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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
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dorcke In Nürnberg.
April 59iO.
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Potttische Lagesschau.
Die Vertretung des Deutschen Reiches im Ausland.
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Aus Hessen. ,
Der Finanzausschuß, der 2. Kammer toitb, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, Mitte April seine Sitzungen wieder aufnehmen und die noch rückständigen Vorlügen für die Plenarbcratung fertig stellen. Ter W a y l * rechtsausschuß derEr st en Kammer tritt am Freitag den 8. April, vormittags, zur Beratung über die von der Zweiten Kammer verabschiedete Wahlrechtsvorlage zusammen. Dieser Wahlrechtsausschuß besteht be- !anntlich aus den Mitgliedern des Gesetzgebungsausschusses und zwei weiteren Mitgliedern der Ersten Kammer, dem Fürsten zu Isenburg-Birst ein und dem Geheimrat Prof. Dr. Kittler.
der Seifeninifofr”' e Waichkraft bceM
Die Verdienste des Pastors v. Bodelschwingh.
Einer Würdigung der Verdienste des verschiedenen Pastors Bodelschwingh in den „Münch. N. N." entnehmen wir folgende Stellen:
Er ijt der Paulus der inneren Mission geworden. In und um Bielefeld findet man seine Schöpfungen: Bethel, Die Anstalt für Epileptische; jic versorgt jetzt 20UU Kranke. Tas Diakonijsenhaus Sarepta zahlt wohl an 1000 Schrestern, die sich über viele hundert Arbeitsplätze verteilen; sein Haus Nazareth ist eine Erziehungsftätte für männliche Krankcnpsleger, mit mel>
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Deutsches Reich.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Ter bisherige Gesandtei n Kopenhagen, Graf Henckel-Donners - m ar ck, ist zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden.
Aus Berlin wird gemeldet, die Entscheidung über Krieg oder Frieden im deutschen Baugewerbe werde erst am heutigen Dienstag falten. Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen wird angenommen, daß die Generalversammlungen der Arbeiterorganisationen, die sich am Montag mit dem neuen Vertragsmuster der Unternehmer beschäftigt haben, des Zentralverbandes der Zimmerer, des Baugewerbeverbandes und des christlichen Bauarbeiter-Verbandes, zu einem ablehnenden Votum kommen werden.
Prof. Tb. Fischer, der als Geograpb tüchrig im Auslande sich umgesehen hat und viele Beziehungen mit draußen
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reren hundert Tiakonen und weit über hundert ^tationeit in Deutschland und sogar außer Europa. _ . „
Seine Ar beiter rolonic Wilhelmsdorf ist i<in schönstes Weir. Diese Anstalt war die erste ihrer Art in Teutschland. Als m Deutschland Ende der 70 er Jahre die Wanderbetteler belwvhlrch um sich griff, rief Bodelschwingh, der das Elend dieser Armen nnd Verstoßenen kennen gelernt, unterstützt von Freunden der inneren Mission, Verpslegnngsstationen ins Leben und gründete 18R2 die eben genannte Anstalt, zu Lcnr Zwecke: Znvörd.wsc arbeitslnstige und arbeitslose Männer jeder Konfession, und reden Standes so lange in ländlicljen intb anderen Arbeiten zu bo- 'ckastigen, bis es möglich geworben, ihnen anderweit lohnende Arbeit zu beschaffen und ihnen so die Hand zu bieten, vom Vagabundentum losmiommcn. Tann aber sollte arbeitsscheuen Vagabunden auch die Entschuldigung genommen werden, daß sie keine Arbeit hätten. Zahlreiche Anstalten gemischter Konfession und bonses schnelle sind in Teutschland daraus gefolgt; ein Zentralverband umschließt alle; und von 1882 bis 1900 waren rund 120 000 „Kolonisten" durch diese Anstalten hindurch gegangen, die jetzt über 4000 Hektar Grund besitzen. Er begründete werter ein Mstsionsseminar und eine SchristenNiederlage in Gadderbaum für die Verttecnng seiner Ideen.
Lin Ausstand der französtschm Marinearbeiter.
O Paris, 4. April.
Eine neue Betvegung unter den Handelsmatrosen in Marseille könnte leicht gefährliche Verhältnisse annehmen. Sie hat ihren Grund in den notwendigen Ahndungen der Auflehnungen der Mannschaften auf der „Moulouva", die vor der Abfahrt, dmes Fahrzeugs den Gehorsam verweigerten und ans Land stiegen, llnterstaatssekretäc E h 6 r o n hatte selbst zur Aufrechterhaltung der Disziplin die Verhaftung der zwölf aufsasslgett verzer an- qeordnct, und daraufhin war ein 2 4 stündig er Aus st and VDn dem Syndikate der Handelsmatrosen beschloßen worden. Zu besonders aufgeregten Aufttittcn kam es allerdings am Sonntag nicht, da der Regen in Strömen fiel und somit Zusammen- Teilungen unmöglich machte. Aber di- ,s°hrzeug°, die zur Ab- fahrt bereit standen, besoiiders die Paletboote „Ville de Napl.es Md „Ville de Tunis" mußten wegen Fehlens der Mannschaften vor Anker bleiben. Auch gegen diese ist nun eine Klage auf Desertion angestrengt worden, deren Durchführung die Erregung sicherlich steigern muß. Trotzdem Herr Cheron zur Sdilidjtung des Konflikts nach Marseille abgereift ist, fielst man diesem neuen Ausflammen der syndikaliftifchen Leidenschaften, die sowieso schon zahlreich Unheil drohen, mit gerechtfertigten -oe-
E83ubem*irbCaud} aus Algier gemeldet, daß ein Teil der Mannsck)aften des Paketbootes „Felix-Touache' ihren Posten verließ, da der Kapitän! sich weigerte, ihrer Forderung nachzulommen, die darin bestand, daß vor der Rückfahrt ledern 100 Franks ausgezahlt würden. Als aber die Polizei benachrichtigt wurde, um die Aufrührer gewaltsam an Bord zuruck- zuführen oder sie einzusperren, kamen diese von felbst, um murrend ihren Dienst zu verrichten. Auch dieser Revolteversuch wird iinten natürlich nicht straflos durchgelafsen werden. Denn selbst itt sehr nachgiebigen sozialistisch-radikalen Kreisen ist man über die ununterbrochene Wiederholung der Balle der Auslehnung £h.gen die Disziplin am Bord der Fahrzeuge sehr besorgt, besonders da eben erst an der afrikanischen Küste dadurch beinahe auf emem Pissagier-Tampfer eine unabsehbare Katastrophe ausgebrochen uml-c. Man hält es umso mehr für dringend geboten, hier mit aller Energie einzugreisen, da sonst der au und für sich schon nickst hervorragende Ruf der französischen Handelsmarine und Prisagiec-Tampfer ganz in die Brückst gehen mußte.
Paris, 4. April. Wie aus Marseille gemeldet wird, haben die eing e schrie bc nen Seeleute- m emer heute nachmittag abgehaltenen Versammlung die o r t, e tz u n g d eouj* ft a n b c 3 beschlossen, bis die verhafteten Seeleute der „Muluia in Freiheit gesetzt, die „ungesetzlichen Klagen' der Kapitäne Suruck- - gezogen und die bei einzelnen Gesellschaften beschäftigten farbigen d'latrosen entlassen werden. In Toulon haben bie eingeschriebenen Seeleute ebensalls den Ausstand verkündet.
Die Compagnie Transatlanttque ersuchte die Regierung, die im Staatsdienste befindlichen Seeleute für ihre Dampfer .zur Verfügung zu stellen, um die Beförderung von Briefschaften und Reifenden nach Algwr und Tunis sicher zu stellen. Tas Syndikat der eingeschriebenen Meute erließ einen Ausruf, m dem die verbündeten ^yn- d i (a i e aller Häfen znm Streik auf gefordert werden
Ministerpräsident B r i a n d , der Marinemimster und der Unterstaatssekretär im Marineminiftermm Eheron traten zu einer Konferenz zusammen, in der sie über die Abnahmen berieten, um den öffentlichen Dienst sowie die Beförderung leicht veidwbiich-.r Loare und von Passagieren sicherzustellen. Cs wurde be chloiien, gegebenensalls die schärfsten Maßregeln zur Anwendung in bringen, um dem zkonslikt ein Ende zu machen Man plant il a. bic Indien st st ellung von Kriegsschiffen. .
Paris, 4. April. In der Aussprache des Senats über das Marinebudget äußerte F l a i s s i ö r e s sein Bedauern ubir die in Marseille gestern erfolgte Verhaftung von zwölf Hetzern des Dampfers „Muluja". Unterstaatsfekretar C h e r o n erwidertt, ec werde der Disziplin in der Handelsmarine Geltung verschaffen und ioerbe sich nad) Marseille begeben, um zu verhindern, daß die ordentlickjen Elemente /migen Nadelsfuhr^rn folgten. E Gesetz werde Anwendung finden. (Beifall.) Das Marinebudget
werden."
Paris. 5. April. In der bereits gemeldeten Unterredung sprach sich Ministerpräsident Briand energisch gegen den plötzlichen, AlTverstündlichen und unentschuldbaren Kontranbruch der einge- schriebcnLli Seeleute aus; er sähe darin eine absichtliche Pro- M Eation, gegen die er mit allen gesetzlichen Mitteln anmnipsen irerbc; er iverde der Zerstörung und d-er Herbeiführung des Raines bei .Handelsmarine unter dem Einfluss« einiger Hitzköpfe nickst untätig zusehen.
Paris, 5. Llprll. Wegen des Ausstandes der Seeleute ertoägte die Regieruirg die Verwendung von Li ie g sschif f e n zur Besörderimg oon Reisenden.
Ausland.
Aus Cf en pc ft wird gemeldet: Handelsminister Hieronymi führte in einer Rede über die Wahl re form vor seinen Wählern aus. das größte Gebrechen des gegenwärtigen Wahlrechts liege darin, daß die industriellen Arbeiter im Gegensatz zu großen Schichten der Landbevölkerung das Wahlrecht nicht besäßen, da schon eine geringe Grundsteuerleistung die Wahlberechtigung verleihe. Tie Regierung könne zwar nicht die radilalistifchste Lösung ued Wahlrcchtsprobiems in Aussicht stellen, werde aber auch keine reaktionären Versuche anstellen. Er bitte die Wählerschaft zu vertrauen, daß die Regierung die Absicht habe, jede durchführbare freisinnige Forderung auch durchzuführen. Tie Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen.
Im englischen Unterhaus wurde die Beratung des CpPositionsamendemLnts zu dem Anträge Asquith, daß das Haus sich als Ausschuß Eonftituiercn solle, um die Vetoentschließungen zu beraten, wieder ausgenommen. Nach lebhafter Debatte wurde das Amendement mit 857 Stimmen gegen 251 Stimmen abgelehnt und der Antrag Asquith angenommen. Tio Nationalitäten und die Arbeiterpartei stimmten mit der Regierung.
Nach einer Meldung des .^Ostdeutschen Grenzboten" soll es am Sonntag in der Kirche in Wystyton zu einer blutigen Schlägerei zwischen Li 11 au e r n und Po len gekommen sein, bei der die herbeigerufenen ru s s is che n Gr en z so l d at c fchließlich von der Waffe Gebrauch gemacht hätten. Man spricht von einer großen Zahl Verwundeter, auch sollen mcljrerc getötet worden sein. (Wystyten ist ein russisches Städtchen mit 2500 Einw. an der preußischen Grenze.)
Tic russische Rcichsduma ging gestern zur Verhandlung des Marinehaushalts über. Ein Vertreter der Kadetten führte aus: ,Tie Genehmigung von Krediten zum Bau von Panzerschiffen müsse so lange oorenthalten werden, bis das Ma- rinerejsort einen allgemeinen Gesetzentwurf mit bestimmten Pläucn cingcbradjt habe. Ter Marineminister bat, die Kredite für den Lau von vier Linienschiffen wieder yerzustellen und erklärte, ber Finanzplan sei berecks ausgearbeitet und würde in den nächsten Lagen der Tuma vorgelegt werden. Ein Gesetzentwurf betretienb Die Krebitte für den Bau von Schiffswerften fei schon eingebracht. Ein Vertreter der Nationalisten erklärte, seine Fral- tion würde für die Kredite stimmen, da der Staat nicht ohne Flotte bleiben könne. Tie Tuma wurde bann auf den 5. April vertagt.
Tie russische Tuma wählte einen Ausschuß von 21 Mitgliedern zur Beratung des Gesetzentwurfes über Finnland, uiid zwar 7 Oktobristen, 7 Mitglieder der Rechten und Nationalisten, 6 Kadetten und Progressfiten und ein Mitglied L?r Linken. Ter finnische Landtag beschloß, die finnländische Gesetzesvorlage dem Ausschuß für die Grundgesetze zu überweisen.
Tas' bulgarische Kriegsministerium erließ in - folge der zahlreichen Zwischenfälle an der Grenz? ein Rundschreiben, in welchem die früheren strengen Weisungen erneut eingcschärst werden, jedwede Provokation zu vermeiden. Tie Ausgabe dec Grenzposten sei, den Schmuggel zu verhindern, iwbei sich oie Grenzposten beider Länder unlceitützen müßten. Nur wenn Soldaten die Grenze absichtlich) überschreiten, um irgend einen Punkt zu besetzen ober die Grenze abzuändern, sollten sic ohne Waffengebraua; sestgenornmen werden; bloß bei einem offensichtlichen Widerstand sei von der Was sc Gebrauch zu machen mid auch Dann nur mit größter Mäßigkeit.
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lebenden Deutschen unterhält, veröffentlicht in der „Köln. Ztg." einen fesselnden Artikel über unsere Vertretung im Aus lande, der manche neue Gesichtspunkte hervorhebt. Er entschuldigt „die nicht zu leugnenden Unzu- länglichkeiten" unserer diplomaKschen Vertretung mit oem riesigen Anwachsen der deutschen auswärtigen Interessen in den letzten 30 Jahren und meint, der erstaun- iche, in erster Linie auf unsere politische Machtstellung, aber auch aus unser ausgezeichnetes Unterrichtswescn, auf unsere musterhafte Verwaltung, auf manche Eigenschaften des beut» chen Volks und andere Umstände zurüclzuführende Auf- chwungunseresgesamtenWirtschaftslebens, unserer GewerbeiäKglcit, unseres .Handels, unserer .Handelsflotte usw. werde von vielen Staaten und Völkern, denen loir ins Gehege kommen, in deren Absatzgebiete, die sie eit langer Zeil beherrschen, ja monopolartig ausbeuteten, wir ivie mit elementarer Gewalt einbringen, ober benen wir im eigenen Lanbe ernpsinblichen Wettbewerb bereiten, sehr brüdenb empjnnden. Prof. Fischer sährt bann fort:
Vielleicht treten unsere Laiids.eute, im Gefühl ihrer Ueber- legcnheit, auch nid.t mit dein richtigen Takle aus. And^betätigen sich draußen nicht bloß untadelige Elemente. Tas gibt Schwierigkeiten und Reibungen ohne Ende. Tie Stellung der dcuticheu Vertreter im Auslande und namentlich in weniger geordneten Staatswesen über See ist daher ganz beivnders schwierig und dem- entsprcdeiid auch die Aufgaben der Zentralftellen in Berlin. Man foLte das mdjt vergeisen. Ich stehe nicht an, es auszusprechen, Daß wir uns vielfach einer unausgesprochenen Koalition gegenüber sehen, die, bei sonst ganz gekeilten Interessen darin einig sind, den allen gefährlichen deutschen Wett- vewerb mit allen 'Dlittcln und vereinten Kräften abzuwehren. Wie? Lag dein Ausgang der Algeciras-Konferenz etwas anoeres zugrunde? Welche ungeheuren Schwierigkeiten werden der Aus- ireitung dculsch-cn Einslufses im näheren Orient bereitet? Welche Knüppel leerten der Bagbadbahn unter bie Schienen geworfen? So ^r^chieeen ihre Iitteresfen sind, bic Atten unseres Auswärtigen Amtes würben sicher ben Beweis liefern, daß dort Frankreich, Englanb unb Rußland in unserer Bekämpfung einig sind. Aehnlich in Persien. Als ein Schulbeispiel dieser Art dürste im l>l.ugenblick Abessinien zu nennen sein. Abessinien ist ein zukunstreiches Laub, wenn auch nad) Lage unb Ausstattung nicht entfernt ,o wichtig wie Rtarokko. Wie Ratten knabbern Italiener, Franzosen unb Engländer an bem schönen Sanb. Ta kommen auch die Deutschen, um an bem Kuchen zu naschen. Unsere Vertretung erringt einen bewunbernswcrten Erfolg, der von der heimischen Prasse überhaupt nicht erkannt, wenigstens nicht nach Gebühr gewürbigt wirb. Vielleicht ist es ein Verbienst unseres vorircss- lichen Tr. Rosen, der jetzt in Tanger ein Martyrium durchmacht. Pienelik erbittet sich in Berlin nicht nur einen deutschen Leibarzt, I andern and; einen deutschen Erzieher für seinen Kronprinzen und einen politischen Ratgeber. Weid)« Zukunftsaussichten! Aber als alle drei im Frühjahr 1909 in Abessinien an kommen, ist die Lage bereits von Grund aus verändert. Ter Kaiser von Aethio- pwn ist bereits so schwer krank, daß er nicht imstande ist, für Die drei Tentsch.m einzutretcn. Tr. Zintgraff, der politische Ratgeber, und der Erzieher müssen halb das Feld räumen; elfterer, Der mir als ein sehr kluger, energischer Mann gesdfildert worben ist, vielleicht insolge einer Erkrankung. Dr. Steinkühler, der Arzt, bec sich als solcher rasch vinc ausgezeichnete Stellung errungen hatte, ist ihnen vor kurzem gefolgt.
Fischer verzichtet dabei osfeujichilich, aus die ungenügende Haltung unserer Gefandtschaft in Abessinien hiuzuweisen. Uebrigens hat eine gewisse Presse das Hinausziehen der deutschen Pioniere, entgegen der Meinung Prof. Fischers, mit großem Tam-Tam begleitet, so daß die Mission Zint- graffs dadurch erschwert worden ist.
Ter Verjasser in der „Köln. Ztg." verspricht sich eine Besserung der bisherigen Zustände durch die Heranziehung auch bürgerlicher geschickter Kräfte zum diplornatifchen Tienste unb verweist darauf, daß die Diplomaten draußen von ihren Landsleuten nicht etwa vornehm abgeschlossen leben dürfen. Ferner solle man bewährte Kräfte nicht so oft abbernsen und den Posten wechseln lassen. Tie folgende Anregung Fischers, die uns als sehr wichtig erscheint, mag ausführlicher wiedergegeben werden:
In bezug auf die Ausbildung Der jungen Diplomaten möchte ich dringend zur Erwägung stellen, es möchten bic maßgebenden Stellen einmal prüfen, ob da nicht auch der Geographie ein wichtiger Platz cingeräumt werden sollte. Ich vergesse nie, wie sich ein mir nahe befreundeter deutscher Geograph, der als Gelehrter, als Mensch und nach seiner gesellschaftlichen Stellung gleick) hock) staub, ans seiner gewohnten diu (je heraustretend, nur gegenüber über einen deutscyen Tipi i)maten von altaoeligem Namen Liußerte, mit dem auch ich im Anstande zu tun gehabr hatte, als der so nebenbei in einer Gesellschaft von ihm, dec ihm als dessen bester Kenner vorgeftellt korben war, etwas über ein großes Land zu ersahcen iud,te, in welchem er beinnäcyst das Deutsche picich vertreten sollte. Mein Freunb war förmlich erschrocken über Die allgemeine geistige Unbeholfenheit und die spezielle unglaubliche Unwissenheit jenes Tipromaten jenem Lande gegenüber.
An den höheren Schulen tu-ivb dein erbiüiibigeit Unterricht die . sür die heutigen Bedürfnifie unseres Volkes uncntbehrliclje Stellung ' erst eingeiäumt werden, wenn die Allmacht der Philolo- ; gerei gebrochen sein wird. Aber auch an den Hochschulen, : iüo ihre Stellung eine wesentlich bessere ist, wird sie ihre Aufgaben : ceni ganzen Volle gegenüber erst lösen kömien, w-enn ihr mehr : Lehrkräftt und mehr Mittel zur Versiigung gestellt werden. Wäh- i renb bie kleinste Universität für klassische Philologie m.nbestens ein Halo Tutzend Dozenten besitzt, verjügt ber einzige Professor ber Erd künde als Mädchen für alles in Preußen über volle 300 Mk.
, jährlick)! Hoffentlich konnnt die Zeit recht bach, wo die Geographie : zum Wohle des ganzen deutschen Volkes, aber nameutiid) seiner ; Weltiniecejfen, die für es zu einer AtachtquelöC ersten Ranges geivorden find, bie Aufgaben lösen kann, die zu lösen sie berufen ist.
Nr. 78 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 5. April 1910
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«rschemt täglich, außer V fw _ . ▲ jährlich Dik. 2.20; durch
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es General-Anzetger sur Oberhessen MW iür die Tagesnuminer Rolaflonsbrtia und Verlag der vrühllchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und vrnckerei: Schulftratze Anzeigenteil: H. Beck, bis vormittags 9 Uhr. ____
Dienstag den 5. Avril U nfld)tn.3Ubr,ytaum> Tarmitadlcr Hau^ (sau.- itrafee G) wird vcrsleignl mr ?lCÄ SlasLmus «Seil -
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M a r9) e i H e, 4. April. Da das Auslaufen keines Dampfers sicher gestellt werden kann, beginnt , die „Campagnie ^rans- ttlantiqucbie Ue b e r f ahrtsPr ei se zur ü ckz uz a Qien (infolge des heute früh vom, Syndikats der eingefchriebenen Seeleute erlassenen Streikaufrufes verließen die Mannschaften die ßahrzcuge sämtlicher Dampfergesellschaften unb Schiffe.
Paris, 4. April. Die Blätter erörtern bie unter den Uannschasten der Handelsmarine in Marseille ausgebrochene Be- teegung. Die gemäßigte „Republiqne F r a n c a i s e fchreibt:
„Wir beklagen uns nicht darüber, daß man fich.in Re- cnerungskreisen endlick) entschließt, aus den beiammernswerten ßui'tanb unserer Handelsmarine Mcksicht zu nehmen nnd die Anarchie zu bekämpfen, von der sie bedroht ist, aber es fit heute viel schlimmer, bic chronische Unbestänbigkett ber Mannschaften bekämpfen, als dies noch vor einigen Jahren zu Beginn der Bewegung ber Fall gewesen wäre."
Die radikale „Action" meint:
Hosfentlich wird es dem Unterstaatsfekretar Eheron gelingen, die Angestellten der Handelsmarine in Marseille bavon zu überzeugen, baß ihre Ansprüche burckjaus unzulässig unb ihr Vorgehen unstatthaft ist. Frankreich, bas m der Entwicklung feines Sechaiidcls «unter bem Wettbewerb von Genua unb Hamburg leibet, kann um keinen Preis zugeben, baß seine großen Handclshäscn burch berartige Streikbewegungen ruiniert werden, bereu Ursprung nachgerade anfängt, verdächtig zu


