Geschwader einer Flotte vereinigt wird, um so eine Ausbildung unter einem einzigen Kommando zu bewirken. Vizeadmiral Boue de Lapeyrere wurde zum Oberbefehlshaber der Flotte ernannt.
Die Kretische Nationalversammlung ist sich, wie amtlich aus Athen gemeldet wird, nach mehreren geheimen Sitzungen einstimmig über die Gefahren schlüssig geworden, die die Beibehaltung der gegemvärtigen provisorischen Regierung auf der Insel mit sich bringen würden und erachtet die Umstände für geeignet zur Ausführung des Votums der Vereinigung mit Griechenland vom 24. September 1908 und behält sich für später vvr. Über die Mittel, die die Ausführung des Votums sicherstellen, zu entscheiden. — Das wird wohl wieder eine Note der Pforte zur Folge haben.
Arbeiterbewegung.
Die Bewegung der Tabakarbeiter in Westfalen.
Hamburg, 1. Nov. Zwölf Tabakfirmen in Hamburg, Altona und Ottensen, welche dem westfälischen Fabrikantenverein nicht angehören, haben beschlossen, sich mit den ^streikten 16 Firmen solidarisch zu erklären und ihre Arbeiter mit dem Ablauf dieser Woche auszusperren. Damit ruht die Arbeit in der gesamten Tabakindustrie der niederelbischcn Stadtgebiete. Ein gleicher Beschluß ist von den Bremer Fabrikanten gefaßt worden, lieber die weitere Stellungnahme werden die Arbeitgeber in den nächsten Tagen beschließen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, 1. November 19J1.
Zu Allerseelen
(2. November.)
Auf einen guten Menschen.
Wenn ein guter Mensch gestorben, Wie wird unser Herz so schwer, Jedem steht sein Bild vor Augen, Doch zu keinem spricht er mehr . . .
Ruhig schlummern seine Züge, Noch umschwebt von manchem Plan, Und wir fühlen tiefergriffen All was er für uns getan!
Seine kleinen Erdenschwächen Machen keinen Sinn mehr trüb, Jeder denkt, kam er nur wieder, Alle hatten wir ihn lieb! . . .
Ach, es ist ein Trost voll Wehmut, Was ein guter Mensch uns war, Das macht uns sein Bild verklärend Erst sein stiller Abschied klar!
Aus „Göttliche Lieder" von Max Bewer (Goethe-Verlag Leipzig.)
*
•* Tageskatenoer für Mittwoch, 1. Nov. Stadttheater: „Der Pfarrer von K i r ch f e l b". Anfang 7 Uhr.
Kolosseum: Programmwechsel. *
** Zur Lan dtagswahl. Aus' Anlaß der am 3. November stattfindenden Landtagswahl gelten die Arbeiterrückfahrkarten nach und von hessischen Stationen auch am 2. und 4. November. Ebenso können die am 2. November gelösten Arbeiterrückfahrkarten zur Rückfahrt airsnahmsweise noch am 6. November (Montag) benutzt werden. Einer Gültigschreibung durch den Stationsbeamten bedarf es nicht.
"Ordensverleihungen. Der König von Preußen hat dem Oberbürgermeister Dr. Emil Göttelinann zu Mainz den Roten Adlerorden 3. Klasse, dem Hessischen Gewerbeinspektor Gewerberat Theodor Baentsch zu Mainz, dem Baurat Adolf Gelius, Vorstand des städtischen Hochbauamts in Mainz und dem Hessischen Hofrat und Bibliothekar der Mainzer Stadtbibliothek Alfred Börckel den Roten Adlerorden 4. Klasse, dem Postdirektor a. D. Julius W asm er zu Mainz, bisher in Karlsruhe i. B., den Königlichen Kronenorden 3. Klaffe, dem Postsekretär a. D. Paul Kunzen dorf zu Darmstadt und dem städtischen Gartendrrektor Wilh. Schröder zu Mainz den Königlichen Kronenorden 4. Klasse, sowie dem Polizeiwachtmeister Albert Hoppe zu Mainz das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
** Lehrerpersonalien Uebertrageu wurde dem Schulamtsaspiranteu Ludw. H Uber aus Großen-Buseck die zweite Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Uuter- Mvftau; ferner den Schulamtsaspiranteu Rich. Müller aus Hangen-Weisheim und Wilh. Schneider aus Bellersheim Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Walldorf.
•• Für die studentischen Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeainte wurde folgender Arbeitsplan festgesetzt: Montag: Französisch (Unterstufe Saal 13), Rechnen (Oberstufe Saal 2); Dienstag: Rechnen (Unterst. S. 13); Mittwoch: Deutsch (Oberst. S. 13), Buchführung (Einfache S. 2); Donnerstag: Französisch (Oberst. S. 13), Steno- graphie S. 2); Freitag: Deutsch (Unterst. S. 2), Englisch (Saal 13). Ter Unterricht findet im Unioersitätsgebäude, Ludwigsiraße 23, statt. ■ Während des Unterrichts werden noch Anmeldungen entgegengenommen.
** Stadttheater. Am Freitag geht der erfolgreiche Schwank „Meyers" von Friedmann-Frederich im Abonnement zum erstenmal in Szene. Das lustige Werk darf als „Schlager der Saison" auf heiterem Gebiete bezeichnet werden und erlebt nicht nur in den Großstädten ungezählte Wiederholungen, sondern hat sich auch den Boden der Hoftheater erobert wie in Kassel und Darmstadt. — Zinn Gastspiel Rosa Poppe in Hebbels „Judith" am Mittwoch, 8. ddovember wird uns geschrieben: Rosa Poppe, Königl. Preuß. Hofschauspielerin, welche dem hiesigen Publikum ja keine ^Fremde mehr ist, dürfte wohl d:e bedeutendste und eigenartigste von den wenigen großzügigen Darstellerinnen der Gegenwart sein. Sie tritt dem Zuschauer mit der bestrickenden Gewalt einer „Persönlichkeit" gegenüber und ihre temperamentvolle und vergeistigende Art wirkt mit den glänzenden äußeren Formen ihrer Erscheinung zusammen und läßt sie uns jene harmonischen Kunstleistungen geben, die ihr den großen Ruf sichern. Aber nicht als „Star" werden wir Frau Poppe kennen lernen, sondern umgeben von Partnern, welche neben der Künstlerin in
gleichen Aufgaben in Berlin wirken. Diese Gesamtgasrspi.'le bieten das, was Einzelgastrollen auch der bedeuteiwsten Künstler nicht gewähren können, nämlich eine einheitliche Aufführung, in der sich alle Leistungen zu einem abgerundeten Ganzen vereinigen.
*• OrtSgemerdeverein. Die erste diesjährige Monatsversammlung findet heute (Mittivoch) abend iin Ge- werbehauS statt. Der Vortrag über die Dünen der Kurischen Nehrung mußte für eine der nächsten Sitzungen verschoben werden, da die Tagesordnung ohnedies genug Stoff bietet. (S. Anzeige.)
** Kartoffelbezug durch die Stadt. Als Schlußtermin für die Anmeldungen zum Kartoffelbezug durch Ver- mittelung der Stadt ist Samstag, 4. Nov., festgesetzt. Mengen über zwei Zentner werden zu den bekannten Preisen ins Haus geliefert, während Mengen von einem bis zwei Zentnern zu denselben Preisen bei den Händlern abgeholt iverden müssen.
’• Fahrplanänderung. Von heute ab fährt der Personenzug 534a nach folgendem Fahrplan: Grünberg ab 5£4 vorm., Göbelnrod — 540, Saasen 545 — 546, Reiskirchen 552 — 554, Groizen-Buseck 600 — 60-, Rödgen 608 — 609, Gießen an 6 9. Ter Zug fährt nur Werktags bis zum 29. Februar 1912 und ausnahmsweise am 22. November d. I., Montags und an auf Feiertage folgendem Tage fährt der Zug von 'Dh'icfe, ab 5^ vorm.
** Auszeichnung. Auf der Weltausstellung in Turin wurde dem Forstwart Stendal auf Burg Otzberg i. O., früher in Weikartshain, für seine Baumrodemaschine (deutsches Reichspatent) die goldene Medaille verketzern
** Auto und Elektrische. In der Marktstraße stieß gestern vormittag ein Llutomobil mit feinem Wagen der Straßenbahn zusammen. Als das Auto oorbeifahren wollte, blieb es an bem ^Straßenbahnwagen hängen und riß dabei das Schutzblech ab. Auch am Straßenbahnwagen wurde ein Handgriff abgerissen
** Vom Turnspi et. Um die Spiele in Turnerkreisen mehr zur Geltung bezw. zur Einführung zu bringen, hatte der Gau Hessen in seinem Turnplan für 1911/12 Spielübungen am 29. O ktober festgesetzt. Es versammelten sich am Sonntag dementsprechend hier 54 Vertreter von Turnvereinen, die teilweise schon recht achtbare Leistungen zeigten. Neben einigen Neckspielen wurden besonders das Schlagball-, Faustball-, Tamburinballspiel unb Schleuderballwerfen geübt. In der darauf folgenden Besprechung war man sich darüber einig, daß ein besonderer Spielleiter gewählt werden müsse, wenn die Spiele allgemein zur Einführung gelangen sollten, denn die Gauturn- warte seien mit rein turnerischen Arbeiten bereits überlastet. Statutengemäß konnte die Wahl gestern nicht vorgenommen werden. Deshalb wurde der Turnlehrer Fischer aus Marburg zum vorläufigen „Gauspielwart" ernannt. Es sollen in Zukunft gelegentlich der Bezirksturnfeste zwischen den einzelnen Vereinen Wettspiele ausgefochten werden. Beim Gauturnfest aber treten sich bann die besten Spieler bezirksweise gegenüber.
** Preußische Klassen-L0 tterie. Die Lose der 5. Klasse der 225. Lotterie müssen unter Vorlegung der Lose 4. Klasse bis zum 4. November abends 6 Uhr eingelöst sein. Auch müssen die Freilose der 5. Klasse gegen Rückgabe der Gewinnlose 4. Klasse bis zu diesem Termin in Empfang genommen werden.
Landkreis Gießen.
=- Lollar, 31. Okt. Donnerstag, 2. November, abends 8 Uhr, finbet öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Tagesordnung: 1. Herabsetzung der Beiträge zur Gemeindekrankenversicherung von 21/? Prozent auf 2 Prozent. 2. Elektrische Lichtanlage der Gemeiirde Lollar.
u. Hungen, 31. Okt. Das 29. Bundesfest des Lahntalsängerbundes wird nächstes Jahr anfangs Juli hier durch den Gesangverein „Eintracht" abgehalten. — Bei Kanälisaiiousarbeiten wurden wiederum Mauerreste der ehemaliger: starken B e f e st i g u n g der Stadt bloßgelegt. Uebrigens sind die Zeichen der Festung Hungen an anderen Stellen noch gut erhalten und können mit zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gezählt werden. — Man glaubte die Maul- und Klauenseuche auf den einen Herd beschränken zu können, aber es gebt auch hier wie cm änderen Orten, die Seuche bricht plötzlich an einem ganz andern Platz der Gemeinde aus; sie hat auch hier bereits Opfer gefordert. Alle Maßregeln helfen demnach nicht. — In W 0 h n b a ch haben sich sämtliche Viehbesitzer solidarisch erklärt, indem sie die durch die Seuche hervorgerufenen Verluste gemeinsam tragen.
Kreis Lauterbach.
~ Lauterbach, 31. Okt. Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. beabsichtigt zwischen Station Lauterbach-Nord und Station Wallenrod der Bahnstrecke Gießen-Fulda eine B l 0 ck st a t i 0 n zu errichten. Diese wird voraussichtlich bei dem dicht an der Bahnstrecke liegenden Orte Heb los (ohne Bahnstation) zu stehen kommen und soll im Bedürfnisfalle eine schnellere Zugfolge zwischen den verhältnismäßig weit auseinanderliegenden Stationen Lauterbach und Wallenrod herbeiführen.
~ Schlitz, 31. Okt. Für den Hochwassermelde- und Voraussagedienst der Weser soll auf Veranlassung des Re- gierungsvräsidenten der Provinz Hannover in der Fulda unterhalb der Einmündung der Schlitz ein Wasserst a n d s p e ge l angebracht werden, von dem bei eintretendem Hochwasser, oder falls dies zu erwarten steht, eine regelmäßige Mitteilung über den Wasserstand oer Fulda durch eine geeignete Person an die Regierung in Hannover zu gelangen hätte. Die Pegel wird voraussichtlich an der Brücke bei Unterschwarz angebracht.
Kreis Schotten.
n. Schotten, 30. Okt. Die seitherige Pächterin des hessischen Lehrer heims, Fräulein B. Maul, die zwölf Jahre lang die Verwaltung des Heims in Händen hatte, hat nunmehr die Pacht gekündigt, so daß das Lehrerheim anderweitig verpachtet werden muß. — Der Fabrikant Gg. Thron: in Gießen, dessen Anteilschein auf der Herbstversammlung zur Rückzahlung ausgetost worden war, hat den Betrag dem Lehrerheim als Geschenk überwiesen.
Kreis Friedberg.
L. A s s e n h e i rn, 31. Okt. Dieser Tage wurde Unser neues Schulhaus eingeweiht. 2 Klassensäle u. 2 Lehrerwohnungen befinden sich in ihm. Tie ganze Gemeinde mrseres Stäbtchens nahm an der Feier teil, darunter auch der Graf und die Gräfin zu Solms-Rödelheim. Ein Festzug, Uebergabe des Schlüssels, Gesang der Schulkinder, Weihrede des Pfarrers Hechlers unb Besichtigung des Gebäudes, waren die Hauptpunkte der Feier.
Starkenburg und Rhein Hessen.
m. Offenbach, 31. Okt. Der Offenbacher Lehrerverein sowie der katholische Lehrerverein sind
um E r h ö h u n g der-Le hrerge hätte r eilig, kommen. Nach der Eingabe des ersteren Vereins würden b:e dadurch entstehenden Mehrausgaben 151000 Mk. betragen, während nach der Eingabe der katholischen Lehrer die Mehrkosten nur 122 600 Mk. aus mach en würden.
Kreis Wetzlar.
w. Wetzlar, 31. Okt. Das alte Amtsgerichtsgebäude, das die Stadt für 60000 Mk. erworben hat, wird nach Plänen des Stadtbaumeisters Krieger für die Zwecke eines Rathauses umgebaut. Auch die Stadtkasse wird in diesem Gebäude untergebracht, wie auch das Standesamt, Meldeamt und Bauamt. — Akte Straße u- wärter, welche länger als 6 Jahre im Dienste der Kreisstraßenverwaltung beschäftigt sind, erhalten jetzt den vom Kreistag festgesetzten Durchschnittslohn von 3 Mt. Der Tageslohu betrug bisher 2.40 Mk.
Hessen-Nassau.
)( Marburg, 31. Okt. Raiffeisen-Unter ver>4 bandstag. Im Restaurant Seebvde hielten heute nachmittag die Raiffeisen-Vereine des Kreises Marburg ihrer: Unterverbandstag ab. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden, Pfarrer Dörr-Michelbach, ist zu erwähnen, daß dem Unterverband 24 Vereine mit rund 2200 Mitgliedern angehören. Das Verbandsvermögen ist auf 63 000 Mk. und der Umsatz auf 4 337 000 Mk. gestiegen, die Gesamtspareinlagen betragen 2 400000 Mk. Gemeinschaftlich bezogen wurde für 200 000 Mk. Auch der Jahresbericht des Verbandsanwalts, Oekonomierat R e x e r 0 d t aus Kassel, entrollte ein gutes Bild fortschreitender Entwickelung der Raiffeisen-Bewegung in Kurhessen. Es folgte ein Vortrag des Pfarrers K 0 r f f - Schönstadt über das Thema: „Was sind wir unseren R^feisen-Vereinen schuldig" und hieran schlossen sich Mitteilungen des Landgerichtsrats Klingenbiel-Marburg und des Landrats v. Löwenstein zu Löwenstein-Marburg über die Frage des An^ schlusses des Kreises Marburg an eine elektrische Ueberland-Zentrale. In Betracht kämen die projektierten Ueberland-Zentralm: in Gießen, die der Ederi talsperre und des h:esigen Elektrizitätswerkes. Die Angelegenheit soll werter verfolgt werden. Nachdem noch Pfarrer Dörr als Unterverbandsdirektor wiedergewählt und zur fleißigen Beschickung des demnächst in Kassel stattfindenden Rechnerkursus aufgefordert war, wurde der Unter» Verbandstag geschlossen.
Gießener Strafkammer.
Gießen, 31. Oft.
Der Schwager.
Ter Taglöhner L. R. II. von Daubringen lebt mit seinem! Vater, einem früheren Bahnbeamten, zusammen in einer W0H1- nung. In demselben Hause wohnt auch sein Schwager. Er soll diesem in seiner Abwesenheit 93 Mark aus einer Tischschublade entwendet haben. Das Geld hat er verjubelt. 'Der Angeklagte hat schon eine Anzahl, teilweise recht erheblicher Strafen, erlitten unb ist als Dieb rückfällig. Seit bem .!Diebstahl hat er die elterliche Wohnung nicht mehr aufgesucht und treibt sich arbeitslos umher. Auch in der heutigen Hauptverhandlung ist er nicht erschienen, trotzdem er ordnungsmäßig geladen ist. Das Gericht erläßt Haftbefehl.
Der gute Fr eUnd'.
Der Flugtechniker A. Sch. von Ober-Rosbach hatte mit einem Landwirt aus Rödgen in Friedberg einen vergnügten Nachmittag verlebt. Sie hatten eine Bierreise zusammen gemacht unb Sch. hatte im wesentlichen die Zeche bezahlt. Einige Tage danach besuchte Sch. seinen Freund in dessen Heimatsdorf. Beide begaben sich in eine Wirtschaft unb tränten zusammen. Nachbem Sch. eine Zeche von 1,25 Mark gemacht hatte, verließ er ohne sich zu verabschieden bas Wirtslokal und warb nicht mehr gesehen. Ter Wirt erstattete Anzeige wegen Zechprellerei. Ter Angeklagte gibt an, er habe ursprünglich die Absicht gehabt, wieder in die Wirtschaft zurückzukehren, sei aber daran gehindert worden. Wegen der Zeche habe er sich keine Gedanken gemacht, vielmehr habe er angenommen, daß sein Freund den geringen Betrag bezahlen werbe, umsomehr als er selbst kurz zuvor in Friebberg dessen Zeche bezahlt habe. Tie letzte Angabe wirb von dem als Zeugen vernommenen Frcumb bestätigt. Tas Gericht erkennt, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, auf Freisprechun g.
Der Mieter.
Der in Herchenhain geborene Schneider S. N wohnte seit etwä zwei Jahren bei dem Landwirt Ch. D. in Laubach. Er ist angeklagt, mit zwei Töchtern des Vermieters und zwei ihrer Freundinnen ünzüchtiae Handlungen vorgenomnren zu haben, obwohl drei dieser Mädchen noch nicht 14 Jahre alt mären. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Angeklagte ist erst lam 6. Oktober l. I. wegen UrkundenfäTchung (Erstattung einer Anzeige unter Mißbrauch fremder Namen) zu d Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach Wiederherftellm:g der Oeffentlichkeit wird das Urteil dahin verkündet, daß der Angeklagte wegen Sittlichkeitsverbrechen in zwei Fällen und wegen tätlicher Beleidigung in einem Fall unter Einbeziehung der früheren Strafe zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt wird. In einem Fall erfolgt Freisprechung.
Die Geschwister.
Der 16jährige W. A. von Gebern war bei einem dortigen Lanbwirt als Knecht in Stellung. Obwohl er sich auf ein Jahr vermietet hatte, Tünbigte er vvr, Ablauf dieser Zeit und gab' 14 Tage nach ber Kündigung seine Dienststelle auf, um alS Eisengießer in bas Eisenwerk zu Hirzenhain einzutteten, in benti sein Schwager beschäftigt war. Als er seine Quittungskarte über bie von ihm verwenbeten Beiträge zur Invalidenversicherung bei ber Krankenkasse erheben wollte, wurde ihm bebautet, ei} müsse zuvor einen Abmeldeschein, dessen Formular ihm ans- gehändigt wurde, durch seinen seitherigen Dienstherrn ausfüllen lassen. Da er mit Recht fürchtete, sein seitheriger Dienstherr werde hierzu sich nicht bereit finden lassen, so wandte er sich an seine Schwester, die das Formular ausfüllte und den fernen des Dienstherrn darunter setzte. Daraufhin erhielt er die Quittungskarte. Beide Geschwister aber wurden wegen Urkundenfälschung unter Anklage gestellt. Das Gericht war indessen der Ansicht, daß die Fälschung nur zum Zwecke des besseren Fortkommens des jungen A. geschehen sei und verurteilte die beiden geschäftsungewandten, im übrigen aber unbestraften und gut» beleumundeten Personen lediglich wegen Uebertretung des § 363 St.G.B. zu je 3 Mark Geldstrafe.____________________
Gerichtsfaal.
----- Büdingen, 30. CfL Das schriftliche Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 18. September in Sachen des Professors Haacke hier ist nunmehr den Interessenten zugegangen. Es lautet wörtlich: „Der Großh. Oberlehrer Professor Haacke zu Bübingen, geboren am 14. Mai 1862 zu Lüneburg, evangelisch, verheiratet, wird sreigesvrochen. Die Kosten werben der Staatskasse auferlegt/' Die 35 Seiten lange Urteilsbegründung kann kurz dahin znsammengesaßt werden, daß, wenn auch dem Angeklagten einzelne (mehr oder weniger indessen auf seine persönliche und außerordentliche Gutmütigkeit und Menschenfreundlichkeit zurückzusührende) Takt- fehler untergelaufen sein mögen, der Gerichtshof dennoch bei der
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