Ausgabe 
10.10.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

DieNordd. Allg. Ztg." teilt mit: In der Tagespreise ist die Nachricht verbreitet worden, der Entwurf betreffend die organische Neuordnung der direkten Staats­steuern in Preußen werde in der nächsten Session dem Landtage nicht zugehen. Diese Nachricht ist unzu­treffend. Es wird vielmehr eine entsprechende Gesetzes­vorlage, wie im Gesetz betreffend die Bereitstellung von Mit­teln zu den Diensteinkommensverbesserungen vom 26. Mai 1909 vorgesehen, in der kommenden Session im Landtage eingebracht.

TerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Staatssekretärs Zorn von Bulach und der Unterstaats- sekrctäre Petri und Köhler zu Bevollmächtigten des Bundesrats.

Zur ZrankfurterUniversitätsfrage erfahren wir aus parlamentarischen Kreisen, daß die Verhandlungen bisher zu keinem Ergebnisse geführt haben und es sehr zweifelhaft ist, ob sie bis zum Zusammentritt des preußischen Landtages abgeschlossen sein werden. Das Projekt der kom­munalen Stistungsuniversität scheint begraben zu sein; es soll jetzt eine staatliche Universität aus kommunalen Mit- tekn vorgeschlagen werden.

Der Vorstand des Internationalen Spin­nereioerbandes ist in Berlin zu einer Tagung zu- sammengekommen. Es nahmen Vertreter Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz, Frankreichs, Rußlands, Italiens, Spaniens, Portugals, Hollands und Japans daran teil.

Zeugnis für du Men grfoffl 6t HtenauHlag durch

meycrs Herba «Ceti

?. Halthaar, Appenrod c r schreibt:

ne bezeuge ich beute, to - ingerer Zeit Ihre Heric bei meiner fstau, Flechtenauöschiag t>r nbte, unb war mit te -fielt ßriolflc.

ann baljeriebemSeibenbe brand) dieser oonüalidf tut auf das mw nviehlen.

M tov.

-,E.Kcirn,Lennakr^

i=, A. SMitr, me, Gmiav Walter,, t Noll, Kaiier-DroMi all. Avoch., Trog. u.A-7

t Düsseldorfer OTTERIE largeldÄt im Gesamhrerte v. Mark I IODOD M6

Haupt-Dtbi - Dinkel®311*2

Pserne SW iuch-rschr«"' ,rtosselra>»pl mchepunlpett

mnleiden

KLZAK

'-"kLZZk

Ausatattungshaus

Wtawef Rocbtr. Lackier-und Holz- waren, Küchen- einrichtungen. Pflanzenständer, Garten u. Peddig­rohr-Möbel.

Nr. 258

Ter GUfoetur Snjelget erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich 6icfjtner$amilicnblätter; zwennal tDÖcbeniLKreis« dlattsürdenNreirSirhen (Dienstag und Freitag) ; zweimal monall. £anö= wirtschaftliche Seitlragen Feruiprech - Anschlnlie: für die Redaktion 112, Berlag u. Expedition 51 Adresse lur Depeschen: fUiirigcr «letzen.

3nnahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

161. Jahrgang

Dienstag, 10. Moder 19(1

General-Anzeiger für Overtzeffen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße Iba.

VezugSpreis: monatlich 75Vf^ viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Alk. 2. viertel- jährt auSschl. Bestell«. Zeilenpreis: lokal lüPs^ auSwarlS 20 Pfennig. E hesredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feurlle- tou', .DcrmifchteS' und ^Gerichtsfaal-: K. Neu­rath; für »Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die deutsche Regierung hatte bisher über die in Rom veröffentlichte seltsame Notiz des Wölfischen Bureaus sich nicht geäußert. Heute meldet dasBerliner Tageblatt" aus Rom:

In der Wilhelmstraße wurde dem Berliner Korrespondenten derG a z e l t a del Popolo" erfiärt, die kaiserliche R e - gierung wünsche, das italienische Volk wissen zu lassen, daß die Sprache dec deutschen Presse in diesen Tagen keineswegs die Gedanken und Gesühle der deutschen Re­gierung wiedergcbe. Die bekannte in Italien verössentlichte Note des W o l s s s ch e n Bureaus sei der Au s d r u ck des Standpunktes der deutschen Regierung, und cs fei logisch, daß dem so sei.

Darüber wird dieNorddeutsche Allgern. Ztg." dein- nächst sich doch äußern müssen. Cb für die Regierung irgendein Grund vorliegt, sich wieder in solchen Gegensatz Ml der Volksstimmung zu setzen? Wir meinen, das deutsche Interesse erfordert keine Unterstützung der Italiener. Veröffentlichungen, wie die au das römische Volk gerichteten, erscheinen uns höchst deplaziert. Im Auswärtigen Amt sollte man das Wort lieber einmal an das deutsche Volk richten. Dieses kann es nämlich auch nicht verstehen, daß Deutschland der Türkei raten sollte, den tripolitanischen Schuh ganz wegzuwerfen, damit er sic nicht mehr drücke. Dazu kommt noch, daß die italienische Regierung folgende Veröffentlichung veranlaßt:

Rom, 9. Ctt. (Agenzia Stcfani.) Tie türkische Re­gierung schob aut Bitten des deutschen Botschafters in Konstantinopel die M a s s^ n a u s w c i i u n g e n der Ita­liener auf. Sie werde wahrscheinlich nicht mehr statt- finden.

Dunkel sind die Wege unserer Politik. Zwar versichert auch Frhr. o. ®b. Goltz, der bekannte Kenner der Türkei, Tripolis sei den Türken nichts wert, koste ihnen nur Geld; aber es ist doch llar, daß Ratschläge, wie die erwähnten, uns nicht die Liebe, sondern nur den .Haß der Türken ein­tragen können. Zählt man auf italienische Dankbarkeit, nachdem man den tripolitanischen Handschuh höflichst auf­gehoben hat? Wir fürchten, das doppelt geöffnete Tor speit zwei Leoparden auf einmal hervor, einen türkischen und einen italienischen. Und England winkt mit dem Finger. . .

Die Kämpfe bei der Besetzung von Tripolis.

Rom, 9. Ckt. Ter Korrespondent derVita" hatte in Syrakus Unterredungen mit Personen, die von Tri­polis tarnen. Diese teilten die B e s ch i e ß u n g d e r Forts oon Tripolis durch die italieuischeu Kriegsschiffe mit. Sie begann in einer Entfernung von z w ö l s K i l o m c t e r n. Tie türkischen Ar t i l l e r t st e n erwiesen sich als u n - fähig, ihre Schüsse gingen nur vier Kilometer weit, wäh­rend die Schußweite ihrer modernen Kruppgeschütze neun rlilometcr betrug. Als die italienischen Matrosenabteilun- gen landeten, ging die türkische Kavallerie zu einem Angriff auf fie über, die Schiffsartillerie zerstreute aber die Kavallerie. Der Befehlshaber der gelandeten Truppen, Kapitän zur See Cagni, ließ eine Veröffentlichung an- schlagen, in der die Entwaffnung zwecks Sicherheit der «tadt befohlen wird. Für die Auslieferung der Waffen am ersten Tage werden zehn Franken, am zweiten Tage fünf Franken versprochen; wer vom dritten Tage an noch int Besitze von Waffen fei, werde hingerichtet.

DieTribuna" meldet aus Malta: Ter italienische DampferHerkules", der am Sonntag nachmittag von Tri­polis ankam, bringt die Nachricht, daß die Beschießung der Stadt fortgesetzt wird. Die gelandeten Matrosen be­zeichnen nachts den italtenischeu Kriegsschisfen durch Ra- letensignale die Stellen, die sie beschießen sollen. Tie Stadt ist von türkischen Soldaten verlassen, aber türkische Ka­va l l e r i e h ä l l s i ch i n d e r U m g e g e n d a u s und unter» ichtet das türkische Gros, welches sich ins Innere zurück­gezogen hüt, über die Beschießung und die Bewegungen der Italiener. Alle Forts sind jetzt zerstört.

TieTribuna" berichtet noch u. a.: Während der Nacht vom 5. zum 6. Ckt. beleuchteten die Schiffe mit Schein­werfern die Stadt und beschossen rnitGranatenden Wüstenrand, um die Stadt zu schützen. Gruppen von Räubern bedrohten die Stadt, näherten sich aber nicht den vorgeschobenen Posten. 2o Türken, die 21 Maschinen­gewehre bewachten, wurden gefangen unb die Maschinen­gewehre von den Italienern toeggenornmen.

Tie Konstantinopeler Blätter melden: Tie türkische Garnison von Tripolis unter Cberst N e s ch e t zog sich nach Vehare und Kirkkarisch zurück, wo sie Verteidtgungs- slellung einnahm. Eine italienische Kompagnie versuchte bis Vehare vorzurücken, mußte sich aber infolge des Wider­standes der türkischen Truppen zurückziehen. Tie ein­heimische Bevölkerung nahm am Kampfe teil.

*

Der neue türkische Minister des Auswärtigen.

Konstantinopel, 9. Ckt. Ter türkische Gesandte in Sofia Mustapha Assim - Bey hat das Portefeuille Des Aeußern angenommen. Der frühere Finanz- minifter Dschavid, der heule abend hier eingetroffen ist, Hat dem Großwesir die Beschlüsse des jungllirkischen Kon- Kresses in der Trrpolisfrage milgeteilt. Ter Kongreß emp- ßiehlt, hartnäckigen Widerstand zu leisten.

Konstantinopel, 10. Ckt. Das Kriegsmini­sterium verbietet in einem Rundschreiben an Die Presse Artikel gegen das Kabinett zu veröffentlichen. Tern Blalt Tordjiinan" zufolge wurden z w e i i t a l i e n i s ch e K r e u - zer vor Ben-Ghafi von der türkischen Artillerie st ch w e r beschädigt.

Tcr türkische Widerstand.

Saloniki, 9. Ckt. Wie der Wali von Skutari meldet, gelang es angesichts der kritischen Lage, die katho- llischen M a l i s s o r c n mit den mohammedanischen

Arnauten zu v e r s ü h n e u. Alle seien bereit, das Land gegen jeden Feind zu verteidigen; bjc Regierung möge den Arnauten unbedenklich Waffen aussolgen.

Tas jung türkische Komitee ist davon verstän­digt worden, daß Imam Jahia im Jemen infolge der Besetzung von Tripolis durch Italien um Gnade gebeten habe, da er gegen die Ungläubigen ziehen wolle.

Malta, 9. Ckt. Flüchtlinge aus Tripolis behaupten, daß sich im Innern des Landes rund 40000 kriegsbereite Muselmanen befinden.

Ter deutsche Schuh.

Wien, 9. Ckt. Bekanntlich übernahm die deutsche Regierung für die Zeil des italienisch-türkischen Kon­flikts den Schutz der italienischen Staatsangehörigen in der Türkei. Wo das Deutsche Reich in Albanien und Maze­donien keine Konsularamler beiitzl, Ccsterreich-Ungarn da­gegen durch solche vertreten ist, wie in Skulari, Janina, Turazzo, Baloua, Monastir, Uesküb, Prizrend, versieht im Sinne des deutsch österreichi;ch-ungarischen Handelsverlrags das österreichisch-ungarische K o n s u l a r a m t nebenbei auch die Geschäfte der deutschen Konsular Vertretung. Infolgedessen sah sich die italienische Regierung im gegenwärtigen Falle veranlaßt, an unser auswärtiges Ministerium mit dem Ersuchen heran zutreten, daß die österreichisch-ungarischen Konsularämter au den genannten Orten in ihrer Eigenschaft als deutsche Schutzvertrelungen autorisiert werden, für die Zeit des ilalienisch-türkiichen Kriegszustandes subsidiär aud) die italienischen Kvnsnlaragenden zu übernehmen. "Tie öster­reichisch-ungarischen Konsularämter in den bezeichneten Städten werden diese Agenden im Sinne der Bestimmungen des zwischen unserer Monarchie und dem Deutschen Reiche bestehenden Abkommens zu führen haben, laut welchem die deutschen Konsularämter überall dort, wo Oesterreich- llngarn keine Vertretung besitzt, die Interessen österreichi­scher und ungarischer Staatsbürger wahrzunehmen ver­pflichtet find.

Tie italienifche Zensur.

Rom, 10. Ckr. Die Regierung läßt bis auf weiteres keine Telegramme über Die Kriegsoperationen mehr zu.

Ein Schritt der Friedensfreunde.

London, 9. Ckt. Eine Versammlung von Anhängern der Schiedsgerichtsbewegung beschloß, Dele­gier t e n a ck) R o m u n d K o n ft a n t i n o v e 1 zu entsenden, 'die beide Regierungen a u f s o r d e r n-sollen, das Schieds­gericht anzurufen. Der Führer der Friedensbewegung Stead wurde zum delegierten für Konstantinopel gewählt. Er ist gestern abgercift. Ein Delegierter für Rom ist bisher nicht bestimmt worden.

Wir fürchten, die Bitte und Aufforderung, dock) bald Frieden zu machen, wird nicht gleick) den gewünschten durch­schlagenden Erfolg haben.

Ildarn" erfährt: Einige Großmächte schlugen der Pforte vor, die Besetzung Tripolitaniens anzuerkennen, wo­gegen die Mächte die Kretafrage zugunsten der Türkei regeln würden.

Malta, 9. Ckt. Es ist beschlossen worden, dem ita­lienischen TorpedobootszerstörerBore a",ber hier eingetroffen ist, keinen Proviant zu verabfolgen. Unter den Muselmanen, bic hier auf dem Transport nach Italien an Bord eines italienifchen Dampfers angekommen sind, befindet sich aud) der Sekretär des türkischen Gouver­neurs von Tripolis, alle Regierungsbeamten und die Mann­schaften eines türkischen Torpedobootszerstörers, der sich in der vergangenen Woche vor Tripolis ergeben hat. Ter Transport wird von dem TorpedobootszerstörerBorea" begleitet.

Tie Kretafrage.

TieNeue Freie Presse" meldet aus Känea: Tie kre­tisch e N a t i o n a l v e r s a m m l u n g wurde im Namen des Königs von Griechenland eröffnet. Tie Abgeordneten riefen: Es lebe Die Vereinigung mit Griechenland."

Von der Goltz über die Besetzung von Tripolis.

In einem Artikel, den heute dieNeue Freie Presse" veröffentlicht, verteidigt Generalfeldmarschall von der Goltz das ehemalige türkische Kabinett gegen die Be­schuldigung, Tripolis nicht in den genügenden Verteidi­gungszustand gesetzt zu haben.

Im letzten Augenblick getroffene Maßnahmen würden unnütz geweieu sein. Was hätte geschehen müssen, wenn ein Großwesir mit Sehergabe vorausgeseheii hätte, daß die Italiener eines Tages Tripolis besetzen würden? Auf alle Fälle hätte er nicht genügend tun lärmen. Man sagt, die Türkei hätte einige Tioisionen nach Tripolis schicken und auch die Forts in Verteidigungszustand bringen müssen. Es ist ein Glück, daß die Türkei dies nicht tun konnte. Hunderttausend Menschen würden ebensowenig imstande gewesen sein, die Italiener daran zu hindern, nach Tripolis zu kommen, als die erroa 7000 jetzt dort befindlichen Soldaten. In einem Gebiet, das zweimal so groß ist, als Teutschland, würde eine solck-e Armee ebenso gezwungen gewesen sein, vor den Ita­lienern zu kapitulieren, weil sie gar nicht in der Lage wäre, sich genügend mit Nahrungsmitteln zu versehen. Es wäre doch wunderbar zugegangen, roenn die Türkei nach Aufrichtung der Verfassung begonnen _ hätte, in Tripolis Befestigungen zu bauen, wahrend doch selbst die nationale Armee in der Türkei nicht genügend in Stand gesetzt werden konnte. Tripolis selb st ist kein materieller Verlust für die Türkei. Es verursacht ihr jährlich vielleicht sechs Millionen Kronen Un­kosten. Wenn die Staatsmänner h.ute Tripolis mit Zähigkeit verteidigen, so geschieht es nur, um der nationalen Ehre eine neue Beleidigung zu ersparen.

General von der Goltz scheint nicht an die Möglichkeit einervollständigen ckkupation von Tripolis" durch die Italiener zu glauben, denn er sagt:

Tie Italiener gewinnen nichts kroßes, wenn sie die Küsten- Itäbte von Tripolis besetzen. Benahasi, Massata und Terna haben keine andere Bedeutung, als daß sie die Mittelpunkte für den Export nach dem Innern des Landes, nack) Zentralafrika, dem Wadatgebiet unb. den Regionen des Tschadsee sind. Ätzer. Straßen

nach diesen Zentren müßten erst noch gebaut werden. Das darf man nid i vergessen. Es ist unmöglich, in diese Gegenden mit einer bedeutenden Armee einzudringen, weil sie nicht genügend Nahrungsmittel vorfindet. Was die anderen Maßnahmen be- trifit, durch die Italien die Türkei zwingen könnte, Tripolis ab­zutreten, z. B. die Blockade der türkischen Häsen oder ein Bom­bardement der Küstenstädle in der europäisäien Türkei, so sind die Folgen einer solchen Handlungsweise viel zu gefährlich. D<mn die europäischen Mächte wurden nut ihrem Eimpruche nicht zurück- holtcn. Aus diesem Grunde glaube ich nicht, daß die Jungtürkeu, wie einige deutsche Zeitungen es sagen, vollständig fonutrniert sind. Wenn der Krieg auch einigermaßen unwürdig für. Die Iungtürten begonnen hat, so ist es doch nicht unmöglich, daß sie nod) ihr Ansehen, ihre Ehre und ihre Stärke werden retten kömten."

2lus Hessen.

Die Vorbereitungen zu der bekanntlich am 3. November stattfindenden Landtags­wahl sind, so wird uns aus Darmstadt geschrieben, in der nationalliberalen Partei inzwischen soweit aediehen, daß bereits für fast alle Wahlkreise, in denen ein National- liberaler Aussid)t hat, mit Erfolg in den Wahlkampf ein­treten zu können, die Kandidaten feststehen. Als national­liberale Kandidaten wurden ausgestellt in den Städten, Gießen der Fabrikant Klingspor, Cffenbadj Handels- kaminersynditus Dr. Kratz, Worms Justizrat Tr. Ste­phan; in der Provinz Starkenburg für den Wahlkreis Beerfelden-Hirschhorn-Wimpsen Bürgermeister Kredel in Airlenbach; für Höchst Bürgermeister Meisinger in Kirch-Brombach; für Fürth-Reichelsheim Postverwalter Mergel! in Reichelsheim; für Bensheim-Zwingenberg Fabrikant 2(1x1 er in Bensheim; für Gernsheim-Pfungstadt Reallehrer Böhm in Gernsheim; für Langen-Neu-Jsen- burg Bürgermeister Pons in Neu-Isenburg. In Cber- hessen sind für den Wahlkreis Erk-Nidda Kommerzienrat Eloos in Nidda (Anmerkung der Red.: Tie Kandidatur Eloos ist nicht haltbar, da Herr Eloos die hessische Staats- angehöriakeit nicht besitzt) und für Vilbel der Lehrer Wilh. Rendel vorgesehen. In der Provinz Rheinhessen wird für den Wahlkreis Wöllstein der Lehrer Scholl in Uff­hofen kandidieren, für Nierstein E. Schätze! in Selber, für Alzey Bürgermeister Diehl in Gau-Cdernheim, für Ost­hofen B e ft in Osthofen. Als nationalliberaler Kandidat für Darmstadt ist, wie wir bereits meldeten, der RegierungS- rat Direktor Bastian borgefefyen, und in einer Sitzung des Vorstandes des nattonalltberalen Vereins in Darmstadt, die am 10. Oktober abends abgehalten wird, wird es sick) entscheiden, pb Herr Bastian enbgültig Die Kandidatur annimmt.

Der Landesverband Hessen des Hansa- Bundes erwartet, so schreibt er'uns, von den politischen Parteien des Landes, daß fie bei den bevorstehenden, in 33 Kreisen stattfindenden Wahlen zur Zweiten Kammer der Landstände in größerer Anzahl als bisher.Ange- hörigevonGewerbe,Hande!undJndustrieals Kandidaten aufstellen. Tiesett Wunsch hält der Hansa- bunb umsomehr für begründet, als Die Zweite Kammer des verflossenen Landtages unter ihren 50 Abgeordneten nur 13 Berufsvertreter aus den Kreisen der genannten Erwerbs­stände aufwies, obgleich im Laufe der letzten Jahrzehnte die Zahl der zu Gewerbe, Hande! und Industrie gehörigen Bevölkerung auf nahezu zwei Drittel der gesamten hessischen Bevölkerung gesttegen ist und auch der hessische Staat zum weitaus größeren Teil seine Steuerleistungen von dieser Bevölkerung empfängt. Alle Angehörigen von Gewerbe, Hande! und Industrie aber fordert der Hansabund auf, bis zur Wahl nod) durch Einflußnahme auf ihre poli­tische Partei im Sinne der vorstehenden Forderung zu wirken und bei der Wahl selbst durch eine ebenfalls darauf gerichtete Stimmenabgabe daraus hinzuwirken, daß der fünf» rige Landtag den Interessen von Gewerbe, Handel und In­dustrie eine der wirtschaftlichen Bedeutung und den Steuer­leistungen derselben entsprechende, d. h. w e n i g st e n s d i e gleich ePflege zuteil werden läßt, wie sie heute schon die landwirtschaftlichen Interessen in Hessen erfahren.

Homberg, 8. Okt. Landtagsabg. Brauer hielt hier seine erste Wahlversammlung ab, die sehr gut besucht war. Er sprach über seine seitherige Tätigkeit im Landtage. Eine Aussprache fand nicht statt.