Zweiter Blatt
llr. 279
160. Jahrgang
SietzMr LMtzU
Erich ein! täglich mti Ausnahme des Konnlags.
General-Anzeiger für Gberhessen
Die „Kietzeuer K«nntIiendlLtter" werden dem etmnal roöchnuhd) deigetegl, bai „KHlsöltfO ftil bti Krtls Kietzen- zweimal eodxiiilid). Die „Landwtrtfchattllchev 5c U» fiagci" erfchemen awnuilid) zweimal»
Nontag, 28. November 1910'
Slorattonsdruet tmb Verla, der vrOHNch« UniversttäkS - Vach- and Srerndruckeret.
».Lange, «leben.
Nedaktton, (tTpeblrton und Druckerei: Bcbul*
Pros« 7. Expedition unb Verlag i t>L
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Neue; von der Tilsiter Begegnung
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rgend etioaS anzuschwärzen vermag. Tie Veute f e n. n e n nid) dafür; und ich hade eS ja schon büßen muffen, daß meine ialürliche Anlage dazu neigt (man wirft mir oft ein, das ei weder .politisch*, noch „b t p l o m a l i f ch*, noch ,k l n g"): leis lind ohne Rücksicht der Iß a b r b e 11 z u dienen und die Wahrheit zu sagen — (es ist das als fein besonderes Verdienst n i r anzurechnen, sondern einfach eine 91 a l u r a n I a g e; w i e r u ch i m anderen Falle dasLügen und dieUnwahr- ) a 111 A f e 11 m < t fi e ii 6 vererbte Bela st ungen find).
(^S rvird keiner Beinübnng gelingen, unsere Wähler von dem ^enenietl zu überzeugen; keine Rabulistik ivirb es fertig bringen, rgend lemanbcm die Ueberzengung belzubringen: ich wäre im Anrecht! Herr Vrof. GtsevruS und Herr Kaufmann fämpfen euren guten Kampf 1 Ich kandidiere!
Mit vorzügl. Hochachtling
Köhler- Langsdorf.
yessenliiche Antwort des Abg. K3I)kr>£ang$öcrt aus >en offenen Brief des Herrn Nechtranwait Kaufmann.
Bom Adg. Kühle r-LangSdors erhalten wir zum 21b» irucf folgende öffentliche Antwort:
Herrn NechtSanwalt Kaufmann,
Zorßtzender der naimnaUibetalen Wablkreisorganisation in Gießen.
ES ist eine eigene Sache, daß, wenn eS sich um-‘n altonal- iberale Knnbibatiuen bandelt, es so oft gilt, mit allerlei flcmfro m f i ch beschäftigen zu müssen. Ich eiinnere m die flciuen Reibereien mit unserem Wablkornilee von 19 7; ich riiuiere an den unliebsamen Zwischenfall in Friedberg (1910s, alS nan den linksliberalen Vrof. van Cutter dem agrarfremidlicheii ?.'r. Vecker oorzoq. — Mit den anderen Parteien hat nan gar s o keine La st!
Ich balle alles, was ich gegen Herrn Vrof. Tr. GifeviuS in )en öffcnihdien Blättern sagte, aufrecht. Selbstversländlid) wird r mir gegenüber dasselbe tun. Und so wären wir denn bei dein
nicht ein. Tas ist mir zu langweilig.
Tiit Worten läßt sich tiesslich streiten,
9Jhl Worten ein System bereiten.
weiß ich; fürchte aber nicht, daß man mir in der Folge
Ein neuer
interessantes Bild
t d i u f i u i t a m glücklich angelangt!-----
die Ausführungen oes Herrn Kaufmann gehe
Für die Wahlbreisvorstände _ christlich-sozialen Partei: der deutsch-sozialen Partei: Kr. Heuser. Gg. Kling.
des Bundes der Landwirte:
W. Fenchel.
Vie Moabiter Stratzenlrawalle vor Gericht.
4 Berlin, 26 Nov.
Zu Beginn der heutigen Sitzung stellt 91 »21. Ulrich den Antrag, seinen Klienten Schulz, der von den Catern wieder auf» genommen werden soll, aus der £>aft zu entlassen. R -A. Cohn: Zu den Porsonen, die zur Zett der Tumulte in unliebsame Berührung mit der Polizei gekommen sind, gehört auch der Chefarzt eines großen Berliner Krankenhauses, Drof Dr. Rotter, der von der Polizei bedrängt und dessen zwei Söhne mißhandelt wurden. Irl) habe die drei Personen als Beugen laden lassen. — 1. S t a a t s a n w a l t: Ich bitte, dem Maior Klein Gelegenheit zu geben, seine Ausführungen zu ergänzen. — Major Klein: Ich habe gehört, daß die Verpflegun^sange» legenheil der Mannsclwften auf dem Kohlenplaye zur Sprache gekommen ist und daß Andeutungen gemacht wurden, als ob die Leute seitens der Firma vcrpfleat worden sei-.nu Dem ist nicht so. Die Behörde hat 1082,15 Mark für die Verpfleguna der Beamten bezahlt. Den Ausschank von Schnaps habe ich ausdrücklich verboten. — R.-A. Cohn: Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Major Klein und die höheren stellen von den besonderen Aufwendungen der Firma Kupfer an die Schutzleute
empfanden. Mich trieb die Neugierde, die merkwürdige Zusammenkunft näher zu sehen, so sehr, daß ich trotz allen Zurufeiis bis weit in den Strom in die Nähe des 'Lch-iffes ritt; doch entzogen sich die großen Herren bald unseren Augen, indem sie in das Innere des Dauses gingen." Einige Tage darauf machte dann Napoleon dem König, der nun in Tilsit bei einem rculjen Wassermüller seine Wohnung genommen hatte, einen Besuch. „Der König ging in die obere Etage, und das ganze Gefolge nahm itnten in den Stuben des Müllers ein frugales Frühstück von ihm an. Ich äußerte an Jayow, ob nicht dnKönig wohl envas frühstücken möchte, worauf diesrt, fein aller Adlulant, mich aufsorderte, den König dreist banim zu fragen. Ich tat es, und der König antwortete mir lächelnd, etwas Butterbrot und Wurst könne man ihm immer bringen, was ich eiligst mit Bergnügecr tat, worauf der König essend sich mit mir über bie ruf meße Armee unterhielt Kaum hatte der König aber em halbes Butterbrot gegessen, als, von einer großen Suite gefolgt, Napoleon vor das Actus des Königs gesprengt kam und scl/nell vom Pferde stieg, um dem König seinen Bewillkommungsbesuch abzustatten. Der König hatte kaum so viel Zeit, ihm bis an die Treppe entgegen yu geben, und ich in großer Verlegenheit kaum |o Diel, den Frühstücksteller in den Ofen zu verstecken. Der König ging sogleich mit Napoleon allein in sein Zimmer, und die Tur wurde uigemadit " Bei dem Gegenbesuch, den Friedrich Wilhelm dem Kaiser machte, stand Napoleon mit entblößtem Haupt vor der Daustür und empfing den König mit größter Höflicksteit. Napoleon stylte ihm mit vieler Geschmeidigkeit seine amvesenden Generäle und den Minister Talleyrand vor. „Der König benahm sich dabei wahrhaft königlich und gewandt höflich, wie es die Franzosen genug nicht erwarteten. Mit yicler Artigkeit und ebenso viel Gedachtnis- funft wußte er einem jeden über irgend einen interessanten Teck seiner Lebensgeschichte etwas Schmeichelhaftes zu sagen, was bic)e großen Männer zu erfreuen unb zu verwundern schien. Endlich kam die Reihe an einen jungen deutschen Fürsten Salm-Salm im Gefolge Napoleons: diesem aber machte der König nur eine steife Verbeugung und wandte sich ohne Anrede von ihm ab, was von icbermann als bedeutungsvoll bemerkt wurde." Bei der darauf ftattfinhenben Truppenrevue fiel besonders Murat durch seinen lächerlichen Anzug auf: er trug einen aus lallenden Fet^rhut, em arüneS fliegendes Eollet und Spitzenkragen, rote, weite Holen, gelbe oben ausgezackte Stiefel und große Stulpen Handschuhe.
'Napoleon ritt einem kleinen arabischen Schimmel, war ganz einfach gekleidet, und sein kleiner, schwarzer fou-t, der ihm sonst ganz gerade saß, mußte ihm heute zu weit sein; denn er saß ihm ganz im Genick, und die Hinterkrempe klappte zum Teck zuruck, was fast läck-erlich ausskh, wenn der fout nicht auf einem so gruben W gesesssn Alle."
bestraft. „Wir bringen zur Kenntnis des Publikums, daß alle, die zu den bestimmten Zeiten die Moscki-een besuchen wollen,, keinerlei Gebühren zu bezahlen haben. Das Ministerium wäre allen, von denen Geld gefordert wird, zu großem Dank ver-, pflickstet, wenn sic den Fall sofort melden würden, damtt gegen die Moscheenbeamten, oder die Führer .strenge Maßnahmen er- grißen werden."
— E in e Erweiterung des Thermenmuseums irr Nom. Tas Thermenmuseum hat durch die Freilegung der diokle- Iranischen Thermen und die Verlegung des bis jetzt darin bejind- licken Blindeninstituts eine bedeutsame Erweiterung erfahren, durch die es eine Reihe prächtiger Räume gewann. Wie Ludwiss Pollak im Cicerone mitteilt, ist jetzt das ganze obere Stockwerk über dem reizenden aus dem 15. Jahrhundert stammenden Kreuz- gange, in dem sich ftolTyec die armen blinden Kinder ergingetn,- antiken Skulpturen eingeräumt, die früher sehr schlechtes Lichv hatten. Außerdem sanden hier eine Reihe von griechischen unds' römischen Bildnissen und einige Denkmäler Ausstellung. Unter diesen ragt durch besondere Feinheit ein archaisch-griechisches Marmorrelief aus Velletri hervor, das ein Pferde- roettrennen dreier Jünglinge darstellt. Dies kleine Meisterwerk gehört zu den bestyi des alt jiof vielen Kostbarkeiten reichet Museums.
— TieFreigabedertürkisch en Moscheen. In den letzten Jahren der Regierungszeit Abdul Hamids war der Sutrit±i zu den Moscheen Konstantinopels allen Nichtmohammedanern, allen! Ungläubigen, streng untersagt. Das neue Regime in ben Türkei Hal diese Bestimmung aiisgehoben, fortan kann jeder aus» nahmslos alle türkischen Gotteshäuser betreten, und die Schwierigkeiten, die man bisweilen hatte, um Zutritt zu einer Moschee zw erlangen, sind beseitigt. Tie Jungtürken beschäftigen sich sogar mit dem Plane, in der S o p h i e n m o s ch e e den häßlichen Mörtelbewurf zu entfernen, der seit Jahrhunderten die präckstigen alt- christl'ichen Mosaiken in der Kuppelwölkuntz dem Blick verbargen. Das Ministerium hat jetzt weitere Maßnahmen ergriffen, um die wißbegierigen Forscher und Touristen, die die Meisterwerke der mohammcdanisckfen Baukunst kennen lernen wollen, vor Ausbeutung zu sckcktzen. Im Neni-Jkdam wirdl eine Bekanntmackpmg veröffentlicht, deren Entstehung auf einen! Zivi scheu fall zurückgeht, der vor kurzem in Konstantinopel peinliches Aufsehen machte. Ein französischer Reisender, der kürzlich, die Sophieumosck>ce besuckste, wurde von einem sogenannten Cicerone! crugehalten, der füc die Hüter der Moschee eine Art Steuer forderte, die unverhältnismäßig hoch war. Der Minister macht nun bekannt, daß in den Moscheen niemand Geld fordern oder annehmen dürfe, die Gotteshäuser seien frei, und rver die Umstände oder die Unkenntnis von Fremden ausnutze, wird künftig schwer
leine Ahnung halten. Die Verteidigung wird Beweis an treten!,- baß Schnaps in sehr bedeutenden Quantitäten an die Schutzs leute geliefert wurde und daß Kupfer u. Co. nach dem Streik 100 leere Schnapsflaschen verlauft haben. — Major Klein : Davon weiß ich nichts.
Zeuge Redakteur Berthold ergänzt seine gestrige Aussage übet das Verhalten der Polizisten. Der Zeuge bekundet, baß an der Waldstraße ihm rin Schutzmann aus Befragen, ob er denn richtig zu geschlagen hätte, aeaiihvortct hätte: I wo, die Richtigen sind ja doch immer hinter der Front. — R.-A. Heine: Wenn jemand einen Säbelhieb bis auf den inneren Schädelknochen hat, glauben Sie, daß das ein Versehen ist? — Zeuge Das ist möglich. Ich weiß nicht, ob Sie in der Führung des Säbel bewandert sind, Herr Rechtsanwalt. — R.-A. Heine beantragt, beim Polizeipräsidenten anzufragen, ob er die Genehmigung erteilen will, daß Kommissar Kuhn, Major Klein, Regierungsrat Hoppe und Polizeirat Henninger darüber befragt werden, welcher Beamte ^ur Zeit der Unruhen in Dtoabit Dienst tat, und ob es wahr sei, daß ein Kriminalbeamter von einem Kollegen in der Uniform schwer verletzt wurde. Der Präsident hat aus die Frage, wer die Informationen an die Presse erteilt hat, uns geantwortet, daß wir uns an die betreffenden Redakteure selbst wenden sollten. Wir lehnen es ab, vorn Herrn Präsidenten! Ratschläge entgegenzunehmen, welche Zeugin wir Vorschlägen sollen. Das entbindet den Präsidenten jed-mstills nicht von der Derpslich- tung, uns eine Antwort auf unsere Frage zu geben.
Zeugin Lotte Puls hat gesehen, wie die Polizisten sich auf daS Auto mit den englischen Journalisten stürzten und darauf losschlugcn. Menschen waren in der Nähe des Autos nicht. Ein Herr stand im Auto auf und machte den Versuch, sich zu legitimieren. Die Schutzleute riefen: Was hat das Auto hier zu suchen? — Zeuge Kaufmann Eschenborn hat ebenfalls den Zwischensall mit dem Auto beobachtet, kann aber nähere Angaben nicht machen.
Zeuge Rtonleut Leß von dem Elektrizitätswerk Martinikcn- felde hat gesehen, daß ein ArRntswilliget von Kupfer ein Re> volver aus ihn, den Zeugen, und seine Freunde lichtete. Er bat einen Schutzmann, dem Mann den Revolver abzunehmen, damit er nicht andere unglücklich madje. Der Schutzmann lackste aber nur höhnisch. Die Schutzleute sind weder beschimpst noch bedroht worden.
Zeuge Kaufmann Heimann hat Dienstag Nacht Ecke Rostocker- und Hutlenstraße etwa 50 Perfonen beobachtet, die - das auf der Straße von den Tumultanten angerid)tete Feuer an- sahen. Ein Mann sang im bäuerischen Dialekt. Da kamen von allen Setten Schutzleute, die mit den Säbeln einhieben. Der Zeuge konnte sich auf die elektrische Bahn retten. Ein Mann, der sich nach seinem Hick bückte, bekam einen Fußtritt. Auch die Kinder wurden mit Fußtritten weggestoßen. Die Menge konnte sich gar nicht aus dem Unruhegebiet entfernen, die Schutzleute verfperrten die Abgangsstraße. Ein Polizeileutnant verweigerte die Fettrllung eines Kriminalbeamten, der einen Passanten in» Auge geschlagen hatte.
Erster StaaiSanwalt: WaS hatten Sie eiaentlich in der Nacht um y2l Uhr dort zu suchen? Zeuge: Ich hatte meine Braut begleitet und ging nach Hause.
Zeugin Frau S e h r i n g hat gesehen, daß ein Leutncmt einen alten Dtarrn, der mit Frau und Kindern Kohlen aufsammelte, mü dem blanken Säbel über den Rücken schlug. Die Zcugui kennt den Leutnant persönlich. Die Sttaße war ziemlich voll von Menschen. Die Zeugin bekundet noch einen weiteren Vorfall, wonach in der Sickingersttaße ein junger Mensch ohne jede Veranlassung von der Polizei geschlagen wurde. Der junge Mann riet ihr, ja nach Hause gehen und zeigte ihr seine durch dio Schläge geschnx'llenen Hände.
Leutnant Folte tritt vor tmb richtet verschiedene Fragen an die Zeugin. — Die Verteidiger protestieren dagegen. — Der Vorsitzende läßt ober die Fragestellung zu. — Leutnant Folte erklärt, er komme bei dem Vorfall in Frage. Die Kohlen fielen aus dem Wagen und viele Leute suchten die Kohlen aufzusammeln. Ein Schutzmann wollte eine alte Frau daran hindern, er, Leutnant Folie, hat ihn aber davon zurückgehalten und gesagt: Lassen Sie doch die alte Frau, darum können wir unS nicht kümmern. In dem Augenblick war es momentan still, es standen aber erregte Gruppen umher. — Tie Zeugin behauptet, daß für den Vorfall ein anderer Leutnant in Frage komme.
Tie Angeklagten E h r e n b’c r g und Lasker wollen ebenfalls gesehen haben, daß der alte Mann beim Kohlen aufles en von!
Langsdorf geneigt, für den nächsten Reichstag ttn Wahlkreise Gießen—Grünberg—Nidda wieder zu kandidieren.
Diese Notiz wurde aber von dem betreffenden Herrn umgeändert und ißr hinzugefügt, daß sich der Gesundheitszustand des Herrn Köhler erheblich gebessert habe, was wohl Herrn Abg. K. zu der Erklärung in Nr. 193 des Gießener Anzeigers veranlaßte.
?lm 28. August 1910 fand dann in Gießen ebenfalls ohne Vorwissen des Abg. K. eine gemeinsame Sitzimg der unterzetth- neten Wahlkreisvorstände statt, um zur Reicl^stagswahl unb zur Kandidaten frage Stellung zu nehmen. In dieser Sitzung wurde der Beschluß gefaßt, einer demnächst einzubernfenden gemeinsamen Vertrauensmänner-Versammlung die Aufstellung eines gemeinschaftlichen Kandidaten vorzuschlagen. Tie Auswahl des Kandidaten sollte den Vertranensmännei-n überlassen bleiben. Die Einberufung dieser Versammlung war für den 23. Oktober in Aussicht genommen, hat sich aber durch verschiedene Umstände hinausgezogen. Diese Versammlung wird bestimmt am 4. Dezember abgehalten werden. Wir bemerken ausdrücklich, daß Abg Köhler von allen von uns nach dem 15. Angust unternommenen Schritten unsererseits nicht in Kennlnis gesetzt worden ist. Daraus ist es auch wohl zu erllären, daß Herr K. seine Kandidatur am 25. Oktober selbst prollainierte
Es kann also keine Rede davon sein, daß unter den vier bezw. drei Parteien eine Einigung nicht zustande gekommen wäre.
2. Wenn Herr Rechtsanwalt Kaufmann in seinem „Offenen Bries" davon spricht, daß „die zwischen den bürgerlichen Parteien schwebenden Verhandlungen" noch nicht abgeschlossen seien, so stellen wir hierzu fest:
a) Daß wir am 6. August bezw. 17. September ja ein gleichlautendes Schreiben des natl. Wahllreisvorstanves erhielten, in dem u. a. gesagt war, daß dieser beschlossen habe, „seiner im Herbst stat:findenden Vertrauensmänner-V. rsammlung Herim Prof. Dr. Gisevius-Gießen als nationalliberalen Kandidaten für die nächste Reichstagswahl oorzuschlagen".
Wir haben diese Zuschrist lediglich als eine „Mitteilung" angesehen und nichts darauf erwidert.
b) Daß wir am 24. Oktober b. I. wiederum eine Zuschrift desselben Wahlkrcisvorstandcs erhielten, worin dieser uns ersucht, „die Kandidatur des Herrn Prof. Dr. Gck'evius auch unsererseits zu unterstützen" — nachdem also am Tage vorher die nationalliberale Vertrauensmänner-Versammlung genannten Herrn als nationalliberalen Kandidaten aufgeftdlt hatte.
Hieraus haben die beiden unterzeichneten Wahllreisvorstanpe der christlick>-so^iaten und der deutsch-sozialen Partei geantwortet, daß sie dieses Gesuch ihrer Vertrauensmänuer-Beriammlung unter* breiten würden.
Weitere Verhandlungen zwischen dem nationalliberalen Wahl- kreisvorsland und ims haben bisher nicht stattgesundew
Gießen und Ober-Hörgern, den 27. November 1910.
^vuyciin» HI. miterlebte —•— - , .■ ._ s
von seinen Begegnungen mit Napoleon entwirft, tritt und in dem Generalleutnant Karl von Wedel entgegen, von Men „hebendenmierimgen" der erste Teil sieben im Verlage von E S Mittler unb Sohn erschienen ist. Wedel war der Auftrag lutcü geworden, als der König nach dem Dorfe Pickkupohnen fam^ alles für die Aufnahme des Monarchen vorzubereiten. Friedrich Wilhelm kam sehr mißmutig an und stieg in feinem fcotel bem Schulhause, ab. „Ich filkte ihn m bie beste ^rube woselbst er sogleich ansing, sich auszuziehen, nachher aber fanb, daß dieselbe 311 feucht sei, und darauf lieber in eine viel ^^^01^0, in toeldjer er bie ersten Tage auch blieb. . . . ^asGesolge be^ Königs hatte sich verirrt, unb besonders kam der Kiicheunmgen so spät an, daß der König ansing zu hungern, was er äußerte. Ter General Chlebowski besorgte darauf Kaffee und lehr fck>lechttS Soldaienbrot, wie wir es nickst anders hatten, ^er König nahm aber das Brot nicht an, da er es, wie er sagte, nicht vertragen könne. Ich hatte das Vergnügen, zur Verwunderung des Geiierals Chlebowski, meine Hilfe anbieten zu können, und vorn König in ipaßhaftem Ton aufgefordert, eilte ich darauf nach meiner Mick-ie, bie ich damals noch allein beuroljnte. Ich hatte gnade baden lassen und kam bald nut einem großen Brote in einem Tuche zur Freude und zum lauten Gelächter des Königs wieder angaloppiert. Der König dankte mir mit großer Leutfeligkeck indem er hinzusügte: „Wir haben Sie hier auch nichts vergeffeii und Ihnen jtaiiee ausgehoben, sanken Sie sich ^n . Darauf nahni er dos Brot selbst, lchnttt sich ein Stuck ab und uns Gegen- toäriigen, General Chlebowski, Ma,or Klur, Major Sagoro, Ooerft Scharnhorst und mir, ebenfalls; dann ging er vor die Haustür, zwei ruf fische Grenadiere Schilbwache standen, und teilte unter dieselben den Rest des Brotes, worüber diese entzückt waren. Muten auf der Memel war aus einigen Kähnen, die fest verankert lagen, ein geschmackvoll mit Möbeln aus Tiljit unt> mit Blumenkränzen geschmücktes Häuschen erbaut worden Dahin begaben sich der Kaiser von Rußland und Kömg Fri^rich Wckßettn mck einem großen Gefolge, unter dem fich auch Wedel befand „AiS die franzöfisä^en Truppen auf dem andern Ufer die grone An^hl glänzender Reiter anfomnien laycn, ließen |ie em fchallendes Vi-e l Empercur hören, welches sogleich von den dlesfeiligen Tiuppen durch ein langes, anlxcktendes Hurra erwidert wurde. Tie Pconarchen stiegen von den Pferden, füllen m einem Kahne pach dem Friedensichifse und wurden daielbft ^rch Napoleon, vou semm vornehmeu Kriegsgroßeu gefolgt- aut das hoftichUK
Sperrt bm Welhl^xeisvorständen der christlich-sozialen, der deutsch-sozialen Partei und des DmideS der Lcurdwirte erholteu wir jvlgeude Zuschrift:
Zur Richtigstellung
In Nr. 278 deS „Gießener Anzeiger" veröffenllicht Herr NechtSanwalt Kausmannließen einen „Offenen Brief an Herrn Neiässiagsabgeordneten Köhler in Langsdorf". Darin heißt es ir. a.: „Als indessen weder unter diesen vier Parteien (gemeint sind bie Cdrisckickf-sozialen, Deutsch-sozialen, Reformer und der Bund der Landwirte), eine Einigung nicht zustande kommt, noch eine dieser Parteien zur Nominierung eines Kandidaten lerntet,, teilen eie am 6. Ottober 1910 dem Gießener Anzeiger mit, daß Sie unter allen Umständen zum nächsten Reichstag wiederholt kandidieren weiden."
Wir haben hierzu folgende» zu bemerken:
1 In der Hauprversammlung bei Christlich-sozialen des DahlkreiieS Gießen—Gnlnberg—Nidba am 31. Juli b. I. wurde ins einen au» her Versammlung heraus gestellten Antrag hin 3dd)!Olfen, daß die Wahlkreisvorsitzenden der christlich-sozialen Partei, der deutsch-sozialen Partei und des Bundes der Landwirte sich zu Herrn Abg. Köhler nach Langsdorf begeben unb bei ihm cm fragen sollten, ob er bereit sei, wiederum eine Kandidatur zum Reichs rage anzunehmen. Dieser Beschluß wurde auch am 13. August von den Unterzeichneten ausgeführt. Nach längerer Aussprache mit Herrn Köhler wurde u. a. schriftlich niedergelegt, baß Herr Köhler bereit sei, ein Mandat zum Reichstage anzu- ndzmen wenn er von den obengenannten vier Parteien gemeinsam wieder aufgestellt würde. Herrn Köhler wurden unsererseits feine bestimmten Zusicherungen gegeben, sondern ihm nur Mit- geteilt, baß wir die Entscheidung in die Hände unftrer Ber. traueiiSmänner legen würden. Ohne Vorwissen des Herrn Köhler wurde von unS ein der Presse nahestehender Herr gebeten, in verschiedene Zeitungen folgende Notiz zu bringen:
Gießen, 14. Aug. Wie wir aus zuveftässiger Quelle erfalyren, ist entgegen anderen Meldungen, Herr Abg^ Köhler-
zwischen Friedrich Wilhelm HL und Napoleon.
der die für Preußen so Gefolge Friedrich


