Ausgabe 
6.9.1911 Erstes Blatt
 
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und die kleinen Kreuzer westwärts dampften. Nachdem dieDeutschland" bie' Kaiserstandarte gehißt hatte, folgte das Schiff in großer Fahrt dem ersten und zweiten Linien- ischifsgeschwader und setzte sich dann an die Spitze der ersten Division, worauf die Manöver fortgesetzt wurden. Damit fand die offizielle Flottenschau ihr Ende.

Kiel, 5. Sept. Heute nachmittag 4 Uhr ankerten die ^Hohenzollern" und bie Manöverflotte bei der Insel Feh­marn. Der Kaiser ging auf dieHohenzollern". Um 7 Uhr fand auf derDeutschland" Abendtafel bei dem Chef der Hochseeflotte für die Fürstlichkeiten, Gäste und die Ver­treter der deutschen Presse statt, denen heute vor­mittag Gelegenheit gegeben worden war, der Flottenparade vor dem Kaiser, sowie einem Teil der Manöver in der Ostsee aus nächster Nähe bcizuwohnen. Für den Nach­mittag waren sie zu einem Besuche auf dem im Hafen lie­genden neuen Linienschiff ,^D st f r i c s l a n d" geladen. In etwa einstündiger Besichtigung fanden alle Errichtungen dieses zu den neuesten Schlachtschif en ber deutschen Flott zählenden Schisses eingehende Erklärung Sodann lud de Kommandant, Kapitän zur See Engelhardt, die Herren zu einem Imbiß im Kommandantensalon ein, wobei e seine Freude ausdrückte, die Vertreter der Presse auf den Linienschiff ,/Ostfriesland" willkommen heilen zu lönnei Der Kommandant schloß mit einem dr.ima ig n Hurra au den Kaiser. Verlagsbuchhändler Boll-Berlin dankt namens der Gäste für die liebenswürdige Einladung uir toastete auf das schöne Schiff, den Kommandanten, di Offiziere und die Mannschaft. Zur selben Zeit befände-, sich auf dem Schiffe zahlreiche Teilnehmer vom Flotten verein für Berlin und die Mark Brandenburg, die anläs. lich der Flottenschau eine Sonderfahrt zur Wasserkante bei^ an st alt et hatten.

Deutsches Resch.

Der türkische Thronfolger ist am Dienstag nach Mittag nach Köln abgereist, nachdem er am Montag und Diens tag die Kruppsche Fabrik besichtigt hatte.

Der Chefredakteur desReichsboten", Heinrich Engel, is am Dienstag gestorben. Engel war 77 Jahre alt, ein ge borener Hefte und hat sich auch im Hessenlande, wo er Pfarrei in Gelnhaar war, durch seine Artikel imHessischen Volks freund" die journalistischen Sporen verdient. Diese Artikel warer es auch, so schreibt dieFranks. Ztg.", die die Aufmerksamkei. mif ihn lenkten, als die Männer von derKreuzzeitung" im Jahre 1873 den Plan verwirklichten, ein dem Mittelstände dienen­des Blatt von echt konservativ-christlicher Gesinnung zu gründen Engel wurde zur Leitung des Blattes berufen und er hat ei xu einem namentlich in der Geistlichkeit auf dem Lande seh: viel gelesenen Organ der öffentlichen Meinung gemacht, das, den Führern der Partei durch die Selbständigkeit seiner politischen Anschauungen oft recht unbequem geworden ist, denn bei aller Freundlichkeit und Gefälligkeit seines Wesens war Engel ein aufrechter Mann, der politisch seinen eigenen Weg ging und der konservativen Partei in den Zeiten, wo sie dem Bimetallis-. nms huldigte und dem Schemen des Antrags Kanitz nachlief, vor allem aber in den letzten Jahren, wo sie der politischen Gemeinschaft mit dem Zenttum zuliebe die Erbanfallsteuer be­kämpfte imd über Borromäus-Enzyklika und Modernisteneii schonend hinwegging, ein harter Mahner, man kann sagen, das Gewisser der konservativen Partei gewesen ist.

Infolge Versagens der Schiffahrt auf einem großen Teil der Wasserstraßen sind in den letzten Wochen derart erhebliche Gütermengen vom Wasserweg auj die Eisenbahn übergegangen, so daß der im letzten Jahr um fast 7 Prozent seines bisherigen Standes erweiterte Güterwagenpark der Eisenbahnen dem ungestümen Verkehrsdrang nur schwer gerecht werden kann. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" weist darauf hin, das; alle Maßnahmen zur Beschlew nigung des Wagenumlaufs, Einlegung von Bedarssgüterzügen intb beschleunigte Reparaturen in Kraft gesetzt und daß 'bie vorhandenen Bestände gleichmäßig verteilt sowie vom 1. Juli bis 30. September rund 2600 neue bedeckte Güterwagen an- geliefert werden. Die Verkehrstreibenden selbst können durch die Ausnutzung des Ladegewichts und durch schleunige Be- und Entladung zur Behebung der vorübergehenden Schwierigkeiten beitragen.

Äus Hochelheim (Kreis Wetzlar) wird berichtet: Am Sonntag fand hier ein ch r i st l i ch - s o z i a l e s B o l k s f e st statt, bas von 2000 Menschen, besonders aus dem Kreise Wetzlar, besucht war. Die Festrede hielt Reichstagsabgeordneter Behrens aus Essen, es sprachen noch Dr. Heuser-Gießen, Parteisekretär Albertsmeier -Dillenburg und Reichstagsabgeordneter Dr. Werner.

Airche und Schule.

Eine neue Pfarrermaßregttung?

Pfarrer Traub, einer der Verteidiger JathoS vor dem Spruchkollegium, teilt in der von ihm herausgegebenev Christlichen Freiheit'' mit, daß der Divisionspfarrer Vollmer der zweiten Gardedivision verabschiedet werden soll. Ueber die Gründe gibt Pfarrer Traub u. a. folgen­des an:

Er hat es gewagt, in zwei PredigtenZur Lage" als ehrlicher Protestant die Wahrheit zu sagen. Tie Predigten liegen vor. Sie sind unter dem TitelGottes Wort" erschienen im Verlag von P Neubner in Köln n. Nh., 1911. Wir können nur bitten, dieses Büchlein zu kaufen. Es ist ioie frischer Seewind, der da einher» weht, was m diese,! beiden Predigten zu den Menschen kommt. Ein tapferes Wort ohne Herbigkeit und ein religiöses Wort ohne Parteiphrase. Nichts von Tageslärm, aber alles voll von der Pflicht des Tages, nichts von Haschen nach Standpunkten, sondern ein Verlieren von Menschenworten und Gewinnen an Gotteskraft. Jatho wird nicht einmal erwähnt, auf die Entscheidung des Spruch­kollegiums nur mit einem Satz angespielt; nur protestantische Grundsätze werden in unverhüllter Schlichtheit durchgeiührt.

Lin Brief Richter; an seine Mutter.

Die ,^Jenaische Zeitung" veröffentlicht folgenden Brief Richters an seine Mutter:

Saloniki, den 31. August 1911. Meine liebe Mutter! In der Nacht vom 22.-23. August haben die Räuber mich freigelassen. Die näheren Umstände der Freilassung waren derart, daß es fraglich war, ob ich den nächsten Morgen erleben würde. Aber meine zähe Konstitution, meine geographischen Kenntnisse und das Glück schützten mich. Am 23. früh zwischen

6 Uhr erreichte ich zu Pferde das Städtchen Elassona. Wahrend der letzten zwei Stunden hatten mich ein Hauptmann unb 6 Soldaten begleitet. In Elassona wurde ich sofort auf Wunsch zu den beiden dort zufällig anwesenden Generälen ge­führt. Ich blieb drei Tage dort, während deren das Militär nach meinen Anweisungen Olinga suchte. O, diese furchtbare Ungewißheit wegen Olinga! Es Hegen so viele Anzeichen da- E>er vor, daß sre in den Händen dey Räuber ist, daß ich meine Sorge trotz der nur hier in Saloniki vorgelegten Schriftstücke, welche besagen, sre ser in Jena, nicht bannen kann.

~ Afüona hing mein Leben nur noch an einem schwachen ö-aben. Mein Befinden war infolge Entbehrung, Gram, lieber» anstrengung auf der Flucht unb Furcht vor den Räubern der- vrtlg de p r i m i e r t, daß ich geglaubt habe, Saloniki nicht mehr lebend erreichen zu können. Die dortigen Herren Offiziere tat ?^s, was sre konnten zu meinem Wohl. ' Aber es war nicht bas Richtige. Die Soldaten tretunbeten große Freude über weme Rückkehr. 15 Bataillone der Braven hatten drei Monate nach nur unter großen vergebüchen Anstrengungen gesucht. Bald üach meiner Ankunft kam eine Anzahl Einwohner von Koki-

geschaftlrchen Verhandlungen ber Mttgiel & rer Hauptvortrag von Professor D. Hunzinm ü aber:Moderne Apologetik in Stabt und Li

orstand. Tatsächlich wird leihung der Rechtsfähigkeit an denVerein für Bau und S^^.onik erreichen wir Unterhaltung der Gruppenwasserversorgung für bas untere ^inreftion fuhrt uns ein V -^ibbataP' betreffend 4. Bekanntmachung, Gleisanlage ber Gewerkschaft Weißenburg zu Gießen betreffend. 5. Betannt- elden Er wird für die nachung, den Uebergang der im Großherzogtum Hessen ge­

ringer Mensch von hier verhaftet. Auffallend ist, daß er wegen

ans

-l.

meine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps

dem aus

Seuche 'ember

gleichen Vergehen schon dreimal bestraft und erst kürzlich dem Gefängnis entlassen worden ist.

"Ein Rebenzweig mit jungen Gescheinen rourk gestern von einem Freund unseres Blattes zugestellt.

Der Herbst-Pferdemarkt in Gießen findet, iuie der Markt-Ausschuß im Anzeigenteil unseres Blattes be­kannt gibt, wegen der Maul-- und Klauenseuche nicht statt. Die Verlosung dagegen wird an dem voraus bestimmten Tage, cm 21. September, abgebalten.

olkranke"; auch dieses Thema dürfte weitere Kreise inter- : ffteren.

Das Regierun gsblatt Nr. 21 enthält: 1. Be-

-eheimrat D. Walz von Darmstadt eine Ansprache zugesagt at über das Thema:Bibel und Innere Mission". Außer­dem sind noch musikalische Darbietungen vorgesehen, um 'en Abend zu verschönen. Am Montag folgt nach den geschäftlichen Verhandlungen der Mitgliederversammlung ier ans Erlangen und". Der Vor-

nachung, den Uebergang ber im Großherzogtum Hessen ge- egenen Strecke der Nebenbahn von Mannheim über Käfer- tat und Viernheim nach Weinheim an die Oberrheinisch' Eisenbahn-Gesellschaft, Aktiengesellschaft, zu Mann^nm betreffend.

Ich habe nun mehrere Tage, ich weiß noch nicht, wie lange, Verhandlungen mit dem deutschen Konsulat und dem türkischen

** Po ft personal nachrichten. Verliehen aus Anlaß des Scheidens aus dem Dienste: Das Hessische allge-

Maul- und Klauenseuche. Erloschen ist die im Schlachtviehhofe zu Mannheim am 2. Stp- d. Is.

Aus Statt und Land.

Gießen, 6. September 1911.

endlichen Jubel in meiner Seele erweckt hat. Tenn es überzeugt mich, daß Olinga in Jena und nicht in ber Gewalt der Räuber ist. Liebes Weib! Deinetwegen habe ich furchtbar gelitten. Jetzt« ist mein Befinden mit einem Schlage viel besser."

In der Station Vodana gibt es Bier. Der Zug sol! beliebig lange halten, bis der gerettete Deutsche sich satt ge­tränten hat, bestimmt ber Bahnhofsvorstanb. Tatsächlich wird die Haltezeit erheblich überschritten. C' zwischen 7 und 8 Uhr. Nach einer Desinfektion führt _____ _

Wagen im Galopp hinaus nach der Vorstadt Kalamaria zum Militärkommandanten Exzellenz Hassan Tazhsin Pascha. Wir müssen ihm unsere Ankunft melden. Er wird für die

rag findet um 10 Uhr im Gemeindehaus in der K.esstraße ,tatt und ist für jedermann zugänglich. Die Tagung schließt mit einer Verhandlung um 3 Uhr im Gemeindehaus über )as Thema:Fürsorge der christlichen Gemeinde für Alko-

Landkrcis Gießen.

Grünberg, 4. Sept. Gestern fand hier die Feiei aes S e d a n 1 a g e s statt, welche mit dem Jugendsestc verbunden war. Nachmittags 2 Uhr bewegte sict unter den Klängen des voran tretenden Grünberger Musik Vereins ein Festzug vom Schulhofe nachHamels Garten" Die Knaben hatten ihre Lanzen und Fahnen mit Blümer und Efeu geschmückt, während die Mädchen Jmmergrür und Blumen im Haar trugen. Außerdem beteiligten fid am Festzuge der Kriegerverein, der Turnverein unb di beiden Männergesangvereine mit ihren Fahnen, sowie he: Schul- und Stadtvorstand. In Hamels Garten begrüßt: Lehrer Plock die Teilnehmer. Bald entwickelte sich auf den Feftplatz ein froher Festjubel. Der Musikverein und dir Gesangvereine ließen ihre frohen Weisen ertönen und bis einzelnen Klassen der Schulen vergnügten sich mit ihrer Spielen.

kanntmachung, den Betrieb ber Kettenschleppschiffahrt auf Dem Neckar betreffend. 2. Bekanntmachung, die Verleihung Der Rechtsfähigkeit an denApotheker-Verein im Groß- .»erzogtum Hessen" betreffend. 3. Bekanntmachung, die Ver-

v.j, Dragoner, vier Artillerie, tser PwNiere uno Ma)llMrr7n» güwehr Kttrnpagnie werden am 6. unb 7. September große Verschanzungen austversen, Vorhaue und Schützengraben herstellen. Ihre Verproviantierung geschieht vollständig kriegsmäßig ohne jegliche Bagage. Da, wo die Truppen stehen, wird Vieh, .Kartoffeln, Heu und dergl. anaekauft. Das Vieh wird in ber Gefechtsstellung geschlachtet. A»n Mittwoch abend bezieht die gesamte 49. Brigade, mit Aus­nahme der 24er Dragoner Biwack. Die llöer haben heute hre Quartiere in Dietz verlassen und sind um Zollhaus und Hahnstätten eingerückt, die 168er haben Quartiere in Katzen- llenbogen, Schönborn, Dörsbach unb Klingelbach. Den lläern unb 168em, die gegen die verschanzte Stellung Der 116er kämpfen werden, ist das 2. Bataillon ber 3. Fuß- artillerie aus Mainz ungeteilt. Diese Truppe liegt in äteinsbach unb Wwenbach. Die Kämpfe um Miehlen sind im V. September ueenbet, bann hat bie Brigade am 9. inen großen Marschtag ostwärts gegen das Aartal, um aus )cr Gegend Wiesbaden, Bleidenstadt, Bad-Langenschwal- ach den Gegner, bie 50. Infanterie-Brigade, zu erwarten, »roße Manöver-Proviantämter sinb in Miehlau, Zollhaus, olzhausen und Michelbach a. d. Aar errichtet. Die,Feld- äckerei befindet sich bei Miehlen^ si«' arbeitet Ichon feit inigen Tagen. Die 41. Infanterie-Brigade ist nunmehr n unb um Friebberg (27er Artillerie unb Pioniere), Bad- anheim (88er), Bruchenbrücken, Ober-Wöll stabt, Potter- eil, Ober-Erlenbach, Grävenwiesbach, Usingen eingetroffen nb werben im Usatal unb im Taunus manövrieren. Ae .1. Division wird sich am 12., 13. und 14. September wischen Usingen, Bad-Nauheim und Friedberg zusammen- iehen. Friedberg erhält in diesen Tagen etwa 2300 Mann | inquartierung.

** Der Hessische Landesverein für innere Mission wirb seine 47. Jahresversammlung am 10. und L Sevtember in Darmstadt abhalten. Der Eröffnungs- ottesbienst in der Stabtkapelle findet am Sonntag nach- iittag ausnahmsweise um 5 Uhr statt. Als Festprediger "t Dtvisionspfarrer Merensth aus Metz gewonnen. A« _:onntag abend, pünktlich um 8 Uhr, findet ein Familien- benb im Gemeindehaus in der Kiesstraße statt, für welchen

** Die Herb st Übungen im 18. Armeekorps. Mit dem 5. September, den Brigadebesichtigungen, ist der

1. Abschnitt der Herbstübungen zu Ende, und morgen nehmen die Brig ademanöv er ihren Anfang. Die Regimenter 80 und 81 hatten gestern ihre Brigadebesichti- S östlich Limburgs, auf den Höhen zwischen Lahn und

bach. Das Gefecht spielte sich um den Galgenberg bei Villmar, die Hohen bei Weyer unb Nieder brechen ab. An der Straße NrederbrechenVillmar war die Parade. Die Truppen rückten nicht mehr in ihre Standquartiere in Limburg (81er und Pioniere), Eschhofen, Lindenholz­hausen, Mühlen (80er) zurück, sondern marschierten mehr in den Taunus und bezogen in Eisenbach, Ober- und Nieder- Selters, Weyer, Münster, Haintchen Quartier. Das Bri­gademanöver beginnt morgen und wirb sich um Kvrnberg, Würges und Idstein abspielen. Die 49. Jnfanterie-Brv- gade hat sich weiter südwärts von Limburg gezogen. Die 116er sind um Miehlen zusammengezogen. Sie werden morgen eine starke Verteidigungsstellung auf den Höhen um Miehlen, Vorstätten und Holzhausen a. b. Haide ein­nehmen. Die 116er und hie zhnen zugeteilten Teile ber

nopw, Darunter Der gute Mairn, bei Dem tO) gewoynt Hatte, um mich zu sehen unb mir bie Hand zu drücken. Die Leute munen ben bret bis vier Stunden weiten Weg gerannt jein. Eine An­zahl Telegramme von türkischen Beamten gratulierten nur zu ber gewonnenen Freiheit. In ber Nacht vom 26. zum 27. Auguft reifte ich jn einem geschlossenen Wagen ab. Die zahlreiche Be- beefung zu Pferde stieß erst nach und nach zu uns, well auf meinen Wunsch die Abreise möglichst geheim bleiben sollte. Abends um 8 Uhr erreichten wir das Städtchen Ko za ne. War ul bisher in meiner Freiheit nur durch die Räuber, welche nach täglich nach meinem Leben trachteten, bedroht, so gesellte ftch sttzt noch ein unheimlicher Feind hinzu, die Cholera. In Dem Hotel, in dem wir wohnten, starb ein Kranker, das Hotel wurde geschlossen. Wir, d. h. der Leutnant Wahi (Strenbt, bei mich von Elassona nach Saloniki begleitete, und ich, hatten kurz vorher glücklicherweise noch unser Gepäck herausholen können Am folgenden Tage kamen wir nicht weiter, weil infolge eines Feiertages Wagen und Pferde nicht zu haben waren. Die Zweite Nacht m Kozane wurde in einer elenden Herberge verbracht Der artige Herr Kaimakan (der Rang entspricht ungefähr ben. ines preußischen Landrats) übergab mir im Namen dei . ür k i s ch e n Negierung 1000 Piaster als R e i s e <eld bis Saloniki. Es kam mir gerade recht, denn bu >on den Klephten erhaltene Wegzehrung im Betrage von neur ürkischen Pfund war erheblich zusammengeschmolzen. Währen er Nacht vom 29. zum 30. August wurde Kozane wieder m Jagen verlassen. Letzterer war schlecht, und das will bei tüt ischen Wagen schon viel heißen. Auch die drei Pferde, moi raucht eigentlich vier, waren wenig wert. Auch hatte ber ir ihrigen sehr gefällige Kaimakan uns nur wenig Bedeckung mit egeben. Es gibt zwei Wege, um von Kozane bie Eisenbah. öaloniki-Monasiir zu erreichen, nach Karaferia, von wo e twa zwei Stunden bis zur mazedonischen Hauptstadt sind odk , .ach Sorowitsch, von wo die Bahn in etwa fünf Stunden nai I Saloniki fährt. Wir hatten ben ersteren gewählt, trotzdem e > >er schlechtere, längere unb unsichere ist, weil er uns tein I Quarantäne aufnötigte wie bie Route über Sorowitsch.

Bereits nach einer halben Stunbc saß ber Wagen fest. Ein« lande hätte uns mit Leichtigkell ausheben können. Teshal wieder zurück nach Kozane, um den besseren Weg nach Soro o i t s ch einzuschlaaen. Um 4 Uhr früh telegraphieren wir ti etzteren Ort, Wahid Efsenbi, an die Behörden, ich an die Saloniki Landsleute, daß wir unseren Plan geändert hätten. Mittag rreichen wir rechtzeitig den Zug. Aber er fährt uns nur eini halbe Stunde weit bis Ostrowo. Dort sollen,wir 24 Stunde n Quarantäne bleiben. D-er Zug enthält bereits eine An ;ahl Kranker angenehm ist die Gesellschaft nicht. Aber bi Derr en Aerzte und das Bahnpersonal verschaffen mir Erleick erung unb sinb mit Sorgen um mein Wohl bemüht, bie gceigne inb, mich aus dem 'Dämmerzustände zurückzurusen zum Leben Fch ftbulbc diesen Herrn großen Tank.

Am nächsten Morgen lange Gesichter: man hat die Cuaran ane auf 48 Stunden verlängert. Dem eifrigen Bemühen de * 1 >3ernt Stationsvorstandes gelingt es aber endlich, unseren Zu, I Doch noch an diesem Tage abzufertigen. Inzwischen sind mi Dem berauffommenben Zuge die ersten Vertreter des Kosmos (?), welche nach mir fahnden, angelangt. Der Herr Schulbirettoi | Siegmund aus Saloniki begrüßt mich-als Vertreter bet Lands i leute, ein Reporter unb ein Herr, der sich sonst für mich intei I qfiert Herr Siegmund hat bereits seit mehreren Tagen, tell- I

weise in Begleitung von noch anderen Deutschen, nach mir ge sahnbet unb ist durch widersprechende Nachrichten balb hierbin,! bald dorthin gehetzt worden.

des Großmütigen dem Postagenten Georg Wolf II. in Dietzen­bach, bas Preußische allgemeine Ehrenzeichen dem Ober- Briesträger Hoffart in König. Versetzt: Postasfistent Helm von Neustadt nach Aachen; bie Telegraphenassistenten Götz von Ortelsburg nach Darmstadt und Stauffer von Gießen nach Hamburg. Bestanden: die Postassistentenprüfung die Postgehilfen: Carle in Flonheim, .Heyder in Worms, Nikolai in Hirschhorn, Peter in Niederolm, Friedrich Schmitt in Rüsselsheim, Johannes Schmitt in Sprendlingen (Kr. Ofbh.), Siebenwurst in Reinheim, Wißler in Schlitz und Wörner in Babenhausen. Angenommen zum Tele- araphenanwärter: Vizefelbwebel Steller in Mainz. Ge­storben: Postverwalter a. D. Stoll in Wendelsheim.

fernere persönliche Sicherheit sorgen. Der sympathische General ist erfreut über meine Ankunft unb drückt mir bie Hanb. Zur Rückfahrt stellt er feinen eigenen Wagen zur Verfügung. Diese, führt mich in ein trautet deutsches Heim. Herr Fr. Jenny Präsident des Deutschen Klubs in Saloniki, gewährt mir Gay sreundschaft. Die ganze Familie ist in rührender Opserwilligkei um mein Wohl bemüht. Gattin und Tochter erraten und er füllen mit dem Instinkt ausgezeichneter Hausfrauen alle meine Bedürfnisse und Wünsche. Ich hätte keine bessere Pflege finden können, und allmählich wächst mein Interesse am Leben wieder.

Kreis Büdingen.

A Echzell, 5. Sept. Em Deutsch-evangelischeI Volksfest wurde im Walde abgehalten; eS war auS dec mittleren Welterau stark besucht. Der Abmarsch vom Bahnhcj erfolgte unter Begleitung des Posaunenchores Ober-Mockstadt Festredner waren Pfarrer Ritter-Friedberg und Lehr« Oollinger-Nieder-Gleen. Bei dem Feste wirkten auh Gesangvereine auS Echzell und Bingenheim mit.

Kreis Friedberg.

B. Friedberg, 5. Sept. Vor dem hiesigen Schöffer^ gericht standen heute die Eheleute Karl Roth III. von Kaichen. Die Ehefrau Roth hatte die Dienstmagd Margarete Schwei­zer verleitet, der Milch Wasser zuzusetzen, wofür diese kürz­lich mit 5 Mk. bestraft wurde. Heute wurde den Eheleutm durch die Schweizer sowohl als auch durch den Knecht Hein­rich Mak nachaewiesen, daß sie sich oftmals der Milö- fälschung schuldig gemacht haben. Auch bekundeten de beiden Zeugen, daß Roth neulich, als sie von der Verhand­lung gegen die Schweizer nach Hause kamen, den Mak g> schlagen habe, weil er nicht günstig ausaesagt hatte. Darau'- hin hatten die beiden Zeugen ohne Kündigung den Dienst verlassen. Ter Antrag des Amtsanwalts war je acht Tage Gefängnis und je 200 Mk. Geldstrafe. Das Gericht faß« die Straftat milder auf, weil die Angeklagten noch nickt bestraft sind. Tus Urteil lautete gegen den Ehemann au? 100 Mk., gegen die Frau auf 50 Mk. Geldstrafe.

...... . ._____.-t, , Verh aftet. Wegen Vornahme unsittlicher Hand-

ru pflegen. Bezüglich der H eimr ei se kann ich äugen j ungen an öffentlichen Orten wurde gestern nachmittag ein

entschieden, Nachricht darüber erhalten. Bevor rch nicht in Jena bin, ist noch nicht alle Gefahr überstanden. In der Hoffnung, daß Du die schwere Zeit ebenso gut ertragen hast wie ich und Deine Gesundheit ebensowenig eine dauernde Schädi­gung erlitten hat wie bie meinige, schließe ich heute ben Bericht mit allerherzlichstem Gruß Dein Edward.

In einer Nachschrift heißt es:Nachdem dieser Brief geschrieben, habe ich ein Telegramm erhalten, das einen un-