Ausgabe 
4.10.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 232

Zweites Blatt

160. Jahrgang

Dienstag 4. Oktober 1910

Gietzener Anzeiger

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberhejsen

Die ^rodfienbratter* werben dem

.Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da« Kreisblatt für de« Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaft! lche» Lett- fragen" erscheinen monatlich zweunal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl^ch« UnrversttätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e«5L Redaktion: 118. Tel.-Adr^ AnzergerGießen.

politische Tagesschau.

Die Moabiter Tumulte der letzten Septemberlage

werben voraussichtlich auch noch im Reichstage ein Nachspiel finden. Im Hinblick auf die hohen Schaden, die die Aufruhrnächte hervorgerufen haben, soll, ttrie wir hören, die Reichsregierung befragt werden, ob sie es nicht für -weckmäßig hatte, die Bestimmungen des Tumult- gesetzes von 1850 insofern ab^uändern, daß Schäden, die dura) Maßnahmen der Königlichen Polizei verursacht V werden, vom Staate getragen werden. Im Düoabiter Falle I hat die Stadt für alle Schäden zu haften, ohne daß chr bei

Tumulten das Recht zusteht, ihrerseits Maßnahmen oder Zuordnungen -ur Unterdrückung von Unruhen zu trefsen.

Lon anderer Seite soll im Reichstage die reichsge­setzliche Regelung des Waffentragens angeregt werden, um -u verhindern, daß der Mob sich bewaffnen l kann. Zurzeit läßt sich das Wafsentragen nur durch Polizei- verordnungen beschränken, die sich auf Bestimmungen des Aeichsstrajgesetzes ausbauen, die das Tragen hermlicher Massen verbieten. Die reichsgesetzlick-e Regelung wäre mög­lich durch eine Verschärfung der bezüglichen Bestimmungen im Strasrecht (sie ist für den neuen Srrasrechtsentwurf bis­her nicht vorgesehen), man kann auch den Wafsenverkaus einer Konzessionspflicht unterwerfen und den Wajsenhändler verpflichten, Massen nur an vertrauenswürdige Personen pt verlaufen. *

Sin neues Seeunfallgesetz.

Wie uns aus Berlin geschrieben wird, ist beabsichtigt, das Gesetz aus dem Jahre 1877, betreffend die Untersuchung . von Seeunfällen, einer Revision zu unterziehen, um den aus den Krisen der Schrsiahrt geäußerten Abanderungs- o Vorschlägen entgegenzukommen. Bereits im Jahre 1909 hatte die Regierung einen Entwurf ausgearbeitet, der den Interessenten zur Begutachtung vorgelegt worden war, ba* neben waren mit einer Reihe von Seeuferstaaten Verband- lungen über die Materie angeknüpft worden. In: Laufe dieses Jahres ist ein neuer Entwurf ausgearbeitet worden, der in den letzten Tagen im Handelsministerium einer Konferenz, die aus Vertretern der Handelsmarine und, >. den Seeamtsprasidenten sich zusammensetzte, unterbrettet I und von dieser begutachtet worden ist. Die endgültige $ Gestaltung der Vorlage ist also demnächst zu erwarten, und man nimmt an, daß die Vorlage in absehbarer Zett auch dem Bundesräte zugehen wttd.

Rach dem neuen Entwürfe soll das Verfahren vor den Seeamtern mehr den Strafverfahren ange- |, gliedert werden, den Charakter des Verwaltungsstrett- verfahrens jedoch nicht einbüßen; im Zusammenhang damit will man das Verwaltungsverfahren vereinfachen, um die Streitfälle schneller aburtetten zu können, eine Erweiterung . der Machtbefugnisse der Seeamtspräsidenten ist die Folge L dieser Bestimmung. Auch die Bestimmungen über das Ent- - ziehen der Schisfsführer-Patente sollen dahin abgeändert ^werden, daß bereits Unfähigkeit im Dienste für die Ent- u ziehung genügt, ohne daß ein Unfall erst die Unfähigkeit r bewiesen hat,

Jf 9.

Persönliches von ISwolZki.

r* Bon dem russischen Poltttter, der bisher als Minister des Aeußern wirkte und nun in der Seinestadt als Bot-

- schafter die Vertretung seines Vaterlandes übernimmt, weiß tont Paris" im Gaurois allerlei Persönliches zu erzählen, ' das interessante Einblicke in das Wesen dieses Mannes 3t gewährt, der in der internationalen Politik eine bedeutsame y Rolle spielt.

t« ^Zst doch Iswolski bat Parisern kein Neuling !Man hat n seine hohe Gestalt mit dem ein wenig flämisch verschleierten Blick t* hin und wieder in Pariser Salons auftaucyen sehen, wenn seine 1 Reisen ihn einmal zur Seinestadt führten. Beim oberflächlichen gesellschaftlichen Verkehr erscheint er als ein Mann von siche­ren, vornehmen Gesellfchastsformen, eine scharfe Intelligenz, die zu schweigen, aber auch zu glänzen versteht. Jswolskr spricht flie- ßend Französisch. Wer aber Gelegenhell gehabt hat, den künf- tigen russischen Botschaster in Paris näher kenne.c zu lernen, hat 3 auch beobachtet, daß sein Austreten sozusagen über zwei Stll- ; formen verfügt, über die kühle Abweisung und über eine bestechende 4 Liebenswürdigkeit. Wo seine Plane Schweigen erheischen, da strömt von dem Menschen, ohne daß seine Liebenswürdigkeit ab- k nimmt, ein Hauch unerklärlicher Kühle aus, die bat anderen zur J Zurückhaltung nötigt. Wo er aber überzeugen will, da verfügt n er Übex ein reiches Material von Waffen, die nicht nur intellek­tueller Natur sind, sondern auch in dem CHarne seines Wesens ihren Ursprung Habern In seinem Privatleben ist Iswolski ein

* Freund da Künste; die Dichtungen Rostands und Lotes verschö- -< neru seine Mußestunden, an den Wänden seines Salons sicht man prächtige alte Bilder, die er während seiner Gesandtenzeit

am Vatikan aesammelt hat und die für seinen Kunstgeschmack ein beredtes Zeugnis ablegen. Denn in Rom war er bei den Antiquitätenhändlern' eine bekannte Erscheinung, und mit der

h Leidenschaft des Sammlers fahndete er in den düsteren Winkeln der Läden nach alten Schätzen. In seiner Neigung zur Musik

n, hat ihn sein Geschmack m Gluck und Mozart geführt. So Der» - einigen sich glückliche gesellsck-aftliche Gaben mit beachtenswerten | diplomatischen Instinkten, und der Marqui Ito wird nicht um­sonst nach einer längeren Unterredung mit dem russischen Poli- tiker das Urteil gefällt haben:Iswolski ist ein gefährlicher Mann:

I a besitzt wie kein anderer bie Kunst, zu überzeugen."

Iswolsky war aoer auch sehr eitel und vielleicht darum nicht immer erfolgreich.

Petersburg, 3. Oft. Durch Kaiserlichen Erlaß ist I s - ^Wolski der Weiße Adlerorden Der lieben worden. In diesem Erlaß wttd unter anderem darauf hingewiesen, daß Is­wolski im Jahre 1906 den Posten des Ministers des Aeußeren 1 unter schwierigen politischen Verhältnissen angetreten und mit j; ungeschwächter Energie und Kenntnis der wirllichen Interessen Rußlands die Festigung der friedlichen Politck des Reiches v-er- V folgt habe, die in erfolgreich erzielten liebereintommen mll Gro ß- britannien und mit Japan ihren Ausdruck gefunden habe.

Bund Deutscher vodenreformer.

i Gotha, 3. Oft.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der Bundes- Imtglieber wurde heute Dormittap hier bie 20. Hauptver» fam mlung des Bundes Deutscher Bodenreformer er- J öffnet. Der Tagung wohnte im Anfang auch der Herzog Don j, Sachsen-Coburg-Gotha bei Der Vorsitzende Adolf Damaschke 1 Lab zunächst einen kurzen Ueherblick über die Bewegung der

691

2.

446

NiederHlorstadt; Wllh. Lathar, Schneider, Kirtorf' Ludw. Win- heirn, Schlosser, Gedern; Siegmund Naumann, Schlosser, Nidda: Adolph Lipp, Schlosser, Lindheim; Georg Schmidt, Schlosser, Lich: Theod. Hitzeler, Maschinenschlosser, Ockstadt; Peter Geißler, Schreiner, Friedberg; Karl Bernhardt, Schreiner, Friedberg; Julius Trapp, Scyreiner, Friedberg; Franz Seyffarth, Schreiner, Alsfeld; Max Nebl, Schornsteinfeger, Butzbach: Heinr. Sttehl, Schuhmacher, Friedberg; Georg Lemp, Schuhmacher, Ostheim b. Butzbach; Heinr. Imhof, Spengler, Oberschmitten; Heinr. Wolf, Spengler, Nidda; Friedr. Krömmelbein, Spengler, Lauter­bach; Heinr. Blum, Spengler und Installateur, Gießen; Heinr. Weinandt, Installateur. Großeri-Linden; Adolph Stöhr II., Wagner, Glashütten; Leonhard Weißbeck, Weißbinder, Schlitz; Jakob Müller, Weißbinder, Butzbach; Heinr. Datz, Weißbinder, Gießen; Wilh. Bräuninger, Weißbinder, Lollar; Otto Wittekind, Tüncher, Büdingen; Heinr. Hock, Zimmerer, Holzheim; Karl Schmandt, B immer er, Steinberg; Karl Rinker, Zimmerer, Non« nenroth; Philipp Schäfer, Zimmerer, .Beuern; Wllh. Kirchhof, Zimmerer, Ober-Lais.

Aus Statt und Land.

Gießen, 4» Oktober 1910.

**StädtischesKraukenhausin Gießen. Der von der Stadtverordnetenversammlung infolge der Kündi­gung des sogenannten Kliniksvertrags eingesetzte Sonder­ausschuß har sehr schnell seine Beschlüsse gefaßt. Die städtische Verwaltung hat mit der Vertretung der Gießener Aerzte wegen Behandlung der erkrankten Armen in unserer Stadt verhandett und dabei weitgehendes Entgegen­kommen gesunden. Gestern vormittag haben Sachverstän­dige die istäiume der ehemaligen chirurgischen Klinik in der Liebigsttaße eingehend besichttgt und ihr Gutachten dahin abgegeben, daß sie allen Anforderungen zur Unter­bringung von Kranken entsprechen. Es ist daraufhin üt Aussicht genommen, bis zum 1. April 1911 einen Teil dieser Räume als Krankenhaus für arme Pattenten ein­zurichten, so daß die Stadt nicht in Verlegenhett kommen wttd, falls der Staat seine Kündigung aufrecht erhält.

* Ortskrankenkassenwahlen. Man schreibt uns: Schon heute möchten wir alle weiblichen Mttglieder auf die demnächst stattftndenden Neuwahlen für den Verwaltungsrat und den Vorstand der Ortskranken­kassen aufmerksam machen und zu reger Beteiligung an diesen Wahlen auffordern, da es sehr wichttg ist, bafc auch die weiblichen Mitglieder chr Wahlrecht ausüben. Weil dies bisher nicht in der nötigen Weise geschehen ist, hat es der Kausmänntsche Verein weiblicher Angestellter in Ge­meinschaft mit der Ortsgruppe des Vereins für Frauen-- stimmreckst unternommen, die weiblichen Kassenmttglieber durch einen Vortrag auf die Rechte aufmerksam zu machen, die ihnen das Krankenversicherungsgesetz gibt Der Red­nerin, Frau Johanna Waescher, ist es schon in verschiedenen Städten gelungen, die Glerchgülttgkett bei den weiblichen Kassenmitgliedern in Interesse zu verwandeln, das sich dann in der viel regeren Betettigung der Frauen an den Wahlen kundgab. Wer sich über den Nutzen klar werden wttl, den die Frauen für ihre Geschlechtsgenossinnen erwirken können, wenn sie Einfluß auf die Verwaltung der Kranken­kassen gewinnen, der besuche den Vortrag.

** Gießener Volksbad. Im September d. I. wurden 8332 Bäder verabfolgt gegen 10031 im August 1910 und 8220 im September 1909 oder im Durchschnitt täglich 278 Bäder gegen 324 im August 1910 und 274 im September 1909. Der Besuch verteilt sich im einzelnen wie folgt:

Schwimmbad: 3262 Männer, darunter 839 zu 10 Pfg*

, 1056 Frauen. , 309 , 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 278 Männer, 135 Frauen,

Brausebäder 1. Klaffe 773 Manner, 231 Frauen, , 2. , 1053 , 284 ,

Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Maffage zus. 121 Männer, 2 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Personen benutzt und das Bad von 5 Personen besichtigt

-- Heuchelheim, 3. Okt Am Samstag konnte Schuhmacher Wilhelm Ruppert aus eine LdjährtgeTättg- kett als Kttchendiener zurückblicken, aus welchem Anlaß ihm von Pfarrer Glück und dem Kttchenvorstand wert­volle Geschenke sowie eine Anerkennung des Dekans Strack überreicht wurden.

= Büdingen, 3. Okt. Im Hotel Fürstenhvf fand gestern und yeute eine Obstausstellung, verbunden mit Obstmarkt, für den Bezirk Büdingen statt. <5ie war recht reichlich und säst durchweg mit auserlesenen Früchten be­schickt. Das Steinobst fehlte ganz, was darin seinen Grund haben dürste, daß die hiesige Gegend gar keine Zwetschen-- ernte hatte, in den höher gelegenen Tellen des Kreises, in der Weningser Gegend, aber an die Händler ans verkauft war. Mrnen waren fast ausschließlich von der Kreisstraßen-- verwaltung zur Ausstellung gebracht. Die ausgestellten Birnen, wie Blumenbachs Butterbirne, Neue Potteau und Gute Luise, erzielten durchweg einen Preis von'7 Pfg. das Pfund. Recht flott ging der Handel schon am Samstag nach­mittag, wo namentlich das hiesige Publikum seinen Be­darf oeckte. Es wurden u. a. für das Pfund Luikenapsel bezahlt: 4 Pfg., Schasnase 4, Harberts Reinette 4, Ludwigs- apsel 5, Weiße Reinette 5,5, Zentgräfer 6, Winterkronenapfel 6, Danziger Kantapfel 7, Brauner Matapjel 7, Boikenapsel 7, Kaiser Alexander 7, Graue französische Reinette 8, Cham­pagner-Reinette 8,5, Schöner von Bostoop 810, Goldpara- mäne 8,510, Baumanns-Reinette 10, Landsberger Rei­nette 10, Ripstons Pepping 15, Ananas-Reinette 18 bis 30 Pfg. Ein Teil des zur Ausstellung gebrachten ObsteS wurde direkt an Konsumenten aus Frankfurt, Darmstadt und anderen Städten verkauft.

O Lau dach, 3. Okt. Am SamStag fand die General­versammlung der Bezirkssparkasse statt, zu der die stimmberechtigten Gemeinden Laubach, Wetterfeld, Ruppetts- burg, Freienseen, Gonterskirchen, Lardenbach, Utphe, Trais- Horloff und Wohnbach gehören. Die Zahl der Gemeinden ist 12, die Zahl der summberechtigten Nettreter 43. Er­schienen waren 70 Mitglieder. Vorgelegt wurde der 77. Rechenschaftsbericht. Hiernach wurden 230 124 Mk. neu eingelegt, die Ausleihungen betrugen 1 437 331 Mk^ der Reingewinn 9089 Mk. 2000 Mk. kommen den Gemeinden des Bezirks zu, während 1100 Mk. an mllde Stiftungen und dergleichen oerteilt wurden.

--------il

möge.

Der Kas senbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 38800 Mark ab. Hieraus schilderte Oberbürgermeister Wag­ner (Ulm) die Erfahrungen, die die Stadt Ulm mll dem Wiederverkcmfsrecht gemacht hat. Die Stadt Ulm hat vier Fünftel des gesamten in der Ulmer Gemarkung belegen en Geländes er­worben, so daß Spekulationen nur noch wenig Vorkommen. Bür­germeister St o s berg (Lennep) schilderte bie Erfal)nmgen mll Heinen Rentengütern. In Lennep wohnt die BeDölkerung zu 13 % in Rentengütern. Tie Zahl der Zimmer beträgt meist vier, der jährliche Aufwand des Besitzers 300 M., wovon 2 °/o als Tilgungssumme gelten. Oberbürgermeister Tr. Wilms (Posen) sprach über die Erfahrungen mll der Ausgabe von Land zur Wohlfahtts- und Armenpstege. Er betonte, daß gegenüber der Entfremdung der großstädtischen Bevölkerung von der Natur und dem Lande alle Maßnahmen zu unterstützen seien, die eine engere Fühlung, besonders auch der Arbeiterbevölkerung mit einem klei­nen Besitz zur Folge hüben könnten. Ten letzten Bericht über Erfahrungen mit dem Erbbaurecht erstattete Bürgermeister Schüttemeier (Rheine). Tie sozialpolitische Bedeutung des Erbbaurechts, an die beim Inkrafttreten des B. G. B. noch nie­mand dachte, haben zuerst die Bodenreformer erkannt. Durch ihre rege Werbetättgkeit ist es bereits vom Reich, Preußen sowie einer großen Zahl deutscher Städte praktisch zur Anwendung gekommen. Vor allem sind es soziale Gesichtspunkte, die die Gemeinden ver­anlassen müssen, ihren Grundbesitz in Erbbau zu vergeben.

An die Vorträge knüpfte sich eine lebhafte Aussprache:. Morgen werden die Beratungen fortgesetzt.

Bodenreformer und befaßte sich dabei eingehend mit den Berliner j Vaupel, Schmied, Mittel-Gründau; Wilh. Friedr. Stelz, Schmied, Wohnungsverhaltmssen. Es bestehe hier die Gefahr, daß im Schat- o-*« <tn--

ten unserer Dome und Paläste ein Geschlecht heranwachse, von dem unsere kulturellen Grundlagen bedroht werden müssen. Des­halb leisten wir nationale Arbeitt wenn wir dafür sorgen, daß Grund und Boden nicht mehr Spekulativ ns objett bleibt Nun soll auch das Tempelhoser Feld, die letzte große freie Fläche in Berlin, der Spekulation überantwortet werden. Für 70 Millionen soll das Feld verkauft werden. Das ist eine hohe Summe, aber gering, wenn man bedenkt, wieviel Volksgesundheit dott zu Grabe getragen wird.

Der Vorsitzende erstattete bann Weller den Bericht überdie deutsche Bodenreformarbell im Jahre 1909/10. Der Redner gedenkt verstorbener treuer Freunde der Bewegung, des Wiener Bürgermeisters Lueger und des Pastors D. Bodelschwingh, und schließt mit der Aufforderung, daß jeder in seinem Kreise an der Ausbreitung des bodenreformettschen Gedankens arbeiten

Neue Handwerksmeister in Gderhesten.

* Gießen, 4. Ott

Die Ueberreichung der Meisterbriefe an die 69 Jungmeister, dje bei der diesjährigen Meisterprüfung der Provinz Oberhessen bestanden haben, fand am Sonntag im Gewerbehause statt Außer den neuen Meistern und den Mitgliedern der Prüfungskommisswn sowie anderen Hand­werksmeistern waren Provinzialdirektor Dr. Usinger, Syn­dikus Engelbach, als Vertreter der Handwerkskammer, Ge­werbeschulrat Meyer, als Vertreter der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, Kaufmann Röhr, als Vertreter der Handels­kammer, und Kommerzienrat Heyligenstaedt, als Vorsitzender des Ortsgewerbevereins, anwesetrd.

Der Vorsitzende der Prüfungskommission, Baumeister Traber, teilte mit, daß sich der diesjährigen Meisterprü- Srng 74 Kandidaten unterzogen hätten, wovon 69 bestanden atten. Er richtete nach einem Hoch auf unfern Landes­fürsten eindring sich e Worte der Mahnung an die Prüflinge, sich der erworbenen Rechte als gesetzlich geprüfte Meister würdig zu erweisen. Provinzialdttekwr Dr. Usinger sprach als Freund und Förderer des Handwerks und beglück­wünschte die Jungmeister, indem er sie mtt herzlichen Worten an ihre Meisterpflichten erinnerte.

Synd. Engelbach- Darmstadt übermittelte namens der Handwerkskammer die Glückwünsche an die Jun gm eist er. Er dankte allen Mitgliedern der Meisterprüfungskommission für ihre Tätigkeit. Sell Einführung der Meisterprüfungen sei die Handwerkskammer bestrebt gewesen, durch stete Er­höhung der Anforderungen an die Meisterprüslinge den Grad der möglichsten Vollkommenhett zu erhalten. Nicht in Aeußerlichketten, wie Form und Feier, nicht im Bieten einfacherer Gelegenheit zur Adlegunb der Prüfungen fei ihr Wert zu suchen, sondern in dem brsher schon betätigten Bestreben, die Prüflinge vor erprobten, anerkannt tüch­tigen Männern ihres Fachs den Nachweis ihres Könnens erbringen zu lassen. Und in diesem Bestreben sei die Kam­mer durch die Prüsungsmeister bisher aus das Beste unter­stützt worden.

Weiter übermittelten durch ihre Vertreter die Großh. Zentralstelle, die Handelskammer und der Ortsgewerbe­verein den Jungmeistern ihre Glückwünsche und gaben ihnen gute Lehren mtt auf den Weg.

Hierauf ncll)rn Archttett Huhn die Ueberreichung der Meisterbriefe vor, während Schremermeister Müller und Schrniederneister Heß den üblichen Handschlag entgegen­nahmen. Nachdem Jungmeister S t e n g l e r aus Lich der Prüsungskomnllsfion im Auftrage der neuen Meister ge­dankt hatte, schloß der Vorsitzende mtt nochmaligem Danke den offiziellen Teil der Feier.

Im Hotel Einhorn sa)loß sich ein gemeinsames Mtttags- essen an, das unter manchen trefflichen Reden äußerst ge­mütlich verlief.

Nachstehende Kandidaten haben die Berechttgung zur Führung des Meistertitels erlangt:

Ludwig Stein, Bäcker, Nidda; Herrn. Rullmann, Bäcker, Nidda ; Wilh. Mulh, Bäcker, Friedberg; Ludwig Freund II., Bäcker, Alten- Blheck; Georg Theodor Ohmers, Bäcker, Ober-Erlenbach; Wllh. Stephan,Buchbinder,Gleßen; Theod.Schmerdlieger,Buchbinder,Fried­berg; Louls Llpskl, Buchdrucker, Bad-9tauheim; Hugo Schileider, Buchdrucker, Büdingen; Frledr. Tieienbach, Dachdecker, Affenhetm; Georg Hennig, Friseur, Vilbel; Gotlined Whippet, Friseur, Fttedberg ; Karl MiliuS, Glaser, Frledberg; Karl Stengier, Maurer, Llch; Heinrich Mohr, Maurer, Annerod; Jakob Schäfer, Maurer, Reis­kirchen ; Heinr. Jung VII., Maurer, Holzheim; Heinr. Sck-midt III., Maurer, Kirtorf; Hch. Balser, Mechaniker, Gießen; Ludw. Sckimitt- gall, Mechaniker, Güßen; Wilh. Kahl, Metzger, Gießen; Johs. Elmshäuser, Metzger, Gießen; Herrn. Rullmann, Metzger, Gedern; Reinh. Meißner, Metzger, Nidda; Konrad Stöhr, Metzger, Lau­terbach; Ang. Ringshausen, Metzger, Nidda; Heinr. Peter Duchardt, Metzger, Alsfeld; Fttedr. Haupt, Metzger, Odenhausen, Theodor Schütz, Metzger, Bad-Nauheim; Karl Rtohr, Pflasterer, Annerod; Heinr. Wlrth, Pflasterer, Ober-Schmllten; Theodor Stumpf, Sattler, Lauterbach; Friedr. Wicke, Sattler, Groß-Felda; Wllh. Koch, Sattler und Tapezier, Alsfeld; Wllh. Hllß, Schmied, Büdingen; Karl Dreßler, SckMied, Assenheint; Reinh. Frrtz II., Sctznied, Laugd; Adam Mülles SÄmiÄ, JlbeuLadt; Joh.