Nr. 305 (Erffts Blatt
160. Jahrgang
Donnerstag, 29. Dezember 19(0
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Vie Ermordung von Deutschen.
An den Karolinen haben wir nie rechte Freude gehabt. AIS Deutschland sie in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts besetzte, erhob Spanien so energischen Widers pimch, daß Fürst Bismarck den Rückzug antrat, und die Streit- jrage über die Karolinen dem Schiedsgericht des Papstes •unterbreitet wurde, der sie Spanien zusprach. Und wenn wir die im Stillen Ozean gelegenen Inseln jetzt unser eigen nennen, so verdanken wir das nur dem im Kriege mit den Vereinigten Staaten zusammengebrochenen Spanien Unb seinen Geldnöten. Denn die Spanier mußten, nachdem sie Kuba und die Philippinen an die Amerikaner abgetreten hatten, die bisher ausrechterhaltene Fiktion von einem Kolonialreich sollen lassen und waren umso eher (1899) zu einer Ueberlassung der Inseln an Deutschland bereit, alS dieses ihnen für die Karolinen, Palauinseln und Marianen das nette Sümmchen von 25 Millionen Pesetas (ä 0,81 Mk.) zahlte, das sie bei ihrer noch durch den Krieg gesteigerten Finanznot nur zu gut brauchen konnten. Cs wird niemand behaupten können, daß sich dieses Geschäft in den folgenden 10 Jahren glänzend rentiert hätte.
Viel war ja bei der Kleinheit der Inseln von vornherein nicht zu verlangen. Aber man hätte doch erwarten können, daß eine 10jährige deutsche Herrschaft den Unbot- Mäßigkeiten der Eingeborenen, wie sie unter Spanien gang und gäbe waren, ein Ende machte, zumal in diesen zehn Jahren die Karolinen einem überaus tüchtigen Verwaltungsbeamten, dem Gouverneur von Neu-Guinea, Dr. Ha hl, unterstellt waren. Statt dessen muß man nun hören, daß der Vezirksarntmann der Karolinen, Regierungsrat Bö der, und drei andere, ihm untergeordnete Beamte nebst ihrem Gefolge von Eingeborenen aus einer Inspektionsreise nach der der Regierungsstativn Ponape vorgelagerten Insel Dschokadsch niedergemetzelt wurden, und muß weiter aus den Auslassungen der „Nvrdd. Allg. Zta." vernehmen, daß es auf den Karolinen eingentlich nie ruhig war, ja, daß 1908 bereits ein Ausstand drohte. Zwar wird gleichzeitig betont, daß es den Bemühungen des Dr. .Halft immer gelang, die Unzufriedenheit der Eingeborenen $u beschwichtigen und z. B. den Ausbruch von Unruhen im Jahre 1908 durch Verstärkung der Polizeisoldaten und Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes im Keim zu er- stuken, aber nur wenige Zeilen weiter wird offen zuge- aeben, daß die Lage schon im Juni dieses JahreS gesahr- crohend war und einem Aufstand nur durch persönliche Verhandlungen des jetzt ermordeten Bezirksamtmanns mit den Häuptlingen, sowie durch das Anlaufen des ostasiatijchen Geschwaders vorgebeugt wurde.
Das hätte unsere Kolonialregierung zur Vorsicht mahnen müssen. Und wenn es natürlich auch keinem Zweifel unterliegen kann, daß der die Regierungsgeschäfte an Stelle bes (eit dem Monat Mai beurlaubten Dr. Hahl führende Vizegouverneur von Neu-Guinea, Dr. O ß w a l d, mit seinen Polizeisoldaten den Ausstand auf Dschokadsch niederschlägt, wenn nicht schon niedergeschlagen hat, da die Aufrührer mur 200 bis 250 Köpfe zählen sollen, und daß die Anwesenheit der deutschen Kriegsschiffe „Planet", „Kormoran", „Emden" und „Nürnberg" genügt, um die Bevölkerung der übrigen Karolineninseln im Zaume zu halten, fo wird man sich doch fragen müssen, was eigentlich ge- chchen soll, um dergleichen betrübliche Vorfälle für Die Zukunft zu verhüten.
Wie es heißt, brüsten sich die Eingeborenen, die übrigens euf einer relativ hohen Kulturstufe stehen, noch immer mit sihren Massen erfolgen gegenüber den Spaniern, insbesondere mit der Erstürmung von Ponape. Ihr unbändiger Stolz will, wenn er sich auch der Herrschaft der Häuptlinge beugt, Lie Herrschast der Weißen um keinen Preis ertragen. Dieser fStolz aber wurde auss empsindlichste dadurch verletzt, daß man die Eingeborenen zur Zwangsarbeit bei den durchaus notwendigen Wegebauten heranziehen mußte, da eben alle anderen Arbeitskräfte fehlen und die glücklichen Kinder Les Stillen Ozean, deren Lebensbedürfnisse äußerst gering ffind, freiwillig keine Arbeit leisten. Ob das Bezirksamt tober seine untergeordneten Organe bei diesen Zwangsarbeiten die Eingeborenen falsch behandelt haben, baß sie sich Hafür an dem Bezirksamtmernn Böder unb seiner Begleitung rächten, bleibe dahingestellt, unb ebenso, ob nicht die kon- lessionelle Verhetzung, wie sie aus den Karolinen von den Protestantischen Liebenzellern und den katholischen Kapuzinern leider getrieben wird, das ihrige dazu beigetragen Kat, die Weißen in den Augen der Eingeborenen als uneinig und deshalb leicht besiegbar erscheinen zu lassen. M<rn wird daher, sollen die Karolinen endgültig beruhigt werden, nicht nur aus ein Stationsschiss, auf eine weitere Verstärkung der Polizeitruppe dringen müssen, sondern aum darauf, daß die Eingeborenen mit Festigkeit, aber and) mit möglichster Milde behandelt werden und die konsesjio- ttdlni Reibereien endlich aufhören.
Des weiteren aber auch auf die endliche drahtlose Ver- pbinbung der Kabelstation $)ap mit den übrigen Mittelpunkten der Inselgruppen, bte schon in der kolonialen Denkschrift des vorigen Jahres als höchst wünschenswert bezeichnet wurde. Wenn Dr. Böder am 18. Oktober ermordet worden ist, die Nachricht aber erst am 30. November mit dem Dampfer „Germania" in Rabaul eintraf, so hätte der Klufstand weiteren Umfang annehmen können, ohne daß man an der Regierungszentrale irgendwelche Maßregeln dagegen ergreifen konnte. Wir können also von Glück sagen, baß es diesmal bei lokal begrenzten Unruhen geblieben ist. Seltsam berührt es, daß das Kolonialamt, wo doch die telegraphische Meldung von der Ermordung deutscher Regierungsbeamter spätestens am 1. Dezember eingetrossen
ein muß, es nicht für nötig hielt, dem deutschen Volke über >ieses Ereignis irgendwelche ffllitteilung zu machen.
Berlin, 28. Dez. Die „Nordd. Allgem. 3tg." schreibt: Bei der Wiedergabe des amtlichen Telegramms betrefsend den Aufstand in Ponape ist ein Mißverständnis insosern unterlaufen, als gesagt wurde, es herrsche übrigens in Ponape Ruhe, während es richtig heißt, es herrscht in dem übrigen Ponape Ruhe. Den Namen Tscholadsch ober Jokoi führt eine kleine, Ponape nördlich vorgelagerte Insel, auf ber die Mordtat passiert ist, sowie Die südlich anschließende Landschaft auf der Hauptinsel Ponape selbst. Nach einem Telegramm ist anzunehmen, daß sich die gesamten Dschokadschleute im Ans st and befinden, während sich in den übrigen fünf Landschaften auf Ponape die Eingeborenen durchaus ruhig verhalten und größtenteils loyale Anhänger der deutschen Regierung sind.
Berlin, 28. Dez. Die Schisse „Emden" sind von Tsingtau, „N ü r n 6 c r g" von Honkong am 28. Dezember nach Ponape gegangen, „Nürnberg" unter Anlaufen von Jap.
lieber die Ansiedlung von Weißen und örtlichen Verhältnisse auf Ponape wird uns aus Berlin gefchrieben:
Die letzten eingetroffenen Nachrichten lassen erkennen, daß lediglich die JokoftLeute unruhig sind, wahrend die übrigen Eingeborenen, die sich aus im ganzen 6 Landschaften verteilen, ruhig geblieben sind. Anfang 1910 waren aus Ponape i m ganzen 51 Weiße, davon 34 männliche und 17 weibliche Personen, vorhanden Fünf Ansiedler waren verheiratet. Mit Ausnahme der Missionare, die im Innern der Insel verteilt sind, wohnen die Weißen in der Kolonie Ponape, wo sie sich meist Durch Koprahandel mit den Eingeborenen ernähren. Ter Regierungssitz, in dem der ermordete Bezirksamtmann Böder selbst wohnte, befindet sich etwa eine halbe Stunde weit von der Kolonie. Die Oertlichkeiten sind durch steinerne Mauern, die noch aus spanischer Zeit stammen, gegen Ueberfälle geschützt. Tie Insel Ponape ist etwa 360 Quadratkilometer groß und die Zahl der sie bewohnenden Eingeborenen beträgt nicht, wie in einzelnen Blättern zu lesen war, 15 000, sondern nur etwas über 3000 Köpfe. Dagegen hat die Gruppe der Truck-Inseln etwa 13 000 Einwohner. Diese Inseln und Ponape finb die wichtigsten Gruppen der Ost-Karolinen, 'Tie Eingeborenen auf Ponape sind sehr kriegerisch, aber keine Menschenfresser, wie die Insulaner der Admiralitäts-Inseln. Sie rechnen zu den Mikronesiern und stehen etwa zwischen den Samoanern und Melanesiern. In geschichtlicher Beziehung kann noch nachgetragen werden, daß Ponape im Jahre 1905 durch einen Taifun verwüstet wurde. Tie Regierung hals den Eingeborenen mit Lebensmitteln aus, worauf diese später eine größere Zahl von Gewehren abliefertot.
Ter neue Kolonialetat für 1911 sicht speziell für Ponape die Forderung für einen Landmesser vvr, wobei bemerkt ist, daß ,,bie_ Unfid)L* beit der Rechtsverhältnisse der Eingeborenen am Grundbesitz und der Landnutzung aus Ponape zu fortdauernden Fehden und Unruhen unter ber eingeborenen Bevölkerung geführt hat. Eine nachhaltige Besserung tarrn nur durch Feststellung der den einzelnen Stämmen und Dorfschaften gehörenden Gebiete erzielt werden". Für das gesamte Schutzgebiet, zu dem Ponape gehört, werden 700 farbige Polizisten angefordert, von denen aus die Ost-Karolinen, also Ponape, Truck-Inseln usw., 50 Mann entfallen Für die ganze Polizeitruppe wird ein Oberleutnant angefordert, da die Truppe bisher der fachmännisch-militärischen Leitung unb Ausbildung entbehrt hat. Namentlich im Hinblick auf die oft nickt leichten Ausgaben, die an die Expeditionstruppe herantretoi, erscheint eine militärische Ausbildung und Führung angezeigt.
Line Einigung unter den Berliner Nationalökonomen.
Berlin, 28. Dez. Dm schwarzen Brett ber Universität erschien eine Bekanntmachung bes Rektors bezüglich bes P r o f e s s o r e n st r e i t s. Danach tauschten bie Parteien, nachbem der Ausschuß ein gutachtliches Urteil abgegeben hatte, Erklärungen aus. Professor Bernhard erkennt auf Grund der ihm gewordenen Informationen an, daß seine älteren Fachgenossen ihn in seiner Lehrtätigkeit nicht ungebührlich beschränken wollten und nimmt die auf Grund dieses Irrtums ausgesprochenen Beschuldigungen sowie bie im Kolleg von ihm getanen Aeußerungen, soweit sie Vorwürfe gegen seine Facbgenossen enthalten, zurück; er versichert auch, den in ber Presse anonym erschienenen, ehrverletzenben Angriffen gegen seine Fach genossen sernzustehen. Die Professoren Wagner,Schmol- ler unb ©ering nehmen die in dem Schreiben vom 23. Juli gegen Professor Bernhard erhobene Beleidigung zurück und versichern, etwaigen, in der Presse gegen Professor Bernhard erschienenen ehrverletzenden Angriffen fern- zustehen. Beide Parteien versicherten, daß es sich in keinem Stadium ber Angelegenheit um grundsätzliche Gegensätze wissenschaftlicher, Wirtschafts- ober sozialpolitischer Art yan- belte. Hiernach erachtet der Rektor ben Streitfall für abgeschlossen.
Der Papst und der sächsische Has.
Der Baron b e Mathies, ber bekanntlich üt seinem Bilche ben König Friedrich August wegen seiner Haltung zum päpstlichen Hirtenbrief beleidigt hatte, hat, nachbem bie Sache schon beigelegt schien, ben sächsisck^en Hof aufs neue zu ärgern angelangen. Das „Dresbner Journal" schreibt:
Das „Dresdner Journal" brachte am 23. Dezember bie Mitteilung, daß Baron be Mathies dem Könige sein Bedauern über die in seinem Buche „Wir Katholiken und die andern" enthaltenen beleidigenden Bemerkungen aussprechen ließ. Diese Mitteilung wie die andere über bie beabsichtigte Aenderung der beleidigenden Stelle in der zweiten Auflage des Buches halten wir aufrecht. Nachdem aber dieser Mitteilung Dementi entgegengesetzt wurde, wird nun von dazu berufener Stelle daraus hingewirkt werden, daß der Wille des Papstes ganz ausgeführt werde, brr nach unserer früheren Mitteilung in Nr. 266 am 27. Nov«nber dahingeht, daß er sobald als möglich einen öffentlichen Widerruf und eine EntsäuUdigunp leitens Mathies herbeiführen werde.
In der Angelegenheit bes Prinzen Max ist irgend eine amtllche ober halbamtliche Mitteilung bes Vatikans bisher nicht erfolgt. „Sortiere b' Italia" bestreitet entschieden, daß die Inquisition sich mit ber Revue „sJio- ma e l'Oriente" befassen werbe unb erklärt, die genannte Revue werbe fernerhin regelmäßig erscheinen.
Aus L)es?en.
Nach dem Staatsbudget für 1911 ist unter Domänen des Großh. Hauses für das Nesidenzschloß zu Darmstadt das Erneuern der Schieserbedachung des Mittelbaues des Neuen Schlosses, sowie die gründliche Herstellung der Hoskirche in Tünch, Anstrich und Vergoldung usw., Einrichtung einer neuen Luftheizung, sowie elektrischen Lichtung für zusammen 22 300 Mk. vorgesehen. Mr Neubauten und größere Herstellungen sind unter diesem Kap. 2 noch vorgesehen: Neubau der Wiesenwärterwohnung Maulbeeraue 11300 Mk., Forstwartwohnung Baumgarten 7000 Mk., Erweiterung auf Hof Grävebruch 12 500 Mk., Hof Haina 4200 Mk., Domaniglhof zu Ober-Tauernheim 3800 Mark, Hof Konradsdors 11 450 Mk. Die Kosten der Erhebung der Domanialgefälle sind auf 81 350 Mk. vorgesehen. Von den 85 Oberförster st eilen mit einem Kostenaufwand von 434 159 Mk. sind die Gehalte der Oberförster für die Oberförstereien von Friedberg, Schaafl-eim, Trebur, Wieseck und WormS nur auf den Inhaber bewilligt, mit der Maßgabe, daß längstens binnen fünf Jahren diese Stellen auf* gehoben werden sollen. Für Kulturkosten der Oberförstereien lind statt der im Vorjahre angesetzten 404 000 Mk. nur 354 000 Mark, also 50 000 Mk. weniger, vorgesehen. Die Oberförstereien hatten dagegen 10 000 Mk. mehr, also 414 000 Mk., gefordert. Als Zuschuß zu den Geländeerwerbskosten für die Nebenbahn Grebenhain—Gedern sind 210 366 Mk., also mehr 10 000 Mk., vorgesehen. Unter Kap. 3, Weinbaudomänen, sind an Einnahme aus verkauftem Wein 120 000 Mk., also 50 000 Mk. weniger wie im Vorjahre, eingestellt. Hierzu wird erläuternd bemerkt: Zur Zeit der Aufstellung des Budgets lagern 257 Halbstück Wein gegen 259 Halbstück des Vorjahres. Dazu kommen die im Herbst 1910 zu erntenden Weine, bereit Menge sich zurzeit noch nicht angeben laßt. Hiervon -veckden im Frühjahr 1912 bie 1909 er Weine zur Versteigerung gelangen. . Die Herbstergebnisse des Jahres 1909 waren infolge des Auftretens des Heu- und Sauerwurms in Rheinhessen im allgemeinen recht gering Zur Versteigerung werden deshalb aus diesem Jahrgang nut etwa 95 Halbstück kommen. Nach den Rentabilitätsberechnungen aus den Jahren 1900 bis 1907, dem letzten Jahre, aus dem der gewonnene Wein versteigert worden ist, wurde ein Durch» schnittsgewinn erzielt für Bodenheim 0,30 Proz. Verzinsung, Nackenheim 2,85 Proz., Oppenheim 5.03 Proz., Bingen 0,87 Proz., Gesamtdurchschnittsrente für 1907 0,11 Proz., an Durchschnitts- rente für sämtliche Jahre und Güter 2,45 Proz. Von einer Ausstellung der Rentabilitätsberechnung für das Weingut an der Bergstraße muß zunächst abgesehen werden, da dort nur Wust- felber erworben wurden, bie zunächst zu Weinbergen neu angelegt werden mußten und deshalb in den nächsten Jahren keinen normalen Ertrag liefern. Zudem dienen gerade diese Weinberge den Zwecken der Landeskultur und zur Förderung des barnizber* liegenden Weinbaues.
R. B. Darmstadt, 28. Dez. Im Anschluß an bie Tati- sache, daß zwei Mainzer Volksschullehrer den ihnen zum Geburtstag des Großherzogs verliehenen Orden nicht angenommen haben, war von einigen Blattern eine Erzählung über eine Unterredung zweier Vertreter des hessischen; Landeslehrervereins mit dem Chef der Schulabteilung, Gebcimerat S ü f f e r t, verbreitet worden, die den wahren Sachverhalt auH den Kopf stellt. Es ist zunächst unwahr, daß Gehcimerat Süffert ben beiden Herren gesagt hätte: „bie Lehrer sollten sich nicht so viel um Politik bekümmern". Die Herren hatten in ihrer Unter- rebintg gebeten, hoch dafür einzutreten, daß den Lehrern das« passive Wahlrecht in der Landgemeindeordnung gewahrt bleib an möge, das von der Regierung bekanntlich in der Vorlage ausgenommen, vom Ausschuß aber wieder gestrichen worden war. Geheim erat Süffert sagte den Herren zu, diesen Wunsch dem Herrn Minister zu übermitteln, trotzdem er darauf Hinweisen müsse, daß man auch sehr gute Gründe für die gegenteilige Ansicht anfuhren könne, da ja gerade bei kleineren Verhältnissen auf benti Lande die Parteistreitigkeiten leicht auch auf die Schule selbst übertragen werden könnten. Bezüglich der Ordensmigelegenheiö hat Geheimerat Süffert lediglich im Hinblick auf den Artikeh eines Blattes, worin die Äblehnung der Ordensatrszeick,lnungs durch die beiden Lehrer als eine mannhafte Tat gepriesen rooiben toar, bemerkt, daß er diese Ablehnung nicht als eine „mannhaft^ Tat", sondern eher als eine Ungehörigleit der Regierung gegenüber betrachten müsse, zumal die Orden doch vcm allerhöchster Stelle ver^ liehen würden. Don Bemerkungen, wie „Beleidigung des Großher- zogs oder dergl. ist absolut keine Rede gewesen. Daß die obere Sck)ack-, behörde bie Grunde für die Ablehnung der Auszeichnung Fnuiert lernen wollte und die Lehrer deshalb vom Kreissckmlinspekto« befragt wurden, ist nach der amtlichen Auffassung doch ein durchaus nickst zu beanstandendes Verfahren.
Deutsches Ueich.
Nach dreitägiger, durch die Weihnachtsfeiertage bedingter Ruhe-, pause wurden am Mittwoch die Verhandlungen in dem Moabiter Krawallprozeß vor ber dritten Strafkammer des Landgericksts I unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Lieber nnebed ausgenommen. Die Zahl der erschienenen 'Mngeflagten beträgt nur noch acht: auch sind nur zwei Verteidiger zugegen. — Die Beweisaufnahme über den allgemeinen Teil der Anklage wurde fortgesetzt; es ist wenig Aussicht vorhanden, daß die Verhandlung bis MitteJanuar zu Ende tzehtt Hauptsächlich wurden wieder die Vorgänge in dem Pilzlchen Lokal erörtert.
Ausland.
Im italienischen Senate gedachte Mortara be£ U n g l ü cks, das vor zwei Jahren über Messina und Reggio di Calabria hereingebrochen ist und drückte seine Freude darüber aus, baß beide Städte aus den Trümmern wieder erstehen. Der Ministerpräsident schloß sich den Worten des Vorredners an unb betonte, die Mitttk nxckche von der Regierung für die heimgesuchten Gegenden zur Verfügung gestellt worden, beliefen sich auf einige fyuubertt Millionen. M an batte bie bisherigen Ausgaben von 138 Millionen aus den lieber* schüssen des Budgets beftreiten können. Er möchte betonen, daß im Gegensatz au anderen Völkern, bie, wenn fit von ähnlichem Unglück betroffen würben. Kredit in Anspruch nehmen mußten,.


