Ausgabe 
4.3.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 53

Erschemi-ttch mit Aufnahme des Sonntags.

tzesjiiche Zweite Kammer.

Bbd.).

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DieGietzencr ifamUienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal.

tianbeln.

Schluß 3/42 Uhr. Nächste Sitzung nachmittags 4 Uhr 'Nachmittagssitzung.)

Am Regierwigstische: Staatsminister Ewald Exz., tnrumz- minister Braun Erz, Minister des Innern v. H dmb er g k zu Back. Ministerialrat Dr. Best, Geheimerat Dr. Becker Ministerialrat Puffert, Ministerialrat Lorbacher, Geheime- rat Dr. Weher. r, .. __ ... n,

VLzcvräsidcnt Dr. Schmitt eröffnet die Sitzung um 4 t Uhr. Er erteilt alsbald das Wort dem

Abq. Dr. Entfleisch (Freis). Die>er führt ans, er habe seinerzeit mit dem früheren Finanzminister übereiltgestimmt in der Forderung einer vermehrten Schuldentilgung. Es leiüber­flüssig, Untersuchung darüber anzustellen, welche Fehler tri her gemacht worden sind. Auch die Behanvtung, daß zu viel uiw

Freitag ^.März 1910

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioerstlälS - Buch- und Stemdruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckul-

straße 7. Expeditlon und Verlag:

Redaktion: 112. Teü-Adr^ AnzeigerGießen.

und nahm etwa 6.000 mit sich. ,

Nelsons Tagesbefehl oon Trafalgar rm Britischen Museum. Aus London wird berichtet: Ter berühmte Tagesbefehl in der Schlacht von Trafalgar, joon Nel­sons eigener Hanb geschrieben, ist nun durch eine Schenkung in den Besitz des Britischen Museums übergegangen TaS hi­storisch denkwürdige Dokument ist in ziemlich lesbarer L>anchchrtft auf zwei Quartseiten geschrieben, und ganz vorzüglich erhalten. Es ist in einem Eichenrahmen ausgestellt, dessen Solz von Nel­sons AdrniralschisfVictorh" herrührt und der von den Tords der Admiralität geschenkt wurde. Das Datum, der 9. Ott. löUö, ist von N.'s Sekretär geschrieben. Die Anweimngcn an btc ein­zelnen Kapitäne wurden nach dieser Handschrift hergeftellt; von ihnen sind noch vier erhalten.

Kleine Chronik aus Kunst undWisi en sch a ft Hermann Hei berg, der vor wenigen Taoen in Schleswig verstorbene vielaelesene Dichter und Erzähler, war^in den letzten Wochen vor seinem Tode damit befchäsimr, eine Lammelausgabe seiner Werke rusaminenrustellen. Diele Ansaabe wird beimiacb1' unter dem TitelHermann Heiber Mestlerromaue und nisgewählte Erzählungen" im Verlag von Hermann Leeman Nachfolger erscheinen.

Aus den Reichstagsaustchüffen.

:: Berlin, 3. März.

Im Budgetaus schuß wurde der Haushalt für Kiautschou weiter beraten. Die Sparsamkeitsbestrebun- aen des Ausschusses hatten bei einer Reihe von Positionen Erfolg; u. a. wurden 47 000Mk. bei den Unterhaltungskosten der Bauten abgesetzt. Einzeln reifende Offiziere und Be- enrrte werden jetzt auf den billigeren Weg durch Sibirien! verwiesen. Eine sehr eingehende Aussprache veranlaßt die Frage der kaufmännischen Leitung der Erwerbsbetriebe. Es tmrd angeregt. Selb st bewirt fchaftungsfonds -zu geben, die natürlich der zeitweiligen Kontrolle des Oben- rechnungshofes an Ort und Stelle unterliegen mußten. Stoatssekretär o. Tirpitz begrüßt diese Anregung. Es wird weiter gewünscht, die Zahl der etatsmäßigen Beamten aus das äußerst notwendige Maß zu beschränken, da die Sicher­heit der Beamten'stetlung den kaufmännischen Geist ersticke. Auch in dieser Beziehung gibt der Staatssekretär eine zu­sagende Antwort. Auf Anfrage teilt der Staatssekretär mit, daß die H a f e n b au t e n in zwei bis drei Zähren zum M- schluß gebracht sein werden. Auch hierbei werden 25 000 Mark abgestrichen. .

Sodann wird der Haushalt des Reichsinvalrden-- fonds verhandelt. Der Berichterstatter, Abg. Dr. Goercke, stellk fdst, daß seine Voraussage, daß der Rcichsinvaliden-- sonds nicht wie die Regierung angab, bis zum Jahre 1913 reichen würde, sich leider bestätige. Im Jahre 1911 müssen Breits 25 Millionen Mark aus der Rcichskassc zugesetzt werden. Schatzsetretär Wermuth bestätigt das: jedenfalls wehr als 20 Millionen Mark.

Beim Haushalt des allgemeinen Pensions­fonds beklagt der Berichterstatter das erneute Anwachsen um 2i/2 Millionen Mark. Auf Anfrage nach dem der Vorlage des Gesetzes für die Kriegsteilnehmhilfen erklärt Schatzsekretär Wermut^, man müsss-nrtt^iner Aus-- gabe von 18 Millionen Mark dabei rechnen; dies Geld sei nicht da. Wenn eine W e h r st e u e r bewilligt werde, könne dqs Gesetz sofort kommen. Es wird im Anschluß hieran darauf Hingewi esen, daß diese Ausgabe ja nicht dauernd­sein werde, sondern von Fahr zu Jahr geringer, und im übrigen käme ja die Wertzuwachs'steuer. Es wird eine Entschließung vorgeschlagen, wonach nach zehn Jahren aktiver Tätigkeit Ansprüche aus den Feldzügen an dem Pensionsfonds nicht mehr gelten follten. Schatzsekretär Wermuth bemerkt: Deutschland bezahle mehr als irgend ein anderer Staat für seine Veteranen.

Der Justizausschuß des Reichstages hatte gestern die Stra,rechtsnovelle in beiden Lesungen erledigt. .Heute trat er zu einer kurzen Sitzung zusammen betreffend die geschästsordnungsmäßige Behandlung derStrasprozeß- Novelle. Ein Vorschlag, zunächst prinzipiell über die Bei­behaltung der Schwurgerichte, die Zuziehung der Laien in der Berufungsinstanz und die Organisation wer Berufung^- Berichte zu verhandeln, erwies sich als undurchführbar. Man 8rach daher die Verhandlung ab und beschloß, Dienstag den 8. März mit § 1 der Strafprozeßnovelle zu beginnen.

preußen, das immer moderner werden zu wollen scbeint, bat jetzt wie derB. B. C/ mitteilt, seinen Zwist zivischen Tbeaterdirektor und Kritiker. In dem sonst so gemütlichen und idyllischen -lanae städtchen Memel hat der Tbealerdirekior dem Rezensenten des

Memeler Dampfboot" den Zutritt zu seinem Muientempel unter- sagt. Der Grund liegt in der Annahme der Direktion, daß die Kritiken dieses Blattes .qeschä'tsschädiqend" wirken. So hat denn dasMemeler Dampiboot" jede Theaterberichterstattung emae,teilt, und da dies Blatt die einzige täglich erscheinende Zeitung bei -todt ist, er'cchrt das Theatervublikum einstweilen weder etwas Gutes, noch etivas Schlechtes über sein Theater. Tas wird nun am Ende erst rechtge'chäflsichätugend" wirken.

Tibetische M a nu s kr i V ts chä tz e. Eine pichst werk­volle Sammlung tibetischer, chinesischer und taoistischer £)aiw> schriiten hat ein junger Forschuiigsreisender Paul Pelliot der Pariser Bibliothüque nationale zum Geschenk gern aast. Zn den Besitz dieser Schätze ist er, wie Pariser Blätter erzählen, am eine höchst merkwürdige Weise gelangt. Er hatte gehört, daß ein taoistischer Priester, der in einer Grotte am Thuemhueng levt. beim Untersuchen seiner Wohnung eine große Menge von vorzüglich erhaltenen Manuskripten und Malereien gefunden habe, die der Zeit vor dem 10. Jahrhundert angehörten. Augenblicklich machte sich der französische Reiistnde auf den Weg zu dem Eintiedler. Bon dem Priester wurde er freundlich ausgenommen und erhielt die Erlaubnis, die Schätze zu bewundern und zu itubieren, denn er hatte keine Ahnung von ihrem Wert. Es wurde dann em iem mäßiger Preis zwischen ihnen festgesetzt: Pelliot verbrachte noch einen Monat in der Grolle, suchte die kostbarsten Lchrtsten aus

Abg. Bähr (roittb stimmt zunächst dem Abg. Ulrich zu, daß man mit einem Minister völlig genug hätte. Jetzt habe man vier. Das koste viel Geld. Auch bei den kürzlichen Benetzungen und Ernennungen hätte man mal sparen können, allein an Umzugskosten. Daß der Finanzminister Gnauth über seine ^teuer­er Höhung gestolpert sei, bedauere er nicht, denn er habe von dessen Finanzwirtschast nie etivas gehalten. Als Men,ch aber munc er auch als Gegner anerkennen, daß Guauth cüt~ Mann war. Durchaus falsch sei es, wenn Gnauth allein die Schuld an bet Finanzmisere zugeschoben würde, dann sei die Zweite .wimmer am meisten selbst schuld. Er habe neulich schon vorgeschlagen, man solle jährlich ein paar Hundert Kommerzienräte ernennen und die Orden besteuern, da kämen ein paar Millionen Mark heraus. Die 150 000 Mark, die der Ausschuß gestrichen habe, seien ment der Rede wert. An Beamten könne entschieden gespart werden. Die Zahl der Beamten Hessens sei viel zu hoch. Zum Bei,viel bic Eisenbahnabteilung sei überflüssig. Gespart könnte werben art vielen Dienstwohnungen, z. B. für Oberförster Vic Wohituntz für den Oberförster in Darmstadt sei völlig überflüsng. Die Grund­buchanlegung fei viel zn kostspielig, zumal nach allgemeinem Urteil das alte Grundbuch viel besser gewesen fei. Unsere Eisenbahnpolitik führe zu keinem guten Ende, xie 21^10)1, daß man das Schulgeld erhöhen könne, teile er nicht, man dürfe den Unbemittelten nicht die Bildungsmöglichkeit eiistchran- ken oder erschweren. Der Meinung des Abg. Mann, daß es der Landwirtschaft gut ginge, müsse er widersprechen.

Abg. Dr. Winkler (Ml.' meint, es lei nicht müßig, zu untersuchen, wer an der finanziellen Lage schuld sei. Zm wesent­lichen seien die vielen unrentablen Bahnbauten an der großen Schuldenlast schuld. Die größere Hälfte der Schuld wüste er der Regierung zuschreiben. Sie sei gewissermaßen der Lokomonv- sichrer, der die Werke übersehen müsse und besser übersehen könne, als die Fahrgäste. Viel- gesündigt sei im Bauwesen worden Da habe man drei Phasen zu verzeichnen. Zuerst wurde zu schlecht und zu eng gebaut, dann nach außen hin pomphaft und immer das Schlechte durch Talmikunst verdeckt und zum^dritten außen und innen so pomphaft, wie es sich der große otaat Preutzert nie geleistet hat. Siehe Justtzpalast in Mainz. Daran hatte man noch mindestens 200 000 Mark allein an der inneren Ein­richtung streichen können. Viel vereinfachen und sparsamer ge­stalten könne man das Diätenwesen. Wenn man dem geschiedenen Finanzminister Tank und Anerkennung ausspreche, so gebühre dieser Tank noch mehr dem Manne, der aus einem^llebgewordenen Amt schied, um die versehene Situation zu retten, xaju gehört em hohes Maß von Pslichtbewußtsein. stBravo!) Daran sei kein Zweifel, daß der Verwaltungsapparat in Hetzen viel zu kost­spielig sei, daß wir zweifellos über unsere Verhaltniste leben. Daß Ulrich endlich anerkenne, daß es der natioualliberalen Partei ernst sei mit der Reorganisation, freue ihn. Aber oen ^tnd} Hon zwei Ministern mache er nicht mit, denn wenn wirklich dadurch Ersparnisse erzielt werden könnten, wären es vielleicht 2UUO Mark. Dafür doch lieber die Gewähr, daß die verantwortungs­vollen Posten auch richtig ausgefüllt werden. Dringend notwendig sei die Neueinteiluna der Kreise und der Amtsgerlchtsbezirre. Zur Frage der Bestätigung sozialdemokrattzcher Beigeordneter und Bürgermeister hofft er, daß der neue Minister ferne andere Stellung einnehmen werde, daß vielmehr m dem guten alten Kurs weitergefahren werde. (Beifall.) An der Beamtenkalamnat sei int wesentlichen die zu große Zahl der Beamtenanwarter chuld. Da müßte die Aenderung einsetzen.

Damit iftbic Generaldebatte gesch l o^s s en. £-ic übliche Vorbemerkung zum Etat wird genehmigt. Me Spezial­beratung beginnt morgen Freitag früh 9 Uhr. ^Äluß gegen, 7 Uhr,__________________________

Kleine» Feuilleton

Zur Krise im Bund für Mutterschutz erhalten mir folgende Zuschrift: »Entgegen einigen unilaufenden auch in -inen Teil der Presse gelangten Gerüchten, als wären die in der Broschüre »Zur Krise un Bund für Mutterschutz" erhobenen Be- jef)werben gegen Dr. Helene Stöcker durch die Generalversamm­lung in Halle entkräftet und seitens der Befchwerdembrer durch Annahme eines Pertranensvotums zurückgezogen worden, erklären die Unterzeichneten: 1. Die angenommene, von einer der Unter­zeichneten selbst mit eingebrachte Resolution bezieht sich in keinem einzigen Punkte auf die in der Broschüre oorgebracbten Beschwerden. 2 T ie Unterzeichneten roünditen lediglich zum Ausdruck zu bringen, daß sie den Borwurf derUnredlichkeit" niemals erhoben hatten. 3. Sämtliche in der Broschüre erhobenen Beschwerden werden in vollem Umfange mirtecbt erhalten. 4. Sollte die in die Pieste ge­langte Notiz, daß Dr. Helene Stöcker Anklage gegen die Verfasser der" Broschüre erhoben habe, den Tatsachen entsprechen, so ivare dies den Unterzeichneten nur willkommen, (gez.) Negine Teiusch. Fra'.icis Sklarok."

Ein Frühlingsfest in der Mainzer Stadt­halle veranstalten zu wohltätigen Zwecken die Mitglieder der Mainzer Bühne mit dem Mainzer Journalisten- und ^xbrj-Tt- steller-Vercin am 19. März. Ein vornehmes Konzert, unter Mit- wirkuna hervorragender auswärtiger Künstler soll die Einleitung bilden und ein Ballett zum Ball überleiten. Gleichzeitig crostnen dann die Mainzer Bühnenkünstlerinnen den Verkauf an verichie- denen Erfrischungszetten und an der Tombola, die künstlerisch wertvolle Gewinne enthalten wird. Im mittleren Terrassen, aal werden die Nacht hindurch Kabarett-Vorstellungen gegeben, deren Torbielungen 1. Kräfte, darunter Erwst v. Wolzogen und seine Gemahlin bestreiten.

fe Naturschutzpark. Au§ Frankfurt a. M., 4. März, wird uns geschrieben: In der Hauvwerjammlung desVereins hirschaerechter Taumisjäger" sprach gestern Tr. Floricke-Siuttaarl über Naturschutzparke. Während sich die Bewegung früher am das Nützlichkeitsvnnzip gründete, geht die moderne üratlirfchiitzbeweguna von einem bedingungslosen Schutz aus. Der Verein beabsichtigt, drei Parke anznlegen, und zwar einen Hochgebirgsvark, eiiien P.irk für das Mittelgebirge im Vogelsberg und erneu Park für die Norddeichche Tiekebenc. Der erste Park wird in der 9iähe von Salzburg stehen und 150 Quadratkilometer umfassen.

Ausstand der Theater tritt ker Kaum ist der Streik der Theaierkritiker vou Kopeuhageii gütlich beigelegt, sehen sich ihre Kollegen in E b r i st i a n l a genötigt, zu diesem Abivehc- mittel zu greifen. In Ehristiania hat iimit als stehenden Brauch eingeiührt, daß die Thealerdirettionen die -Kritik schon zu den Generalproben einluden Jetzt verweigerte plötzlich das National- Theater der Krink den Zugang zur Generalprobe des .Heinrich IV und darum blieb die Aufführung unbesprochen. "Auch Cfi

diese beiden Faktoren handelten. Ich muß diese Schuldigerklarung für uns abweisen: ich fühle mich nicht schuldig. Unsere Partei hat schon seit Jahren erkannt, daß cs so nicht weiter gehen kann und dies auch in vielen Anträgen zum Ausdruck gebracht. Wenn wir die Depression nicht voraussehen konnten, so stt das teilt Grund, uns als schuldig zu erklären. Den Anregungen der Ersten Kammer bin ich mit Widerstreben entgegengekornnien. Ich habe mit den Herren zuerst prioallm gesprochen, um - vielleicht zu einem gemeinsamen Modus zu kommen. Man hat mir das als Schwäche angerechnet, aber es war keine. Bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, mit diesen Herren soll man feine Kirchen egen, außer man hat die Kirschen selbst und wirst denen die Steine zu (Groß«' .Heiterkeit.^ Man wollte uns recht höflich stillschwei­gend einseifen. Die Erste Kammer ist ein Anachronismus und cs ist Zeit, daß er keinen Einfluß mehr bekommt. Und ich erkläre sckwn jetzt, daß ick gegen diese Refommnnikation der Ersten Kammer energisch Protest erheben werde. Redner wendet sich iobann gegen die Stenervoischläge der Ersten Kammer und die verweigerte Vermögensstener derKraut- und Schlotbarotte". Das Verhalten ber Ersten Kammer ist eine Heuchelei darf ich nickst sagen, denn das würde der S?err Präsident nicht zulassen aber eine Var- ' tüuerie sondergleichen. Der Ersten Kammer ist man schon mehr als gut entgegengetommen. Bei einer ablehnenden Stellung ihrer­seits ist die Durchstimmung ein Weg, über den ich mid} freuen wurde. Hätte der Aussckuß die Regierungsvorlage mit 1.10 Mark für 1Ö00 Mark Vermögen angenommen, dann hätte man die nötigen Teuerungszulagen von 730 000 Mark heransbekommen. Die Erklärung des badischen Ministers über die Begehrlichkeit der Beamten ist eine gefährliche, die feine Gültigfeit hat Aus bett Erklärungen des .Kollegen Osann über den preußischche,n,chen Eisenbahnvertrag ersehe ich, daß er von der Gluck,eligtell des Verttags nicht mehr ganz überzeugt ist. Es gibt kernen -Lchul- bigeren an der ganzen Finanzlage, als dieser Eisenbahnverttag. Ick hoffe, daß wir Preußen, den großen Bruder, den lieben, ver­anlassen können, daß er in eine Revision des Vertrags willigt. In der Verwaltung, soweit es sich insbesondere um die leitenden Posten handelt, bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß man sparen kann. Den guten Willen dazu haben die Herren so Dir beteuert, daß idj ihn nicht mehr bezweifle; es wird nur nickst da eingesetzt, wo eingesetzt werden muß, da oftgerat,,e Rücksichten am Streichen mancher Stellen hindern BelonverS das Ministerium kann etwas reorganisiert werden: ich habe nichts gegen die Person dieser Herren, sondern halte sie alle stir acht­bare, ehrliche Leute. ! Heiterkeit.! Für ein kleines Land wie Hessen 10ürbe ein Minister ausreichen, während man letzt 4 Minister habe beim, bezahlen muß. (Heiterkeit.) Auch in der Justtzoerwal- tung soll die Regierung einmal nach dem rechren ,ehcn und an Stellen reduzieren, wo es angeht. Tie PolizeipraxiS, tote lic neulich in Otzenbach angetoaubt wurde, daß man einen Ge­heimpolizisten in dic Versammlung 'chtctte, nicht oisiziell, sondern um so zu horchen, soll preußisch bleiben. Ich mochte da die gute Erziehung der Regierung anrnfen. Die Nrchtbestätigung joztal- bemokratischer Beigeorbneter usw. roirb leider immer noch geübt. Die Regierung hat kein Recht, über unsere Politische Meinung ein Urteil zu fällen. Es ist unglaublich und unerhört, eine große Partei, eine Menge Steuerzahler als Bürger 2. Klasse zu be-

kostspielig gebaut worden sei, ist mindestens müßig. Es wird eben jetzt schöner und preiswerter gebaut. Der Behauptung, daß i Hessen zu Diel Beamte habe, kann er nicht zustimmen. Er habe damals auch zu denen ezählt, die die Vermehrung der ^ber» i örsterstellen befürwortet haben. Es mülle anerkannt werden, daß die Regierung davon doch mehr verstehe, rote die Ubgeordneten, und es sei nachgewiesen, daß die Forsten bet zweckenttprechmder Bewirtschaftung noch mehr abwersen, können. Nachdem Abg. ' Dr. Weber eine andere Meinung geäußert, verickließe er nd) nicht besserer Einsicht. Mit der Sparsamleit durch Bereinkachung der Verwaltung sei er durchaus einverstanden, wenngleich er nicht die Hoffnung teile, baü damit erhebliche ^Lummen in ab- ehbarer Zeit gespart werden können. Sie Beamten rannten nicht für die gegenwärtige schlechte Lage des Landes verantwort­lich gemacht werden. Es wäre zu bedauern, wenn das Gefühl ausfäme, daß unsere Beamten überslüslig leien. Ein Fehler ist eS auch, wenn letzt überall gefordert werde, in Bad Nauheim zu sparen und zu vereinfachen. In emem Weltbade, das dock nur von Wohlhabenden besucht werde, könne Luxus nickst entbehrt werden. Das schade dem Bade'und damit unseren Finanzen. Die Vorwürfe, die vielfach in der Preste gegen den Ausichuß er­hoben würden, feien durchaus unberechtigt und ungerecht. Der Ausfchuß habe ehrlich und fleißig gearbeitet. Wenn Wumche un­berücksichtigt blieben, so geschah das schweren .Herzens. Nament­lich mit den Wünfckttm der Beamten und Lehrer. Besonders dem Abg. Osann müsse er bezeugen, daß er immer unb immer wieder versucht habe, für die Beamten und Volksschullehrer etwas zu erreichen. Der Verlust des Finanzministers Gnauth sei _ das schwerste der Opfer, die in diesen Dingen gebracht werden mußten. Ein Trost lei, daß alsbald eine Reihe mutiger und fanwtberciter Männer die Lücke auszufüllen bereit waren . (Heitertell und Beifall.) Die Einrichtung besonderer Fonds sei eine lehr brat- tische Einrichtung und es wäre ein oehter, wolle man diese Fonds den allgemeinen Zwecken znführen. steuererhohungen in weit höherem Maße, wie sic heute vorgeicklagen, werden unbedingt kommen müssen, wenn man die Verhältnuse ernsthaft sanieren wolle. Allerdings müsse er bestättgen, ba.fe int Volt der nor* geschlagene Steuersatz aus schwersten Widerstand gestoßen fer. Da­rum habe auch er für die Gegenwart leine Ansicht geändert. Ohne Opser für die Zukunft sei aber eine Sanierung unmöglich. Darum bedauert er die Aeußerung des Abg. Brauer von heute vormittag. Die Schuldeiitilgung könnte neben der Erhöhung der Deamten- gehalter hergehen. Man müsse die Bevölkerung zu der Ansicht erziehen, daß das Vaterland stets Opfer erfordere.

Abg. Dr. H e i d e n r e i ch (nl.) möchte lich nur über die Deckung kurz verbreiten. Er könne die ablehnende Haltung der ersten Kammer gegen die vorgefchlagene Erhöhung der Ver­mögenssteuer verstehen. Wenn man immer auf Baden zurück- blicke, so jet das nicht richtig, denn dort habe man temc eigent­liche Vermögenssteuer, sondern mehr eine Ertragssteuer. , Wenn man in dem gegenwärtigen Steuersystem von lozialpolitych ipreche, so sei bas schon mehr lozialistisch. (Oho! Wideripruch.) Redner schließt, er werde den Vorschlägen zustimmen, nicht aus Liebe, sondern weil die Not des Vaterlandes eS bringend fordert.

Aba. Lutz (Bbd.) meint, roenn man die Sache richtig betrachte, so sei es lange nickst so schlimm, als es nach den bisherigen Zeitungsstimmen aussehe. Die vorgeschlagene iLchuldent'.lgüng iei entschieden ein Fehler gewesen, denn Schulden bezahle man, roenn man Geld habe, nicht, roenn man ohnehin an allen Ecken und Enden zu sparen gezwungen ist. Unsere Einnahmen lasten «ich hie und da noch erhöhen. Sv z. B. könne das L^hulgeld an Seminaren und Präparandenanstalten erhöht werden, auch das der höheren Schulen vertrage nod) eine Erhöhung. Nicht erhöht wer­den dürfen die Stempelabgaben. An Gehältern und WohnungS- aeldzuschüssen darf nicht gespart werden. Hingegen konnte viel­leicht bei den Aushilfckost-n gespart werden, z. B. bei den Aistiioren der Oberförster. Aud) bei Tagegelder und Neste ko sten,^die lich auf 1 400 000 Mark belaufen, müsse gespart werden, sti^Lummen für Schreibgehilfeii steigern fidt von Jahr zu Jahr. Das muste sich vermeiden lassen, wenn die Beamten mal etwas mehr arbetten, wo die Not des Landes es erfordere. Auch die Bureaukosten stien viel zu hoch und die Portoausgaben. Man solle daS Verhältnis mit ber Post kündigen und versuchen, billiger auszukommen. Weiter könnte gespart werden bei der Rubrik Umzugskosten. Red­ner schließt, daß er und seine Freunde ernsthaft rnttarbeiten werden an der Besserung der Lage des Landes. (Bepall oei dem

Zweites Blatt 160. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesjen

sFortsetzung <ruS dem. 3. Bl stt.)

Abg. Ulrich (Svz. ; Ich bin erstaunt, daß man Regierung unb Kammer miteinander als schuldig an ber 'chleckten Finanz­lage hinstellt unb babei vergißt, aus welchem Milieu heraus diese beiben Faktoren hanbclten. & *«**«

für uns abraeisen: ick fühle r