiebigste gesorgt. Gleich am Hauvteingang in der Lcnne- ftraBe befindet sich das Vcrwaltungsgebäudc.^in dem die Ausstellungsleirung, die Post, die Feuerwehr und die Laaitäts- wache UMcrkunst gesunden haben. Gegenüber erhebt sich ein Bau, ber u. a. einen großen Festsaa l und eine Vortragshalle enthält. Ter Iem'aal ist geschaffen worden, um den zahlreiche Kongressen, btc Dresden in diesem Sommer zum Tagungsort gewählt haben, einen würdigen Versammlungsort zu bieten, ^m Anschluß an das Ausstellungsgelände ist ein „Erholung spar k" geidiaücit worden. Es ist maraftcrifhid;, daß man ihn nicht nach berühmten Mustern „Vergnügungspark" genannt hat. Tie Aus- stcllungsleilung hat Dafür gesorgt, daß dieser Teil des Geländes zu einem Platz echter Fröhlichkeit, zu einer Stätte wirklicher Erholung wird. Ohne wilden, aufdringlichen Jahrmarktsrummel
wird sich hier ein buntes, srohcs Leden entfalten können, das zu dem ernsthaften Zweck der Ausstellung eine heitere Folie bilden kann, wenn inan es versteht, gewisse Elemente, die in jeder Großstadt zu finden sind, in respektvoller Entfernung zu halten. Auf die Ausstellung selbst wird noch im einzelnen zurückzukommen fein. Allgemein kann schon jetzt gesagt werden, daß man es sehr gcfchidl verstanden hat, aud) trockene Gebiete der hygienischen Wissenschaft, namentlich statistische Zahlen, durch plastische und zeichnerisdfe Tarstellungen auch dem Laien verständnisvoll und interessant erscheinen zu lassen. So wird B. die Frage der rationellen Ernährung dadurch erörtert, baß in Hunderten von Beispielen die Nahrungsmittel nicht nur in ihrer Zusammensetzung unb in ihrem Nährwert gezeigt werden, sondern auch mit ihren Preisen, da Diese Dod> bei Dem Gros Der Bevölkerung bezüglich der Erwägung, ob ein Nahrungsmittel geeignet ist ober nicht, ausschlaggebend sind.
Daß Tresden seinen vielen Vorzügen in diesem Sommer iwch ben Ruhm einer idealen Ausstcllungsstadt in großem Stile, hinzufügen wird, ist schon fetzt sicher. Und bekannt in allen deutschen Landen ist aud) die Tatsache, daß Sachsens,Hauptstadt schon an und für sich Genüsse edelster Art für Geist und Gemüt bietet, trotz des Italieners, der es nidn verstehen konnte, daß man die sächsische Metropole „Elbflorenz" nennt.
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— T i e elektrische Fcrnphoiographie auf b et Turiner Ausstellung. In der Gallerir della Mcraviglie dell' Electricitü der Turiner Ausstellung werden, wie sckwn kurz gemeldet, auch zwei fernvhotogravhische Apparate von Professor Korn aufgestellt, so daß Bilderubertragungen auch einem größeren Publilum gezeigt werden können. Leider ist die Galerie, m der auch Marcont seine neuesten Versuche der drahtlosen Telegraphie, Paulsen seine drahtlose Telcphonie ooriühren wird, nod) unfertig; die 'Apparate werden erst gegen Ende Mai eingebaut werden lönnen, und eine Besichtigung der Galerie durch Den König von Italien wird erst im Sommer stattsmden. Tie Kornschen Avparate sind vorläufig in Der Technischen Hochschule in Turm untcrgebrad)t worden, und Professor Korn hielt, einer Einladung des Vorsitzenden des Turiner elektrotcchni'chcn Vereins folgend, in italienischer Sprache einen Vortrag über Die letzten Fortschritte Der/ Pildtelegravhie, Dem alle in Turin anwesend?n wissenschaftlichen Größen Italiens, u. a. auch Marroni, Der Erfind, r Der drahtlosen Telegraphie, beiwohnten Es . m wahrscheinlich, daß sich, - n n an bic bisher l estehenDen Stationen für Bilt:ücgrapl)ie Berlin, Paris, London, Manchester, Kopenhagen, Stockholm anschlicßcn werden.
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