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Nr. 128 Erstes Blatt 1«O. Jahrgang Samstag 4. Juni 1910
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wirtfchaftlicheLeitfraHea W W M <T H W Ö T Chefredakteur: A. Goetz.
Fernfprech - Anschlüße: M M M M Verantwortlich für den
für die Redaktion 112, iXtär r v politischen Teil: August
W«? General-Anzetger sm Oberhchen WKW
Annahme von Anzeigen v ** 1 • , faal"’ E öeir für den
für bte Taaesnummer Rofationsönt(f und Verlag der vrühl'schen Umv.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Reöaftion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck. dis vormittags v ugr. 3 •
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
PolrtZsche Wochenschau.
Gietzen, 4. Juni.
Eine selten große Zahl von Reichstagserscchwahlen hat in diesem Jahre stattzufinden, und es iist begreiflich, daß sie bei der verfahrenen parteipolitischen Lage ein größeres Interesse als sonst beanspruchen. Auch die durch den Tod der Abgeordneten Detto und Zimmermann in dieser Woche vor Neuwahlen gestellten Bezirke Frankfurt a. O. und Zschopau-Marienberg harren einer ungewissen Zukunft, bei den letzten Wahlen sind nämlich die Sozialdemokraten nur mit verhältnismäßig wenig Stimmen in der Minderheit geblieben. Und die erbitterten Parteikämpfe unserer Tage sind ihnen bisher stets zugute gekommen. Auch die Reichstagsersatzwahl im schlesischen Wahlkreise Jauer-Landshut- Bolkenhain hat am 1. Juni ein solches vorläufiges Ergebnis gehabt: die Sozialoemokraten gewannen rund 1800 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl. Die Tatsache, daß die konservative Partei diesmal beinahe 1200 Stimmen weniger, die Fortschrittspartei dagegen fast 1000 Stimmen mehr als das letzte Mal aufbrachte, wird in der Presse verschieden gedeutet. Zugegeben wird allgemein, z. B. auch von der „Kreuzzeitung", daß die Kämpfe der jüngsten Zeit und die rege Agitation der Liberalen zu einem Teil die kon servative Einbuße erklären. Tann aber wird auch wieder hervorgehoben, daß diesmal ein konservativer statt, wie das letzte Mal, eines freilonservativen Kandidaten, aufgestellt worden war, und daß ein Teil der freilonservativen und nationalliberalen Wähler in die Linke eingeschwenkt sei. Außerdem steht fest, daß die Wahlbeteiligung um 400 Wähler gewachsen ist. Immerhin: der Zug nach links mußte auch in diesem Falle wieder festgestellt werden. Tie nächsten Ersatzwahlen, die in wenigen Tagen bevorstehen, nämlich am 9. Juni in Uckcrmünde-UsedomWollin — am selben Tage soll nach einer letzten Meldung die Stichwahl in Jauer-Landeshut-Bolkenhain stattfinden—und am 16. Juni int benachbarten Bezirk Friedberg-BWingen, werden wohl noch entscheidendere Erfahrungen ergeben. Besonders der Entscheidungskampf zwischen Bund der Landwirte und Na- ttonalliberalen in unserem oberhcssischen Wahlkreis, in dem schon bisher namhafte Parteiführer und Parlamentarier, Hahn, Erzbcrgcr, Fuhrmann — demnächst wird auch Basser- mann dazu kommen — ihre Redekunst erprobt haben.
Sonst hält uns die Reichspolitik nur wenig in Atem. Die Berliner haben durch den belgischen Köuiasbesuch wieder einmal das gewohnte Schaugepränge gesehen, und dazu legi die dorttge große Lokalpresse einigen Studienabordnungen, die unsere Reichshauptstadt besucht haben, eine übertriebene Bedeutung bei. Der schuldige Besuch des tta- lientschen Ministers des Auswärtigen hat an der Lage trotz phrasenhafter Veröffentlichungen nicht das Geringste geändert Des Kaisers leichte Erkrankung an der Hand konnte auch kein großes Aufsehen Hervorrufen, und der Kronprinz, der den König der Belgier und den chrne- sischen Studienprinzen mit Ansprachen empfing, hat nur Selbstverständliches ausgesprochen. Erfreulich war der herzliche Ton, den der König Mbert auch in Berlin den Deutschen gegenüber anschlug^
Kaiser Franz §ojcf, der so viel Leid gesehen hat, erntet am Abend seines Lebens schöne Erfolge. Bosnien und die Herzegowina sehen den Triumphzug des greisen Monarchen, dem seine neuen Landeskinder verschiedenen Stammes zu- jubeln; die Wiener Politiker hüben sich nicht verrechnet, als sie schon jetzt den Greis diese Reise unternehmen ließen, und ihre Hoffnung scheint sich zu erfüllen: „Er wird den Oelzweig in den Lorbeer flechten." Ter Kaiser hat doppelt glückliche Tage. Nach langen Wirren im Madjarenreiche tst dort die habsburgische Sonne wieder aufgegangen, das Ergebnis der Neuwahlen in Ungarn wird das gemeinsame Band der Doppelmonarchic wieder festtgen. Der Wahlkampf war heiß, aber der ungarische Ministerpräsident Graf Klmen-Hedervary hat für die Regierung und die Autorität der Krone eine überraschend große ^Mehrheit erlangt. Bon 337 gewählten Abgeordneten gehören 210 zur Regierungspartei. Tie Leute um Kossuth und JUsth, die bisher vorherrschend gewesen waren mit ihrem Ziel, Ungarn immer mehr von Wien zu lockern, sogar die einheitliche Sprache im Heere zu beseitigen, haben eine schmähliche Niederlage erlitten. Graf Khu'en hat den glänzenden Erfolg seiner Offenheit und Entschiedenheit zu danken, mit der er den nationalen Anschluß an Wien forderte. Ten letzten Grund des Wahlsieges darf man wohl aber in der Stärkung der äußeren Machtstellung der Monarchie erblicken, wie sie tn- folge der unermüdlichen Tätigkeit des Thronfolgers Franz Ferdinand in den letzten Jahren erreicht worden ist. Seine freundschaftliche Stellung zu Deutschland hat Oesterreich- Ungarn noch keinerlei Zugeständnis gekostet: es durfte mit deutscher Hilfe seine Baltanziele durchsetzen und doch schroff erklären, den von Preußen gewollten Schifsahrtszoll für heute und immer abzulehnen. Dazu ist immer noch kein Licht in das Gerücht gebracht worden, Graf Aehrenthal habe in Berlin durchgesetzt, daß das Enteignungsgesetz in den Ostmarken nicht angewendet werde. Diese Forderung war, so wurde behauptet, von dem Wiener Staatsmann mit der Notwendigkeit begründet worden, Steine des Anstoßes und unbequemen Zündstoff bei Oesterreichs Staatenpolitik aus dem Wege zu räumen, denn nur so könne Habsburg das deutsche Bündnis festhalten. Ist der Ausgang des ungarischen Wahlkampfes zum Teil auch dieser Politik zuzuschreiben? Das politische Wunder dieses Wahlsieges ist auf alle Fälle geradezu verblüffend. Graf Khuen-Hedervary hat einen tapferen Freund und Kämpfer mit sich gehabt, den Grasen Stefan Tisza, der nach den Zeitungsmeldungen von Ort zu Ort gezogen war, um trotz der ihm entgegengeschleuderten Schmähungen, ja sogar tätlicher Angriffe, die Macht seiner temperamentvollen Persönlichkeit und durchschlagenden Beredsamkeit gegen die radikalen Unabhängigen ins Feld zu führen. Es wird jetzt eine neue interefjante Periode der Wiener Polittk nahen, die wir Deutsche scharf ins Auge fassen müssen. Man wird auch die ewige Kluft zwischen Deutschen und Tschechen schließen, den. Streit namentlich in Böhmen schlichten wollen, ^solls auf Kosten des Deutschtums geschehen? Wird der tatkräftige Erzherzog die Steine zum Ausbau seines Toppelreiches aus dem Fundament deutschen Besitzes herausreißen? Oder wird er endlich dem anmaßenden Volke der Tschechen kraftvoll Zügel an fegen? Als Stimmungsmerkmal ist auch die heutige Meldung interressant, der österreichisch-ungarische Finanz- Minister habe den sächsischen Gesandten in Wien eingeladen und veranlaßt, Bosnien und die Herzegowina zu bereisen.
Dabei erinnert man sich unwillkürlich an ein vor einigen Tagen amtlich widerlegtes Gerücht, ein sächsischer Minister habe in einer Rede daraus hin gedeutet, Oesterreich könne einst wieder vermehrten Einfluß in den Gang der deutschen Politik nehmen. Irgend etwas wird daran ja wahr gewesen sein, und es ist ja eine Tatsache, daß Oesterreich tu der letzten Zeit bei wesentlichen Fragen die deutsche Polittk einfach festgelegt hat. Ob zu Bismarcks Zeit das Berliner auswärtige Amt auch derart ins Schlepptau genommen worden wäre?! ________________
Die Reife der Kaifers Zranz Jofef.
Bei dem Aufenthalt des Kaisers Franz Joseph in Sarajewo hat der Monarch auch einen Nachmittag dem Besuch der Glaubensstätten der hauptsächlichsten Konfessionen getmd- met, die in dem neuen österreichisch-ungarischen Reichs-» land einträchtig zusammenwohnen. Der Berichterstatter der Times" gibt darüber eine ansprechende Schilderung, die erkennen läßt, daß in Bosnien die Gotteshäuser noch Mittelpunkte des öffentlichen Lebens sind: .
Der Kaiser fuhr in Begleitung des Grasen Aehrenthal, des Finanzministers Baron Burian und der beiden Ministerpräsidenten als Katholik natürlich zuerst zu der Kirche seiner eigenen Konfession, wo er von dem Erzbischof Stadler und dem Provinzial des Franziskanerordens empfangen wurde. Nach einer kurzen religiösen Feier, wahrend der der Kaiser auf einem für ihn errichteten Thronsessel Platz nahm, begab er sich in die Kirche der S e r b i s ch - O r t h o d o x e n, wo ihn der Erzbischof mit dem versammelten Klerus erwartete. Durch ein Spalier von Mädchen in schmucker Nationaltracht hindurch geleitete ihn der Kirchenfürft zu einem Thronsitz gegenüber dem Platz des Erzbischofs. Es wurde eine kurze liturgische Andacht gehalten, nach deren Schluß die Menge die Kaiserhymne in serbisch-ttoattscher Sprache anstimmte. Dann führte der Weg den Kaiser in die große Moschee von Sarajewo, die eine der größten und schönsten auf der ganzen Balkanhalbinsel ist. Der Weg dahin ging durch das Geschäftsviertel, an dessen Eingang eine mohammedanische Leibgarde den Monarchen erwartete. Die Schar umringte den Wagen des Kaisers und geleitete ihn bis an das Außentor der Moschee, wo ihn der Scheich ül Islam, der Vorsteher der Ewkäf (fromme Stiftungen) und der Imam der Moschee feierlich begrüßten. Ein kleiner Mohammedaner überreichte dem Kaiser einen riesengroßen Blumenstrauß, dann betrat der Monarch durch das Haupttor der Moschee daS Innere: gegenüber dem Altar, an dem jeden Freitag die Gebete für das Wohlergehen des kaiserlichen Hauses gesprochen werden, war ein Thronhimmel aus roter, mit Gold und Silber durchwirkter Seide errichtet. Unter ihm stehend hörte der Kaiser die Gebets des Imam an, die jeweilig von dem tiefgutturalen Amin, Amin der vielhundertköpfigen ^schar barfüßiger Beter unterbrochen wurden, die die Moschee füllten. Es war ein Schauspiel von eindrucksvoller Schönheit; und der Kaiser selbst schien unter dem feierlichen Zauber dieses Augenblicks zu stehen, da er zum ersten Male in seinem langen Leben die Huldigutch seiner mohammedanischen Untertanen an der Stätte empfing, die ihrer Gottesverehrung geweiht ist.
Fast ebenso ergreifend und malerisch war die tfeier ui iber Synagoge b er Sepharbin, b. h. ber Nachkommen der spanischen Juden, die vor mehr als 400 Jahren
$orfd)ungsreife in Peru und Ecuador.
Gießen, 4. Juni.
'2£uf Einladung des tätigen Alldeutschen Verbandes sprach gestern abend Pros. Dr. S i e v e r s m Steins Saalbau vor einer anfehnlichen Zuhörerschar über seine Forschungsreise in Peru und Ecuador, die er im vorigen Jahre ausgeführt bat. Einleitend sprach der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Mldeutschen Verbandes, Prioardozent Freiherr v. Liebig über den Kamps des Deutschtums in den Grenzmarken, der in Böhmen und den Reichslanden besonders heftig ist. Er wies auf die praktische Tätigkeit der Tschechen und ber Franzosen hm, gegenüber her die vorwiegend theoretische Wehr der Deutschen fast machtlos sei. In den Reichslanden entfaltet man eine außerordentliche Tätigkeit, und in erster Linie ist es hier die katholische Geistlichkeit, die die Franzosenfreundlick)keit ber Elsässer und der Lothringer tätig unterstützt und in der von ihr unterhaltenen Presse eine wirksame Hilfe findet. Ter Redner legre eine Anrahl von Zeitungen und Druckwerken vor, die den Beweis liefern, mir welcher Kraft und Zähigkeit hier gegen das Deutschtum angefämpft wird. Selbst die Witzblätter, die teilweise in deutscher und französischer Sprache erscheinen, verlästern das Deutschtum in ber unverschämtesten Art, und es sollte zu denken geben, daß derartige Preßerzeugnifse so große Verbreitung finden. Umso gefährlicher wäre es, wenn man den Reichslanden die crftrebic Selbständigkeit geben wolle, durch die natürlich daS Deutschtum wieder in den Hintergrund käme. Dadurch würde die Zweisprachigkeit gefördert und auch sonst in keiner Weise dem Reichsgedanken genützt.
Nach den sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen Dr. v. Liebigs sprach Prof. Tr. Sievers über seine Forschungsreise, die als Fortsetzung seiner früheren Reisen in dasselbe Gebier anzusehen ist. In den Nummern 164 und 165 ber Gießener Familienblätter vom vorigen Jahre hat ber verdiente Gelehrte bereits einen Teil seiner Reise sehr anschaulich geschildert. Pros. Sievers trat sie im Februar des vorigen Jahres von Genua aus an und überstieg von Buenos AireS ausgehend bte Cordilleren, um dann von Valparaiso bis Casrna einen englischen Dampfer zu benutzen, da die Schiffe der deutschen Kosmoslinie ohne festen Fahrplan verkehren. Tie Reise ging bann auf Maul
tieren über das unfreundliche Küstenland, wo man stunden-1 weit vergebens nach Wässer sucht, in drei Tagereisen über |
die Cordillera Negra, die schwarze Cordillere, nach Huaräz, der Hauptstadt des Departamentos Ancachs, die etwa 3000 Meter über d. M. in einer Senke zwischen der schwarzen und der weißen Cordilleren liegt. Tie Straßen der Stadt sind eng und unreinlich, und deshalb im höchsten Grade ungesund. Dazu kommt noch der scharfe Wind, der viele Eriälrungskrankheiten verursacht. Das Deutschtum wird vor allem durch das .Handelshaus Lodtmann und Weißflog vertreten. Die Zunahme des deutschen Elements hat zugleich den Gedanken an ein deutsches Konsulat geweckt. Tie Krankenhausapotheke wirb von einer deutschen Schwester geleitet und in anderen Stellungen sind en sich ebenfals ein paar Deutsche.
Pros. Sievers zog mit vier Leuten dann über weite unwirtliche Geiöllhalden tiefer ins Innere, .wo ihm der von der peruanischen Regierung beigegebene Gendarm durch seine bloße Anwesenheir große Dienste leistete. Tie größte Schwierigleit auf diesem Zug bestand in der Fütterung der Maultiere, von denen einige ein gingen. Auch die Unterkunft war meistens recht dürftig und noch am angenehmsten in dem Zelt, das so eingerichtet war, daß e^ bet der! Beförderung nur einen kleinen Ballen bildete. Sehr empfindlich machten sich, die Wärmeunterschiede bemerkbar und es war nicht selten, daß die Reisenden am Tage unter der Hitze schwer zu leiden hatten und abends der schneidendsten Kälte ausgesetzt waren. Hin und wieder trafen die Reisenden auf eine vereinzelte Erzschmelze, von denen einige in deutschen Händen sind.
Die weiße Cordillere (Cordillera blanca) mit ihren majestätischen Eisgipfeln und ihren gewaltigen Gletschern ist 'bis an die Schneegrenze bewohnt. Die Vergletscherung selbst ist aber im Rückgang begriffen. Die Landschaft mutet manchmal keineswegs fremdartig an und der Vortragende zeigte mehrere Lichtbilder, die wohl aus deutschen Gegenden stammen könnten.
Prof. Sievers folgte dann dem Laufe des Maranon. des wichtigsten Quellflusses des Amazonas, dessen breites TatL sich in nordwestlicher Richtung hinzieht.
Die Ausführungen wurden durch eine große Anzahl von Lichtbildern wirkungsvoll unterstützt. Auch mehrere der von Prof. Sievers mirgebrachten Gegenstände waren ausgelegt und fesselten noch lange nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag dLS Interesse der Anwesenden.
— Darmstädter K a m m c r m u s i k s e st. Aus Darmstadt, 3. Juni, wirb uns geschrieben: Das britte Kammer- m u s i k s c st , bas unter dem Ehrcnschutz des Großhcrzogs int stäbt. Saalbau veranstaltet wurde, hat heute einen recht zufrieden- stellenben Anfang genommen. Mit dein Großherzogspaar und der Prinzessin Franz Joseph von Battenberg waren auch viele auswärtige Musiksreunde und ein sehr zahlreickies Publikum cutt Platze. Als Solisten bekamen wir am ersten Abend zunächst beit französischen Klavicrvirtuosen Freder ic Lamonb aus Berliü zu Horen, ber zur Vorfeier von Robert Schumanns hunbertjährigem Geburtstag dessen Fantasie für Klavier in C-dur mit genialer Meisterschaft zum Vortrag brachte. Im Anschluß bar an sang bie ungarische Konzertsängerin Frau Ilona Tnrigo vier Schu- mannsche Lieder, von denen die beiden Eichendorfsschen Dichtungen „Intermezzo" und „Waldesgespräch" am meisten ansprachen. Sehr beifällig wurden die Liedervotträge einer jungen holländischen Sängerin, Frau L angr ech t van Lammeii, ausgenommen bie ihre künstlerische Ausbildung in Teutschlanb erhalten hat unkz jetzt in Frankfurt ihre Kunst ausübt. Tie Sängerin hat schon int verflossenen Winter in Joseph Hapdns Meisterwerk „Die Schöpfung", alle Musikkcnncr durch ihre außerordentlich weiche und wohllautende Sopranstimme entzückt und erntete beute namentlich mit den beiden Mozattliedern „Tas Veilchen" und „Tie kleine Spinnerin" wiederum schöne Triumphe. Mit dem ftinw mungsvollen Quintett in Es-dur von Schumann, das von ber Darmstädter Kammermusikvereinigung vollendet zu Gehör grirrachh wurde, sand der erste Abend einen guten Abschluß.
— Eine neue Wendung in der Flora-Angelegenheit. Im Streit um die Florabüste haben die, bie eine moderne Entstehung ber Plastik annehmen, zu erweisen gesucht, daß Lucas in Southampton der Schöpfer der Büste ist. Mit diesem Beweis ist es aber schlecht bestellt, denn von Murray- Marcks (London,, dem Verkäufer der Florabüste, hat Berliner Blättern zufolge in Southampton ein K o n t o b u ch v o n 18 6 4 gefunden, in dem er eine eigenhändige Einvraguu.g von Lucas entdeckte: „Eine Florabüste für 8 Pfund getauft". Marcks hat bie Kontobuchseite photographiert und ist damit nach Berlin gereist. — Die Leitung des Kaiser- Fr i e dri ch^-M u f eu m s in Berlin gibt über diese Angelegenheit folgende Auskunft: Daß Marcks ein .Kontobuch von Lucas ausgefunden hat, ist richtig. Allerdings stimmen die weiteren Mitteilungen nicht ganz mit den Tatsachen überein. Schon seit einigen Wochen ist die Photographie des Kontobuches in unserem Besitz. Hier findet sich, wie Sic selbst sehen können!, unter dem Saturn 1846. 23. November folgende Eintragung: „pd. Mr. Lucas for restoring Marble Head > dieses Wort ist unleserlich) ok Paris 4. —" — An Mr Lucas für Wiederherstellung eines ivrarnwrkopfes von Paris 4 Psd. i gezahlt. Daraus läßt sich nicht ohne werteres schlreßen, daß es sich unr bte Florabüste handelt.


