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29.11.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 2S0

Der

fdd)eim täglich, außer koniuaflS. - Beilagen: viermal wöckeiulich -teheaerFamlltcnblälieri nutimal ivöitnuLKiets« blatt |flr ben Krtl»6iffc<n (Dienstag und Arena«); zwennnl rnonatl. Land» wirlschcflllchr Ätitlragce Acnilprech - Aulchtutler jür bie Wrtxirtion UL iierinfl u. (tp'fblhtra LL Übrefle lüt 1 cpditeut

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Annahme von Anzügen für die Ingesminvnet bis vovmiuag6 9 U'jc.

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tlenstaa, 29. November 1W

Erster Blatt

«ervGdyretßi monatlich 75 vL, viertel- jährlich m. 120; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pj.; durch die Post Alt. 2.viertele jährt. cmSlchl. Befletlg, ZestenpreiS: total 15 Pf, - auSwäi-tS 20 Pleimiq. Lhesredatteur: A. c^oetz. Verantwortlich für bat SoliNjchea Test: August weq; für .Fruilte- to»«"', .Dermijchle-^ tuib »Geiichisjaal": R. Sleif ralh; für ,6tabt und Land-: E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

General-Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Un!v.-Vuch' und Stetnöruderei IL Lange. Redaktion, Lspedttlon und Druckerei: §chu!firatze 7. Lfpcdition für vüdingen: vahnhosstratze 16a. - Ceiephon Nr. 50.

Die heutige Nummer umfafct 14 Sellen.

Vie Wiederausnahme der hessischen Uammerderatungen

R. B. Darmstadt. 29. Nov.

Der heutige Mederzusamtnenlrttt der Zweiten Shim m er ersolgllnach der fünfmonatlichen Sommerpause unter ver­hältnismäßig günstigeren Umständen, alS dies im vorigen Jahr zur selben Zeit der Fall war. Damals lastete wie ein schwerer Alb die finanzielle Misere, die allgemeine Ungunst der wirtschaftlichen Lage aus dem ganzen Staats­wesen und daS lange vorauSgesel^ne Unbeil wurde zum Ereignis, alS F-inanzminister Gnauth anfangs Dezember 1909 den neuen Staatsvoranschlag einbrachte mit der Er­klärung, daß zur Dockung des Fehlbetrags im Staatshaus­halt für 1910 eine Erhöhung der Staatseinkonimensteuer um 30 Prozent und eine Heraufsetzung der Vermögens- steuer von 75 Pfennig auf 1,10 Mark für je 1000 Mark Vermög eit absolut erforderlich sei. Erst den langen, eifrig­sten Bemühungen der Finanzausschüsse beider Kammern gelang eS dann bekarmtlich, im Einvernehmen mit dem allgemeinen Verlangen der bürgerlichen Presse nur die linkslideralen Blätter unter Führung deS Frankfurter Demo- kratenorganS traten für die volle Bewilligung der ver­langten Sieuererhöhung ein beide Sleueransvrderungen auf ein erträglich) es Maß zu rückzu schraub en. Das Haupt- argunient der Freunde dieser 30prozentigen Steuer­erhöhung war dabei in Parlament und Bresse, daß mit der Festsetzung einer geringen Erhöhung doch nur halbe Arbeit gemacht n-erden nÄrde und da- jetzt Gekürzte ganz sicherlich im nächsten Jahre womöglich doppelt nachgcl)olt werden müßte. Nun, diese Propheten werden glücklicherweise nicht Reckst behalten. Wir können vielmehr in bestimmter Weise konstatieren, daß für daS Finanzjahr 1911 irgend eine neue Steucrforderung nicht erhoben werden wird.

Der neue StaatSvoranschlag ist noch unter Leitung des erkrankten FtnanzministerS Braun in seinen Haupt- zÜgen festgestellt und dabei ein Ausgleich in den Einnahmen und Ausgaben deS Staates erreicht worden, was wohl in erster Linie der allmählich sich günstiger gestaltenden rviru schaftUchen Gesamtlage, dann aber namentlich auch den erheblich höheren Ertragnissen der so viel geschmähten preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft zu danken ist. Zu bedauern bleibt nur, daß der Finanzminister, der den unleugdaren Mut hatte und die undankbare Auf­gabe übernahm, daS arg zerfahrene Erbe seines Vorgängers anzutreten, bei der bevorstehenden Kammerberatung noch nicht selber den Haushalt zu vertreten in der Lage sein wird und daß auch der verdiente Vorsitzende deS Finanz- auSschusseS, Abg. Kein bart, nicht mehr die Freude er­leben kann, auch einmal wieder ein desi^itfreieS Budget der verfassungsmäßigen Prüfung und Begutachtung zu unterziehen. Da im übrigen diesmal von der bisherigen Gepflogenheit abgewichen und der HauShaU nicht erst nach feinem völligen Abschluß, sondern in mehreren wichtigen Teilen schon vor der Fertigstellung deS Ganzen dem Finanz­ausschuß überwiesen werden soll, »unächst dar Ver- mögenSteil mit seinen umstrittenen baulichen Anforderun­gen, der Domänen- und Forstdaushalt usw., jo darf man annehmeu, daß sich die diesmalige HauShaltsbera- tung leichter und glücklicher vollziehen wird, alS bisher. Vielleicht gelingt es auch, daS bei der vorjährigen Budget- beratung von der Ersten Kammer strikte abgelehnte Sck)ul-

dentilgungSgesetz unter den veränderten Verhältnissen ohne allzugroße Schwierigkeiten zu erledigen.

Die nächsten Aufgaben der Zweiten Kammer beschränken sich neben der Erörterung einer stattlichen Anzahl von 23 c- ratungSgegenständen älteren Datums oder untergeordneter Bedeutung, im wesentlichen auf die Erledigung der drei Regierungsvorlagen zur VerwaltungSgesetzreform, der Städteordnung und der Landgemeindeordmlna und der Ver­waltungsrechtspflege. Alle drei Vorlagen sind von dem hierzu berufenen Sonderausschuß einer gründlichen Prü­fung und Umarbeitung unterzogen und um so spruchreifer für die Vollversammlung geworden, als sie schon seit einer Reibe von Jahren immer wieder den Gegenstand der Ver­handlung unter den Parteien gebildet haben und die Re­gierung bemüht gewesen ist, den gar verschiedenartigen Wünschen beider Ständekammern nach Möglichkeit entgegen­zukommen. So darf man die Erwartung hegen, daß diese wichtige Gesetzesmaterie noch vor Weihnachten ihre Erledi­gung finden und damit Raum und Zeit geschaffen werden wird, nicht nur für die Haushaltsberatung 1911, sondern auch für die Erledigung der etwaigen Dissense, die sich namentlich noch Über den Gemeindeumlagengesetzcntwurs und vermutlich auch über die Wahlrechtsvorlage noch der Ersten Kammer ergeben werden.

Die neue heerervorlage.

Der Reichshaushalt für 1911 ist heute zusammen mit dem zweiten Nachtrag zum Kolon lalhauShalt für 1910, die man beide auS den Veröffentlichungen derNordd. Allg Ztg." vom 9. November bereits kannte, dem Reichstag zu­gegangen, so daß ein nochmaliges Eingehen auf den Inhalt dieser finanziellen Vorlagen überflüssig erscheint. Neu da­gegen ist die Bekanntgabe der neuen tzeeresvor- i a g e, des neuen Quinguennatsgesetzes, die heute gleich­zeitig erfolgt ist, so daß man danach, wägen and) über ihren Inhalt schon seit geraumer Zeit allerlei Einzelheiten durch­gesickert sein, in der Lage ist, sich damit zu beschäftigen.

Die neue Heeresvorlage verlangt eine Steigerung der Etatsstärke des deutschen Reichsheeres in den nächsten fünf Jahren, also bis zum 1. April 1916, auf 515 323 Gemeine und Gefreite, wovon auf Preußen und die ihm angeschlosse- nen Kontingente 399 026 und die restlichen 116 297 Manu auf Bayern, Sachsen und Württemberg entfallen. Aus dieser HeereSverstärkung, die für das Rechnung: jo hr 1911 an fort­dauernden Aufwendungen 3,7 Millionen, tnt einmaligen J,2 Millionen erfordert, während der ganzen fünf Jahre aber 104 Millionen Mehrkosten verursacht, sollen im Rech- nuckgsjahr 1911 107 Maschinengewehrkompagnien (zu sechs Gewehren), ein Fußartillerieregiment, ein Kraftfahrer-Ba­taillon und 2 Lustschifserbataillone errichtet werden und zu ihrer Leitung eine Generalinspektion deS Militärver- tebrswesenS und eine Inspektion des Militär-Luft- und KrastwesenS, was Feine besonders hoben Kosten erfordert, weil die zu den Neusormationen notwendigen Unteroffi­ziere und Mannschaften zum größten Teil durch EtatS- herabseyungen bestehender Truppenteile gewonnen werden und Ansätze jür die Maschinengewehrkompagnie in den jetzt bestehenden 5 Maschinengewehrabteilungen, die in Kom­pagnien aufgelöst werden sollen, ebenso vorhanden sind, so daß man demgemäß ohne große Schwierigkeiten jede der vorhandenen Jnjanteriebrigaden mit einer Maschinen- gewehrkompagnie ausslatten kann. Welche Regimenter solche Kompagnien erhalten, ist noch nicht bekannt, doch war diese Neuerung dringend notwendig, da die Jnsanter'ic-

Regimenter Frankreichs und Rußlands bereits sämtlich mtt Maschinengewehrkvmpagnien, allerdings nur zu 4 Ge­wehren, versehen Hntk

Weniger einverstanden wird man dagegen damit sein können, daß die Maschiuengewehrmannschaften durch Her­absetzungen deS Haushalts der Kompagnie g 'Wonnen werden sollen, da dies, wie schon jetzt, die Kompagnien! schwächt und so die Ausbildung schädigt. Die einzige Ent­schuldigung sur diese unseres Erachtens verfehlte Maßregel dürste in der noch immer nicht wesentlich gebesserten Finanz läge des Reiches zu suchen sein. Eine Etatisierung der Maschinengewehrkompagnien wäre aber, wenn die Finanz­lage sich bessert, dringend geboten. Was das neue Fu^» artillerieregiment das 19. der deutschen Armee an- betrifft, so hegt man die berechtigte Vermutung, daß dieses das Fußartillerieregiment Nr. 2, das jetzt allein die Küsten­verteidigung wahrnimmt, hierin unterstützen soll. Fügen! mir noch hinzu, daß die Erweiterung der einen besteßenden Kraftsahrabteilung zu einem Kraftfuhrbataillon, nachdem man im letzten Kaisermanöver die Bedeutung dieser Ver­kehrstruppe schätzen gelernt hat, ebenso berechtigt ist, wie die Ausgestaltung unseres Luftschiffahrtwcsens, so glauben ivir, daß diese militärischen Forderungen der Zustimmung deS Reichstags von vornherein sicher sind. WünschenSwerT wäre allerdings, daß, nachdem Frankreich, Rußland und! andere Großmächte bereits Fliegerkorps besitzen, das eine^ also das dritte Luftschifferbataillon, als Fliegerbatmllon formiert wird, woraus der Ankauf von 6 Flugzeugen durctz daS preußische KriegSministerium bereits hinzuoeuten schcürL.

Dnmit sind die neuen Heeresforderungen für das Jrihv 1911 erschöpft. In den nächsten vier Jahren aber sollen angesoroert werden für Preußen die Erhöhung deS Haus­halts zweier Infanterie-Bataillone, neue Feldartillerie- -Regimenter, sonne die Hinaussetzung einiger Batterien ausj den hohen Haushalt. Dazu tritt noch die Derstärlling bet Bespannungsabteilung bei der Fußartillerie, eine Bet­stärkung des TrainS, eine Vermehrung des Personals bei den Bezirkskommandos unter gleichzeitiger Herabsetzung der Mannschaften bei den Regimentskapellen. Nimmt man nochj hinzu, daß, wie der ,Lokalanzeiger" kürzlich zu berichten wußte, speziell auch Sachsen ein neueS Bataillon Infanterie und Bayern 6 neue Batterien Feldartillerie formieren soll^! so wird im Jabre 1916, nachdem die Neuformationen zup völligen Ausbildung gelangt find, die deutsche Armee statt ber jetzigen 504 448 Mann 515 323 Unteroffiziere imb Many^ schasten zählen, wozu nach dem bisherigen StatuS nodjf etwa 8000 Einjährig-Freiwillige und 28000 Offiziere treten^ also im ganzen ein ^riedensheer von 636 323 Mann. Organik satorisch würde sich oieses Heer in 510 EskadronS Kavallerie^ 634 Bataillone Infanterie, Jäger und Schützen, 592 Feld- artilleriebatterien, 49 FußartÜleriebataillone, 29 Barail- lone Vroniere, 17 Bataillone VetkehtStrupperr aller Art und 23 Trainbataillone gliedern.

Wie au8 dem ReichShauShalt und auS den Darlegungen» deS Staatssekretärs Wermuth in dem ReichswettzuwachS->^ steuerauSschuß bekannt ist, sollen die Erfordernisse deS- neuen QuinguennaiSgesetzeS in Höhe von insgesamt 104,2 Millionen Mark, und zwar 21,8 Millionen fortdauernder und 82,4 Millionen einmaliger Ausgaben, aus den Ertrag­nissen der Reichs Wertzuwachs steuer bestritten werden, so daß aus das Quinquennatsjahr etwa 20 Millionen Mark ent­fielen. Da nun aber ber ReichShaushalt für 1911 nickt wagt, die Einnahmen auS dieser neuen Steuer höher alS* mit 13 Millionen anzunehmen und darauf auch noch die er-

3m November 1870 In unö vor Paris. L

(Borbeteitrmgell $n dem DurchbruchSverstich bei VlllerS.)

In Paris haue man die Der füg baren Streitkräfte von über 400 000 Mann zroeämäßig cingeieilt: 130 000 Man», huuplsLch- llch Watümaigarbe, bilhcten unter General ÜlcmeiU Thouias eint l. Arm« der Bcsttuumoig, die Stadtumwallung -u besetzen jimb den Sichertzeilsdienst in der Stadt versehen i 100 000 Mann mit über 300 Gcschüpen waren ali 2. Armee dem Generat Tarrol miterftelU und sollten die AassäUe unb 'Durchbruchsversuchc DeranftaltCTi; daher hätte man hierzu die juvertässigsten Kräfte, namentlich die Truppen des bisherigen 13. und 14. Korps aus- erwählt. Eure 3. Armee von 70 000 Mcum unter General Vinoy sollte vornehmlich gleichzeitig mit ben Ausfällen bei 2. Armer S<l)einrms fäll e nach anberai Richtungen bin uni er- nehmen, wozu ihr ruitigenjalls Von bei 2. Armee die Division. Maub'huy luxh zur Bersügmig gestellt iverben sollte. Außerbevi stauben noch in ben FoNs und Außemverken 80 000 Mobllgarbeii vetteüt, unö in ben Besesllgungen bei St. Denis 35 000 Ptcuui, beüx Telle unter Befehl ixJ Lrze-Abuiirals de la Roucieve le Noury.

Aus die Nachricht von ber Ansammlung der Volks Heere im Westen der Hauptstadt beschloß man, nach dieser Seite bin einen Tirrächruch zu verbuchen, unb begann mit ben nötigen Vorberei­tungen dazu. Als jebixb die Mittellung von dem Treffen bei Eouimiers unb bem Rückzüge der deuttchen Truppen nach Norb- westen eintraf, änberte man den Plan dahin ab, den Dnrct>bruch nach Südosien zu verlegen, in ber Hoffnung, bie Loire-Ar-nive würde ihren Vormarsch vvrsehen (was aber einstweilen nicht geschah). Am 26. November war bad Unternehmen soweit vor­bereitet, baß man bie Vlegiernng in Tours durch ein Schreiben benachrichtigte, General Tucrot würde am 29. mit 100 000 Manu und 400 Gesä-ützen nach Südosten durä>zubreä>en versuä>en, wobei man gleiä/zeilig aus ein Borrüäen ber Loire rechnete. Ter Ueberbnnger des Schreibens verließ Paris in einem Luftballon, würbe aber bis Norwegen verschlagen, so baß bie von bort an» beförberte Mitteilung erst am 30. in Tours eintraf. Tie Folgen machten sich bann sofort an der Loire bemerkbar (wie in einem andern Aufsatz beschricben ist). Am 28. zogen sich die Aussall- lluppen ber 2. (Pariser) Armee bei Vincennes (südöstlich von Paris- zusammen, doch mußte ber Angriff infolge Verzögerung in der Herstellung yon sDiarne-llcbergänaen aus ben 30. ver- -oben werden. Inzwischen wurden aber schon die Scheinangriffe, zum Teil uon Der Oberleitung unbeabsichli(st, unternommen. Am 29. in aller Frü^e ging ein Teil ber (französischen) Division Maud hur- im Luden gegen L'Hay, ein anderer Teil gegen Ehopy U Dirn vor. L'Hay wurhe in der Dunkelheit au mehrereu.

Stellen besetzt, doch gelang es ben Truppen des 6. beurschen Korps, die Stellungen wieder zu erobern Mid den Feind zurück- zubrängen, wobei Teile des 2. bayerischen Korps gegen die rechte Flanke deS Gegners erfolgreich angnijen; schon um 10 U;4 sand hier der Kamps ein Ende. Bei Ehoisy loar es den Franzosen gelungen,, ein wichtiges Geists st vor diesem Ort überraschend zu erstürmen, worauf jie Choijy selbst beschossen. Ein Befehl des (St euer al von Tümpling, bas verlorene Gel-öst wieder zu erobern, (am nickst zur Ausführung, da (General Vinoy bas Gefecht ad- brechen ließ unb seine Truppen zu rückzog. Die Franzosen ver­loren auf dieser Selle etnxa 1000 Tote und Venvunbete, die Temschen nur 152; auch hatten Ic&iert über 300 Gesängen« gemacht.

Ztu gleicher Zckt tvafr tm Westen ein Angriff gegen die Stellungen des 5. Korps bet GarcheS und La Malmaison zur Ausführung gelommen, aber nach vorübergehender Verdrängung der Vorposten abgeschlagen worben: er enbete gegen 12 llhr mit bem Rückzug nach beut Mont Valerien.

Am 30. fanden bie Scheinangriffe ihre Fortsetzung. Im Norben wandten sich Teile ber 3. (Pariser) Armee gegen Epinai (bei St. Denis) unb es gelang ihnen burch Umgel/ung üiiolge ihrer U eher macht sich gegen 3 Uhr nack-mittags in ben Besitz pes größten Testes bieseS OrteS zu setzen. Von anbem Truppen beS 4. Korps unterstützt, eroberten bte zuruckgeworfenen Kom- pagnien gegen 4 Uljir ben Ort wicber. Der ß-einb zog auf St. Denis ab. Die 'Deutschen verloren 316 Mann, bie Fran­zosen etwa ebensoviel. Dieser Angriff gab der Regierung zu Tours Anlaß z-u einer kleinen Verwechslung: sie nahm an unb Derfünbete der Loire-Annee unb dem ganzen Sanbc, General Ducrot 1-obe bei Epuiay Die Einschließung von Paris durchbrochen und erstrebe nun eine Vereinigung ber Loire-Armee- diese sollte daher sofort den Vormarsch antretciL (Dadurch tarn es jum Gefecht bei Villepion uiib zur Schlacht bei Loigny-Poupry.) (Ls handelte sich aber, wie oben geschildert, um Epinai bei St. Tenis im Norden von Paris, lualyrenb Gambetta (wahrsck-cinlich mit Absicht) von Epinay sur Orge bei Longjumeou im Süden ber Hauptstadt erzählte.

Auch gegen Westen waren frühmorgens schon Mobst^arben in der Richtung auf La Malmaison und bie Monlretoisttchanzc eorgegangen. Tie Bewegung wurde aber durch Teile des 5. Korps zum Stehen gebracht; um 11 Uhr zog sich hier schon ber Gegner zurück.

Lebhafter war der Kampf im Süden aegen den Mont Mesly, wo die Württemberger hie Verteidigung hatten. Vor her Heber» macht mußte baß Torf Meßly unb nad) tapferer Gegenwehr auch der ont MeSky gsvämnt werden, dagegen mißlang der Versuch der Franzosen, oas Torf Bolmeuil au erobern, wo sie sich anfangs des Partes deiiiüchtigt hattest.. .Auch Vorstöße nach

anderen Dirchtungen vom 3Jtont Mesly aus wurden durch bti Württemberger zurückgetoieseii, die bann, nach längerer erfolgreiches Vorberestung burch Gesck-Ützseuer, g ein ein schaf stick mit der zrutl llnicrstützung angewiesenen 7. preußischen Inf.-Brigade 'owohls daS Dors Mesly alS auch ben Mont MeSly wieber erstürmten- so daß der Feinb gegen 1 Uhr auch an dieser Stelle bis Ereteilj zurückging, mit einem Verluste von enva 1200 Mann, währenü deut scher sests 351 Mann tot ober Verwundet waren.

Gegen das 6. Korps begann hier im Süden der Krunptz erst, alS die (fraiu.) Division Susbielle sich bei MeSly zurück^ ziehen mußte; er sollte nur die Deutschen an einem erfolgreichenz Nackstrrängen binbrriL Gegen V-2 Uhr rückten die Franzosen gegenf Choisy le Soi unb Thiais vor. Das schon tags vorher besetzt; gQuesene Gehöft wurde wieder besetzt, aber alle Vorstöße tronj bort aus scheiterten. Als bei Mesly der Mckzug bewerkftelligtf war, brach hier ber Festck bas Gefecht ab, unb zog sich Nacht Vstry unb Vstlejuif zurück. Er hatte gegen 100, bie Deutlchc« gegen 60 Maim verloren.

Alle diese Gefechte, an denen sich auch die Geschütze brrr Forts, Kanonenboote imb gepanzerte Lokomotiven beteiligten, bito beten nur die Einleitung unb Unterstützung des blutigen Kampfes,, ber am 30. bei Villers im Sudosten ber Stadt entbrannte unh sich biß zum 3. Dezember hinzog. Der Ausfall gegen diese Settch stellte den einzigen wirklich enlfthast unternommenen unb nach­drücklich bilrchgeführten Versuch ber Besatzung von Paris zur Besteiung dar; er war gegen den damals gerade am schwächstenl besetzten Test der Einschließung gerichtet, enbete aber trotz ver- schiebencr errungener Vorteile mit einem Mißerfolg.

Per erste weibliche Cheaterdireltor.

Friederike Karollne Neu ber, bie* vor 150 Jahren öt» 30. November 1760 zu Laubegast bei Dresden |tarb, mar eine der hervorragenbsten Perfönlicksteiten in der Geschichte des beutschew Theatenvesens unb bie einzige Frau, die darin eine wirklich epocl-e- machenbe Dlolle gespielt hat. Ihr Berbienst war es, daß hie: deutsche Dichtung wicber in engste BeziclMng zum Theater trat,, unb bie von ihr burchgesührten Reform en bedeuteten eine Abkehr des Theaters von den letzten noch auß bem Mittelaltes stammenden Uehcrlieferunaen. Aber nicht nur ihr kümtlerifchcÄ Schicksal, auch ihr persönliqes war ungewöhnlich. Ihre männlich« Energie bewies sie schon in frül^en Jahren, als sie, bie 1697 ins Reiä-enbach i. 23. geboren war unb in Zwickau ihre Kindheit ver­lebte, ihrem Vater, dem Advokaten und Gerickstsinspeltor T-anieL: Weißenborn, davonlies, weil er sie ausö Roheste mißhanbel^ Sie wurde zwar damals, 1712, wieder ins väterliche HauS zurück-? gebracht, wiederholte aber fünf Jahre darauf ihre Flucht in bie' Freiheit, unb zwar diesmal t. it Jobaim Neuber, ihrem Geliebtenj uich spateren Gattest, Die Hecken jungest Leute. fMojM, jich