Ausgabe 
10.10.1911 Erstes Blatt
 
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Die Beratungen werden die Förderung der Baum­wollkultur in den Kolonien der europäischen Staaten, die Schaffung eines einheitlichen Baumwollkontraktes, die Einführung internationaler Schiedsgerichte und die Frage der Feuchtigkeit in der Baumwolle betreffen. Das rnternationale Komitee wurde außer im Reichskolonialamt auch im Auswärtigen Amt und im Handelsministerium empfangen.

Regierungs-Präsident Dr. 9. M ei ste r hat seine Sammel­kandidatur im 2. Nassauischen Wahlkreis (Wiesbaden-Rhttn- gau) ab gelehnt.

Die Stadwerwaltung von Straßburg hat infolge der allgemeinen Teuerung den Bezug von Speisekartossein in größerem Maßstabe in die Wege geleitet. Auch werden hier Märkte für den Seefischverkauf eingerichtet.

Bei der Einweihung des Gymnasiums in Ticdenhofen hielt der Statthalter von Effaß-Lothringen, Graf Wedel, eine be­merkenswerte Rede. Nachdem er den Aufschwung der lothringischen Jndustriegegend hervorgchoben, den er dem friü>lichen Wettbewerb des einheimischen und deutschen Kapitals zuschreibt, fuhr er fort: Angesichts der gemeinsamen Lebensinteressen hatte ich es im Interesse des Landes für dringend geboten, daß Elsaß-Lothringen seinen festen Anschluß an das Deutsche Reich ziel­bewußt vollzieht, daß man anerkennt, daß ein einträchtiges Zusammenwirken zwischen den Einheimischen, Eingewanderten und Alldeutschen überhaupt sichere Garantien für eine gesteigerte Prosperität dieses schönen Landes gewährt.

Ausland.

Tie Agence Havas veröffentlicht wieder folgende Note: In der Unterredung zwischen b;m Botschafter Cambon und dem Staatssekretär von Kiderleir-Wächter, die am Sonntag stattsand, wurde die Lösung des marokkanischen Teiles der Verhand­lungen sehr gefördert; die Besprechungen scheinen einen guten Fortgang zu nehmen.

Ter russische Kriegsminister brachte in der Reichs­duma einen Antrag ein, zur Unterhaltung einer Flieger­schule ab 1912 auf drei Jahre je 100 000 Rubel als Ne­gierungsbeihilfe zu bewilligen.

Aus Sofia wird gemeldet: Das neue Gebäude für die Deutsche Schule wurde am Montag in Anwesenheit des vom Könige zur Vertretung befohlenen Chefs des Geheimen Kabinetts, Tobrowitsch, und des Unterrichtsministers Bobffchewo feierlich eröffnet. Ter deutsche Gesandte v. Below-Saleske hielt eine Ansprache, auf die der Untecrichtsminister erwiderte.

Ter in Washington versammelte sechste Konvent des Deutsch-amerikanischen Nationalbundes nahm den von Tr. Ernst R i ch a r d-Neuyork namens desAus­schusses für Friedensbestrebungen und internationale Beziehungen" gestellten Antrag an, nach dem der Nationalbund in den an­gestrebten Schiedsverträgen mit Deutschland, England und Frank­reich einen bedeutenden Fortschritt zur Sicherung des, dauernden Friedens begrüßt. Sodann wird die deutschfeindliche Hal­tung eines großen Teiles der anglo-amerikanischen Presse beklagt, die in der Marokkofrage ihren Höhepunkt erreichte.

Präsident Taft erklärte in einer Ansprache über den Pa­namakanal, er hoffe, daß das erste Schiff den Ka­nal am 1. Juli 1913 passieren könne.

Heer und Flotte.

Zur Frage der Verminderung der Kon­trollversammlungen hat die Heeresverwaltung jetzt endgültig Stellung genommen. Der Anregung, die Herbst- kontrollversammlungen in Fortfall zu bringen, konnte die Heeresverwaltung nicht stättgeben, obwohl der Reichstag einen diesbezüglichen Antrag angenommen hatte. Die Be­zirkskommandos haben sich durchweg gegen diesen Antrag ausgesprochen. Man hat aber verfügt, als Ersatz andere Erleichterungen für die kontrollpflichtigen Mannschaf­ten einzuführen. So wird die Versäumnis einer Kontrollversammlung nicht mehr bestraft, der Kon­trollpflichtige wird ausgefordert, die Kontrollversammlung .eines späteren Jahrganges zu besuchen. Aus häuslichen, beruflichen und gewerblichen Gründen können auch Be­freiungen von dem Besuche stattfinden, wenn der bezügliche Antrag genügend begründet wird. Hat kurz vor einer Kon­trollversammlung der Kontrollpflichtige eine Hebung ab­geleistet, so bleibt er von dem Besuche der Kontrollverfamm- lung befreit, wenn ihm hierüber am Schlüsse der Hebung eine Mitteilung gemacht wird. Eine Vermehrung der Kon- trollbezirke und der Orte, an denen Kontrollversamm­lungen stattfinden, ist ebenfalls beabsichtigt.

Der englische HeberdreadnoughtKönig Georg V." ist in Portsmouth glücklich vom Stapel gelaufen. Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein rauste das Schiff mit einer Flasche Kolonialwein. Das Schiff ist 555 Fuß lang und 89 breit. Seine Wasserverorängung beträgt 24 000 Tonnen. Es ist mit zehn 13,5zölligen Ge­schützen ausgerüstet.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. Oktober 1911.

* * Tageskalender für Dienstag, 10. Oktober: Stadt­theater:Die Kinder der Exzellenz." Anfang 8 Uhr.

* ' Schenkung an die Universitätsbibliothek. Vcterinärrat Dr. Güngcrich in Bensheim hat durch die Schenkung einer größeren Anzahl von veterinär-wissen­schaftlichen Werken an die Universitätsblbliothek Gießen deren Bestände in äußerst dankenswerter Weise bereichert.

* * Entlassen wurde die Lehrerin Christine Harrach an der Volksschule zu Mainz auf ihr Nachsuchen.

Feuerwehrdepot. Das alte Depot der Freiw. Gail'schen Feuerwehr muß abgebrochen werden, weil es dem Ausbau dec Sandgasse im Wege steht. Die Firma Georg Philipp Gail, die die sachlichen Kosten für diese Feuerwehr trägt, hat deshalb auf dem Hintergelände an der Neustadt -zwei ältere Hintergebäude zu einem neuen Depot ausbauen und dazu einen flotten Steigerturm errichten lassen. Der vor der Gebäudegruppe befindliche große Platz ist sauber ein­gewalzt und kann zu Uebungszwecken der Mannschaft benutzt werden.

** An der elektrischen Straßenbeleuch­tung in der Bahnhofstraße wird bereits seit 14 Tagen gearbeitet. Infolge der vorübergehenden Arbeitseinstellung in der Elektrizitätsbrancüe können die Fabriken die Auf­hänge- und Windenvorricytungen nicht schnell genug liefern und dadurch wird die Fertigstellung unserer elektrischen Straßenbeleuchtung verzögert. Zuerst wird die Strecke Bahnhofstraße bis zur Marktstraße hergestellt. Sobald die einzelnen Stromkreise betriebsfertig find, soll dieser .Straßenzug mit Bogenlampen beleuchtet werden, was An­fang November der Fall sein kann. Inzwischen wird die Beleuchtung LiebigstraßeFrankfurter StraßeSeltersweg :Kreuzplatz hergeftellt, die bestimmt noch vor Weihnachten in Betrieb kommt. Die übrigen Straßenzüge werden vor­aussichtlich bis zum Januar mit elektrischem Licht versehe,: werden. Bedauerlich ist, daß an der Bahnhoffiraße und am Seltersweg einzelne Hausbesitzer der Anbringung von

Rosetten von Aufhänge- und Windenvorrichtungen für die verbesserte Straßenbeleuchtung Schwierigkeiten in den Weg legen.

**Die städtischen Freibäder in der Lahn, die am

23. September geschlossen wurden, wurden benutzt: Von Männern

Mm Juni Juli 1911 1563 5441 12800

1910 3776 6195 2289

von Frauen 1911 lf68 4151

August September Zusammen 9J42 2005 = 31 750

3127 237 15 616

4271 1374 10 874

** Nächtliche Kanalreinigung. Gestern abend nach 10 Hhr rückte unsere Kanalmann,chaft in zwei Ko­lonnen in der Marburger und in der Walltorstraße an, um eine gründliche Säuberung der Kanäle vorzunehmen. Diese Arbeit, die alle Jahr einmal an dem weit üenröcigten Kanalnetz vorgenommen werden muß, wird in den Stratzen- zügen, durch die die Straßenbahn führt, nachts ausgeführt, um den Betrieb der Bahn nicht zu stören.

Der Kohle nbezugsverein Gießen hatte die Stelle des Kassenboten ausgeschrieben. Mit dec Stelle ift ein Einkommen von Atk. 850900 verbunden. Für diesen Posten haben sich 30 Bewerber gemeldet.

Landkreis Gießen.

? Großen-Linden, 9. Okt. Gestern fand hier, wie alljährlich, ein Missionsfest statt, das der hiesige Posauuen- chor und der gemischte Sängerchor durch ihre Liedervorträge verschönerten. Auch verschiedene gemischte Chöre aus den Nach­bardörfern wirkten mit.

? Allendorf a. d. Lahn, 9. Okt. Die Erd arbeiten und die Anschlüsse der Wasserleitung sind beendet. Trotzdem früher eine Anzahl Einwohner dagegen stimmte, haben sich jetzt sämtliche Leute angeschlossen, denn in diesem Sommer konnte man so recht erkennen, wie bequem eine Wasserleitung ist. In dem ganzen Torfe waren nur noch zwei Brunnen, in denen das Wasser nicht gesunken und genießbar war, so daß die Mehr­zahl der Torfbcwohner das Wasser 100 bis 200 Meter weit holen mußte. Ter Wasserbehälter ist ebenfalls sertiggcßeltt, so daß das Wasser hincingeleittt werden kann. Tas Maschinenhaus steht im Rohbau da; die Motore sollen am 15. d. Mts. ge­setzt werden, damit vom 1. November ab die Leitung in Ge­brauch genommen werden kann. In der letzten Gemeinde- ratssitzung beschloß der Ortsvorstand, daß die Ortsstraßen mit elektrischer Lichtleitung versehen werden sollen. Im Sommer 1912 soll damit begonnen werden.

Kreis Büdingen.

X Nidda, 8. Okt. Geometer Stephan von Staufen­berg, der jetzt hier Bahnassistent ist, hielt gestern abend im Kr i e g er v e r e in einen Vortrag über seinen Aufenthalt in Südwestafrika bei der deutschen Schutztruppe, der er von 1904 bis 1908 angehörte. Etwa 120 Personen hatten sich zu dem Vortrag int Gambrinussaale eingefunden. Der große Beifall der Versammlung und beredte Worte des Vorsitzenden des Kriegervereins, Oberst z. D. Weimer, zollten dem Vortragenden Tank für seine inhaltreichen Darbietun­gen. Am nächsten Donnerstag wird Oberamtsrichter Röm­held von hier im Gasthaus zur Traube überTie Not­wendigkeit der Beschleunigung des Ausbaus unserer Kriegs­flotte" einen Vortrag halten, worauf Oberst z. D. Weimer besonders aufmerksam machte und dann die Versammlung mit einem Hoch aus Kaiser und Großherzog schloß.

Kreis Alsfeld.

L. K. Alsfeld, 9. Okt. ImDeutschen Haus" fand gestern nachmittag der 2. Bezirkstag für 1911 des Hassiabezirks Alsfeld start. Von sämtlichen Ver­einen des Bezirks waren Vertreter erschienen. Außerdem wohnte das Präsidialmitglied Hauptmann Waldecker- Darmstadt den Beratungen bei. Punkt 2 Hhr eröffnete Bezirksvorsteher Schade mit einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog die Versammlung. Hierauf erstattete der Bezirksvorsteher Bericht über den Vertretertaa in Fried­berg. Für die Hnterstützung des verunglückten Kameraden Hamann-Biebesheim ist im Bezirk bis jetzt ein Betrag von 67,50 ML eingegangen. Das Präsidialmitglied Waloecker erläutert hieraus die neuen Bahnschutzeinrichtungen wäh­rend eines Krieges und deren Bedeutung; die Krieger- Vereine hätten die Pflicht, die Mannschaften dafür zu stellen. Weiter empfiehlt der Redner die Hnterstützung des Hilfsvereins zum Roten Kreuz, sowie desHessischen Kameraden" und der Sterbekaffe. Anläßlich seiner Fahnen­weihe int Sommer 1912 wurde dem Militärverein Alsfeld das Bezirkskriegerfest übertragen. 22 Vereine wünschen für das Winterhalbjahr 1911/12 Vorträge. Ein Antrag von Gremm-Romrod, den Bezirksvorstand zu beauftragen, bei bient Kreisamt Alsfeld vorstellig zu werden, daß in Zukunft das Schießen bei Hochzeiten ebenso wie bei Be­erdigungen von Kameraden ohne vorherige Genehmigung geschehen kann, wurde angenommen.

L.K. Alsfeld, 9. Okt. Nachdem nun fast alles ein­geerntet und inzwischen Regen eingetreten ist, hat man hie und da mit oer Aussaat begonnen. Der Roggen, der erst vor einigen Tagen gesät wurde, zeigt schon ein üppiges Grün.

Kreis Schotten.

k. Gedern, 8. Okt. Ein zweijähriges Kind spielte in der Nähe eines Hasenkäfigs. Als e§ durch das Drahtgeflecht des Käsigs griff, wurde chin von einem Kaninchen das erste Glied des Zeigefingers der linken Hand ab­gebissen.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 9. Okt. Heute ist an unsrer Schiller­schule (höhere Mädchenschule) ein neuer Lehrplan in Kraft getreten. Die Anstalt wird jetzt die Ziele erreichen, die die höheren Mädchenschulen des Landes sich gestellt haben. Tie Abiturientinnen der Schillerschule werden, wenn sic alle Klassen durchgemacht haben, die Berechtigung sür manche Aemter (Post, Eisenbahn usw.) erlangen.

m. Bad-Nauheim, 9. Okt. Als heute mittag gegen 12 Hhr der HagenFrankfurter Schnellzug auf der hiesigen Station einlief, wollte der 36jährige Rangtecer Franz Kremer aus Niedcr-Mörlen ausweichen, geriet aber dabei auf eine im Nebengeleise rangierende Maschine. Tem Hnglücklichen wurden beide Beine abgefahren, er wurde eine Strecke mitgeschleift und verschiedene Mate mit dem Kopf ans den Boden geschleudert. Kr. wurde in das städtische Krankenhaus gebracht, wo er nach we­nigen Minuten verschied. Erst am 1. Juni d. Js. wurde Kr. nach 21jähriger Tienstzeit angestellt.

Starkenburg unö Rheinhessen.

W Darmstadt, 9. Okt. TerNeichsanzeiger" ver­öffentlicht die Verleihung dcs Kronenordens 2. Klasse an den Geh. Oberjchulrat N o d na ge l-Tarmstadt.

M. O sf e ub ach, 10. Ort. (Priv.-Tel.) In der Wirt- s dj a j t zur Teutjchcn Ciche kam eS heute nacht zu w ü st e n A u s- schreitungcn. Bei einem Streit vorletzte em Arbeiter einem anderen mehrere Messerstiche. Als dec Wirt in seiner Angst mehrere Schüße auf oic Raufbolde übgab, verwüsteten sie das ganze Lokal. Tie äniiotbcfciiiqtcn wurden verhaftet.

= Mainz, 9. Okt. Nachdem im letzten Frühling 25 Jahre verflossen waren, daß im Mittttch.inkreis ein Turnausschug er­wählt wurde, dem die Regelung aller tucncriichen Verhcüinisse zu- liet, konnte die fündigste Zusarnm nkun.t der Gauiurnwartc des

Mittelrheüllillses cm Samstag und Sonntag hier gefeiert werden. Tie Zahl der Ausschußmitglieder mit 5 hat sich während deZ Viertel;ahchunderts zwar nicht geän.e.t, es kamen aber im Laufe der Zeit 3 Ersatzmänner und zur Ergän'.ung im Vedar.s- falle je ein Vertreter für Fechten, Spielen und Schwimmen h nzu. Tagegen ift die Zahl der Gaue und damit die der Gauturnwarte von 13 auf 25 gestiegen. Hm die Gautnrnwacte pii. den neuen Gedanken und B.,Hebungen auf den Gebiete dec löblichen Er­ziehung und den neuen Wegen, die die Deutsch« Tucnecschaft ver­folgt, damit sie sich den ncu,ei.lichvn For.e.ungen anpaffe, bek. nut zu machen, wurde die 50. Versammlung am Samstag nachm.t.ag von dem 1. Kreistumwart Volze im Hause d.s Main, er Turn­vereins von 1817 eröffnet. Nach einer Begrüßung erstat eie ev Bericht über neue turnerische Bücher. Weiter ersuchte Kreis- turnroart Bolze die Gauturnwarte, die Turner über die Verhältnisse in der französischen Fremdenlegion aufzukliiren und vor dem Eintritt in sie bringend zu warnen. 2er 2. Kreistumwart Mün ch-Hachenburg belichtete üb.r die auf dem l.tz en Deut.chen Turntag in Dresden beschlossenen Abänderungen oer Deutschen Welturnordnung. Ter Hochsprung wird in Zukunft ohne Brett auS- geführt. Es werden Sonderwet.kämpfe in eimeinen volkstüm­lichen Hebungen und Mannschaftskampfe in Cilbot.nlaus unö Tauziehen veranstaltet. Besonders rcgc5 Interesse brachte Die Versammlung derJugendpflege" entgegen. Gaut.irnwart Poller erstattete einen Bericht über den preußischen Mi> i..crial- erlaß und über seine Durchführung in feinem Hcimatsbezick. Andere Gauturnwarte: Engel-Wiesbaden, Braun-Frankfurt, Kleber-Höchst a. M., Colbus-St. Wendel und Schmidt-Koblenz, gaben Mitteilungen aus ihren Bezirken, die beweisen, dag der Erlaß noch nicht überall gleichmäßig gehandhabt nnrö. Tie ®Guborturner|'iunbe am Sonntag morgen wurde von KreiSturn-» wart Vol;e eröffnet. Tas TumauSschußmi.glieo Gräser- Frank­furt a. M. leitc.e sie mit einer Gruppe Ordnungs- und Frei­übungen ein. Ihm folgte Gautnrmvart Poller-Saarbrücken, der verschiedene Arten von Aufstellungen zu Freiübungen und eine Gruppe solcher mit gegenseitiger Hnterstützung durch na hm. Am Barren entwickelte M e l l e r - Bockenhttm Sprellübungen in dec veriafiedenartigsten Zusammennellung. Tie Neaspie.e von Kreisspielwatt Wahl- Lockenheim:Has im Kohl, Prellball und Komm mit" erregten reges In eeeffe und große Helleckeit. Am Seitpferd wurde eine Gruppe Hebungen mit Spreizen und Scheren unter der Leitung von Gau.ucnwact Schütz-Bous ge­turnt. In leichtverstmdlichcr Weife .ehtte Kreisturnwarl V o l z e die Landkreise mit Keulen vor dem Leibe unö hinter dem Rücken. Zum Schluß boten die Gauturnwane C o l b u s - St. Wendel und L o b e r - Tauborn Stabübungen mit Beinspreizen.

Kreis Wetzlar.

# Krofdorf, 9. Okt. An der Fertigstellung der elektrischen Beleuchtung und der Jnneninstal- lation für sie wird mit aller Macht gearbeitet. Infolge des Streiks in der elektrischen Branche hat sich die Arbeit um einige Wochen verzögert, doch hofft man, daß unser Ort spätestens Mitte ^November mit der modernen Be­leuchtung ausgestattet sein wird. Nachdem wir die Er­rungenschaft der Elektrizität haben, wird im kommenden Jahre die Wasserleitung angelegt werden und damit endlich eines der dringendsten Bedürfnisse unserer Gemeinde befriedigt. Man hofft, daß unsere Gemeindeverwaltung dann noch als eine ihrer Hauptaufgaben die Erlangung einer Straßenbahnverbindung mit Gießen anstreben wird.

* Vetzberg, 9. Okt. Der preußische Staat, der Eigentümer der Burgruine Vetzberg ist, hat vor einigen Jahren, wenn auch gerade nicht in sehr glücklicher Form, den gewaltigen Bergsried befteigbar eingerichtet. Wenn and) Personen, die nicht gan^ schwindelfrei sind, den wunder­vollen Ausblick vom Turm sich schwerlich verschaffen werden, so lohnt es doch schon, seinen Blick in die Landschaft zu senden, wenn man die Spitze unseres Berges ersteigt. Be- fonders das Bild der Schwesterruine Gleiberg ist wunder­voll. Aber um auf die Höhe zu kommen, hat man einen höchst abschüssigen und gefahrvollen Weg hinanzusteigen. Der Gemeinde ist es verboten, an dem Wege zur Höhe etwas zu verbessern. Das Kreisamt Wetzlar als Aufsichtsbehörde für die Ruine würde sich den Dank zahl­reicher Touristen verdienen, wenn es dafür sorgen würde, daß der Weg verbessert und an einzelnen Stellen mit Schutzgitter versehen würde.

Hessen-Nassau.

Marburg, 9. Okt. Nach den eiwgültigen Feststellungen hatte der Kreis Marburg bei der letzten Volkszählung 5 6 9 5 4 Einwohner (gegen 53779 im Jahre 190o). Davon waren 27 812 (26 205) männlichen und 29 122 (27 574) weib­lichen Geschlechts. Ter Religion nach waren vorhanden 50 902 (49 043) Evangelische, 3618 (3339) Katholiken, und 824 (839) Israeliten. 1590 (558) Eiwvohner gehörten anderen Religions­gemeinschaften an. Tie Zahl der Haushaltungen hat sich von 10 414 auf 10 999 vermehrt. Wie in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten mitgcteilt wurde, betrugen die Ein­nahmen dcs städtischen Gaswcrts im Jahre 1910 rund 340 893 Mark, die Ausgaben rund 245 524 Mark. Gesamtüberschuß 95 278 Mark. Beim Wasserwerk stellt sid) der Hebcrsdiuß aus 58 439 Mark. Ein am Schlüsse der Sitzung eingebrachter Antrag- die Teuerungsfragc, wie es in anderen Städten geschehe, zu erörtern, wurde mit allen gegen 2 Stimmen nicht für dringlich erklärt.

X. Schlüchtern, 9. Okt. Der Landwirt Georg Moller aus Hintersteinau hatte aus der Strafanstalt Lichtenburg, in der er eine 4Vs jährige Zuchthausstrafe wegen Verleitung zum Meineid verbüßt, an den Amtsgerichtsrat Hengsberger in Schlüchtern ein Schreiben gerichtet, in dem er eine größere Geldsumme forderte, da er sich bei dem Zwangsvcrkaufc seines Grundbesitzes durch den Richter benachteiligt fühlte. Dem Schreiben fügte er die 'Drohung bei, daß er bei der Nichtgewährung seiner Forderung den preußi­schen Staat ersatzpflichtig mad)en wurde. Die Strafkammer Hanau verurteilte den Briefschreiber zu 1 Monat Gefängnis.

= Frankfurt a. M., 9. Okt. Der vorbereitende Aus- fchuß des Verbandes Mitteldeutscher Indu­strieller trat am 5. Oktober zusammen und nahm von dem günstigen Ergebnis der Werbearbeit für den neuen Verband Kenntnis. Es wurde daraufhin die G r ü n d u n g des V e r - b an des beschloisen, ein Satzungsentwurf durchberaten und in Aussicht genommen, die Grundungsversarnrnlung Ende Oktober einzuberufen.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Overhessen.

L. Gießen, 7. Ott.

Anwesend: Provinzialdirektor Dr. Ufinger, als Vorsitzender, 8 ordentliche und 1 Ersatzmitglied,

Ansang 9, Ende 1 Hhr.

1. DieKlagedesOrtsarmenverbandesNieder- ei senhaus engegenden Ortsarmen verbandAlten- b u r g wegen Hnterstützung des P. K. wurde vor Beginn oer Verhandlung zurückgenommen.

2. Enteignung des Grundstücks Fluri Nr. 68 der Gemarkung Friedberg (Hosreite der Johs. Gröninger II. Eheleute). Zur Schaffung eines freien Platzes benötigt dic Stadt Friedberg u. a. auey das Anwesen der Hbcieutc Gröninger, das Ecke Kaifer- und Luüwigstraße belegen ist. Tie Stadt bot 32 000 Mark, gefordert wurden icöoch 50 000 Mk. Cs wurde deshalb das Enteignungsverfahren eing:lcitct. Tie Lokattommijsion schätzte den Wert der Hofreile auf 31 200 Mark. Tie Eheleute Gröninger hatten die Hofrcite vor 14 Jahren für 35 000 Mark erworben und dann noch einen Laden anbaucn lassen. Da aber das Anwesen baulich vernachlästigt und auch ohne Zweifel scinerzeck über den Wert bezahlt worden war, setzte < Der Provin^ial-Ausschuß die von der Stadt Friedberg zu zahlende